Nordwasser

von Ian McGuire 
4,5 Sterne bei32 Bewertungen
Nordwasser
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Dajobamas avatar

Spannend wie ein Thriller. Sehr gewalttätig, aber gut! Die Schilderung eines Kampfes zwischen Gut und Böse. Leseempfehlung!

hannelore259s avatar

Brilliant erzählte Geschichte. Beeindruckend, nicht schön, voller menschlicher Abgründe

Alle 32 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Nordwasser"

Henry Drax kennt kein Gewissen. Er ist Harpunierer auf der Volunteer, einem Walfangschiff, das von England Kurs auf die arktischen Gewässer der Baffinbucht nimmt. Ebenfalls an Bord ist Patrick Sumner, ein Arzt von zweifelhaftem Ruf, der glaubt, schon alles gesehen zu haben – nicht ahnend, dass seine größte Prüfung noch bevorsteht, nachdem er Drax einer ungeheuerlichen Tat überführt hat. Während sich der Konflikt zwischen den beiden Männern zuspitzt, wird auch der eigentliche Sinn der verhängnisvollen Expedition zunehmend klar . . .
Die erschütternde Schönheit und Einsamkeit des Nordpolarmeers bilden die Kulisse für Ian McGuires dramatischen Roman um Gut und Böse, eine in ihrer philosophischen und psychologischen Dimension zeitlose Geschichte über die tiefsten Abgründe des menschlichen Herzens.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783866482678
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:336 Seiten
Verlag:mareverlag
Erscheinungsdatum:13.02.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 23.02.2018 bei Lübbe Audio erschienen.

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    Dajobamas avatar
    Dajobamavor 25 Tagen
    Kurzmeinung: Spannend wie ein Thriller. Sehr gewalttätig, aber gut! Die Schilderung eines Kampfes zwischen Gut und Böse. Leseempfehlung!
    Ein Überlebenskampf in der lebensfeindlichen Arktis

    Ian McGuire – Nordwasser

    Es macht keinen Spaß, diesen Roman zu lesen. Er ist brutal, grausam, ekelhaft, verstörend und vieles mehr, aber vor allem ist er eines: unheimlich gut!

    Das Setting hat mich oft an die Klassiker „Moby Dick“ oder auch „Der Seewolf“ erinnert. Denn auch hier geht es um die Mannschaft eines Walfängers. Nun sind die Besatzungsmitglieder eines solchen Schiffes per se keine zimperlichen oder besonders umgänglichen Menschen. Diese Fahrt der Volunteer ins Nordmeer bei Grönland scheint aber unter absolut keinem guten Stern zu stehen. Der Harpunierer Henry Drax verkörpert das gewissenlose Böse schlechthin, der Schiffsarzt Sumner hat so seine Geheimnisse und überhaupt scheint es einigen an Bord nicht unbedingt nur um den Walfang zu gehen. Als Sumner Drax ein übles Verbrechen nachweisen kann, nimmt das Schicksal seinen Lauf.

    McGuire erzählt sehr kraftvoll und flüssig. Schonungslos deckt er menschliche Abgründe angesichts des Überlebenskampfes auf. Die Stimmung ist von Anfang an düster und unheilschwanger, über weite Teile aber spannend wie ein Thriller. Die Beschreibungen sind sehr bildhaft, überall Gemetzel, Blut und sonstige Körperflüssigkeiten. Ein Menschenleben ist nicht allzu viel wert. Der Ekelfaktor in dieser brutalen Männerwelt ist hoch. Trotzdem konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen.

    Es geht um Gut und Böse, um den tödlichen Kampf zwischen zwei Männern und den Überlebenskampf in der lebensfeindlichen Arktis. Eine höhere Bedeutung oder Interpretationsmöglichkeit hab ich jetzt nicht gesehen, für mich persönlich ist das aber auch genug.

