Ian McEwan Nussschale

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Inhaltsangabe zu „Nussschale“ von Ian McEwan

Eine klassische Konstellation: der Vater, die Mutter und der Liebhaber. Und das Kind, vor dessen Augen sich das Drama entfaltet. Aber so, wie Ian McEwan sie erzählt, hat man diese elementare Geschichte noch nie gehört. Verblüffend, verstörend, fesselnd, philosophisch – eine literarische Tour de Force von einem der größten Erzähler englischer Sprache.

Mordkomplott von einem Ungeborenen erzählt - interessant!

— Sandra_Halbe
Sandra_Halbe

Ein Blick auf die Welt aus der Enge einer Nussschale. Vom ersten bis zum letzten Satz ein absoluter Hochgenuss!

— BrittaRoeder
BrittaRoeder

Blind Date aus der Bibliothek: "Ein atemberaubendes Drama, erzählt aus einer der ungewöhnlichsten Perspektiven der zeitgenössischen Kunst".

— Lissy
Lissy

Wunderschöne Sprache, hoch philosophisch und noch dazu aus einer ungewöhnlichen Perspektive!

— Mrs_Nanny_Ogg
Mrs_Nanny_Ogg

Super Idee, aber enttäuschend!

— Himmelfarb
Himmelfarb

Geschrieben aus einer aussergewöhnlichen Perspektive! Teilweise etwas skurril, aber sonst sehr spannend...

— JunoStevens
JunoStevens

Witzig, bissig, aber eben auch langatmig, schwafelig und gekünstelt. Genial? Lächerlich? Auch nach über 270 Seiten weiß ich es nicht.

— leselea
leselea

Eine interessante Idee, die leider nur mässig gut umgesetzt wurde.

— elodie_k
elodie_k

Ich war von Anfang an total begeistert vom "kleinen Hamlet"! Ein geniales literarisches Erlebnis!

— sommerlese
sommerlese

Ein interessantes Buch aus der Sicht eines Fötus geschrieben. Ich fand es sehr spannend, doch an manchen Stellen etwas spuki ...

— 19angelika63
19angelika63

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  • Mordkomplott aus den Augen eines Säuglings

    Nussschale
    Sandra_Halbe

    Sandra_Halbe

    25. July 2017 um 20:44

    Die Geschichte von "Nusschale" ist in wenigen Worten zusammengefasst: Die selbstsüchtige Frau plant mit ihrem Geliebten den Mord an ihrem Mann, damit sie das Haus verkaufen und zusammen woanders ein neues Leben anfangen können. Einzig die Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird, ist ungewöhnlich, nämlich von dem ungeborenen Jungen aus Trudys Bauch. Dieser schildert also, was er hört und spürt, denn sehen kann er ja noch nicht. Dadurch kann der Autor spielend leicht auf aktuelle Ereignisse wie den Brexit eingehen: Das Baby hat davon am Radio gehört. Auch der Geschmack von Wein, den der Säugling durch die Nabelschnur schmecken kann, wird intensiv beschrieben. Besonders bewegt hat mich die Hilflosigkeit des Kindes, als klar wurde, was mit seinem Vater passiert. Die widersprüchlichen Gefühle der Mutter gegenüber, die keinen Hehl daraus macht, dass sie ihr Kind nach der Geburt abgeben wird, sind ebenfalls gut dargestellt.Auf der anderen Seite sind die Charaktere ein wenig zu klischeehaft geraten: Die Mutter ist selbstsüchtig, der Geliebte geil und grobschlächtig, und beide nicht unbedingt die Schlausten. Der Vater bleibt leider sehr im Hintergrund. Im Kontrast dazu ist das Neugeborene oft sehr zynisch und philosophisch.Das Ende kam sehr abrupt. Ein paar Seiten mehr für einen runden Abschluss der Geschichte hätten nicht geschadet, ich habe mich arg in der Luft hängen gelassen gefühlt. Insgesamt also knappe 4 Sterne.

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  • Die Welt aus der Enge einer Nussschale betrachtet

