Ian McEwan Abbitte

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Inhaltsangabe zu „Abbitte“ von Ian McEwan

Die Abgründe und die Macht der Leidenschaft und der Phantasie: An einem heißen Tag im Sommer 1935 spielt die dreizehnjährige Briony Tallis Schicksal und verändert dadurch für immer das Leben dreier Menschen.

Man soll sich nicht quälen, wenn man keine Lust mehr hat...

— libreevet

Sommerlektüre 2016 + Lieblingsbuch

— anni_anna

Ein Buch mit einer tollen Geschichte. Nur leider hat der langatmige Schreibstil dazu geführt, dass ich mich gelangweilt habe.

— Fleur91

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  • Rezension zu "Abbitte"

    Abbitte

    ElkeK

    30. July 2017 um 07:51

    Inhaltsangabe: England im Sommer 1935: An einem heißen Tag lädt die Familie Tallis auf ihrem Landgut zum Essen ein. Eingeladen sind nicht nur die erwachsenen Kinder der Familie, Cecelia und Leon. Sondern auch die Nichte und Neffen und Paul Marshall, ein Freund von Leon. Robbie, der Sohn der Putzfrau und mit allen Kindern der Familie befreundet, erhält ebenfalls eine Einladung. Briony, mit 13 Jahren der jüngste Spross der Familie, wird von quälender Langeweile gepackt und während ihre Gedanken um weitere literarische Ergüsse feilschen, spielen sich vor ihren Augen Dinge ab, die sie in ihrer kindlichen Fantasie missversteht und damit eine folgenschwere Verkettung auslöst. Kann Briony ihren Fehler je wieder gutmachen? Mein Fazit: Nun habe ich den Roman gelesen. Ewig stand er schon in meinem SuB. Den Film dazu habe ich vor ein paar Jahren gesehen und ich war von der Geschichte schon gefesselt. Ian McEwan hat die Geschichte in vier Abschnitte eingeteilt. Der erste und größte Abschnitt erzählt von dem heißen Tag im Jahre 1935 auf dem Landgut von der Familie Tallis, wie ich es schon in der Inhaltsangabe geschrieben habe. 266 Seiten voller Analysen von Situationen, und Gedanken bezeugen wahrlich die große Schreibkunst des Autors in seiner blumigen Sprache und ausgefeilten Raffinesse. Doch die langen und verschachtelten Sätze waren auch oft ermüdend und manchmal waren sie auch einfach nur langweilig. Ab dem zweiten Teil kam ein bisschen mehr Schwung in die Geschichte. Auch da verlor sich der Autor hin und wieder in ausschweifende Erzählungen, aber es ließ sich einigermaßen lesen und zum Ende hin wurde es immer besser. Die Dramatik der Geschichte ist mir mehr als bewusst. Ein 13jähriges Mädchen, auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, wird mit Liebe und Sexualität konfrontiert und interpretiert das (für Erwachsene) Offensichtliche falsch. Die Konsequenzen ihrer Handlung werden ihr erst deutlich, als sie tatsächlich erwachsen ist. Doch dann ist es bereits zu spät und das Rad der Ereignisse kann nicht mehr zurückgedreht werden. Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass der Autor seine Figuren in Einzelheiten geschildert hat. Auch das Landgut und das Haus wurden schillernd und detailverliebt beschrieben. Man kann sich das alles vor dem inneren Auge gut vorstellen. Aber dann kommen immer wieder Abschnitte, die mich fragen ließen, warum der Autor sich wieder in Erzählungen verlor? Es war manchmal einfach zu viel des Guten! Große Erzählkunst, die mich jedoch nicht immer packend unterhalten konnte. Deshalb vergebe ich nur drei Sterne!

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    • 6
  • Wie eine Sommertag alles verändern kann

    Abbitte

    Fleur91

    17. February 2017 um 15:56

    Die Geschehnisse an einem Sommertag im Jahre 1935 führen dazu, dass sich das Leben zweier Menschen für immer verändern wird. Inmitten dieser Geschehnisse steht die 13jährige Briony Tallis, die nach den Geschehnisse nur eines im Kopf hat: Abbitte zu leisten. Abbitte hatte ich schon sehr lange auf dem Schirm und endlich hab ich es geschafft. Das Buch ist in drei Teile unterteilt. Im ersten Teil lernen wir recht ausführlich die wichtigen Charaktere kennen und erfahren, was an diesem Sommertag alles passiert ist.  Im zweiten Teil machen wir einen Zeitsprung. Ein paar Jahre sind vergangen und wir befinden uns im Kriegsgeschehen. Im letzten Teil begleiten wir Briony, die nun als Krankenschwester arbeitet. Im großen und ganzen gefällt diese Geschichte mir richtig gut. Der Schreibstil ließ die Geschichte sehr lebendig wirken, allerdings war er mir zu langatmig. Die Charaktere geben sich endlosen Gedankengängen hin und die ganze Geschichte dümpelt im Grunde nur vor sich hin. Im Mittelteil hab ich einige seiten auch nur quer gelesen bzw. übersprungen. Ich musste wirklich kämpfen. Der erste und der dritte Teil haben mir dagegen ganz gut gefallen, auch wenn es da auch nur sehr langsam vorangeht in der Geschichte. Das Buch war im großen und ganzen okay. Die Geschichte find ich gut, allerdings gab es keine Tempowechsel und die Geschichte dümpelt vor sich hin. Ich bin froh, dass ich es nun gelesen habe, aber im Kopf bleiben wird diese Geschichte mir eher nicht.

