Abbitte

von Ian McEwan 
4,2 Sterne bei824 Bewertungen
Abbitte
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (665):
Rabiatas avatar

Eine großartige Geschichte! Dramatisch, tragisch und mit einem sehr berührenden Ende.

Kritisch (43):
Tina_s_Leseeckes avatar

Konnte mich leider nicht überzeugen und das Ende habe ich nur Dank des Films verstanden.

Alle 824 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Abbitte"

Die Abgründe und die Macht der Leidenschaft und der Phantasie: An einem heißen Tag im Sommer 1935 spielt die dreizehnjährige Briony Tallis Schicksal und verändert dadurch für immer das Leben dreier Menschen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257261189
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:704 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:17.12.2014
Das aktuelle Hörbuch ist bei Eichborn erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Schlehenfees avatar
    Schlehenfeevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Beim zweiten Mal gefiel es mir sogar noch besser. Großartige Literatur!
    Eines meiner Lieblingsbücher!

    An einem heißen Sommertag im Jahr 1935 beobachtet und erlebt die dreizehnjährige Briony Tallis auf dem Landsitz der Familie Dinge, die ihr kindliches Weltbild heruasfordern und erschüttern. Am Ende des Tages hat sie das Leben zweier Liebenden für immer verändert.

    Vor beinahe zehn Jahre habe ich „Abbitte“ schon einmal gelesen, wobei der Roman mich zunächst nicht so fesseln konnte. Der Anfang entwickelt sich sehr langsam, man könnte fast sagen zäh. So zäh wie der heißer Sommertag, den Briony und ihre Schwester Cecilia erleben.
    Beim zweiten Lesen nun wusste ich, was mich erwartete und konnte mich auf das langsame Erzähltempo einlassen und mehr auf Details achten. So konnte ich den Roman voll und ganz genießen.
    Im zweiten Teil von „Abbitte“ ist das Erzähltempo sehr hoch, denn man erlebt die Schrecken des Zweiten Weltkrieges durch die Perspektive von Robbie und Briony hautnah.

    Besonders gut gefällt mir, dass man erst am Ende erfährt, dass es sich um ein Buch im Buch handelt und natürlich die Überraschung, die man auf den letzten Seiten erfährt und die das Ende bittersüß erscheinen lässt.

    Die Charaktere sind sehr gut dargestellt, allen voran Briony und ihre Motive. Ian McEwan hat es geschafft, dass ich sie nicht mag und gleichzeitig doch wieder. Im ersten Teil habe ich Briony regelrecht verabscheut, doch ihre Abbitte im zweiten Teil hat dies wieder relativiert. Ich finde es sehr mutig von McEwan, eine unsympathische und kontroverse Protagonistin voranzustellen.

    Der Schreibstil des Autors gefiel mir ebenfalls sehr gut. Er kreiert mit seinen Worten eine großartige Atmosphäre mit interessanten Charakteren und selbst das kleinste Detail ist wichtig.

    „Abbitte“ ist ein großartiger Roman, den ich sicherlich irgendwann zum dritten Mal lesen und genießen werde.

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 3 Monaten
    Abbitte

    Obwohl ich mit Ian McEwan bisher nicht so richtig durch „Kindeswohl“ und noch weniger durch „Am Strand“ warm geworden bin, wollte ich doch unbedingt „Abbitte“ lesen. Ein Buch, das wohl mindestens zu seinen bekanntesten Werken gehört, wenn nicht das bekannteste ist und auch verfilmt wurde.

    Eines vorweg: es hat mir definitiv deutlich besser gefallen als „Am Strand“, was mir überhaupt nicht gefallen hat.

    Die Familie Tallis lebt auf einem Anwesen in England. Allen geht es gut und ihr rößtes Problem ist wohl die auftretende Langeweile während der langen Sommerferien. Briony ist erst 13 Jahre alt, schreibt aber schon Geschichten und probiert sich im Sommer des Jahres 1935 erstmals an einem Theaterstück. Ihre Cousine und ihre zwei Cousins besuchen die Tallis' und sollen Rollen in dem Theaterstück spielen.

    Zwischen Brionys großer Schwester Cecilia und Robbie, dem Sohn der Putzfrau und Haushaltsgehilfin, die mit auf dem Grundstück leben, klärt sich die seit einiger Zeit zerrüttete und mit Spannungen geladene Beziehung: sie haben sich ineinander verliebt.