    Nussschale
    BrittaRoeder

    BrittaRoeder

    12. July 2017 um 19:50

    Sein oder Nichtsein – ob es wohl dieses berühmte Hamlet-Zitat war, das Ian McEwan dazu inspiriert hat, seinen Hauptprotagonisten zu einem Ungeborenen zu machen, zu einer Person, die ist und doch noch nicht ist? So oder so, die Wahl der Erzählperspektive ist genial. Ein ungeborenes Kind ist der Ich-Erzähler dieser hochunterhaltsamen Hamlet-Neuauflage. Der Plot dürfte Shakespeare-Kennern weitgehend bekannt sein, aber auch für Neueinsteiger stellt er kein Problem dar. Wie im Original geht es um Mord im Familienmilieu: Die schwangere Trudy plant mit ihrem Geliebten Claude, ihrem Schwager, den Mord am Gatten und Kindsvater. McEwans Erzählung spielt im zeitgenössischen London. Und wie mit einer leisen Hintergrundmusik unterlegt, begleitet McEwan sein kleines Drama mit den großen Dramen unserer Zeit, mit Kriegen und Terror, Flüchtlingsströmen, Armut und Hungersnöten, dem Klimawandel etc. , wobei er alles von seinem ungeborenen Ich-Erzähler kommentieren lässt.Natürlich hat dieser Erzähler nichts mit einem echten Ungeborenen zu tun. Es ist der Erzähler McEwan selbst, der in seine eigene Nussschale schlüpft, um aus dieser vermeintlich unschuldigen Perspektive einen umfassenden Blick auf die Welt zu wagen. Und wie er das tut! Seine Eloquenz ist brillant. Seine Detailfreude verleiht den Figuren Shakespeare‘sche Charaktertiefe. Wie im Shakespeare‘schen Original ist auch hier die Handlung ein Transportmittel, um allgemeine Ideen und Fragestellungen mitzuteilen. Das weitläufige Philosophieren des Ich-Erzählers wird zum Versuch, die Welt zu verstehen und dadurch auch das eigene Sein zu reflektieren. Ganz zentral rückt dabei auch die Frage nach der Schuld in den Fokus. Denn Unschuld, per definitionem, das wird schnell klar, ist ein theoretisches Konstrukt, eine Illusion. Dem Menschen ist sein eigenes Sein das höchste Gebot. In diesem Ur-Egoismus liegt sein (Über-)Lebenstrieb. Und darin bereits der Keim der Schuld. "Ich fürchte mich nicht vor Paradies und Inferno, diesen Themenparks mit ihren himmlischen Karussellfahrten, den höllischen Menschenmengen (...) Ich fürchte nur, etwas zu verpassen. Ob gesundes Verlangen oder bloße Gier: Ich will zuvor mein Leben, das, was mir gebührt, meine einzige gesicherte Chance auf ein Bewusstsein. Ich habe ein Anrecht auf diese Handvoll Dekaden, darauf mein Glück auf diesem entfesselt kreisenden Planeten zu versuchen." (S. 180)"Ich werde fühlen, also werde ich sein. Soll Armut ruhig betteln, der Klimawandel in der Hölle schmoren, die soziale Gerechtigkeit in Tinte ersaufen. Ich werde zum Aktivisten der Emotionen, ein lauter, engagierter Geist, der mit Tränen und Seufzern darum kämpft, die Institutionen meinem verletzlichen Selbst anzupassen. Identität wird zu meinem kostbaren, einzig wahren Besitz, Zugang zur einzigen Wahrheit." (204)So ist die Tragödie der Menschheit bereits im einzelnen Menschen festgeschrieben. Eine Tragödie ganz im klassischen Sinne. Ein Happy End kann es nicht geben. Shakespeares Hamlet ist zeitlos. Das ist McEwans Nussschale nicht. Im Gegenteil. Seine Erzählung nimmt ganz bewusst Bezug auf die Probleme unserer Zeit. Ein exzellentes Stück Unterhaltungsliteratur für eine eher anspruchsvolle Leserschaft.  

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    • 5
  • Gelobt sei der Solipsismus des Ungeborenen

    Nussschale
    Mrs_Nanny_Ogg

    Mrs_Nanny_Ogg

    12. May 2017 um 16:52

    Dies ist eines der Bücher, die man genießt wie ein Connaisseur bestimmte Weine. Man erfreut sich an ungewöhnlichen Worten, manche musste ich zugegebenermaßen erst nachschlagen, genießt den Rhythmus der Sätze, spürt den philosophischen Gedankengängen des Protagonisten bzw. des Autors nach.Es ist auch eines dieser Bücher, die es mir schwer machen, eine Rezension zu schreiben. Zu flach erscheint mir nun nach seiner Lektüre meine Sprache, zu holprig mein Umgang damit, zu minderwertig mein Geist. Wie genial ist dieser Autor?!Die Idee, einen geplanten Mord (und seine Ausführung, so viel sei verraten!) durch den ungeborenen Fötus aus dem Mutterleib heraus beobachten und kommentieren zu lassen, ist einmalig. Sicherlich hat dieser Fötus nicht den Geist eines "normalen" Ungeborenen. Fortgebildet hat er sich durch die zahlreichen Radiopodcasts, die seine Mutter hört. Dadurch erfährt dieser Roman auch eine erschreckende Aktualität. Besonders beeindruckt hat mich die Gegenüberstellung von pessimistischem und optimistischem Weltbild. Was wird den Jungen nach seiner Geburt auf dieser Welt erwarten?  Der Mord selbst, perfide geplant, stümperhaft ausgeführt, zu leicht zu überführen, gerät bei all dieser Philosophie über das Leben an sich und die Motive des Täterpärchens eigentlich in den Hintergrund. Ich habe es Wort für Wort geliebt und werde es sicherlich noch mehrmals lesen - es ist zu schön, um im Regal zu stehen. Auch diese Worte wollen durch das Lesen geboren werden.

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  • „Ich glaube an ein Leben nach der Geburt...“ (S. 223)

