Irland im tiefsten Mittelalter. Zu einer Zeit da die Menschen noch an die mächtigen Naturgötter glaubten und Christus für sie nur ein weiterer Gott ist, der in den weit entfernt gelegenen Abteien angebetet wird. Ein imaginärer Clan lebt unter seinem guten und gerechten König Brian in gediegenem Wohlstand. Dies jedoch ist ein zerbrechliches, fragiles Gefüge, denn das Glück und der Überfluß wird teuer gehandelt. Die mächtigen Götter, deren Priester, gleichsam alle Zauberer, allesamt einer unheimlichen Anderswelt angehören und diejenigen sind, die die tatsächliche Macht in Händen halten, verlangen für das Wohlergehen einen hohen, sehr hohen Preis: Die magisch begabten Jünglinge und Jungfrauen des Volkes!
In Ilona Arfaouis phantastischer Geschichte nun erleben wir die Auswahl einer neuen Generation, die den Priestern und Göttern künftig zu Diensten sein soll. Neun Gefährten sollen in das magische Reich der Zauberer eintreten, von ihnen die Mysterien erlernen und ihnen zu Willen sein. Bald schon regt sich Widerstand unter den jungen Männern, allen voran bei dem wilden, ungezügelten Sohn des Königs, Cahal, denn die Ausbildung zu Magiern ist alles andere als einfach. Sie werden Demütigungen ausgesetzt, brutalen Kämpfen; ihre Körper, ihre Seelen, ja selbst ihre Gedanken werden bis an die äußerste Schmerzgrenze getrieben! Doch dabei soll es nicht bleiben, denn da ist noch ein dunkles, böses Geheimnis, dem sie voller Entsetzen auf die Spur kommen! Und so fassen sie den unheilvollen Entschluß, diese Dämonen, die ihr Volk seit Urzeiten knechten, für alle Zeiten zurück in ihre düstere, unheimliche, lebensfeindliche Anderswelt zu schicken!
Im Gegensatz zu ihrer grausamen Ausbildung und ihrem grauenhaften, mörderischen Entschluß schafft Ilona Arfaoui es aber auch die schönen Zeiten ins rechte Licht zu setzen: Den Spaß, den die übermütigen Jugendlichen mit ihrem Erwachsenwerden haben, die erste Liebe, die aufregenden Feste bei Hofe, die kleinen Hahnenkämpfe untereinander, die Liebe zu den Eltern, zu ihrem Volk und der sie umgebenden, rauhen aber schönen Natur. Wir erleben wie sie zu gestanden Männern heranwachsen, wie die Liebe, die Ehe, die Kinder, das Leben allgemein, die Ehre sie verändert, sie mit tragischen Verlusten zurechtkommen müssen. Doch als Cahals Vater Brian stirbt wendet sich das Blatt … Cahal ist nun König! Und dieser wilde, hemmungslose, leidenschaftliche Hitzkopf muß sich von seiner Geliebten, der zauberhaften Herrin des Waldes abwenden und einem grausamen Schicksal entgegengehen …
Ilona Arfaoui schafft hier mit Bravour keltische Mythen mit ihrer eigenen phantastischen Welt zu verschmelzen! Stellenweise fühlte ich mich an King Lear erinnert, an einen Sommernachtstraum oder aber an König Arthus oder Odins Tafel versetzt. Mit ihrem unterhaltsamem, lockeren Schreibstil schaffte sie es, mich zu fesseln, mit den Helden mitzufiebern, oder mit den eleganten Ladys auch mal empört das ach so hübsche Näschen zu rümpfen, wenn die Männer mal wieder über die Stränge schlugen. Mit diesem - zugegebenermaßen an manchen Stellen etwas zu ausführlich erklärten - phantastischen Roman fühlte ich mich aber trotzdem bestens unterhalten! Lediglich die tragische Figur des wilden Cahal, der mir ans Herz gewachsen war, kam für meine Begriffe ein wenig zu kurz – ihm hätte mehr Aufmerksamkeit gelten können, auch weil sich am Ende der Geschichte das Blatt noch einmal für ihn wenden sollte. Doch für Freunde der gepflegten Ausdrucksweise, Liebhaber geschliffener Worte, Freunde und Liebhaber phantastischer Geschichten ist Ilona Arfaouis Roman „Der König der Schatten“ in jedem Fall empfehlenswert. Weder abgedroschen Klischees bedienend noch mit erhobenem Zeigefinger Moral verbreitend, schafft es die Autorin eine lebendige Welt zu erschaffen, deren Charaktere und ihre Beweggründe trotz allem Phantastischen nachvollziehbar bleiben. Obendrein zieren neun handgefertigte, zauberhafte Bilder der Autorin das Buch; sie zeigt uns alle auf Gedeih und Verderb aneinander gebundene Gefährten mit samt ihren Seelentieren im Portrait, schafft damit den Pluspunkt den Helden der Geschichte ein unverwechselbares Gesicht zu verleihen! Die Aussicht auf eine Fortsetzung - die Geschichte von König Cahal scheint nicht zu Ende erzählt - macht neugierig auf ihren anderen Band und ganz gewiß wird der dritte Teil an dem die Autorin gerade schreibt, der glanzvolle Höhepunkt dieser großartigen Saga!









