Ian McDonald Herzen, Hände und Stimmen

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Inhaltsangabe zu „Herzen, Hände und Stimmen“ von Ian McDonald

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    Herzen, Hände und Stimmen
    rallus

    rallus

    01. April 2013 um 23:51

    Ian McDonald ist ein Autor der hierzulande leider relativ unbekannt ist. Die Hälfte seiner Bücher hat hochdotierte Preise gewonnen, wie den Philp K.Dick Award oder den höchsten SF Preis für Schriftsteller, den Hugo Award. Vielleicht liegt es daran, dass man seine Bücher nicht einfach übersetzen kann und sie außerdem sehr sperrig sind. Das hier vorliegende Buch hat der Übersetzer kongenial ins Deutsche übertragen. Die Wortspiele und die Rhythmik der Sprache wirkt sehr harmonisch. McDonald schafft es einerseits lyrisch seine Welt mit ungewöhnlichen Stilmitteln zu erhellen (öfters multipliziert er einfach die Adjektive und Adverben), andererseits bleibt einem bei den schroffen aber direkten Kriegs-und Elendsbeschreibungen ein Kloß im Hals stecken. In seinen Büchern hat er oftmals die Erlebnisse in Nordirland seiner Wahlheimat verwendet. Meistens geht es ihm um die Ungerechtigkeit bei dem Umgehen mit Minderheiten und dem Wahn von Kriegen und Zwist. Auch dieses Buch ist hochpolitisch. Es ist die Geschichte der Familie von dem Mädchen Mathembe. Ihr Dorf wurde von den Kriegern des Kaisers zerstört, da diese 2 Krieger des Schicksals beherbergt haben. Die Dorfbewohner geraten in einen Krieg mt dem sie nichts zu tun haben, der nicht ihrer ist. Mathembe und ihre Familie werden vertrieben und reisen einer ungewissen Zukunft entgegen, da niemand sie aufnehmen will, sie plötzlich zu Minderheiten geworden sind. Beeindruckend sind die Momente wo Mathembe mit ihrem Großvater redet, den Kopf den sie aus dem Baum der Ahnen gerettet hat, bevor dieser in Asche aufging. Die beschriebene Welt ist von zwei Strömungen beherrscht. Eine moderne Biotechnologie, die vieles möglich macht, prägt die eine Hälfte der Gesellschaft: Biotisch, naturverwoben, atechnisch. Mathembe ist dort Meisterin, aus Rohmasse erschafft sie märchen- oder albtraumhafte Wesen. Ein von einem Kaiser beherrschtes Imperium stellt die andere Seite dar: Technisch, naturfeindlich, abiotisch und vollgestopft mit allen primitiven Denkweisen von endlosem Fortschritt und individueller Unmündigkeit. Auch die Religionen sind unterschiedlich, die eine haben Haupt und Nebengötter, die anderen nur einen. Die einen sind Links-die anderen Rechtshänder. Mathembe hat noch eine Eigenart, sie ist stumm. So ist die Interaktion mit anderen zwar beschränkt, wird aber so eindringlich und selbstverständlich geschildert, daß die Stummheit keine Behinderung darstellt, im Gegenteil, Mathembe wirkt ihrer Umgebung emotional hoch überlegen. Dadurch vermag sie die Verlogenheit, Engstirnigkeit und Idiotie beider Religionen/Lebensweisen zu durchschauen. Die Brutalitäten der mit Panzerung und Elektronik ausgestatteten Imperiumssoldaten und die der mit Viren und Biowaffen arbeitenden „Krieger des Schicksals“ auf der anderen Seite unterscheiden sich nur technologisch. Beide Seiten fügen jenen Leuten Leid zu, für die zu kämpfen sie vorgeben. "Die große Lüge der Demokratie, ihr grundlegendes Paradoxon ist, daß die Demokratie als erste geopfert wird, wenn ihre Sicherheiten auf dem Spiel steht. Jeder Staat ist im innersten Kern totalitär; die Grausamkeit zu der er greift, um sich zu schützen, kennt keine Grenzen." Dass man ethnische Säuberungen" oder Völkermord auf einer beliebigen moralischen Grundlage auch genügend außerhalb des Buches findet, ist leider bittere Realität. McDonald wechselt in seinem Buch oft die Figuren und die Blickwinkel, doch das eigentliche Grauen bleibt vorhanden, wird nur verstärkt dadurch, dass jeder der Familie einen anderen ihm vom Schicksal zugewiesenen Weg findet. Der Knoten ist gordisch und McDonald löst ihn transzendental, was wohl die einzige Möglichkeit bleibt, aus diesem Dilema zu entfliehen. Knapp an den 5 Sternen vorbei, doch habe ich das Gefühl, etwas ganz Einzigartiges gelesen zu haben. Von diesem Autor bald mehr in diesem Forum.

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