Und Marx stand still in Darwins Garten

von Ilona Jerger 
3,9 Sterne bei106 Bewertungen
Und Marx stand still in Darwins Garten
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Positiv (67):
wbetty77s avatar

Ein eindrucksvoller, nachdenklicher Roman über zwei Persönlichkeiten, die das moderne Denken stark beeinflussten.

Kritisch (9):
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Einige interessante und auch unerwartete Einblicke, leider auch oft wenig authentische und hölzerne Dialoge.

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Inhaltsangabe zu "Und Marx stand still in Darwins Garten"

England, 1881. Zwei bedeutende Männer leben nur wenige Meilen voneinander entfernt: Charles Darwin in einem Pfarrhaus in Kent und Karl Marx mitten in London. Beide haben mit ihren Werken, der eine zur Evolution, der andere zur Revolution, die Welt für immer verändert. Beide wissen es und sind stolz darauf. Und doch sind sie schlaflos und melancholisch. Eines Abends begegnen sich die beiden bei einem Dinner zum ersten Mal. Schnell kreist ihre Diskussion um Gott und Gerechtigkeit — doch unausweichlich kommt es zum Streit, und der Abend endet in einem Eklat. Dennoch haben der großbürgerliche Naturforscher und der ewig klamme Revolutionär mehr gemeinsam, als sie sich eingestehen wollen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783548290614
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:Ullstein Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum:30.11.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 30.11.2018 bei Hörbuch Hamburg erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor einem Monat
    Darwin, Darwin, Darwin, ach ja und Marx

    Die letzten Wochen und Monate zweier großer Denker des ausgehenden 19. Jahrhunderts Charles Darwin und Karl Marx. Sehr unterschiedliche Charaktere, die doch einiges gemeinsam haben. In dem vorliegenden ersten Roman von Ilona Jerger, die sonst Sachbücher im C.H.Beck Verlag geschrieben hat, bringt sie uns diese beiden Denker näher.

    Darwin ist krank, allerdings nicht so sehr, wie er sich immer wieder einbildet. Besonders agil und aufgeweckt wird er, wenn sein Arzt Dr. Beckett ihn besucht. Sie reden viel über Darwins Forschungen und Experimente, Beckett hört sich an, was Darwin herausgefunden oder festgestellt hat. Dr. Beckett ist sich sicher, dass das Gespräch ebenso eine beruhigende (heilende?) Wirkung haben kann.
    Marx hingegen wirkt eher wie ein Griesgram, aber auch er ist krank und Dr. Beckett wird sein Arzt.
    Durch die fiktive Figur Dr. Becketts, bringt Ilona Jerger diese beiden Persönlichkeiten zusammen und erzählt vom Ende ihrer Leben.
    Da die Autorin viel im Vorfeld eigentlich ausschließlich mit Darwin beschäftigt hat, nimmt dieser einen deutlich größeren Teil ein und Marx kam mir persönlich zu kurz. Die Beschreibungen der Charaktere der beiden sind allerdings wirklich gut gelungen. Man kann sie sich vorstellen und hat sie genau vor Augen. Besonders interessant sind Darwins Forschungen und auch der Einschub seiner Erlebnisse auf der Fahrt mit der "Beagle". Seine Experimente mit Pflanzen und zum Schluss mit Regenwürmern sind spannend und Darwins Schlussfolgerungen höchst aufschlussreich. Am liebsten möchte man mit dabei gewesen sein. Dem Denker beim denken zuhören.
    Schade ist nur, dass das Buch so kurz ist und damit das Eintauchen in die tiefere Geschichte nicht möglich, sie bleibt ein wenig flach. Auch wird einfach zu wenig über Marx erzählt. Zwar wird sein familiärer Hintergrund beschrieben, aber seine tieferen Gedanken nicht ausgebaut. Ilona Jerger ist Darwin mehr verbunden und hat sich mehr mit ihm beschäftigt und das spürt man auch in diesem Buch.

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    wbetty77s avatar
    wbetty77vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein eindrucksvoller, nachdenklicher Roman über zwei Persönlichkeiten, die das moderne Denken stark beeinflussten.
    Gibt es Gott?