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  • Abbitte

    Abbitte

    NiWa

    23. December 2016 um 18:22

    Im Sommer des Jahres 1935 geht mit der 13jährigen Briony die Fantasie durch. Schon länger liebt sie es, Situationen für ihre schriftstellerischen Ambitionen auszuschmücken, doch wer hätte gedacht, dass die Vorstellungen eines jungen Mädchens das Leben ganzer Familien prägen kann?Briony wächst in einer wohlhabenden Familie auf. Im Sommer sind Gäste nicht rar und in der erdrückenden Schwüle gehen die Gemüter durch. Was treibt Robbie Turner mit ihrer Schwester am Brunnen und warum haben sie in der Bibliothek so schrecklich gekeucht? Brionys Gerechtigkeitssinn entgeht keine Regung und so nimmt sie die Situation selbst in die Hand.Ian McEwans „Abbitte“ ist sicher kein Buch für Zwischendurch. Feinfühlig geht er dem Gemüt eines jungen Mädchens auf den Grund: Briony, die sich jetzt schon als großartige Schriftstellerin sieht, allerdings ihre Cousins bespaßen muss, obwohl sie sich viel lieber ihren Interessen widmen will. Sie interpretiert gern ein bisschen zu viel in Situationen hinein, und glaubt nicht daran, dass auch sie falsch liegen kann.Der Roman ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil ist Briony die Hauptfigur, jedoch kommen auch andere Beteiligte zum Zug. Der Autor führt behutsam in die Familienverhältnisse ein, zeigt, wer wie zu wem steht und warum es sich so zugetragen hat. In diesem Abschnitt geht er meinem Geschmack nach viel zu sehr auf Details der einzelnen Figuren ein, wobei sich aber genau daraus eine unbeschreibliche Tiefe der Charaktere ergibt. Im zweiten Teil ist der Leser im Kriegsgeschehen in Frankreich unterwegs, wobei hier weder geschönt noch geschont wird. Zwar handelt es sich teilweise auch im eine etwas zu detaillierte Passage, allerdings zeigt Ian McEwan, wie schrecklich der Krieg ist und verweist darauf, was die Soldaten gerade noch so am Leben hält.Im abschließenden dritten Teil findet man sich in einem britischen Krankenhaus wieder, wie man es in der Realität niemals erleben will. Den Krieg hat man hinter sich gelassen, aber wird brutal mit seinen Konsequenzen konfrontiert. Diesen Abschnitt habe ich als sehr intensiv empfunden, und er hat mich richtig aufgewühlt. Hier hat es der Autor geschafft, mich direkt in die Situation zu versetzen, die nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.Der Handlung selbst stehe ich zwiegespalten gegenüber. Obwohl es eine markerschütternde Geschichte ist, hätte sie wohl schneller erzählt werden können. Gerade die Darstellung einzelner Familienmitglieder im ersten Teil, fand ich etwas mühsam zu lesen, obwohl es für das Verständnis wahrscheinlich notwendig war.Mit dem Ende muss man wohl einfach leben lernen, denn es hat wirklich weh getan. Ich weiß nicht so recht, wer hier tatsächlich Abbitte geleistet hat, ob es der Leser, eine der Figuren oder gleich eine ganze Familie war. Ich weiß nur, dass es mich lange Zeit weiter beschäftigt hat, was meiner Ansicht nach für das Buch zu werten ist.„Abbitte“ ist eine starke Familiengeschichte mit pikanten Details, die bis in den Krieg und den daraus resultierenden Konsequenzen reicht, zwar mit seinem ausschweifenden Stil mühsam, aber am Ende auf seine eigene Art lohnenswert ist. 

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    • 8
  • Hingerissen

    Abbitte

    Hamburgerin

    17. December 2016 um 12:57

    Ein kleines Kunstwerk. Sprachlich hinreißend, mit fein gezeichneten Figuren, deren Geschichte so träge beginnt, wie der englische Sommer, in dem der erste Teil spielt. Wie immer bei Ian McEwan muss man nicht lange warten, bis Spannung oder gar Dramatik aufkommen. In "Abbitte" ist die 13jährige Briony dafür verantwortlich. Unsicher in der Welt der Erwachsenen und in ihrer erwachenden Sexualität, empfindet sie den Freund ihrer Schwester sowohl als interessant, als auch als Bedrohung. Als ihre Cousine vergewaltigt wird, sagt Briony gegen den Freund ihrer Schwester aus, obwohl sie kaum etwas gesehen hat. Was folgt ist eine für alle Beteiligten schicksalhafte Verkettung dramatischer Umstände, noch verstärkt durch den ausbrechenden 2. Weltkrieg. So einfühlsam wie nachvollziehbar wird beschrieben, wie Briony beladen mit ihrer Schuld ihr Leben zu meistern versucht, jedoch eines nie schafft: Abbitte zu leisten. Für mich ein gelungener Roman über Menschen und Menschsein, atmosphärisch dicht und für meinen Geschmack wirklich berührend.

