Ilse-Margret Vogel Über Mut im Untergrund

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Inhaltsangabe zu „Über Mut im Untergrund“ von Ilse-Margret Vogel

Ilse-Margret Vogels anschaulich und spannend geschriebene Erinnerungen an die letzten Kriegsjahre in Berlin sind bisher nur in den USA erschienen. Die New York Times befand 1993: »Die Mischung aus genauen Beschreibungen des Kriegsalltags, der realen und echten Bedrohung und der tiefen Aversion der Autorin gegen das Naziregime, ihrem jugendlichen Trotz, der die Gefahr und jegliche Vorsicht missachtet, macht ›Bad Times, Good Friends‹ zur fesselnden und faszinierenden Lektüre.« Ilse Vogel (1914–2001) kam 1938 aus der schlesischen Provinz nach Berlin, um Kunst zu studieren. Sie hasste die Nazis und schwor sich, niemals mit »Heil Hitler« zu grüßen. Als ihre Freunde, unter ihnen Juden und Deserteure, in Schwierigkeiten gerieten, half sie ihnen, so gut sie konnte, und geriet dabei in abenteuerliche Situationen. Davon berichtet das Buch und porträtiert verschiedene Menschen, die überleben wollten, ohne sich zu Komplizen des Regimes zu machen. Deren Aktivitäten zeigten: Widerstand war möglich. Einer der Freunde, Fred, arbeitete beim Film und weigerte sich, Nazi-Propaganda zu unterstützen. Als er zur Strafe an die Front geschickt werden sollte, wurde er zum Simulanten; einem anderen Deserteur, dem »Kleinen König«, half Ilse Vogel in langen Fußmärschen, seine geliebte Bibliothek mit einem Handwagen vor den Bomben in Sicherheit zu bringen. Als die jüdische Schulfreundin Vera aus Görlitz auf der Flucht nach Spanien plötzlich in Berlin auftaucht, warnte sie Ilse, ihr zu helfen, weil es gegen das Gesetz sei. Doch Ilse antwortete: »Diese Gesetze gelten für mich nicht«. Einmal veranstaltete Ilse Vogel eine Party, bei der ein großes Hitlerporträt verunstaltet und damit eine symbolische Hinrichtung vollzogen wurde. Manchmal glich ihr Widerstand einem gefährlichen Drahtseilakt. Als sie jemanden versteckte, der von der Gestapo gesucht wurde, entging sie aufgrund dessen Unvorsichtigkeit nur knapp einer Katastrophe. Das längste Kapitel des Buches widmet sie dem im Untergrund lebenden Fälscher Oskar Huth. Eines Tages führte Oskar sie in seine Werkstatt im Luftschutzkeller, wo sie nicht schlecht staunte: Es war ihm gelungen, sich eine Druckpresse zu besorgen, mit der er eine »Fälscherwerkstatt für Überlebenspapiere« betrieb. Als die Stadt in Trümmern versank, ging auch ihre Wohnung in der Meinekestraße in Flammen auf. Den Einmarsch der Roten Armee erlebte sie als dramatisch, Freude und Schrecken lagen dicht beieinander. Nach dem Krieg arbeitete Ilse Vogel für die legendäre Galerie Rosen und ging 1950 in die USA. Dort wurde sie als Illustratorin sowie als Kinder- und Jugendbuchautorin bekannt.