    Nussschale
    leselea

    leselea

    20. March 2017 um 17:38

    Claude und Trudy haben einen Plan: Sie wollen John ermorden, Trudys Ehemann und Claudes Bruder. Ihr Ziel: Johns Haus für ordentlich Geld verkaufen und zusammen glücklich werden. Wie? Mit Gift. Und einer Geschichte über Depressionen, Schulden und Verzweiflung. Sich in vermeintlicher Sicherheit wähnend schmieden sie Nacht für Nacht flüsternd ihren düsteren Komplott – und übersehen dabei, dass ihre Intrige einen Zeugen hat. Denn Trudy ist hochschwanger mit Johns Sohn. Und dieses ungeborene Kind bekommt mehr mit, als man denkt… Es ist dieses ungeborene Kind, dieser unbeachtete Mitwisser, den Ian McEwan in seinem Roman Nussschale zum Protagonisten und Erzähler der an sich einfachen Geschichte macht. Es ist eine ungewöhnliche Erzählperspektive – vielleicht die ungewöhnlichste, die mir je in der Literatur untergekommen ist – und definitiv der Casus knacksus, in vielerlei Hinsicht. Denn mit der Entscheidung, den Fötus zum Helden und Sprachrohr der erzählten Welt zu machen, verabschiedet sich McEwan schon auf der ersten Seite vom Anspruch, eine realistische Geschichte zu erzählen. Zwar versucht er zu motivieren, warum dieses Ungeborene bereits ein solches Wissen von der Welt hat, in die es noch nicht eingetreten ist (seine Mutter hört gerne Radio und Podcasts), diese Erklärung hält aber nicht lange vor und ist McEwan eigentlich auch schnurzpiepegal: Unbeeindruckt von dem, was sein kann oder auch nicht, lässt er John junior das Aussehen seiner Mutter und die Unordnung im Haus beschreiben, Charakterisierungen seiner Mitmenschen vornehmen und den Handlungsverlauf jenseits des Mutterleibs skizzieren. Das Problem an Nussschale ist dabei nicht der Mangel an Realität (im Gegenteil: gerade dieses Zurückgeworfen werden auf eine doch offensichtlich trügerische Perspektive macht den Roman sehr reizvoll), sondern wie McEwan seinen Erzähler ausstaffiert: Ein neunmalklugeres, überzeichneteres, manierierteres Ungeborenes wird in diesem Leben nicht mehr in der Literatur erdacht werden! Auf unheimlich nervige und unsympathische Art schwafelt der Fötus seitenlang über verschiedene Weinsorten und den Zustand der Welt (politisch, sozial, kulturell), versehrt diese Gedanken mit lateinischen Phrasen, streut so oft es kann Fach- und Fremdwörter und zitiert sich munter durch die Literaturgeschichte. Am Ende fragt man sich: Wozu? Braucht es das? Hat das irgendeinen Mehrwert? Sicherlich dieser pathetische Ton, der beinahe dramatische Zug seines endlosen Monologs ist nicht frei von Witz und Biss und auf gewisse Weise unterhaltsam. Nichtsdestotrotz entsteht dadurch eine ungemein aufgeblähte und langatmige Geschichte, die sich von der eigentlichen Handlung (Mordplan) immer mehr entfernt, ohne sie in irgendeiner Form zu bereichern. Mehr noch: Die Dynamik, die das Buch an vielen Stellen entfaltet und den Leser begeistert, wird dadurch (sowie durch die unnötig detaillierten Sexszenen) immer wieder gedrosselt und die Lektüre ungemein anstrengend. Was ist nun die Moral von der Geschicht? Vermutlich gibt es keine. Ich bezweifle ernsthaft, dass Ian McEwan von seinen Lesern verlangt, diesen Roman ernst zu nehmen. Für diese Theorie spricht allein schon, dass das Lesen des Buches ungemein leichter wird, wenn man einen gewissen ironischen Abstand zum Erzählten hält. Aber was soll das ganze nun? Und ist das letztendlich gut? Nach über 270 Seiten weiß ich es immer noch nicht, aber Genie und Wahnsinn liegen ja bekanntlich nahe beieinander.

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    • 4
  • Ian McEwans „Hamlet“

    Nussschale
    bookgirl

    bookgirl

    16. March 2017 um 11:21

    Inhalt In McEwans Roman "Nussschale" ist der Erzähler ein Fötus. Aus seiner Sicht erfährt der Leser wie die Mutter den Vater mit dessen Bruder betrügt und wie die beiden Mordpläne schmieden, um den Vater aus dem Weg zu räumen. Er wird so zum einzigen – wenn auch bewegungsunfähigen – Zeugen eines perfiden Komplotts.  Meine Meinung Was ungewöhnlich klingt ist es auch und so musste ich erst mal in der Geschichte ankommen, die von einem vor sich hin philosophierenden Fötus, dessen Intelligenz und Eloquenz kaum erwachsener sein könnte erzählt wird. Ian McEwans Roman hätte leicht lächerlich wirken können, aber durch den Humor, dessen er sich bedient, kommt man nicht umhin über manche Aussagen schmunzeln zu müssen. Der Embryo hält einen Monolog, in dem er sich theatralisch und voller Pathos an ein Publikum richtet, welches gar nicht da ist. Was er von sich gibt, ist die Wiedergabe des augenblicklichen Geschehens aus seiner beschränkten Sicht. Sei es, dass die Mutter trotz der Schwangerschaft Wein trinkt, Sex hat oder aber auch Hörbüchern lauscht. McEwans kleiner Held lamentiert jedoch auch über die unterschiedlichsten Themen zur aktuellen Weltlage. Er analysiert hierbei die Gegenwart, hegt aber auch düstere Zukunftsvisionen. Genial endet das Krimistück, dessen Beobachter wir sein dürfen. Denn hier übernimmt der Fötus einen entscheidenden Schritt und vereitelt die Zukunftspläne der Mutter und des Onkels, in dem er das einzige tut das in seiner Macht steht: was? Lest selber.  Fazit "Nussschale" ist ein gelungene Mischung aus Krimi und Satire. Ein Verwirrspiel um Liebe und Verrat. Gerne vergebe ich 4 Sterne.

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  • Die ganze Welt in der Nussschale

    Nussschale
    zwischen_meinen_zeilen

    zwischen_meinen_zeilen

    12. March 2017 um 17:31

    Diese Perspektive ist einfach einmalig. Auch wenn dieses Ungeborene schon extrem intelligent ist, macht es einfach Spaß, seinen Gedanken zu folgen, seien sie zu dem, was sich direkt um ihn herum abspielt oder zu dieser unserer Welt, in die er bald hineingeboren wird.  
    Völlig unerwartet hat es mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Eine wahre, wenn  auch nur kurze, Freude, diese Lektüre. 

