Honig

von Ian McEwan 
3,8 Sterne bei114 Bewertungen
Honig
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (77):
MadameEve1210s avatar

Anfangs etwas langatmig, aber der Schluss konnte überzeugen

Kritisch (14):
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Wie immer ein großartiger Schreibstil, die Geschichte setzt aber zu viel politisches Wissen voraus und die Liebesgeschichte funkt nicht

Alle 114 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Honig"

Sex, Spionage, Fiktion und die Siebziger: Serena arbeitet beim britischen Geheimdienst MI5. Weil sie auch eine passionierte Leserin ist, wird die junge Frau auf eine literarische Mission geschickt. Ian McEwan lockt uns mit gewohnter Brillanz in eine Intrige um Verrat, Liebe und die Erfindung der eigenen Identität.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257243048
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:464 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:17.12.2014
Das aktuelle Hörbuch ist am 25.09.2013 bei Diogenes erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Amilyns avatar
    Amilynvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Wie immer ein großartiger Schreibstil, die Geschichte setzt aber zu viel politisches Wissen voraus und die Liebesgeschichte funkt nicht
    Politik, Mathe und Sexualkunde

    London in den Siebzigern: Die junge Serena Frome arbeitet beim britischen Geheimdienst MI5 in der Registratur. Die Arbeit ist eintönig und Serena hält sie für unbedeutend und unter ihrer Würde, bis sie eines Tages auf eine Mission geschickt wird. Sie soll einem aufstrebenden Autor, von dem geglaubt wird, er könne regierungsfreundliche Texte schreiben, Fördergelder anbieten. Die lesebegeisterte Serena operiert undercover. Und verliebt sich.


    Ja, die gute Serena verliebt sich im Laufe der Geschichte nicht nur einmal. Alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist, reißt sie sich unter den Nagel, und vielleicht ist es das, weshalb ich Ian McEwan die große Liebe hier nicht abgekauft habe. Nach einer sehr langen Vorgeschichte, in der die junge Frau von Liebhaber Nr. 1 bis 3 erzählt und auch noch sämtliche Kurzgeschichten des besagten Autors herunterbetet, ist dem Leser glasklar, was kommen wird. Sie schnappt sich Liebhaber Nr. 4, den zu fördernden Autor, Tom Haley. Aber die großen Gefühle bleiben aus, zumindest bei mir. Sei es, weil sie bereits drei andere Kerle rumgekriegt hat oder diese Liebeleien insgesamt sehr leidenschaftslos vonstatten gingen - so oder so, es funkte auch nicht zwischen Serena, Tom und mir, genauso wenig wie bei den anderen Männern. 


    Möglicherweise lag es auch an den ganzen anderen Themen, die der Roman aufwirft, vor allem politische. Hier wird so ziemlich die ganze Palette vom zweiten Weltkrieg bis zur aktuellen Lage in den 1970er Jahren abgearbeitet und das natürlich in Großbritannien. Da muss ich einfach zugeben: ich hatte keinen blassen Schimmer, was der Autor mir da sagen wollte. McEwan schafft es nicht, die damalige Politik so zu erklären, dass es ein Laie versteht und setzt zu viel Wissen voraus. Wenn man, wie ich, gerade so die IRA mit Nordirland und Bombenanschlägen in Verbindung bringen kann, wird vermutlich auch nur Bahnhof verstehen und nach Beendigung des Buches genauso schlau sein wie vorher. Manchmal hatte ich sogar noch beim Lesen das Gefühl, dass ich gerade genauso gut nichts hätte lesen können, so wenig habe ich verstanden, und am Ende war mein Kopf leerer als vorher. 


    Und dann kam auch noch Mathe dazu ... Nee, oder? 


    Leider hakt es auch bei den Figuren. Serena bleibt während der kompletten Geschichte unsympathisch und Tom äußerst blass. Am Ende kann man sich zwar ganz gut zusammenreimen, warum Serena so dargestellt wurde und dann ist es auch gut gemacht, doch bis dahin hatte ich kaum noch Lust, der Geschichte überhaupt noch zu folgen. 


    Komischerweise hat mir der sehr lange Anfang mit Serenas diversen Affären noch am besten gefallen. Als endlich die eigentliche Handlung losgeht, war bei mir direkt die Luft raus. Auch die total unnötigen Zusammenfassungen von Tom Haleys Kurzgeschichten mochte ich sehr. Gut, das hatte nichts mit der Handlung zu tun, aber endlich mal keine Politik! 


