Ian Kershaw Höllensturz

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Inhaltsangabe zu „Höllensturz“ von Ian Kershaw

Europa am Abgrund Das europäische zwanzigste Jahrhundert war geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen. Europa erlebte gewaltige Turbulenzen, die Hölle zweier Weltkriege in der ersten Jahrhunderthälfte und tiefgreifende Veränderungen. Der britische Historiker Ian Kershaw erzählt in einem meisterhaften Panorama die Geschichte dieses Kontinents vom Vorabend des Ersten Weltkriegs bis in die Zeit des beginnenden Kalten Kriegs Ende der vierziger Jahre, nachdem die europäische Zivilisation an den Rand der Selbstzerstörung gelangt war. Ethnische Auseinandersetzungen, aggressiver Nationalismus und Gebietsstreitigkeiten, Klassenkonflikte und die tiefe Krise des Kapitalismus waren die treibenden Kräfte, die Kershaw dabei besonders in den Blick nimmt. Neben den großen Entwicklungslinien in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft schildert er auch immer wieder Erlebnisse und Erfahrungen einzelner, die einen Eindruck geben vom Leben im Europa der ersten Jahrhunderthälfte.

gelungener Überblick zur Geschichte Europas zwischen 1900 - 1949. Ich warte mit Spannung auf den zweiten Teil.

— DamonWilder
DamonWilder

Phantastisches Buch über die Europäische Geschichte

— Aliknecht
Aliknecht

"Der Weg zum ersten Weltkrieg und weiter zum zweiten. Einfach ein grandioses Sachbuch."