  • Das Kind im Bauch

    Nussschale
    19angelika63

    19angelika63

    08. February 2017 um 13:44

    Klappentext Trudy betrügt ihren Ehemann. Sie wohnt nach wie vor in seinem Haus - einem heruntergekommenen Einfamilienhaus in London, das ein Vermögen wert ist -, aber ohne ihren Gatten, den Dichter und Verleger John. Stattdessen geht dort sein Bruder ein und aus, der zutiefst banale Bauunternehmer Claude. Trudy und Claude haben einen Plan. Doch ihre Intrige hat einen Zeugen: das wissbegierige, knapp neun Monate alte, ungeborene Kind in Trudys Bauch. Ich habe mich sehr gefreut als ich im Herbst  in der Verlagsvorschau von Diogenes den neuen Roman von Ian McEwan entdeckte. Der Klappentext sprach mich sofort an. Doch im Weihnachtstrubel war es mir nicht möglich das Buch zu lesen, denn ich wollte mir Zeit dafür nehmen um darin abzutauchen. Daher war ich dann doch sehr überrascht, als ich mit dem Buch anfing. Ich wusste, dass es um eine Intrige ging und dass es einen Zeugen dafür gibt, nämlich das Baby im Bauch. Doch was mich echt überraschte war die Tatsache, dass die gesamte Geschichte von dem Kind im Bauch erzählt wird. Am Anfang fand ich das sehr befremdlich und ich stellte mir an vielen Stellen die Frage, kann ein Kind im Bauch der Mutter wirklich so viel mitbekommen von seiner "Umwelt" wie es in dieser Geschichte den Anschein hat? Kann ein Kind im Bauch Einfluss auf Handlungen nehmen? Im Laufe der Geschichte habe ich diese Gedanken auf Seite geschoben und mich ins Buch fallen lassen. Die Spannung, was denn da passiert, war zu weilen nicht auszuhalten und ich konnte nicht aufhören zu lesen. Irgendwie hoffte ich immer, dass alles ein gutes Ende nehmen wird. Irgendwie hat es dann ja auch ... je nachdem wie man es betrachtet. McEwan hat mit diesem Buch einen ungewöhnlichen Weg des Schreibens eingeschlagen. Das Kind im Bauch erzählt die Geschichte. Die Geschichte seiner Mutter, seines Vaters und dem Liebhaber seiner Mutter. Und das in einer Art und Weise, die mich als Leser neugierig macht, abstößt aber auch fasziniert. Manchmal denke ich ach das arme Kind und dann wieder bin ich total angenervt  von diesem altklugen Geschwafel welches das Kind im Mutterleib von sich gibt. Was mir noch auffällt, ist das McEwan mit Sprache nur so um sich haut. Er benutzt Wörter die manchmal erst nachschlagen muss, da ich sie noch nie gelesen habe. Trotz allem hat mich dieses Buch mehr fasziniert als das es mich  genervt hat. Ich finde ein gewagtes und mutiges schriftstellerisches Experiment, aber ein sehr gelungenes!!!

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    • 9
  • Nussschale

    Nussschale
    nasa

    nasa

    06. February 2017 um 12:13

    Dies war mein erstes Buch von dem Autor Ian McEwan und ich muss sagen das es mir nicht sonderlich gut gefallen hat. Die Idee die Geschichte aus der Sicht eines Fötus zu schreiben hat mich angesprochen und auch viele Rezensionen haben mich neugierig gemacht. Aber es war überhaupt nicht mein Fall.  Trudy ist im drittem Trimester Schwanger ist von ihrem Mann John getrennt und betrügt ihn mit seinem Bruder. Trudy ist genervt von ihrem dichtenden Mann und entwickelt mit ihrem Schwager/ Liebhaber Claude einen perfiden Plan. John muss weg und das für immer, also planen sie den tot von John. Der einzige Zeuge den es gibt ist das ungeborene Kind. Er kennt jede Einzelheit des Mordes und kann es doch nicht verhindern. Eigentlich eine gute Idee eine Geschichte aus der Sicht des Fötus zu schreiben, aber im ganzen hat es mir absolut nicht gefallen. Ich habe das Buch immer wieder zur Seite gelegt und wollte es am liebsten nicht weiter lesen. Was ich am meisten gestört hat war dieser neunmalkluge Fötus der die verschiedensten Themen behandelt: Flüchtlinge, Politik im allgemeinen, Klimawandel, Terrorismus usw. Es hat den Anschein dass der Autor hier soviel wie möglich unterbringen wollte und eine Liste mit den weltweiten wichtigen Politischen und philosophischen Themen hatte und diese unbedingt abhandeln wollte. Dazu ist der Fötus nicht nur sehr versiert was Politik anbelangt, er ist auch noch ein guter Weinkenner. Denn seine Mutter, so hat es den Anschein, hat ein leichtes Alkoholproblem. Ständig ist sie am Wein trinken und es darf dann auch gerne mal ein Glas mehr sein. Und der Fötus klärt den Leser und Geschmack, Herkunft, Anbau etc des Weines auf. Was für mich absolut nicht okay ist.  Die New York Times sagte über das Buch: „ Ein kluger, witziger und äußerst fesselnder Roman“. Diesem Statement kann ich nicht zustimmen. Nun der Roman ist überladen von politischen Themen, absolut nicht fesselnd und gar nicht witzig. Gut über Humor lässt sich streiten und andere sehen es vielleicht anders, aber mein Humor war das nicht. Ob ich noch ein Buch von dem Autor lesen würde weiß ich nicht. Zu dem jetzigen Zeitpunkt wohl eher nicht. 

