Der Zementgarten

von Ian McEwan 
4,0 Sterne bei368 Bewertungen
Der Zementgarten
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (269):
Rockyrockts avatar

McEwan kreiert eine unangenehme Atmosphäre, in die einzutauchen jedoch lohnenswert ist.

Kritisch (27):
HarIequins avatar

Verstörend, fast schon abstoßend, aber packend erzählt. Konnte mich trotzdem nicht überzeugen, meine Erwartungen standen mir wohl im Weg

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Inhaltsangabe zu "Der Zementgarten"

Ein Kindertraum wird Wirklichkeit: Papa ist tot, Mama stirbt und wird, damit keiner was merkt, einzementiert, und die vier Kinder - zwei Mädchen und zwei Jungen zwischen 6 und 16 - haben das große Haus in den großen Ferien für sich. Im Laufe des drückend heißen, unwirklichen Sommers kapselt sich die Gemeinschaft der Kinder mehr und mehr gegen die Außenwelt ab, und keiner merkt, daß etwas faul ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257206487
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:205 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:02.01.1999
Das aktuelle Hörbuch ist am 23.05.2008 bei DHV Der HörVerlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    MarySophies avatar
    MarySophievor 8 Monaten
    Der Zementgarten

    Handlung:

    Wird ein Kindertraum zur Wirklichkeit?

    Die vier Geschwister Julie, Jack, Sue und Tom leben zusammen mit ihren Eltern in einer recht verlassenen Gegend in einem Haus. Der Vater stirbt an einem Herzanfall und von nun an leben die Kinder mit der Mutter weiterhin zusammen in dem Haus. Doch die Zeit zu fünft hält nicht lange an. Erst wird die Mutter nur etwas schwach, jedoch verlässt sie nach einiger Zeit kuam noch das Bett und eines Tages findet Julie, die älteste der Geschwister, die Mutter nach der Schule Tod in ihrem Bett. Schnell wird beschloßen, dass sie niemanden von dem Todesfall erzählen wollen, aus Angst, dass sie getrennt werden und das Haus geplündert wird. Die Lösung dafür lautet für die Kinder, die Mutter einzuzementieren, damit niemand etwas merkt. Danach beginnt ein Leben ohne Regeln, jedoch auch ohne Konstante für die Kinder. Dies wirkt sich auf das Verhalten der Kinder aus und sie verlieren den Bezug zur realen Welt.


    Meinung:

    Nachdem ich von dem Klappentext angetan war und eine Geschichte von vier Kindern erwartet hatte, die plötzlich auf sich allein gestellt sind und alle Freiheiten der Welt haben, musste ich das Buch einfach lesen. Leider hat es mich nicht so begeistert, wie ich es mir gewünscht hatte.


    Als Haupthandlungsort steht durchweg das Haus der Familie im Vordergrund, hier spielt sich fast die gesamte Geschichte ab, die Protagonisten verlassen dieses kaum und führen ein sehr abgeschiedenes Leben. Schon die Beschreibung des Hauses wirkt auf mich abstoßend und ernüchternd, wirkt wie eine Vorhersage auf den Verlauf der Geschichte und hat mir beim Lesen stets einen Schauer über den Rücken gejagt.


    In dem 208 Seiten langen Buch gibt es nur wenige Protagonisten, nur zwei Personen tauchen auf, die keine Mitglieder der sechs-köpfigen Familie sind. Dadurch lernt man besonders die Kinder recht gut kennen und kann viele verschiedene Seiten an ihnen beobachten.

    Als besonders interessant fand ich die Entwicklung der vier Kinder. Schon am Anfang, als die eltern noch gelebt hatten, hatte es den Anschein, als wären sie recht selbstständig. Doch durch den Tod der Eltern hat sich jeder noch einmal weiterentwickelt und manche sind dabei gereift, das kleinste der Geschwister ist jedoch wieder in Kleinkindliche Verhaltensweisen zurückgefallen. Dies war sehr spannend und auch gut zu beobachten, außerdem wurde dadurch auch deutlich, wie unterschiedlich die Geschwister mit dem Tod umgehen.


    Als ständiges auftauchendes zieht sich die Sexualität und auch der Gedanke an Inzest durch den Roman. Diese stellen nimmt man als Leser sofort als abstoßend war, besonders, nachdem deutlich wurde, wie sich der Hauptprotagonist Jack nach dem Tod der Mutter gehen lässt.