    „Und Marx stand still in Darwins Garten“ erzählt von einer fiktiven Begegnung zweier bedeutenden Personen der neuzeitlichen Wissenschaft, die im Temperament nicht unterschiedlicher hätten sein könnten. Beide befinden sich in ihren letzten Lebensjahren und haben mit allerlei körperlichen Gebrechen zu kämpfen.
    Durch Zufall werden sie von einem Arzt, Dr. Beckett, behandelt. Ein moderner, der Wissenschaft zugeneigter Mann, welcher bei seinen Diagnosen den ganzen Menschen in Betracht zieht. Durch seinen Behandlungsansatz nimmt Dr. Beckett sich die Zeit für Gespräche. Durch sein Interesse und seine Neugier an den Forschungen Darwins und dem Wesen Marx, kommt es häufig zu Diskussionen über moderne Thesen. Die alles bestimmende Frage, auf die es hinausläuft, ist die nach einem Gott.



    Charles Darwin ist alt geworden. Sein Körper gibt ihm das auf vielfältige Weise zu verstehen. Kurz vor seinem Abschluss zur Erforschung der Regenwürmer, lässt er sein Leben Revue passieren. Seine Evolutionstheorie widerlegt die Schöpfungsgeschichte und stellt damit die Existenz Gottes in Frage. Seine zutiefst gläubige Frau, versucht ihn am Ende des Lebens zu bekehren. Atheisten versuchen Darwin als Vorbild zu nutzen. Doch Darwin selbst weigert sich seine Forschungen in einem anderen Kontext als den naturwissenschaftlichen zu sehen.
    Marx kämpft in seinem Londoner Exil, nur wenige Meilen von Darwin entfernt, mit dem zweiten Band des Kapitals. Ihn plagt eine schwere Lungenentzündung. Ohne die Zuwendungen seines Freundes Engels käme Marx kaum über die Runden.

    Ilona Jerger beschreibt die letzten Monate zweier großer Wissenschaftler. Darwin ein gut situierter, konservativer Mann der Upperclass. Marx stets pleite, aufbrausend und mit revolutionären Gedanken. Durch die anschauliche Erzählung der Autorin kommt man der Persönlichkeit der beiden Männer näher, die trotz aller Unterschiede auch viel gemein haben.

    Der gemeinsame Arzt als verbindende Figur, nimmt durch seine eigenen Gedanken zu Gott und der modernen Arbeitswelt, eine vermittelnde Stellung ein. Der Roman erzählt auf ruhige, nachdenkliche Art von den damals vorherrschenden Themen. Vor allem die naturwissenschaftlichen Forschungen, stellen die alte Grundordnung in Frage.

    Zwar erklärt der sehr gut recherchierte Roman vieles, dennoch ist es von Vorteil ein Grundwissen über die Theorien der Zeit zu haben. Ebenfalls sollte man ein gewisses Interesse für das Thema mitbringen, ansonsten wird es anstrengend. Ich für meinen Teil habe einige bemerkenswerte Details über die Person Darwins erfahren. Es ist auf jeden Fall ein Buch, das zum Nachdenken anregt und den Leser am Ende etwas klüger gemacht hat.

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    Giselle74s avatar
    Giselle74vor 4 Monaten
    Darwin und der Regenwurm

