Ilona Jerger Und Marx stand still in Darwins Garten

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Inhaltsangabe zu „Und Marx stand still in Darwins Garten“ von Ilona Jerger

England, 1881. Zwei bedeutende Männer leben nur wenige Meilen voneinander entfernt: Charles Darwin in einem Pfarrhaus in Kent und Karl Marx mitten in London. Beide haben mit ihren Werken, der eine zur Evolution, der andere zur Revolution, die Welt für immer verändert. Beide wissen es und sind stolz darauf. Und doch sind sie schlaflos und melancholisch. Darwin hat den Schöpfer abgeschafft, fühlt sich missverstanden und forscht inzwischen still am Regenwurm. Marx grollt der Welt, wartet ungeduldig auf ein mutiges Proletariat, das den Kapitalismus hinwegfegt, verzettelt sich beim Schreiben und kommt über Band 1 des 'Kapitals' nicht hinaus. Eines Abends begegnen sich die beiden bei einem Dinner zum ersten Mal. Schnell kreist ihre Diskussion um Gott und Gerechtigkeit — doch unausweichlich kommt es zum Streit, und der Abend endet in einem Eklat. Dennoch haben der großbürgerliche Naturforscher und der ewig klamme Revolutionär mehr gemeinsam, als sie sich eingestehen wollen.   In ihrem wunderbaren Roman verbindet Ilona Jerger Fabulierlust mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Erkenntnissen, die den Weltenlauf maßgeblich beeinflusst haben. Ein warmherziges und humorvolles Porträt zweier großer Männer, deren Disput zeitgemäßer nicht sein könnte.  

Eine schöne Sommelektüre. Intellektuell, liebenswürdig, bereichernd.

— StSchWHV
StSchWHV

Geniale fiktive Verbindung zweier Geistesgrößen

— Bibliomarie
Bibliomarie

beeindruckend

— mistellor
mistellor

Zu groß sind die Erwartungen an das Zusammentreffen der großen Denker

— FrauPfeffertopf
FrauPfeffertopf

Ein Buch für Freunde der Formulierkunst - ohne zu große Erwartungen an das Aufeinandertreffen von Darwin und Marx

— casanni
casanni

Man kann dieser fiktiven Geschichte folgen, muss es aber nicht.

— Schwaetzchen
Schwaetzchen

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  • Ilona Jerger: Und Marx stand in Darwins Garten

    Und Marx stand still in Darwins Garten
    StSchWHV

    StSchWHV

    23. July 2017 um 17:12

              Zwei bedeutende Männer, die Ihr Leben lang an Theorien gebastelt haben, die die ganze bis dahin bekannte Weltordnung auf den Kopf stellten, wohnen nur einen Steinwurf voneinander entfernt und eines Abends, nach einem Essen, stand Marx in Darwins Garten.Die beiden Männer sind mittlerweile alt und krank, schlaflos und bereits mit dem Ende ihrer Karriere, wenn nicht sogar ihres Lebens konfrontiert. Von ihren Zweifeln, aber vor allem ihre unerschütterliche Überzeugungen wird hier in einer überraschend zarten Schreibweise erzählt. Das Verbindungsstück der beiden ist ihr Arzt, der für mich der eigentlicher Held dieses Romans ist.Wer Lust auf ein paar intellektuelle Gespräche hat, sich nicht daran stört, das so legendäre Persönlichkeiten von ihren Sockeln gehoben und in einen doch sehr beschwerlichen Alltag gesteckt werden, und vor allem gern mit diesen Männern darüber nachdenken will, was eigentlich am Ende eines solchen Lebens stehen bleibt, dem ist dieses Buch empfohlen.       

