Ian Kershaw

 4.4 Sterne bei 76 Bewertungen
Autor von Hitler, Das Ende und weiteren Büchern.

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Achterbahn

Erscheint am 11.03.2019 als Hardcover bei DVA.

Alle Bücher von Ian Kershaw

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Das Ende

Das Ende

 (14)
Erschienen am 07.11.2011
Hitler

Hitler

 (15)
Erschienen am 03.08.2009
Hitler, Band 1: 1889 - 1936

Hitler, Band 1: 1889 - 1936

 (9)
Erschienen am 01.09.1998
Höllensturz

Höllensturz

 (9)
Erschienen am 25.09.2017
Hitler, Band 2: 1936 - 1945

Hitler, Band 2: 1936 - 1945

 (6)
Erschienen am 01.08.2000
Hitlers Macht

Hitlers Macht

 (4)
Erschienen am 01.01.2000
Der Hitler-Mythos

Der Hitler-Mythos

 (4)
Erschienen am 26.03.2018
Der NS-Staat

Der NS-Staat

 (3)
Erschienen am 05.05.2009

Neue Rezensionen zu Ian Kershaw

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Schnicks avatar

Rezension zu "Höllensturz" von Ian Kershaw

Präzise Zusammenfassung der europäischen Geschichte der Jahre 1914 bis 1949
Schnickvor 3 Monaten

Die Geschichte Europas ist spannend und Ian Kershaw wird dieser Geschichte gerecht. Sachbücher sind oft trocken geschrieben und langweilen sehr schnell. Ian Kershaw schafft es aber, obwohl er stets sachlich bleibt, Geschichte trotzdem spannend und für den Leser nachvollziehbar aufzuarbeiten.


Kershaw ist vor allem durch seine Hitler-Biografie bekannt geworden. In "Höllensturz" - dem ersten von zwei Bänden über die Geschichte Europas des 20. Jahrhunderts - widmet er sich dem dunkelsten Kapitel: Die Jahre von 1914 bis 1945 (bzw. 1949) sind die dunkelsten der jüngeren europäischen Geschichte. Kershaw schafft es gekonnt, sowohl den 1. als auch den 2. Weltkrieg - und die Jahre zwischen den Weltkriegen - gekonnt aufzuarbeiten, Zusammenhänge zu erklären und uns europäische Geschichte näher zu bringen, die unser Leben noch heute prägt. 

Kershaw widmet sich dabei den Entwicklungen in ganz Europa, was eine Mammutaufgabe ist, die er meiner Meinung nach sehr gut meistert. Natürlich kann er nicht in gleichem Maße auf alle Länder eingehen, aber er tut es immer auf eine Weise, die den jeweiligen Ländern gerecht wird und die meinen Horizont erheblich erweitert haben. 

Obwohl mir bereits viel in der Schule vermittelt wurde (diese Jahre haben mich immer wahnsinnig interessiert) und ich mich auch privat immer ein bisschen mit dem 1. und 2. Weltkrieg beschäftigt habe, habe ich doch viel mit diesem Buch mitgenommen, das mit 20 Euro nicht gerade billig ist, aber aufgrund seiner Informationsfülle und tollen, sachlichen und doch spannenden Schreibweise sehr interessant ist und vor allem sehr viele Informationen bietet.

Mir hat auch sehr gut gefallen, dass Kershaw nicht ausschließlich politische, sondern auch wirtschaftliche, kulturelle und sogar religiöse Entwicklungen mit einbezieht. 

Die europäische Geschichte ist komplex und sie in einem Buch zusammenzufassen - selbst wenn es sich "nur" um 35 Jahre handelt - ist schwierig. Dass Kershaw streckenweise an der Oberfläche bleibt, dass er eine Wahl treffen musste, was wichtig ist und was nicht, kommt diesem Buch zugute. Es ist nicht zäh und trotz vieler Zahlen und Fakten von Anfang bis Ende gut lesbar. Wer weiter in die Tiefe dringen möchte, kann dies im Anschluss mit weiteren Büchern tun.

Fazit: Ein tolles, kompaktes und doch informatives Buch. Klare Leseempfehlung!

(P. S.: Der zweite Band ist gerade unter dem TItel "Roller-Coaster" in Großbritannien erschienen. Ich hoffe, dass er bald auch in Deutschland erscheinen wird.)