    Der Roman wurde aus der Perspektive von Jack beschrieben, ein ungefähr 14-15 jähriger Teenager. Außer den ständigen Gedanken an Sex hat er nicht wirklich andere Interessen und ist ein Charakter, den ich durchweg als unsympathisch empfand. Zwar hat er auch mal eine andere Seite von sich gezeigt, jedoch hat dies nichts an meinem Eindruck von Jack verändert.


    Fazit:

    Der Autor versteht es, zu schockieren. Dies hat er zumindest bei mir geschafft, die Geschichte war teilweise recht absurd und schwer zu verdauen. Gefallen hat mir lediglich die Entwicklung der Charaktere und das übermitteln von Botschaften: die Suche nach der Sexualität, der Umgang mit dem Tod und wie unterschiedlich die Verarbeitung ist, … .

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    pardens avatar
    pardenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: McEwans Debütroman konnte mich nachhaltig beeindrucken: düster und faszinierend, morbide und spannend, tabulos und unfassbar.
    Eine Leiche im Keller...

    EINE LEICHE IM KELLER...

    Ein Kindertraum wird Wirklichkeit: Papa ist tot, Mama stirbt und wird, damit keiner was merkt, einzementiert, und die vier Kinder - zwei Mädchen und zwei Jungen zwischen 6 und 16 - haben das große Haus in den großen Ferien für sich. Im Laufe des drückend heißen, unwirklichen Sommers kapselt sich die Gemeinschaft der Kinder mehr und mehr gegen die Außenwelt ab, und keiner merkt, daß etwas faul ist.

    Bewusst stelle ich hier den Klappentext voran, denn bereits hier wird deutlich, weshalb ein Spitzname des Autors 'Ian McAbre' lautet - Ian, der Makabere. Ein Kindertraum? Aber sicher doch...

    Nach dem plötzlichen Tod des Vaters ist eher Erleichterung denn Trauer zu verspüren, denn der Despot hatte seine Familie gut im Griff. Doch bald darauf beginnt es der Mutter schlechter zu gehen, bis sie nur noch im Bett bleibt. Die vier Kinder scharen sich so oft es geht um sie, der Kleinste, Tom, klettert häufig genug zur Mutter ins Bett, die Aufgaben im Haushalt übernehmen die Älteren. Trotz langer Krankheitsphase trifft es die Kinder hart, als sie die Mutter eines Tages tot im Bett vorfinden. Jack, dem Vierzehjährigen, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, sowie seiner zwei Jahre älteren Schwester Julie ist klar, was passieren wird, wenn sie den Tod ihrer Mutter offen machen: die Geschwister werden auseinander gerissen.


    "Als wir sie auf das Laken niederlegten, sah sie so gebrechlich und traurig aus in ihrem Nachthemd, vor unseren Füßen liegend wie ein Vogel mit einem gebrochenen Flügel, daß ich zum erstenmal über sie weinte und nicht über mich." (S. 92)


    So beschließen sie gemeinsam, den Zement, den ihr Vater dazu verwenden wollte, den Garten zu planieren, dazu zu nutzen, ihrer Mutter ein Grab im Keller zu schaffen. Das Geheimnis, die Trauer, die Sprachlosigkeit - eine ungesunde und explosive Mischung, die nicht spurlos an den Kindern vorübergeht. Ein drückend heißer Sommer, Ferien, ein Wohngebiet, in dem kaum noch Häuser stehen und wo jeden Tag weitere Gebäude abgerissen werden, keine Freunde der Familie, niemand, der sich Sorgen macht - die vier Geschwister haben niemanden und bleiben sich selbst überlassen. Verwahrlosung, Isolierung, Einsamkeit, kein Raum für ein Miteinander - eine im Untergrund gärende Lage, die kein gutes Ende erwarten lässt...


    "Als meine Mutter starb, lag unter meinen stärksten Regungen ein Gefühl von Abenteuer und Freiheit, das ich mir kaum einzugestehen wagte." (S. 98)


    Die Abgründe der Jugend - in seinem Debütroman seziert Ian McEwan eine hoffentlich unvorstellbare Situation. Die Isolierung bekommt schließlich durch einen Freund Julies einen Riss, wodurch das in Schieflage gebrachte Familiengefüge gefährlich ins Wanken gerät. Die Pubertät Jacks verschärft die Konstellation zusätzlich, und der Junge schwankt zwischen Apathie und Aggression, leidet zunehmend an Albträumen und ist letztlich ebenso hilflos wie seine Geschwister. Der kleine Tom verfällt in eine Regression, wird zum Kleinkind, und Julie übernimmt immer mehr die Mutterrolle, der 15jährige Jack schließlich auch die Vaterrolle. Doch beide sind wie mit allem anderen damit heillos überfordert.