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  • Zwei Geistesgrößen

    Und Marx stand still in Darwins Garten
    Bibliomarie

    Bibliomarie

    23. July 2017 um 14:08

    Zwei Männer, deren Werke das Denken unserer Zeit maßgeblich beeinflusst haben – Charles Darwin und Karl Marx. Sie waren Zeitgenossen, haben sich zwar nie getroffen, scheinen aber jeweils das Werk des Anderen gekannt und geschätzt zu haben.Der Autorin Elena Jerger ist gelungen mit der Kunstfigur des Arztes Dr. Beckett eine Verbindung zwischen den beiden Geistesgrößen zu knüpfen. Beide Männer sind am Ende ihres Lebens angekommen und immer mehr machen ihnen Krankheiten – erstaunlicherweise sehr ähnliche – zu schaffen. Dazu kommt auch immer das Gefühl, noch nicht alles erreicht zu haben, ein unvollendetes Werk zurückzulassen und auch manchmal Zweifel am Erreichten und an ihren Erkenntnissen.Ich finde die Idee der Autorin genial, beide Männer quasi ein Zwiegespräch mit Dr. Beckett als Mittler führen zu lassen. Obwohl sie wenig gemeinsam hatten, verbindet sie die Wahrheitssuche, oft verbunden mit einem schmerzhaften Bruch der Konventionen. Besonders nahe kommt mir das Buch durch die Aktualität. Wie zu Beginn der Erkenntnisse Darwins wird heute wieder seine Abstammungslehre diskutiert und von fundamentalistischen Gruppierungen und Regimes geleugnet.Der Roman ist eine faszinierende Mischung aus Literatur, Sachbuch und Lebensbeschreibung, fesselnd geschrieben, mit vielen kleinen Einschüben, die die Exzentrik der beiden Protagonisten ins Blickfeld rücken. Unterhaltsam, amüsant – eine stilvolle Erzählweise, die man sonst fast nur bei englischen Autoren vermutet. Für mich ist das Buch eine echte Entdeckung und ein Lesehöhepunkt.      

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  • Und Marx stand still in Darwins Garten

    Und Marx stand still in Darwins Garten
    mistellor

    mistellor

    23. July 2017 um 03:24

    Marx trifft Darwin, das Thema hat mich neugierig gemacht. Beide Personen zählen sicher zu bedeutendsten Männer des 19. Jahrhunderts und sind an sich schon sehr spannende Gestalten. Die Autorin Ilona Jerger hat ein sehr gut recherchiertes Buch geschrieben. Um das Leben der beiden alten Männer hat sie dann eine fantastische Geschichte gewoben, bei der sich der Leser gut vorstellen, dass sie sich so zugetragen haben könnte. Den Kontakt zwischen den beiden Protagonisten vermittelt deren Hausarzt, den Jerger erfunden hat. Neben den fiktiven Gestalten Marx und Darwin ist er eine der interessantesten Figuren im Roman. Selbst ein sehr neugieriger Mensch, klug und interessiert an neuen Erkenntnissen der damaligen Naturwissenschaften, wendet er schon zur damaligen Zeit Prinzipien der heutig geltende Medizin an - so wie Gesprächspsychologie, Homöopathie, Naturheilkunde etc. Die Darstellung von Darwin als einer der Hauptprotagonisten, ist sehr originell und sympathisch. Ich glaube, die Autorin mochte ihn sehr, da sie ihn auch mit ausgeprägter Fürsorglichkeit beschreibt. Mit Marx ist sie schon deutlich gröber. Und ein Kompliment bekommt die Autorin von mir für ihre Darstellung ihrer Frauengestalten wie Emma Darwin oder Lenchen, das Hausmädchen von Marx. Beides sind starke Frauen, die sich verantwortungsvoll und liebevoll ihrer Aufgabe widmen, ohne sich in den berühmten Männern zu verlieren. Der Hauptteil des Buches besteht einerseits aus den sehr informativen Erlebnisse und Lebenserfahrungen der beiden Männer, aber auch aus philosophischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Gesprächen und Gedanken. Wobei ein Thema immer größeren Raum einnimmt, nämlich die Frage, ob es Gott, den Glauben und die Religion gibt oder nicht. Was beide Männer in ihren Werken verneinen, ihre Umgebung aber erzürnt oder sogar verzweifeln lässt, wie Emma oder Lenchen. Wie die Autorin mit dieser Frage umgeht, ist mein einziger Kritikpunkt an ihrem Buch.Der Konflikt zwischen Kirche und Wissenschaft mag im 19.Jahrhundert ein drängendes Problem gewesen sein, heute aber nicht. Und da sich die Autorin zu diesem Thema auch zu sehr in Details vertieft, machen manche Seiten Mühe sie konzentriert zu lesen. Die Sprache der Autorin ist klar, aber auch ein wenig beeinflusst vom Schreibstil des 19. Jahrhunderts. Gottseidank hat sie es vermieden, die blumenreiche Attitüden des damaligen Sprachstils zu übernehmen. So konnte der Leser eine moderne, klare mit ein bisschen 19. Jahrhundert durchsetzten Schreibstil genießen. Das machte Spaß zu lesen. Ich möchte dieses Buch gerne weiter an alle Leser, die ein Interesse an historischen Gestalten und gute Bücher lieben, empfehlen. Es lohnt sich. Die Autorin erhält von mir 4,5 von 5 Sternen.