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Matzbachs avatar

Rezension zu "Höllensturz" von Ian Kershaw

Detaillierte Darstellung Europas Weg in den Abgrund
Matzbachvor einem Jahr

Aus Ian Kershaws Vorwort wird deutlich, dass "Höllensturz" der erste Teil einer zweibändigen Geschichte Europas im 20. Jahrhundert ist. Zeitlich umfasst er die Jahre 1914 bis 1949, wobei naturgemäß kurze Exkursionen in die Zeit bevor bzw. danach nicht ausbleiben können. Kenntnisreich beschreibt der britische Historiker gesamteuropäische Ver- und Entwicklungen, die in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs führten. Ohne all zu sehr ins Detail gehen zu wollen, sei hier eine der Hauptursachen genannt. Im Europa der Zwischenkriegszeit konkurrierten drei Gesellschaftssysteme, die demokratischen Staaten im Westen und Norden Europas, das Sowjetmodell im Osten sowie zahlreiche mehr oder weniger autoritäre Regimes, vor allem im Süden und Südosten. Generalisierend kann man sagen, dass, je stärker die wirtschaftlichen Probleme wurden und, damit verbunden, die Angst vor dem Kommunismus anstieg, sich die Menschen offensichtlich verstärkt die Lösung von autoritären Strukturen versprachen. Dabei waren Nationalismus und Ausgrenzung von Minderheiten der Kitt, der diese Staaten zusammenhielt. Gerade was die im Buch beschriebenen Entwicklungen in Polen und Ungarn betrifft, bekommt der Leser ein ungutes Gefühl, wenn er an die gegenwärtige Politik dort denkt. Die stärkste Form der autoritären Staatsführung, der Faschismus, setze sich letztendlich "nur" in den drei Staaten Deutsches Reich, Italien und Spanien durch, wobei fatalerweise das Deutsche Reich mit seiner Wirtschaftskraft und seinem Gefühl, gedemütigt aus dem Ersten Weltkrieg hervorgegangen zu sein, zum unbestrittenem Kriegstreiber zum Zweiten Weltbrand wurde. Dabei verhehlt Kershaw keineswegs die Fehler, die Großbritannien mit seiner sogenannten Appeasement-Politik beging, deren Höherpunkt der Verkauf der Tschechoslowakei war.

Mit der Niederlage des Faschismus und seiner menschenverachtenden Politik wurde aus der Trias der Gesellschaftsmodelle innerhalb Europas ein Dualismus, der spätere kalte Krieg zwischen Ost- und West, eine Entwicklung, die sich im Nachhinein in atemberaubender Schnelligkeit vollzog.

So beeindruckend dieses Buch auch ist, es krankt an einem gravierenden Mangel, den Kershaw allerdings nicht selbst zu verantworten hat. Im Vorwort erwähnt er fast beiläufig, dass es bei Penguin Random House nicht üblich sei, einen Anmerkungsapparat zu machen. Diese unbefriedigende Vorgehensweise würde ich keinem Schüler bei einem Referat durchgehen lassen, zumal man als Leser bei so manchem Zitat gern den Beleg nachlesen würde.

Nichtsdestotrotz steht der zweite Teil, so er denn erscheint, auf meiner privaten Leseliste.

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Aliknechts avatar

Rezension zu "Höllensturz" von Ian Kershaw

To Hell and Back
Aliknechtvor 2 Jahren

"Das europäische zwanzigste Jahrhundert war geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen. Europa erlebte gewaltige Turbulenzen, die Hölle zweier Weltkriege in der ersten Jahrhunderthälfte und tiefgreifende Veränderungen. Der britische Historiker Ian Kershaw erzählt in einem meisterhaften Panorama die Geschichte dieses Kontinents vom Vorabend des Ersten Weltkriegs bis in die Zeit des beginnenden Kalten Kriegs Ende der vierziger Jahre, nachdem die europäische Zivilisation an den Rand der Selbstzerstörung gelangt war. Ethnische Auseinandersetzungen, aggressiver Nationalismus und Gebietsstreitigkeiten, Klassenkonflikte und die tiefe Krise des Kapitalismus waren die treibenden Kräfte, die Kershaw dabei besonders in den Blick nimmt. Neben den großen Entwicklungslinien in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft schildert er auch immer wieder Erlebnisse und Erfahrungen einzelner, die einen Eindruck geben vom Leben im Europa der ersten Jahrhunderthälfte" [1].

"Europa stieg im 20. Jahrhundert einmal in die Hölle hinab und kam wieder daraus hervor" [2]. Der Kontinent, der glaubte, der Gipfel der Zivilisation zu sein, stürzte in einen Abgrund der Barbarei. Der erste Band dieser Europäischen Geschichte von Ian Kershaw behandelt die Zeit von 1914 bis 1949. Die Ursachen der unermesslichen Katastrophen dieser Jahre sieht Kershaw vor allem in [3]

1. Der explosionsartigen Ausbreitung eines ethnisch-rassistischen Nationalismus;
2. Erbitterten und unversöhnlichen territorialen Revisionsforderungen;
3. Einem akuten Klassenkonflikt, der mit der bolschewistischen Revolution in Russland einen konkreten Schwerpunkt erhielt; und
4. Einer langanhaltenden Krise des Kapitalismus ( die viele Beobachter für letal hielten).

