Die Pfeiler des Glaubens

von Ildefonso Falcones 
4,2 Sterne bei88 Bewertungen
Die Pfeiler des Glaubens
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Lissys avatar

Ich mag Bücher wie dieses, vermutlich hätten aber 500 Seiten auch genügt.

NicolasDierkss avatar

Eine gut lesbarer historischer Roman über die Zerbrechlichkeit wahrer Menschlichkeit inmitten von christlich-muslimischen Glaubenskriegen.

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Inhaltsangabe zu "Die Pfeiler des Glaubens"

Andalusien 1568. Nach Jahren der Unterdrückung erheben sich die Mauren gegen ihre christlichen Peiniger. Unter den Aufständischen ist auch Hernando Ruiz, ein junger Mann mit auffallend blauen Augen, gezeugt bei der brutalen Vergewaltigung einer Muslimin durch einen Priester. Von Geburt an als Außenseiter gezeichnet, führt Hernando einen einsamen Kampf, bis die Liebe zu einer Frau ihm Hoffnung auf ein neues Leben schenkt, aber auch eine schreckliche Entscheidung abverlangt ...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442477753
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:928 Seiten
Verlag:Goldmann
Erscheinungsdatum:20.08.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 23.09.2010 bei Random House Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Bokmasks avatar
    Bokmaskvor 3 Jahren
    Wenn Glauben zum Fanatismus wird.

    Nach der Lektüre von „Die Kathedrale des Meeres“ musste ich einfach auch ein zweites Buch von Idelfonso Falcones lesen. Aber in Gegensatz zum ersten Buch, hatte ich es hier mit sehr schwerer Kost zu tun.
    Die Pfeiler des Glaubens haben das Thema der Maurenvertreibung in Andalusien zum Thema. Die katholischen Herrscher und ihre Handlanger gaben den Mauren nicht die winzigste Chance in Frieden nebeneinander zu leben. Die sehr blutigen Aufstände der Mauren haben diesen Menschen nichts als Tod, Folter und Verachtung eingebracht.

    Hernando, ein junger Mann, der aus einer Schändung einer Muslimin entstanden ist, versucht Zeit seines Lebens das Beste aus dieser Situation zu machen. Er versucht beide Religionen anzugleichen um so ein gemeinsames Leben in Andalusien möglich zu machen. Hernando ist einer der wenigen die Lesen und Schreiben können und das in beiden Sprachen, Arabisch und Spanisch. Doch immer wenn er dachte das es jetzt was werden könnte mit der Annäherung beider Glaubensrichtungen, geschieht wieder etwas, was sein Volk drangsaliert.
    Auch muss er mit seiner eigenen Familie kämpfen, der Ziehvater, ein gieriger brutaler Mensch, der nur auf sein eigenes Wohl bedacht ist, läßt kein gutes Haar an Hernando.
    Mit den Frauen in seinem Leben hat es Hernando auch nicht gerade leicht. Ihm ist ein wirkliches kleines Glück nicht gegönnt.

    Mich hat diese Geschichte einfach nur erschüttert, dieser Fanatismus ist kaum auszuhalten. Wenn man alle gemeuchelten Mensch zusammenzählen würde, wäre eine Großstadt am Ende des Buches entvölkert. Und 400 Jahre später hat dieser Fanatismus nur die Seiten gewechselt. Mir scheint das die Menschheit einfach nichts lernt aus der Geschichte.

    Der Schreibstil von Idelfonso Falcones hat mir auch in dieser Geschichte sehr gut gefallen. Die gut 900 Seiten kamen mir gar nicht so viel vor. Ich bin mir sicher, dass ich auch das dritte Buch von ihm lesen werde. Bin sehr gespannt welches Thema er in dem Buch aufgegriffen hat.