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  • Evolution und Revolution kommen zusammen...und versetzen einen Dämpfer

    Und Marx stand still in Darwins Garten
    FrauPfeffertopf

    FrauPfeffertopf

    22. July 2017 um 16:40

    "Stellen Sie sich vor, Charles Darwin und Karl Marx hätten sich getroffen." Dies habe ich angesichts des interessant klingenden Aushängeschilds getan und von dem fiktiven Zusammentreffen der großen Denker hitzige Debatten und geistige Beflügelungen erwartet, die jedoch ausblieben. Das einmalige gemeinsame Mahl, bei dem sich ein Disput über Gott und die Gerechtigkeit entwickelte, lässt den Leser daher unbefriedigt zurück. Über den gemeinsamen Arzt der beiden, Dr. Beckett, entsteht ein sehr detailierter Bericht über ihr gesundheitliches Leiden und die Einstellungen zur Kirche. Zu kurz werden ihr Leben und die darin eingebetteten Theorien, Leitgedanken und Forschungen behandelt, die zu den richtungsweisenden Schaffenswerken führten. Es war "ihr" Jahrhundert, doch auf diese Weise konnte ich weder das Flair dieser doch so spannenden Zeit revolutionärer Umbrüche spüren, noch eine Verbindung zu diesen bedeutenden Männern herstellen. Diesen Umstand konnte selbst der ansonsten klare und gut lesbare Schreibstil nicht wettmachen. Es kristallisiert sich merklich das große und respektvolle Interesse der Autorin an den zwei Persönlichkeiten heraus, welches dazu führt, dass der Leser Darwin und Marx von einer eher ungeläufigen persönlichen Seite kennenlernen darf. Ausgehend von der erhofften Grundidee des Romans, hapert es jedoch leider an der Umsetzung.

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  • Grandios...e Enttäuschung!

    Und Marx stand still in Darwins Garten
    genihaku

    genihaku

    21. July 2017 um 16:35

    Die Erwartungen sind viel zu hoch gewesen. Bei so einem Titel kaum verwunderlich! Auch wenn man die gehegten Erwartungen nicht klar ausdrücken kann, sind sie da. Das Buch ist besser geeignet für Kinder, wobei Kinder sich wahrscheinlich zu Tode langweilen würden. Worum geht es? Marx ist krank. Und stirbt. Kommt vielleicht auf 40 von 260 Seiten vor. Charles Darwin ist krank. Und stirbt. Kommt auf den meisten restlichen Seiten vor. Wir erfahren etwas über Darwins Leben, seine Experimente und Ansichten, oft geht es um den Konflikt zwischen Kirche und Wissenschaft, und auch auf Marx Seite lesen wir etwas über sein Werk und seine Ideen. Doch vor allem, gefühlt auf 240 von 260 Seiten, geht es um deren Krankheiten. Welche Art von Gebrechen, was tut der Doktor dagegen, und so weiter und so fort. Das hat mein anfängliches Interesse für dieses Buch allerdings nicht entfacht. Das Gute am Buch: die Schreibweise und die Aufrüttelung oder Neuentfachung der Lust am Entdecken und Erforschen der Natur. Manchmal wirkte das Buch stark konstruiert auf mich. Wir, die Leser, befanden uns meistens in Darwins Haus. Ab und zu im Haus von Karl Marx. Immer ein Wechsel der beiden Schauplätze. Ich habe höchstwahrscheinlich nichts erfahren, was ein paar Minuten Recherche nicht auch preisgegeben hätte. Ich respektiere die Autorin sehr für ihren Versuch, beide Figuren zum Leben zu erwecken, doch wirklich nah sind mir weder Darwin noch Marx gekommen. Ein weiteres Indiz für die Sternebewertung (2/5) ist die Geschwindigkeit beim Lesen. Für 260 Seiten brauchte ich ungewohnt lange. Ich wollte das Buch auch nicht wirklich zur Hand nehmen. Solche bedeutenden Persönlichkeiten, bei denen ich mich gefreut habe, sie auf diese Weise kennenzulernen, haben mich während des Lesens des Buches gelangweilt. Der Roman hat mich nicht überzeugt. Ich hätte lieber ein Sachbuch gelesen. Denn dieses Buch ist in meinen Augen nichts als eine Aneinanderreihung von Arztbesuchen. 