    Als die zwei Cousins von Briony und Cecilia verschwinden, greift Briony in den Lauf der Geschichte ein und beschwört damit ein Drama herauf, wie sie es auf keinen Fall wollte.

    Zunächst taucht man in die Gedanken einer 13-Jährien ein, was einerseits amüsant ist andererseits Verständnis schürt, dass Briony so viel missversteht und falsch deutet. Doch wird der Leser auch böse auf sie, da sie sich in Dinge einmischt, die sie gar nicht versteht. Anstatt über Vorkommnisse zu reden, biegt Briony sich ihre eigene Wahrheit zurecht und bewirkt eine Katastrophe. Natürlich kann sie einem auch Leid tun. Sie versteht einfach noch zu wenig vom Leben und wie sollte man das einer 13-Jährigen übel nehmen. Doch für das Schicksal der Familie ist es unverzeihlich.

    Robbies Geschichte nimmt seinen Lauf mitten im Krieg, im belgisch-französischen Teil. Von Hunger geplagt, ohne allzu viele Briefe und Nachrichten seiner Liebsten, die zu Hause auf ihn wartet, soll er sich vorkämpfen nach Dünkirchen. Er ist schwach, verwundet, driftet immer wieder in Halluzinationen und Albträume ab. Dabei sollte er eigentlich Medizin studieren. Brionys Eingreifen hat ihn an die Front gebracht. Die Beschreibungen dieser Szenen in Wäldern, an Flüssen und später auch am Strand von Dünkirchen stellen diese furchtbare Zeit sehr deutlich dar. Ein schreckliches Szenario, das McEwan sehr gut beschreibt.

    Der Leser erfährt auch von Briony. Sie macht sich seit Jahren Vorwürfe und will, wie ihre Schwester Cecilia, die sich deshalb von ihrer Familie abgewandt hat, Krankenschwester werden. Auch sie wird in den Strudel des zweiten Weltkrieges hineinezoen und muss mehr sehen und erleben, als ein Mensch erfahren sollte.

    Ein gutes Drama, voller Verwicklungen, dessen Ende mich besonders überrascht und auch versöhnt hat. Die Faszination, die Viele an diesem Buch finden, erschließt sich mir zwar nicht, dennoch steckt in dieser Geschichte neben Krieg und Liebe auch das Problem, das Familien immer wieder befällt: Verzeihen, Versöhnen, mit Schicksalen umzugehen lernen. 3,5 Sterne für McEwans Buch.

    „Solar“, was ich schon so lange von dem Autor stehen habe, werde ich nun mit weniger Skepsis lesen können.

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    Evans avatar
    Evanvor 8 Monaten
    Klassiker mit abstrichen

    Ich habe Abbitte schon seit längerer Zeit auf meinem Sub und habe es mir dieses Jahr vorgenommen es zu lesen. Die Erwartungen waren durch die vielen Positiven Meinungen recht hoch.
    Die Geschichte ist in 3 Teile aufgegliedert, für mich war der erste der schlechteste Teil, viel zu lang und auch zu oberflächlich. Die anderen beiden Teile habe ich nur so weg gelesen, weil Sie einen erschüttern (spielt im 2 Weltkrieg) und man auf ein Happy End hofft.
    Ein Happy End in diesem Sinne gibt es leider nicht, doch ist die Geschichte am Schluss "rund".

    Mein Fazit: Knappe 4 Sterne von mir, da mich der erste Teil überhaupt nicht begeistern konnte, dafür aber die anderen beiden Teile um so besser waren.

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    MarySophies avatar
    MarySophievor 8 Monaten
    Abbitte

    Handlung:

    England, 1935

    An einem unfassbar heißen Sommertag erwartet die Familie Tallis auf ihrem Landgut Besuch von dem Sohn Leon und dessen Freund Paul Marshall. Aus diesem Anlass hat die dreizehnjährige Briony extra ein Theaterstück geschrieben, welches sie zusammen mit ihrer Cousine und den beiden Cousins aufführen will. Die ambitionierte, angehende Autorin ist jedoch kurze Zeit selber unzufrieden mit dem Stück und wirft ihrePläne kurzerhand über den Haufen. Die darauf folgenden Ereignisse überschlagen sich und in ihrer Unzufriedenheit sieht Briony Dinge, die sie vollkommen falsch interpretiert und auch nicht hinterfragt. Aus den gesehenen Dingen will Briony später eine Geschichte schreiben und dafür will sie die Wahrheit nicht wissen, sondern ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Sie zieht falsche Erkenntnisse und gibt diesen auch der versammelten Verwandtschaft preis. Und verändert damit nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das Leben von zwei weiteren Personen.