    Der Leser erhält einen sehr authentischen Einblick in das Leben auf einem Walfänger im 19. Jahrhundert. Die Lebensbedingungen waren hart, der Umgangston rau, jeder nur auf sein eigenes Fortkommen bedacht. Wie im Kino läuft die Fahrt im Nordmeer vor einem ab, der Überlebenskampf im ewigen Eis. Ein extrem beeindruckender Roman! Und eine absolute Leseempfehlung an all jene, die Abenteuergeschichten mögen und keinen allzu empfindlichen Magen haben!

    Kommentare: 1
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    Caro_Lesemauss avatar
    Caro_Lesemausvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Schockierend, brutal und doch mitreißend mit stellenweise fast poetisch anmutender Sprache - eine ungewöhnliche Mischung!
    Leben und Überleben auf einem Walfangschiff

    Henry Drax kennt kein Gewissen. Er ist Harpunierer auf der Volunteer, einem Walfangschiff, das von England Kurs auf die arktischen Gewässer der Baffinbucht nimmt. Ebenfalls an Bord ist Patrick Sumner, ein Arzt von zweifelhaftem Ruf, der glaubt, schon alles gesehen zu haben – nicht ahnend, dass seine größte Prüfung noch bevorsteht, nachdem er Drax einer ungeheuerlichen Tat überführt hat. Während sich der Konflikt zwischen den beiden Männern zuspitzt, wird auch der eigentliche Sinn der verhängnisvollen Expedition zunehmend klar . . .


    Ian McGuire beschreibt schonungslos und brutal - und dadurch so authentisch - wie es auf einem Walfangschiff im 19. Jahrhundert zuging. Nicht nur in Bezug auf die Jagd und die Tiere, sondern auch den Umgang der Männer untereinander. Sprachlich nimmt er kein Blatt vor den Mund. Immer wieder wandte ich mich angeekelt ab und überlegte mehrfach, ob ich das Buch wirklich weiterlesen möchte, weil es mich teilweise schüttelte. Dies kann natürlich nur ein Autor erreichen, der durch seinen Schreibstil Bilder im Kopf entstehen lässt und das schaffte McGuire bei mir auf jeden Fall. Warum ich doch zu Ende gelesen habe? So widerlich ich es auch zwischendurch fand, so fesselnd und spannungsgeladen wird die Geschichte mit der Zeit. Ich musste einfach wissen, wie das Abenteuer ausgeht. Insbesondere in der zweiten Hälfte bekommt der zunächst eher historisch angehauchte Roman eher einen Krimi-Aspekt. Im Gegensatz dazu findet man sich zwischendurch in Gedanken im Nordpolarmeer wieder, zwischen Eisschollen und Eisbären, auf der Suche nach den Walen. Ian McGuire schafft es, diese Naturszenen fast schon poetisch zu Papier zu bringen, was in krassem Gegensatz zu den rauen Dialogen und Handlungen zwischen den Männern steht. Sprachlich ist das Werk wirklich faszinierend und abwechslungsreich. Trotz der so zur Schau gestellten Maskulinität und dem täglichen Kampf ums Überleben sind McGuires Figuren nicht eindimensional. Er verleiht ihnen Tiefe, insbesondere auch in der Darstellung der menschlichen Abgründe und des Bösen.


    Fazit:
    Sprachlich ist das Buch etwas ganz Besonderes: Zwischen Poesie und nackter  Brutalität. Unwillkürlich geht bereits auf den ersten Seiten das Kopfkino an und die Geschichte lässt einen nicht mehr los. Wer mit schonungsloser Maskulinität umgehen kann, wird von diesem Roman nicht enttäuscht werden. Ich ziehe einen Stern ab, weil ich mich doch sehr häufig geekelt habe und denke, dass es ganz so viele explizite Stellen im Buch nicht gebraucht hätte. 

