Ilan Stephani

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Autor von Lieb und teuer.

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Lieb und teuer
Lieb und teuer
 (6)
Erschienen am 22.06.2018

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Rezension zu "Lieb und teuer" von Ilan Stephani

Geld gegen Sex
GernotUhlvor 7 Monaten

Link zur Rezension: https://www.eulengezwitscher.com/single-post/rezension/stephani

Huren-Bücher waren fast immer Skandalbücher. Die Memoiren der Fanny Hill und die Geschichte der wienerischen Dirne Josephine Mutzenbacher haben sogar die obersten Gerichte in den USA und Deutschland beschäftigt. Während diese beiden berühmten Büchern von Männern geschrieben worden sind, sind die lesenswerten Erinnerungen von Ilan Stephani gefühlsecht. Ein Blick hinein.

 Illan Stephani (Jahrgang 1986) fängt mit nackten Zahlen an: 1,2 Millionen würde in Deutschland jeden Tag für Sex bezahlt. Deutsche Bordelle setzten im Jahr doppelt so viel Euro um, wie die Bierbranche. Dann wird es ernst. Ihr erster Tag im Bordell beginnt mit ungeahnter Leichtigkeit: Aus Ilan wird Paula (weil es in ihrem Puff noch keine Paula gibt) und Paula hat keine Berührungsängste. Freier sind auch nur Menschen, sind auch nur Männer. Dem ersten Freier folgt der erste Selbsttest im Spiegel: "Vorher-nachher. Irgendetwas. Muss. Doch. Jetzt. Anders. Sein. Ist es aber nicht."

 Nein, hier schreibt kein Skandal-Sternchen, dass es mit versauten Formulierungen und derben Anekdoten auf billige Effekte abgesehen hat. Hier schreibt eine Art zufällige Sozialphilosophin, die als neugierige Studentin ins Bordell geht und von dort aus die Gesellschaft beobachtet: Warum prostituieren sich Frauen? Was erhoffen sich die Männer von käuflicher Liebe: Geht es nur um körperliche Befriedigung oder auch um Seelenmassage ? Was passiert, wenn sich Sex und Geld begegnen? Und warum ist Prostitution ein ewiges Stress-Thema? Unter anderem, weil Sex gegen Geld oft – manche sagen: immer – mit Erniedrigung und Unterdrückung einhergeht. Ilan Stephani macht keinen Bogen um die Zwangsprostitution. Sie verharmlost nicht, wie viele Frauen gewaltsam zu (käuflichem) Sex gezwungen werden. "Sex gegen Geld ist ein Tauschgeschäft – Sex unter Zwang ist ein Verbrechen." Freiern, die vermuten, einer Zwangsprostituierten begegnet zu sein, rät Ilan Stephani, den Verdacht anonym zu melden.

 Ilan Stephani ist eine meinungsstarke Frau, aber sie drängt mir als Leser ihre eigene Sicht nicht auf. Sie erläutert und begründet die Überzeugungen, die sie gewonnen hat. Sie reflektiert die Prostitution als gesellschaftliches Symptom für die Sehnsucht nach gutem Sex. "Das wirkliche Geheimnis, das Huren hüten, ist, wie glücklich und friedlich Männer in der Nähe einer Vagina werden." Und obwohl Ilan Stephani immer wieder Beispiele von verunsicherten, enttäuschten und frustrierten Freiern zu erzählen weiß, die sie in den zwei Jahren als Prostituierte mit ein bisschen Zärtlichkeit für den Moment glücklich und friedlich gemacht hat, spricht sie der Prostitution letztlich doch die Fähigkeit ab, diese Sehnsucht befriedigen zu können.

 "Lieb und teuer" ist ein Buch wie ein Sozialroman, in dem Erlebtes und Nachgedachtes ineinander fließen.