    Mit ihrem ersten Roman gelingt Ilona Jerger ein ruhiges, melancholisches Bild des gealterten Charles Darwin. Als Berühmtheit ungewollt vor alle möglichen Karren gespannt, von seiner tiefgläubigen Frau unter Druck gesetzt und von diversen Zipperlein geplagt, zieht er sich zurück, um den Regenwurm zu erforschen. Zeitgleich zieht er Bilanz, sinniert über den Sinn und Zweck seines Forschens. Ein gern gesehener Gesprächspartner ist dabei sein Hausarzt Dr. Beckett, ein angesehener Mediziner und angenehmer Gesellschafter.
    Der unaufgeregte Ton und die langsame Entfaltung des Geschehens haben mich ein wenig an Kehlmanns "Die Vermessung der Welt" denken lassen, das ich zu meinen Lieblingsbüchern zähle.
    Die Charaktere fand ich glaubwürdig gezeichnet, insbesondere auch Darwins Frau Emma, die zerrissen wird von der starken Liebe zu ihrem Gatten, ihrem tiefen Glauben und der Angst ihren ungläubigen Mann nach dem Tode nicht wiedersehen zu dürfen. Aber auch Dr. Beckett, aufgeschlossen und nach Wissen strebend, ist ein durchaus interessanter Mann. Schlußendlich ist er auch verantwortlich für das Zusammentreffen von Darwin und Marx.
    Und hier kommen wir zu dem für mich unverständlichen Teil des Romans. Karl Marx wird anfänglich ähnlich umfassend eingeführt wie Darwin, es scheint alles auf das Treffen zuzulaufen und dann läßt die Autorin Marx mehr oder weniger im Regen stehen und sein Part verläuft im Sande. Das ist schade. Denn auf der einen Seite hätte es Marx' nicht bedurft, um Darwins letzte Jahre zu beschreiben und auf der anderen Seite wäre es spannender gewesen, hätte man die Beiden zu Gegenpolen aufgebaut. So nun aber wird Marx immer mal wieder ins Gedächtnis des Lesers gebracht, sein Tun bleibt aber für das Geschehen irrelevant. Was also genau macht er in Darwins Garten und wieso ist gerade der Schwerpunkt eines Buches sein am wenigsten ausgearbeiteter Part? Ein interessantes Gedankenspiel hätte man ja durchaus daraus entwickeln können, denn zu einer realen Begegnung ist es nie gekommen. Auf der einen Seite der unermüdliche Forscher und Weltentdecker, auf der anderen Seite der Schreibtischphilosoph und Denker, das hätte Potenzial gehabt.
    So kann ich abschließend nur sagen, dass mir Stil, Sprache und Thema des Romans grundsätzlich sehr gut gefallen haben, mir aber eine rote Linie fehlt (im wahrsten Sinne des Wortes) und das Ganze mich deshalb etwas uninspiriert zurück gelassen hat.

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    S
    Schneilavor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Interessantes und gut geschriebenes Buch über zwei Größen unserer Menschheit. Ich habe mir allerdings mehr erhofft.
    Ein sehr schön geschriebenes Buch, dass einem die Charaktere Marx und Darwin näher bringt.

    Inhalt


    In "Und Marx stand still in Darwins Garten" versucht die Autorin Ilona Jerger dem Leser die beiden Persönlichkeiten Karl Marx und Charles Darwin näher zu bringen. Dabei schreibt sie aus der Perspektive der beiden Wissenschaftler und präsentiert ihre Vorstellung der Charaktere und Lebensweise. 
    Charles Darwin lebt zum Ende seines äußerst erfolgreichen Lebens am Rande Londons in einem Landhaus. Sein Garten wuchert noch immer über von all seinen kleinen Versuchen, Experimenten und der Natur, die er so liebte. Als studierter Theologe hat er nicht nur damit zu kämpfen, dass ihm nachgesagt wird er hätte Gott getötet durch seine Erkenntnisse, auch gesundheitlich steht es schlecht um ihn. Sein Artzt, Dr. Beckett hat allerdings nicht nur ihn in Behandlung, sondern seit Kurzem auch Karl Marx, der nach der Veröffentlichung von "das Kapital" in London im Exil lebt und um dessen Gesundheit es ebenfalls nicht sehr gut bestellt ist. Zufällig kommt es zu einem Treffen der beiden Wissenschaftler.

    Meine Meinung

    Ich habe mir von diesem Roman erhofft, durch Diskussionen und Erzählungen mehr über die Werke und Gedanken der Beiden zu erfahren. Über die Gedankengänge habe ich auch einiges gelernt, jedoch kamen meiner Meinung nach die beiden Werke etwas kurz. Die Autorin erklärt am Ende auch, dass das nicht ihre Intention war, beim Kauf war mir das allerdings nicht klar. 
    Dennoch kann ich das Buch empfehlen, es liest sich sehr gut und hat mein Interesse, mehr über Marx und Darwin zu erfahren, eindeutig geweckt. 