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    Bellexrs avatar
    Bellexrvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Fazit: Bildgewaltiges Epos über ein dunkles Kapitel der spanischen Geschichte, packend, aber oft auch sehr detailverliebt erzählt.
    Tod verheißt ewige Hoffnung

    Andalusien 1568: Hernando Ruiz‘ Mutter ist Muslimin, sein Erzeuger ein Katholik. Aischa wurde von einem Priester vergewaltigt und dieser Makel hängt dem 14-jährigen Hernando, der als Moriske aufwächst, seit seiner Geburt an. In seinem Dorf wird er nur der Nazarener genannt. Die Konflikte zwischen den Christen und den Morisken nehmen bald schon äußerst brutale Ausmaße an und Hernando muss mit seiner Familie aus Granada fliehen. In Cordoba sieht er nicht nur eine Zukunft für sich, auch die Liebe zu einer Frau schenkt ihm endlich Hoffnung. Doch die Unterdrückung der Morisken durch die Christen geht unerbittlich weiter und Hernando steht zwischen den Fronten. Eine Entscheidung scheint unabdingbar.

     

    Ildefonso Falcones greift im vorliegenden Roman den Konflikt zwischen Christen und Morisken im 16. Jahrhundert auf. Letztere sind die Nachfahren der Mauren, welche über Jahrhunderte in Al-Andalus herrschten und unter Zwang den katholischen Glauben angenommen haben. Heimlich jedoch beten sie zu Allah, vervielfältigen die Schriften des Korans und lehren ihren Kindern den muslimischen Glauben.

     

    Ildefonso Falcones schildert anhand des Lebens von Hernando Ruiz die grausamen Ereignisse, welche sich in Spanien des 16. Jahrhunderts abspielten und zu einer Zwangsumsiedelung der Morisken aus Spanien zur Folge hatte. Dieses dunkle Kapitel der spanischen Geschichte beschreibt der Autor stellenweise sehr blutrünstig, was einen irgendwann leider ein wenig abstumpfen lässt. Weder Morisken noch Christen gehen zu jener Zeit zimperlich miteinander um. Da wird gemordet, gebrandschatzt, vergewaltigt und auf brutalste Weise von der Inquisition gefoltert. Hier wäre manchmal etwas weniger eindeutig mehr gewesen.

     

    Mit ebenso viel Liebe zum Detail beschreibt der Autor dann aber auch anschaulich und nachvollziehbar das Leben der Morisken in dieser unsicheren Zeit. Ihnen ist es verboten ihren muslimischen Glauben zu leben, wöchentlich müssen sie sich in der Kirche zeigen und werden schriftlich erfasst. Die Morisken müssen christlicher sein als jeder spanische Christ und werden doch von den Alt-Christen nicht akzeptiert und mit Verachtung bestraft. Viele Morisken akzeptieren die Zwangschristianisierung nicht, rebellieren im Untergrund dagegen und es kommt immer wieder zu blutigen Aufständen. Diesen mag sich Hernando nicht mehr anschließen, er glaubt an Toleranz zwischen den beiden Religionen und sucht eine Lösung für ein friedliches Miteinander.

     

    So detailreich Ildefonso Falcones auf das tägliche Leben der Morisken eingeht, so ausführlich schildert der Autor auch die politische Lage zur damaligen Zeit. Hierdurch erhält man einen guten und verständlichen Überblick über die Geschehnisse, wobei der Fokus klar auf den Morisken liegt.

     

    Keine Frage, Ildefonso Falcones hat das Thema verständlich aufgearbeitet, vermittelt sein Hintergrundwissen farbenfroh, bildgewaltig und atmosphärisch dicht. Stellenwese wünscht man sich bei den rund 900 Seiten aber schon, dass einzelne Szenen nicht so ausschweifend beschrieben wären, da diese Detailverliebtheit oft einfach die Spannung aus der ansonsten fesselnden und ereignisreichen Geschichte nimmt.

     

    Fazit: Bildgewaltiges Epos über ein dunkles Kapitel der spanischen Geschichte, packend, aber oft auch sehr detailverliebt erzählt.

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    MikeschMauss avatar
    MikeschMausvor 5 Jahren
    Die Pfeiler des Glaubens

    Ein sehr anspruchsvolles Buch, nichts für zwischendurch. Nach einem zähen Anfang konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Absolut gut geschrieben regt es zum Nachdenken an. Absolute Leseempfehlung!

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    Penelope1s avatar
    Penelope1vor 5 Jahren
    Spanische Geschichte lebendig erzählt!

