Am Strand

von Ian McEwan 
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Am Strand
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Positiv (192):
M

Schön, traurig.

Kritisch (22):
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Roman über eine katastrophale Hochzeitsnacht, der nach Steigerungen im Mitteilteil banal endet und enttäuscht.

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Inhaltsangabe zu "Am Strand"

Das Schlimmste am Heiraten ist die Hochzeitsnacht. Zumindest für Edward und Florence, 1962 im prüden England. Begierde und Befangenheit, Anziehung und Angst sind miteinander im Widerstreit in der Hochzeitssuite mit Blick aufs Meer. Die Nacht verändert das Schicksal der Liebenden – für immer.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257237887
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:208 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:28.10.2008
Das aktuelle Hörbuch ist am 28.08.2007 bei Diogenes erschienen.

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    Amilyns avatar
    Amilynvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Großartig erzählte Geschichte einer tragischen Liebe
    Hochzeitsnacht mit Folgen

    Nur ein paar Stunden ist Edwards und Florences Hochzeit her, da sind die beiden bereits in ihren Flitterwochen angekommen. In der Hochzeitssuite wird ihnen das Dinner serviert, und beiden steht die vielleicht wichtigste Nacht ihres Lebens bevor: die Hochzeitsnacht.


    In dem knapp über 200 Seiten kurzen Büchlein über ein junges Paar, das im Jahr 1962 an seiner Hochzeitsnacht scheitert, liegt die Tragik, wie so oft bei Ian McEwan, zwischen den Zeilen. Abgesehen davon kann der Autor einfach mit Worten umgehen. 

    Natürlich ist diese Erzählung über eine Hochzeitsnacht kein Mega-Schocker, kein rasend schneller Spannungsroman und sicher nicht für jeden etwas. Mich hat der Autor aber mal wieder vollkommen begeistert. Der Schreibstil und die Fähigkeit, aus einem einzigen unausgesprochenen Wort eine so folgenschwere Geschichte herauszukitzeln, so wie er es schon bei Abbitte geschafft hat, sind einfach großartig.

    Fazit: viel gibt es eigentlich nicht zu sagen, ohne dass man zu viel über Am Strand sagt, deshalb empfehle ich hier: einfach lesen. Es sollte vielleicht nicht der erste Roman sein, den man von Ian McEwan liest, aber wer sich schon für eines seiner anderen Bücher begeistern konnte, wird hier sicherlich nicht enttäuscht werden. Von mir gibt es 5*****.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Hervorragende, traurige Literatur...

    McEwan, der als einer der besten zeitgenössischen Schriftsteller Englands gilt, erzählt in diesem Roman über ein junges, frisch verheiratetes Paar im britischen Dorset des Jahres 1962. Die sexuelle Revolution wird erst gegen Ende dieses Jahrzehnts starten, und Florence hat panische Angst vor der bevorstehenden Hochzeitsnacht in einem hübschen Hotel am Strand. Denn sie hasst Sex, sie findet ihn schmutzig, ekelhaft und (zumindest für sie) vollkommen unnütz. Ihr Ehemann Edward ahnt nichts davon, hielt ihre Zurückhaltung bislang für die Anfang der 60er übliche Scheu.
    Dieses Mißverständnis mündet in ein trauriges Finale, welches zeigt, wie falsche Entscheidungen, Wut, Nichtstun und Trotz das Leben zweier Menschen völlig verändern können. In längeren Zwischenkapiteln berichtet McEwan die jeweilige Vorgeschichte des Pärchens, welche zusätzlich zum psychologischen Verständnis der Figuren und der damals herrschenden Lebensumstände beitragen.

    Fazit: Ein kluges, trauriges und nachdenklich machendes Werk McEwans, das zeigt, welch ein sprachlich versierter, großartiger Autor er ist. Trotz des ruhigen, tragischen Themas unterhält das Buch mit einer unterschwelligen Spannung und ist präzise beobachtet. Lesenswert.

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    MadameEve1210s avatar
    MadameEve1210vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Anfangs mittelmäßig, aber es wirkt nach
    Ein wenig langweilig, aber es wirkt nach.

    Am Strand von Ian McEwan / Diogenes Verlag / 208 Seiten

    Um was geht es:

    Das Schlimmste am Heiraten ist die Hochzeitsnacht. Zumindest für Edward und Florence, 1962 im prüden England. Begierde und Befangenheit, Anziehung und Angst sind miteinander im Widerstreit in der Hochzeitssuite mit Blick aufs Meer. Die Nacht verändert das Schicksal der Liebenden – für immer.