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  • Zwei bedeutende Männer der Geschichte und ihr Aufeinandertreffen

    Und Marx stand still in Darwins Garten
    twinklingletters

    twinklingletters

    20. July 2017 um 11:00

    Der erste Roman der Journalistin Ilona Jerger, handelt von zwei sehr bekannten Männern ihrer Zeit (und bis heute!) und ihrem fiktiven Aufeinandertreffen: Charles Darwin und Karl Marx. Beide leben gegen Ende des 19. Jahrhunderts in London und hadern mit ihren noch unerledigten Arbeiten und Krankheiten, welche ihnen stark zusetzen. Wie es der Zufall so will, haben Beide denselben Arzt: Dr. Beckett. Dieser ist von den beiden Persönlichkeiten sehr fasziniert und redet nicht nur über ihre jeweiligen Gebrechen mit ihnen: Wie spannend wäre es doch, wenn die beiden aufeinandertreffen würden? Was hätten sie sich zu sagen? Und schließlich kommt es auch zu jenem Treffen, bei dem sich der Entdecker der Evolution und der Vater der Revolution gegenübersitzen ... Der Roman schöpft aus der fiktiven Idee: Was wäre, wenn Darwin und Marx sich gekannt hätten? In ihrem Werk vermischt die Autorin Wahrheit mit Fiktion und schafft ein durchaus interessantes Gespinst aus wissenschaftstheoretischen Fakten und Überlegungen, die dem Leser vermittelt werden und reiner fiktiver Handlung, in welche das ganze Geschehen eingebettet ist. Ihr Schreibstil ist angenehm, wenn sich auch teilweise in den etwas detailreicheren Beschreibungen einige Längen eingeschlichen haben. Es handelt sich hier keinesfalls um einen Unterhaltungsroman. Ein konzentriertes Lesen ist durchaus gefordert, wenn man den Gedankengängen der Protagonisten und ihren wissenschaftlichen Diskussionen folgen möchte. Aber für alle, die an den beiden Persönlichkeiten interessiert sind, bietet das Buch zumindest den Hauch einer Idee, wie sie prvat gewesen sein könnten, mit all ihren Marotten. Ich kann den Roman durchaus empfehlen, wenn der Leser bereit ist, sich auf den einen oder anderen wissenschaftlichen Diskurs einzulassen. Doch dies ist vermutlich bereits der Fall, wenn man sich auf ein Buch mit solch einem Titel einlässt. Schließlich möchte ich noch anmerken, dass die Sympathie der Autorin für einen ihrer Protagonisten durchaus stark hervortritt. Der Leser ist hier aufgefordert, sich ein eigenes Bild über Darwin und Marx zu bilden.

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  • Marx und Darwin treffen aufeinander