    Spanien im 16. Jahrhundert: Ein Land, das durch einen Glaubenskrieg erschüttert wird, der unendlich viel Leid mit sich bringt - und das gleichzeitig voller Hoffnung ist…
    Christen und Muslime kämpfen einen erbitterten Kampf um den „wahren Glauben“ – während die Christen die Mauren bzw. Murisken dazu zwingen, zum Christentum überzutreten, beugen sich die meisten Murisken notgedrungen diesem Druck, beten jedoch insgeheim weiterhin zu Allah und geben nicht auf, damit ihr Glaube irgendwann endlich anerkannt wird.

    Vor dem Hintergrund dieses wahren historischen Hintergrundes hat Ildefonso Falcones einen Roman geschrieben, der den Leser eindrucksvoll und hautnah an diesem Glaubenskrieg teilnehmen lässt. Der Romanheld Hernando Ruiz ist zwischen beiden Welten hin- und hergerissen: Seine Mutter eine Muslime, sein Vater ein katholischer Pastor, der seine Mutter vergewaltigte. Er selbst nun also ein Muriske, ein Neuchrist, der ständig zwischen den beiden Glaubensgemeinschaften lebt: während er für die Christen der minderwertige Muslime und Neuchrist ist, der mühsam um sein Auskommen und jegliche Anerkennung kämpft, ist er für die Muslime der „Nazarener“, jemand, der zwar unter Muslimen wohnt, jedoch ein halber Christ ist und der sich offensichtlich zu den Christen hingezogen fühlt. Gar ein Verräter? Ein schweres Los, und selbst Hernando weiß oft nicht, wohin er gehört. Doch eines weiß er: es muss doch möglich sein, die beiden Glaubensgemeinschaften zusammenzuführen – irgendeine Gemeinsamkeit muss es doch geben , immerhin glauben alle an den gleichen Gott! Und so stellt er sein Leben in den Dienst der Sache, kämpft für die einen, gegen die anderen, gegen sich selbst, und lebt einen ständigen Spagat zwischen Liebe, Hoffnung, Zweifeln… Nicht einfach und oft genug droht er, daran zu zerbrechen….

    Ein Roman, der dem Leser nichts schenkt: Zunächst grausam – der Leser wird vor allen Dingen auf den ersten 200 Seiten nicht verschont: Diese Seiten sind geprägt von Kämpfen und Schlachten in den Dörfern - brutal, blutig und einfach nur schockierend! Nichts für schwache Nerven.
    Doch danach wird es etwas ruhiger : Hernando und sein Leben geraten etwas mehr in den Vordergrund und die Geschichte sammelt sich ein wenig - sie wird geordneter, überschaubarer, man hat sich inzwischen an die für uns ungewohnten ausländischen Namen gewöhnt, und die Seiten fliegen nur so dahin.
    Das Leben in Spanien wird immer bildhafter - alles andere als einfach, aber voller Hoffnung und fast „normal“, wenn auch immer wieder überschattet von Rückschlägen und Hindernissen, die sich dem Alltag in den Weg stellen.
    Je weiter das Geschehen und der Lebenslauf unseres Helden und Protagonisten Hernando verläuft –immerhin begleitet der Leser die spanische Geschichte und Hernando über 40 Jahre lang - umso deutlicher wird die Bedeutung des Glaubens für alle . Falcones hat historische Fakten mit der abenteuerlichen und durchaus sentimentalen, fiktiven Geschichte eines Murisken mitsamt Familie verknüpft, wodurch das Geschehen lebendig wird und der Leser unterhaltsam und gleichzeitig lehrreich Einblicke in einen wichtigen Abschnitt der spanischen Geschichte erhält.
    Ich fand es z.B. äußerst interessant, einige Eindrücke der muslimisch-religiösen Tradition zu erhalten, von denen ich bisher zugegebenermaßen nur sehr wenig wusste.
    Im Anhang gibt der Autor noch einige äußerst informative Erklärungen zum historischen Hintergrund, man spürt, dass es dem Autor ein Bedürfnis ist, diese Epoche dem Leser näherzubringen. Wie ich finde, sehr gelungen!