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JuliB

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    Über Mut im Untergrund

    Gospelsinger

    16. February 2015 um 19:31

    „Denn die Lehre solcher Geschichten ist einfach, ein jeder kann sie verstehen. Sie lautet, politisch gesprochen, dass unter den Bedingungen des Terrors die meisten Leute sich fügen, einige aber nicht.“ (Hannah Arendt) Konnte man den Nationalsozialismus überleben, ohne sich anzupassen? War Widerstand möglich? Konnten Anstand und Freundschaft aufrecht erhalten werden? Nein, heißt die übliche Antwort. Zu stark seien die Repressionen und die Gefahren gewesen. In diesem Buch dagegen werden diese Fragen mit einem deutlichen Ja beantwortet. Ja, es war möglich, aber es gehörten eine gehörige Portion Mut und auch Glück dazu. Und ein wenig Übermut; auch so lässt sich der Buchtitel lesen. Ilse-Margret Vogel war eine mutige Frau, die in gefährlichen Situationen die nötige Geistesgegenwart besaß, um heil heraus zu kommen. Und es war für sie von Vorteil, in Berlin zu leben, denn in kleineren Orten war die Überwachung durch die Parteifunktionäre leichter durchzusetzen. „Ich bin sicher, ich als impulsive Person wäre in einem Konzentrationslager geendet, wenn ich nicht in die Großstadt gezogen wäre. Unter den Berlinern, bekannt für ihren Widerstandsgeist, ihren galligen Humor und ihre Unabhängigkeit, waren Personen wie ich sicherer – trotz der Bombenangriffe.“ Im Buch werden die Geschehnisse in Berlin zwischen 1943 und 1943 nicht chronologisch erzählt, sondern anhand von Personen, mit denen Ilse-Margret Vogel zu tun hatte. Personen, denen sie geholfen hat, die sie gerettet hat, mit denen sie befreundet war. Das war nicht immer einfach. So hat sie auf Wunsch eines Freundes einen Verfolgten bei sich aufgenommen und gerettet, der ihr furchtbar unsympathisch war und sich auch nicht gerade freundlich benommen hat. Es war eines der moralischen Dilemmata jener Zeit: Darf man einen Verfolgten vor die Tür setzen? Ilse-Margret Vogel hat das erst geschafft, als sie selbst in durch den Leichtsinn des Mannes in Lebensgefahr geriet. Den eigenen Anstand zu bewahren, war ebenfalls nicht leicht. Das ganze Leben beruhte auf Lug und Betrug, wobei man nicht umhin kam, auch selbst zu lügen und zu betrügen. Anders war ein Überleben nicht möglich. Ilse-Margret Vogel erzählt lebendig und schonungslos von ihren Erlebnissen. Und sie lässt auch Peinliches nicht aus. Denn der Anstand ging in allen Bereichen flöten, wie zum Beispiel bei den Abschiedsszenen am Bahnhof. „Die meisten Soldaten wurden von ihren Frauen oder Freundinnen begleitet. Es gab Tränen und Umarmungen. Es gab mitleiderregendes Schluchzen – und es gab Sex. Wilden, schamlosen Sex. Auf den Bänken. Auf dem schmutzigen Betonfußboden. Die Leute stiegen über die sich windenden, stöhnenden Paare, als wären sie Steine auf einem Bergpfad.“ Wenn man nicht weiß, ob man sich wiedersieht, ob man den nächsten Tag noch erlebt, wenn man buchstäblich jeden Tag so lebt, als wenn es der letzte wäre, werden Anstand und Benimm zweitrangig. Im Angesicht der Apokalypse verschwimmen die Prioritäten. Es ist nicht die richtige Zeit für Scham. Sie beiseite zu schieben, war die somit auch die einzige Art, auf die sich die Autorin vor der drohenden Vergewaltigung durch russische Soldaten retten konnte. Bei allem Mut, der nötig war, um Verfolgte zu retten – das galt lange Zeit nicht als Widerstand, sondern nur als eine jener Aktionen, die auf einen Regimesturz zielten. Helferinnen und Helfer wie Ilse-Margret Vogel wurden nicht als Widerständler gesehen, auch, weil sie die Deutschen an ihr moralisches Versagen erinnerten. Deshalb gibt es auch so wenige Zeugnisse dieser Alltagswiderständler. Eine Lücke, die durch dieses spannend zu lesende Buch endlich geschlossen wird.

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