Alle Bücher von Ilka Piepgras

Neue Rezensionen zu Ilka Piepgras

Neu
M

Rezension zu "Wie ich einmal auszog, den Tod kennenzulernen, und dabei eine Menge über das Leben erfuhr" von Ilka Piepgras

Intensiv und persönlich
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Intensiv und persönlich

Der Auslöser war persönlicher Natur. Nicht als Betroffene einer todbringenden Krankheit, sondern als Nachbarin eines Mannes, der mit knapp über 50 Lebensjahren einfach tot umfiel.

Ein Erlebnis, das Piepgras nicht nur erschreckt hat, ihr nicht nur die erste Begegnung mit einer Leiche auferlegte, sondern ein Erlebnis, dass nachhallte. Wie die Autorin so treffend schreibt, ein „Aufrütteln“, durchaus ihrer Generation (Der „Baby-Boomer“) gemäß wie eine Art „narzisstische Kränkung“ tritt der Tod in das Leben.

„Bis unser Nachbar starb, stellte ich mitunter Sterben nicht viel vor. Eines dieser unangenehmen Themen für später, wenn man alt ist“.

„Babyboomer sind in Frieden und Wohlstand hineingeboren worden….ihr Lebensstil ist materialistisch auf Fortschritt ausgerichtet. Wir sind unablässig mit uns selbst beschäftigt und lehnen körperlichen Verfall ab“.

Das mag nicht auf jeden zutreffen, ist aber sicherlich überwiegend durchaus treffend formuliert. Dies, in Verbindung mit der „Exklusion“ des Todes heraus aus der Mitte des Lebens und der Familien hinein in Krankenhäuser und Pflegeheime und verbunden mit der immensen (zumindest, was die hohen Summen angeht, die investiert werden) Forschung zur „Bekämpfung des Todes“ in der digitalen Welt des Silicon Valleys und bei Google, führt zu einem „“Status“ des Todes als „Besiegbar“. Zumindest im Denken.

Auch diese „Seitenlinien“ des Themas führt Piepgras im Lauf ihres Erfahrungsberichtes und ihrer Reflexionen mit an und aus, o dass dieses Buch rundum so ziemlich alle Themen abdeckt, die mit dem Tod einhergehen. Von digitalen Helfern zur Regelung des Nachlasses bis hin zur „Blase der Zeitlosigkeit“ bei der Begleitung sterbender Menschen.

Trotz aller Literatur und Wiederentdeckung des Themas in den letzten Jahren, das „ars moriendi“, die „Kunst des Sterbens“, über Jahrhunderte ein zentrales, existenzielles Thema, das Leben im Vertrauen auf den eigenen Glauben friedlich dahingeben zu können (nach einem möglichst erfüllten Leben), das ist noch lange nicht wieder in der Mitte des Lebens der Gegenwart angelangt.

„Aber wie kann man das Sterben lernen, ohne selbst betroffen zu sein“?

Indem man, und das hat die Autorin vollzogen, Sterbebegleiterin im Rahmen der Hospizbewegung wird. In diesem Falle als ambulante Begleiterin in einer Berliner Hospiz-Gruppe.

Viel Sterben also taucht (aus erster Hand erzählt) im Buch auf.

„Ich bin müde vom Nichtstun und Tag und Nacht sind eins“. Das ist einer der markanten Sätze, die dem Leser vermittelt werden. Ebenso, wie dieser tiefe Rückzug in sich selbst, wenn es an die letzten Stunden, Tage geht. Die Wendung des Blickes nach Innen.

Ungeschminkt, unprätentiös und ohne Pathos, aber auch nicht nüchtern, sondern emotional bewegt versteht Piegras es bestens, ihre Erlebnisse auf den Punkt zu erzählen und den Leser (mit Distanz natürlich) mit an das Sterbebett verschiedenster Menschen und Tode zu nehmen.