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  • Ein stetiges Auf und Ab

    Abbitte

    HibiscusFlower

    Klappentext:Am heißesten Tag im Sommer 1935 wird die dreizehnjährige Briony Tallis im Landhaus ihrer Familie Zeuge eines eigenartigen Geschehens. In der Schwüle des Tages sind alle wie verwandelt: Was treibt die ältere Schwester mit Robbie Turner am Brunnen, was in einer dunklen Ecke der Bibliothek? Und wie ist jenes Wort in dem Brief zu verstehen, den sie nicht öffnen sollte? Mit Briony geht die Phantasie durch. Noch am selben Abend ist das Leben aller Beteiligten für immer verändert …"Durch ihre Sehnsucht nach Harmonie und Ordnung blieben ihr die tollkühnen Möglichkeiten der Bösewichter dieser Welt versagt. Chaos und Zerstörung waren für ihren Geschmack zu unordentlich, und grausam zu sein, brachte sie einfach nicht übers Herz." (S.12/13)Und dennoch verändert Briony Tallis - die durch ein wohlbehütetes Leben in ihrer ganz eigenen Welt zu leben scheint - an einem einzigen Tag durch ihre überbordende Phantasie und das Unvermögen die Konsequenzen auch nur zu erahnen ihr Leben und all derer, die ihr stets wichtig und lieb waren grundlegend."In dieser Phase ihres Lebens befand sich Briony in einem unbestimmten Übergangsstadium zwischen Kinderzimmer und Erwachsenenwelt, und niemand vermochte zu sagen, wann sie die Grenze in welche Richtung überschritt." (S.201)Während der erste Teil durch detailüberladene Schilderungen, in pathetischer Prosa eingehüllt, an die Wirrungen und die dadurch entstehenden dramatischen Auswirkungen heranführt, erfahren die LeserInnen im zweiten Teil, wie sich Robbie Turner Jahre später als Soldat der britischen Armee - stets in Gedanken bei Brionys älterer Schwester Cecilia - in Frankreich durchschlägt und beschließt im dritten Teil mit den Rückblicken der älteren Briony, die die Vergangenheit reflektiert.Ein stetiges Auf und Ab brachte das Buch für mich mit, das in einer für mich vollkommen unerwarteten Wendung gipfelte, bei der ich mich zunächst sehr ratlos gefühlt habe, auch wenn dem Autor ein unglaublicher Effekt gelungen ist. Es gab wundervolle Stellen - wie die Kapitel, in denen aus der Sicht der Mutter Emily Tallis erzählt wurde - und spannende Momente, in denen ich einfach nur weiterlesen wollte. Doch ihnen gegenüber stehen die stellenweise sich mühsam lesenden Schilderungen und die fehlende Sympathie für Briony Tallis, die sich für mich nicht durch ihre kindliche Naivität entschuldigen lässt.Einen ganz anderen Blickwinkel bot mir die Verfilmung mit Keira Knightley (Cecilia), James McAvoy (Robbie) und Saoirse Ronan/Romola Garai/Vanessa Redgrave (Briony).Die unterschiedlichen Perspektiven behält sich auch der Film bei und bewegt sich mit vielen Details nah am Buch. Was jedoch wegfällt, sind die inneren Gedanken, während Elemente aus dem Hintergrund intensiver ausgeleuchtet werden. Dadurch wirkte die Verfilmung nach dem aufwühlenden Buch fast schon angenehm ruhig auf mich.

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    • 3
  • Hamlet! Oder so...

