Saturday

von Ian McEwan 
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Saturday
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Positiv (166):
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Leseempfehlung für dieses grandiose Buch.

Kritisch (17):
L

McEwans schwächstes Werk. Zäh und langatmig. Obwohl alle Person ausführlichst beschrieben werden, bleiben sie seltsam fremd und steril.

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Inhaltsangabe zu "Saturday"

Henry Perowne, 48, ist ein zufriedener Mann: erfolgreich als Neurochirurg, glücklich verheiratet, zwei begabte Kinder. Das einzige, was ihn leicht beunruhigt, ist der Zustand der Welt. Es ist Samstag, und er freut sich auf sein Squashspiel. Doch an diesem speziellen Samstag, dem 15. Februar 2003, ist nicht nur die größte Friedensdemonstration aller Zeiten in London. Perowne hat unversehens eine Begegnung, die ihm jeden Frieden raubt …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257236279
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:386 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:27.03.2007
Das aktuelle Hörbuch ist am 24.08.2016 bei Diogenes erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Sikals avatar
    Sikalvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Leseempfehlung für dieses grandiose Buch.
    Saturday – nur ein Tag

    15. Februar 2003: Der Neurochirug Henry Perowne sieht frühmorgens aus seinem Schlafzimmerfenster, hängt seinen Gedanken nach, als ein brennendes Flugzeug im Landeanflug auf Heathrow seine Aufmerksamt gefangen nimmt. Im ersten Moment denkt er an einen Terroranschlag, der 11. September schwebt in seinem Kopf herum.

    „Diese russische Maschine flog direkt in seine Schlaflosigkeit, und er war nur zu bereit, sich in seiner Stimmung von dieser Geschichte und den nervösen Ausschlägen des täglichen Nachrichtenfiebers beeinflussen zu lassen.“

    Saturday ist ein ungewöhnliches Buch, ein grandioses Werk von Ian McEwan, in dem nur ein Tag von Henry Perowne geschildert wird. An diesem einen Tag macht sich der Protagonist Gedanken über politische Wirren, familiäre Gegebenheiten, berufliche Verbindungen. Als sich Henry nach dem ersten Schock ganz normal seinem geplanten Tagesablauf widmen möchte, kommt es zu ungewohnten Verzögerungen. Er fährt zu einem Squash-Center, muss jedoch durch eine Großdemonstration gegen den Irak-Krieg eine Ausweichstrecke nehmen und gerät in eine bedrohliche Situation, die im Laufe des Tages noch Auswüchse annimmt, von denen Henry nie im Leben zu träumen gewagt hätte. Nach dem Sport besucht er seine Mutter im Altenheim, erledigt Einkäufe und sieht mit Skepsis einem abendlichen Familienessen entgegen. Dass dieses Essen alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt, kann Henry nicht ahnen und muss am Ende des Tages erkennen, das Bedrohungen und Gefahren des täglichen Lebens nicht vorausschauend erkannt werden, sondern wie ein Gewitter hereinbrechen.

    Der Autor schreibt mit einer Sprachgewalt, die an keiner Stelle Langeweile aufkommen lässt. Fasziniert verfolgt man Seite um Seite Perownes Tagesablauf, jedes noch so kleine Detail erscheint wichtig, jeder Gedankengang erforderlich. Als Leser begleiten wir einen Protagonisten, werden zum stillen Beobachter seines Lebens, seiner oftmals philosophischen Reflexionen und seiner persönlichen Veränderung.

    Ein Roman, der nachdenklich macht und die Bedrohungen unserer Zeit als nicht vorhersehbar für die persönlichen Verhältnisse erkennen lässt. Volle Leseempfehlung!