    Meine Meinung: (Achtung ich spoilere hier den Verlauf der Geschichte)

    Ian McEwan ist ein Autor, der es immer wieder schafft, dass seine Bücher bei mir nachhallen. Nach dem Lesen denke ich oft noch lange nach, lese einzelne Abschnitte immer wieder und diskutiere auch gerne mit meinen Freunden über den Inhalt.

    McEwan schafft es hier aus etwas Alltäglichen wie die ersehnte Hochzeitsnacht zwischen zwei Liebenden mehr zu machen, etwas was anfangs gar nicht mal so klar ist.

    Ich fing an das Buch zu lesen und fand es mittelmäßig, die Charaktere stellten sich an, überaus unbeholfen und was mir immer mehr auf die Nerven ging, sie redeten nicht miteinander. Alles läuft in ihren jeweiligen Köpfen ab, sie denken, machen sich Gedanken... teilen das aber nicht mit dem Partner. Es ist also kein Wunder, dass sich am Ende ein Streit abzeichnet.

    Wir haben den Ehemann mit wenig Erfahrung, der endlich seine Frau lieben möchte und seine Ehefrau mit falschen Vorstellungen?! Ist sie prüde, oder sogar frigide? Warum geht sie die Ehe ein, wenn sie sich vor jedem männlichen Wesen doch so ekelt?

    Ist es gar keine Liebe? Viele solcher Fragen gingen mir im Kopf herum, ich muss gestehen, dass mir der arme Mann leid tat. Hat seine Frau ihn unter falschen Tatsachen und unter anderem Grund in den Ehehafen gelockt? Ich kann hier schon sagen, nein. Wie sie sich kennenlernen und verlieben und wie ihre Leben so war, wird in viele Rückblenden von ihr und ihm erzählt.

    Also geht es hier tatsächlich um Liebe! Beide lieben sich sehr und ergänzen sich wundervoll, doch die Frau hat ein Geheimnis. Der Grund, warum sie sich so vor Männer ekelt, ist, dass ihr Vater sie als Kind missbraucht hat. Ein einschneidendes Erlebnis, das sie nie jemandem anvertraut hat. (Diese Tatsache wird nur ganz kurz nebenbei in einer Rückblende geschildert.) Doch nun kann sie es nicht mehr verdrängen und gerät im entscheidenden Moment in Panik und rennt weg. Er interpretiert das falsch und ... es kommt am Strand zum Streit, Worte fliegen hin und her, schlimme Dinge werden gesagt. In diesem Streit gibt es auch einen Moment, wo sie sagt, sie solle sich doch in Therapie begeben... in dem Moment ein Scherz! Oder doch nicht? Ein Hilferuf?! In Rage geredet, trennen sie sich wütend und lassen sich scheiden, ohne dass es nach dem Streit noch zu einer Unterhaltung gekommen wäre.

    Die beiden Herrschaften machen es sich da einfach. Sie schweigen!!!!

    Am Ende leben beide ein Leben, das ohne den anderen so unausgefüllt und leer ist und schweigen noch immer.

    Fazit:

    Es ist ein gutes Buch, das nachwirken muss. Es ist nicht das beste Buch von Ian McEwan und doch sehr interessant und auch wieder sehr tragisch.

    3,5 Sterne von mir 

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    Pachi10s avatar
    Pachi10vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Völlig absurd
    Völlig absurd

    164 Ebook Seiten sind bei dieser Geschichte um 164 zuviel. Ich weiß nicht was sich der Autor bei dieser Geschichte gedacht hat? Und ich hoffe definitiv, dass diese Geschichte nichts autobiografisches hat.

    Edward und Florence, frisch verheiratet, stehen vor der Hochzeitsnacht. Beide unerfahren, nervös. Jeder denkt sich seinen Teil, gesprochen wird nichts oder fast nichts. Angeblich liebt man sich und die Hochzeitsnacht sollte der Höhepunkt sein aber die Geschichte artet aus, nimmt eine vollkommen absurde Wendung.