— buchbaron69
buchbaron69

Voreingenommen, unpräzise, ohne erzählerische Linie

— Krimileseratte
Krimileseratte

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  • To Hell and Back

    Höllensturz
    Aliknecht

    Aliknecht

    06. February 2017 um 15:19

    "Das europäische zwanzigste Jahrhundert war geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen. Europa erlebte gewaltige Turbulenzen, die Hölle zweier Weltkriege in der ersten Jahrhunderthälfte und tiefgreifende Veränderungen. Der britische Historiker Ian Kershaw erzählt in einem meisterhaften Panorama die Geschichte dieses Kontinents vom Vorabend des Ersten Weltkriegs bis in die Zeit des beginnenden Kalten Kriegs Ende der vierziger Jahre, nachdem die europäische Zivilisation an den Rand der Selbstzerstörung gelangt war. Ethnische Auseinandersetzungen, aggressiver Nationalismus und Gebietsstreitigkeiten, Klassenkonflikte und die tiefe Krise des Kapitalismus waren die treibenden Kräfte, die Kershaw dabei besonders in den Blick nimmt. Neben den großen Entwicklungslinien in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft schildert er auch immer wieder Erlebnisse und Erfahrungen einzelner, die einen Eindruck geben vom Leben im Europa der ersten Jahrhunderthälfte" [1]. "Europa stieg im 20. Jahrhundert einmal in die Hölle hinab und kam wieder daraus hervor" [2]. Der Kontinent, der glaubte, der Gipfel der Zivilisation zu sein, stürzte in einen Abgrund der Barbarei. Der erste Band dieser Europäischen Geschichte von Ian Kershaw behandelt die Zeit von 1914 bis 1949. Die Ursachen der unermesslichen Katastrophen dieser Jahre sieht Kershaw vor allem in [3] 1. Der explosionsartigen Ausbreitung eines ethnisch-rassistischen Nationalismus; 2. Erbitterten und unversöhnlichen territorialen Revisionsforderungen; 3. Einem akuten Klassenkonflikt, der mit der bolschewistischen Revolution in Russland einen konkreten Schwerpunkt erhielt; und 4. Einer langanhaltenden Krise des Kapitalismus ( die viele Beobachter für letal hielten). Er beschreibt und analysiert in chronologischer Folge die Vorgeschichte am Abgrund, die Große Katastrophe des ersten Weltkriegs, den turbulenten Frieden nach Versailles, den Tanz auf dem Abgrund in den Zwanziger Jahren, die düsteren Wolken am Horizont mit der Weltwirtschaftskrise und dem Aufstieg des Faschismus, den Eintritt in die Gefahrenzone in den Dreißiger Jahren, den Weg der Hölle des Zweiten Weltkriegs entgegen, dann die Hölle auf Erden und schliesslich das Ende. In der unmittelbaren Nachkriegszeit bis 1949 gelang der Aufstieg aus der Asche, allerdings  verbunden mit einer völligen Umbildung der weltpolitischen Situation und der Formierung zweier neuer sich feindlich gegenüberstehender Machtblöcke. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit und mit erstaunlichem Tempo hatte ein neues Europa, das zwar in sich geteilt war, eigenständige Gestalt angenommen [4].  In einem separaten Kapitel Lautlose Übergänge in Dunklen Jahrzehnten behandelt Kershaw den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel, den Niedergang der Landwirtschaft, Fortschritte in Wissenschaft, Technik und Medizin, die Rolle der Kirchen und der Intellektuellen und den Einfluss der populären Unterhaltung, die über die neuen Medien Rundfunk und Film begannen, eine große Breitenwirkung zu entfalten.  Über das gesamte Buch hinweg werden  in übersichtlicher Weise wesentliche Vorgänge separat nach Ländern und Regionen geschildert. Als deutscher Leser erfährt man Dinge über andere europäische Länder, mit denen man wohl eher weniger vertraut war. Es ist überhaupt erfrischend, wie unbefangen sich ausländische Autoren wie Kershaw über deutsche Geschichte äußern können. Das gelang zuletzt besonders augenfällig Christopher Clark mit seinen Schlafwandlern. Das Buch ist hervorragend geschrieben und übersetzt. ist für eine allgemeine Leserschaft leicht verständlich und verzichtet auf ausführliche Referenzen. Die Struktur ist trotz der Fülle der Schauplätze und Aspekte klar und übersichtlich geordnet. Kershaw ist ein  Meister seines Gebiets und vermag als Einzelautor ein so gewaltiges und breites Thema zu überblicken und eindrucksvoll zu beschreiben. Er schreibt stets in angemessener und präziser Art, dabei so packend, dass man sich den schrecklichen Vorgängen kaum entziehen kann. Er zieht den Leser in einen verschlingen Wirbel der Ungeheuerlichkeiten, der tiefen Eindruck hinterlässt und sehr nachdenklich macht. Der aufmerksame Leser bemerkt den schwankenden Boden der Vergangenheit, auf dem man sich oft sorglos bewegt, und dass manche der angesprochenen Probleme bis heute nicht gelöst sind.  Ich bin begeistert von der Lektüre dieses großen neuen historischen Werks und empfehle es jedem, der sich für dieses Feld interessiert. Positiv erschien mir, dass die erste Periode erst 1949 endete. Der schwierige Neubeginn in verheerten Ländern und dezimierten Gesellschaften nach Beendigung der bewaffneten Auseinandersetzungen gehört wirklich eher noch zum Krieg als zur darauf folgenden historischen Phase.   Es sind allerdings auch ein paar Worte der Kritik angebracht. Ich sehe die Ursachen dieser Katastrophen weniger in den oben genannten vier Punkten. Vielmehr glaube ich, dass die unübersehbare Krise der alten politisch und gesellschaftlich überholten europäischen Großreiche Österreich-Ungarn, Russland und vor allem des Osmanischen Reiches, die nach langen Perioden bedeutender Machtentfaltung schon länger im Niedergang begriffen waren und um ihren Weiterbestand kämpften, zu einer gewaltigen historischen Zäsur führen musste.  Die oben erwähnten vier Punkte   sind Folgen dieser Zusammenbrüche und der daraus folgenden Verteilungskämpfe. Kershaw hätte das mehr zum Leitgedanken seiner Betrachtung machen sollen.   Die revolutionären Entwicklungen in der Physik erhielten mit ein paar dürren Worten über Einstein und Heisenberg zu wenig Raum [5]. Der englische Titel "To Hell and Back" ist viel besser als der deutsche Titel, da es ja doch wieder erstaunlich schnell aufwärts ging.            Autor: Ian Kershaw, geboren 1943, war bis zu seiner Emeritierung Professor für Modern History an der University of Sheffield und zählt zu den bedeutendsten Historikern der Gegenwart. Seine große zweibändige Biographie Adolf Hitlers gilt als Meisterwerk der modernen Geschichtsschreibung [6]. Ausgabe: Ian Kershaw Höllensturz Europa 1914 bis 1949 Deutsche Verlags-Anstalt, München 2016 (gelesen Januar-Februar 2017) [1] Klappentext [2] Seite 13 [3] Seite 14   [4] Seite 703 [5] Seite 241  [6] Verlagsangabe

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  • Das beste Sachbuch überhaupt