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  • Aus dem Bauch heraus

    Nussschale
    sommerlese

    sommerlese

    27. January 2017 um 18:12

    Von "*Ian McEwan*" stammt der Roman "Nutshell" und die Übersetzung von Bernhard Robben erschien 2016 im "*Diogenes Verlag*". Trudy betrügt ihren Ehemann. Sie wohnt nach wie vor in seinem Haus – einem heruntergekommenen Einfamilienhaus in London, das ein Vermögen wert ist –, aber ohne ihren Gatten, den Dichter und Verleger John. Stattdessen geht dort sein Bruder ein und aus, der zutiefst banale Bauunternehmer Claude. Trudy und Claude haben einen Plan. Doch ihre Intrige hat einen Zeugen: das wissbegierige, knapp neun Monate alte, ungeborene Kind in Trudys Bauch. Klappentext "In so mancher langen, ruhigen Nacht habe ich meiner Mutter einen heftigen Tritt verpasst. Sie wurde wach, konnte nicht wieder einschlafen und tastete nach dem Radio. Grausam, ich weiß, aber am Morgen waren wir beide besser informiert." Zitat Seite 14 Ian McEwan hat mich mit diesem Buch völlig überrascht. Ich habe eine Dreiecksgeschichte nach dem klassischen Vorbild von Hamlet erwartet und fand mich im Uterus einer Schwangeren wieder, aus der ihr Fötus, ein hochintelligenter Knabe, seine Umwelt schon vor seiner Geburt durchschaut. Er spielt sozusagen den Hamlet nach Shakespearescher Machart und erzählt seine Geschichte, sieht den geplanten Mord am eigenen Vater und versucht sogar ihn zu verhindern. Das Ganze gibt McEwan mit herrlich trockenem Humor zum Besten und dichtet dem Fötus lakonische Bemerkungen unter, die mit Weisheit und geistiger Intelligenz beeindrucken. Der Knabe ist hochintelligent und schon mit enormer Sprachfähigkeit ausgestattet, er ist ein fundierter Weinkenner, dank seiner trinkfreudigen Mutter kam er schon früh und oft in den Genuss einiger guter Tropfen. Er vergleicht seinen leiblichen Vater John, ein Genie der Dichtkunst, mit seinem Ziehvater und gleichzeitigem Onkel Claude, den er als dumm und sexbesessen beschreibt. Seine Mutter Trudy liebt er, wie eben Kinder ihre Mütter lieben. Die Handlung ist so voller Überraschung, Weisheit und Witz, man liest gebannt und ist beeindruckt und hinterfragt gar nicht die Glaubwürdigkeit dieser Geschichte. Sprachlich gelingt MacEwan ein Paradestück, er erwähnt sogar den Brexit und Europas Krise und dann gleitet der Roman in die Tiefen der Poesie durch die Gedichte von Vater John. Was jedoch als kriminalistische Tat abläuft, ist von Innen heraus betrachtet unabwendbar, jedenfalls für den Knaben. Dieser betrachtet nämlich schon vor seiner Geburt voller Sorge die Welt außerhalb seines Mutterbauches. Doch der entwickelt schon seine Rachepläne vor der eigenen Geburt. Nussschale ist ein sehr eindringlicher, klug geschriebener Roman, bei dem ein wenig britischer Humor hervorblitzt und der mit seinem ungeborenen Erzähler punktet. Hier wird philosophiert, bissig bemerkt und gesellschaftliche Kritik geübt. Ein wenig "Hamlet to go"!

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    • 2
  • Eine großartige Idee, toll umgesetzt

    Nussschale
    leserattebremen

    leserattebremen

    19. January 2017 um 14:16

    Ian McEwan schafft in seinem Roman „Nussschale“ einen ganz besonderen Erzähler. Ein ungeborenes Baby, zwei Wochen vor dem Geburtstermin, berichtet von seinen Beobachtungen. Und was es erlebt, ist wahrlich shakespearscher Stoff, seine Mutter verlässt seinen Vater um mit dessen Bruder zu leben. Ein perfider Mord wird vom Bruder geplant, um den lästigen Ehemann loszuwerden und ganz wie in „Hamlet“ die Witwe zur Frau zu nehmen. Ob und wie das ungeborene Kind auch die Rache ausführt, um Mutter und Onkel in den Untergang zu stürzen, sollte jedoch jeder Leser selbst herausfinden. Der Autor hat mit seinem Roman eine außergewöhnliche und wie ich finde ungeheuer spannende Idee umgesetzt, indem er als Erzähler keinen Außenstehenden oder eine der handelnden Personen auswählt, sondern das Baby im Bauch seiner Mutter. Es ist wie ein unsichtbarer Beobachter und dennoch Beteiligter, ein Schachzug, der Ian McEwan großartig gelungen ist. Denn Mutter und Onkel nehmen die Schwangerschaft kaum war, das kommende Kind ist nur ein störender Faktor in ihrer Planung und soll möglichst schnell weggegeben werden. Der ausgiebige Alkoholkonsum der Mutter und das Essverhalten wirken, als wollte sie sich schon vor der Geburt an dem Kind für seine bloße Existenz rächen. Doch das Baby hört alles, versteht die Gespräche und berichtet dem Leser von allem, was geschieht und geplant wird. Das ist höchst unterhaltsam, manchmal spannend und witzig zugleich. Trotz der offensichtlichen Existenz eines umfangreichen Babybauchs ist es, als wäre er unsichtbar, nicht-existenz und vor allem irrelevant für alle weiteren Entscheidungen. Mich hat Ian McEwans Roman „Nusschale“ einfach begeistert, er setzt ein bekanntes Thema so kreativ und einzigartig um, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann. 