    Abgesehen davon, dass der Titel und die Geschichte für mich nicht wirklich etwas gemein haben, verhalten sich die Personen so obskur. Sie sagt, denkt, fühlt, sie liebt ihn, ekelt sich aber vor ihm??? Er sagt und denkt und fühlt, er liebt sie, ist zu schüchtern, zu gehemmt um über irgendwas zu sprechen und findet es völlig normal, dass er sie ein Jahr nicht berühren darf??? In den 1960ern??? Tut mir leid soviel Fantasie habe ich dann doch nicht. Außerdem ergeht sich der Autor immer wieder zwischendurch in elendslangen Rückblicken, die immer doppelt erzählt werden - von seiner und ihrer Sicht. Am Ende wird dann noch Edwards restliches Leben in ein paar Seiten abgehandelt.

    Ian McEwan ist ein Bestseller Autor, dass Buch wurde prämiert und ausgezeichnet - warum ist mir ein Rätsel.

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    ralluss avatar
    rallusvor 3 Jahren
    Am Strand

    Wir schreiben das Jahr 1962 in England. Florence und Edward haben geheiratet und befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Eigentlich eine Situation, die jeden mit Freude erfüllen sollte, doch beide machen sich große Gedanken, für beide ist es das 'erste Mal'.

    "Sie waren beide jung, gebildet und in ihrer Hochzeitsnacht beide noch unerfahren, auch lebten sie in einer Zeit, in der Gespräche über sexuelle Probleme schlicht unmöglich waren. Einfach sind sie nie."

    Während Edward sich eher Gedanken um die 'technischen' Probleme beim Liebesspiel macht, ekelt sich Florence vor so viel Nähe, sie ist geradezu abgestossen von der Aussicht auf den Liebesakt. Andererseits will sie Edward nicht verletzen, sie liebt ihn sehr innig. Nachdem Florence vor den Zärtlichkeiten von Edward flieht, sie ihm aber einen Ausweg bei der Aussprache am Strand eröffnet, damit das Ruder in die Hand nimmt, kommt es zur vermeidbaren Tragödie.

    Ian Mcewan schildert in verschiedenen Kapiteln, aus der Sicht der Beiden, wie es letztendlich zu der großen Katastrophe kommt und wie diese doch so einfach hätte vermieden werden können. Interessant sind die letzten Seiten, die das weitere Leben der beiden schildern und wie weise rückblickend Florence doch gewesen ist. 

    Es gibt Momente im Leben die einen Scheidepunkt darstellen und dieses kleine, einfühlsame Werk von McEwan beschreibt einen davon. Mit Worten beschreibt er auf eloquente Weise die Sprachlosigkeit der Paare vor einem wichtigen Thema - Sex.

     

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    peedees avatar
    peedeevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Der Ausgang der Geschichte hat mich sehr überrascht und ein bisschen nachdenklich zurückgelassen.
    Ein Abend kann alles verändern…

    1962, Chesil Beach, Dorset, England. Edward und Florence, beide 22, haben soeben geheiratet und die Hochzeitsnacht liegt vor ihnen. Sie lieben sich und könnten nicht glücklicher sein, wenn da nicht diese Hochzeitsnacht wäre: er kann sie kaum erwarten und sie ekelt sich davor. Grosse Erwartungen – können sie diese erfüllen?

    Erster Eindruck: Das Cover ist für mich ein typisches Diogenes-Cover; leider gefallen mir diese meistens nicht speziell gut. Aber auch hier zählen ja die inneren Werte…

    Die Protagonisten waren mir sympathisch: Edward, der schon in der Vergangenheit seine Liebe zu Florence immer wieder zügeln musste, um sie nicht zu verschrecken; Florence, die zwar in beruflicher Hinsicht sehr überzeugend und selbstsicher auftritt, in privaten Dingen aber sehr unsicher und schüchtern ist. Die beiden kommen aus sehr unterschiedlichen Elternhäusern und kennen vieles nicht, was für den anderen „normal“ ist.