    Nussschale

    parden

    HAMLET! ODER SO... Zugegeben, bislang hatte ich noch keine Begegnung mit einem Buch von Ian McEwan. Vorgenommen hatte ich es mir schon lange, aber irgendwie kam es nie dazu. Doch hier, bei seinem neuesten Werk, wurde ich neugierig. Und bereits auf den ersten Seiten wurde klar: das ist ein Roman für mich! Worum es geht, ist rasch skizziert: Mann, Frau, Liebhaber. Einer zu viel. Der Stoff, aus dem große Dramen entstehen. Doch halt, so ganz neu ist der Stoff wohl nicht. Schon die Namen einiger Personen deuten in die Richtung, in der man suchen muss. Trudy heißt die Frau und Claude der Liebhaber - und wem hier Hamlet von Shakespeare in den Sinn kommt (die Königin Gertrude und Claudius, der Bruder und Mörder des Königs und späterer Gemahl von Gertrude), ist auf der richtigen Spur. Auch bei McEwan ist Claude der Bruder von Trudys Ehemann - und die beiden planen die Ermordung des werten Gatten. "Er merkt nicht, wie ungeduldig sie darauf wartet, dass er wieder geht. Wie pervers die Verbannung ist, die sie ihm (...) auferlegt. Ist er denn wirklich ein so bereitwilliges Werkzeug seines eigenen Untergangs? (...) ein Riesennarr, der es für klug hält, seiner Frau jenen 'Raum' zu geben, den sie angeblich braucht." (S. 29) Doch auch Shakespeare hatte seinerzeit so seine Quellen - die Geschichte selbst ist also noch viel älter. Mir hat die Entdeckung dieses Zusammenhangs einfach viel Freude gemacht. Wichtiger jedoch ist nun zu schauen, worin das Besondere in dem Werk von McEwan liegt. Da wäre zunächst einmal die überaus ungewöhnliche Perspektive zu nennen, aus der die Geschichte erzählt wird. Eine wichtige, wenn nicht gar die wichtigste, Person wurde bislang nämlich noch nicht benannt. Trudy ist im neunten Monat schwanger - und das Ungeborene erzählt hier die Ereignisse um seine Mutter, seinen Vater und seinen Onkel, all die Abgründe menschlichen Lebens, eine Geschichte von Intrige und Verrat. Durch die besondere Situation sind dem Erzähler die Hände gebunden, so dass er nichts tun kann, um das geplante Verbrechen zu verhindern, was ihm zwischenzeitlich sehr zusetzt. Wer jetzt stutzt angesichts der Erzählperspektive - ja, das Erleben hatte ich beim Lesen auch. Wie kann denn ein Ungeborenes derart allwissend sein, die Situation analysieren, Überlegungen anstellen? Und nicht nur das: es beschreibt sinnliche Erfahrungen wie den Geschmack des Weins, den seine verantwortungslose Mutter täglich in sich hineinschüttet, oder auch über das Erleben von Farben. Darüber hinaus philosophiert das Ungeborene immer wieder auch über die verschiedensten Themen fröhlich vor sich hin. McEwan selbst hat die Antwort parat: Radio, Fernsehen, Podcasts, alles aufgesogen in den neun Monaten seines Daseins im Bauch der Mutter. Natürlich ist das wenig realistisch, aber irgendwie doch unwiderstehlich albern. Und das Ungeborene ist in bester Erzähllaune, so viel sei hier verraten. Wenn es gelingt, diese Erzählperspektive einfach als gegeben hinzunehmen, ist das Lesen ein wahres Vergnügen... "Nicht jedermann weiß, wie es ist, den Penis des Rivalen seines Vaters nur wenige Zentimeter vor der eigenen Nase zu haben. In diesem späten Stadium sollten sie sich mir zuliebe eigentlich zurückhalten (...) Jedes Mal, bei jedem Kolbenhub fürchte ich, er könnte durchstoßen, könnte meinen weichen Schädel aufspießen und meine Gedanken mit seiner Essenz besamen..." (S. 37) Ian McEwan hat hier eine besondere Mischung geschaffen aus Drama, Krimi und Satire, gewürzt mit allerlei philosophischen Betrachtungen. Böser schwarzer Humor versüßt dabei selbst die düstersten Darstellungen. Und bei all dem ist zu merken, wie viel Vergnügen der Autor selbst beim Schreiben gehabt haben muss. Manche Passagen hinsichtlich der Reflexion des Weltgeschehens oder über die Natur der Menschheit sind für meinen Geschmack ein wenig zu ausschweifend geraten. Ein wenig so, als hätte McEwan selbst noch ein Fläschchen Wein geöffnet und den Philosophen rausgeholt, um über Gott und die Welt zu schwadronieren. Da geriet die Handlung für mich zu sehr ins Stocken. Doch die Schreibkunst des Autors, seine subtilen Beobachtungen zwischenmenschlichen Handelns, die hier fein herausgearbeitet sind, versöhnten mich wieder mit diesen Abschweifungen. Insgesamt jedenfalls fühlte ich mich von dem Roman bestens unterhalten und habe jetzt Lust bekommen, weitere Werke des Autors kennenzulernen! © Parden

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    • 11
  • Geschichte voller langatmiger Detailbeschreibungen

    Abbitte

    Petra54

    06. July 2016 um 11:04

    Ich kaufte dieses Buch, weil ich von "Kindeswohl" des gleichen Autoren so begeistert war. Die "Abbitte" erinnert wegen ihrer fast langweiligen endlosen Detailbeschreibungen an Zola und machte mich ungeduldig. Ich mochte die Gedankenspiele halbwüchsiger Mädchen nicht weiter verfolgen, obwohl ich ahnte, dass es irgendwann zu einer Verkettung von Missverständnissen kommen könnte. Ich habe verfrüht aufgehört zu lesen, da ich mich absichtlich hingehalten fühlte.

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  • Emotionale Achterbahnfahrt

    Abbitte

    Meenama

    Dieses Buch handelt von einem Vorfall , den die kleine Briony, die schriftstellerische Ambitionen und eine rege Fantasie hat, vollkommen falsch versteht. Ihre Taten, die darauf folgen verändern das Leben ihrer Schwester Cecilia und den Mann, den sie liebt. Eigentlich möchte ich zu dem Inhalt nichts viel sagen, weil ich auch nicht viel wusste und es meiner Meinung nach auch so sein sollte. Fast die erste Hälfte des Buches befinden wir uns an einem heißen Sommertag und bekommen die Ereignisse von mehreren Perspektiven geschildert. Die Charaktere werden hier so gut beschrieben, so dass man ihr Denken und Handeln sehr gut nachvollziehen kann und man spürt teilweise sogar die Hitze dieses Tages. Die Sprache ist sehr schön und führt dazu, dass man emotional einfach mit diesem Buch und den Menschen mitgeht. Abbitte ist für mich jetzt schon eines meiner Lieblingsbücher. Da gibt es eine intime Szene in der Bibliothek, wovon ich sagen kann, dass ich etwas ähnliches nie gelesen habe. Es ist eine Geschichte von Schuld und Sühne, Vergebung und Liebe, von Krieg und Leiden. Ich mochte es sehr, muss aber dazu sagen, dass dieses Buch vielleicht nicht jeder gut findet. Ich kann mir vorstellen, dass die einen oder anderen die genau Beschreibung und die verschiedenen Sichten auf ein Ereignis als langweilig empfinden. Für mich es ein literarisches Meisterwerk und eine absolute Leseempfehlung!