    Dabei hat McEwan, wie immer, einen so phantastischen Schreibstil, den ich auch hier wieder sehr gerne gelesen habe. Aber ... tja ...


    Fazit: Insgesamt muss ich leider sagen, dass mir Honig einfach nicht gefallen hat. Es ist zu lang (McEwan hat ein paar großartige Kurzromane geschrieben, und 200 Seiten weniger hätten diesem Roman ebenfalls gut getan), es setzt zu viel politisches Wissen voraus, die Liebesgeschichte funkt nicht und die Figuren machen auch nicht viel her. Der bei Diogenes sowieso schon sehr knapp und nebulös gehaltene Klappentext liest sich aufregender als das Buch. Wie immer ist Ian McEwans Schreibstil großartig, doch wer noch nichts von ihm gelesen hat, sollte besser nicht hier beginnen. Von mir gibt es (leider) nur 2,5**.

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    Yolandes avatar
    Yolandevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ian McEwan ist einfach ein guter Erzähler
    Viel mehr als ein klassischer Spionageroman

    Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt in London. 1998 erhielt er für Amsterdam den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk. Sein Roman Abbitte wurde zum Weltbesteller und mit Keira Kneigthly verfilmt. Er ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Science. (Klappentext)


    Inhalt (Klappentext): Serena Frome ist schön, klug und schließt gerade ihr Mathematik-Studium in Cambridge ab - eine ideale Rekrutin für den MI5, den britischen Inlandsgeheimdienst. Man schreibt das Jahr 1972. Der Kalte Krieg ist noch lange nicht vorbei, und auch die Sphäre der Kultur ist ein umkämpftes Schlachtfeld: Der MI5 will Schriftsteller und Intellektuelle fördern, deren politische Haltung der Staatsmacht genehm ist. Die Operation trägt den Codenamen "Honig".
    Serena, eine leidenschaftliche Leserin, ist die perfekte Besetzung, um den literarischen Zirkel eines aufstrebenden jungen Autors zu infiltrieren. Zunächst liebt sie seine Erzählungen. Dann beginnt sie, den Mann zu lieben. Wie lange kann sie die Fiktion ihrer falschen Identität aufrechterhalten? Und nicht nur Serena lügt wie gedruckt...


    Ian McEwan ist ein sehr guter Erzähler und hat es auch mit diesem Buch wieder einmal geschafft, mich noch über Tage hinaus mit der Geschichte zu beschäftigen. Wer nach dem Klappentext einen klassischen Spionageroman erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. McEwan beschäftigt sich eher mit der moralischen Frage dieses Metiers, schafft es aber trotzdem, eine gewisse Spannung aufzubauen. Die Geschichte enthält einige literarische Kniffe, die sehr wirksam, aber auch manchmal etwas verwirrend sind. Das macht dieses Buch meines Erachtens nach umso interessanter. 
    Fazit: Ich habe mich wieder einmal sehr gut unterhalten und wurde erneut darin bestätigt, dass Ian McEwan zu meinen bevorzugten Autoren zählt.

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    Monsterbountyvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Big Brother lässt grüßen
    Big Brother lässt grüßen

    Mit Sicherheit nicht das Beste von McEwans Büchern sondern im Vergleich zu Werken wie „Abbitte“ und „Saturday“ eine unterhaltsame Fingerübung, die nicht ganz die stilistische Brillanz früherer Werke besitzt. Das, was an „Honig“ angesichts der aktuellen NSA-Enthüllungen, von denen der Autor zur Zeit der Abfassung des Werkes kaum etwas wissen konnte, besticht, ist seine Aktualität und gleichzeitig die Erkenntnis, dass „Big Brother“ nicht nur abhörend sondern auch manipulativ in unser Leben eingreift. Kein Krimi sondern leider Realität, damals wie heute.

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    Hamlets_Erbins avatar
    Hamlets_Erbinvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Trotz einiger Längen unterhaltsam. Das Ende ist herausragend!
    Eine gelungene Reise in die 70er

    "Manchmal löst man ein Problem am besten, indem man nichts sagt. Die Tendenz zur ständigen "Wahrhaftigkeit" und Konfrontation richtete meiner Meinung nach großen Schaden an und ließ viele Freundschaften und Ehen zugrunde gehen." (S.162) 

    Inhalt: Serena Frome, eine sehr selbstbewusste Frau, erzählt ihre Geschichte: als Pfarrerstochter nahm sie ihrer Mutter zuliebe ein Mathematikstudium auf, lernte den Professor Tony Canning kennen und begann eine Affäre mit ihm. Später vermittelte er sie an den MI5, wo sie eine unterbezahlte & unspektakuläre Stellung antrat. Doch nach einiger Zeit erhielt sie endlich einen interessanten Auftrag. Sie sollte einen Schriftsteller ohne dessen Wissen im Auftrag des Geheimdienstes finanziell fördern und dafür sorgen, dass er regierungsfreundliche Propaganda produziert. Ein Auftrag, der in jeder Hinsicht misslang...

