Ian Hamilton

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Die Wasserratte von Wanchai

Die Wasserratte von Wanchai

 (9)
Erschienen am 01.07.2011
Der schottische Bankier von Surabaya

Der schottische Bankier von Surabaya

 (5)
Erschienen am 05.10.2018
Die wilden Bestien von Wuhan

Die wilden Bestien von Wuhan

 (3)
Erschienen am 01.02.2013
Der Jünger von Las Vegas

Der Jünger von Las Vegas

 (3)
Erschienen am 25.07.2012
Der Rote Stab von Macao

Der Rote Stab von Macao

 (2)
Erschienen am 29.10.2014
National Life and National Training

National Life and National Training

 (0)
Erschienen am 28.10.2009
The Deadly Touch of the Tigress

The Deadly Touch of the Tigress

 (0)
Erschienen am 20.06.2012

Neue Rezensionen zu Ian Hamilton

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Rezension zu "Der schottische Bankier von Surabaya" von Ian Hamilton

Kein Plädoyer gegen den Kapitalismus, aber für mehr Gerechtigkeit
Krimisofa_comvor einem Monat

Mitte Oktober erreichte mich eine Rezensionsanfrage des Verlages Krug & Schadenberg. Der Verlag Krug & Schadenberg besteht seit 25 Jahren und publiziert ausschließlich lesbische Literatur. Das kann alles sein, Sachbuch, Ratgeber oder Krimi; da ich mit den ersten zwei Kategorien nicht viel anfangen kann, handelte es sich bei der Anfrage natürlich um einen Krimi. Das ist der fünfte Teil einer Serie, bei der man – so wurde mir gesagt – auch mittendrin einsteigen kann. Wobei ich bei mir recht schnell erkannte, dass mich die vorherigen Teile ebenfalls interessieren würden, denn Ava Lee ist eine mehr als beeindruckende Heldin.

Ava Lee ist ausgebildete Wirtschaftsprüferin und leitet mit ihrem Geschäftspartner ein Unternehmen. Der Geschäftspartner wird durchgehend nur Onkel genannt, dürfte tatsächlich aber Avas Großvater sein. Die Bezeichnung „Onkel“ ist im Asiatischen  eine respektvolle Anrede, wie mir die Übersetzerin des Buches auf Nachfrage erklärte. Die Familienverhältnisse von Ava sind aber ohnehin nicht die einfachsten. Ihre Freundin ist Kolumbianerin und die Hälfte ihrer Familie lebt in China, während sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in Kanada lebt. Ihr Vater hat nämlich gleich drei Familien auf drei Kontinenten – eine davon eben in Nordamerika. Ava ist zwar lesbisch, das Thema steht aber nicht im Zentrum, ja eigentlich spielt es generell nur eine untergeordnete Rolle, und das ist auch gut so – was interessiert mich, wer mit wem ins Bett geht.

Aber genau das spielt dann doch eine Hauptrolle in dem Buch, wenngleich komplett anders, als man anfangs erwartet. Es dauert nämlich tatsächlich eine Zeit lang, bis etwas Fahrt in die Handlung kommt; lange erkennt man auch keinen Krimi. Es ist zwar interessant, aber weit weg von spannend. Spätestens als Ava zu einer Sightseeing-Tour in Surabaya eingeladen wird, schlief die Handlung für mich komplett ein – das hat schon mehr von Reiseführer als Krimi. Und dann passiert die eine, die entscheidende Sache, und schlagartig haben wir nicht nur Spannung, sondern auch jede Menge Emotionalität – das ist definitiv der turning point im Buch. Aber auch bei Ava, denn diese agiert danach komplett anders als davor – wesentlich motivierter und brutaler. Ich habe selten solch eine (gerechtfertigte!) Brutalität erlebt. Der Showdown findet für mich deshalb bereits im zweiten Drittel des Buches statt.

Ian Hamilton baut auch immer wieder asiatische Kultur und Kulinarik ein – und obwohl Hamilton Kanadier ist, man nimmt ihm jede asia-spezifische Beschreibung unhinterfragt ab und merkt, dass er sich nicht nur mit der Kultur auseinandergesetzt hat, sondern sie liebt. Dass Ava Kanadierin ist und das Buch zu einem (sehr kleinen) Teil in Kanada stattfindet, ist eine Randnotiz.