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    Christian_Mayers avatar
    Christian_Mayervor 5 Monaten
    Eineinhalb Charakterportraits

    Dass Marx im Jahr 2018 seinen zweihundertsten Geburtstag feiern würde, davon zeugen alleine die vielen Veröffentlichungen und Diskussionsrunden in den Polit-Talkshows. Die Entwicklung der Wirtschaft hin zu einer Industrie 4.0 und die damit einhergehende Digitalisierung macht die Welt der Wirtschaft noch diskussionswürdiger, wenn nicht gar diskussionsnötiger. Vermutlich deshalb erlebt das Denken Marx bisweilen eine Renaissance und man stellt sich die Frage, was war das eigentlich für ein Mensch, dieser Marx? Ein Mensch, der - anders als es sein Plan war - die Gesellschaft spaltet wie kein zweiter. In jene, die im Zusammenbruch der DDR und anderen kommunistischen System die Widerlegung des großen Denkers sehen und jene, die richtigerweise anführen, dass es bisher kein kommunistisches System gab, das den Namen Marx verdient hätte und die alten wie neuen Systeme die Marx'sche Idee geradezu pervertiert haben. Kurzum: Marx polarisiert! Marx ist aktuell!
    Da lockt ein Titel wie "Und Marx stand still in Darwins Garten" geradezu. Auch, weil die Autorin Ilona Jerger hier etwas äußerst Spannendes verspricht.
    In ihrem Debütroman kommt es zu einem Treffen zweier großer Forscher - auch wenn es dieses Treffen historisch nie gegeben hat. Zeitgleich, gut 20 Kilometer entfernt, lebte nämlich Charles Darwin. Eine Person, die geläufiger, bekannter ist als Marx und die weit weniger Kontroversen auslöst, auch wenn es diese gibt.
    Schade ist etwas, dass der Titel mehr Wahrheit enthält, als vermutlich beabsichtigt war. Im Zentrum des Geschehens steht der (historisch) fiktive Arzt Dr. Beckett, der sowohl Darwin als auch Marx behandelt und sich bei seinen Visiten mit diesen über ihre Theorien unterhält. Ilona Jerger gelingt dies auf eine sehr angenehme und authentische Art und Weise. Allerdings zeigt sich, dass sie - wie sie abschließend auch selbst anführt - sich ursprünglich mit Charles Darwin beschäftigt hat und mehr zufällig herausgefunden hat, dass Karl Marx zeitgleich in der Nähe wohnte. So tritt Darwin deutlich präsenter in Erscheinung, während Marx blasser bleibt und teilweise wirklich nicht viel zu sagen hat - auch nicht in Darwins Garten, als die beiden geistigen Schwergewichte im Haus der Darwins zusammenkommen.
    Das Besondere an diesem Roman ist, dass er sich nicht einordnen lässt in die klassischen Genres wie Krimi, Thriller, Biographie etc. Jergers Werk ist mehr ein Charakterportrait. Genauer: eineinhalb Charakterprotraits. Während nämlich Darwin mit seinen Ansichten plastisch und damit greifbar wird, bekommt man von Marx und seinem Denken mehr eine Ahnung. Das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass uns Darwins Evolutionstheorie deutlich geläufiger ist als Marx' "Das Kapital". Doch dieser Wehrmutstropfen fällt kaum ins Gewicht angesichts der ansonsten tollen Umsetzung. Ilona Jerger versteht ihr Handwerk, entwickelt überzeugende Dialoge, gibt ihren Figuren Authentizität und erzählt damit eine absolut glaubwürdige Geschichte, die nicht nur sprachlich ein Genuss ist. Hoffen wir, dass wir von dieser Autorin noch mehr zu lesen bekommen werden.

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    101844s avatar
    101844vor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Einige interessante und auch unerwartete Einblicke, leider auch oft wenig authentische und hölzerne Dialoge.
    Viel zu sagen hatte Marx tatsächlich nicht...

    Die zugrunde liegende Idee des Romans ist sehr interessant. Was hätten Darwin und Marx einander zu sagen, was eint oder trennt die beiden Männer!?Ilona Jerger beginnt mit einem Einblick in den Alltag des altersschwachen Darwin. Seine Psyche und Physis werden dargelegt. Es ist faszinierend, in die Gedankenwelt des Forschers einzutauchen und auch einen voyeuristischen Blick auf sein Eheleben werfen zu dürfen. Mindestens genauso unterhaltsam, gestaltet sich die Charakterisierung von Karl Marx als groben, liebenswerten Kerl. Das Bindeglied der beiden Männer ist scheinbar der philosophische Arzt Dr. Beckett. Dieser bricht seine Schweigepflicht und fungiert als Plaudertasche zwischen seinen Patienten. Das schließliche Zusammentreffen der beiden Helden bedurfte dieser Unprofessionalität nicht und als Lesende/r fragt man sich unweigerlich, wozu dieser Kniff nun diente.Die Dialoge wirken teilweise hölzern und nicht immer ganz authentisch. Sprachlich finden sich einige unschöne Formulierungen, die beim Lesen ein Stirnrunzeln hervorriefen. Für Wissenschaftler*innen scheint mir dieser Roman ungeeignet, aber für interessierte Laien ohne wissenschaftlichen Anspruch ist es sicherlich ein unterhaltsames Buch. Der humorvolle Schreibstil der Autorin entlockte beim Lesen mehrmals ein Schmunzeln.

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    buchstabensuechtigvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Eine charmante Geschichte einer fiktiven Begegnung.
    Das Leben der Regenwürmer

    Fantastisch fiktive Begegnung zwischen Marx und Darwin: die beiden sind einander nie begegnet, haben aber ihre letzten Lebensjahre nicht weit voneinander entfernt - und auch nicht unbedingt in verschiedenen Gesellschaftskreisen - verbracht. Ilona Jerger nutzt den Hausarzt, um ein fiktives Treffen der beiden zu arrangieren. Darwin, gegen Ende seines Lebens desillusioniert und nur mehr am Werk über seine Regenwürmer interessiert, lehnt ein Treffen mit Marx ab. Er hat wohl mal "das Kapital" bekommen, aber die Seiten nie voneinander gelöst. Und auch Marx ist zu dieser Zeit nicht mehr der motivierte, revolutionäre Aktionär, sondern stellt sich selbst, seine Überzeugungen und seine Motive in Frage. Und dann ist da noch Polly, Darwins Hündin, die ihre eigene Art hat, die beiden zu beurteilen. Charmant geschrieben, unbedingt lesenswert!

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    littleowls avatar
    littleowlvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Der Roman ist großartig recherchiert und hervorragend geschrieben, allerdings ist der Plot leider praktisch nicht vorhanden.
    Und Marx stand still in Darwins Garten

    3,5 Sterne

    Meine Meinung

    Karl Marx und Charles Darwin, zwei der bedeutendsten Persönlichkeiten der Neuzeit, haben jahrelang nur wenige Meilen voneinander entfernt gelebt, sind einander aber nie begegnet. In ihrem Debütroman spekuliert Ilona Jerger, wie ein Treffen zwischen ihnen wohl ausgesehen hätte. Ich finde es immer faszinierend, wenn Autoren historische Fakten bzw. Persönlichkeiten mit Fiktion mischen, daher hat „Und Marx stand still in Darwins Garten“ sofort mein Interesse geweckt. Kurz nach Erscheinen des Romans habe ich außerdem einige sehr positive Besprechungen dazu gelesen, die meine Neugier noch weiter gesteigert haben.