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    • 2
  • "Alle hatten Schuld und niemand war schuldig."

    Abbitte

    AnMich_09

    12. September 2015 um 11:54

    Ich weiß nicht so recht was ich von diesem Buch halten soll. Die erste Hälfte überlegte ich wann es nun wirklich losgeht, aber dann war es gut. Die Zeichnung der Figuren erfolgt sehr penibel, jedoch schon fast in einem Umfang, der mich als Leser bei dem Gedanken zurückließ `ich habe es verstanden, können wir jetzt mal zur Sache kommen`. Interessant fand ich, dass ein erwachsener Mann in derart überzeugender und persönlicher Art und Weise die narzisstisch angehauchte Gedankenwelt eines Kindes, Briony, beschreiben kann. Wie für Robbie aus einem Tag, an dem er guter Dinge ist, sich sein Leben voll Vorfreude ob der anstehenden Veränderungen in selbstbestimmt geplante Bahnen, allgemein ins Positive zu verfestigen beginnt, ein Albtraum wird, ist durch die fast beiläufige Selbstverständlichkeit der geschilderten Abläufe sowie deren Logik aus Sicht der Charaktere nach Brionys Aussage mit einer Wucht förmlich hingeschmissen, die fassungslos macht. Der Leser bleibt ebenso sprach-, hilf- und fassungslos zurück wie Robbie. Der Kriegsteil mit all seiner geschilderten Brutalität, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit der Soldaten und Robbies unermüdlichen Kampf gegen die Allmacht des Bösen, sei es der Kampf gegen die eigene Verletzung / Verletzlichkeit oder den Tod von Seiten Dritter, ist ein tolles Bild für die Situation, in der sich Robbie psychisch wiederfindet. Eingeflochten in die Szenerie fielen mir Zitate auf wie z.B. „Alle hatten Schuld und niemand war schuldig“. Besser kann man das Buch, dessen Schuldfrage, nicht in einen Satz verpacken. Brionys Arbeit bei der Ankunft der Verwundeten ist dann wohl die bildliche Konfrontation mit den Wunden, die sie gerissen hat; die Sterbenden das Bild für die Unausweichlichkeit, Unwiederbringlichkeit und Endgültigkeit dessen, was sie mit und in den Leben von Robbie und Cee angerichtet hat. Erschreckend treffend ausgewählt die Symptomatik der Verletzungen - Gesichtsverlust, Kontrollverlust über Gedanken und Leben-, die genauer beschrieben werden. (Schütze Latimer, Unteroffizier MacIntyre, der französische Junge) Das Ende fand ich sehr eigen/ -artig. Soll wohl zeigen dass Abbitte leisten die Leben nicht wieder zurückholen kann, Vergangenes nicht ändern kann. Aber dann gedanklich Abbitte zu leisten, mithilfe einer theatralisch konstruierten Geschichte, auf diese Idee kann nur eine Briony Tallis kommen. Jedoch ist für die Logik des Buches genau dieses Ende bei genauem Hinsehen das einzig mögliche. Alles in allem sehr gut und sorgfältig durchdacht gezeichnete Figuren und Szenen, anfänglich plätschert die Geschichte so vor sich hin, nimmt dann soweit Fahrt auf, dass sie einen mit nimmt . Zeitweise kam mir das Buch vor wie ein Roman über die Konstruktion eines Romanes, die Gedanken zum Verfassen einer Geschichte sind phasenweise sehr vordergründig. Ich vermute, dass man beim zweiten Lesen einige Passagen aus dem ersten Teil nicht mehr so als plätschernd empfindet. Ein Buch, das auf jeden Fall nach hallt. Briony ist ein sehr merkwürdiger Charakter, mit dem ich so meine Schwierigkeiten hatte. Man möchte ihr manchmal beim Lesen den Kopf zurechtrücken und sie in die Realität holen. Empfehlen kann man „Abbitte“ jedem, der sich nicht scheut, sich Gedanken zu einer Geschichte zu machen. Und jedem, der sich in der ersten Hälfte nicht abschütteln lässt.

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  • Rezension zu "Abbitte" von Ian McEwan

    Abbitte

    tragalibros

    18. July 2015 um 12:23

    Nur wenige Jahre vor dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs beobachtet die junge Briony Tallis eine zweideutige Szene zwischen ihrer älteren Schwester und dem Sohn der Haushälterin. In dieser Sommernacht geschieht ein Verbrechen und durch Brionys Aussage verändert sich das Leben zweier Liebender auf tragische Weise für immer. Der Roman "Abbitte" zählt berechtigterweise zu den Klassikern der Literatur. Dieser Roman beleuchtet nicht nur den Einfluss von Missverständnissen, sondern auch die Auswirkungen von Krieg und Trennungen auf die Menschen, in diesem Fall besonders auf ein junges, frisch verliebtes Paar. Das Buch besteht aus drei großen Abschnitten. Im ersten Teil wird die Geschichte aus mehreren Sichten, von verschiedenen Beteiligten erzählt. Im zweiten Abschnitt lernt der Leser den jungen Robbie, den Sohn der Haushälterin, kennen. Dieser Abschnitt hat fast etwas von einem Kriegsbericht. Im letzten Teil wird die ganze Geschichte noch einmal von der nun 88-jährigen Briony beleuchtet. Dieser einfühlsame, melancholische Roman von Ian McEwan gehört für mich definitiv zu den Must-Haves in einem jeden Bücherregal. Ich ziehe einen Stern ab, da der Beginn leider einige Längen aufwies, eine Leseempfehlung gebe ich trotzdem. Vier Sterne.