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    Insider2199s avatar
    Insider2199vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein bildgewaltiger, authentischer Roman: konfliktreich und spannend ... unbedingt lesen!
    Ein bildgewaltiger, authentischer Roman: konfliktreich und spannend

    Ein bildgewaltiger, authentischer Roman: konfliktreich und spannend

    Der 1964 geborene britische Autor studierte Literaturwissenschaft in Sussex und lehrt seit 1996 amerikanische Literatur und kreatives Schreiben an der University of Manchester. Der vorliegende Roman (mein 1. Buch von ihm) stand 2016 auf der Longlist für den Man Booker Prize und wurde von der New York Times zu einem der 10 besten Bücher des Jahres gekürt.

    Inhalt (Klappentext): Henry Drax kennt kein Gewissen. Er ist Harpunierer auf der Volunteer, einem Walfangschiff, das von England Kurs auf die arktischen Gewässer der Baffinbucht nimmt. Ebenfalls an Bord ist Patrick Sumner, ein Arzt von zweifelhaftem Ruf, der glaubt, schon alles gesehen zu haben – nicht ahnend, dass seine größte Prüfung noch bevorsteht, nachdem er Drax einer ungeheuerlichen Tat überführt hat. Während sich der Konflikt zwischen den beiden Männern zuspitzt, wird auch der eigentliche Sinn der verhängnisvollen Expedition zunehmend klar . . .

    Meine Meinung: Am meisten beeindruckt hat mich an diesem Roman die Authentizität und Bildgewaltigkeit, mit der der raue Alltag auf einem Walfang-Schiff geschildert werden. Man hat das Gefühl, live dabei zu sein und das Kopfkino läuft auf Hochtouren.

    Auch sprachlich kann der Historienroman überzeugen und liest sich tw. fast poetisch. Die Charaktere sind komplex und vielschichtig; die Konflikte zahlreich vorhanden – das Highlight natürlich der unerbittliche Kampf zwischen Sumner und Drax, ein Fight auf Leben und Tod, der bis zum Schluss fesselt.

    Im direkten Vergleich zu dem thematisch ähnlichen „Terror“ von Dan Simmons muss ich offen gestehen, kann das Buch meines Erachtens leider nicht ganz mithalten – da fand ich Simmons Roman (erweitert um das mystische/spirituelle Moment) sehr viel faszinierender – dennoch tut dieser Vergleich der Qualität dieses Romans keinen Abbruch.

    Fazit: Ein bildgewaltiger, authentischer Roman: konfliktreich und spannend! Dieser Roman hat alles, was man sich wünscht: interessante Charaktere und ein spannender, konfliktreicher Plot mit einer sehr authentischen, bildreichen Schilderung eines rauen Alltags auf See. Unbedingt lesen!

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    Federfees avatar
    Federfeevor 3 Monaten
    Eine Studie des Bösen, atmosphärisch dicht, brutal, von literarischer Qualität

    Es hätte ein Abenteuerroman sein können: der junge Arzt Patrick Sumner fährt auf einem Walfänger-Segelschiff mit in die Arktis, ins Eis. Er hatte eine ruhige Zeit erwartet, wollte Skizzen machen und Tagebuch führen, aber es kommt alles anders. Jeder auf dem Schiff hat irgendein Geheimnis, eine ungute Vergangenheit, böse Absichten. Es kommt zu katastrophalen Vorfällen, die alle in Lebensgefahr bringen. Sumners Gegenspieler Henry Drax erscheint wie das personifizierte Böse. Der Leser hat ihn schon vor dem Ablegen des Schiffes bei seinen brutalen ekelerregenden Taten voller Abscheu beobachten können.

    Die Konfrontation der beiden Männer zieht sich durch das ganze Buch. Die Sprache ist literarisch zu nennen, aber wortgewaltig finde ich sie nicht. Dennoch fühlte ich mich als Leser wie in einem Sog in diese Geschichte hineingezogen. Mehrfach habe ich überlegt, abzubrechen, denn es gibt zu viel Gewalt gegen Mensch und Tier. Auch vor allzu Menschlichem schreckt der Autor nicht zurück, es wird gefurzt, es stinkt, alle und alles ist dreckig und ekelhaft. Es gibt Szenen, die möchte ich mir gar nicht allzu bildhaft vorstellen ...