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    Hamlets_Erbins avatar
    Hamlets_Erbinvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Das Protokoll eines Bewusstseinsstroms. Etwas zu detailreich, aber stimmungsvoll.
    Die Weltlage nach dem 11.September

    "Zwischen Schlaf und Wachsein trennen, die Grenzlinie ziehen zu können, daran erkennt man einen gesunden Verstand." (S.8)

    Inhalt: Henry Perowne, 48, erfolgreicher Neurochirurg, glücklich verheiratet und mit zwei außerordentlichen Kindern gesegnet, denkt an einem Samstag im Winter über sein Leben und die Weltlage nach.

    Meinung: Rein formal ähnelt der Roman "Mrs. Dalloway" und "Ulysses". McEwan lässt den Leser am Bewusstseinsstrom seines Protagonisten teilhaben. Das ist zu Beginn zwar etwas zäh, aber mit zunehmender Seitenzahl fesselnd, weil Henry Perowne ein intelligenter und vielseitig interessierter Charakter ist.
     
    Thematisch ist das ganze dann auch hochkomplex. So denkt Henry u.a. über die Evolution nach, über die Weltlage nach dem 11.September, über die Sinnhaftigkeit eines Einmarsches in den Irak, über den Einfluss der Medien auf das Leben des Einzelnen und über die Möglichkeiten von Literatur und Musik.
    Seinen Überlegungen zu folgen, ist faszinierend. Weniger faszinierend sind dagegen die exzessiven Beschreibungen seiner Tätigkeiten. Egal, ob es nun das Squashspiel ist, das Kochen oder seine beruflichen Tätigkeiten im OP, diese Dinge werden derart detailliert und mit dem entsprechenden Fachvokabular geschildert, dass es eher ermüdend ist, als  aufschlussreich. Wer kein Squash spielt, sich fürs Kochen nicht begeistern kann und auch kein Neurochirurg ist, wird mit den Tätigkeitsbeschreibungen kaum etwas anfangen können. Und so sind es dann auch diese Tätigkeitsbeschreibungen (die, zugegeben, exzellent recherchiert sind, jedoch wie eine bloße Fleißaufgabe wirken), die verhindern, dass ich den Roman uneingeschränkt positiv bewerten kann.
     
    Fazit: Das Psychogramm eines Mannes. Psychologisch und atmosphärisch überzeugend.

    "Man hüte sich vor Utopisten, diesen Fanatikern, die den Weg zur idealen Gesellschaftsordnung zu kennen glauben." (S.383)

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    T
    TomHartvor 4 Jahren
    Verwirrend verstörende Gesellschaftsbeschreibung

    'Saturday' von Ian McEwan
    Freitag, der 15.Februar 2003,
    ein denkwürdiger Tag für Henry Perowne, einen efolgreichen Neurochirurgen, der mit einem brennenden Flugzeug beginnt, mit der größten Menschenansammlung, die England je gesehen hat und einem Bagatell-Autounfall seinen Fortgang nimmt, und in einem Sqash-Match wie auf Leben und Tod nur seinen vorläufigen Höhepunkt findet...

    Lange, lange lässt der Autor seinen Leser rätseln, worum es ihm eigentlich geht. Unter der Decke des Alltäglichen rührt sich Beunruhigendes, Bedrückendes, das ständig spüren lässt, wie brüchig dies 'Normale' ist.
    Die Familiengeschichte, ja, Kindheit des Protagonisten werden ausgeführt, seine Hilfslosigkeit gegenüber dem geistigen Zerfall der eigenen Mutter.
    Und all diese subtilen Hinweise deuten auf eine Verdichtung zur Katastrophe, von der man nicht wirklich weiß, ob sie am Ende tatsächlich eintreten wird, und die dann doch 'wie aus heiterem Himmel' hereinbricht und trotz aller Vorankündigung zu überraschen weiß.

    Mit scheinbar 'tagebuchleichter' Hand lässt McEwan uns seinen 'Helden', der keiner sein will, begleiten,
    zeigt er auf, wie Weltgeschehen im globalen Dorf eben doch in jede Straße, jedes Haus hineinwirkt, und das nichts, das wiedergutzumachen man sich bemühen mag, jemals ungeschehen wird.