    Fazit: Ein faszinierendes Buch über eine wichtige Epoche Spaniens, in der Murisken und Christen einen Kampf austrugen, der bedeutend für das Land war. Bildhaft, sprachgewaltig, kein Buch für zwischendurch, kein Buch für schwache Nerven, aber auf jeden Fall ein Buch, dass eindrucksvolle Einblicke in die Geschichte Spaniens gibt und absolut lesenswert ist!

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    Naburas avatar
    Naburavor 6 Jahren
    Rezension zu "Die Pfeiler des Glaubens" von Ildefonso Falcones

    Im 16. Jahrhundert wird Andalusien Schauplatz eines schweren Konfliktes zwischen Christentum und Islam. 1592 wurde mit der Übergabe Grenadas die letzte große Stadt aus der Hand der Muslime gegeben. Die Muslime wurden daraufhin zwangsbekehrt. Von den Altchristen werden die sogenannten Neuchristen oder Morisken streng überwacht. Auch der junge Hernando und seine Familie bekommen dies zu spüren. Als Ergebnis einer Vergewaltigung seiner muslimischen Mutter durch den christlichen Pfarrer des Dorfes fühlt er sich zwar als Muslim, wird von den anderen Morisken jedoch als „Nazarener“ verspottet und findet sich immer wieder zwischen den Fronten wieder. Ganz besonders leiden muss er unter der Behandlung seines Stiefvaters Ibrahim, für den Hernando eine begabte, aber verachtenswerte Arbeitskraft ist. Als die Morisken einen verzweifelten Aufstand wagen, wird Andalusien ein Schauplatz von Grausamkeit und Fremdenfeindlichkeit in seinen schlimmsten Zügen, die auch für Hernando und seine Familie einen großen Umbruch bedeutet.

    Der Einstieg ins Buch ist mir sehr schwer gefallen. Die ersten etwa 150 Seiten berichten, wie Hernando den Aufstand der Morisken miterlebt. Als Maultiertreiber befindet er sich immer mitten im Geschehen und wird so Zeuge von Gewalt und Grausamkeit zwischen Christen und Muslimen. Jene ersten 150 Seiten waren so stark geprägt von den Beschreibungen der verschiedenen Schlachten, in denen stets Tötungen und Vergewaltigungen recht genau beschrieben wurden, dass ich kurz davor war, das Buch beiseite zu legen. Die historischen Ereignisse mögen vielleicht so stattgefunden haben, aber in der Länge lese ich so etwas trotzdem nicht gerne.

    Dann jedoch konnte mich die Geschichte doch noch in ihren Bann ziehen. Mit dem Ende des Aufstandes und der Ansiedlung von Hernando und weiteren Morisken in Cordoba legt sich die offene Gewalt, und es entsteht eine gut lesbare Geschichte, in welcher Hernando auf friedliche Weise für den Erhalt des muslimischen Glaubens in Andalusien kämpft, aber weiterhin von keiner der beiden Glaubensrichtungen gänzlich akzeptiert wird. Neben seinem Wirken für den Islam wird auch Hernandos Privatleben in die Geschichte eingebunden: Die Beziehung zu seiner Mutter und die Feindschaft zu seinem Stiefvater bieten ebenso Erzählstoff wie auch seine Bemühungen, seiner großen Liebe nah sein zu dürfen.

    Durch die verschiedensten Stationen, welche Hernando im Laufe der Geschichte durchläuft, erhält der Leser die unterschiedlichsten Einblicke in den Konflikt zwischen Christen und Muslimen sowie auch das alltägliche Leben in Andalusien im 16. und 17. Jahrhundert. Immer stärker habe ich mit Hernando mitgefiebert: Kann er vor den Christen geheim halten, dass er noch immer Richtung Mekka betet? Kann er sich aus den Fängen seines Stiefvaters befreien und seine große Liebe heiraten? Nach einem schwachen Einstieg habe ich mich doch noch für das Buch begeistern können, auch wenn immer wieder einige Längen auftraten. Ich kann das Buch an Leser von historischen Romanen weiterempfehlen.