    Es war dennoch interessant zu lesen, ist aber definitiv nichts für Zartbesaitete, wohl aber für die, die mal ins Gesicht des Bösen blicken wollen. Erkenntnisse irgendwelcher Art habe ich aus dem Buch nicht gewonnen und auch keine klugen Gedanken gefunden.

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    Ro_Kes avatar
    Ro_Kevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Mit schonungsloser, bildgewaltiger Sprache verfasstes Meisterwerk von ähnlicher Stärke wie Dan Simmons „Terror“. Grandioses Highlight!
    Mit der Kraft einer eiskalten Welle

    Klappentext (Lovelybooks):

    Henry Drax kennt kein Gewissen. Er ist Harpunierer auf der Volunteer, einem Walfangschiff, das von England Kurs auf die arktischen Gewässer der Baffinbucht nimmt. Ebenfalls an Bord ist Patrick Sumner, ein Arzt von zweifelhaftem Ruf, der glaubt, schon alles gesehen zu haben – nicht ahnend, dass seine größte Prüfung noch bevorsteht, nachdem er Drax einer ungeheuerlichen Tat überführt hat. Während sich der Konflikt zwischen den beiden Männern zuspitzt, wird auch der eigentliche Sinn der verhängnisvollen Expedition zunehmend klar.

    Meine Meinung:

    "Wenn das große Böse existiert, warum nicht auch das große Gute?"


    Ian McGuire hat mit „Nordwasser“ ein durch und durch atemberaubendes Werk erschaffen!

    Mit meisterhafter Feder fängt er die eiskalte, wie brutale Kulisse der arktischen See ein und sorgt durch seine bildgewaltigen Beschreibungen für ein Kopfkino aller erster Güte, das von einem stetigen Frösteln begleitet wird. 

    Seine Charakterzeichnung bietet das bis in die Haarspitzen grandios ausgefeilte Gute und Böse, in Gestalt von Patrick Sumner und Henry Drax, die bis zuletzt einen geradezu erbitterten Kampf führen und somit auch für ein unglaublich spannendes/zentrales Element dieser Erzählung sorgen.

    Sehr glaubhaft, wenn auch schockierend und mit zahlreichen Ekelmomenten untermalt, wird das Leben, allein unter Männern, an Bord der Volunteer dargestellt, bei dem es absolut derbe und brutal zugeht und durch innere Dämonen selbst vor Mord nicht zurückgeschreckt wird - und der harte Überlebenskampf hat zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht begonnen…..

    Fazit:

    Ein mit schonungsloser, bildgewaltiger Sprache verfasstes Meisterwerk von ähnlicher Stärke wie Dan Simmons „Terror“. Grandioses Highlight!

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ein ungewöhnliches Lesevergnügen, voller menschlicher Abgründe, brutaler Gewalt und geballter Männlichkeit. Für mich ein Lesehighlight 2018!
    Die moralische Einsamkeit im ewigen Eis

    „Der Bär schnaubt, sein heißer Atem streicht über Sumners Gesicht und Lippen. Einen Moment lang spürt Sumner Angst, und im Kielwasser, als die Angst nachlässt und ihre Kraft verliert, einen unerwarteten Anflug von Einsamkeit und Bedürftigkeit.“