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Rezension zu "Lieb und teuer" von Ilan Stephani

den Puff nutzen, um über das Leben zu lernen? Ilan Stephani hat es getestet.
Buecherspiegelvor 10 Monaten

Ilan Stephani, die Autorin von „Lieb und Teuer – Was ich im Puff über das Leben gelernt habe“, hat freiwillig in Berlin in einem Edelbordell als Prostituierte gearbeitet. Ihre Erfahrungen und Schlussfolgerungen für ihr Leben und wie sich Prostitution ihrer Meinung nach auf die Gesellschaft auswirken hat sie in ihrem Buch zusammengefasst. Warum sie überhaupt über Hydra, der Prostituiertenorganisation in Berlin, auf die Idee kam, in einem Bordell zu arbeiten, kommt nicht so recht zur Sprache, nur, warum sie dann ebenso kurzentschlossen aufhörte. Immer wieder greift sie im Übrigen auf Statistiken zurück, leider ohne im Anhang oder in einer Fußnote auf einen direkten Link hinzuweisen, zu anderen Themen beziehungsweise Veröffentlichungen hingegen schon. An manchen Stellen greift sie so manche Methodik an, wie die Zahlen zustande gekommen wären. Es geht hier nicht um Zwangsprostitution oder dem Straßenstrich, der oft von Drogensüchtigen genutzt wird, sondern ausschließlich die freiwillige Arbeit im Puff, ohne Zuhälter oder anderen Personen, die irgendwelchen Zwang ausüben.

Schätzungen zufolge, so Stephani, gibt es zurzeit 400 000 Prostituierte in Deutschland, die Tag für Tag! von 1,2 Millionen Freiern besucht werden. Die Dunkelziffer ist sicher noch um einiges höher. Stephani erläutert, dass es sich dabei entweder um Männer handelt, die das erste Mal überhaupt ein solches Etablissement besuchen, die meisten allerdings wöchentlich oder einmal im Monat die Frauen aufsuchen. Das heißt, es ist mitnichten eine Sache, die nur am Rande der Gesellschaft stattfindet, sondern mittendrin geschieht. Jede Person muss einen Mann kennen, der bereits im Puff war. Ob im Freundeskreis, der Busfahrer, Politiker, Manager, Seefahrer … Doch ab wann zählt es eigentlich, ob man seinen Körper gegen Geld verkauft? Ein interessantes, nachdenklich machendes Beispiel gibt die Autorin vor. Ein Paar verlässt gemeinsam eine Veranstaltung, irgendwie ist klar, sie verbringen die Nacht gemeinsam. Um vorher ihren Hunger zu stillen gehen sie noch in einen Imbiss. Nach dem Sex stellt er fest: für 2,50 hat er einen Fick bekommen. Und nun?

Die Autorin beschreibt ihren Alltag im Puff und behauptet gleich am Anfang, dass sie bereits nach dem ersten Tag eigentlich alles begriffen hätte, alles Wissenswerte erlebt, doch was dann folgt, zeigt mir, dass dem mitnichten so war. Außer einem: dass die meisten Männer eigentlich etwas ganz anderes suchen und erhoffen, als allgemein angenommen wird. Die Zeit reicht beileibe nicht aus, um dem Mann ein echtes orgiastisches Vergnügen zu bereiten, sondern wenn, dann ausschließlich zur Ejakulation, ein gewaltiger Unterschied,wie uns Stephani erläutert. Und so kommt es, dass sie viele Männer nicht wirklich zufrieden gehen sieht sondern trauriger, um eine Illusion ärmer. Und manchmal wollen die Kunden noch nicht einmal das Eine, viele wollen Massagen, oder einfach nur reden. Den Grund sieht sie in dem immensem Druck unter der Männer stehen, sie müssen stark sein, nicht weinen, ganze Kerle sein. Wie es zum Beispiel die Werbung zeigt und unsere patriarchalische Gesellschaft dies vorlebt. Sex sells, riesige Plakate mit entsprechenden Bildern, die Pornoindustrie und so weiter, das überfordert uns alle.

Einige Abschnitte lang versucht sie den Leser über die sexuelle Andersartigkeit des Mannes aufzuklären und wie wir uns alle neu und tiefer kennenlernen sollten, damit sich etwas ändert. Das ist zum Teil verworren und nicht immer einfach nachzuvollziehen. Aber sie fordert auch die Frauen auf mutig zu sein und ihrer Sexualität eine Sprache zu geben. Dabei legt sie sich auch mit Feministinnen an, unter anderem mit Alice Schwarzer, der sie es übel nimmt, die Vagina als empfindungslosen Schlauch bezeichnet zu haben.

