Ilija Trojanow

 3,8 Sterne bei 521 Bewertungen
Autor von Der Weltensammler, Angriff auf die Freiheit und weiteren Büchern.
Autorenbild von Ilija Trojanow (© dolcetta - Thomas Dorn)

Lebenslauf

Ilija Trojanow wurde in Bulgarien geboren, flüchtete aber bereits mit sechs Jahren nach München. Ein Jahr später zog die Familie aufgrund eines Jobangebots seines Vaters nach Kenia, wo Trojanow die näschten 12 Jahre, abgesehen von einer dreijaährigen Unterbrechung in Deutschland, verbrachte. Er studierte Jura, Ethnologie und Havarie in Muenchen und Paris, bevor er den Marino Verlag gruendete und seine ersten Romane schrieb. Trojanow durchreiste Afrika, dessen Erlebnisse seine ersten Romane praegten, bevor er nach Indien übersiedelte. Von dort aus schrieb er Essays für zahlreiche deutsche Tageszeitungen. Der Schriftsteller wurde mit verschiedensten Literaturpreisen ausgezeichnet.

Neue Bücher

Cover des Buches Fans (ISBN: 9783103970616)

Fans

Erscheint am 24.04.2024 als Gebundenes Buch bei S. FISCHER.
Cover des Buches Gebrauchsanweisung für Indien (ISBN: 9783492277815)

Gebrauchsanweisung für Indien

Erscheint am 03.05.2024 als Taschenbuch bei Piper.

Alle Bücher von Ilija Trojanow

Cover des Buches Der Weltensammler (ISBN: 9783446233560)

Der Weltensammler

 (166)
Erschienen am 29.08.2011
Cover des Buches Angriff auf die Freiheit (ISBN: 9783423346023)

Angriff auf die Freiheit

 (90)
Erschienen am 01.08.2010
Cover des Buches EisTau (ISBN: 9783423142885)

EisTau

 (22)
Erschienen am 01.02.2014
Cover des Buches Der überflüssige Mensch (ISBN: 9783423348546)

Der überflüssige Mensch

 (17)
Erschienen am 01.06.2015
Cover des Buches Macht und Widerstand (ISBN: 9783596034550)

Macht und Widerstand

 (17)
Erschienen am 23.03.2017
Cover des Buches Doppelte Spur (ISBN: 9783596707379)

Doppelte Spur

 (14)
Erschienen am 22.02.2023
Cover des Buches Meine Olympiade (ISBN: 9783596198054)

Meine Olympiade

 (9)
Erschienen am 23.11.2017
Cover des Buches Nomade auf vier Kontinenten (ISBN: 9783423137157)

Nomade auf vier Kontinenten

 (11)
Erschienen am 01.11.2008

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Neue Rezensionen zu Ilija Trojanow

Cover des Buches Aufbrechen (ISBN: 9783596523498)
Mary2s avatar

Rezension zu "Aufbrechen" von Tsitsi Dangarembga

Afrikanische Emanzipation
Mary2vor einem Monat

Das Mädchen Tambudzai wächst in den 1960er Jahren in einem Dorf in Rhodesien (heute Simbabwe) in ärmlichen, bäuerlichen Verhältnissen auf. Da die Schule teuer ist, kann Tambudzai nur drei Jahre lang eine Dorfschule besuchen, während ihr älterer Bruder im Haus eines gebildeten Onkels weiterführenden Unterricht in der Missionsschule erhält. Durch den plötzlichen Tod des Bruders ergibt sich die Möglichkeit, dass Tambudzai an seiner Stelle die erhoffte Chance auf Schulbildung bekommt.

Sehr ambivalent empfindet Tambu das Patriarchat in ihrem Heimatland, in dem der Onkel über das Schicksal der gesamten Sippe Entscheidungen trifft. Sowohl ihre Eltern als auch sie persönlich sind abhängig vom Onkel, der seine Stellung teilweise zum Wohle der Familienmitglieder nutzt, sie andererseits aber bewusst abhängig von ihm bleiben lässt. Tambus Cousine und Freundin Nyasha geht an dieser Situation fast zugrunde.