    Und Marx stand still in Darwins Garten
    seschat

    seschat

    18. July 2017 um 17:20

    Ilona Jerger hat ein Experiment gewagt. Wie einst Daniel Kehlmann hat sie in einem Roman zwei Geistesgrößen aufeinandertreffen lassen, die sich im echten Leben nie begegnet sind. Der Evolutionsbiologe Charles Darwin und der Ökonom Karl Marx sind bereits hochbetagt, als sie sich eines Abends im Hause Darwin kennenlernen. Beide sind sie ausgesprochene Sturschädel und mit Leib und Seele Wissenschaftler. Ihre Marotten machten die beiden alten Herren sympathisch. Mehr noch, auch der Nicht-Natur- oder Wirtschaftswissenschaftler beginnt sich für die Theorien und Erkenntnisse der Protagonisten zu interessieren. In ihrer 288-seitigen Erzählung gelingt es der Autorin, den Leser in die Lebens- und Arbeitswelt der beiden Geistesgrößen des 19. Jh.s eintauchen zu lassen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man nun Darwin bei der Erforschung des Regenwurms über die Schulter schaut oder Marx im maladen Zustand antrifft, denn so kommt man den Menschen hinter den Wissenschaftlern näher. In diesem Zusammenhang fand ich es ausgesprochen spannend, dass die Autorin mit Thomas Beckett eine dritte wichtige Person - den Leibarzt beider Wissenschaftler - geschaffen hat, die als verbindendes Moment auftrat und die neben medizinischen Diagnosen auch die zeitkritische wie zeithistorische Einordung von Marx' und Darwins Forschungen durchführte.Sprachlich hat sich Jerger mit der Sprache des 19. Jh.s arrangiert, was wohl vor allem ihrem intensiven Quellenstudium (größtenteils erhaltene Briefe) geschuldet sein dürfte. Einzig die manches Mal etwas weitschweifigen Natur- und Krankheitsbeschreibungen ließen den Plot dann und wann auf der Stelle treten. Hier hätte ich mir eine stringentere Erzählung mit höherem Dialoganteil gewünscht.FAZITEin spannender, weil zeit- und forschungsgeschichtlich interessanter Roman, der sich angenehm lesen ließ und Lust auf vertiefende Studien zu Darwin und Marx macht. 

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  • Des einen Kapital ist des anderen Regenwurm

    Und Marx stand still in Darwins Garten
    casanni

    casanni

    17. July 2017 um 23:21

    Darwin und Marx haben zur gleichen Zeit in unmittelbarer Nähe in London gewohnt, beiden haben für ihre Zeit und auf ihrem Gebiet jeweils bahnbrechende, nachhaltig verändernde Beobachtungen gemacht und Thesen aufgestellt und doch sind sie sich nie persönlich begegnet.  Die Erwartungen an das (fiktive) Aufeinandertreffen von Marx und Darwin waren dementsprechend groß, da man doch die Darwin’schen Erkenntnisse der Evolution als naturwissenschaftliche Grundlage für den Kommunismus deuten könnte, indem der Schöpfergedanke überwunden wird, die Theorie des ‚survival of the fittest‘ aber, vom kommunistischen Standpunkt aus, höchst kritisch zu sehen ist. Nun, die hohen Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt, da das Zustandekommen dieses Treffens doch einigermaßen konstruiert wirkt und der Verlauf dieses Gesprächs über offensichtliche Gemeinsamkeiten und Differenzen nicht hinaus kommt. Man merkt deutlich den Respekt der Autorin vor den historischen Personen und es ist in der Tat ein heikles Unterfangen, den beiden die Worte füreinander in den Mund zu legen!Statt dessen nähert sich Ilona Jerger den beiden in persönlicher Hinsicht und widmet sich deren Charakter, Privatleben und vor allem Darwins Forschung in einem sehr amüsanten, intelligenten, bildhaft-vergleichenden - ja, fast  glossenartigen Schreibstil, der sprachverliebte Leser ein ums andere Mail schmunzeln lässt.Alles in allem ist dieses Buch eine unterhaltsame, intelligente Lektüre, an die man nicht zu viele Erwartungen an das Treffen zwischen Darwin und Marx haben sollte.

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  • Man kann dieser fiktiven Geschichte folgen, muss es aber nicht.

