Ian McEwan Nussschale

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Inhaltsangabe zu „Nussschale“ von Ian McEwan

Eine Geschichte über List und Leidenschaft, Verrat und Mord. Eine klassische Konstellation: der Vater, die Mutter und der Liebhaber. Und das Kind, vor dessen Augen sich das Drama entfaltet. Aber so, wie Ian McEwan sie erzählt, haben Sie diese elementare Geschichte noch nie gehört. Verblüffend, verstörend, fesselnd, philosophisch – eine literarische Tour de force von einem der größten Erzähler englischer Sprache.

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  • meisterhaftes Kammerspiel

    Nussschale

    Gwhynwhyfar

    09. October 2017 um 16:21

    Ein Mordkomplott, ein Kammerspiel: Der ungeborene Fötus, ein Junge, hilflos eingesperrt im Bauch einer angehenden Mörderin, erlebt den Plan, seinen Vater zu töten, kann den Mord nicht verhindern. Seine Mutter plant mit ihrem Liebhaber, ihrem Schwager, den Gatten bzw., den Bruder umzubringen. Der Ehemann, ein erfolgloser Poet und Verleger besitzt zwar kein Geld, aber sein Haus im Herzen Londons und das ist sieben Millionen Pfund wert. Der Fötus als Icherzähler, der das Unheil kommen sieht, entsetzt von seiner Hilflosigkeit, der die Dreiecksgeschichte seiner Eltern beschreibt. Die Mutter, die er liebt, die er anfangs in Schutz nimmt, wohnt in eben diesem Haus, bat den Vater, bis zur Geburt sich auszuquartieren. John, der schrullige Lyriker und Verleger, dessen einziges Ziel die Poesie ist, der es zu nichts brachte, fiel Trudy mit seinem Zitieren von Gedichten auf die Nerven, verschuldet, übergewichtig und mit Schuppenflechte an rauen Händen. Ein anderes Kaliber ist Claude, der Schwager, ein Macho mit heißem Blut und niederem Intelligenzquotient, ein Tölpel. »Ich beginne, meine Situation zu begreifen, kann denken ebenso wie fühlen. Also. Meine Mutter hat meinem Vater den Bruder vorgezogen, ihren Mann betrogen, ihren Sohn ins Unglück gestürzt. Mein Onkel hat seinem Bruder die Frau gestohlen, den Vater seines Neffen hintergangen, den Sohn seiner Schwägerin zutiefst beleidigt. Mein Vater ist von Natur aus schutzlos, ich bin es durch die Umstände.«Wir kennen Shakespeares Geschichte von Hamlet, dem Sohn der Mörderin. Updike erzählte uns die Geschichte davor, die von Gertrude und Claudius. Gertrude, die Königin, Hamlets Mutter, die ihren Mann nicht liebt, liebt den Schwager. Der König kommt dahinter, weshalb man Gift in sein Ohr träufelt. »Er ist ein Mann, der ständig pfeift, keine Lieder, sondern TV-Jingles, Klingeltöne, der den Morgen mit Nokias Verhunzung von Tárrega begrüßt.«Bei McEwan planen Trudy und Claude aus niederträchtigen Gründen den Vater dieses ungeborenen Hamlet, zu vergiften. Ein weiterer Horror für ihn, man will das Kind nach der Geburt weggeben. Der pränatale Protagonist ist hochgebildet (die Mutter hört den ganzen Tag Bildungsradio, Podcasts) und besitzt unglaublich gute Ohren. Er spürt die Emotionen der Mutter, hört ihren Herzschlag erhöhen, das Blubbern im Bauch, fühlt Verspannung, Entspannung und ist emotional im Bilde, was die Mutter fühlt, auch wenn ihre Worte oft anderes sagen. Claude, der Onkel, ist verhasst, denn der plant den Jungen zu entsorgen, den Vater umzubringen, ein Hallodri ohne Benehmen, der den Fötus ständig mit seinem Penis malträtiert. Trudy und Claude planen minutiös den Mord, wird er gelingen?Doch es geht nicht nur um die Kriminalgeschichte. Der Junge erzählt uns etwas über die Welt da draußen, in die er bald eintauchen wird, lässt uns teilhaben an seinen philosophischen Gedanken, satirische Kommentare über die Welt und die Menschen, über Habgier und Macht, über Lügengefechte. Podcast, Radiosendungen, der Junge ist über alles im Bilde, was draußen geschieht, lauscht mit. Eingeschlossen, wie in einer Nussschale, lauscht der Narr, wettert und kann doch nichts ändern. »Ich habe ein Anrecht auf eine Handvoll Dekaden, darauf, mein Glück auf diesem entfesselt kreisenden Planeten zu versuchen.«Sein oder Nichtsein stellt sich die Frage für den Fötus und er versucht sich, mit der Nabelschnur zu erhängen, was misslingt. Die Mutter lieben oder sie hassen, der Junge schwankt von einem Gefühl zum nächsten. Wir erinnern uns an Prinz Hamnett: »O Gott, ich könnte in eine Nussschale eingesperrt sein und mich für einen König von unermesslichem Gebiete halten, wenn nur meine bösen Träume nicht wären.«Ein Meisterstück des Noir-Krimi voll beißendem Humor.