Positiv hervorheben will ich noch das Genre. Ich hege normalerweise kein gesondertes Interesse für Wirtschaft – damit verbundene Zahlen sind ohnehin ein rotes Tuch für mich. Aber ich habe mich gut zurechtgefunden und hatte auch noch Spaß daran. Und auch wenn „Der schottische Bankier von Surabaya" nicht gerade ein flammendes Plädoyer gegen den Kapitalismus ist, dann doch eines für mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt. Was will man mehr?

Der nächste Teil der Reihe, „Die zwei Schwestern von Borneo", kommt im Herbst 2019, möglicherweise früher.

Tl;dr: „Der schottische Bankier von Surabaya“ von Ian Hamilton ist ein Wirtschaftskrimi, der sich Zeit nimmt, um die Handlung aufzubauen und bei der man lange den Krimi sucht – bis sie dann  explodiert und einen nicht mehr loslässt. Ava Lee ist eine beeindruckende Person, die lesbisch ist, deren sexuelle Präferenz aber eine untergeordnete Rolle spielt.

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Rezension zu "Der schottische Bankier von Surabaya" von Ian Hamilton

Ava Lee in ihrem fünften Fall - beeindruckend, spannend und global!
DunklesSchafvor 2 Monaten

Über den Autor Ian Hamilton und seine Protagonistin Ava Lee bin ich tatsächlich schon mal vor einer Weile bei der Suche nach neuen Büchern gestolpert. Teil eins (Die Wasserratte von Wanchai) landete auf meiner Wunschliste, auf der sie seitdem ausharrt. Mit dem aktuellen Krimi erscheint nun aber schon der fünfte Teil um Ava Lee und jetzt konnte ich auf keinen Fall mehr widerstehen. Ein Quereinstieg in eine Serie ist ja immer umstritten, denn es fragt sich, ob man nicht die vorigen Teile kennen muss, um den aktuellen zu verstehen. Bei Krimis ist das allerdings oft kein Problem, denn die Fälle sind ja abgeschlossen. Private Verwicklungen, die aber ja meist nebenher laufen, sind natürlich schon fortgeschritten, aber eben nicht hinderlich bei einem Quereinstieg. Nichtsdestotrotz kann es aber ein Risiko sein. Kann sein, muss aber nicht.

Nach ihrem letzten Fall ist Ava Lee gesundheitlich angeschlagen und gerade dabei sich zu überlegen, ob sie in ihren Job zurückkehren will. Sie ist Wirtschaftsprüferin, doch langweilig ist ihr Job ganz sicher nicht. Mit Onkel, dem ehemaligen Chef einer chinesischen Triade, betreibt Ava Lee ein Inkassounternehmen und verschafft Kunden verlorenes Geld wieder. Keine Kleinbeträge, richtig viel Geld. Deshalb ist sie nicht nur skeptisch, sondern auch ablehnend, als ihre Mutter sie bittet, Teresa Ng, einer Bekannten ihrer Mutter, aus der Patsche zu helfen. Als jedoch klar wird, dass nicht nur Teresa, sondern noch mehr Parteien bei einem Fondschwindel richtig viel Geld investiert haben und es nun zurückhaben möchten, nimmt sie den Auftrag doch an. Der Auftrag führt sie von Kanada über China nach Indonesien, genauer gesagt nach Surabaya.

Beeindruckend. Das ist das Wort, welches Ava Lee für mich am besten beschreibt. Ava Lee ist eine kluge, starke Frau. Sie arbeitet in einem Beruf, der nicht ohne Gefahr ist, doch zur Not kann sie sich verteidigen. Sie verfügt über Fachkenntnisse und versteht ihr Handwerk. Auch wenn sie nie so genannt wird im Buch ist sie doch irgendwie Privatdetektivin. Sie sucht keine verlorenen Menschen, überwacht keine betrügenden Männer oder klärt Mordfälle – sie sucht Geld. Als Wirtschaftsprüferin ist sie dafür genau die Richtige. Und gemeinsam mit dem etwas geheimnisvollen alten Mann, den sie Onkel nennt, hat sie damit Erfolg. Nichtsdestotrotz hat der letzte Fall ihr schwer zu schaffen gemacht. Zum einen ging es um ihren Halbbruder, zum anderen hat sie auch einen Mann erschießen müssen und ist selbst mit einer Schusswunde nur knapp davon gekommen. Sie zweifelt, ob ihr Job noch der richtige Job für sie ist, doch bevor sie sich darüber klar werden kann, wird sie von ihrer Mutter in den nächsten Job katapultiert.

