I. J. Kay Nördlich der Mondberge

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Inhaltsangabe zu „Nördlich der Mondberge“ von I. J. Kay

»Prosa, wie mit einem rostigen Nagel auf eine Kanne geritzt« The New York Times. Eine Frau um die dreißig wird nach zehn Jahren aus dem Gefängnis entlassen und erkämpft sich einen Platz in der Gesellschaft. Ein literarisches Meisterwerk, das von der Kritik international als beeindruckende Neuentdeckung gefeiert wird. Mehr als einen neuen Namen besitzt Louise Adler, genannt Lulu, nicht, als sie nach zehn Jahren endlich in die Freiheit entlassen wird. Mit Gelegenheitsjobs hält sie sich über Wasser, doch brechen sich die Erinnerungen an Kindheit und Jugend immer wieder Bahn: an die egozentrische Mutter und den gewalttätigen Vater, an die erste Liebe und Zusammenbrüche. Als Lulu Wiedergutmachung für die abgesessene Zeit im Gefängnis erhält, reist sie an den Sehnsuchtsort ihrer Kindheit, die Mondberge in Zentralafrika. In dieser großartigen Landschaft versucht sie, die Teile ihrer zerrütteten Seele wieder zusammenzusetzen. I.J. Kay ist ein besonderer Roman gelungen, der sprachlich an William Faulkner, in der Kompromisslosigkeit seiner Frauenfigur an Stieg Larsson und in seiner Unbarmherzigkeit an Sarah Kane erinnert und doch etwas ganz Eigenes ist: ein großartiger Text über ein Leben jenseits der gesellschaftlichen Ordnung.

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  • Ambitioniertes Romanprojekt

    Nördlich der Mondberge
    serendipity3012

    serendipity3012

    Ambitioniertes Romanprojekt Was macht gute Literatur aus? Warum lesen wir? Jeder Leser dürfte hier andere Schwerpunkte setzen. Gute Literatur soll zunächst einmal unterhalten. Gute Literatur wirft Fragen auf, regt zum Nachdenken an. Sie entführt in fremde Welten, erzählt von fremden Leben und manchmal dadurch auch vom eigenen. Ein Roman sollte klug sein, was ganz Unterschiedliches bedeuten kann: Literatur darf auch leicht (aber nicht seicht!) sein. Sie darf mich fordern, sie darf mich auch mal ein wenig ärgern. Sie muss mir nicht alles direkt auftischen, ich liebe die Zwischentöne, das Lesen zwischen den Zeilen, die Kunst, etwas zu sagen, obwohl es nicht direkt dasteht. Somit hatte „Nördlich der Mondberge“ von I. J. Kay alle Voraussetzungen, um mir zu gefallen. Kays Roman ist sehr ambitioniert: Ihre Protagonistin Lulu (die aber im Laufe des Romans bzw. ihres Lebens viele verschiedene Namen trägt) erzählt ihre Lebensgeschichte auf mehreren Ebenen. Zu Beginn der Geschichte ist sie gerade nach einer zehnjährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen worden. Eine Entschädigung für diese Zeit ermöglicht es ihr, eine Reise nach Zentralafrika zu unternehmen, wo sie sich ihrer Vergangenheit stellen will – was das genau heißt, erfährt der Leser zunächst nicht. So springt die Erzählerin in den Ebenen, das heißt Zeiten, hin und her, und gibt wenig Anhaltspunkte, wo bzw. wann wir uns gerade befinden. Wir lesen von ihrer schweren, von Gewalt geprägten Kindheit und der lieblosen Jugend. Werden in rascher Folge mit einigen Figuren konfrontiert, die sich zunächst nicht einordnen lassen, da die Autorin uns nur immer kleine Häppchen vorwirft, dann den aktuellen Teil der Geschichte verlässt und sich einem anderen zuwendet. Sind es zu Anfang nur zwei Ebenen, so werden es später mehr und es kommen noch Passagen hinzu, in denen nicht klar ist, ob das Erzählte wirklich geschehen ist oder es sich um Visionen handelt. Kays Stil ist dabei knapp, voller Dialoge, ohne viel zu erläutern, teils assoziativ. Hilfreich für den Leser ist dabei, dass Lulu in der Vergangenheit viele Rechtschreib- und Grammatikfehler unterlaufen (wobei es auf der anderen Seite nicht recht nachvollziehbar ist, dass sie viele Jahre, auch noch im jungen Erwachsenenalter, davon spricht, sie sei zum Beispiel „übergerascht“). Ungefähr bis zur Mitte des Romans habe ich Lulus Geschichte gern gelesen und interessiert verfolgt. Darauf vertraut, dass sich das Wirrwarr aus den sehr vielen Mosaiksteinen schon irgendwann auflösen und alles sich aufklären wird. Dass die Autorin mich, ihre Leserin, nicht vergessen hat und durch dieses Dickicht zu führen versteht. Da Kay ihren Stil aber konsequent durchhält, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass der Nebel sich lichtet, wurde mir der Roman irgendwann in der zweiten Hälfte recht mühsam. „Nördlich der Mondberge“ von I. J. Kay wurde von der amerikanischen und englischen Kritik hochgelobt und gewann auch den ein oder anderen Preis. I. J. Kay, ein Name, der im Übrigen ein Pseudonym ist, hat einen interessanten Stil, und sie bleibt sich in ihrem Roman durchgehend treu. Sicher ist sie talentiert. Ist das gute Literatur? Ich möchte dazu ermutigen, sich selbst ein Bild zu machen. Mir ging irgendwann während der Lektüre die Unterhaltung verloren, die Puste aus, ich fühlte mich von der Autorin alleingelassen. Es ist, als habe sie mich nicht wirklich an ihre Protagonistin herankommen lassen wollen. „Nördlich der Mondberge“ richtet sich wohl eher nicht an die große Masse, sondern an ein kleineres Lesepublikum, das diese ganz besondere Art, zu erzählen, zu würdigen weiß. Der Roman ist, das muss man der Autorin lassen, konsequent.