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  • Leben mit der Schuld

    Abbitte

    Barbara62

    06. April 2015 um 13:34

    Südengland 1935. Es ist ein unerträglich heißer Tag. Auf dem Landsitz der Familie Tallis beobachtet die 13-jährige, fantasiebegabte und zugleich kindlich überspannte Tochter Briony ihre ältere Schwester Cecilia mit Robbie Turner, dem Sohn einer Hausangestellten, zweimal in für sie unverständlichen Situationen. Schnell hat sie ihr Urteil gefällt: Robbie ist ein Psychopath, vor dem sie Cecilia beschützen muss. Als dann am Abend im Park ein Verbrechen geschieht, ist Briony überzeugt, den Täter nicht nur zu kennen, sondern ihn auch tatsächlich gesehen zu haben. Durch ihre Aussage löst sie eine Katastrophe aus und verändert das Leben aller Beteiligten so dramatisch, dass sie selber ein Leben lang unter ihrer Schuld zu leiden hat. Für mich ist Abbitte Ian McEwan mit Abstand bester Roman, spannend und berührend, immer wieder mit Gewinn neu zu lesen. Auch die Verfilmung des englischen Regisseurs Joe Wright (Stolz und Vorurteil) mit Keira Knightley als Cecilia hat mir gut gefallen, erreicht aber die Tiefe des Buches bei weitem nicht.

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  • Schwer einzuordnen!

    Abbitte

    AnikaFischer

    26. October 2014 um 19:10

    Dieses Buch hat es mir wirklich nicht leicht gemacht! Inhalt: Briony ist gerade einmal 13 Jahre alt und schon eine begabte Schriftstellerin, als sie im Sommer 1935 ihre Schwester und deren langjährigen Freund Robert Turner beobachtet. Nach anschließend furchtbaren Geschehnissen, nimmt Briony alles in die Hand und verändert es komplett. Aus Unwissenheit oder um ihre Geschichte zu perfektionieren, sie lädt eine enorme Schuld auf sich. Und dann kommt der Krieg und macht alles noch schlimmer..... Cover: Unsere Bibliothek hat eine Ausgabe von RM-Buch-und-Medien-Vertrieb; Auflage: Ungekürzte Lizenzausgabe (2005), also habe ich das dazugehörige Cover: Weiß und orange harmonieren nicht unbedingt gut. Warum damit die Hälfte des Covers verschwendet wurde, weiß ich wirklich nicht. Das Mädchen mit dem träumerisch leidenden Blick, das sich auf seinen Armen abstützt, ist doch viel verheißungsvoller und passt auch noch wunderbar zum Buch! Meine Meinung: Man braucht wohl etwas Zeit, um dieses Buch zu lesen und nebenher liest es sich schon gar nicht gut. Anfangs hat die Geschichte mich dann aber schon bald in ihren Bann gezogen. Es ist faszinierend, wie der Autor die Geschichte schildert. Man fängt automatisch an sich Fragen zu stellen, man wird mit hinein gerissen in diesen Strudel. Die Idee an sich ist schon eigen im positiven Sinn, ihre Umsetzung ist ....mir fällt kein passendes Wort dafür ein. Die Charaktere sind perfekt, also nicht perfekt von ihren Werten, sondern perfekt struktuiert, abgestimmt und lebendig gemacht. Vielleicht ist perfekt gar nicht das richtige Wort, denn sie sind so selbstverständlich. Man kann zu ihnen durchdringen. Der Schreibstil unterstreicht diese Eigenheit, macht das Buch einzigartig. Der erste Teil, der Teil um Brionys Lüge, die ersten 266 Seiten, waren ein Meisterwerk, unbeschreiblich gut. Aber dann kam Teil zwei, ein Sprung in die Zukunft, der leider relativ langweilig anfing. So viel muss ich verraten, es ging um den Krieg, die Sicht des Krieges und die Gefühle, aber auf diesem Bereich war das Buch so Mainstream, so gar nicht mehr dieses besondere Meisterwerk. Mein Interesse ist also vorerst eingeschlafen, ich habe nur weitergelesen, weil ich wissen musste zu welchem Ende Brionys Lüge führt. Zum Glück hat sich die Geschichte wieder zu ihrer Besonderheit zurück geangelt und das Ende hatte wieder diese eigene, meisterhafte Note. Ja, ein Ende, dass einen ein wenig stutzig macht und überlegen lässt. Ein Ende nach meinem Geschmack also. Sehr schön auch, dass es so einen runden Abschluss hatte. Fazit: Ein Buch mit Höhen und Tiefen, nichtsdestotrotz genial!