    Höllensturz
    buchbaron69

    buchbaron69

    06. December 2016 um 17:30

    KlappentextEuropa am AbgrundDas europäische zwanzigste Jahrhundert war geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen. Europa erlebte gewaltige Turbulenzen, die Hölle zweier Weltkriege in der ersten Jahrhunderthälfte und tiefgreifende Veränderungen.Der britische Historiker Ian Kershaw erzählt in einem meisterhaften Panorama die Geschichte dieses Kontinents vom Vorabend des Ersten Weltkriegs bis in die Zeit des beginnenden Kalten Kriegs Ende der vierziger Jahre, nachdem die europäische Zivilisation an den Rand der Selbstzerstörung gelangt war. Ethnische Auseinandersetzungen, aggressiver Nationalismus und Gebietsstreitigkeiten, Klassenkonflikte und die tiefe Krise des Kapitalismus waren die treibenden Kräfte, die Kershaw dabei besonders in den Blick nimmt. Neben den großen Entwicklungslinien in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft schildert er auch immer wieder Erlebnisse und Erfahrungen einzelner, die einen Eindruck geben vom Leben im Europa der ersten Jahrhunderthälfte.Der AutorIan Kershaw, geboren 1943, war bis zu seiner Emeritierung Professor für Modern History an der University of Sheffield und zählt zu den bedeutendsten Historikern der Gegenwart. Seine große zweibändige Biographie Adolf Hitlers gilt als Meisterwerk der modernen Geschichtsschreibung.Meine MeinungStoryWie kam es zum Ersten Weltkrieg? Warum waren die Länder Europas so erpicht darauf in den Krieg zu ziehen. War das Attentat auf den österreichischen Thronfolger wirklich der Auslöser. Warum wurde Deutschland bestraft. Und was führte schließlich zum Zweiten Weltkrieg? Wie konnte die NSDAP an die Macht kommen? Und warum haben die anderen Länder nicht schon viel früher interveniert um den Krieg zu verhindern, wo schon bei Hitlers Machtübernahme die Zeichen auf Krieg standen? Der Renommierte englische Historiker, der schon mit seiner Hitler Biografie für Furore gesorgt hat, erklärt in diesem Werk die Ereignisse und gibt antworten auf diese und viele andere Fragen.SchreibstilDas Buch ist gut verständlich und man kommt trotz einiger Fremdwörter zu einem flüssigen Lesen. Kershaw hat das Buch chronologisch aufgebaut. Im Wechsel erklärt er die Situation in den einzelnen Ländern. Er schildert sehr aufschlussreich, wie die Menschen den Krieg erlebten und was er ihnen brachte, bez abverlangte.AusstattungDas Buch enthält zwei Bildteile mit insgesamt 30 Abbildungen, dazu kommen mehrere politische Karten Europas zu den einzelnen Epochen. Ein über 30 Seiten langer Anhang mit ausgewählter Literatur, sowie ein Sach und Namensregister runden das 766 seitige Werk ab.FazitNehmen wir es vorweg, ich denke, dass Ian Kershaw wiedermal ein Buch geschrieben hat, das Maßstäbe setzten, könnte. Kershaw versteht es wie kein Zweiter die Ereignisse von 1914 bis 1949 dazustellen und dem Leser nahezubringen. Sehr ausgewogen erklärt er die jeweilige Situation in den Ländern Europas. Das Werk ist ein Sachbuch, bei dem es eine Freude ist, es zu lesen, ja Ian Kershaw versteht es sogar, eine gewisse Spannung reinzubringen. Im Gegensatz zu nahezu allen anderen Büchern über den ersten oder Zweiten Weltkrieg hört sein Werk nicht mit der Kapitulation Deutschland auf, sondern geht noch weiter und er erklärt, wie es nach den jeweiligen Kriegen weiterging. Sehr anschaulich vermittelt er ein Bild der jeweiligen Klassen. Das Buch ist der erste Teil einer zweibändigen Reihe und man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Meine Empfehlung wäre: Das Buch als Schulbuch rauszubringen der interessierte Schüler weiß nach Lektüre des Werks, was man über die Geschichte Europas wissen sollte. Das beste Sachbuch, das ich je gelesen habe. Ich vergebe volle fünf von fünf Leseratten/Sternen  und eine absolute Leseempfehlung.

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  • Kershaw mal ganz anders ...