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    • 2
  • Nussschale

    Nussschale
    SigiLovesBooks

    SigiLovesBooks

    28. December 2016 um 16:51

    "Nussschale" von Ian McEwan erschien (gebunden) im Diogenes Verlag (2016). Das Cover wird von Frauenbeinen geziert, die sich lasziv in die Kissen recken; allerdings ist der Romaninhalt ein anderer... Es handelt sich um anspruchsvolle, intelligent geschriebene Literatur mit ausgewählten, prägnanten Formulierungen, die kritisch auf den Punkt gebracht wurden. Übersetzt wurde "Nutshell" im Original aus dem Englischen von Bernhard Robben. Als Ich-Erzähler macht sich ein UNGEBORENER (Junge) von Beginn seiner Entstehung im Mutterleib an Gedanken über das, was ihn wohl 'draußen' erwartet: Die Mutter (Trudy) hört gerne Radio, besonders gerne mag sie podcasts, Biografien und Moderation, die ER immer mithört, worin bereits der erste trockene britische Humor im wahrsten Sinne des Wortes 'keimt'.Beide, also ER , der Ungeborene und seine Mutter Trudy bewohnen ein altes Haus in einem vornehmeren Stadtteil Londons, das dem leiblichen Vater (John) gehört: Da Trudy "Raum braucht", trennte sie sich von John, hat jedoch einen Liebhaber, der hier eine stupide, einfalls- und farblose Rolle spielt (Claude); zudem kommt er IHM, dem Ungeborenen, in seiner Schutzhülle zuweilen gefährlich nahe... Ian McEwan benutzt eine unglaubliche Perspektive des Erzählens 'aus dem Bauch heraus', die er trotz einiger sozialkritischer Themen und realen Bezügen zu diesem Planeten gekonnt in stakkatohaftem Stil mit herrlich britisch-trockenem Humor zum Ausdruck bringt.ER, der Ungeborene überlegt also, ob er schon einmal die Nabelschnur mit Betperlen vergleichen sollte in der Hoffnung, dass trotz dem Zustand der Welt (und dem, was womöglich auf ihn wartet) alles noch irgendwie gut ausgehen könnte... Da der leibliche Vater im Wege ist, beschließen Trudy und Claude, sich dessen zu entledigen und schmieden ein Mordkomplott, was im Ungeborenen noch mehr Fragen aufwirft: Die Gespräche, die er mitanhört, haben eindeutig kriminellen Charakter (und ihm entgeht nichts). Wie sich herausstellt, ist John doch nicht so naiv, wie er sich seinen leiblichen Vater vorstellte und der aus dem Haus geworfene singt gar ein Loblied auf die zu Ende gegangene Liebe zwischen ihm und Trudy, woraufhin Claude und Trudy zurecht verdattert reagieren. Nun ist Eile geboten: Ob das Vorhaben, ihn aus dem Weg zu räumen, gelingen wird? Der Ungeborene ist solcherart entsetzt über das skrupellose Vorhaben der beiden, dass er überlegt, mittels der Nabelschnur seinem noch nicht begonnenen Leben selbst ein Ende zu setzen; entscheidet sich letztendlich jedoch für sein Anrecht auf Leben, will er doch 2099 mit einem Tanz ins neue Jahrhundert swingen: Die philosophischen, aber auch realen Betrachtungen, wie sich die Welt und die Menschheit bis zum 22. Jhd. weiterentwickeln wird, sind sehr aktuell und geben zu denken... Wie sich später herausstellt, ist es wie im Leben: Nicht alles ist, wie es scheint und einige Äußerungen Trudys entbehren jeglicher Grundlage, bringen sie jedoch in 'vermeintliche' Sicherheit. Währenddessen sinniert ER, der Ungeborene, was womöglich am besten für ihn sei und ihm das Liebste; zur gleichen Zeit läuft eine Radiosendung, die er zum alten Europa beeindruckend klar und kritisch überdenkt - köstlich! Während zwei Hauptprotagonisten schleunigst ihre Koffer packen, kündigt sich indessen das Wunder der Geburt an - etwas zu früh, oder gerade zum richtigen Zeitpunkt? ;) Fazit: Ein eindringlicher, brillant geschriebener Roman, in dem sich trockener britischer Humor zuweilen Bahn bricht und der eine witzige Idee, die Ich-Erzählung eines Ungeborenen, fabelhaft umsetzt: Ein unglaublicher Roman, philosophisch, bissig, witzig, zuweilen sehr gesellschaftskritisch und eine Reflexion über die Spezies "Mensch" aus ungewöhnlicher Sicht eines Fötus. Mir hat der Stil sowie der Romaninhalt des renommierten britischen Autors sehr gut gefallen, daher vergebe ich echt begeisterte 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

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    • 12
  • Im letzten Trimester....