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  • ganz nett

    Abbitte

    dominona

    23. October 2014 um 14:31

    So ganz weiß ich nicht was ich von dem Buch halten soll. Das Thema ist ganz grob gesehen Liebe, aber wie so oft kommt es nicht ohne Verrat aus und ein 13 jähriges Mädchen wird versuchen für ihre Frevel Abbitte zu leisten. Leider müssen am Ende eines Buches fast zwangshaft alle Spannungen aufgelöst werden und deshalb war für mich der Kniff am Ende unpassend, aber aus normierter Sicht nachvollziehbar. Das Buch liest sich angenehm, ist aber nicht unentbehrlich.

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  • Die hohe Kunst des Schreibens, das zeichnet einen Ian McEwans aus...

    Abbitte

    Floh

    Ich habe kaum ein Buch gelesen, das mich so lange gefangen hielt und zwischen Abbruch und Weiterlesen hin und her riss! Meine Erwartungen nach McEwans "Der Zementgarten" waren nun bei "Abbitte" enorm hoch angesetzt, ....wer hoch stapelt, kann tief fallen... Dennoch ist "Abbitte" ein kostbares Stück Literatur, welches mich dennoch nach all der Plackerei zufrieden zurück lässt! Zunächt hervorgehoben: dieses Buch ist keine leichte Kost! Wer McEwans kenn, wird sich aber in seinem Stil und Talent verlieren, wer keine anspruchsvollen Lektüren mag, der wird mit diesem Roman kein Glück haben. An die Leser, nicht genug bekommen können von poetischen Bildern, wortgewandten Dialogen, gehobener Sprache und erstaunlichen Intellekt haben: bitte greift zu diesem Werk und lasst euch verwöhnen mit schicksalhaften Begegnungen und einer komplexen Handlung. "Schönheit, so hatte sie entdeckt, wandelte auf schmalem Grat..." Seite 16 Inhalt / Beschreibung: "Am heißesten Tag im Sommer 1935 wird die dreizehnjährige Briony Tallis im Landhaus ihrer Familie Zeuge eines eigenartigen Geschehens. In der Schwüle des Tages sind alle wie verwandelt: Was treibt die ältere Schwester mit Robbie Turner am Brunnen, was in einer dunklen Ecke der Bibliothek? Und wie ist jenes Wort in dem Brief zu verstehen, den sie nicht öffnen sollte? Mit Briony geht die Phantasie durch. Noch am selben Abend ist das Leben aller Beteiligten für immer verändert … ›Abbitte‹ ist ein Buch über Leidenschaft und die Macht des Unbewussten, über Reue und die Schwierigkeiten der Vergebung. Ein Meisterwerk, einfach hinreißend in seiner Beschreibung von Kindheit, Krieg und Liebe. In leuchtenden Bildern ersteht ein ganzes Universum: Weltliteratur." "Geburt und Tod, und dazwischen das zarte Leben." Seite 134 Handlung: Der Roman gliedert sich in Drei Teile mit einem "Epilog" der anschließend in 1999 spielt. Teil 1 beginnt mit einem heißern Sommertag in einem englischen Landhaus im Jahre 1935, an dem das Leben dreier Menschen für immer verändert wird. Die Familie Tallis freut sich auf das Eintreffen des ältesten Sohnes Leon und seinem Freund Paul Marshall. Für dieses Wiedersehen, hat die jüngste Tallis Tochter Briony ein Theaterstück extra für Bruder Leon geschrieben und fiebert der Uraufführung von "Die Heimsuchungen Arabellas" entgegen. Schon hier bekommen wir Einblicke in Brionys Gedankenzüge und Tiefen ihrer Psyche. Eine Schriftstellerin, in abwegigen Gedanken. Die Proben sind in vollem Gange. Leider läuft es nicht so, wie es sich die dreizehnjährige Briony vorstellt, denn ihre Kusine Lola und die beiden Zwillinge Pierrot und Jackson sabotieren all ihre feinsten Ausmalungen, wie das Stück auszusehen hat... Es folgt der Abbruch der Proben und Briony verkriecht sich in ihre eigene Gedankenwelt aus einer Mischung von Phantasie und Wunschdenken. Durch den Abbruch der Theateraufführung und dem, was sie meint am Fenster gesehen zu haben wendet sich ihre Sicht, dadurch begeht sie einen folgenschweren Fehler, der durch die Umstände und schicksalhaften Verkettungen an jenem Tag fatale Folgen für alle Beteiligten haben wird... Teil 2 zeigt den beschwerlichen Weg, wie die vom Schicksal auseinander getriebenen mitten im zweiten Weltkrieg wieder zueinander finden können... Robbie Turner, aus der Haft und nun Soldat will den Weg zu seiner alles geliebten Cecilia finden, Briony schlägt einen anderen Werdegang ein, sie wird Lernschwester, das Schreiben bleibt ihr jedoch weiterhin, in Teil drei gibt es ein Aufeinandertreffen, gut 4 Jahre nach dem einstigen Sommertag, der alles veränderte. In 1999 erleben wir überraschenderweise die inzwischen fast 80 jährige und an Demenz erkrankte Briony wieder. "In diesem ernüchternden Augenblick erkannte er, dass er noch nie jemanden gehaßt hatte. Es war ein Gefühl so rein wie die Liebe, doch so leidenschaftslos, eiskalt und rational." Seite 199 Meinung: Wie schon erwähnt, waren meine Erwartungen einfach zu hoch, und ich muss leider gestehen, dass mir dann auch der Anspruch und die Umsetzung der Handlung einfach etwas vorausgeeilt sind. Dieses Niveau muss der Leser erstmal halten können. Sprachlich gekonnt, und sehr beeindruckend. Keine Frage, aber dennoch konnte ich bis fast zur Mitte nicht ausmachen, wohin mich dieses Buch leiten möchte. Allein der gekonnte Perspektivenwechsel gab dann immer wieder Klarheiten. Ich wankte ehrlich gesagt zwischen Abbruch und Weiterlesen. Zum Glück siegte die Neugier, denn jetzt bin ich Stolz, dieses Meisterwerk der hohen Schreibkunst und des großen Intellekts gelesen und aber auch genossen zu haben! Trotz der Schwierigkeiten für mich, dem hohen Niveau stand zu halten, bin ich sehr begeistert von dem Buch. Was vor allem an den Beschreibungen und der wortgewandten Sprache liegt. Ian McEwan hat eine Poesie in seinem Schreibstil, welche unvergleichlich ist, dass war auch schon das, was mich in "Der Zementgarten" beeindruckt und fasziniert hat. So hat mich der Autor als Leserin gewonnen! Er lässt durch seinen Ausdruck und seiner Worte eine Atmosphäre entstehen, die einen sofort in den Bann zieht und in die Zeit zurückreisen lässt zu den beschriebenen Ereignissen ins 1935. "Und die Dunkelheit war eigentlich nichts weiter-kein Stoff, keine greifbare Substanz, bloß die Abwesenheit von Licht." Seite 233 Charaktere: Ian McEwans hat er die Macht, die einzelnen Charaktere ausmachen unglaublich genau einzufangen. Ihre Beweggründe werden dem Leser jedoch erst schrittweise deutlich und klar gemacht. Briony: sagenhaft polarisierender Hauptcharakter, ein 13 jähriges Mädchen, was eine ganze Familie und die ganze Zukunft verändert. Hier stellt man sich die Frage, wie der Autor sich so packend und fesselnd in die Gedankenwelt eines Teenies in 1935 hineinversetzen kann! Auch die Mutter Emily, die mit ihrer Migräne und all der Schwäche in den treffenden Momenten hart hervortritt. Robbie, der mit seinen starken und ehrlichen Gefühlen für den Beginn all dieser Verkettungen sorgt. Das überzeugende bei McEwans Umsetzung und Darstellung der Protagonisten ist, wie er einfache kleine Handlungen der Charaktere detailliert beschreibt, bei denen man sich oft selbst ertappt fühlt. So werden diese auf den ersten Blick unbedeutsamen Taten zu großen Schlüsselelementen im Buch. Das ist auch der Grund, wieso das Buch einem so lange im Gedächtnis bleibt und man nach dem "Durchhalten" so stolz und fasziniert ist: Weil man McEwans Botschaften und seiner Phantasie folgen kann! Die überschaubaren Rollen und Nebenrollen verkörpern diese menschlichen Züge sehr genau. Der Autor fängt das damalige Leben und die Situationen in den Kriegsjahren so gekonnt ein, dass man glaubt Teil der Handlung zu sein. "In eine Psyche einzudringen und zu zeigen, wie sie arbeitete oder bearbeitet wurde, und dies mit symmetrisch angelegten Plan zu tun - was für ein künstlerischer Triumph." Seite 402 Der Autor: "Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er für ›Amsterdam‹ den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk. Sein Roman ›Abbitte‹ wurde zum Weltbestseller und mit Keira Knightley verfilmt. Er ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences." Fazit: Es gehört für mich ohne Zweifel zu den größten Werken der Literatur! Voller Poesie und Atmosphäre. Wer hinter die Fassade, blickt und beim Lesen durchhält,wird mit einem kleinen Meisterwerk belohnt! 3,5 Sterne, die ich respektvoll aufrunde zu 4 Sterne!