    "Außer, wenn ich in den Keller gehe, ist mir, als ob ich schlafe. Es gehen ganze Wochen vorbei, ohne daß ich es merke, und wenn du mich fragst, was vor drei Tagen war, weiß ich es nicht." (S. 199)


    Meine Güte, was für ein verstörendes Buch! Traumartig erscheinen die Schilderungen des Geschehens, gefangen in klebrigheißen Sommmertagen, ein Ineinanderfließen der Zeit, überwuchert von einem süßlichen Verwesungsgeruch. Ian McEwan hat es geschafft, nicht nur glaubhaft darzustellen, dass es Jack - und vielleicht auch den anderen Kindern - so vorkam, als schliefen sie (wenn sie nicht gerade im Keller bei ihrer toten Mutter waren), sondern mich als Leser gleich ebenfalls Teil dieses Albtraums werden zu lassen. Dabei agiert McEwan gnadenlos und schreckt vor keinen Konsequenzen zurück, alles wird hier ausgelebt ohne eine Korrekturmöglichkeit von außen.

    Das Ende schließlich ist das einzig mögliche in meinen Augen. Auch wenn es im Grunde offen ist - es schließen sich zahllose Fragen an, die Zukunft betreffend - ist hier gewissermaßen ein Schlusspunkt gesetzt. Eine Erlösung für den Leser, der von Anfang an hineingesogen wird in die Geschichte, ihr kaum entkommen kann. Düster und faszinierend, morbide und spannend, tabulos und unfassbar.

    In jedem Fall ein Roman, der mich nachhaltig beeindrucken konnte.


    © Parden

    Kommentare: 12
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    elodie_ks avatar
    elodie_kvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Faszinierend schockierend; McEwan erzählt eine absurde Geschichte als wäre es das Normalste der Welt.
    Vier Geschwister auf eigenen Beinen

    Der Zementgarten; ich habe es in einem Zug durchgelesen, aber hat es mich überzeugt?

    Es war der Titel, der mich zum Kauf angeregt hat, der Zementgarten, das tönt absurd; ist es auch. 

    Die Geschichte handelt von vier Geschwistern Jack, Julie, Sue und Tom, deren Vater an einem Herzanfall stirbt. Kurz darauf verlässt auch die Mutter die vier Kinder. Im Schock entscheiden sich die vier dazu, sie in dem Zement, den sie vom Umbau des Garten im Keller hatten zu vergraben und zu verstecken, damit die vier zusammenbleiben und nicht in Pflegefamilien kommen. 
    Doch nun beginnt das Chaos. Julie übernimmt die Mutterrolle, Jack geht allen auf die Nerven, wäscht sich nicht mehr und weiss nicht so Recht etwas mit sich anzufangen, Tom möchte gerne ein Mädchen sein und Sue liest oder schreibt den ganzen Tag in ihrem Tagebuch. 
    Kurz: in dem Haus geht alles drunter und drüber. 
    Irgendwann bringt Julie einen jungen Mann ins Haus, Derek. Von anfang an ist er misstrauisch und weiss, dass die Mutter im Keller versteckt ist. Doch die Geschwister sagen ihm es sei ein Hund. 
    Daneben entwickelt sich zwischen Julie und Jack ein Spiel von früher, welches Geschwister eigentlich nicht tun sollten..

    Meiner Meinung nach kann Ian McEwan grandios Situationen mit einer einfachen Sprache beschreiben. Die absurde Geschichte wir mit einer Selbstverständlichkeit erzählt, dass man daran nicht zweifeln kann. Es ist ein unglaublich unterhaltendes Buch, welches sich schnell lesen lässt. Eine gute Geschichte. Allerdings bin ich vom Ausgang nicht ganz überzeugt. Es endet mit den Sommerferien und damit, dass die Polizei erscheint. Die Geschichte hat keinen Höhepunkt, sondern zieht sich einfach von Beschreibung zu Beschreibung. Aus diesem Grund erhält der Zementgarten von mir vier Sterne. 

    Kommentare: 5
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    MadameEve1210s avatar
    MadameEve1210vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Klassiker, der nach einer Diskussion schreit.
    Ein Klassiker, der einen noch lange nachdenken lässt.