    Und Marx stand still in Darwins Garten
    Schwaetzchen

    Schwaetzchen

    17. July 2017 um 14:58

    Ilona Jerger „Und Marx stand still in Darwins Garten“ Das Cover ist ansprechend mit den beiden Figuren, die vom Betrachter weggehen. Man kann ihnen in ihre Geschichte folgen, muss es aber nicht. Dieser Roman über eine fiktive Begegnung von Karl Marx und Charles Darwin in London basiert auf einer intensiven Quellenarbeit der Autorin. Karl Marx, der in London im Exil lebt und Charles Darwin, berühmt geworden durch seine Evolutionstheorie, werden vom selben Arzt, der als Verbindung zwischen den beiden ideologischen Welten fungiert, betreut, da sich beide Männer in schlechtem gesundheitlichem Zustand befinden. Charles Darwin wehrt sich dagegen, dass seine Theorien, die eine Schöpfung durch Gottes Hand widerlegten, von den Marxisten als wissenschaftliche Beweise benutzt werden, da auch sie die Existenz eines Gottes leugnen. Marx` Wort Religion sei Opium fürs Volk, um es immer weiter zu unterdrücken und in Schach halten zu können, wird als kommunistische These ebenso wie eine Religion gepredigt. Wir erleben Charles Darwin bei einer seiner geistigen Stippvisiten in seine Vergangenheit auch bei seiner Forschungsreise auf der HMS Beagle, wo er in Südamerika eine grundlegende Entdeckung macht. Er findest fossile Muscheln in den Bergen und begreift, dass die Welt viel älter ist, als in der Bibel behauptet wird. Damit wird ihm klar, dass diese Schöpfungsgeschichte nicht stimmen kann und dass die Bibel „nur“ ein Buch voller Geschichten ist. Den Einstieg in die Geschichte finde ich weder gelungen, noch originell. Mich stört der zu moderne Schreibstil für dieses Thema, diese Zeit und diese Menschen. Es reicht nicht aus, um die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts atmosphärisch herüberzubringen, wie mit einem Ein-Loch-Salzstreuer hier und da ein paar alt klingende Vokabeln über den Text zu verteilen. Unter der vom Verlag angekündigten Fabulierlust der Autorin habe ich nichts bemerken können. Diese zu kurzen, verstümmelten Sätze nerven mich, weil sie den Lesefluss unterbrechen, da man sie inhaltlich oft nicht sofort zuordnen kann. Die zweite Hälfte des Buches ist vom Stil und Inhalt her besser gelungen, was bei mir den Eindruck hinterließ, als wären hier zwei Autoren am Werk gewesen. Dieses Buch ist für Schüler sehr gut geeignet, weil es inhaltlich leicht lesbar und verständlich geschrieben wurde und weil es durch die Diskussionen über Religionen einen Bezug zu unserer Zeit hat.  

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  • Marx trifft Darwin - aber nur in der Fiktion

    Und Marx stand still in Darwins Garten
    Forti

    Forti

    11. July 2017 um 18:27

    Ilona Jerger hat sich in ihrem Roman viel vorgenommen: wissenschaftliche und historische Fakten in einen unterhaltsamen Roman zu verpacken, ist keine einfache Aufgabe - in meinen Augen ist ihr der Spagat zwischen Unterhaltung und Fakten bedingt gelungen.London, Ende des 19. Jahrhunderts. Zwei prägende Männer der Zeit - Charles Darwin und sein Vornamensvetter Karl Marx - verbindet einiges: beides wissenschaftliche Vordenker, die sowohl von diversen Wehwehchen als auch einer Schreibblockade geplagt sind. Erstaunlicherweise haben sie sich in der Realität nie persönlich kennengelernt.Die hier thematisierte fiktive Begegnung der beiden, die dem Buch seinen Titel gibt und auf die die Geschichte hin arbeitet, verläuft in meinen Augen dann eher unspektakulär. Es bleibt bei einem einmaligen Abendessen der beiden - den Eklat sehe ich hier nicht.Die Autorin verliert sich manchmal in Details. Das mag manchen​ Lesern gefallen, ich fand es eher ermüdend. Ilona Jerger umkreist hierbei vorallem zwei Themen, die die beiden gealterten Wissenschaftler umtreiben: das Verhältnis zur Kirche und die eigenen körperlichen Leiden - für mich ehrlich gesagt nicht die Themen, über die ich bevorzugt lese. Ich glaube der Autorin, dass der Stoff gut recherchiert ist, aber mir sagt die Mischung von Realität und Fiktion nicht wirklich zu und außerdem ist es mir dann oft zu theoretisch bzw philosophisch für einen unterhaltenden Roman.Wer sich für die gesellschaftlichen Umbrüche des ausgehenden 19. Jahrhundert interessiert und gerne halbfiktive historische Romane liest, wird hier gut unterhalten.