    Inhalt


    Der Walfang vor Grönland hat schon bessere Zeiten erlebt, dennoch begibt sich die Volunteer auf eine gefährliche Expedition ins ewige Eis, um Wale, Robben und Eisbären zu jagen, deren Rohstoffe sie in der britischen Heimat zu Geld machen können. Die Mannschaft diesmal ist nicht zimperlich, die Männer an Bord alle erfahren und bar jeglicher Illusion. Nur der Arzt Patrick Sumner, passt nicht so recht ins Bild. Unehrenhaft würde er aus der Armee entlassen und heuert nun an, um überhaupt wieder eine Beschäftigung zu haben. Doch in der kargen Eiswelt angekommen, wird ihm schnell klar, dass seine Vorstellungen über mögliche Zwischenfälle und menschliche Entbehrungen, viel zu gering angesetzt waren. Denn nicht nur das grausame, kräftezehrende Töten der Beute, gehört zum rauen Alltag, sondern auch Hungergefühl, die frostige Luft, die unwirtliche Lebensweise und damit einhergehende Erkrankungen. Aber was sich als wesentlich fataler herausstellt, ist die Tatsache, dass sich ein Mörder an Bord des Schiffes befindet. Ein Mann, fähig zu absonderlicher Gewalt und Heimtücke, gewissenlos und brutal. Und Sumner ist nicht nur der Außenseiter, sondern auch der einzige Gerechtigkeitsfanatiker an Bord. Die Frage ist nur, wer ihm dort oben unterstützen könnte, insbesondere, nachdem die Mannschaft in Seenot geraten ist, und nur noch das Sterben oder Überleben die Gedanken der Männer beherrscht …


    Meinung


    Dieser Roman aus der Feder des britischen Autors Ian McGuire, wurde 2016 für den Man Booker Prize nominiert und konnte mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht nur fesseln und schockieren, sondern ebenso gut unterhalten und mehr und mehr begeistern. Eigentlich bietet er nicht nur einen ausgereiften Plot, mit ausreichend dramatischen Elementen, die allein durch die Kraft der Naturgewalt erzeugt werden, sondern vor allem ein ausgereiftes psychologisches, teilweise sogar philosophisches Betrachten der menschlichen Verhaltensweisen jenseits der Zivilisation. Mit unerschütterlichem Willen, dem Ablegen der Menschlichkeit, dem Vermissen jedweden Mitgefühls sieht sich hier der Leser konfrontiert. Die Männer verhandeln nicht mehr, sie zögern nicht, sie lügen, töten und lassen alles hinter sich. Denn wer sollen schon ihre Rächer sein, wenn sie befürchten, niemals wieder in die Heimat zurückzukehren?


    Zwei Dinge machen diesen historisch inspirierten Pageturner zu etwas ganz Besonderen. Zum einen ist es die plastisch beschriebene Kulisse im lebensverachtenden Packeis jenseits menschenfreundlicher Bedingungen, zum anderen die klassische Einteilung, die sich gezielt mit dem Protagonisten und dem Antagonisten beschäftigt und ihnen ganz typische Charaktereigenschaften gibt. Nichts weiter als der ewige Kampf zwischen Gut und Böse steht hier im Zentrum der Erzählung und mit ihm die vielschichtigen Möglichkeiten, wer hier welche Untaten zu verantworten hat, oder seiner Schuld möglicherweise für immer entkommen kann.


    Selten hat mich dieses Thema so gepackt wie in diesem Buch, welches sich stellenweise regelrecht zum Thriller mausert und dann doch wieder in die gedanklichen Spuren einer erfundenen Handlung wechselt. Dennoch empfand ich jeden Gedankengang als schlüssig und nachvollziehbar und während des Lesens hat mich oft die Frage beschäftigt, ob es nicht einfacher wäre, sich einfach hinzulegen und mit der Kälte zu verschmelzen oder ob der Kampf bis zum letzten Atemzug tatsächlich die Starken von den Schwachen trennt.


    Fazit


    Ich vergebe begeisterte 5 Lesesterne und habe hier ein echtes Lesehighlight gefunden, welches ich wärmstens weiterempfehlen möchte. Der Roman mag brutal, grausam und sehr maskulin wirken, doch vor allem einprägsam und mit einer überraschend andersartigen Erzählung. Ein spannender Mix aus Fiktion, Historie und Psychologie. Düstere Geheimnisse, menschliche Verfehlungen, und das Glück der Tüchtigen erscheint ebenso diskussionswürdig wie bösartige Menschen, korrupte Zeitgenossen und hungrige Bären. Möge der Stärkere gewinnen!