    Der Zementgarten von Ian McEwan / Erschienen im Diogenes Verlag / 208 Seiten


    Inhalt:

    Ein Kindertraum wird Wirklichkeit: Papa ist tot, Mama stirbt und wird, damit keiner was merkt, einzementiert, und die vier Kinder - zwei Mädchen und zwei Jungen zwischen 6 und 16 – haben das große Haus in den großen Ferien für sich. Im Laufe des drückend heißen, unwirklichen Sommers kapselt sich die Gemeinschaft der Kinder mehr und mehr gegen die Außenwelt ab, und keiner merkt, dass etwas faul ist.


    Meine Meinung:

    Das Buch ist schwere Kost. Man brauch etwas Geduld und auch einen offenen Geist, um es zu lesen. Die Geschichte entwickelt sich in einer banalen Schreibweise, diese macht das Buch am Ende so genial.

    Ich werde hier nicht urteilen, sondern einfach meine Gedanken und Gefühlen während und nach Beenden des Buches offen legen.

    Es geht hier um eine Familie, um Geschwister, die die elterliche Autorität verlieren und dessen Konsequenzen?! So wie es im Buch abläuft, passiert es nicht im richtigen Leben, oder zumindest so weit nicht, dass es mir bekannt ist. Inzest, Liebe, Leben, Eifersucht und die Pubertät, all das spielt eine Rolle, ob man es am Ende gut oder schlecht, eklig oder ''unter aller Sau'' findet, ist jedem selbst überlassen.

    Für mich ist es schon fast ein psychologisches Experiment, was kann passieren, wenn 4 Geschwister die Autorität der Eltern verlieren und dabei so isoliert und frei leben können, ohne dass die Gesellschaft etwas davon bemerkt.

    Die Kinder entwickeln sich ohne die Vorgaben eines gesellschaftlichen Zusammenlebens. Nach Beendigung des Buches dachte ich noch lange nach, am Anfang fand ich es schlecht, mein moralisches Empfinden war angegriffen, aber nach und nach entdeckte ich in dem Schreibstil die Genialität.

    Jedes ''unmoralisches'' Ereignis im Buch kündigt sich durch etwas Kleines und Banales an, irgendein Vorzeichen. Das Verhalten der Kinder ist nicht ''normal'' nach unseren gesellschaftlichen Regeln, doch was wollen die Kinder eigentlich damit ausdrücken?

    Ich denke immer noch darüber nach, finde keine eindeutige Antwort. Am Ende beendet Ian McEwan das Buch in einem kleinen Showdown. Es wird beendet, indem die Erwachsenen wieder eingreifen.


    Fazit:

    Faszinierend und diskussionswürdig! Unmoralisch oder einfach ein Autor, der sich traut einen Tabubruch zu beschreiben?

    Das Buch lässt mich immer noch nachdenken, es bleibt im Gedächtnis und dafür gebe ich

    4 Sterne von mir


    PS: Der Roman erschien erstmals im Jahr 1978.


    Weitere Infos findet man auch noch:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zementgarten

    http://www.diogenes.ch/leser/titel/ian-mcewan/der-zementgarten-9783257206487.html

    http://lesen-ist-leben.blogspot.lu/2016/10/rezension-der-zementgarten-von-ian.html


    Kommentare: 1
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    philines avatar
    philinevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Zwar simpel geschrieben, aber hinterlässt Eindruck. Tolle Story und besticht durch die Perspektive des pubertierenden Jungen.
    Der psychische Untergang einer Familie aus der Perspektive eines Jungen

    Das Lesenswerte an „Der Zementgarten“ ist die Storyidee und dass sie aus der Perspektive des pubertierenden Jungen geschrieben ist. Die Eltern von vier Kindern, zwei Mädchen und zwei Jungen, sterben. Die Mutter begraben sie im Keller des Hauses in Zement, damit sie nicht vom Jugendamt abgeholt werden. Sie versuchen, sich um sich selbst zu kümmern und halten nach außen hin stark zusammen. Der zweitälteste Jack erzählt. Er entdeckt gerade seine Sexualität und holt sich mehrmals täglich einen runter. Er wäscht sich nicht mehr und nimmt den Ekel seiner Schwestern nur soweit wahr, um bestätigt zu werden, so weiter zu machen. Sein kleiner Bruder nimmt die ältere Schwester Julie zur neuen Mutter und mag es, wie ein Mädchen auszusehen. Er benimmt sich wie ein Baby, um möglichst viel Aufmerksamkeit von ihr zu bekommen. Das missfällt Jack, und auch, dass Julie einen Freund hat. Denn er möchte sie lieber für sich allein haben und verspürt sexuelle Zuneigung zu ihr.