    Nussschale
    Miamou

    Miamou

    25. December 2016 um 17:29

    Eine Dreiecksgeschichte ist ja nun nicht unbedingt etwas Neues. Was bei Ian McEwan aber neuer ist, es gibt einen stillen Beobachter – nämlich ein ungeborenes Kind, welches die Geschehnisse rund um seine Mutter Trudy, deren (Ex - )Mann und dessen Bruder mitkriegt und kommentiert, auch wenn es dies nur für den Leser tun kann. Trudy ist im letzten Trimester schwanger, sie liebt Claude, den Bruder ihres Mannes und will sich deswegen endgültig trennen. Der werdende Vater will seine Familie nicht so einfach aufgeben und stellt Trudy daher ein Ultimatum. Da sie aber nicht darauf eingehen will, wird beschlossen den unliebsamen Ehemann ins Jenseits zu befördern. Ein literarisches Experiment, welches es durchaus in sich hat. Nicht nur, dass die Idee einen Baby im Mutterleib erzählen zu lassen doch eher ungewöhnlich ist, so ist dieses Baby doch schon fast altklug und so weise, als ob es schon ein ganzes Leben hinter sich hätte. Trotzdem muss es hilflos zusehen, wie die eigene Mutter den eigenen Vater umbringt und macht sich zum Mitwisser, der aber nicht in das Geschehen eingreifen kann. Erst als es zum Showdown kommt, mischt das Baby ordentlich mit. Eine ziemlich radikale Idee, die auch eine gehörige Portion an (schwarzen) Humor, Zynismus und Bissigkeit braucht. Der Held (also das Baby) erlangt sein Wissen über den Fernseher, den Radio oder den Podcasts, mit denen sich seine Mutter in den Schlaf schaukelt. Er wirkt dann auch an manchen Stellen sehr reflektiert und nimmt sogar zu aktuellen politischen Themen Stellung. Alles mit einem enorm feinen Unterton (wie man dies ja von den Engländern kennt). Als Leser darf man nicht, wie es sonst in Büchern üblich ist, auf eine Vielzahl von Figuren oder Schauplätzen hoffen. Es gib genau fünf Figuren und einen Schauplatz, was aber sehr authentisch wirkt, da aus der Sicht eines ungeborenen Kindes erzählt wird, das eben nur seine direkte Umgebung wahrnehmen kann. Und es ist für den Leser erstaunlich, wie es das tut. Trotzdem hatte das Buch für mich auch an der einen oder anderen Stelle seine Längen, wenn unser Held mal zu ausschweifend in seinen Reflexionen wurde. Zudem war es dann zwischendurch einfach zu sexlastig, so dass man irgendwann denkt „gut, jetzt hab ichs aber schon!“ (auch wenn es durchaus mal was anderes ist, die Sicht eines ungeborenen Kindes auf die ganze Sache zu sehen). Was mich auch direkt zur Mutter führt, deren Verhalten nicht nur was den Mord am Kindsvater betrifft, sondern auch in andere Hinsicht einfach jenseits von Gut und Böse war. Und auch wenn man dieses Verhalten unter den Schleier des von mir vorher gelobten feinen Humors betrachtet, war es dann doch zu viel, wenn man nur die Mutter ins Blickfeld nimmt. Trotzdem ein etwas anderes Buch, dass man schon lesen kann. 3,5 Sterne von mir.

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    • 2
  • Nusschale

    Nussschale
    raven1711

    raven1711

    21. December 2016 um 17:45

    Klappentext:Trudy betrügt ihren Ehemann. Sie wohnt nach wie vor in seinem Haus – einem heruntergekommenen Einfamilienhaus in London, das ein Vermögen wert ist –, aber ohne ihren Gatten, den Dichter und Verleger John. Stattdessen geht dort sein Bruder ein und aus, der zutiefst banale Bauunternehmer Claude. Trudy und Claude haben einen Plan. Doch ihre Intrige hat einen Zeugen: das wissbegierige, knapp neun Monate alte, ungeborene Kind in Trudys Bauch.Meinung:Als ungeborenes Kind hat man es nicht einfach, besonders wenn man die Untreue der Mutter mitbekommt und ebenso einen Mordplan, ohne dass man eine Möglichkeit sieht, dem Opfer - in diesem Fall der eigene Vater - warnen zu können. Zur Untätigkeit verdammt begleitet unser Held uns so durch die Ereignisse, in die Trudy und Claude ihn hineingezogen haben und sinniert dabei über das Leben, seine Freuden und dessen Missstände.Der kleine Mann in diesem Buch ist wahrlich ein sehr altkluges und intelligentes Kerlchen. Mit viel Weitblick und Verstand wirkt er, als hätte er schon eine 60-jährige Lebenserfahrung hinter sich. Auch den angenehmen Dingen im Leben widmet er sich gerne, soweit die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten es ihm gewähren; sei es ein guter Wein oder eine spezielle Delikatesse, allem ist diesem Kind nicht abgeneigt. Dank der Podcasts seiner Mutter ist er auch sehr gut informiert, hat eine eigene Meinung zu vielen Themen und weiß es schon, wie er die Weltverhältnisse zu analysieren hat. Man merkt schon, man darf ihn als Person also nicht mit einem regulären Säugling vergleichen, was mir als Mutter von 2 kleinen Kindern aber enorme Schwierigkeiten bereitet hat.Denn es fiel mir sehr schwer den Umstand auszublenden, dass es sich um ein ungeborenes Kind handelt, welches hier seine Weisheiten zum Besten gibt. Das Verhalten der Mutter hat mir enorm aufgestoßen und mir die Lektüre etwas verleidet. Was eigentlich total schade ist, denn der Erzählstil im Roman ist großartig, voller tiefer Weisheiten, Denkanstößen und auch viel bitter Ironie und Sarkasmus. McEwan stellt viele Thesen in diesem Roman auf, die sehr viel Wahrheit und sehr viel Kritik enthalten. Diese sprechen auch aktuelle Themen an, wie z. B. die Flüchtlingskrise oder Regierungsprobleme. Und auch die Gesellschaft an sich bekommt in diesem Roman ihr Fett weg.Neben dem ungeborenen Kind sind aber auch Trudy und Claude wichtige Personen im Roman. Diese waren mir allerdings nicht wirklich sympathisch, stechen sie doch eher mit ihren negativen Charaktereigenschaften als mit den positiven hervor. Aber ohne diese wäre die Geschichte natürlich nur lauwarm und hätte nicht die Dramatik, die man von dieser Hamlet-Adaption erwartet ;)Spannend ist der Roman aber trotz meiner Schwierigkeiten mit Mutter und Kind allemal, denn man möchte ja doch wissen, ob Trudy und Claude ihr Ziel erreichen und ob sie damit durchkommen werden, sollte der Mord gelingen. Die Kapitel sind moderat lang gehalten und da das Kind seine Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt, erhält man viele ungewöhnliche Einblicke in die Ereignisse.Fazit:Nussschale hat mich sehr zwiegespalten zurück gelassen. Auf der einen Seite hat mich der großartige Erzählstil begeistert, auf der anderen Seite hat mich Trudys Umgang mit ihrem ungeborenen Kind abgestoßen. Ich, als junge Mutter, brauche vielleicht mehr Abstand zu der Geschichte, doch es fiel mir schwer, die Umstände auszublenden. Wer sich nicht daran stört, wird hier wahrscheinlilch besser unterhalten, denn das Buch bietet trotz allem unheimlich viele kluge Ansätze und Gedanken.Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten.Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