    Kommentare: 8
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    sar89s avatar
    sar89vor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Hart aber gut!
    Verhängnisvolles Abenteuer

    Patrik Sumner, ein desillusionierter, irischer Arzt, geht nach dem Krieg in Indien auf ein Walfangschiff. Das Walfangschiff ist aber nicht nur zum Wale fangen gedacht und auch die Arbeiter auf dem Schiff sind alles andere als über jeden Zweifel erhaben. Das Leben ist rau und es passieren Gemetzel an Tieren und Morde an Kindern und Erwachsenen. Das ist alles sehr authentisch und gut beschrieben. Nichts für Zartbesaitete. Ich musste immer ein bisschen Pause machen. Als ein Harpunierer sämtliche Grenzen überschreitet, fasst Sumner einen Plan, der ihn die härtesten Strapazen überleben lässt, denn das absichtliche versenken des Schiffs gelingt aber aus purem Unglück sinkit die Hastings, das Schiff, das die Walfänger wieder nach Hause bringen sollte. Der Überlebenskampf beginnt! Ian McGuire beschreibt die ganze Szenerie für mein Gefühl serh authentisch. Die raue Sprache passt sehr gut ins Arktisabenteuer dieser Zeit. Ich habe es trotz Mord und Totschlag gern gelesen und spannend gefunden.

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor 5 Monaten
    ‚Alles in allem dürfte es eine ruhige, vielleicht sogar etwas langweilige Zeit werden'

    ‚Alles in allem dürfte es eine ruhige, vielleicht sogar etwas langweilige Zeit werden, aber weiß Gott, genau das braucht er nach dem Wahnsinn in Indien, der ungesunden Hitze, der Barbarei, dem Gestank. Wie auch immer der Walfang vor Grönland aussehen mag, so ganz bestimmt nicht.‘ (Seite 34)

    Im Jahre 1859 verlässt das Walfangschiff Volunteer England und macht sich auf den Weg in die arktischen Gewässer der Baffin-Bucht.

    An Bord des Schiffes befinden sich lauter Männer, die in der Vergangenheit belastende Dinge erlebt haben oder ein dunkles Geheimnis mit sich herumtragen. Der Leser begegnet z.B. Brownlee, der vor drei Jahren die Perceval bei einer Kollision mit einem Eisberg verloren hat und sich nun als Kapitän der Volunteer beweisen muss. Mit an Bord ist zudem der opiumabhängige Ire Patrick Sumner, der gerade aus dem Punjab zurückgekehrt ist und nun aus eher fadenscheinigen Gründen als Schiffsarzt auf der Volunteer angeheuert hat. Auch der Harpunierer Henry Drax macht sich mit der Volunteer auf den Weg ins Nordpolarmeer, nachdem er am Vorabend des Auslaufen des Schiffes einen Mann umgebracht hat.

    Die Fahrt, von der sich alle eine finanziell lohnenswerte Zeit oder zumindest eine Flucht vor der Vergangenheit versprechen, wird für die gesamte Besatzung schließlich zu einem Albtraum.

    Der Roman ‚Nordwasser‘ des britischen Autors Ian McGuire war ein New York Times-Bestseller, war für den Man Booker Prize 2016 nominiert und hat auch mir ausgezeichnet gefallen.

    Bereits der Einstieg mit der Beschreibung der englischen Hafenstadt ist sehr düster, und als Leser weiß man gleich auf den ersten Seiten des Buches, in welchem Milieu man sich bewegt und welche menschlichen Abgründe man beim Lesen noch erwarten kann.

    Auch im weiteren Verlauf ist der Roman unheilschwanger und bisweilen fast unaushaltbar brutal. Erzählt wird hier von kaputten und abgeklärten Männern, die kaum etwas zu verlieren haben, für die Mord, Tierquälerei und Gewalt gegen Menschen Normalität sind. Als Leser wird man Teil dieser Welt, die einem zwar fremd ist, aber authentisch, lebendig und detailreich nahegebracht wird, in die man ganz eintaucht, obwohl man genau dies oft gar nicht möchte und sich lieber von diesem Albtraum entfernen möchte.