    Egal ob psychologisch nachvollziehbar oder nicht (ich weiß es nicht), die Perspektive Jacks erzeugt die Spannung, denn er ist unsympathisch und erzeugt Abscheu. Er führt seine LeserInnen auf seelische Abwege. Allzu menschliche Abwege aber, weil die Kinder alles tun, um sich selbst zu schützen und nicht begreifen können, in welch selbstzerstörende Höhle sie sich immer tiefer bewegen.

    Vor etwa 7 Jahren habe ich das Buch zum ersten Mal gelesen. Die Stimmung und einige Bilder sind mir über die Jahre im Kopf geblieben, sodass ich so neugierig wurde, das Buch nun nochmal zu lesen. Ian McEwans gibt mit seinem schlichten Schreibstil seinen Geschichten kaum eine Ebene zwischen den Zeilen, was mir zwar missfällt. Bleibenden Eindruck bei LeserInnen zu schaffen, ist aber auch ein Merkmal, was den „Zementgarten“ für mich zu einem guten Buch macht, das ich auch beim zweiten Mal gerne gelesen habe.

    Das Ende ist ein sich wirklich aus der Geschichte entwickelnder Höhepunkt (im Gegensatz zu „Honig“ und „Kindeswohl“). Es schließt sie zwar relativ eindeutig ab, hinterlässt aber dennoch ein Gefühl, dass damit viele Probleme erst anfangen – und die Geschichte auch weiter geht, ohne aufgeschrieben zu werden.

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    blauerklauss avatar
    blauerklausvor 4 Jahren
    Ein beklemmender Roman

    "Der Zementgarten" erzählt die Geschichte des 13jähringen Jack und seiner drei Geschwister, die kurz hintereinander sowohl Vater als auch Mutter durch einen Herzinfarkt bzw. Krebserkrankung verlieren. Um nicht getrennt und in Pflegefamilien gesteckt zu werden beschließen sie den Tod der Mutter zu verheimlichen.
    Das Buch beschreibt aus der Sicht von Jack, wie die Kinder mit dieser Situation umgehen. Seine aufkommende Sexualität trägt sein übriges zu den bestehenden Problemen bei.
    Ein sehr gut geschriebenes, aber auch sehr bedrückendes, beklemmendes Buch, da man vermutet, dass so etwas vermutlich tatsächlich irgendwo gerade passieren könnte.
    Wer sich also gerade in einer etwas depressiven Stimmung befindet sollte evtl. erst zu einem anderen Buch greifen.
    Kleine Anmerkung zur Übersetzung: Für meinen Geschmack wurde an einigen Stellen zu oft das Wort "wie" anstatt "als" benutzt, aber vielleicht ist das ja im englischen Original ähnlich.         

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    maggiterrines avatar
    maggiterrinevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein verstörendes und bewegendes Buch bei dem ich Probleme hatte, das Verhalten der Charaktere nachzuvollziehen
    Verstörend seltsam

    In "Der Zementgarten" von Ian McEwan geht es um vier Minderjährige, die kurz hintereinander sowohl Vater als auch Mutter verlieren und sich entschließen die Tatsache, dass sie nun Vollwaisen sind zu verheimlichen, indem sie die Leiche der Mutter einzementieren.
    "Der Zementgarten" ist ein sehr eigenartiges Buch.
    Zuerst denkt man "Uiuiui, was da jetzt wohl passiert" und dann passiert irgendwie gar nichts. Und dann irgendwann versteht man, dass es genau darum geht, es passiert nichts und das ist doch nicht normal!
    Mein Problem mit dem Buch war, dass ich das Verhalten des Protagonisten (aber auch der anderen Charaktere) zu kaum einem Zeitpunkt wirklich nachvollziehen konnte. Warum wäscht sich der Junge nicht?? Warum spielt die älteste Schwester mit, wenn der Jüngste plötzlich wieder ein Baby sein will?? Sind Doktorspiele unter Geschwistern mit 16 noch normal??
    Ich habe gestaunt aber nicht verstanden.
    Das Buch hat auf jeden Fall seinen Reiz (und wenn es nur Voyeurismus ist) und hin und wieder hat man ein paar kleinere Erleuchtungen bzgl. des Innenlebens der Charaktere. Trotzdem bleibt auch viel, bei dem ich einfach nur verständnislos den Kopf geschüttelt habe und mich gefragt habe "Warum denn das jetzt?".