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  • Zwei große, bedeutende Männer

    Und Marx stand still in Darwins Garten
    Herbstrose

    Herbstrose

    Kent, „Down House“, Frühjahr 1881. Wieder einmal erwacht Charles Darwin schweißgebadet. Alpträume stören seinen Schlaf, sein schlechtes Gewissen plagt ihn, seit er die Gesetze der Evolution entdeckt und somit den Glauben an den Schöpfer verloren hat. Er ist jetzt 72 Jahre alt und fürchtet, nach seinem Ableben als „Gottesmörder“ in die Geschichtsbücher einzugehen. Die Folgen davon sind chronische Migräne, ausgeprägte Übelkeit und unerträgliche Flatulenzen, die auch die regelmäßigen Besuche seines Arztes Doktor Beckett nur unzureichend lindern können. So widmet er sich nächtelang seinem Experiment zur Erforschung des Regenwurms – seiner Frau Emma wäre es lieber, er würde sich wieder Gott zuwenden.Etwa 20 Meilen entfernt, in London, Maitland Park Road, leidet ein anderer Mann, Karl Marx. Der staatenlose Immigrant aus Deutschland hadert mit seinem Schicksal. Die Arbeit am 2. Band von „Das Kapital“ geht nur schleppend voran, seine finanzielle Lage ist beschämend, die Revolution will und will nicht kommen, das Wetter in England ist ihm zu nass und zu kalt, und jetzt ist er auch noch ernsthaft krank. Der 63jährige liegt mit schwerer fiebriger Bronchitis danieder, sein gut betuchter Freund Friedrich Engels schickt ihm Doktor Beckett. Der Arzt ist fasziniert von seinen beiden Patienten, dem Juden und Rabbiner-Enkel Marx und dem ehemaligen Theologie-Studenten Darwin, von ihren Theorien und Denkweisen. Es bleibt nicht aus, dass er bei dem einen über den anderen spricht und dabei feststellt, dass sie mehr Gemeinsamkeiten haben, als sie sich eingestehen wollen. Bei einem abendlichen Dinner kommt es zum Treffen, das mit einem Eklat endet … Die Autorin Ilona Jerger hat Politologie und Germanistik studiert, war von 2001 bis 2011 Chefredakteurin der Zeitschrift „natur“ und lebt als freie Journalistin und Autorin in München. Dem Roman „Und Marx stand still in Darwins Garten“ liegt eine intensive Recherche vor Ort zugrunde, Darwins Briefe und der Briefwechsel zwischen Marx und Engels wurden ebenfalls hinzu gezogen. Historische Fakten wurden nicht verändert, allerdings sind sich Darwin und Marx nie begegnet und Doktor Beckett gab es nicht. Tatsächlich hat Marx jedoch an Darwin ein Exemplar von „Das Kapital“ mit einer sehr wertschätzenden Widmung geschickt, für welches sich Darwin seinerseits mit einem höflichen Brief bedankte. Das Buch steht heute noch in Darwins Arbeitszimmer in „Down House“, das sich im Besitz von „English Heritage“ befindet und der Öffentlichkeit zugänglich ist. Ein informativer Roman, in dem die Autorin ihre Erzählkunst mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Erkenntnissen verbindet und das Portrait zweier bedeutender Männer des 19. Jahrhunderts zeichnet. Ihr Schreibstil ist klar und flüssig, gut und schnell lesbar, und von beeindruckender Präzision. Der Leser erfährt Einzelheiten aus Darwins jungen Jahren, über seine gefahrvollen, abenteuerlichen Reisen, bei denen er Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis erlebte, und erhält Einblick in seine vielfältigen Forschungen. Dass Karl Marx aus einer Rabbinerfamilie aus Trier stammt ist ebenso interessant zu lesen wie, dass bei seiner Beerdigung Engels die Grabrede hielt und Wilhelm Liebknecht einen Kranz mit roter Schleife nieder legte. Fazit: Ein humorvolles Portrait zweier großer Männer – für den interessierten Leser ein Gewinn.

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