An einem Punkt schreibt sie, dass keiner der Männer, die sie im Puff erlebt hat, sie ausbeuten wollte. Doch in ihrem Kapitel über Übergriffe kommt das genau so vor, oder ist eine Vergewaltigung keine Ausbeutung? Dass sie doch nicht in einem hundertprozentig geschützten Raum arbeitet, musste sie bitter erfahren. Und es kostete sie einige Zeit, um damit fertig zu werden. Im Übrigen beschreibt sie weitere „Übergriffe“, zum Beispiel die des Staates im Zusammenhang mit dem Prostituiertenschutzgesetzes, das bereits überarbeitet werden muss. Diskussionswürdig ist das allemal. Ebenso die Übergriffe, die sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs ableiten lassen. Wir scheren wie üblich alle über einen Kamm und wissen genau, wie es um die Damen und Herrn steht, die im Milieu arbeiten. Tatsächlich? Wer macht sich wirklich die Mühe, wenigstens einer dieser Personen zu befragen und wirklich zuzuhören. Nicht nur denen, die in der Illegalität stecken, die missbraucht wurden, sondern auch denjenigen, die, wie die Autorin, es als ihren Job ansehen, eine gewisse Dienstleistung gegen Geld anzubieten. Auch das bietet reichlich Stoff zu Diskussionen. Wir sollten den moralischen Zeigefinger herunternehmen und darauf eingehen, findet sie.


Sex in kürzester Zeit ist kein guter Sex. Doch wer nimmt sich schon Zeit dafür? Die Autorin gibt am Ende ihres Erfahrungsberichtes Ratschläge, wie es besser gehen kann, selbst getestet mit ihrem Partner. Ob das aber wirklich ein Ende der Prostitution einläuten lässt, werden wir wohl nicht mehr erfahren. Dafür bedarf es einen grundlegenden Wandel in der Gesellschaft und den Mut aller beteiligten, dies zu wollen. Bis dahin gibt Stephani Seminare für Frauen, ist Körpertherapeutin und Bloggt über Sexualität und Freiheit.

Das Buch wurde in Zusammenarbeit mit Theresa Bäuerlein geschrieben. Sie beschäftigt sich als Autorin und Journalistin zum Beispiel mit Konsum und Beziehungen. Unter anderem ist ein Buch von ihr und Tom Eckert „Besser als Sex ist besserer Sex: Ein Paar. Ein Jahr. Ein Experiment“ erschienen.







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Sikals avatar

Rezension zu "Lieb und teuer" von Ilan Stephani

Lieb und teuer
Sikalvor 10 Monaten

Ilan Stephani ist neugierig. Sie kommt aus einer ganz normalen Familie, hat eine normale Kindheit und Jugend, beginnt zu studieren und hat plötzlich das Bedürfnis, in einem Puff zu arbeiten. Sie interessiert sich für die Beweggründe der Prostituierten, wundert sich über banale Gesprächsthemen, wie z.B. Marmelade einkochen oder Kinderbetreuung und nimmt ihre Arbeit in einem Bordell als normalen Job wahr.

 

Ilan wird zu Paula und berichtet in diesem Buch von ihren Erlebnissen, Beweggründen, dem Umgang der Gesellschaft mit Prostitution und diversen Klischees. Bereits ganz am Anfang musste sie lernen, dass genau diese Klischees mit dem tatsächlichen Job nichts gemein haben, dass z.B. Gewalt und Erniedrigung von Frauen nicht an der Tagesordnung stehen. Und hier denke ich mal, dass es ja schön und gut ist, wenn für Paula diese Übergriffe nicht am Programm standen (mit einer Ausnahme), doch viele Frauen erleben gerade diese Situation wohl häufig. Sie schreibt zwar mehrfach, dass sie keine Werbung für die Arbeit als Prostituierte machen möchte, doch irgendwie scheint sie teilweise eine verklärte Vorstellung zu vermitteln (auch wenn sie ständig darauf hinweist, dass dem nicht so sei). Man kann sicherlich nicht sämtliche Klischees als gegeben annehmen, doch ebenfalls ist diese Beschreibung hier nicht die Welt von 400.000 Prostituierten in Deutschland, dessen muss man sich bewusst sein, wenn man dieses Buch liest.

 

Warum sich Ilan in Paula verwandelte wird mir bis zum Schluss nicht ganz klar – denn nur Neugierde war es wohl nicht.

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