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  • Ungewöhnlich, vielschichtig, faszinierend!

    Nördlich der Mondberge
    Havers

    Havers

    „Lulu“ Louise Adler ist Anfang dreißig und nach zehnjähriger Haft frisch aus dem Gefängnis entlassen. Sie steht vor dem Nichts: keine Wohnung, keine Arbeit, und – was noch viel schlimmer ist – keine Identität. Ein Unterschlupf ist schnell gefunden, auch wenn man dieses Drecksloch ohne Heizung, aber dafür mit einer beachtlichen Rattenpopulation schwerlich als Wohnung bezeichnen kann. Gelegenheitsjobs sichern ihr zumindest das Überleben. Bleibt die Frage nach dem „Wer bin ich?“ und „Woher komme ich?“, existenzielle Fragen, für deren Beantwortung Lulu sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen muss. Ein schmerzhafter Prozess, der alte Wunden wieder aufreißt, als sie sich an ihre gestohlene, lieblose Kindheit in einer dysfunktionalen Unterschichtsfamilie erinnert. Überlebenshilfe bietet einzig ihr Buch, ein Geschenk ihres geliebten Großvaters, mit dessen Hilfe sie sich nach Afrika träumt, wo sie als Masai-Kriegerin ein Leben in Freiheit und Würde lebt. Schade nur, dass dieses Afrika eine Brache in einem Londoner Vorort ist. Aber manchmal gibt es eben doch Wunder. Manchmal wird auch eine große Sehnsucht gestillt, in diesem Fall durch eine Entschädigungszahlung für die Haftstrafe, die es Lulu endlich ermöglicht, nach Uganda zu den Mondbergen zu reisen. Die Britin I. J. Kay schreibt unter Pseudonym, und der mit dem Authors‘ Club Best First Novel Award ausgezeichnete Roman „Nördlich der Mondberge“ ist ihr Debüt. Wie ihre Protagonistin hat auch sie Verbindungen nach Afrika, denn sie lebt abwechselnd in England und in Gambia. Ihre Art des Erzählens ist ungewöhnlich und gerade deshalb so interessant. Nichts ist linear. Alles ist fragmentarisch, ob das nun die Erinnerungen oder das Erleben der Protagonistin ist. Es sind immer nur Miniaturen, die erst allmählich ein großes Ganzes ergeben. Die Personen sind ebenfalls vielschichtig und im permanenten Wandel begriffen, was auch beispielsweise durch die unzähligen Namen für ein und dieselbe Person, in diesem Falle Lulu, deutlich wird. Mal nennt sie sich Catherine, dann wieder Kim oder Beverly. Aber man könnte dies auch als Beleg für viele Fluchten und multiple Persönlichkeiten werten. Faszinierend ist die Sprache, die schrägen Wortschöpfungen, die aber immer mitten ins Schwarze treffen. Kay arbeitet mit vielen Metaphern, manchmal klischeehaft, oft aber genau in den Zusammenhang passend. Grandios! „Nördlich der Mondberge“ bietet ein außergewöhnliches Leseerlebnis, weshalb ich diesen Roman nachdrücklich empfehle.

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