    Meinung: Die Geschichte beginnt relativ unspektakulär. Erst nach etwa 100 Seiten (mit Erhalt des Auftrags) kommt Spannung auf. 
    Es gibt extrem viele historische Bezüge - IRA, Ölkrise, Kalter Krieg (das ganze spielt in den 70ern), die für mich nicht immer interessant und/oder nachvollziehbar waren. Ein gelungener Kunstgriff war dagegen die Einbindung von Kurzgeschichten des fiktiven Schriftstellers in das Gesamtgefüge des Romans. Dadurch wurde meines Erachtens die Glaubwürdigkeit der Geschichte erhöht.
    Der raffinierten Schluss, der sämtliche psychologische und logische Fehler erklärte, konnte mich besonders begeistern.

    "Liebe wächst nicht langsam und gleichmäßig, sondern schubweise, in jähen Aufwallungen, wilden Sprüngen..." (S.291)

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    mondyvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Faszinierende Charaktere, ansprechende Handlung, aber leider auch weite Teile gepflegte Langeweile: in meinen Augen nicht sein bestes Buch.
    Agentin auf literarischer Mission

    Inhalt
    England, 70er Jahre: Serena studiert mit mäßigem Erfolg Mathematik in Cambridge. Nebenbei beschäftigt sie sich mit Literatur (ihre eigentliche Passion) und einigen Affären, bis sie Tony kennenlernt, ihre erste große, vielleicht auch die wahre, Liebe. Tony führt sie ein in die hohe Kunst der Politik, Gesprächsführung und Literatur, bei ihm kann sie sich fallen lassen. Doch eigentlich bereitet er sie auf einen Job beim MI5 vor, denn Serena soll eines Tages Teil eines literarischen Projekts des Geheimdienstes werden: Projekt "Honig".

    Meine Meinung
    Ich hatte etwas Schwierigkeiten mit diesem Buch, dabei hatte ich mich wirklich sehr darauf gefreut. Ich möchte dem Buch gar nicht absprechen, dass es die Stimmung der damalige Zeit, die politischen Ereignisse und die Beweggründe der Charaktere sehr gut darstellt, aber zwischenzeitlich haben sich einige Längen aufgetan, die sich für mich ziemlich zäh gelesen haben. Wahrscheinlich habe ich auf Grund des Klappentextes ("Sex, Spionage, Fiktion und die Siebziger") etwas mehr Action erwartet. Aber eigentlich hätte ich mir denken können, dass Ian McEwan eher auf das genau Beobachten und ruhige Voranschreiten der Handlung setzt, um dann zum Schluss mit einem Knall zu enden. So war es dann auch, aber das Ende konnte mich nicht ganz für die vorangegangene Langeweile entschädigen.

    Die Charaktere sind überaus überzeugend gezeichnet. Jeder hat seine Ecken und Kanten, seine Vorzüge und seine Nachteile. Serena war mir nicht wirklich sympathisch, aber gerade das fand ich gut, denn ihre Handlungen konnte ich immer nachvollziehen, was sie für mich zu einem glaubwürdigen Charakter macht. Auch alle anderen Personen sind sehr individuell, aber in ihren Handlungen stets glaubhaft. 

    Die 70er in Großbritannien sind nicht mein Spezialgebiet. ;-) Ian McEwan streut immer wieder historische Ereignisse ein ... manche konnte ich zuordnen, andere nicht. Ich denke aber, dass man dieses Buch ganz gut lesen kann, ohne die Ereignisse wirklich zu kennen. Die Angst vor einem Krieg, vor Beeinflussung von Außen und die Versuche, all dem vorzubeugen, kann man auch so nachvollziehen. Und für den Notfall gibt es ja das Internet.

    Wie bereits erwähnt, plätschert die Handlung meist vor sich hin. Man hat das Gefühl, auf eine Katastrophe zuzusteuern, aber lange passiert nichts. Das Ende wartet dann zwar mit einem Knall auf, allerdings war ich davon etwas enttäuscht. Ich hätte mir etwas mehr Kreativität gewünscht.    