Er beschreibt und analysiert in chronologischer Folge die Vorgeschichte am Abgrund, die Große Katastrophe des ersten Weltkriegs, den turbulenten Frieden nach Versailles, den Tanz auf dem Abgrund in den Zwanziger Jahren, die düsteren Wolken am Horizont mit der Weltwirtschaftskrise und dem Aufstieg des Faschismus, den Eintritt in die Gefahrenzone in den Dreißiger Jahren, den Weg der Hölle des Zweiten Weltkriegs entgegen, dann die Hölle auf Erden und schliesslich das Ende. In der unmittelbaren Nachkriegszeit bis 1949 gelang der Aufstieg aus der Asche, allerdings  verbunden mit einer völligen Umbildung der weltpolitischen Situation und der Formierung zweier neuer sich feindlich gegenüberstehender Machtblöcke. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit und mit erstaunlichem Tempo hatte ein neues Europa, das zwar in sich geteilt war, eigenständige Gestalt angenommen [4]. 

In einem separaten Kapitel Lautlose Übergänge in Dunklen Jahrzehnten behandelt Kershaw den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel, den Niedergang der Landwirtschaft, Fortschritte in Wissenschaft, Technik und Medizin, die Rolle der Kirchen und der Intellektuellen und den Einfluss der populären Unterhaltung, die über die neuen Medien Rundfunk und Film begannen, eine große Breitenwirkung zu entfalten. 

Über das gesamte Buch hinweg werden  in übersichtlicher Weise wesentliche Vorgänge separat nach Ländern und Regionen geschildert. Als deutscher Leser erfährt man Dinge über andere europäische Länder, mit denen man wohl eher weniger vertraut war. Es ist überhaupt erfrischend, wie unbefangen sich ausländische Autoren wie Kershaw über deutsche Geschichte äußern können. Das gelang zuletzt besonders augenfällig Christopher Clark mit seinen Schlafwandlern. Das Buch ist hervorragend geschrieben und übersetzt. ist für eine allgemeine Leserschaft leicht verständlich und verzichtet auf ausführliche Referenzen. Die Struktur ist trotz der Fülle der Schauplätze und Aspekte klar und übersichtlich geordnet. Kershaw ist ein  Meister seines Gebiets und vermag als Einzelautor ein so gewaltiges und breites Thema zu überblicken und eindrucksvoll zu beschreiben. Er schreibt stets in angemessener und präziser Art, dabei so packend, dass man sich den schrecklichen Vorgängen kaum entziehen kann. Er zieht den Leser in einen verschlingen Wirbel der Ungeheuerlichkeiten, der tiefen Eindruck hinterlässt und sehr nachdenklich macht. Der aufmerksame Leser bemerkt den schwankenden Boden der Vergangenheit, auf dem man sich oft sorglos bewegt, und dass manche der angesprochenen Probleme bis heute nicht gelöst sind. 

Ich bin begeistert von der Lektüre dieses großen neuen historischen Werks und empfehle es jedem, der sich für dieses Feld interessiert. Positiv erschien mir, dass die erste Periode erst 1949 endete. Der schwierige Neubeginn in verheerten Ländern und dezimierten Gesellschaften nach Beendigung der bewaffneten Auseinandersetzungen gehört wirklich eher noch zum Krieg als zur darauf folgenden historischen Phase.  

Es sind allerdings auch ein paar Worte der Kritik angebracht. Ich sehe die Ursachen dieser Katastrophen weniger in den oben genannten vier Punkten. Vielmehr glaube ich, dass die unübersehbare Krise der alten politisch und gesellschaftlich überholten europäischen Großreiche Österreich-Ungarn, Russland und vor allem des Osmanischen Reiches, die nach langen Perioden bedeutender Machtentfaltung schon länger im Niedergang begriffen waren und um ihren Weiterbestand kämpften, zu einer gewaltigen historischen Zäsur führen musste.  Die oben erwähnten vier Punkte   sind Folgen dieser Zusammenbrüche und der daraus folgenden Verteilungskämpfe. Kershaw hätte das mehr zum Leitgedanken seiner Betrachtung machen sollen.   Die revolutionären Entwicklungen in der Physik erhielten mit ein paar dürren Worten über Einstein und Heisenberg zu wenig Raum [5]. Der englische Titel "To Hell and Back" ist viel besser als der deutsche Titel, da es ja doch wieder erstaunlich schnell aufwärts ging.           

Autor: Ian Kershaw, geboren 1943, war bis zu seiner Emeritierung Professor für Modern History an der University of Sheffield und zählt zu den bedeutendsten Historikern der Gegenwart. Seine große zweibändige Biographie Adolf Hitlers gilt als Meisterwerk der modernen Geschichtsschreibung [6].

Ausgabe: Ian Kershaw Höllensturz Europa 1914 bis 1949
Deutsche Verlags-Anstalt, München 2016
(gelesen Januar-Februar 2017)

[1] Klappentext
[2] Seite 13
[3] Seite 14  
[4] Seite 703
[5] Seite 241 
[6] Verlagsangabe

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