Saturday

von Ian McEwan 
3,6 Sterne bei13 Bewertungen
Saturday
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Inhaltsangabe zu "Saturday"

Henry Perowne, 48, ist ein zufriedener Mann: erfolgreich als Neurochirurg, glücklich verheiratet, zwei begabte Kinder. Das einzige, was ihn leicht beunruhigt, ist der Zustand der Welt. Es ist Samstag, und er freut sich auf sein Squashspiel. Doch an diesem speziellen Samstag, dem 15. Februar 2003, ist nicht nur die größte Friedensdemonstration aller Zeiten in London. Perowne hat unversehens eine Begegnung, die ihm jeden Frieden raubt ...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257800036
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Audio CD
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:24.08.2016
Das aktuelle Buch ist am 11.04.2006 bei Random House Inc erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor 7 Monaten
    Ein böser Samstag - literarisch spitzenmäßig

    »Wie er dasteht - gegen die Kälte so immun wie eine Marmorstatue - und zur Charlotte Street hinüberschaut, auf den perspektivisch verkürzten Wirrwarr der Fassaden, die Baugerüste und Pultdächer, findet Henry, dass Städte ein Erfolg sind, ein organisches Meisterwerk - wie um Korallenriffe drängen sich Millionen um die angehäuften, vielschichtigen Errungenschaften der Jahrhunderte, schlafen, arbeiten, vergnügen sich, einträchtig zumeist, und wollen fast alle, dass es funktioniert.«

    London, Sonntagmorgen, 15. Februar 2003, der Neurochirurg und Chefarzt Henry Perowne fällt in der Morgendämmerung in sein Bett, ein ereignisreicher Samstag liegt hinter ihm.

    Henry philosophiert in inneren Monologen über sein Leben und das Leben im Allgemeinen und berichtet von diesem verflixten Tag. Auf der einen Seite ist er ein blasierter Chefarzt, intellektuell, der Oberschicht angehörend, auf der anderen Seite zeigt er sich empathisch. Ihm geht es gut, und er weiß das zu schätzen, glücklich verheiratet mit einer ebenso erfolgreichen Juristin, ein Haus in London, zwei erfolgreiche Kinder. Henry fährt einen silbernen Mercedes 500, ein Arztwagen, wie sein Sohn, Musiker, naserümpfend feststellt. Auf dem Weg zum Squash-Center gerät er in einen Stau, wegen einer Friedensdemonstration gegen Tony Blair, versucht durch eine Gasse das Ganze zu umgehen und kollidiert leicht mit einem roten BMW, es geht um einen Außenspiegel. Henry fühlt sich im Recht, will die Versicherungen austauschen, doch die drei Typen im BMW weisen ihm die Schuld zu, fordern Geld, wollen Henry dazu zwingen, es aus dem Automaten zu ziehen. Der Chefarzt benimmt sich standesgemäß gegenüber dem Pöbel, weigert sich, will die Polizei rufen und ist gerade dabei, sich Schläge von Baxter und seinen Kumpeln einzuhandeln, kann sich im letzten Augenblick durch intellektuelle Überlegenheit aus der Sache herauslavieren. »Wenn man krank ist, empfiehlt es sich nicht, den Schamanen zu beleidigen.« Er trickst sich heraus, spielt sich auf.

    »Noch nie in seinem Leben hat er jemandem ins Gesicht geschlagen, nicht mal als Kind. Und ein Messer hat er bislang immer nur in kontrollierter Bewegung und steriler Umgebung an betäubte Haut angesetzt. Er weiß schlichtweg nicht, wie man sich rücksichtslos benimmt.«

    Weiter geht es zum Squashduell, mit einem befreundeten Anästhesisten, ein Farbiger, Henry ist sein Chef. Fein beschrieben das berufliche Verhältnis zueinander, das Squashspiel als Kampf zwischen zwei Männern, fast ein Krieg, den es zu gewinnen gilt. Psychologisch fein herausgearbeitet ist hier der Kampf der Giganten, die alles geben, nicht auf die Gesundheit achtend, es geht nicht um Sport, sondern alles dreht sich um das eigene Ego.