Mit, wie erwähnt, vielfachen Nebeninformationen versehen, schälen sich so mehr und mehr für den Leser die existenziellen Momente heraus. Die „Zeitlosigkeit“ im Sterben, in dem die Welt nicht mehr von großer Bedeutung ist (außer der Sorge um die eigenen Lieben). Das „Todesrasseln“. Die tiefe Spiritualität, die in diesen Momenten „den Raum betritt“ (und man glaubt Piepgras, dass dies nicht eine „gemachte“ Emotion ist).

„Ich verlasse das Hospiz in einem eigenartigen Zustand von Schwerelosigkeit. Als wäre die Lebensenergie, die der sterbenden Frau entweicht, auf mich übergegangen“.

Berührende Momente, ohne kitschig zu wirken. Ein „Erlebnisbericht“ des Sterbens, der eine fulminante Lebenskraft bei der Autorin immer wieder spürbar in den Raum setzt. Ein Buch, das man gelesen haben sollte in einer Zeit, in der das eigene „Ich“ das höchste der Werte zu sein scheint. Um Umgang zu finden mit der „Mitteilung des Universums“, „nicht gebraucht zu werden“. Zumindest irgendwann „nicht mehr“ gebraucht zu werden.

Kommentieren0
6
Teilen

Rezension zu "Meine Freundin, die Nonne" von Ilka Piepgras

Rezension zu "Meine Freundin, die Nonne" von Ilka Piepgras
Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Jahren

Charlotte studiert Kunst und geht während eines Studienaufenthalts in Griechenland in ein orthodoxes Kloster. Dort läuft ihr ein Priestermönch über den Weg, der sie fragt, ob sie aus ihrem Herz eine Kirche für Christus machen möchte. Charlotte antwortet ohne zu zögern mit Ja. Aus der Kunststudentin Charlotte wird die orthodoxe Nonne Diodora. Ilka Piepgras, die Jugendfreundin von Charlotte hat sich auf den Weg nach Griechenland, um heraus zu finden was aus der Freundin von damals geworden ist. Ihre alte Freundin Charlotte existiert nicht mehr, doch Ilka findet in Diodora eine neue Freundin.
Ein berührendes Buch über den Glauben und eine faszinierende Reise in die Welt des orthodoxen Christentums.

Kommentieren0
20
Teilen
Buecherviechs avatar

Rezension zu "Meine Freundin, die Nonne" von Ilka Piepgras

Rezension zu "Meine Freundin, die Nonne" von Ilka Piepgras
Buecherviechvor 9 Jahren

Im Laufe des Lebens verliert man oft Sandkastenfreunde aus dem Blick, entwickelt sich auseinander.
Wie begegnet man sich nach 20 Jahren wieder?
Wie sieht die Leben aus, wenn eine Freundin eine Familie begründet hat und die andere griechisch-orthodoxe Nonne wurde?
Die Antwort darauf findet man in diesem Buch, die Frage nach der Rolle des Glaubens im eigenen Leben, den Entscheidungen, dem Alltag, der Gewichtung verschiedener Aspekte.
Ilka Piepgras ist Journalistin und beschreibt das jetzige, irgendwie sehr fremde Leben einer solchen Schulfreundin, die sie neu kennengelernt hat. Zugleich ist es ein wunderbarer Einblick in das griechisch-orthodoxe Christentum, dem Zauber Griechenlands, einmal aus einer anderen Perspektive. Nie biedert sich die Autorin an, sondern versucht zu verstehen, nachzuvollziehen, begibt sich in die andere Lebenswelt hineinzuvollziehen.
Dieses Abenteuer, das andere Zeit-erleben und -wahrnehmen hat mich mitbegrissen, eine Sehnsucht nach einer Griechenlandreise hervorgerufen und zum Denken angeregt. Dabei ist der Stil sehr flüssig, leicht zu lesen und dennoch bleibt der Ton immer ausgewogen, ergreift keine Partei, sondern schildert das Gesehene - und das Empfundene.

Kommentieren0
18
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 8 Bibliotheken

von 2 Lesern aktuell gelesen

Worüber schreibt Ilka Piepgras?

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks