Ilse Johanna Harries Der Einzelne, das Böse und die Schuld

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Inhaltsangabe zu „Der Einzelne, das Böse und die Schuld“ von Ilse Johanna Harries

Der aktive, meist von Männern getragene Widerstand gegen das NS-Regime ist erfreulicherweise heute gut erforscht und vielfältig belegt. Doch über den Widerstand von Frauen ist, von einigen berühmten Ausnahmen einmal abgesehen, wenig bekannt, zumal wenn sie, wie Ilse Johanna Harries, sich im Privaten mit der grundsätzlichen Problematik des Regimes, der Frage nach dem Bösen, der Schuld und den darin verstrickten Menschen befaßt haben. Die Schriftstellerin lebte während der NS-Diktatur in Berlin, war verheiratet und Mutter von sechs Kindern. In dieser Zeit schuf sie sechs Schauspiele und etwa 60 Gedichte, die hier als thematisch gegebene Einheit aus ihrem umfangreichen Werk zum ersten Mal veröffentlicht werden. Fünf dieser Schauspiele - das sechste ist ein Lustspiel - befassen sich mit der oben genannten Thematik, aber mit eigenem Akzent. Denn entgegen der üblichen Auffassung, das Böse als eine anonyme Macht, als ein politisches, gesellschaftliches, wirtschaftliches oder ideologisches System zu verstehen, verortet sie das Böse grundsätzlich im Handeln oder Denken des Einzelnen. In dieser Hinsicht sind ihre Werke und Ansätze aktuell und kritisch zugleich. Obwohl sich nur das Schauspiel "Marie Holl" direkt auf die Diktatur des NS-Regime bezieht, - die anderen sind der Geschichte oder Mythologie entnommen - können alle vor dem zeitbedingten Hintergrund der NS-Zeit gelesen werden. Mit Marie Holl spricht sie offen vom Unrecht, von der Willfährigkeit der Menschen unter der Herrschaft der NS-Diktatur. Wäre dies damals bekannt geworden, wäre ihr Schicksal besiegelt gewesen. Ihre bedrückende Ge- und Betroffenheit vom geistigen und realen Elend jener Zeit versuchte sie insbesondere in ihren Gedichten zu bearbeiten, ja man muß fast sagen, abzuarbeiten. Denn ohne die geistige, literarische Auseinandersetzung in Form der Gedichte, wäre sie dem großen Leid jener Zeit wahrscheinlich erlegen, weshalb man hier von der heilenden Kraft des Wortes sprechen kann. Insgesamt: Ein erschütterndes, beeindruckendes und wegweisendes Werk des geistigen Widerstandes einer Frau.

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