    Henry besucht danach seine demente Mutter im Pflegeheim und es geht zurück nachhause zum Familienabend. Der wird letztendlich durch den kriminellen Baxter und seine zwei Freunde gestört, die in das Haus eindringen, die Familienmitglieder bedrohen, ein Raubüberfall. Letztendlich hilft auch hier intellektuelle Überlegenheit, die Eindringlinge zu überwältigen. Und ganz zum Schluss wird Henry am späten Abend zu einer Notoperation gerufen, begegnet Baxter das dritte Mal an diesem Tag.

    »Obwohl er seine Denkvorgänge verlangsamen und viele Stunden kostbarer Zeit aufwenden musste, hatte er sich den wechselnden Komplikationen dieser anspruchsvollen Märchen anvertraut. Doch welche Einsichten hielten sie letztlich bereit? Dass Ehebruch zwar verständlich, aber falsch ist, dass es Frauen im neunzehnten Jahrhundert nicht besonders leicht gehabt haben und dass Moskau, die russische Landschaft und die französische Provinz so und nicht anders ausgesehen haben? Diese Bücher waren das Ergebnis eines unerbittlichen, fachkundigen Sammeleifers.«

    Nebenbei erfahren wir eine Menge über die Familienmitglieder, die am Abend zusammenkommen werden. John Grammaticus, der Schwiegervater von Henry hat eine besondere Bedeutung. Er ist ein bekannter Schriftsteller, der den Arzt nie richtig anerkannte. Henry selbst ist nicht ganz glücklich mit der Berufsentscheidung seiner Kinder, die vom Großvater gefördert wurden, aber er ist mächtig stolz auf sie, versucht sie zu verstehen. Sein Sohn hat sich unter Bluesmusikern bereits einen guten Namen machen können, obwohl er noch sehr jung ist. Und die Tochter, die Literatur studiert hat, erhielt gerade den Preis, zu dem es John Grammaticus erst im Alter schaffte, was den ein wenig eifersüchtig macht. Henry liebt seine Tochter Daisy. So recht kann er nichts mit diesen unnützen künstlerischen Büchern anfangen. Aber er liest brav die Bücher, die Daisy ihm in Listen verabreicht, dabei auch solche Schundromane, wie Anna Karenina und Madame Bovary, wie Henry meint.

    Fein gezeichnete Charaktere, herrliche Monologe, eine Geschichte, die auf den Höhepunkt zusteuert, das Drama, im Abgang noch ein Schmankerl, die OP, bei der Henry menschliche Größe beweisen kann. Der Tag ist vorbei:

    »Er schmiegt sich an sie, an ihren seidenen Pyjama, ihren Geruch, ihre Wärme, ihre geliebte Gestalt, zieht sie enger an sich. Blind küsst er ihren Nacken. Das wird es immer geben, ist einer seiner letzten Gedanken. Dann: Es gibt nur dies. Und dann, undeutlich, fallend: Dieser Tag ist vorüber.«

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    W
    WinfriedStanzickvor 2 Jahren
    Von Jan Josef Liefers wirklich überzeugend eingelesen