    Meinung:

    Vor dem Lesen wusste ich nicht, was mich erwarten wird. Ich hatte schon viele positive Stimmen gehört und war dadurch gespannt, nachdem ich jedoch von dem „Zementgarten“ nicht begeistert war, habe ich ohne Erwartungen mit Lesen begonnen.


    Der Roman wurde in 4 Teile geteilt. Hierbei nimmt der erste Teil den Großteil des Romans ein, der Sommertag wird sehr ausführlich beschrieben. Dies könnte eigentlich langweilig werden, wenn auf mehr als 200 Seiten nur ein Tag geschildert wird, jedoch ist es Ian McEwan gut gelungen, den Tag mit vielen kleinen Ereignissen auszustatten und stets interessant zu halten. Dazu hat auch beigetragen, dass einige Szenen aus verschiedenen Sichtweisen beschrieben werden und man als Leser nicht nur die Sicht von einer Person hat.


    Leider muss ich sagen, dass mir der zweite Teil des Romans absolut nicht gefallen hat. Ich fand ihn sehr langwierig und leider auch nicht interessant. Das hat meine Lesefreude eine Zeit lang getrübt und ich musste mich fast zwingen, weiterzulesen. Glücklicherweise waren die letzten beiden Teile wieder sehr angenehm zu lesen und haben neuen Schwung in die Geschichte gebracht.


    Die Protagonisten waren recht vielfältig dargestellt. Man hat von allen verschiedene Seiten entdeckt und konnte sie in verschiedenen Situationen erleben. Das hat mir gut gefallen, da sie dadurch lebendig gewirkt haben. Trotzdem fiel es mir schwer, zu einigen eine Bindung aufzubauen oder sie als sympathisch oder unsympathisch einzuschätzen.


    Die Handlungsorte in den jeweiligen Teilen sind sehr begrenzt, fast alles findet auf einem Gelände statt. Dies wird besonders im ersten Teil deutlich, die Familie Tallis lebt recht einsam und ohne viele Kontakte zu Personen, die nicht zu Familie gehören. Außerdem stand das Herrenhaus ein wenig abseits, wodurch das Augenmerk wirklich vollkommen auf der Familie und den Geschehnissen lag.


    Der Schreibstil hat mir nicht immer gefallen. Zu großen Teilen ließ sich das Buch sehr flüssig lesen, jedoch besonders im zweiten Teil war ich unzufrieden. Der Autor hat sich teilweise zu sehr mit ellenlangen Beschreibungen aufgehalten und dies war mit der Zeit ermüdend zu lesen.


    Fazit:

    Der Autor ist wirklich ein Genie darin, die Ereignisse von wenigen Tagen eindrucksvoll zu schildern und dabei keine Langeweile entstehen zu lassen. Zu weiten Teilen hat mir das Buch hervorragend gefallen, besonders der erste Teil war ein Highlight für mich. Der Roman war fast durchweg spannend und erst am Ende löst sich die Geschichte vollkommen auf. Toll geschrieben, mit kleinen Schwächen.

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    ElkeKs avatar
    ElkeKvor einem Jahr
    Rezension zu "Abbitte"

    Inhaltsangabe:

    England im Sommer 1935: An einem heißen Tag lädt die Familie Tallis auf ihrem Landgut zum Essen ein. Eingeladen sind nicht nur die erwachsenen Kinder der Familie, Cecelia und Leon. Sondern auch die Nichte und Neffen und Paul Marshall, ein Freund von Leon. Robbie, der Sohn der Putzfrau und mit allen Kindern der Familie befreundet, erhält ebenfalls eine Einladung.

    Briony, mit 13 Jahren der jüngste Spross der Familie, wird von quälender Langeweile gepackt und während ihre Gedanken um weitere literarische Ergüsse feilschen, spielen sich vor ihren Augen Dinge ab, die sie in ihrer kindlichen Fantasie missversteht und damit eine folgenschwere Verkettung auslöst.

    Kann Briony ihren Fehler je wieder gutmachen?

    Mein Fazit:

    Nun habe ich den Roman gelesen. Ewig stand er schon in meinem SuB. Den Film dazu habe ich vor ein paar Jahren gesehen und ich war von der Geschichte schon gefesselt.