Die Familie… ja, die ist nicht ganz einfach bei Ava. Ihre Mutter ist die zweite Frau ihres Vaters, der mit seiner ersten Frau und Familie in China lebt, dessen dritte Frau mit Familie aber in Australien lebt. So überspannt Avas Familie denn den ganzen Globus, doch ihre Mutter und ihre Schwester leben in Kanada. Neben ihrer Geliebten Maria pflegt sie noch einige Freundschaften, unter anderem zu May Ling, die sie in einem vergangenen Fall kennen gelernt hat und sie nun gerne zu einer Geschäftsbeziehung überreden will. Während des Falls schottet sie sich ab, denn tatsächlich fließt ein beständiger Mailverkehr zwischen ihr und ihren Freunden und Familienmitgliedern hin und her. Um ganz ehrlich zu sein, waren es mir am Anfang fast schon zu viele, um mir die Namen zu merken, aber auch um sie auseinander zu halten, aber mit der Zeit hat man dann alle Verbandelungen drauf.

Das Geflecht an Beziehungen versteht man bestimmt ein wenig besser, wenn man die vorigen Teile kennt – was ich auf jeden Fall nun nachholen werde – aber auch ohne die vorigen Teile kann man die Verbindungen recht schnell nachvollziehen. Es gibt auch einige Anspielungen auf den vorigen Fall, der in Macao stattfand, doch das war nicht weiter störend. Weder wird zu viel verraten, so dass man keine Lust mehr hat, diesen Teil nachzuholen, noch lag der alte Fall im Fokus. Es war einfach etwas, was hin und wieder erwähnt wurde, um Dinge zu erklären oder zu verdeutlichen.

Onkel hingegen ist schon eine etwas spezielle Figur. Über ihn, bzw. über seine Vergangenheit erfährt man nun nicht sehr viel, doch Onkel hat weitreichende Verbindungen, die Ava bei ihren Ermittlungen zu Gute kommen. Vor jeder Entscheidung berät sich Ava mit dem alten Mann und trifft keine wichtige Entscheidung allein. Sie arbeiten gemeinsam. Es ist aber kein Chef-Angestelltenverhältnis, es ist eine Partnerschaft. Beide wissen nicht alles voneinander, vertrauen sich aber blind. In ihrem Geschäft nicht unwichtig, aber doch unüblich.

Sagt man wirtschaftlichen Themen in Krimis oft nach, dass sie langweilig sind und hierfür nicht taugen, muss ich erwähnen, dass ich immer wieder vom Gegenteil überzeugt werde. Wirtschaftsthemen eignen sich hervorragend für Krimis – ich würde jetzt mal wagemutig behaupten, wenn dem nicht so ist, liegt es nicht am Thema. Der Autor verbindet elegant den fauligen Investmentfond mit einer krummen Bank auf Indonesien, verquickt mit Italienern und Waffen, und haut am Ende mit Geldwäsche und Immobiliengeflechten um sich – das alles aber verständlich und unheimlich spannend geschrieben. Aber das ist auch noch nicht alles, denn er lässt Ava eine Sache durchleben, die mich tiefst betroffen hat und ich mir jetzt noch nicht ganz klar darüber bin, ob ihre Reaktion darauf gut oder schlecht finde. Beeindruckend ist sie aber auf jeden Fall, denn sie ist zwar betroffen, aber verfolgt ihr Ziel weiterhin kühl und unerbittlich, aber kann man bei so einem Ereignis sachlich bleiben? Nun ja, sie schafft es nicht ganz.

Tatsächlich hatte ich mich gefreut, einen Thriller aus Kanada zu lesen, denn das Land ist noch ein weitgehend blinder Fleck auf meiner Karte, aber flugs waren wir dann in Asien, China und Indonesien. Das war denn weiter auch nicht schlimm, denn auch hier habe ich noch weiße Flecken und hab mich gefreut, mehr über die beiden Länder zu erfahren. In Hongkong erhält Ava eine kleine, aber feine Sightseeing Tour, doch abgesehen davon, liegt der Fokus des Autors nicht auf ausführlichen Landschaftsbeschreibungen. Schon eher widmet er sich der Küche des Landes und lässt Ava immer sehr gute Gerichte probieren. Vielmehr ist es aber die Kultur, die Feinheiten im Umgang im asiatischen Raum, die mir Ava in dem Buch ganz unbewusst näher gebracht hat.

Fazit:
Ein perfektes Leseerlebnis rund um Privatdetektivin Ava Lee, die dem Weg des Geldes folgt und dabei nicht nur auf langweilige Wirtschaftskriminelle stößt. Ich bin gespannt, ob die anderen Teile der Serie meine nun hohen Erwartungen halten können. Dieser Teil ist auf jeden Fall eine absolute Leseempfehlung!

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Rezension zu "Der schottische Bankier von Surabaya" von Ian Hamilton

Spannender Krimi mit selbstverständlich lesbischer Heldin
haensbaensvor 2 Monaten

Vollständige Rezension: queerbuch.wordpress.com

Wertung: 3,5 Sterne

Ich lese kaum Krimis, und besonders nach Beenden dieses Buchs frage ich mich, warum eigentlich. Der schottische Bankier von Surabaya war intelligent, vereinnahmend, teilweise brutal; vor allem aber wahnsinnig spannend. Ian Hamilton lebt in Kanada und hat selbst viel Zeit im asiatischen Raum verbracht, sodass sich seine Beschreibungen so anfühlen, als sei man tatsächlich vor Ort. Völlig selbstverständlich schreibt er über eine lesbische Heldin, aufgewachsen zwischen den Kulturen. Sie erscheint in strahlender Selbstsicherheit und zeigt sich zeitweise trotzdem verletzlich, was es nur selbstverständlicher macht, ihr voll und ganz zu verfallen. Ian Hamilton ist der erste männliche Autor, des es ins Verlagsprogramm Krug & Schadenberg geschafft hat – in meinen Augen hat er sich diesen Platz vollstens verdient. Er besticht durch seinen Blick für Details, sein Feingefühl und die Unbarmherzigkeit, die sich durch Gewohnheit einschleicht.

Hin und wieder kommen in Gesprächen zwischen den Figuren frühere Fälle zur Sprache. Wider Erwarten fühlte ich mich nicht um diese Fälle betrogen – denn ein Verständnis für die Charaktere weiß der Autor auch so aufzubauen – sondern fühlte mich nostalgisch zurückerinnert, obwohl ich sie noch gar nicht kenne. Besonders dadurch habe ich richtig Lust bekommen, ebendiese vorigen Fälle zu lesen, um tiefer in die Welt um Ava Lee einzutauchen. Die Figuren sind Ian Hamilton sehr dreidimensional gelungen. Der Autor lässt sie weder besonders emotional auftreten, noch verrennt er sich in Beschreibungen. Ein paar Worte genügen – der Rest geschieht über das Auftreten der Charaktere. Sie wirkten auf mich wahnsinnig lebensecht und irgendwie so, als könnte ich ihnen auch einfach so mal über den Weg laufen. Wie sich das anfühlen mag, wenn man mehrere Teile der Reihe gelesen hat; darauf bin ich sehr gespannt.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass es für meinen Geschmack etwas lang gedauert hat, bis die Geschichte voll im Gang war und die Spannung mich nicht mehr losgelassen hat. Das passiert definitiv, nur konnte ich das Buch während des ersten Drittels auch gut zur Seite legen. Ava Lee erholt sich von ihrem letzten Fall, überlegt noch eine Weile hin und her, ob sie den Fall überhaupt übernehmen soll und beginnt schließlich langsam, den Spuren zu folgen. Ich verstehe, warum es diese langsame Annäherung gibt – denn Ava Lee ist eben auch eine Person, die ein Leben außerhalb der turbulenten Fälle führt, die an einem Wendepunkt steht und sich fragt, wo sie ihre weitere Reise hinführen soll. Das ist wichtig um zu zeigen, wer hinter der Fassade steckt und dass sich in diesem fünften Teil eine Veränderung abzeichnet, die in Zukunft unumgänglich wird. Trotzdem hätte ich mir hier gewünscht, dass der Autor etwas schneller zum Punkt kommt.

Ich freue mich sehr, dass der Verlag den Ava-Lee-Romanen ein neues Zuhause bietet, mich hat die Roman-Heldin auf jeden Fall in ihren Bann gezogen. Es wird schon fleißig an der Übersetzung des nächsten Bandes gearbeitet, der bald ebenfalls auf Deutsch erscheinen soll.

Fazit

Wir haben es hier mit einem der wenigen Krimis zu tun, der eine selbstverständlich lesbische Heldin in den Mittelpunkt stellt, ohne daraus ein großes Thema zu machen. Man kann die Ava-Lee-Romane gut unabhängig voneinander lesen, und dieser hier hat mich bestens unterhalten. Auch wenn er im ersten Drittel spannungstechnische Anlaufschwierigkeiten hat, wurde er spätestens ab dem zweiten Drittel zum klassischen Page-Turner und macht definitiv Lust auf mehr. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil!

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