Ilsa Barea-Kulcsar

 4,5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor*in von Telefónica.

Lebenslauf

Ilsa Barea-Kulcsar (1902–1973 in Wien). Studium an der Staats- und Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP). Nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs kam sie im November 1936 nach Madrid, wo sie in der Zensurstelle für die Auslandspresse tätig war. 1938 heiratete sie den spanischen Schriftsteller Arturo Barea und ging mit ihm ins Exil nach Frankreich. In Paris begann sie den Roman »Telefónica«, den sie 1939 in England fertigstellte. Dort arbeitete sie als Übersetzerin, u.a. für den Abhördienst der BBC. 1965 kehrte sie nach Wien zurück, schrieb für Zeitungen des ÖGB und fungierte als Bildungsfunktionärin der SPÖ.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ilsa Barea-Kulcsar

Cover des Buches Telefónica (ISBN: 9783990650561)

Telefónica

(2)
Erschienen am 20.09.2021

Neue Rezensionen zu Ilsa Barea-Kulcsar

Cover des Buches Telefónica (ISBN: 9783990650561)
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Rezension zu "Telefónica" von Ilsa Barea-Kulcsar

Ulf_Borkowski
Die letzten 3 Tage vor dem Fall

Telefónica ist nicht nur der Name meines Arbeitgebers, sondern auch der umgangssprachliche Name des prächtigen Edificio Telefónica an der Gran Vía in Madrid. Fertig gebaut im Jahr 1929 war es mit seinen vierzehn Stockwerken das erste Hochhaus Europas und der Firmensitz der 1924 in Madrid als „Compañía Telefónica Nacional de España (CTNE)“ gegründeten Telefónica, mit dem Hauptschaltungsanschluss des gesamten spanischen Telefonsystems. Heute ist das Gebäude der Sitz der Fundación Telefónica. 

Dieses Gebäude ist der Schauplatz eines Romans der 1902 in Wien geborenen Österreicherin Ilsa Barea-Kulcsar, dessen Publikationsgeschichte allein bemerkenswert ist. Die Journalistin, Rednerin und Funktionärin in der österreichischen Arbeiterbewegung schrieb "Telefónica" im Jahr 1938 zu Ende, aber erst ein Jahrzehnt später, von März bis Juni 1949, kam der Text in der Wiener Arbeiter-Zeitung als Fortsetzungsroman heraus.

 Der Roman entführt den Leser auf eine faszinierende Reise durch die Wirren des Spanischen Bürgerkriegs. In diesem Roman wird die Geschichte einer jungen Frau entfaltet, die sich den Herausforderungen ihrer Zeit mit Mut stellt. Sie arbeitet im Zentrum des Konflikts, im Telefónica-Hochhaus, und wird Zeugin der Belagerung Madrids durch Francos nationalistische Truppen.

Die Autorin, Ilsa Barea-Kulcsar, nutzt ihre eigenen Erfahrungen als Journalistin und Befürworterin der legitimen Regierung in Madrid, um ein lebendiges und authentisches Bild der damaligen Epoche zu zeichnen. Ihre Erzählung ist eine meisterhafte Verschmelzung aus Fiktion und historischer Dokumentation, die das Leben im Telefónica-Gebäude mit beeindruckender Detailgenauigkeit beschreibt. Die Integration einer intensiven Liebesgeschichte in das dramatische Kriegsgeschehen verleiht dem Roman zusätzliche Tiefe und dokumentiert gleichzeitig einen spannenden Ausschnitt in der 100-jährigen Unternehmensgeschichte der Telefónica, die zur damaligen Zeit noch zu dem US-amerikanischen Konglomerat ITT gehörte und erst 1945 per Gesetz zu 80% vom spanischen Staat erworben wurde.  

Das Telefónica-Gebäude, weit mehr als eine bloße Kulisse, avanciert zur Metapher für Kommunikation und technologischen Fortschritt – ein Symbol der Hoffnung im Chaos des Krieges. Der Roman “Telefónica” ist nicht nur eine packende Erzählung, sondern auch ein literarisches Monument, das die Opfer des Krieges würdigt und die Rolle des namensgebenden Unternehmens in dieser turbulenten Zeit beleuchtet.

Dieses Werk fordert die Leser heraus, über die Vergangenheit zu reflektieren und die Bedeutung von Geschichte und Erinnerung zu hinterfragen. Es ist ein anspruchsvolles Buch, das emotionale Tiefe und historische Relevanz auf eindrucksvolle Weise miteinander verknüpft und so zu einem unvergesslichen Leseerlebnis avanciert. 