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    Flohs avatar
    Flohvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Etwas undefinierbares in diesem sehr leisen und dennoch laut schreienden Roman polarisiert sehr. Große Klasse!
    Leise Töne schreien hier sehr laut. Ein ganz anderes Familienverderben!

    Der Zementgarten. Dieser Buchtitel des Autors Ian McEwan klingt zunächst kühl und trocken, vielleicht sogar tot und ausgestorben. Der Inhalt des Buches ist es jedoch keinesfalls. Ich kannte die ganz bewegende Verfilmung des Buches von 1993, und wollte nun endlich auch den Roman lesen, da mir allein der Film sehr lange in Erinnerung geblieben ist. Und eines kann ich sagen, auch dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen.

    Klapptext / Inhalt:
    "Ein Kindertraum wird Wirklichkeit: Papa ist tot, Mama stirbt und wird, damit keiner was merkt, einzementiert, und die vier Kinder - zwei Mädchen und zwei Jungen zwischen 6 und 16 – haben das große Haus in den großen Ferien für sich. Im Laufe des drückend heißen, unwirklichen Sommers kapselt sich die Gemeinschaft der Kinder mehr und mehr gegen die Außenwelt ab, und keiner merkt, dass etwas faul ist."

    Handlung:
    Eine sechsköpfige Familie in einem großen Haus mit Garten, welches von Nachbarn schon lange verlassen wurde. Eine Familie für sich in der eigenen kleinen Welt. Der Vater ein Tyrann, stirbt nach einem Herzanfall, nachdem er sein Vorhaben, den Hausgarten in eine Betonwüste zu verwandeln nicht ganz beendet hat. Die Mutter bleibt allein zurück mit ihren vier Kindern, wo jedes der vier sein eigenes spezielles Wesen hat, und auch die Geschwister untereinander einen ganz sonderbar speziellen Umgang hegen. Bis Jack sich nicht mehr pflegt und sich gehen lässt. Dieser Ekel lässt die Geschwister etwas auseinander driften. Die Mutter wird kränker und kränker. Dann ist sie tot. Die Geschwister finden eine Lösung, um nicht von der Behörde getrennt und aus dem Haus gebracht zu werden... Die Lösung aller Probleme? Was zieht diese Handlung nach sich? Wie geht das Leben allein unter Geschwistern weiter?
    Ein Buch, was in die tiefen Facetten der verstörten Seelen blickt, was Wege zeigt, die niemand gehen möchte, ein Buch was bewegt, abstößt und erschreckt, dennoch sehr das Herz berührt und mit leisen Tönen sehr laut schreit.

    Zum Schreibstil:
    Autor Ian McEwans versteht sein Können. Dieses Buch ist der erste Roman, der fast eins zu eins verfilmt wurde. Hier wurde kaum etwas verändert, denn der Autor schreibt unheimlich bildhaft, hat ausgesprochen intelligente Dialoge und ein Gespür für den passenden Moment.
    Autor Ian McEwans hat eine Thematik gewählt, die sehr nah und erschütternd geschrieben ist, jedoch auch für ungeahnten Witz und Sarkasmus sorgt. Er beweist Mut mit seiner Handlung, wirft hier und da immer wieder ein Kopfschütteln auf, schockt wohl dosiert und bewegt den Leser sehr zum Sinnieren und Nachdenken. Unweigerlich zieht McEwans den Leser in das Geschehen, und lässt die knapp 205 Seiten viel zu schnell gelesen sein. Was genau mich an seinem Stil so fesselt und begeistert kann ich kaum in Worte fassen. Es wirkt einfach! Der Autor versteht es, für Spannung, Entsetzen und Nervenkitzel zu sorgen. Dies schafft er zum Einen durch seinem besonderen Schreibstil. Er präsentiert seine Geschichte der Ich-Erzählung des ältesten Bruders Jack, der mit seiner älteren Schwester Julie, der jüngeren Sue und dem jüngsten Bruder Tom im Hause der Eltern lebt.
    Der Autor blickt in das gestörte Seelenleben der Charaktere und vermittelt dem Leser das Gefühl Teil der Handlung zu sein, jedoch nicht eingreifen zu können.
    Autor Ian McEwans hat mich bereits in den ersten Seiten als Leserin gewonnen. Er besitzt einen ganz besonders tollen, authentischen, mutigen, gewagten und ungefilterten Stil, die Emotionen, Gedanken und Probleme der nicht alltäglichen und hier ausnahmslosen Teeniewelt an den Leser zu bringen. Zu all dem paart er Gewissensbisse, das Selbstvertrauen, die Beziehung zum anderen Geschlecht, das eigene Ansehen und den Wunsch nach Rebellion. Ich mag diese Art des Schreibens und konnte somit ganz nah mit den Charakteren miterleben, was in diesem bewegenden Buch auf mich wartete. Eine gelungene Gratwanderung, der dem Wunsch Jugendlicher aber auch Erwachsener gerecht wird.
    Das Schriftbild ist angenehm und die Kapitel nicht allzu lang. Die Dialoge sind knackig, emotional und sehr authentisch dargelegt.