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    Skruttens avatar
    Skruttenvor 5 Jahren
    etwas glatt

    Ein Tag im Leben des super Hirnchirurgen Henry Perowne. Ein besonderer Tag - zugegeben. Und durchaus wird auch der Spannungsbogen in diesem Buch gehalten.

    Geschildert werden auch die Brüche und Widersprüche im Leben des Protagonisten - das gefällt mir immer sehr in Büchern. Insgesamt jedoch scheint mir die Schilderung etwas "glatt" und die Welt der Hauptfigur recht weit oben im gesellschaftlichen Spektrum angesiedelt. Dennoch: Ich werde weitere Bücher von McEvan lesen!

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    serendipity3012s avatar
    serendipity3012vor 5 Jahren
    15. Februar 2003

    Morgengrauen. Der Neurochirurg Henry Perowne kann nicht mehr schlafen, steht auf, tritt ans Fenster… Sein Tag beginnt und Ewan McEwans Roman „Saturday“ ebenfalls. Knapp 400 Seiten umfasst er und erzählt nicht mehr als diesen einen Tag im Leben Perownes, einen Tag, der alles andere als ein alltäglicher Samstag sein wird.

    Die Anschläge vom 11. September 2001 sind noch nicht allzu lange her, und es ist spürbar, dass die Welt sich verändert hat. Die Amerikaner wollen den Irak angreifen und in London findet eine große Friedensdemonstration statt. Perowne nimmt daran nicht teil, sein Tagesplan umfasst ein Squashspiel mit einem Kollegen, den Besuch bei seiner demenzkranken Mutter im Altersheim und ein Abendessen mit seiner Frau, seinen inzwischen erwachsenen Kindern und seinem Schwiegervater.

    McEwan nimmt den Leser mit durch diesen Tag und wir sehen Perowne nun zu bei allem, was er tut. Wir treten nicht von seiner Seite. Und wir haben nicht nur teil an dem, was passiert, wir erfahren auch, was Perowne dabei denkt. Wie er tickt, was er mag, was er sich wünscht. In Rückblenden auch Begebenheiten aus seinem früheren Leben. Und wie er reagiert, als etwas passiert, mit dem er nicht rechnen konnte und das in der Lage ist, ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen.

    „Saturday“ ist eine Charakterstudie, die begeistert. Ja, man muss sich auch für das Alltägliche begeistern können und man muss wohl auch Sympathie für Perowne mitbringen, sonst wird es schwierig. McEwans Schilderungen sind detailliert, aber der Gefahr des Ausuferns erliegt der Autor nicht. Er schafft es, das Persönliche mit dem Allgemeinen, mit dem Politischen zu verweben. Wenn der Samstag dann auf S. 387 zu Ende gegangen ist, hat sich die Welt vielleicht nicht verändert. Aber Perowne, ja, Perowne bestimmt.

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    W
    WinfriedStanzickvor 6 Jahren
    Rezension zu "Saturday" von Ian McEwan