    Höllensturz
    Krimileseratte

    Krimileseratte

    24. November 2016 um 20:05

    Eigentlich zählt Ian Kershaw zum Besten, was die internationale Historiker-Zunft zu bieten hat. Seine Hitler-Biographie war bahnbrechend und "Der Untergang" ein veritables Meisterwerk der modernen Geschichtsschreibung, da das erzählerische Narratiiv so brillant war, dass die Beklemmungen in den letzten Tagen des 3. Reichs für den Leser wirklich spürbar wurden. Leider kann das jüngst bei DVA erschienene "Höllensturz - Europa 1914 bis 1949" da keineswegs mithalten. Kershaw erzählt die blutrünstige Geschichte Europas von Beginn des 1. Weltkriegs bis zu den Nachwehen des 2. Weltkriegs. Dies geschieht völlig ohne Fußnoten. Doch was eigentlich den Anlass für noch größere erzählerische Brillanz als bisher bieten könnte, scheint für Kershaw ein Hemmschuh zu sein. Das Werk stockt hin und wieder, es ist redundant und die Gliederung ist nicht immer plausibel. Viel schlimmer aber wiegt noch, dass Kershaw, der sonst die Fähigkeit zu objektivem, multiperspektivisch veranlagtem Erzählen besitzt, hier eindeutig Partei ergreift. Nicht nur, dass verständlicherweise das 3. Reich auf höchste verdammt wird, darüber hinaus verurteilt er pauschal das Wirken der Sowjetunion in beinahe jeglicher Hinsicht. Gewinner dieser unausgewogenen Darstellung ist das britische Empire, in politischer, ökonomischer, militärischer und humanistischer Hinsicht. So weit kann der Leser den Ansatz noch nachvollziehen, aber die Verdienste und Errungenschaften der USA werden beinahe komplett unter den Teppich gekehrt. Sowohl im 1. als auch im 2. Weltkrieg vernachlässigt Kershaw die entscheidende Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika, welche diese bezüglich der Kriegsausgänge gespielt haben. Und die Franzosen kriegen ohnehin nur ihr Fett weg. Solch eine Geschichtsschreibung ist einseitig, voreingenommen und würde selbst im Master-Studium moniert werden. Bei allen positiven Aspekten, die das Vereinigte Königsreich in dieser Epoche gespielt hat, gibt es keinen Grund, Frankreich und die USA dermaßen klein zu reden oder gar anzufeinden. Das ist eines Kershaws nicht würdig. Bleibt zu hoffen, dass dies ein Ausrutscher bleibt.

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  • Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, glänzend erzählt

    Höllensturz
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    14. October 2016 um 14:28

    Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, glänzend erzähltEs hätte, was die erzählerischen und sprachlichen Qualitäten Kershaw´s angeht, der Vorgabe des Verlages nicht unbedingt bedurft, Fußnoten aus dem fließendem Text des Werkes zu verbannen (nur das ausführliche Literaturverzeichnis zeigt in aller Breite auf, wo Kershaw´s Quellen und Grundlagen zu finden sind).Aber diese Vorgabe nutzt Kershaw, um einen noch erzählerischeren, kompakten, frei fließenden und sprachlich hervorragend, in Teilen fast wie einen Roman zu lesenden, Stil vorzulegen, der allein schon die Lektüre dieses Buches zu einer wahren Freude werden lässt.Zweiteilig angelegt bietet der emeritierte Historiker in diesem ersten Band die Konzentration auf die Ereignisse von 1914 bis 1949. Wobei das nicht ganz zutrifft, denn auch die großen Entwicklungslinien des 19. Jahrhunderts, die aufkommenden Unruhen, die sich zu sicher wähnenden Führer der Welt, die Probleme starker Minderheiten in Machtsphären und vieles mehr führt Kershaw an und rüstet den Leser damit bestens aus, all die Ereignisse, die folgten, in einem klaren Bezugsrahmen zu verstehen. Antisemitismus, Nationalismus, Schieflage des Kapitalismus, das Aufstreben Russlands, die Fantasien von „Weltherrschaft“ beim deutschen Kaiser (und später bei Hitler), es sind zudem auch soziale Verwerfungen, gesellschaftliche „Haltungen“ (wie gerade der Antisemitismus in Frankreich und anderen Orten der Großreiche), welche bereits den ersten Weltkrieg mitbedingten (der nicht „zufällig“ oder durch gravierende Fehlentscheidungen oder eine dumme „Nibelungentreue“ des deutschen Kaisers gegenüber Österreich entstanden ist).Und das gleiche gilt für das Werk „nach hinten heraus“. Nicht die Zäsur der Kapitulation ist für Kershaw der natürliche Abschluss dieser Jahre des Abgrundes der Zivilisation, sondern die Jahre bis 1949, bis zu einer „Neuordnung“ der Welt und einer sich klar abzeichnenden „Frontenstellung“ der Siegermächte bilden Endpunkt dieser zerstörerischen Jahre und Einstellungen und zugleich den Wendepunkt und Neustart in Europa.Vier Linien sind es, die Kershaw dabei ebenso klug wie überzeugend wie detailliert durch die chronologisch gesetzten Hauptkapitel und die darunter thematisch orientierten Unterkapitel von Beginn an setzt.Zunächst erfolgte, trotz des real wachsenden Wohlstandes und vermehrt „internationaler Beziehungen“, die Entfaltung eines ethnisch -rassistischen Nationalismus. Eine schon Ende des 19. Jahrhunderts vorliegende Strömung in Europa, die durch den unsäglichen revanchistischen Abschluss des ersten Weltkriegs aufgeputscht und „salonfähig“ wurde.Eng verzahnt mit diesem ersten Ursprung, der zum zweiten Weltkrieg eine klare Linie aufzeigt, sind erbitterte, unversöhnliche territoriale Revisionsforderungen. Aus den Trümmern alter Großreiche neue Nationen zu formen und dabei die Strömungen innerhalb starker ethnischen Minderheiten in den einzelnen Staaten kaum zu berücksichtigen. Allen voran Italien, zwar Siegermacht, aber in den Zielen territorialer Erweiterung massiv enttäuscht und damit offen für stark nationalistische Strömungen, die im Faschismus ihren (traurigen) Höhepunkt dann fanden.Dazu gesellte sich ein zweites „Doppelpaar“ von Entwicklungen. Der durch die Revolution in Russland eine Form, ein Gesicht, einen „Staat“ erhaltender Klassenkampf, verbunden mit einer langanhaltenden Krise des Kapitalismus. Zwar war die Welt vor dem ersten Weltkrieg „global“, dennoch aber hatten weite Teile der Bevölkerung Europas kaum am riesigen Warenumschlag profitiert, die „Schere“ zwischen arm und reich war enorm, was sich gerade in den Weimarer Jahren und den Wirtschafskrisen jener Zeit zu einer gefährlichen Mischung entwickelte. Mit dem Bolschewismus lag nun eine sichtbare, staatliche „Alternative“ vor Augen, welche die Klassenkämpfe auf die Straßen und in die Auseinandersetzungen der Staaten mit hineinbrachte.Dass dabei bestimmte, konkrete Kräfte, gerade das deutsche Kaiserreich, bei dieser Entwicklung eine aktive und kriegstreibende Rolle einnahm, dass hier keine „Zufälle“ oder „unglückselige Verkettung“ die Welt an den „ersten Abgrund“ führten, auch das stellt Kershaw eindeutig und mit hervorragenden Argumenten dar.Wie er ebenso den Machtaufstieg Hitlers und die Abläufe, aber auch inneren Haltungen der handelnden Personen auf dem Weg zum und im zweiten Weltkrieg auf den Punkt erläutert.Schon bei der Betrachtung dieser vier Grundlinien, auf die Kershaw immer wieder rekurriert (und die er scheinbar mühelos aus allen denkbaren Perspektiven des damaligen Europa reflektiert) und diese aufzeigt im Verlauf der Jahrzehnte, die er in den Mittelpunkt rückt, zeigt sich, dass durchaus aktuelle Bezüge nicht von der Hand zu weisen sind. Die Kershaw mit herausarbeitet und damit aus der Geschichte der Gegenwart eine deutliche Warnung zukommen lässt. Denn gerade die Ungleichheit zwischen Volk und Fürsten, Eliten sorgt für einerseits sozialen Sprengstoff (der sich im Antisemitismus u.a. ein Ventil suchte), und andererseits eine hohe Unzufriedenheit mit dem „Ist-Zustand“, der demagogische Steilvorlagen bot, die an vielen Orten gesehen und genutzt wurden.Da ergeben sich vielfache Parallelen zur Gegenwart und zu aktuell auftretenden Strömungen, die nationalistisch, teils rassistisch und von tiefem Misstrauen gegen die „Entscheider“ mehr und mehr geprägt wird. Und das in ganz Europa.Glänzend erzählt, die großen Linien aufzeigend, ohne zu versäumen, in wichtigen Fragen in die Tiefe zu gehen, ist dies ein hervorragendes, auch für interessierte Laien ohne Abstriche zu empfehlendes Buch. Das nicht den Anspruch erhebt, Geschichte ganz neu darzustellen, sondern auf dem Boden einer sehr breiten historischen Forschung eine Gesamtschau darstellt, die Hand und Fuß aufweist.

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