Cover des Buches Vertraute Welt (ISBN: 9783958903036)B
Rezension zu Vertraute Welt von Hwang Sok-yong

Leben im Müll

von Buchstabenliebhaberin vor 3 Monaten

Review

B
Buchstabenliebhaberinvor 3 Monaten

Glubschaug und seine Mutter wohnten in einem Slum in Seoul. Nachdem der Vater auf unbestimmte Zeit in ein Umerziehungslager gesteckt wurde, müssen die beiden umziehen. Was könnte schlimmer sein als Slum? Wohnen auf der Mülldeponie.

Für Glubschaugs Mutter ein Lichtblick, endlich nicht mehr hungern, die Mülldeponie mit dem schönen Namen "Blumeninsel" (ein Überbleibsel besserer Zeiten) bietet genug: Nahrungsmittel, Wertstoffe, Kleidung, Baumaterialien für eine Hütte. Außerdem hat sie einen einflussreichen Freund gefunden, den Baron. In seinem Sohn Glatzfleck findet Glubschaug einen neuen Freund in der lebensfeindlichen neuen Umgebung.

Hwang Sok-yong beschreibt eindringlich das Leben und Arbeiten auf dem Müll, im Müll, das knallharte Drei-Schicht-System, sobald die LKWs den Müll abladen, schwärmen die Besitzlosen aus und durchkämmen systematisch nach einer strengen Hierarchie aufgeteilt den neu angelieferten Müll. Im Sommer sind der Gestank und die Fliegen unerträglich, Hubschrauber versprühen Pestizide, vor denen sich die Bewohner rechtzeitig in Sicherheit bringen müssen. Im Winter friert Schicht über Schicht Müll, und darunter gärt es. Mit zunehmender Wärme kommt es zu Gasexplosionen, es bilden sich Löcher, es besteht Brandgefahr. Die Bewohner leben gefährlich und extrem ungesund. Alkohol spielt auch eine große Rolle. Wenn die Besitzlosen genug gespart haben, um einen Ausflug in die Stadt zu unternehmen, müssen sie zuerst in die örtliche Badeanstalt, so unerträglich ist der Geruch, der sie umgibt.

Aber es gibt auch den Zusammenhalt unter den Besitzlosen, eine Abenteuerhütte für die Kinder, oder eine Hütte am Rand der Deponie, wo eine Familie sich um streunende Hunde kümmert, und immer auch Zeit und Essen für die herumstromernden Jungen hat.

Dann gibt es noch eine mystische Komponente im Buch, die blauen Lichter, die sich in Menschen verwandeln können. Können nur Glubschaug und Glatzfleck sie sehen, oder sehen andere sie auch, wer sind diese Wesen? Führen sie die Jungs zu einem kleinen Vermögen?

Dieses gefundene Geld ermöglicht den beiden Jungs einen Ausflug ins Einkaufsparadies der Stadt, die Jungs gehen essen und kaufen sich einen Game Boy, sie können sich endlich mal wie normale Kinder benehmen.

Bis es dann zu einer großen Katastrophe kommt.

Mein Fazit:

Ich mochte das Buch und die Geschichte, auch wenn die Übersetzung stellenweise etwas seltsam anmutete.

Mich hat das Thema des Buches tief berührt, und ich möchte jedem entgegenbrüllen, dass niemand auf einer Mülldeponie leben sollte, dass dieses Leben menschenunwürdig ist. Hwang Sok-yong hat die Umstände eindringlich beschrieben, die Hütten aus Müll, der Boden aus halbverwesten Tierkadavern, Essensresten, und was die Gesellschaft halt alles entsorgt. Wie wichtig es ist, im Müll der besseren Stadtteile wühlen zu dürfen! Was für verheerende Auswirkungen Feste und Feiertage für die Bewohner der Mülldeponie haben. Dass es für die Menschen, die dort gelandet sind, keinen Weg zurück in die Gesellschaft gibt.

Das Buch spielt in den 80-er Jahren. Heute engagiert sich Südkorea gewaltig, um sein Müllproblem in den Griff zu kriegen. Die im Buch beschriebene Mülldeponie ist heute (wieder) ein Naherholungsgebiet.

Aber immer noch gibt es weltweit unzählige Besitzlose, die in der Nähe oder auf Müllkippen leben, um nicht verhungern zu müssen. Ich finde es wichtig, auf diese Zustände aufmerksam zu machen, damit sich etwas ändern kann.

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