    Insgesamt ist das Buch bestimmt nicht schlecht, mich hat es aber leider nicht ganz überzeugen können (gerade im Vergleich zu anderen Werken, die ich schon von Ian McEwan gelesen habe). Faszinierende Charaktere, ansprechende Handlung, aber leider auch weite Teile gepflegte Langeweile lassen mich 3 Sterne vergeben. 

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    Isalays avatar
    Isalayvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Interessante, unterhaltsame und gegen Ende sehr spannende Geschichte mit einer sympathischen Protagonistin und einem überraschenden Ende.
    Unterhaltsame Geschichte der 70er Jahre mit überraschendem Ende

    Interessante, unterhaltsame und gegen Ende sehr spannende Geschichte mit einer sehr sympathischen und natürlichen Protagonistin. Größtenteils ist es eine Liebesgeschichte, die aber immer wieder auch kriminalistische Züge annimmt. Der Zeitgeist der 70er Jahre wird sehr lebhaft dargestellt und man kann sich gut in die Zeit und die Stimmungen des Buches hineinversetzen. Die historischen Hintergründe sind jedoch für den Laien etwas zu wenig beschrieben. Das Ende offenbart eine absolut verblüffende und intelligente Komposition des Romans und ist überraschend und rührend zugleich. Die Geschichte wird erst durch das Ende zu eine genialen Roman, zwischendurch sind die vielen Schilderungen der Einzelgeschichten etwas ermüdend.

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    SofiaRvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Wenn das Buch mal groß ist, weiß es vielleicht was es werden soll...
    (Zu) Große Erwartungen?

    Beim Lesen der Rezensionen ahnte ich bereits, dass dies keine leichte Hausmannskost werden würde, aber ich hoffte zumindest, dass ich das Gericht beim Namen nennen kann, sobald ich ein bisschen davon kostete.

    Also schlang ich die ersten Bissen gierig hinunter - ein McEwan wird mich sicher nicht enttäuschen! Sobald der erste Hunger gestillt war, versuchte ich die Aromen und Nuancen zu schmecken. Schließlich hat dies ein McEwan komponiert. Und siehe da, es blitzt hier und dort etwas durch, das mir bekommt. Das Thema, die Handlung der Komposition sind so vielversprechend, dass ich weiter essen muss. Also konsumiere und probiere ich und versuche zu bestimmen, was mir auf meinen literarischen Teller kredenzt wurde.

    Und genau da liegt der Hund meiner Meinung nach begraben. In der Absicht möglichst viele Beilagen zum Hauptgericht zu servieren, wurde dem Fleisch zu wenig Beachtung geschenkt und siehe da - es ist zäh geworden! Man kaut darauf herum und hat eigentlich die Lust verloren, das komplette Gericht zu essen. Und trotzdem isst man weiter, weil man hofft, dass zumindest bei einem der Bissen die man zu sich nimmt, das Können des Meisterkochs durchscheinen muss, und das tut es. Stellenweise ist es meisterlich! Aber der Gesamteindruck bleibt vage.

    Für einen Spionagethriller fehlt es eindeutig an Spannung. Eine Liebesgeschichte? Dazu fehlte mir die Tiefe in den Beziehungen der Protagonistin. Sie bewegt sich an der Oberfläche wie Fettaugen in der Suppe, flach und leicht. Hübsch anzusehen, aber nicht wirklich liebenswert. Ab und zu möchte man sie schütteln und rütteln in der Hoffnung, dass sie etwas an Masse gewinnt, aber der Wunsch bleibt unerfüllt.

    Das Ende hat mich etwas mit dem Koch versöhnt. Es wird rasant und überraschend. Aber die Impressionen des Menüs sind zäh und klebrig, Honig eben.

     

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    BrittaRoeders avatar
    BrittaRoedervor 4 Jahren
    Gewinnt erst durch den Schluss

    Der Roman startet unaufgeregt. Zunächst stellt uns McEwan seine weibliche Hauptfigur Selma vor. Jung ist sie und hübsch und auch ein wenig naiv. Halbherzig lässt sie sich auf ein Mathestudium ein, obwohl sie sich eigentlich für Literatur begeistert. Und so schlittert sie weiter durch die Handlung, beginnt die eine und andere Affäre und gerät schließlich an einen Job beim britischen Geheimdienst MI5. Die Welt um sie herum ist geprägt durch den kalten Krieg. Unversöhnlich stehen sich die Ideologien aus Ost und West gegenüber. Vor diesem Hintergrund wird das Geheim-Projekt 'Honig' ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist Einfluss auf die literarische Szene zu nehmen, um Werke zu fördern, die gegnerische Ideologien unterwandern sollen.