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  • Eine andere Erzählperspektive

    Nussschale
    Pefchen

    Pefchen

    20. December 2016 um 18:21

    Eine schwangere Frau. Ihr Ehemann. Ihr Schwager. Eine Dreiecksgeschichte. Erzählt aus der Sicht eines ungeborenen Kindes. Macht neugierig? Das dachte ich mir auch, deshalb habe ich dieses Buch gelesen und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte spielt im London der Gegenwart. Trudy ist hochschwanger mit ihrem ersten Kind, einem Jungen. Vater des Babys und Ehemann von Trudy ist John, jedoch sind die beiden nicht mehr zusammen, denn Trudy lebt jetzt mit Johns Bruder Claude in Johns Haus in wilder Ehe. Zusammen planen die beiden den Tod des verhassten Ehemannes und Bruders. John, der romantische Dichter und Tagträumer mit chronischer Geldnot, der immer wieder bei Trudy auftaucht und diese versucht durch vorgetragene Gedichte zurückzugewinnen auf der einen Seite und Claude, der Makler mit dem festen Einkommen, der jedoch nicht der Hellste zu sein scheint. Es wird viel getrunken und viel miteinander geschlafen. Beides trotz der fortgeschrittenen Schwangerschaft. Ein perfider Plan wird ausgetüfftelt und in die Tat umgesetzt um Trudy von ihrem Ehemann zu befreien und sich ein neues Leben aufzubauen.  Erzählt wird die Geschichte von Trudys und Johns ungeborenem Sohn, was ich so ehrlich gesagt noch nie gelesen habe. Es ist am Anfang etwas schwierig, aber je mehr man in den Roman eintaucht, desto besser wird es. Der kleine Kerl ist wahnsinnig intelligent und im ganzen Buch wimmelt es nur so von Fremdwörtern. Dies ist also keine leichte Lektüre für zwischendurch, sondern benötigt schon die komplette Aufmerksamkeit des Lesers. Es ist toll gemacht, wie das ungeborene Kind seine Sicht auf die Welt bzw. auf die handelnden Personen an den Leser weitergibt. Es war zuweilen wirklich schwere Kost, aber es hat sich gelohnt und ich vergebe für diesen Roman vier von fünf Sternen.

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  • Konnte mich leider nicht überzeugen

    Nussschale
    mistellor

    mistellor

    19. December 2016 um 22:25

    Das Buch  "Nussschale" von Ian McEwan konnte mich leider nicht überzeugen. Ich habe es gelesen, wieder weg gelegt, wieder angefangen zu lesen, völlig entnervt wieder weg gelegt, und so ging tagelang. Ich konnte mich an das Buch einfach nicht gewöhnen. Mich hat das Buch in keiner Form angesprochen.  Ich fand das Buch bzw. die Idee des Buches sehr reizvoll, ein Ungeborenes seine Eindrücke über seine Umwelt, seine Eltern, bzw. seinen Nicht-Vater, über die politische Lage über einen geplanten Mord zu sagen bzw. zu schreiben.  Leider fand ich diese Idee nicht gelungen gelöst. Der Fötus ist in seinen Ansichten und im Sprachstil ein abgeklärter, kluger und smarter Erwachsener. Diese Sprache und auch seine Meinungen zu bestimmten Themen haben mich völlig abgenervt. Die Kriminalgeschichte, die sich im Laufe des Buches entwickelte und die Auswirkungen auf das Ungeborene haben mich nicht überzeugen können. Und als Letztes muss ich leider sagen, dass ich den Plot zähflüssig und zum Teil langweilig fand. Ich habe einige Bücher von Ian McEwan gelesen und mochte diese sehr.  Aber dieses Buch, das sich nicht entscheiden kann ob es ein Krimi, ein philosophisches Buch oder eine Satire ist, hat mir einfach nicht gefallen. Für die bildgewaltige und kluge Sprache, für ein paar philosophische kluge Gedanken bekommt McEwan von mir 2 Sterne.  

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