    Ian McEwan hat die Geschichte in vier Abschnitte eingeteilt. Der erste und größte Abschnitt erzählt von dem heißen Tag im Jahre 1935 auf dem Landgut von der Familie Tallis, wie ich es schon in der Inhaltsangabe geschrieben habe. 266 Seiten voller Analysen von Situationen, und Gedanken bezeugen wahrlich die große Schreibkunst des Autors in seiner blumigen Sprache und ausgefeilten Raffinesse. Doch die langen und verschachtelten Sätze waren auch oft ermüdend und manchmal waren sie auch einfach nur langweilig.

    Ab dem zweiten Teil kam ein bisschen mehr Schwung in die Geschichte. Auch da verlor sich der Autor hin und wieder in ausschweifende Erzählungen, aber es ließ sich einigermaßen lesen und zum Ende hin wurde es immer besser.

    Die Dramatik der Geschichte ist mir mehr als bewusst. Ein 13jähriges Mädchen, auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, wird mit Liebe und Sexualität konfrontiert und interpretiert das (für Erwachsene) Offensichtliche falsch. Die Konsequenzen ihrer Handlung werden ihr erst deutlich, als sie tatsächlich erwachsen ist. Doch dann ist es bereits zu spät und das Rad der Ereignisse kann nicht mehr zurückgedreht werden.

    Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass der Autor seine Figuren in Einzelheiten geschildert hat. Auch das Landgut und das Haus wurden schillernd und detailverliebt beschrieben. Man kann sich das alles vor dem inneren Auge gut vorstellen. Aber dann kommen immer wieder Abschnitte, die mich fragen ließen, warum der Autor sich wieder in Erzählungen verlor? Es war manchmal einfach zu viel des Guten!

    Große Erzählkunst, die mich jedoch nicht immer packend unterhalten konnte. Deshalb vergebe ich nur drei Sterne!

    Kommentare: 5
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    Fleur91s avatar
    Fleur91vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch mit einer tollen Geschichte. Nur leider hat der langatmige Schreibstil dazu geführt, dass ich mich gelangweilt habe.
    Wie eine Sommertag alles verändern kann

    Die Geschehnisse an einem Sommertag im Jahre 1935 führen dazu, dass sich das Leben zweier Menschen für immer verändern wird. Inmitten dieser Geschehnisse steht die 13jährige Briony Tallis, die nach den Geschehnisse nur eines im Kopf hat: Abbitte zu leisten.

    Abbitte hatte ich schon sehr lange auf dem Schirm und endlich hab ich es geschafft. Das Buch ist in drei Teile unterteilt. Im ersten Teil lernen wir recht ausführlich die wichtigen Charaktere kennen und erfahren, was an diesem Sommertag alles passiert ist.  Im zweiten Teil machen wir einen Zeitsprung. Ein paar Jahre sind vergangen und wir befinden uns im Kriegsgeschehen. Im letzten Teil begleiten wir Briony, die nun als Krankenschwester arbeitet.

    Im großen und ganzen gefällt diese Geschichte mir richtig gut. Der Schreibstil ließ die Geschichte sehr lebendig wirken, allerdings war er mir zu langatmig. Die Charaktere geben sich endlosen Gedankengängen hin und die ganze Geschichte dümpelt im Grunde nur vor sich hin. Im Mittelteil hab ich einige seiten auch nur quer gelesen bzw. übersprungen. Ich musste wirklich kämpfen. Der erste und der dritte Teil haben mir dagegen ganz gut gefallen, auch wenn es da auch nur sehr langsam vorangeht in der Geschichte.

    Das Buch war im großen und ganzen okay. Die Geschichte find ich gut, allerdings gab es keine Tempowechsel und die Geschichte dümpelt vor sich hin. Ich bin froh, dass ich es nun gelesen habe, aber im Kopf bleiben wird diese Geschichte mir eher nicht.

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    NiWas avatar
    NiWavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine starke Familiengeschichte mit pikanten Details, die bis in den Krieg und den daraus resultierenden Konsequenzen reicht.
    Abbitte

    Im Sommer des Jahres 1935 geht mit der 13jährigen Briony die Fantasie durch. Schon länger liebt sie es, Situationen für ihre schriftstellerischen Ambitionen auszuschmücken, doch wer hätte gedacht, dass die Vorstellungen eines jungen Mädchens das Leben ganzer Familien prägen kann?