    In der Honeymoon-Suite sind nicht nur die beiden anwesend, nein, es ist noch die riesige Angst von beiden Seiten im Raum, die an sie gestellten Erwartungen nicht erfüllen zu können: „Die Frage, wie dies ohne Enttäuschungen oder Peinlichkeiten zu bewerkstelligen war, liess ihm keine Ruhe.“ Und „Sex mit Edward konnte nicht der Gipfel ihrer Freuden, sondern nur der Preis sein, den sie zahlen musste.“

    Für mich ist dies das zweite Buch des Autors, nach „Kindeswohl“, was mir übrigens sehr gut gefallen hat. Vom vorliegenden Werk war ich insofern überrascht, als der Hauptteil des Buches eigentlich nur die paar Stunden des Hochzeitsabends beleuchtet, aber mit sehr vielen Rückblenden in die Vergangenheit der beiden Protagonisten. Ian McEwan schreibt sehr ausdrucksvoll und bildkräftig – wirklich beeindruckend. Die ganze Geschichte ist ein Auf-und-Ab der Gefühle: Liebe, Kränkungen, Vorwürfe, Beleidigungen und Angst: Angst vor Verletzung, Zurückweisung, Verlust. Der Ausgang der Geschichte hat mich sehr überrascht und ein bisschen nachdenklich zurückgelassen: „So kann sich der Lauf eines Lebens ändern – durch Nichtstun.“

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 4 Jahren
    Gefangen in der Zeit

    Edward und Florence sind ein frisch vermähltes Paar, das nun die erste Hochzeitsnacht in einem Hotel am Strand vor sich hat. Sie lieben einander, doch Florence hat nicht nur Angst vor dem Vollzug der Ehe, sie ekelt sich davor und findet es widerlich. Das kann sie Edward jedoch nicht sagen, der mehr und mehr von seinem Verlangen zu ihr verzehrt wird und ihr deshalb den Heiratsantrag gemacht hat.
    Eine kurzweilige, teilweise doch recht langweilige Story, von der ich mir irgendwie mehr versprochen habe. Mit einem Ende, das sich immer klarer abhob und mich so gar nicht überrascht hat. Schade, "Kindeswohl" hat mir dagegen deutlich besser gefallen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Ein Kleinod

    "Am Strand" erzählt vom Wendepunkt in Edward und Florences Leben. An ihrem Hochzeitstag im Juni 1962 sehen sie beklommen, fasziniert und völlig unwissend ihrer Hochzeitsnacht entgegen.

    Mit seiner unheimlich dichten, bilderreichen Erzählweise hat mich Ian McEwan sofort in seinen Bann gezogen. Mit seiner auf den Punkt gebrachten Sprache ist es ihm gelungen, die Geisteshaltung einer untergegangen Zeit wieder auferstehen zu lassen. Die 200 Seiten waren im Nu ausgelesen und ich freue mich auf ein nächstes Werk von McEwan.

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    Tintenelfes avatar
    Tintenelfevor 6 Jahren
    Rezension zu "Am Strand" von Ian McEwan

    „Am Strand“ erzählt die Geschichte einer Hochzeitsnacht in den früher 1960er Jahren. Florence und Edward, gebildet und auf dem besten Wege zu einer beruflichen Karriere, sind verliebt und unerfahren, es wird ihr erstes Mal sein. Ganz unterschiedlich haben sie sich darauf vorbereitet, Florence mit einem Ratgeber, der ihren Widerwillen gegenüber allem Sexuellen noch verstärkt, Edward mit dem tagelangen Verzicht auf „Selbstverwöhnung“. Ganz langsam nähern sie einander an, Edward vorsichtig und zaghaft, Florence sich selbst überwindend, und steuern stetig auf einen Eklat zu, der über ihr weiteres Leben bestimmen wird.

    In Rückblenden erfährt der Leser, wie sich die beiden Protagonisten kennengelernt haben, aus welchen Familienverhältnissen sie stammen und was sie geprägt hat. Nebenbei erzeugt Ian McEwan ein Gefühl für die Atmosphäre der frühen 60er Jahre, politische Turbulenzen und die empfundene „Schmach“ der Briten über den Verlust des Empires.

    Mein erster Gedanke zu Beginn des Buches war: „200 Seiten über nur eine Nacht? Und dann auch noch nur dieses Hin und Her. Och nö!“, aber im zweiten Kapitel nahm mich das Buch dann gefangen und ich las es in einem Rutsch durch.
    Nicht nur sprachlich ist „Am Strand“ ein Vergnügen, sondern auch bei der Beobachtung der Auswirkungen von Lebensumständen auf die Psyche. Es wird deutlich, wie Zufälle, aber auch verpasste Gelegenheiten und unausgesprochene Worte den Verlauf eines ganzen Lebens beeinflussen. Der Roman wechselt zwischen den Perspektiven von Florence und Edward, wird aber auch von der auktorialen (allwissenden) Autorensicht begleitet, die insbesondere bei der Zusammenfassung der weiteren Lebensjahre zum Schluss zum Tragen kommt. An dieser Stelle hätte mich dann auch das weitere Leben Florences interessiert, der Fokus liegt leider bei Edward.