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  • Der ungeborene Zeuge

    Nussschale

    Daphne1962

    21. February 2017 um 17:46

    Am Anfang war ich ein wenig irritiert. Da spricht ein Baby aus dem Bauch der Mutter. So langsam erschließt sich dann, was es mit dem noch nicht geborenen auf sich hat. Eine doch recht geniale Idee hat der Autor da gehabt. Dieser noch ungeborene Junge erzählt die Geschichte seiner Eltern, die derzeit  getrennt leben. Der ungeborene Junge ist verwirrt. Da ist seine schöne Mutter  Trudy (im 9. Monat hochschwanger), die mit ihrem Liebhaber zusammen lebt, der auch gleichzeitig sein leiblicher Onkel Claude ist, dann ist da sein Vater, der sich der Lyrik verschrien hat und an der Uni unterrichtet. Aber doch recht erfolglos bisher blieb.  Das Haus, in dem sie leben ist ein altes und heruntergekommenes im besten Londoner  Viertel, auf mehrere Millionen Pfund geschätzt. Was den Jungen aber völlig  verunsichert ist die Tatsache, seine Mutter und Onkel planen den Vater zu töten. Sie wollen sich am Verkauf des Hauses bereichern und abhauen. Wie das Baby  aber schnell mitbekommt, er ist nicht in den Plan einbezogen. Panik verbreitet sich  bei ihm, da er den Vater nicht warnen kann. Allerdings kann er analysieren und  sich die Zukunft vorstellen, obwohl er noch nicht in dieser Welt hineingeboren ist. Aber er kann die Weinsorten bestimmen und bewerten, die seine Mutter zuhauf  trinkt.  Ian McEwan hat hier zwar eine unglaubwürdige Geschichte kreiert, die aber dennoch  sehr unterhaltsam und spannend ist, denn das Baby ist der Ich-Erzähler und kann  auch die Gefühle der Mutter erahnen. Eine Zukunft mit Mutter im Gefängnis erscheint  ihm nicht erstrebenswert. Wanja Mues erzählt die Geschichte hervorragend, man ist im Bauch der Mutter gefangen, man schaut aus seiner Perspektive auf das Geschehen. Ich wurde bestens unterhalten und fand die Idee hervorragend gut gemacht und erzählt. 

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  • Lässt den Hörer ganz eins werden mit dem kleinen Erzähler

    Nussschale

    WinfriedStanzick

    14. November 2016 um 10:31

    Die Idee ist genial, der Plot klassisch und seine Ausführung an manchen Stellen unglaubwürdig übertrieben. In seinem neuen Roman „Nussschale“ erzählt der britische Bestsellerautor Ian McEwan die Geschichte eines Vaters, einer Mutter und deren Liebhabers. Mutter und Liebhaber wollen den Vater töten (auch wenn er der leibliche Bruder des Vaters ist), dessen auf viele Millionen geschätztes altes heruntergekommenes Haus mitten in bester Londoner Lage verkaufen und sich dann aus dem Staub machen. So weit so gut. Wäre da nicht die Tatsache, dass die Mutter im neunten Monat schwanger ist (von ihrem Mann?) und man nicht genau weiß, was man mit dem Baby tun soll, das in zwei Wochen zur Welt kommen soll.Das alles irritiert das Ungeborene, das McEwan als wirklich ungewöhnlichen Ich-Erzähler auftreten lässt.  Dieser natürlich noch namenlose Erzähler erlebt nicht nur das Drama seiner Mutter Trudy , seines Vaters John, seines Zeichens ziemlich erfolgloser Dichter und Verleger und seines nebenbuhlerischen Onkel Claude, und schildert es mit immer größerer Besorgnis (was soll aus ihm werden?), sondern ist durch das Mithören unzähliger Radiosendungen auf BBC und Podcasts, die seine Mutter zur Ablenkung laufen ließ, auch so etwas wie ein weitläufiger Analyst der Welt geworden, in die er noch gar nicht hineingeboren ist.Seine Kenntnis geht sogar so weit, dass er den Wein, den seine Mutter in immer größeren Mengen in sich hineinschüttet, bis auf den Jahrgang und das Weingut bestimmen kann. Und das ist natürlich unglaubwürdig. Aber diese Kritik geht fehl, weil McEwan gar nicht davon ausgeht, dass sein Erzähler das wirklich weiß.Ein Fötus hat ein Erleben, bekommt über den Stoffwechsel seiner Mutter und deren Herzschlag viel mit, ist aber natürlich noch kein Wesen mit einem ausgebildeten Bewusstsein und Sprachkompetenz. Es geht McEwan in seinem neuen Roman, der voller philosophischer und aktuell politischer Reflexionen steckt, um diese ungewöhnliche Perspektive. Wie könnte, würde er es wirklich alles verstehen, ein ungeborener Fötus die Welt wahrnehmen in die er hineingeboren wird?Mich hat das Buch gut unterhalten, mich nicht selten schmunzeln lassen. Doch an seine letzten drei Bücher „Kindeswohl“, „Honig“ und „Solar“ kommt „Nussschale“ leider nicht heran.Die hier anzuzeigende ungekürzte Lesung von Wanja Mues lässt den Hörer ganz eins werden mit dem kleinen Erzähler, dem Mues seine Stimme leiht und ihn auf eine Weise lebendig werden lässt, als säße oder liege er direkt neben einem.

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