    Dem Buch liegt eine Broschüre mit ansprechend aufbereitetem Hintergrundwissen zu Marx und Darwin sowie einem Interview mit der Autorin bei. Dabei handelt es aber mehr um ein schönes Gimmick, man kann den Roman auch problemlos ohne diese Informationen lesen. Beim Lesen merkt man sofort, dass die Autorin viel Zeit und Mühe in die Recherche investiert hat. Die gesundheitlichen Probleme der beiden Protagonisten werden mit ebenso viel Fachkenntnis beschrieben wie ihre Arbeit und die Rezeption ihres Werks im viktorianischen England. Ilona Jerger gelingt der Spagat, Charles und Darwin einerseits historisch akkurat darzustellen, sie andererseits aber auch in dreidimensionale Romanfiguren zu verwandeln. Die Autorin erstarrt nicht in Ehrfurcht vor den historischen Persönlichkeiten, sondern haucht ihnen für ihre Gesichte neues Leben ein.

    Beide Hauptcharaktere sind interessant und auf ihre Weise liebenswert, haben jedoch auch menschliche Schwächen und Macken. Der große Naturforscher Darwin hat das Herz am rechten Fleck, ist aber privat sehr konfliktscheu und reagiert empfindlich darauf, wenn seine häusliche Routine gestört wird. Es entsteht das Porträt eines Menschen, der für seine Forschung lebt und gleichzeitig immense Freude aus ihr zieht. Darwins inniges Verhältnis zu seiner Frau Emma, das nur durch die unterschiedlichen Ansichten zu Religion getrübt ist, wird von der Autorin mit viel Feingefühl dargestellt. Der Karl Marx des Romans ist ein gnadenloser Sturkopf und sehr selbstbewusst. Er ist von der Richtigkeit des Kommunismus überzeugt und bereit, ihn in Diskussionen lautstark zu verteidigen. Marx liebt seine todkranke Frau, und doch hat er ein Kind mit der Hausangestellten, das er nicht einmal als sein eigenes anerkennen will. Der fiktive Arzt Dr. Beckett, der im Roman sowohl Darwin als auch Marx behandelt, ist ebenfalls eine dreidimensionale, gut ausgearbeitete Figur.

    Die beiden komplett unterschiedlichen Persönlichkeiten stellt uns die Autorin in einem leicht und angenehm zu lesenden Schreibstil vor. Besonders die Dialoge sind gut gelungen und teilweise herrlich amüsant. Man merkt dem Text auch ein bisschen an, dass hier eine Journalistin schreibt: Der Stil ist eher nüchtern und sachlich, weniger bildhaft oder gar poetisch. Die Sprache passt sehr gut zu der auf historischen Tatsachen basierenden Geschichte, daher war ich in diesem Fall zufrieden damit, auch wenn ich normalerweise ein Fan von farbenprächtigen Beschreibungen, Emotionalität und sprachlichen Bildern bin.

    Bei aller gründlichen Recherche hat die Autorin leider etwas vergessen, das für einen gelungenen Roman unabdingbar ist: Die Handlung. Die Figuren können noch so gut ausgearbeitet, der historische Hintergrund noch so interessant sein, ohne einen Plot ist Langeweile vorprogrammiert. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass endlich die „eigentliche“ Story anfängt, leider liest sich das Buch jedoch bis zum Ende wie eine lange Exposition. Selbst das Treffen zwischen Marx und Darwin, das den Höhepunkt des Romans darstellt, ist in keiner Weise mit Spannung verbunden. Dafür, dass es keinen Spannungsbogen gibt, waren die über 250 Seiten ganz unterhaltsam, mit Handlung hätten sie noch viel besser sein können.

    Fazit

    Ein großartig recherchierter, gut geschriebener Roman über zwei bedeutende Persönlichkeiten, die unsere Welt geprägt haben. Mit Handlung hätte er mir noch besser gefallen.

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    TanjaJahnkes avatar
    TanjaJahnkevor einem Jahr
    Abbruch

    Ich bin wohl mit falschen Hoffnungen und Erwartungen an dieses Buch heran gegangen, denn mit ellenlangen Abhandlungen über Experimente Darwin's (nächtliche Testreihen an Regenwürmern, Suche nach dem Gehirn der Saubohne etc), Beschreibungen von Verrunkeln und ähnlichem der Herren Darwin und Marx hatte ich nicht gerechnet.