    © Tintenelfe
    www.tintenhain.wordpress.com

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    Claris avatar
    Clarivor 6 Jahren
    Rezension zu "Am Strand" von Ian McEwan

    Ein Szenario, wie man es sich romantischer nicht vorstellen kann: Edward und Florence auf der Hochzeitsreise in einem erstklassigen Hotel in Dorset an der Küste von Chesil Beach.
    Scheinbar unbeschwert und überglücklich essen sie zu Abend auf ihrem Zimmer mit Blick auf die an den Garten angrenzende Küste.
    Aber der Schein trügt!
    In ihnen brodelt es vor unausgesprochenen Gefühlen: Ängste vor der Hochzeitsnacht bestürmen Florence und Vorfreude auf die lange ersehnte Vereinigung erfüllt ihn.
    Stilsicher und genau protokolliert McEwan die erste geschlechtliche Begegnung des jung vermählten Paares. Jedes Detail ihrer Gedanken und Äußerungen, ihrer Zweifel und der Unsicherheiten findet den richtigen Ausdruck.
    Diese Nacht wird ihr gemeinsames Leben verändern!

    Was aber ist geschehen?

    Bei einer Aktion der Studentenbewegung gegen Atomkraft hatten sie sich 1961 kennen gelernt.
    Er kam aus einem kleinen Dorf, sie aus einer besseren Gegend Oxfords. Beide studierten in London und warteten nach dem Examen auf die Abschlussnote. Er hatte Geschichte studiert und sie Musik. Sie schwelgt in der Kammermusik aller bekannten Künstler der Vergangenheit bis zu Benjamin Britten und spielt selber Geige in einem Quartett, er liebt Rock ?n? Roll und Blues.
    Die Emanzipationsbewegung der Jungen von den Eltern und die sexuelle Revolution befanden sich 1962 in ihren Anfängen. Kein Wunder, dass sich Florence und Edward in den Fallstricken vergangener Lebensgewohnheiten und in deren Ritualen verfangen. Sie können ihre eigenen Gefühle nicht einordnen und die des anderen ebenso wenig. Sexualität vor der Hochzeit fand so gut wie nicht statt.
    In ihrer Hochzeitsnacht, die so glücklich begann, passiert Unerwartetes.
    Florence ist geschockt und Edward ist ratlos und wütend.
    Die ersehnte Freiheit, die sie sich nach der Hochzeit und befreit von der elterlichen Bevormundung erhofften, zerrinnt ihnen unter den Händen.

    McEwan beobachtet genau und registriert auch die kleinste Regung, so dass man alle Szenen fast wie in einem Film miterlebt.
    Die tastende Unsicherheit der Annäherung, die vertrackten Täuschungen, denen sie aufsitzen; ihre ersten Begegnungen in den Elternhäusern, die unterschiedlicher nicht sein können: McEwan hat alles im Blick!

    Er zeichnet sein Porträt einer Zweierbeziehung atmosphärisch eindringlich. Ihm steht ein unermüdlich vielseitiger und poetischer Sprachschatz zur Verfügung, mit dem er mitreißend Stimmungen des Augenblicks einfängt.
    Man sieht die Landschaft, hört die Geräusche des Wassers und der Nacht und kann sich dem tragischen Missverstehen eines jungen, verliebten und zugleich enttäuschten Paares nicht entziehen.
    Wie er die Geschichte einbettet in die Zeit politischen Wandels, die eine veränderte Sexualmoral und den kalten Krieg mit sich bringt, das zeigt ihn als Meister der unterhaltsamen und fesselnden Poesie.

    Auch in diesem Roman stehen menschlichen Beziehungen wie in seinen vorherigen Büchern im Focus seines Berichts. Er weiß, dass sie glücken oder misslingen können, denn vieles hängt vom richtigen Handeln zum rechten Augenblick ab.

    Zuletzt gewährt die Weisheit des Alters einen genaueren Blickwinkel!

    McEwan wird wie bei seinen vorherigen Büchern „Abbitte“ und „Saturday“ ein begeistertes Publikum finden!

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