    Und da Selma nicht nur sehr hübsch ist, sondern auch sehr belesen, wird sie beauftragt einen jungen aufstrebenden Autoren unter ihre Fittiche zu nehmen. Es kommt wie es kommen muss, die junge Frau verliebt sich in den Mann und er sich in sie. Eine Liebesgeschichte beginnt, die vor allem den Gewissenskonflikt Selmas thematisiert.

    McEwan verbindet hier zwei Ideen: eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer Spionagestory und die grundsätzliche Frage, inwieweit sich Kunst instrumentalisieren bzw. durch Politik und Geld beeinflussen lässt.

    Eigentlich könnte das alles recht spannend sein und doch zündet der Roman nicht so richtig. Die Titelfigur Selma bleibt einfach zu passiv. Sie ist und bleibt die naive Schöne, die nicht so richtig weiß, was sie aus ihrem Leben machen soll. So treibt sie hilflos auf den finalen Konflikt zu, ohne Perspektive ihm ausweichen oder ihn lösen zu können.

    Doch dann kurz vor Schluss lässt McEwan zum Glück doch noch ein kleines Feuerwerk los, das die bisherige Perspektive ein wenig durcheinander wirbelt - und Leser wie mich (die sich bis dahin in ihrer hohen Erwartungshaltung einem McEwan-Roman gegenüber ziemlich enttäuscht sahen) ein wenig entschädigt.

    So bleibt nach Ende der Lektüre von 'Honig' immerhin der Eindruck einen ganz netten Roman gelesen zu haben. Für einen Roman aus McEwans Feder ist mir das persönlich aber doch ein wenig zu wenig.

    Kommentare: 11
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    Monsignorevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein gekonntes literarisches Spiel um die Frage, ob Literatur durch politische Interessen gesteuert und unterwandert werden kann.
    Kalter Krieg reloaded

    Kann es sein, dass bedeutende Werke der Weltliteratur durch geschickte Unterwanderung manipuliert wurden? Woher hatte z.B. Hemingway seine politischen Überzeugungen, wie kam Orwell zu seinem Stoff, warum schrieb Majakowski im Sinne der Herrschenden? -
    McEwan entwickelt sorgsam und mit leiser Ironie einen ganz außergewöhnlichen Plot: In einer Abteilung des britischen Geheimdienstes arbeiten literarische gebildete und gutaussehende junge Frauen mit Universitätsabschluss; ihre Aufgabe: die Geliebte eines vielversprechenden Schriftstellers werden und ihn bei seiner Themenwahl, Inspiration, Ausarbeitung etc. im Sinne der herrschenden Politik zu beeinflussen.
    Wären die Vorgesetzten im MI5 nicht so ungebildet und lesefaul, könnte das sogar gelingen ...

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    WinfriedStanzickvor 4 Jahren
    Gute und spannende Unterhaltung


     

    Die Freunde der Bücher von Ian McEwan haben lange diesen Roman gewartet. Ich persönlich habe ihn mit Begeisterung gelesen und halte ihn für ein starkes Werk. Ein Roman, der im Geheimdienstmilieu der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts spielt und dennoch von Literatur und vom Literaturbetrieb handelt.

    Das hängt damit zusammen, dass die ich-erzählende Serena Frome, behütet aufgewachsene Tochter eines anglikanischen Bischofs, nach einem von ihr ungeliebten Mathematikstudium und ersten eigenen Schreibversuchen den alten Tony Canning kennenlernt und mit ihm einen wunderbaren Sommer verlebt. Tony Canning war früher Mitarbeiter des Geheimdienstes und lehrt nun in Cambridge.

    Durch seine Vermittlung offenbar wird Serena als Mitarbeiterin für den MI 5 rekrutiert, wo sie in einem Projekt namens „Honig“ zunächst in untergeordneter Rolle tätig wird. Dem amerikanischen CIA nacheifernd, wollen die Chefs des MI 5 Einfluss gewinnen im Bereich der Kultur und der Literatur. Schon an dieser Stelle des Romans lässt Ian McEwan keinen Zweifel daran, wie er jedenfalls aus heutiger Sicht die Weltlage damals einschätzt – er lässt an den Linken nicht nur seines Landes kein gutes Haar, weil sie auf unterschiedliche Weise die Unterdrückung im Sowjetblock herunterspielen.