    Schauplätze:
    Hier gibt es kaum andere Orte, als der heimische Zementgarten und das Haus der Familie. Aber hier schafft der Autor durch teils nichtige Details ein sehr rundes und komplettes Bild der Schauplätze. Für die Verfilmung durfte die Romanvorlage hier absolut ausgereicht haben. Das Haus dieser verstörten Familie, gebettet in einer Wüste aus Schutt, Zement und Beton. Eine Grabstätte für einen bitteren Untergang. Ein Ort für eine verwaiste Familie. Schon allein durch die Wahl des Handlungsortes hat mich der Autor mit seinem Roman überzeugt und konnte begeistern. Zudem gibt er die entstandenen Eindrücke absolut stimmig an seine Leser weiter.
    Dem Autor McEwans gelingt es durch seine reale Darstellung der Schauplätze eine Welt des jugendlichen Alltags zu schaffen, die in einem Ort des Grauens und des Todes funktionieren muss. Sehr genau hat er die Eindrücke eingefangen und gibt diese im Buch an die Leser weiter. Auch wenn sein Fokus auf viele Details und Umschreibungen liegt, so wirkt es nicht überladen oder aufgesetzt, nein, er hat im trefflichen Momenten immer ein sehr genaues Bild der Umgebung geschaffen.

    Charaktere:
    Auch bei der Wahl der Charaktere punktet der Autor. Hier ist nun wirklich jeder Protagonist der morbiden Familie mit einem sehr speziellen Psychogramm gezeichnet. Gerade Jack, allein durch seine Erzählperspektive, wird hier eine zentrale Rolle einnehmen. Wer in Jacks gestörte Psyche blickt, wird den Titel neu interpretieren. Jack, der seinen Körper entdeckt und in seiner jugendlichen Blüte steckt, der seine ältere Schwester beäugt, der die Doktorspiele der Geschwister von einst vermisst, der den Tod seiner Mutter nachtrauert, aber dem des Vaters nicht, der seine Pupertät nicht ausleben kann, der seine Mutter begraben muss, der onaniert, der sich nicht pflegt und dann schlußendlich doch mit seiner Schwester Julie schläft... Und das sind nur die Dinge, die Jack formen. Auch all die anderen drei Geschwister zeichnen ein sehr verstörtes Bild im Buch ab. Hier hat der Autor aus den Vollen geschöpft und Charaktere und Probleme der schon fast erwachsenen Jugend geschaffen, die hoffentlich ein absoluter Einzelfall sind. Eine sehr runde und feine Mischung aus Hauptprotagonisten und wenigen Nebenrollen, verletzten Psychen, gebrochenen Seelen und geschundene Verhältnisse. Gleich zu Beginn ermöglicht der Autor seinen Lesern ein klares Bild der einzelnen Persönlichkeiten.
    Gerade das Seelenleben und die Gedankenwelt von Jack und der Familie kristallisieren sich schnell heraus und lassen den Leser nicht mehr los. Tief und eindringlich werden hier diese Charaktere vorgestellt. Gekoppelt mit einer tragischen Entscheidung und einer dramatischen Tragödie, wirken alle Personen sehr gut geschildert und verkörpern ihren Part im Roman gekonnt.