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    • 23

    Floh

    23. September 2014 um 06:39
    Gundo57 schreibt Kompliment zu dieser Besprechung - echt toll kombiniert mit den Zitaten und so lebendig und die Begeisterung transportierend, dass ich dieses Buch jetzt endlich auch mal zu Ende lesen werde ;-)! ...

    ich hatte auch so meine Schwierigkeiten. Aber es lohnt sich....

  • So wundervoll und so traurig!

    Abbitte

    missmistersland

    Inhalt: Die Abgründe und die Macht der Leidenschaft und der Phantasie: An einem heißen Tag im Sommer 1935 spielt die dreizehnjährige Briony Tallis Schicksal und verändert dadurch für immer das Leben dreier Menschen. Meine Meinung: Es gibt wenig Bücher die einem lange in Gedanken bleiben, die Geschichte um Briony, ihre Schwester und deren große Liebe. Obwohl es schon eine Weile her ist das ich dieses Buch gelesen habe, habe ich die Geschichte noch genau im Kopf. Briony handelt wie ein Kind, doch ihre Phantasie und kindliche Dramatik zerreißt die empfindlichen Beziehungen zwischen ihrer Schwester und Robbie. Ihr ganzes Leben trägt die diese Schuld mit sich und versucht Abbitte zu leisten. Das Ende ist weder beschönt noch grausam. Es ist ein Ende wie es ein gutes Buch haben muss. Eine großartige Geschichte, einfühlsam geschrieben und ein Must-read-book!

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