    Briony wächst in einer wohlhabenden Familie auf. Im Sommer sind Gäste nicht rar und in der erdrückenden Schwüle gehen die Gemüter durch. Was treibt Robbie Turner mit ihrer Schwester am Brunnen und warum haben sie in der Bibliothek so schrecklich gekeucht? Brionys Gerechtigkeitssinn entgeht keine Regung und so nimmt sie die Situation selbst in die Hand.

    Ian McEwans „Abbitte“ ist sicher kein Buch für Zwischendurch. Feinfühlig geht er dem Gemüt eines jungen Mädchens auf den Grund: Briony, die sich jetzt schon als großartige Schriftstellerin sieht, allerdings ihre Cousins bespaßen muss, obwohl sie sich viel lieber ihren Interessen widmen will. Sie interpretiert gern ein bisschen zu viel in Situationen hinein, und glaubt nicht daran, dass auch sie falsch liegen kann.

    Der Roman ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil ist Briony die Hauptfigur, jedoch kommen auch andere Beteiligte zum Zug. Der Autor führt behutsam in die Familienverhältnisse ein, zeigt, wer wie zu wem steht und warum es sich so zugetragen hat. In diesem Abschnitt geht er meinem Geschmack nach viel zu sehr auf Details der einzelnen Figuren ein, wobei sich aber genau daraus eine unbeschreibliche Tiefe der Charaktere ergibt.

    Im zweiten Teil ist der Leser im Kriegsgeschehen in Frankreich unterwegs, wobei hier weder geschönt noch geschont wird. Zwar handelt es sich teilweise auch im eine etwas zu detaillierte Passage, allerdings zeigt Ian McEwan, wie schrecklich der Krieg ist und verweist darauf, was die Soldaten gerade noch so am Leben hält.

    Im abschließenden dritten Teil findet man sich in einem britischen Krankenhaus wieder, wie man es in der Realität niemals erleben will. Den Krieg hat man hinter sich gelassen, aber wird brutal mit seinen Konsequenzen konfrontiert. Diesen Abschnitt habe ich als sehr intensiv empfunden, und er hat mich richtig aufgewühlt. Hier hat es der Autor geschafft, mich direkt in die Situation zu versetzen, die nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.

    Der Handlung selbst stehe ich zwiegespalten gegenüber. Obwohl es eine markerschütternde Geschichte ist, hätte sie wohl schneller erzählt werden können. Gerade die Darstellung einzelner Familienmitglieder im ersten Teil, fand ich etwas mühsam zu lesen, obwohl es für das Verständnis wahrscheinlich notwendig war.

    Mit dem Ende muss man wohl einfach leben lernen, denn es hat wirklich weh getan. Ich weiß nicht so recht, wer hier tatsächlich Abbitte geleistet hat, ob es der Leser, eine der Figuren oder gleich eine ganze Familie war. Ich weiß nur, dass es mich lange Zeit weiter beschäftigt hat, was meiner Ansicht nach für das Buch zu werten ist.

    „Abbitte“ ist eine starke Familiengeschichte mit pikanten Details, die bis in den Krieg und den daraus resultierenden Konsequenzen reicht, zwar mit seinem ausschweifenden Stil mühsam, aber am Ende auf seine eigene Art lohnenswert ist. 

    Kommentare: 7
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    H
    Hamburgerinvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: wie ein kleiner Augenblick Schicksale bestimmt...
    Hingerissen

    Ein kleines Kunstwerk. Sprachlich hinreißend, mit fein gezeichneten Figuren, deren Geschichte so träge beginnt, wie der englische Sommer, in dem der erste Teil spielt. Wie immer bei Ian McEwan muss man nicht lange warten, bis Spannung oder gar Dramatik aufkommen.

    In "Abbitte" ist die 13jährige Briony dafür verantwortlich. Unsicher in der Welt der Erwachsenen und in ihrer erwachenden Sexualität, empfindet sie den Freund ihrer Schwester sowohl als interessant, als auch als Bedrohung. Als ihre Cousine vergewaltigt wird, sagt Briony gegen den Freund ihrer Schwester aus, obwohl sie kaum etwas gesehen hat.

    Was folgt ist eine für alle Beteiligten schicksalhafte Verkettung dramatischer Umstände, noch verstärkt durch den ausbrechenden 2. Weltkrieg. So einfühlsam wie nachvollziehbar wird beschrieben, wie Briony beladen mit ihrer Schuld ihr Leben zu meistern versucht, jedoch eines nie schafft: Abbitte zu leisten.