    Weil auch ein Romanschriftsteller bei „Honig“ mit dabei sein soll, wird Serena angesetzt auf den jungen Dozenten Tom Haley. Als sie ein Dossier mit Aufsätzen und Erzählungen des Autors liest, die Ian McEwan auch ausführlich beschreibt, ist die passionierte Leserin nicht nur von den Texten begeistert, sondern sie spürt schon, bevor sie den Mann kennenlernt, eine ihr zunächst unerklärliche Nähe.

    Es dauert nicht lange, da haben sie sich verliebt und Tom Haley hat Serenas als Stiftungsgelder getarntes Angebot der finanziellen Unterstützung durch den MI 5 angenommen. Immer wieder will sie in der Folge – Tom Haley schreibt unterdessen an einem großen Roman und ist mit einer Novelle, die noch kein Mensch kennt, für den Jane Austen Preis vorgeschlagen- ihm die Wahrheit gestehen, doch sie schafft es nicht.

    Innerhalb des MI 5 ist ihre Position wackelig, auch deshalb weil ihr Kollege und Vorgesetzter Max sich in sie verliebt hat, und ihre Beziehung mit Tom Haley beargwöhnt.

    Die Geschichte liest sich unterhaltsam, spannend , aber auch sehr informativ, entführt die Handlung den Leser doch in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts in ein Großbritannien, dass durch Wirtschaftskrise, Ölkrise und IRA-Terror am Abgrund steht. Ich selbst bin als Jugendlicher in dieser Zeit über mehrfach in England gewesen und fühlte mich bei der Lektüre in diese Zeit der „troubles“ und der unglaublichen Depression meiner Gastfamilie zurückversetzt.

    Als durch beispiellose Tricksereien seines bekannten Verlegers ein eher mittelmäßiger, düsterer Kurzroman von Tom Haley den Austen Preis gewinnt, ohne dass vorher auch nur ein Kritiker das Werk hatte lesen können (!), da spitzt sich die Lage innerhalb weniger Tage zu.

    Nun nimmt die Handlung dramatische Fahrt auf und Ian McEwan führt sie zu einem Ende, das ich nie für möglich gehalten hätte.

    Gute, spannende und informative Unterhaltung.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Urlaubsaktion: Verlosung von Hörbüchern - Bitte Titelliste beachten, es gibt pro Titel je ein Exemplar zu gewinnen!

    Die Haupturlaubszeit hat begonnen - hier in Baden - Württemberg beginnen Ende Juli die Sommerferien. Grund genug, eine kleine Aktion für all diejenigen unter Euch zu machen, die längere oder kürzere Reisen vor sich haben und dabei gerne ein Hörbuch hören möchten! Manche von Euch erinnern sich vielleicht, dass wir das vor einiger Zeit schon einmal gemacht haben.

    Wir bekommen immer wieder von den Hörbuchverlagen Hörbücher zum Anhören. Vielleicht kennt Ihr das von Büchern: Die meisten hört man nur einmal an. Also haben wir mal unser Hörexemplarfach durchforstet und schenken Euch Hörbuchfans hier bei Lovelybooks 13 Hörbücher für Eure Urlaubsreise.

    Natürlich sind 2 Haken bei der Sache - wäre ja sonst auch zu schön!

    Der erste Haken: Ihr schreibt uns eine Rezension über Euer Hörerlebnis, das wir auf unserer Homepage oder auf unserem Blog veröffentlichen dürfen.

    Der zweite Haken: Ihr könnt Euch das Hörbuch nicht aussuchen, sondern Ihr schreibt uns, wohin Eure Reise geht und wie viele Kilometer Distanz zwischen Eurem Heimatort und dem Urlaubsziel liegen. Wir wählen dann aus, welches Hörbuch wir Euch schicken - je länger die Reise, desto länger die Hörzeit!

    Damit Ihr aber auch Freude an der Aktion habt, könnt Ihr uns natürlich dazuschreiben, wenn Ihr ein Hörbuch auf gar keinen Fall haben wollt.

    Wir haben Euch die Titel angehängt, die es außer "Der Beobachter" zu gewinnen gibt (nicht irritieren lassen, wenn die Bücher angezeigt werden!)  und sind sehr gespannt, wohin Eure Reisen Euch führen werden! Ihr habt Zeit bis Sonntag, 21.7.2014 um 23.59 Uhr.

    Viel Spaß beim Mitmachen wünscht Euch

    Das Team der Schiller Buchhandlung
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