    Gewiss gehören biografische Inhalte zu so einen Roman, aber mich hat es ziemlich ermüdet. Das mit interessanteste waren die atheistischen Denkansätze. Gibt es einen Gott? Wohin geht man nach dem Tod? Warum hat man Angst vor dem Tod, wenn man doch vor der eigenen Geburt auch keine hat?
    Allerdings gingen diese dann doch schnell wieder im Alltag unter und wurden von Regenwurm und Saubohne in den Hintergrund gedrängt.

    Da ich für mich leider kein Land sah, habe ich dieses Buch nach 120 Seiten abgebrochen. Was aber nicht die Arbeit der Autorin schmälern soll, denn wie gesagt habe ich wohl den Esprit des Buches nicht richtig eingeschätzt.

    Wer weiß, vielleicht wage ich irgendwann einen neuen Versuch.

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    Schizothekares avatar
    Schizothekarevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Vielversprechender Titel, enttäuschender Inhalt
    Vielversprechender Titel, enttäuschender Inhalt

    „Und Marx stand still in Darwins Garten.“ Ein Satz voller Poesie und Tiefsinn. Ein Buchtitel, der darauf schließen lässt, dass ein tiefes Luftholen notwendig ist um in eine Sinnhaftigkeit einzutauchen, die den Leser langsam umschließt um ihm dann in voller Gänze einzunehmen.

    Dazu ein Cover, welches diesen Eindruck verstärkt. Und man möchte so dringend Teil eines Dialoges werden, dass man es kaum erwarten kann die erste Seite aufzuschlagen und sich in diese Flut zu stürzen.

    Danke Apos, reicht dann aber auch mit diesen Metaphern. Denn nun ist es soweit. Wir haben uns in den letzten Rezensionen dagegen gewehrt und sind kein Freund davon, aber wir müssen diese Rezension mit dem Klappentext beginnen, der uns vollkommen zum Lesen des Werkes animierte:

    Auch der Titel tat es. Bitte nicht vergessen.

    England, 1881.

    Zwei bedeutende Denker leben nur wenige Meilen voneinander entfernt: Charles Darwin in einem Pfarrhaus in Kent und Karl Marx mitten in London. Beide haben mit ihren Werken die Welt für immer verändert, beide wissen es und sind stolz darauf. Und doch leiden sie unter Schlaflosigkeit und Melancholie: Darwin hat den Schöpfer abgeschafft, fühlt sich missverstanden und forscht inzwischen still am Regenwurm. Marx wartet auf die angekündigte Revolution, grollt der Welt und kommt über Band 1 von Das Kapital nicht hinaus. Eines Abends begegnen sie sich beim Dinner…

    Warum fangen wir so an? Naja, weil wir so ungefähr jeden Satz auseinander nehmen können, der uns zum Kauf animierte und hohe Erwartungen bei uns schürte.

    „Zwei bedeutende Denker leben nur wenige Meilen voneinander entfernt: Charles Darwin in einem Pfarrhaus in Kent und Karl Marx mitten in London.“

    Brilliant recherchiert. Von einer solchen räumlichen Nähe wussten wir, wie wahrscheinlich einige andere von euch auch, nichts. Alleine diese Tatsache macht das Lesen interessant, denn sie wird auch schön in dem Werk aufgeführt und dargestellt. Die beiden wohnen quasi nebeneinander und ahnen nichts davon. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden ist der behandelnde Arzt der beiden.

    Erste Assoziation. Marx geht noch mal schnell zu Darwin um eine Passage aus „Die Entstehung der Arten“ mit ihm zu diskutieren. Netter Gedanke. Leider nein!

    Weiter Troph!

    „Beide haben mit ihren Werken die Welt für immer verändert, beide wissen es und sind stolz darauf.“

    Ja die beiden haben die Welt verändert mit ihren Werken. Sie wissen es und sind stolz darauf? Das kam meines Erachtens etwas zu kurz.