    Um es vorweg zu sagen: dieses Buch ist ein Meisterwerk. Schon 2002 hatte Ian McEwan mit „Abbitte" einen Roman vorgelegt, von dem man dachte, er könnte eigentlich nicht mehr übertroffen werden. Doch nun zeigt er, dass ihm schriftstellerisch immer noch eine Steigerung möglich ist.
    Drei Hauptgründe finde ich dafür: zum einen beherrscht er eine elegante Sprache, die gleichzeitig leicht und dicht daherkommt, den Leser in seinem Innersten anzusprechen vermag und niemals prätentiös wird.
    Zum anderen schafft er es wie kein zweiter mir bekannter zeitgenössischer Schriftsteller, das naturwissenschaftliche und kulturelle Wissen unserer Zeit in seine Romane einzuweben in einer Art und Weise, die den Leser nicht verwirrt, sondern ihn klüger und weiser zurücklässt.
    Schlussendlich greift er Themen auf, die den Menschen direkt auf der Seele brennen. Er trivialisiert sie aber nicht, sondern diskutiert sie so ernsthaft und selbstkritisch es ihm nur möglich ist.
    So ist die Geschichte dieses Romans, der von nur einem Tag, einem „Saturday" im Leben des Londoner Neurochirurgen Henry Perowne handelt, dem Lebensgefühl eines gebildeten Mittelklasseeuropäers mitten aus der Seele geschrieben.
    Eben noch ruht er sicher in seinem Leben, und dann sieht er sich quasi über Nacht mit Geschehnissen konfrontiert, die sein gesamtes Lebensgefühl und - konzept ins Wanken zu bringen drohen.
    Man schreibt Samstag, den 15. Februar 2003. Es ist der Tag der größten Demonstration auf britischem Boden. Es geht gegen den Irak-Krieg und die britische Beteiligung daran. Henry Perowne wacht früh auf und beobachtet ein auf Heathrow landendes Flugzeug, aus dem Flammen schlagen. Er glaubt für Minuten tatsächlich, eine Wiederholung des Angriffs auf das World Trade Center mitzuerleben. „ Die Möglichkeit, dass es zu Ähnlichem kommen könnte, zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Tage."
    Erst später am Abend erfährt er, dass eine russische Frachtmaschine notlanden musste. Er fährt, wie beabsichtigt, zu einem Squash-Center, um an seinem freien tag mit seinem Kollegen zu spielen, als er, behindert durch einen von der Demo verursachten Stau einen BMW rammt. Die Begegnung mit den drei Insassen wird zu einem irreal wirkenden Showdown, aus dem er mit einem Trick wieder herauskommt.
    Noch ist sein Glaube an die rationale Erkennbarkeit und Verbesserbarkeit der Welt noch intakt, doch am Abend nehmen die Ereignisse eine dramatische Wendung, die nicht vorweggenommen werden soll.
    Als er spät in der Nacht zu Bett geht, ist sein Leben nicht mehr, wie es vorher war. Er muss erkennen, dass er nichts wirklich in der Hand hat, und sein Leben bedroht und gefährdet ist.
    Ich habe dieses Buch mit großer innerer Erregung gelesen und bin begeistert von seiner großen Sprachmacht. Das fast gleichzeitig mit seinem Erscheinen am 7. Juli durch die verheerenden Anschläge in London seine Botschaft sich erfüllte, ist ein Zufall, der einen zittern macht.
    Die äußere Bedrohung unserer demokratischen Gesellschaft durch den islamistischen Terror und die innere Bedrohung, durch eine sich immer weiter ausbreitende Gewaltbereitschaft und Verrohung, macht auch mir, einem 58- jährigen Familienvater eines 9-jährigen Sohnes große Sorgen.
    Das Leben ist schwerer geworden in diesem Zeiten und die Hoffnung rar. Umso wichtiger bleibt wirklich gute Literatur.
    Hier ist ein außergewöhnliches Exemplar davon.

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    awogflis avatar
    awogflivor 7 Jahren
    Rezension zu "Saturday" von Ian McEwan

    Diese Geschichte deckt genau einen Tag im Leben des Neurochirurgen Perowne ab und es passiert nicht extrem viel, aber wie Ian McEvan die Gedanken der Romanfigur beschreibt, die vom Hundertsten ins Tausendste abschweifen, das ist schon eine Klasse für sich. Da wird auf hohem Niveau über Politik, Krieg, Terror, Menschen, Beziehungen, Familie, Krankheiten und noch einige Sachen mehr aus der aktuellen Situation heraus philosophiert, und wenn ich auch meist nicht einer Meinung mit mit der Romanfigur bin, so kann ich dennoch die Meinungen, Gedanken und Gefühle der Hauptfigur extrem gut nachvollziehen.