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    S
    Sonoelvor 6 Jahren
    Rezension zu "Die Pfeiler des Glaubens" von Ildefonso Falcones

    "Die Pfeiler des Glaubens" ist eine akribische und gefühlsbetonte Darstellung des Lebens eines Mauren zur Zeit der Maurenaufstände und schließlich der Vertreibung derselben durch die Christen in der Zeit des 16./17. Jahrhunderts.
    Protagonist ist der junge Bastard aus der Vergewaltigung einer Maurin durch einen Priester, Hernando Ruiz. Gebrandmarkt durch die auffallenden blauen Augen des Priesters, hat dieser ein schweres Leben in seiner Gemeinde und besonders mit seinem Stiefvater. Während die Mauren ihn als "Nazarener" beschimpfen, sehen die Christen in ihm eine christliche Seele in den Fängen seiner maurischen Umgebung, und bemühen sich besonders um seine religiöse Erziehung, was wiederum sein Leben mit den Mauren nicht einfacher macht.
    Als die Unterdrückung der zwangsbekehrten Mauren, der "Neuchristen" durch die "Altchristen" immer schlimmer wird, schließen sich Rebellen mit Bergräubern, den Monfies, zusammen, und starten eine bewaffnete Revolte. Als für die Versorgung und den Transport der Beute wichtig werden auch der junge Maultiertreiber Hernando und sein Stiefvater Ibrahim mit einbezogen und lernen die Schrecken, aber auch Verlockungen der Aufstiegsmöglichkeiten im Krieg kennen. Dieser Krieg bringt Hernando die Begegnungen mit zwei Mädchen: mit der jungen Christin Isabel, und mit der Maurin Fatima. Und der Krieg stellt ihn immer wieder vor die Wahl, seinen Feinden und denen seines Volkes zu verzeihen und zu helfen, oder sich an ihnen zu rächen; auf seine Herkunft zu hören oder auf sein Gewissen. Die Kluft zwischen den Religionen zu vertiefen oder zu versuchen, sie zu glätten.
    Dabei beschreibt der Roman sein ganzes Leben vom jungen Mann bis zum Greis Hernandos gesamtes Leben und seine Arbeit im Konflikt zwischen den beiden Religionen.

    Obwohl wegen seiner Länge und des inhaltlichen Umfangs (hier wird schließlich ein ganzes Leben dargestellt!) eindeutig keine Lektüre für zwischendurch, hat dieses Buch es doch geschafft, mich über Tage hinweg zu beschäftigen und nicht mehr loszulassen.
    Die Figuren sind glaubhaft dargestellt und verändern sich sehr durch ihr Älterwerden, die Erfahrungen die sie machen und den Einfluss, die andere auf sie nehmen. Sie sind glaubhaft und sehr menschlich. Auch Hernando hat Fehler, und diese machen es dem Leser umso leichter, sich in ihn hineinzuversetzen. Hin- und hergerissen zwischen seiner religiösen Pflicht und den Notwendigkeiten, sich selbst und seine Familie zu retten und ein besseres Leben zu ermöglichen, zwischen seinen Pflichten und seinen persönlichen Wünschen, versucht Hernando, den bestmöglichen Weg zu finden - und macht damit nicht selten Fehler. Diese machen seinen Charakter umso liebenswerter.
    Dasselbe gilt für seine Familie und Freunde, für Widersacher und zeitweilige Mitstreiter. Lediglich die Darstellung der Christen gerät manchmal etwas zu einseitig.
    Die historische und geografische Welt, in der sich dieser Roman bewegt, ist bunt und detailverliebt beschrieben, das Leben der Menschen verschiedener Klassen in Spanien wird lebendig dargestellt. Ich persönlich liebe Bücher, in denen ich völlig versinken kann und deren Situationen mich auch dann nicht loslassen, wenn ich grade nicht das Buch vor der Nase habe - und dieses Buch war eindeutig so eines. Der Autor legt besonderen Wert auf die Architektur (auch der Buchtitel bezieht sich darauf, auf die Architektur der von den Christen annektierten ehemaligen Moschee in Cordoba), auf die geschichtlichen Hintergründe der politischen Diskussionen zwischen krichlichen und weltlichen Mächten zum Umgang mit den immer noch als Ketzer betrachteten "Neuchristen", und auf - die Pferdezucht der Andalusier. Grade diese Vertiefung der für die Hauptstory "Mauren gegen Christen" eigentlich nicht notwendigen Geschichte Spaniens hat mir das Buch umso glaubhafter gemacht.