    Um es vorweg zu sagen: dieses Buch ist ein Meisterwerk. Schon 2002 hatte Ian McEwan mit „Abbitte" einen Roman vorgelegt, von dem man dachte, er könnte eigentlich nicht mehr übertroffen werden. Doch nun zeigt er, dass ihm schriftstellerisch immer noch eine Steigerung möglich ist.
    Drei Hauptgründe finde ich dafür: zum einen beherrscht er eine elegante Sprache, die gleichzeitig leicht und dicht daherkommt, den Leser in seinem Innersten anzusprechen vermag und niemals prätentiös wird.
    Zum anderen schafft er es wie kein zweiter mir bekannter zeitgenössischer Schriftsteller, das naturwissenschaftliche und kulturelle Wissen unserer Zeit in seine Romane einzuweben in einer Art und Weise, die den Leser nicht verwirrt, sondern ihn klüger und weiser zurücklässt.
    Schlussendlich greift er Themen auf, die den Menschen direkt auf der Seele brennen. Er trivialisiert sie aber nicht, sondern diskutiert sie so ernsthaft und selbstkritisch es ihm nur möglich ist.
    So ist die Geschichte dieses Romans, der von nur einem Tag, einem „Saturday" im Leben des Londoner Neurochirurgen Henry Perowne handelt, dem Lebensgefühl eines gebildeten Mittelklasseeuropäers mitten aus der Seele geschrieben.
    Eben noch ruht er sicher in seinem Leben, und dann sieht er sich quasi über Nacht mit Geschehnissen konfrontiert, die sein gesamtes Lebensgefühl und - konzept ins Wanken zu bringen drohen.
    Man schreibt Samstag, den 15. Februar 2003. Es ist der Tag der größten Demonstration auf britischem Boden. Es geht gegen den Irak-Krieg und die britische Beteiligung daran. Henry Perowne wacht früh auf und beobachtet ein auf Heathrow landendes Flugzeug, aus dem Flammen schlagen. Er glaubt für Minuten tatsächlich, eine Wiederholung des Angriffs auf das World Trade Center mitzuerleben. „ Die Möglichkeit, dass es zu Ähnlichem kommen könnte, zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Tage."
    Erst später am Abend erfährt er, dass eine russische Frachtmaschine notlanden musste. Er fährt, wie beabsichtigt, zu einem Squash-Center, um an seinem freien tag mit seinem Kollegen zu spielen, als er, behindert durch einen von der Demo verursachten Stau einen BMW rammt. Die Begegnung mit den drei Insassen wird zu einem irreal wirkenden Showdown, aus dem er mit einem Trick wieder herauskommt.
    Noch ist sein Glaube an die rationale Erkennbarkeit und Verbesserbarkeit der Welt noch intakt, doch am Abend nehmen die Ereignisse eine dramatische Wendung, die nicht vorweggenommen werden soll.
    Als er spät in der Nacht zu Bett geht, ist sein Leben nicht mehr, wie es vorher war. Er muss erkennen, dass er nichts wirklich in der Hand hat, und sein Leben bedroht und gefährdet ist.
    Ich habe dieses Buch mit großer innerer Erregung gelesen und bin begeistert von seiner großen Sprachmacht. Das fast gleichzeitig mit seinem Erscheinen am 7. Juli 2005 durch die verheerenden Anschläge in London seine Botschaft sich erfüllte, ist ein Zufall, der einen zittern macht.

    Die äußere Bedrohung unserer demokratischen Gesellschaft durch den islamistischen Terror und die innere Bedrohung, durch eine sich immer weiter ausbreitende Gewaltbereitschaft und Verrohung, macht auch mir, einem 62- jährigen Familienvater eines 13-jährigen Sohnes große Sorgen.
    Das Leben ist schwerer geworden in diesem Zeiten und die Hoffnung rar. Umso wichtiger bleibt wirklich gute Literatur.
    Hier ist ein außergewöhnliches Exemplar davon.

    Die nun von Diogenes produzierte gekürzte Hörbuchfassung, die Ian McEwan, Saturday, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-80003-6