    Die Sprache McGuires ist derb und explizit, nichts wird hier beschönigt, nichts wird vorsichtig ausgedrückt. Die Vulgarität passt jedoch perfekt zum Milieu, in dem sich die Protagonisten und damit auch der Leser bewegen, und unterstreicht die düstere Atmosphäre des Buches, das von Alkohol, Drogen, Prostitution, Armut, Elend, Dreck, Gewalt und Tod handelt.

    ‚Nordmeer‘ ist sicherlich keine Lektüre für zwischendurch, und bisweilen braucht man beim Lesen starke Nerven und einen robusten Magen, aber der Roman versetzt einen tatsächlich an einen anderen Ort und in eine vergangene Zeit, ist stimmungsvoll und von Anfang bis Ende spannend.

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    Literaturwerkstatt-kreativs avatar
    Literaturwerkstatt-kreativvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ian McGuire ist ein hervorragender Geschichtenerzähler, der uns aber gnadenlos in eine brutalst blutige, längst vergessene Zeit entführt.
    Volunteer

    Literaturwerkstatt- kreativ / Blog “ stellt vor:

    Nordwasser “ von Ian McGuire

    Patrick Sumner ist ein junger, drogenabhängiger Arzt mit zweifelhaften Ruf, der auf der Volunteer, einem Walfangschiff anheuert und mit ihr ins Nordwasser aufbricht. Er war bereits als Arzt in Indien und dachte schon alles gesehen und erlebt zu haben. Er wird aber schnell eines besseren belehrt, denn auf dem Walfänger herrschen verdammt raue Sitten, zumal auch der Harpunier Henry Drax auf der Volunteer angeheuert hat. Drax lebt nach seinen eigenen Gesetzten und kennt kein Gewissen, denn jahrelanges abschlachten und töten - und das nicht nur von Tieren - ist bei ihm zur Routine geworden. Nachdem Summer, Drax des Mordes überführt hat, strandet die Volunteer im Eis und ein Kampf ums Überleben beginnt und Hilfe scheint überhaupt nicht in Sicht zu sein.


    Fazit:

    Ian McGuire ist ein hervorragender Geschichtenerzähler, der uns aber auch gnadenlos in eine brutalst, blutige Zeit zurück entführt. Es wird schnell klar, das dies kein Buch für Zartbesaitete ist. Der Autor hat einen Abenteuerroman kreiert und diesen im Jahr 1859 spielen lassen. Er schildert in dieser wuchtigen und derben Geschichte das Leben und die Arbeit an Bord eines Walfängers. Hier handelt es sich nämlich nicht um liebenswerte Seefahrernostalgie, sondern um eiskaltes Überleben in der Antarktis. Der Alltag auf dem Schiff ist Dreck, Brutalität und das blutige abschlachten der Robben und Wale.

    Mit Patrick Summer hat der Autor einen sehr interessanten Protagonisten geschaffen, der mich ein Stück weit an „Ismael“ aus "Moby Dick" erinnerte. Summer ist eine Figur mit Ecken und Kanten, aber Gerechtigkeit ist für ihn ein wichtiges Gebot. Und genau dieser Gerechtigkeitssinn lässt Summer eine Beharrlichkeit an den Tag legen, die mir ausgesprochen gut gefallen und imponiert hat. Denn, - er will wissen - wer der wirkliche Mörder ist und lässt es auch nicht vom Kapitän zu, das dieser irgendeinen Sündenbock präsentiert.