    Für mich ein gelungener Roman über Menschen und Menschsein, atmosphärisch dicht und für meinen Geschmack wirklich berührend.

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    HibiscusFlowers avatar
    HibiscusFlowervor 2 Jahren
    Ein stetiges Auf und Ab

    Klappentext:
    Am heißesten Tag im Sommer 1935 wird die dreizehnjährige Briony Tallis im Landhaus ihrer Familie Zeuge eines eigenartigen Geschehens. In der Schwüle des Tages sind alle wie verwandelt: Was treibt die ältere Schwester mit Robbie Turner am Brunnen, was in einer dunklen Ecke der Bibliothek? Und wie ist jenes Wort in dem Brief zu verstehen, den sie nicht öffnen sollte? Mit Briony geht die Phantasie durch. Noch am selben Abend ist das Leben aller Beteiligten für immer verändert …

    "Durch ihre Sehnsucht nach Harmonie und Ordnung blieben ihr die tollkühnen Möglichkeiten der Bösewichter dieser Welt versagt. Chaos und Zerstörung waren für ihren Geschmack zu unordentlich, und grausam zu sein, brachte sie einfach nicht übers Herz."
    (S.12/13)

    Und dennoch verändert Briony Tallis - die durch ein wohlbehütetes Leben in ihrer ganz eigenen Welt zu leben scheint - an einem einzigen Tag durch ihre überbordende Phantasie und das Unvermögen die Konsequenzen auch nur zu erahnen ihr Leben und all derer, die ihr stets wichtig und lieb waren grundlegend.

    "In dieser Phase ihres Lebens befand sich Briony in einem unbestimmten Übergangsstadium zwischen Kinderzimmer und Erwachsenenwelt, und niemand vermochte zu sagen, wann sie die Grenze in welche Richtung überschritt." (S.201)

    Während der erste Teil durch detailüberladene Schilderungen, in pathetischer Prosa eingehüllt, an die Wirrungen und die dadurch entstehenden dramatischen Auswirkungen heranführt, erfahren die LeserInnen im zweiten Teil, wie sich Robbie Turner Jahre später als Soldat der britischen Armee - stets in Gedanken bei Brionys älterer Schwester Cecilia - in Frankreich durchschlägt und beschließt im dritten Teil mit den Rückblicken der älteren Briony, die die Vergangenheit reflektiert.

    Ein stetiges Auf und Ab brachte das Buch für mich mit, das in einer für mich vollkommen unerwarteten Wendung gipfelte, bei der ich mich zunächst sehr ratlos gefühlt habe, auch wenn dem Autor ein unglaublicher Effekt gelungen ist. Es gab wundervolle Stellen - wie die Kapitel, in denen aus der Sicht der Mutter Emily Tallis erzählt wurde - und spannende Momente, in denen ich einfach nur weiterlesen wollte. Doch ihnen gegenüber stehen die stellenweise sich mühsam lesenden Schilderungen und die fehlende Sympathie für Briony Tallis, die sich für mich nicht durch ihre kindliche Naivität entschuldigen lässt.

    Einen ganz anderen Blickwinkel bot mir die Verfilmung mit Keira Knightley (Cecilia), James McAvoy (Robbie) und Saoirse Ronan/Romola Garai/Vanessa Redgrave (Briony).
    Die unterschiedlichen Perspektiven behält sich auch der Film bei und bewegt sich mit vielen Details nah am Buch. Was jedoch wegfällt, sind die inneren Gedanken, während Elemente aus dem Hintergrund intensiver ausgeleuchtet werden. Dadurch wirkte die Verfilmung nach dem aufwühlenden Buch fast schon angenehm ruhig auf mich.

    Kommentare: 2
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    Petra54s avatar
    Petra54vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: langweilig
    Geschichte voller langatmiger Detailbeschreibungen

    Ich kaufte dieses Buch, weil ich von "Kindeswohl" des gleichen Autoren so begeistert war.

    Die "Abbitte" erinnert wegen ihrer fast langweiligen endlosen Detailbeschreibungen an Zola und machte mich ungeduldig. Ich mochte die Gedankenspiele halbwüchsiger Mädchen nicht weiter verfolgen, obwohl ich ahnte, dass es irgendwann zu einer Verkettung von Missverständnissen kommen könnte.

    Ich habe verfrüht aufgehört zu lesen, da ich mich absichtlich hingehalten fühlte.

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