    Alleine wie McEvan beschreibt, dass jene Personen, die Flugangst haben, eigentlich die Normalen sind und nicht jene, die sich wie Lemminge ohne zu Murren ins Schicksal fügen ist wirklich köstlich. Außerdem hab ich wirklich was Existentielles gelernt. Die Beschreibung der innigen Liebe eines Mannes während seiner Midlifecrisis zu einem toten Objekt, wie z.B. einem schönen Auto hat mich als Pragmatikerin umdenken lassen - hab meinem Schatzl gleich ans Herz gelegt, sich in diesem Falle bitte nicht zurückzuhalten und die Karre einfach zu kaufen. Ich kann diese Liebe zwar noch immer nicht fühlen, aber viel besser verstehen.

    Der Punkt Abzug (eigentlich sollte es nur ein halber sein) kommt daher, dass doch manchmal in der zu ausführlichen Beschreibung einige Längen entstehen. Auf jeden Fall lesenswert!

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    Golondrinas avatar
    Golondrinavor 8 Jahren
    Rezension zu "Saturday" von Ian McEwan

    Ein Tag im Leben des Neurochirurgen Perowne, nach dem für ihn nichts mehr so ist wie vorher. Und er erlebt eine Menge: morgens beobachtet er ein brennendes Flugzeug, hat Sex mit seiner Frau, einen Verkehrsunfall bei dem er mit dem Beteiligten aneinander gerät, spielt Squasch, besucht seine Mutter im Heim, kauft Fisch, hört den neuesten Song seines Sohnes, bereitet das Abendessen und wartet auf seine Familie zum großen Versöhnungsessen mit dem Opa. Doch dann kommt es anders.
    Genug für einen Tag, um über diesen Arzt mehr zu erfahren, was ihn bewegt, wen er liebt. Das beschreibt Ian McEwan sehr anschaulich. Gestört haben mich die ins kleinste Detail gehenden Beschreibungen zwischen der Haupthandlung: wo welcher Ball wie hinfliegt beim Squasch beispielsweise oder die minutiös detaillierte Beschreibung einer Hirnoperation. Ich konnte damit nichts anfangen und war einige Male versucht, das Buch entnervt wegzulegen.

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    Clarivor 8 Jahren
    Rezension zu "Saturday" von Ian McEwan

    Nachdem ich mich zunächst ein wenig an die etwas hochgeschraubten Satzkonstruktionen, die einem artistischen Sprachspiel gleichen, gewöhnen musste, hat mir der Roman
    „ Saturday“ von Ian McEwan ausnehmend gut gefallen.
    Es geht um einen Tag im Leben des Henry Perowne.
    Das weckt natürlich sofort Assoziationen an J.Joyce.
    Dennoch ist dieses ein ganz anderer Tag als der, den Joyce in seinem Ulysses beschreibt.
    H.P. steht in der Mitte des Lebens, ist erfolgreicher Neurochirurg und schaut auf ein zufriedenes und beruflich erfülltes Leben mit seiner Frau, seinen Kindern, seinen Kollegen und Freunden und auf seine Gegenwart.

    Der Tag aber, ein Samstag, an dem er früh schon aus seinem Schlafzimmerfenster beobachtet, wie eine Maschine im Anflug auf den Flughafen Heathrow ganz in der Nähe seines Hauses in London in Flammen steht, macht ihm bewusst, wie zerbrechlich ihrer aller Leben ist.
    In seiner Reflexion und Beobachtung dessen, was um ihn herum geschieht, kann der LeserIn nachfühlen, wie es einem Mann mit annähernd fünfzig ergeht, der seine Kinder erwachsen werden sieht, seiner Frau sehr zugetan ist und in seinen Gedanken aller Geschehnisse gedenkt, die seinen Lebensweg begleitet haben.
    Im weiteren Verlauf des Tagesgeschehens ereignet sich
    sehr gegenwärtig noch eine spannende Kriminalgeschichte. Sie spannt den Bogen zu unserer Zeit, in der nichts mehr sicher ist, in der auch das kleinste Glück von den Unbilden einer unsicher gewordenen Welt bedroht zu sein scheint.