    Mit Summers Gegenspieler Henry Dax ist dem Autor dann noch eine weitere sehr imposante Figur geglückt, wenn auch eher auf abstoßende Art und Weise. Denn Henry Dax ist im Grunde das personifizierte Böse, der Teufel in Menschengestalt. Ohne Gewissen und ohne Reue. Ein Kinderschänder und eiskalter Mörder. Und diese beiden sehr unterschiedlichen Männer mit ihren jeweiligen Weltansichten prallen aufeinander. Der Autor vermag es durch seine präzise und bildreiche Sprache, uns tief in beide Männerseelen hineinschauen zu lassen, schafft es aber genauso durch seine bildreichen Worte, den Firnis und die Schönheit des Nordpolarmeers für uns sichtbar zu machen.

    "Nordwasser" war für den Man Booker Prize nominiert und das kann ich gut verstehen, denn Ian McGuire hat mich auf eine sehr eindrucksvolle Zeitreise mitgenommen und - trotz der Derbheit seines Romans - bestens unterhalten. Dies Buch bleibt auf jeden Fall in Erinnerung und wird meinen Bücherschrank auf keinen Fall verlassen.


    Ein hervorragendes Buch, aber wie gesagt - nichts für Zartbesaitete !!!


    https://literaturwerkstattkreativblog.wordpress.com/2018/05/02/nordwasser/


    Besten Dank an den Mare Verlag für das Rezensionsexemplar.

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    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Kein schönes Buch. Es ist ein eindrucksvolles,bedrückendes Zeitportrait, große Literatur, fesselnd und ehrlich. Mich hat es eiskalt erwischt
    Eiskalt erwischt

    Was sagt man über dieses Buch? Es ist ekelhaft, dreckig, blutig, grausam, derbe und unendlich gut geschrieben. Ich habe beim Lesen mehrfach überlegt, ob ich mir das noch weiter antun möchte, dann hat es aber doch wieder gefesselt. 


    Patrick Sumner ist ein junger Arzt, der schon einiges hinter sich hat. Er hat unlängst in Indien gekämpft und heuert jetzt auf einem Walfangschiff an. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist Walfang nicht mehr so rentabel, Petroleum und Paraffin sind auf dem Vormarsch, das Walöl nicht mehr so begehrt, aber die Volunteer bricht trotzdem auf ins Nordwasser.
    Schnell stellt er fest, dass auf einem Schiff raue Sitten herrschen. Besonders der Harpunier Drax scheint nach eigenen Gesetzen zu leben.
    Hier taucht man tief ein in die Walfängerszene. Stinkend und fluchend gehen die Seeleute ihrer Arbeit nach. Sie fangen Robben auf dem Weg ins Nordpolarmeer, es ist eiskalt, das Blut fließt in Strömen, man holt sich Erfrierungen, das gehört dazu.

    Es ist höchst erstaunlich wie Ian McGuire es schafft, diese brutale Atmosphäre und die derbe Sprache der Seeleute einzufangen, und trotzdem einen literarisch sehr ansprechenden Text zu liefern. Hier ist ein A*** ein A*** und Sch*** ist Sch***, aber Figuren und Ambiente hat man eindringlich vor Augen. Man ist dabei und schwankt zwischen Bewunderung und Ekel. 

    Auch Sumner ist eine hoch interessante Figur. Er ist noch keine 30, hat aber fast mit seinem Leben abgeschlossen. Er will nur ein Auskommen und ausreichend Laudanum, um der Welt zu entfliehen. Und trotzdem ist er Arzt aus Berufung, will helfen wenn er kann und stolpert geradezu naiv über Ungereimtheiten. Die Reichen und Mächtigen dieser Zeit spielen gnadenlos mit Menschenleben und kommen damit durch, solange sie sich offiziell über Missstände entrüsten. Hier geht es um menschenverachtende Doppelmoral, Ausbeuter, die über Leichen gehen und auch auf See gilt das Recht des Stärkeren.

    „Nordwasser“ ist kein schönes Buch. Es ist ein eindrucksvolles und bedrückendes Zeitportrait, große Literatur, fesselnd und ehrlich. Mich hat es eiskalt erwischt.

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