In diesem kraftvollen ersten Roman der Autorin finden sich auch autobiographische Spuren. Dangarembga ist 1959 in Simbabwe geboren, wenngleich in einer anderen Situation als ihre Protagonistin Tambu. Neben dem ergreifenden Lebensweg von Tambu haben Themen wie „westliche Mission in Afrika“, „Entfremdung von der Herkunftsfamilie“, „Emanzipation“ und „Benachteiligung Schwarzer“ Raum bekommen.

Die Autorin Tsitsi Dangarembga gilt als „die weibliche Stimme Afrikas“. Diesen Titel trägt sie zu recht! Sehr reflektiert setzt sie sich mit der Problematik des Patriarchats und der Missionstätigkeit (mit Bildungsmonopol) auseinander. Ihr Debüt-Roman, den sie im Alter von 25 Jahren veröffentlichte, hat mich sehr beeindruckt.

Schon für sich genommen ist „Aufbrechen“ fesselnd und in sich abgeschlossen. Inzwischen haben zwei weitere Bücher die Trilogie vervollständigt. Dieser Lektüre schaue ich voller Erwartungen entgegen.

Volle Punktzahl und volle Leseempfehlung für ein Buch, das meine Weltsicht erheblich erweitert hat.

Cover des Buches Tausend und ein Morgen (ISBN: 9783103973396)
wandablues avatar

Rezension zu "Tausend und ein Morgen" von Ilija Trojanow

Zeitreisezeit ins Damalsdort
wandabluevor 2 Monaten

"Tausend und ein Morgen" funktioniert bestens als Hörbuch, als normales Buch möglicherweise nur bedingt. Von der Interpretation und den Timbres der drei Hörbuchsprecher, Birgit Minichmayr, Ilija Trojanow persönlich und Achim Buch, bin ich hingerissen!
Die Story ist im Prinzip einfach, ihre Darstellung ist es nicht, man muss sich mitnehmen lassen vom Flow und erstmal diese Fragen unterlassen: Wo bin ich, warum bin ich, was bin ich. Bist du nicht im Flow, ist es nicht dein Buch!
Trojanow zeichnet Zukunft, eine Zukunft, in der alle Probleme gelöst sind. Man lebt friedlich zusammen, jeder hat, was er braucht und es ist selbstverständlich, dass man seinen Teil zur Gemeinschaft beiträgt. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, in der Regel ist man sich einstimmig einig, wenn nicht, „ziehen nach der Abstimmung dennoch alle an einem Plan, so als ob sie von Anfang an dafür gewesen wären“. Diese moderat abweichenden Wortsetzungen Ilija Trojanows machen einen nicht unerheblichen Reiz des Romans aus. Natürlich weiß jeder, dass die Redewendung „an einem Strang ziehen“ heißt und nicht „an einem Plan“, aber der Autor modifiziert Redewendungen so gekonnt, listig und geschickt und humorig, dass man sich fragt, warum sich nicht seine Art der Redewendungen durchgesetzt hat, sie sind so einleuchtend. Das Vergnügen an diesen Neologismen nutzt sich niemals ab, zieht mich in seinen Bann und hat mich von Anfang an begeistert.
Die Handlung: Jeder hat seinen Platz in der neuen Gesellschaft, keiner ist unnütz, auch die Geschichtsforscher nicht, obwohl deren Arbeit häufig in Frage gestellt wird. Die Geschichtsforscher sind Zeitreisende mit Auftrag und einer hilfreichen KI im Kopf. Erstens sollen die Zeitreisenden herausfinden, wo im Damalsdort die entscheidende Wende stattfand, die die neue friedliche paradiesische Ordnung ermöglichte, darüber gibt es keine Aufzeichnungen -  und zweitens dürfen sie versuchen, gezielte menschliche Tragödien/Fehlentscheidungen zu korrigieren. 