    Um es vorweg zu sagen: dieses Buch ist ein Meisterwerk. Schon 2002 hatte Ian McEwan mit „Abbitte" einen Roman vorgelegt, von dem man dachte, er könnte eigentlich nicht mehr übertroffen werden. Doch nun zeigt er, dass ihm schriftstellerisch immer noch eine Steigerung möglich ist.
    Drei Hauptgründe finde ich dafür: zum einen beherrscht er eine elegante Sprache, die gleichzeitig leicht und dicht daherkommt, den Leser in seinem Innersten anzusprechen vermag und niemals prätentiös wird.
    Zum anderen schafft er es wie kein zweiter mir bekannter zeitgenössischer Schriftsteller, das naturwissenschaftliche und kulturelle Wissen unserer Zeit in seine Romane einzuweben in einer Art und Weise, die den Leser nicht verwirrt, sondern ihn klüger und weiser zurücklässt.
    Schlussendlich greift er Themen auf, die den Menschen direkt auf der Seele brennen. Er trivialisiert sie aber nicht, sondern diskutiert sie so ernsthaft und selbstkritisch es ihm nur möglich ist.
    So ist die Geschichte dieses Romans, der von nur einem Tag, einem „Saturday" im Leben des Londoner Neurochirurgen Henry Perowne handelt, dem Lebensgefühl eines gebildeten Mittelklasseeuropäers mitten aus der Seele geschrieben.
    Eben noch ruht er sicher in seinem Leben, und dann sieht er sich quasi über Nacht mit Geschehnissen konfrontiert, die sein gesamtes Lebensgefühl und - konzept ins Wanken zu bringen drohen.
    Man schreibt Samstag, den 15. Februar 2003. Es ist der Tag der größten Demonstration auf britischem Boden. Es geht gegen den Irak-Krieg und die britische Beteiligung daran. Henry Perowne wacht früh auf und beobachtet ein auf Heathrow landendes Flugzeug, aus dem Flammen schlagen. Er glaubt für Minuten tatsächlich, eine Wiederholung des Angriffs auf das World Trade Center mitzuerleben. „ Die Möglichkeit, dass es zu Ähnlichem kommen könnte, zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Tage."
    Erst später am Abend erfährt er, dass eine russische Frachtmaschine notlanden musste. Er fährt, wie beabsichtigt, zu einem Squash-Center, um an seinem freien tag mit seinem Kollegen zu spielen, als er, behindert durch einen von der Demo verursachten Stau einen BMW rammt. Die Begegnung mit den drei Insassen wird zu einem irreal wirkenden Showdown, aus dem er mit einem Trick wieder herauskommt.
    Noch ist sein Glaube an die rationale Erkennbarkeit und Verbesserbarkeit der Welt noch intakt, doch am Abend nehmen die Ereignisse eine dramatische Wendung, die nicht vorweggenommen werden soll.
    Als er spät in der Nacht zu Bett geht, ist sein Leben nicht mehr, wie es vorher war. Er muss erkennen, dass er nichts wirklich in der Hand hat, und sein Leben bedroht und gefährdet ist.
    Ich habe dieses Buch mit großer innerer Erregung gelesen und bin begeistert von seiner großen Sprachmacht. Das fast gleichzeitig mit seinem Erscheinen am 7. Juli 2005 durch die verheerenden Anschläge in London seine Botschaft sich erfüllte, ist ein Zufall, der einen zittern macht.

    Die äußere Bedrohung unserer demokratischen Gesellschaft durch den islamistischen Terror und die innere Bedrohung, durch eine sich immer weiter ausbreitende Gewaltbereitschaft und Verrohung, macht auch mir, einem 62- jährigen Familienvater eines 13-jährigen Sohnes große Sorgen.
    Das Leben ist schwerer geworden in diesem Zeiten und die Hoffnung rar. Umso wichtiger bleibt wirklich gute Literatur.
    Hier ist ein außergewöhnliches Exemplar davon.

    Die nun von Diogenes produzierte gekürzte Hörbuchfassung, die Jan Josef Liefers wirklich überzeugend eingelesen hat, macht erneut deutlich, wie aktuell die Botschaft dieses wunderbaren Romans ist.



     hat, macht erneut deutlich, wie aktuell die Botschaft dieses wunderbaren Romans ist.



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    thursdaynextvor 6 Jahren
    Rezension zu "Saturday" von Ian McEwan

    A day in a life
    Innenansichten eines Neurochirurgen, sehr gut gelesen von Jan Josef Liefers, der nur bei den Frauenstimmen erbärmlich schwächelt, was dieser Nabelschau dann aber einen gewissen Humor verleiht, den ich im Buch doch leicht vermisst habe.
    Wer grüblerische Gedankenfetzen verpackt in schön gedrechselten Sätzen über den Zustand der Welt schätzt hört hier richtig. Sprachlich hat der Autor mich überzeugt, die kurze Geschichte war ebenfalls spannend, gut aufgebaut, auch wenn mir die Logik des gutmenschelnden Neurochirurgen manchmal sehr befremdend erschien, die Hauptaussage, dass es eben die Liebe ist die im Leben zählt wurde selten so unkitschig und doch überzeugend weitergegeben.

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    Kiara
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    Jadziavor einem Jahr
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    HutschLvor einem Jahr
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    CoinQuatrovor 2 Jahren
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    sumosvor 2 Jahren
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    LilChocovor 7 Jahren
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    weissensteinvor 8 Jahren

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