Cover des Buches Telefónica (ISBN: 9783990650561)

Rezension zu "Telefónica" von Ilsa Barea-Kulcsar

Ein LovelyBooks-Nutzer
Spannend, interessant, lesenswert

„Das alles war nun der Zielpunkt für die Kanonen und Fliegerbomben der Faschisten. Sie haben recht, wenn sie uns zerstören wollen, dachte Agustín. Wir sind eines der Nervenzentren von Madrid.“ (Zitat Seite 19)

 

Inhalt

Der 16. November 1936 ist für den Journalisten Stephen Johnson aus London der erste Tag in Madrid. Die vom Bürgerkrieg umkämpfte Stadt steht unter Beschuss, die faschistischen Truppen Francos wollen die Stadt einnehmen, noch halten die Republikaner mit Unterstützung durch die Internationalen Brigaden an der nahen Front stand. Auch für Anita Adam ist es der erste Tag in Madrid, gestern aus Valencia eingetroffen, übernimmt sie an diesem 16. November 1936 ihre erste Nachtschicht als neue Leiterin der Zensurstelle. Sie alle treffen in der Telefónica, der Telefonzentrale, aufeinander. Diese ist der einzige Ort, von dem aus die internationalen Journalisten mit dem Ausland telefonieren können und so ihre Berichte weitergeben. Agustín Sánchez, der Kommandant der Telefónica, ist verschlossen, sehr misstrauisch, aber auch korrekt und ehrlich. Anita Adam braucht seine Unterstützung, denn sie will eine offenere Berichterstattung ins Ausland ermöglichen, lässt mehr zu. Dadurch schafft sie sich sofort Feinde. Da sie eine Frau und dazu noch Deutsche ist, wird ohnedies jeder ihrer Schritte mit Argwohn beobachtet. Die Telefónica ist die einzige Verbindung zwischen dem belagerten Madrid und der Welt draußen und die Angst vor Spionage und Sabotage ist entsprechend groß.

 

Thema und Genre

In diesem Roman mit geschichtlichem und autobiografischem Hintergrund geht es um den spanischen Bürgerkrieg. Im Mittelpunkt steht die Telefonzentrale von Madrid, dreizehn Stockwerke und zwei Kellergeschoße, als Stadt in der Stadt für die Personen, die hier arbeiten und leben. Themen sind Formen der journalistischen Berichterstattung zwischen Objektivität und Menschlichkeit, vor allem jedoch das Zusammenleben dieser vielen unterschiedlichen Menschen, ihr Verhalten, ihre Gefühle zwischen Intrige, Freundschaft, Eifersucht und Liebe.

 

Charaktere

Mit ihrem Roman will die Autorin an die Schicksale der vielen Menschen erinnern, die diese Belagerung Madrids erlebt haben. Da sie selbst einige Monate in der Telefónica verbracht hat, sind ihre Figuren authentisch und so unterschiedlich wie im realen Leben. „Die Telefónica war der Wachturm und das Wahrzeichen Madrids in jenen ersten Belagerungsmonaten, als die Menschen über alle die kleinen Ängste und kleinen Tapferkeiten ihrer Einzelleben hinaus zu einem kämpferischen Volk verwuchsen.“ (Zitat Seite 6, Vorwort der Autorin)

 

Handlung und Schreibstil             

Der Zeitrahmen der Handlung umfasst nur vier Tage. Ort der Handlung ist die Telefónica und die sie umgebenden Straßen mit Bars und Restaurants. Die einzelnen Kapitel sind in vier übergeordnete Teile zusammengefasst, wobei jeder Teil einem Tag entspricht. Im Mittelpunkt stehen Anita Adam und Agustín Sánchez und ein Kreis von Figuren, typisch für die Vielfalt, Funktionen und Lebenssituation der Menschen, die damals in der Telefónica beschäftigt waren. Es sind unterschiedliche Schicksale und Geschichten, die abwechselnd erzählt werden, personal die einzelnen Figuren in den Mittelpunkt stellen und so eine weit gefächerte Vielfalt an unterschiedlichen Meinungen, Erlebnissen, Gedanken, Eindrücken und Verhalten schildern. Ein ausführlicher persönlicher Bericht der Autorin über diese Zeit und die Hintergründe dieses Romans, sowie das Nachwort von Georg Pichler vervollständigen dieses Buch.

 

Fazit

Ein auch auf Grund des realen Hintergrundes sehr interessanter Roman mit zeitlos aktuellen Fragen zum Thema Journalismus und Berichterstattung, der durch seine Spannung, die eindrücklichen Schilderungen, sowie die lebhafte Vielschichtigkeit der Figuren zu einem überzeugenden Leseerlebnis wird.

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