    Bemerkenswert für mich war die liebevolle Beziehung von Henry P. zu allen seinen Familienangehörigen, besonders zu seinen beiden Kindern und ganz innig auch zu seiner Frau. Das ist einmal ganz neu in einem Familienroman, dass eine Familie intakt ist, ohne dass man denkt, das wäre vielleicht kitschig oder unecht.

    Im Kontrast zu diesem privaten Glück eröffnet McEwans Roman mit seinen fragilen Infragestellungen die apokalyptische Vorahnung dessen, was im 21. Jahrhundert für die Bewohner unserer Erde zur Bedrohung geworden ist: eine unheimliche, nicht fassbare Gefährdung der bestehenden Verhältnisse dargestellt an dieser einen Familie.
    McEwan schreibt anspruchsvoll, eindrücklich und baut den Roman so gut auf, dass man von Beginn bis zum Ende gefesselt bleibt.

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    literats avatar
    literatvor 9 Jahren
    Rezension zu "Saturday" von Ian McEwan

    Der Roman hat einen Tag im Leben des Neurochirurgen Henry Perowne zum Thema. Zugegeben, an dem Tag passiert einiges. Es fängt damit an, daß der Protagonist in aller Herrgottsfrühe aus seinem Schlafzimmerfenster ein brennendes Flugzeug beobachtet - in seinen Gedanken verbindet er natürlich das Gesehene sofort mit den noch nicht lang zurückliegenden Ereignissen vom 11. September 2001 in New York. Und ist dann fast schon enttäuscht (was wohl wir alle sensationssüchtigen Medienjunkies, wären) als sich dann im Laufe des Tages heraussstellt, daß kein terroristischer Anschlag dahinter steckte sondern normale russische Piloten (die evtl. krumme Dinger drehen). An dem Tag, einem Samstag, findet auch die größte Friedensdemonstration aller Zeiten in London, dem Ort der Handlung, statt. Zu dem Thema hat er widersprüchliche Ansichten, bzw. er ist für den Krieg, hat dann mit seinen Kindern aber (vor allem seiner Tochter) zu dem Thema eine Diskussion - die fand ich sehr gut, sehr authentisch (ähnliche Diskussionen gabs auch in meiner Familie hierzu). Letztendlich hat er einen Zusammenstoß am Vormittag mit einem gehirnkranken Gangster, den er vor seinen Freunden bloßstellt und der sich dann Abends in sein Haus schleicht und ihn ausrauben, oder auf jeden Fall bedrohen will. Der Gangster wird aber aufgrund seiner Gehirnkrankheit dann aber doch von der bedrohten Familie überrumpelt, fällt die Treppe runter, wird bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert und zum Schluss operiert ihn Perowne dann noch eigenhändig und rettet ihm das LEben - ein Leben in dessen weiterem Verlauf wohl das Gehirn degenerieren wird.
    Ich finde, das ist eine tolle Persönlichkeitsstudie vom Autor. Manchmal war das ganze etwas langatmig, und ich fand, daß einfach zu viele Ereigniss und Situationen in den Tag gepackt worden sind. Das gestörte Verhältnis zur dementen Mutter, das Verhältnis zum Schwiegervater, zu den Kindern, die Frage der Rechtmäßigkeit des Irakkriegs udn dann noch die persönliche Tragödie des Gangsters (ich weiß seinen Namen nicht mehr) - das ganze gespickt und garniert mit neurochirurgischem Fachwissen und dem persönlichen Seelenleben des Protagonisten - das ist für meinen Geschmack etwas zu viel.

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