    Die einzige Kritik an diesem Buch - obwohl man es nicht wirklich Kritik nennen kann, eher eine Warnung - es ist wirklich keine leichte Kost. Nichts für gemütliche romatische Stunden vor dem Kamin. Jemand, der nur bei Happy Ends wirklich glücklich ist, wird dieses Buch nach einem Kapitel schon aus der Hand legen! Dieses Buch ist schonungslos und beschönigt nichts. Beide Seiten des Krieges sind grausam (wobei die Christen als Herrscher mehr Gelegenheit haben, diese Grausamkeit auszuleben), und das wird auch ausgiebig geschildert, niemand ist fehler- oder sündenfrei. Es folgt für Hernando ein Schicksalsschlag nach dem anderen, nie ist er wirklich sicher.

    Wer ein herzerwärmendes Buch lesen will, lässt hiervon die Finger. Wer ein Buch lesen möchte, das etwas für den Kopf bietet, ein bisher wenig beleuchtetes Kapitel der europäischen Geschichte kennenlernen will, über die menschliche Natur nachdenken will und damit leben kann, dass Menschen nunmal grausam zueinander sein können - der ist mit diesem Buch richtig beraten.

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    mabuereles avatar
    mabuerelevor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Pfeiler des Glaubens" von Ildefonso Falcones

    Hernando lebt in Juviles im Königreich Granada im Jahre 1568. Hernando ist etwas über 14 Jahre alt. Auffallend sind seine blauen Augen, die er der Vergewaltigung seiner Mutter durch einen katholischen Priester verdankte. Sein Stiefvater Ibrahim ist Maultiertreiber. Hernando trägt den Spitznamen „Nazarener“, weil er in der christlichen Religion unterrichtet wird. Nur wenige wissen, dass sich der Junge auch perfekt im Koran auskennt und arabisch schreiben kann.
    Der Roman beginnt mit dem Aufstand der Mauren in Spanien gegen die christlichen Herrscher, und er erzählt die Geschichte bis zur endgültigen Vertreibung der Mauren aus Spanien.
    Ich war nahe dran, den Roman ca. auf Seite 200 abzubrechen. Es folgte Schlacht auf Schlacht und die Beschreibung der gegenseitigen Grausamkeiten. Man schenkte sich nichts. Hier wäre weniger mehr gewesen.
    Nach und nach zog mich der Roman aber doch in seinen Bann. Das lag vor allem an der Person des Hernando. Der junge Mann kennt beide Religionen und lernt, mit beiden zu leben. Dabei ist er im Innersten Muslim, darf das aber nach außen nicht zeigen. Seine Menschlichkeit und sein Vorhaben, Gemeinsamkeiten zwischen beiden Religionen zu finden und zu einem friedlichen Zusammenleben beider Völker beizutragen, geben dem Roman eine eigene Authentizität. Er steht nach Niederlagen wieder auf und muss erleben, wie ihn ehemalige Freunde des Verrats bezichtigen.
    Außer Hernando und seiner Familie bleiben die meisten Personen eher blass. Die Zwänge, denen sich Spanien politisch stellen musste, werden nur angedeutet. Gleiches gilt für die Verbündeten der Mauren. Wenige Worte nur zeigen, warum sie diese im Kampf im Stich lassen.
    Obwohl das Buch historisch exakt recherchiert wurde, fehlt mir Tiefgründigkeit. Es zeigt einige Längen. Dadurch wird die Spannung gemindert.
    Gut finde ich am Ende den Verweis auf historische Quellen, eingebundene Originalzitate und die Angabe des Datums zu Beginn der Kapitel.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Pfeiler des Glaubens" von Ildefonso Falcones

    Inhalt:
    Hernando ist der Sohn eines einfachen maurischen Eseltreibers. Zumindest der Sohn der Frau des Eseltreibers, denn der leibliche Vater ist der christliche Dorfpriester. Die Christen haben in Andalusien (Spanien) die Mauren und damit den islamischen Glauben wieder verdrängt und herrschen brutal über die "Ungläubigen". Ibrahim, der Eseltreiber, hasst wegen des christlichen Blutes seinen ältesten "Sohn".

    Hernando wächst auf in dem Krieg der Gläubigen gegen die Ungläubigen und leidet darunter. Warum können diese beiden Weltreligionen nicht nach ihren Gemeinsamkeiten schauen?

    Die Familie Hernandos erlebt Höhen und Tiefen, Siege und Vernichtung, Vertreibung und Flucht...

    Hernando selber durchlebt auch alles: Erfolg und fast totale Vernichtung, Glück und Unglück, Liebe und Hass...
    ** ** ** ** ** ** ***
    Schreibstil:
    Keine Besonderheiten. Verwendet einige arabische Vokabeln.
    ** ** ** ** ** ** ***
    Quintessenz:
    Das erste Buch von Falcones hat mir deutlich besser gefallen. Hier sind Dinge beschrieben, die die Geschichte nur in die Länge ziehen, ohne dass sie m.E. relevant wären. Trotz dieser Längen ist es eigentlich nie langweilig oder zäh, aber eben oft auch nicht spannend.
    Viele Details, die das Buch füllen, aber nicht die Geschichte.
    Geschichtliche scheinbar gut recherchiert und fundiert.
    Trotzdem die Geschichte in Spanien spielt, entwickelte sich bei mir eher der Eindruck des Orient statt Europas.

    Es ist die Geschichte über den Kampf der beiden Weltreligionen: Christentum gegen den Islam.
    ** ** ** ** ** ** ***

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    sollhabens avatar
    sollhabenvor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Pfeiler des Glaubens" von Ildefonso Falcones

    Falcones zweiter Roman beschreibt das Spanien des 16. Jahrhunderts. Die Glaubenskriege zwischen den Christen und den Muslimen (dort Morisken genannt) stehen im Mittelpunkt. Die Hauptfigur ist Hernando Ruiz (Ibn Hamid). Sein Leben und sein Schicksal werden in die Geschichte verwoben. Als Sohn einer Vergewaltigung von einem katholischen Priester bei seiner Mutter und seinem Stiefvater aufgewachsen, wird er immer wieder Zeuge wie sein Stiefvater Ibrahim seine Mutter Aischa schlägt und misshandelt. Gleichzeitig werden er, seine Familie und seine Glaubensbrüder von den Christen gedemütigt und verachtet.
    Nach einem blutig niedergeschlagenen Aufstand der Morisken müssen Hernando und seine Familie fliehen und werden so Teil einer grausamen Geschichte. Hernando versucht einen Weg zwischen den Religionen zu finden, jedoch gelingt es ihm nicht beide Glaubensrichtungen zu verbinden.

    Leider ist dieser Roman nicht annähernd so gelungen, wie „Die Kathedrale des Meeres“. Die Geschichte rund um Hernando und seine Familie ist wirklich sehr spannend und auch die historischen Hintergründe werden genau beschrieben und erklärt, dies ist jedoch auch der größte Nachteil. Die Geschichte erstreckt sich über knapp 900 Seiten und wirkt dadurch sehr gezogen und an manchen Stellen auch sehr langatmig. Die letzten 150 Seiten sind jedoch sehr gelungen und haben mich für viele recht langweilige Stunden wieder entschädigt.

    Ich könnte mir immer noch vorstellen, einen weiteren Roman von Falcones zu lesen.

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    G
    Gertvor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Pfeiler des Glaubens" von Ildefonso Falcones

    Dieser Roman ist natürlich ein ziemlicher Schmöker, über 900 Seiten. Das Ganze ist so ein wenig "opernhaft" angelegt, mit Lovestoriesm Happy End, dem ewig guten Hauptprotaginisten und den ewig schlechten Gegenspieler, den Christen.
    Bis zur Mitte des Romans hatte ich schon Probleme mit dem Geschehen und den einzelnen Erzählsträngen, danach wurde es dann doch interessanter mit einem fulminaten Schluss und Happy End.
    Das eigentlch Interessante für mich ist an diesem Buch der historische Hintergrund über die Unvereinbarkeit des Islams und der Christentums im Zusammenleben in Andalusien des 16.Jahrhunderts. Hier hat sich leider nicht sehr viel verändert.

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