    Meinung:
    Zu erst möchte ich die vielen versteckten dennoch offensichtlichen Botschaften loben, die der Autor in diesem Buch sehr gewissenhaft bedacht hat. Hier ist einmal der Umgang mit Gewalt, die Gefahr der Vereinsamung, der Weg durch die Pupertät, der Umgang mit Sexualität, der Umgang und die Verarbeitung von Tod, die Eigenverantwortung und Selbstständigkeit, Offenheit, der Wunsch den Körper zu erleben und Sehnsüchte offen auszutragen, Inzest und Geschlechtsverkehr unter Geschwistern...,
    Hier hat der Autor ein ganzen Portfolio an diskutablem Themen verwoben und für Unverständnis und aber auch für Tiefe gesorgt. Er hat hier sehr genau auf das Ausmass geachtet und ich finde es ist ihm sehr galant gelungen.
    Manches wirkte auf mich im Geschehen sehr beklemmend und ich musste beim Lesen häufig meinen Blickwinkel verstellen, das hat mir wirklich gut gefallen. Ein grandioser, aber sehr spezieller Roman. Das Ende kam so, wie es kommen musste. Zwar sehr knapp, aber lässt dem Leser auch Raum für eigene Mutmaßungen.

    Der Autor:
    "Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt in London. 1998 erhielt er für ›Amsterdam‹ den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk. Sein Roman ›Abbitte‹ wurde zum Weltbestseller und mit Keira Knightley verfilmt. Er ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences."

    Zum Cover:
    Das Cover passt sehr zum Verlagsprogramm. Meinen Geschmack hat es nicht getroffen, dennoch zeigt es die Note des Verlags und ist daher stimmig zum Programm. Bezug zum Inhalt des Buches hat es kaum. Schade.

    Fazit:
    Das Buch lässt mich zurück, mit einem wirklich bewegenden Gefühl im Bauch. Es polarisiert mit leisen Tönen, die laut nachhallen und sehr erschüttern. Buch wie Film absolutes MUSS!

    Kommentare: 17
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    A
    Arunvor 5 Jahren
    Truhe im Keller

    Mein erstes Buch von Ian McEwan und gleichzeitig sein Debütroman.
    Meine Ausgabe ist erschienen in der Reihe „Süddeutsche Zeitung/Bibliothek“

    Folgender Satz war auf der Umschlagseite aufgedruckt:
    Lese, Freude, Sammeln.
    50 große Romane des 20. Jahrhunderts, ausgewählt von der
    Feuilletonredaktion der Süddeutschen Zeitung

    Zu diesem kurzem Roman (128 Seiten) wird an anderen Stellen sehr viel hineininterpretiert,
    möchte mich nur kurz fassen, mag vielleicht daran liegen weil ich den Sinn nicht verstanden habe.

    Kurz nach dem Tod des Vaters (Herzinfarkt) stirbt auch die Mutter an Krebs.
    Die vier Kinder wobei Julie und Jack eher schon als Jugendliche gelten stehen nun alleine da.
    Aus Angst vor Waisenhaus und Bevormundung beschließen sie den Tod der Mutter nicht anzuzeigen, die Mutter wird dann zum Keller gebracht und dort auf eine seltsame Art aufbewahrt.

    Für meinen Geschmack plätschert die Geschichte vor sich hin, das Leben der Vier wird ohne großen Spannungsbogen erzählt.
    In ihren Köpfen haben sie schon einige seltsame Ideen, aber Perversionen wie im Klappentext angedeutet werden sehen für mich größtenteils anders aus. Könnte aber auch an einer Abstumpfung meinerseits liegen. Hätte das Buch in jungen Jahren vielleicht anders gelesen!
    Der Roman erschien 1978 zum ersten Male in englischer Sprache, in deutsch 1980.

    Kommentare: 1
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    katYESs avatar
    katYESvor 5 Jahren
    Ein beklemmendes Meisterwerk

    Ein unwirkliches Buch, das ein beklemmendes Gefühl vermittelt und viele Fragen aufwirft. Was passiert, wenn eine einschneidende Veränderung im Leben alles auf den Kopf stellt? Was wenn sich Abgründe dort auftun, wo man am wenigsten damit rechnet und morbide Dinge im vertrauten Umfeld einfach so passieren? Wie geht man damit um? Verdrängt man oder konfrontiert man sich mit der Situation?

    Dieses Buch ist faszinierend, weil es Schreckliches ganz nüchtern beschreibt und einfach in seinen Bann zieht. Es präsentiert Verstörendes, ohne es moralisch zu beurteilen.

    Ich habe es mit großem Genuss gelesen, da ich Bücher liebe, die mich emotional herausfordern und mir eine Atmosphäre, eine Stimmung vermitteln können. 

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