    Rückblickend betrachtet, scheint es mir, als ob der Verfasser des Klappentextes sich nicht sicher war, ob der Leser des Selbigen sofort etwas mit Marx und Darwin anfangen kann. Eine infame Unterstellung, das gebe ich zu, aber berechtigt. Denn ob „stolz“ das Wort der Wahl ist, muss hier tatsächlich in Frage gestellt werden.

    Es ist eher so, dass die Autorin uns in innere Dialoge der zwei Protagonisten entführt, die wenig darauf schließen lassen, dass sie mit vor stolz geschwellter Brust vor die Tür treten.

    „Und doch leiden sie unter Schlaflosigkeit und Melancholie: Darwin hat den Schöpfer abgeschafft, fühlt sich missverstanden und forscht inzwischen still am Regenwurm.“

    Ja äh, wären es doch nur Schlaflosigkeit und Melancholie gewesen. Das hätte eindeutig gereicht. Aber nein, wir haben hier eine über hunderte von Seiten beschriebene Krankenakte. Da blieb ganz ehrlich nicht viel Ehrbares über die Werke der beiden übrig. Wirklich schade. Darwin forscht auch übrigens nicht still am Regenwurm. Wir durften sehr langatmig daran teilhaben und wissen nun wahrscheinlich mehr darüber als wir je wollten. 

    Zusammenfassend kann man sagen: Darwins Verdauung und die Verdauung des Regenwurmes spielen eine große Rolle und nehmen eindeutig zu viel Seiten in Anspruch.

    „Marx wartet auf die angekündigte Revolution, grollt der Welt und kommt über Band 1 von Das Kapital nicht hinaus.“

    Naja. Mit dem Satz kann man schon mal d’accord gehen. Der Groll gegen die Welt und die Gesellschaft im Einzelnen, der Gram auf Grund des Exils und der damit verbundenen Einsamkeit, ist wahrlich gut dargestellt.

    Die Wenigsten dürften sich mit dem Menschen Marx auseinandergesetzt haben, vielleicht mit den Theorien und dem Gedankengut, wenn überhaupt. Zu diesen Menschen zählen wir auch. Man weiß nichts über seine Persönlichkeitstrukur und sein Privatleben. Vielleicht ist man deshalb so enttäuscht über seine Darstellung. Der erste Band des Kapitals ist geschrieben. Seine Theorien sind in aller Munde, das Gedankengut revolutionär, die Kapitalisten sehen darin eine ernsthafte Bedrohung.

    Und was denkt sich der Leser die meiste Zeit? „Bitte stirb jetzt nicht, alter Mann. Bitte nicht. Du musst noch zwei Mammutbände verfassen und deinem Namen mehr Ehre leisten!“

    FAIL!

    „Eines Abends begegnen sie sich beim Dinner…“

    Genau das war der Grund des Lesens des Werkes!!! Wir haben uns soooooo viel davon versprochen. Was könnte es spannenderes geben als Darwin und Marx, die bis ins Unermessliche diskutieren, nicht von ihrem Standpunkt abrücken und dann ohne Ergebnis auseinander gehen?! 

    Oder sich in einer gemeinsamen Auffassung wiederfinden, darüber leise sinieren und dann unter stillem Einverständnis in den Garten gehen, dort die Ruhe auf sich wirken lassen und nebeneinander stehen!

    Also lasen wir fleißig weiter und weiter und erwarteten diesen Augenblick. Aber wie ihr euch jetzt vielleicht schon denken könnt: er kam nicht. 

    Obacht!

    Ja, es gab ein Dinner und die beiden saßen dort zusammen. Die Diskussion kam wegen zu vieler unbedeutender Teilnehmer an dem Dinner einfach nicht richtig in die Gänge. Wir reden hier von ca. zwei Seiten Begegnung der beiden. Zwei Seiten!!! Eindeutig zu kurz. Mehr mag ich nicht zu meiner Enttäuschung sagen

    Was soll ich sagen? Ich hätte auch Angst gehabt, einen Dialog zu verfassen, der zwischen Darwin und Marx stattfindet. Aber wenn es dazu nun wirklich nicht in einem Buch kommt, dann sollte man es auch nicht damit anpreisen.

    Pure Enttäuschung!

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