Der Kommentar und das Leseerlebnis:
Das Leseerlebnis ist ein großer Spaß! Nicht nur können mich die Neologismen verzücken „Das Selbst ist zwei Vögel“, auch die Stimmen der Interpreten tragen einen in die jeweilige Zeit und sie lesen so geschickt, dass man sich zurechtfindet, auch wenn die Zeitsprünge ins Damalsdort unvermittelt beginnen und enden, denn die Fernreisezeit ist begrenzt und nach einer Weile wird man zurückgezogen. Der Wechsel vom HierJetzt und dem Damalsdort ist ein hübsches Zusammenspiel . Es ist entzückend, wenn im Jetzthier die nachrückende Generation fragt, was „Geld“ ist oder „Eifersucht“ oder „Wettbewerb“ - warum man mehr haben möchte als der andere, ist ihnen unerfindlich, weil das sei ja sinnfrei. Auch Müll gibt es keinen oder nur ganz wenig, etwas Neues wird nur hergestellt, wenn etwas Altes wirklich zu nichts mehr zu gebrauchen ist. Herrlich.
Die Zeitreisen führen Ciya und ihre Schwester zu den Piraten der Karibik, in die Tiefen grausamster Kolonialzeit, danach in einen Religionskrieg, den sie zu verhindern wissen, in die Olympiade 1984 von Sarajevo- obwohl diese Abzweigung eigentlich ein Unfall ist, und in die russische Revolution. Diese Reise ist beschwerlich und muss immer wieder neu gerichtet und wiederholt werden, weil Domroe den Zeitspiegel unscharf gestellt hat. Und deshalb heißt der Roman Tausend und ein Morgen.
Die vielen Ideen des Autors sind einfach nur herrlich, in einer der bereisten Gesellschaften besteht das bevorzugte Zahlungsmittel zum Beispiel aus Spiritual Credit Points. Man findet sich zurecht, wenn man sich einlässt. Dass das Paradies zu guter Letzt dann doch bedroht ist, macht betroffen. Bleiben Menschen immer Menschen, unverbesserliche Machtmenschen? Zum Glück gibt es ja noch die KI.
Der Roman ist in gewisser Weise musikalisch oder auch unaufdringlich lautmalerisch oder poetisch; oft endet ein Kapitel mit denselben Worten, mit dem das nächste beginnt: so ewas liebe ich! Die Charaktere sind wunderschön gemeißelt.

Fazit: Ein herrlicher Lesespaß, der allerdings wegen der vielen Lautmalereien beziehungsweise seiner Poetik und wegen der Timbres der HörbuchSprecher am allerbesten als Hörbuch funktioniert. Ich werde Ausschau nach weiteren Werken des Autors halten! 

Mein zweites Lesehighlight 2024!
Kategorie: Anspruchsvolle Literatur + SF
Verlag: S. Fischer, 2023
Als Hörbuch: Argon Verlag, 2023

Cover des Buches Tausend und ein Morgen (ISBN: B0CB6SPQCW)
wandablues avatar

Rezension zu "Tausend und ein Morgen" von Ilija Trojanow

Zeitreisezeit ins Damalsdort
wandabluevor 2 Monaten

"Tausend und ein Morgen" funktioniert bestens als Hörbuch, als normales Buch möglicherweise nur bedingt. Von der Interpretation und den Timbres der drei Hörbuchsprecher, Birgit Minichmayr, Ilija Trojanow persönlich und Achim Buch, bin ich hingerissen!
Die Story ist im Prinzip einfach, ihre Darstellung ist es nicht, man muss sich mitnehmen lassen vom Flow und erstmal diese Fragen unterlassen: Wo bin ich, warum bin ich, was bin ich. Bist du nicht im Flow, ist es nicht dein Buch!
Trojanow zeichnet Zukunft, eine Zukunft, in der alle Probleme gelöst sind. Man lebt friedlich zusammen, jeder hat, was er braucht und es ist selbstverständlich, dass man seinen Teil zur Gemeinschaft beiträgt. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, in der Regel ist man sich einstimmig einig, wenn nicht, „ziehen nach der Abstimmung dennoch alle an einem Plan, so als ob sie von Anfang an dafür gewesen wären“.  Diese moderat abweichenden Wortsetzungen Ilija Trojanows machen einen nicht unerheblichen Reiz des Romans aus. Natürlich weiß jeder, dass die Redewendung „an einem Strang ziehen“ heißt und nicht „an einem Plan“, aber der Autor modifiziert Redewendungen so gekonnt, listig und geschickt und humorig, dass man sich fragt, warum sich nicht seine Art der Redewendungen durchgesetzt hat, sie sind so einleuchtend. Das Vergnügen an diesen Neologismen nutzt sich niemals ab, zieht mich in seinen Bann und hat mich von Anfang an begeistert.
Die Handlung: Jeder hat seinen Platz in der neuen Gesellschaft, keiner ist unnütz, auch die Geschichtsforscher nicht, obwohl deren Arbeit häufig in Frage gestellt wird. Die Geschichtsforscher sind Zeitreisende mit Auftrag und einer hilfreichen KI im Kopf. Erstens sollen die Zeitreisenden herausfinden, wo im Damalsdort die entscheidende Wende stattfand, die die neue friedliche paradiesische Ordnung ermöglichte, darüber gibt es keine Aufzeichnungen -  und zweitens dürfen sie versuchen, gezielte menschliche Tragödien/Fehlentscheidungen zu korrigieren. 

Der Kommentar und das Leseerlebnis: 
Das Leseerlebnis ist ein großer Spaß! Nicht nur können mich die Neologismen verzücken „Das Selbst ist zwei Vögel“, auch die Stimmen der Interpreten tragen einen in die jeweilige Zeit und sie lesen so geschickt, dass man sich zurechtfindet, auch wenn die Zeitsprünge ins Damalsdort unvermittelt beginnen und enden, denn die Fernreisezeit ist begrenzt und nach einer Weile wird man zurückgezogen. Der Wechsel vom HierJetzt und dem Damalsdort ist ein hübsches Zusammenspiel . Es ist entzückend, wenn im Jetzthier die nachrückende Generation fragt, was „Geld“ ist oder „Eifersucht“ oder „Wettbewerb“ - warum man mehr haben möchte als der andere, ist ihnen unerfindlich, weil das sei ja sinnfrei. Auch Müll gibt es keinen oder nur ganz wenig, etwas Neues wird nur hergestellt, wenn etwas Altes wirklich zu nichts mehr zu gebrauchen ist. Herrlich.
Die Zeitreisen führen Ciya und ihre Schwester zu den Piraten der Karibik, in die Tiefen grausamster Kolonialzeit, danach in einen Religionskrieg, den sie zu verhindern wissen, in die Olympiade 1984 von Sarajevo- obwohl diese Abzweigung eigentlich ein Unfall ist, und in die russische Revolution. Diese Reise ist beschwerlich und muss immer wieder neu gerichtet und wiederholt werden, weil Domroe den Zeitspiegel unscharf gestellt hat. Und deshalb heißt der Roman Tausend und ein Morgen.
Die vielen Ideen des Autors sind einfach nur herrlich, in einer der bereisten Gesellschaften besteht das bevorzugte Zahlungsmittel zum Beispiel aus Spiritual Credit Points. Man findet sich zurecht, wenn man sich einlässt. Dass das Paradies zu guter Letzt dann doch bedroht ist, macht betroffen. Bleiben Menschen immer Menschen, unverbesserliche Machtmenschen? Zum Glück gibt es ja noch die KI.
Der Roman ist in gewisser Weise musikalisch oder auch unaufdringlich lautmalerisch oder poetisch; oft endet ein Kapitel mit denselben Worten, mit dem das nächste beginnt: so ewas liebe ich! Die Charaktere sind wunderschon gemeißelt.

Fazit: Ein herrlicher Lesespaß, der allerdings wegen der vielen Lautmalereien beziehungsweise seiner Poetik und wegen der Timbres der HörbuchSprecher am allerbesten als Hörbuch funktioniert. Ich werde Ausschau nach weiteren Werken des Autors halten! 

Mein zweites Lesehighlight 2024!
Kategorie: Anspruchsvolle Literatur + SF
Verlag: S. Fischer, 2023
Als Hörbuch: Argon Verlag, 2023

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Zusätzliche Informationen

Ilija Trojanow wurde am 23. August 1965 in Sofia (Bulgarien) geboren.

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