Ilse Schmidt Die Mitläuferin. Erinnerungen einer Wehrmachtsangehörigen

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Inhaltsangabe zu „Die Mitläuferin. Erinnerungen einer Wehrmachtsangehörigen“ von Ilse Schmidt

Kriege werden gekämpft und gestorben von Männern, so das Klischee. Doch Die Mitläuferin zeigt, daß Frauen im Nationalsozialismus nicht nur passive Zuschauerinnen waren. Ilse Schmidt ist 21, als sie 1940 zum ersten Mal ihr Heimatdorf in der Nähe von Potsdam verläßt. Ihre Lebenslust und eine Stelle als Stabshelferin bei der Wehrmacht führen sie nach Paris. Nur wenig bekommt sie dort vom blutigen Kriegstreiben mit, Ilse Schmidt erlebt mit großen staunenden Augen das glitzernde Nachtleben der Metropole, läßt sich begeistern vom französischen Lebensstil.
Doch Versetzungen, zunächst nach Belgrad und schließlich in die Ukraine, lassen sie immer mehr in das Gesicht des Krieges und der Gewalt der Nationalsozialisten blicken. Sie wird Zeugin von Erschießungen, Deportationen. Ist ihr Arbeitsinstrument auch nur die Schreibmaschine, so steckt sie doch gleichzeitig mittendrin. Schweigen und Angst werden zu ihren ständigen Weggefährten. 1943 muß sie sich aus der Ukraine zurückziehen, nach Italien, wo sie das Ende des Krieges erlebt und interniert wird, bis sie schließlich nach Hause zurückkehrt.
Die Erinnerungen von Ilse Schmidt sind flankiert von zwei Aufsätzen, die zusätzliche, notwendige Ergänzungen beinhalten: So beschäftigt sich die Historikerin Annette Kuhn mit den Fragen von Schuld und Mitläufertum. Gaby Zipfel, Soziologin, zeichnet ein noch wenig diskutiertes Bild der Frau in der Wehrmacht, das über die Rolle der passiven Dulderinnen weit hinausging.
Erst 20 Jahre später sah sich Ilse Schmidt zu ihren Erinnerungen bereit. Diese sind im Präsens geschrieben, und manche Greuel lassen die Erzählerin noch heute innehalten. Der Leser wird dadurch ebenfalls zum Zeugen ihrer Geschichte, die sie vor ihrem geistigen Auge Revue passieren läßt. Mit ihren Erinnerungen zeigt sie auch, wie man inmitten des Unfaßbaren abstumpft, Emotionslosigkeit sich breit macht. Das Ich spaltet sich ab, wie die Autorin durch einen Traum erkennen läßt.
Die Mitläuferin ist ein bemerkenswertes Zeugnis des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, das ein bisher kaum beachtetes Thema aufwirft und erhellt. --Susanne Sohlau
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  • Rezension zu "Die Mitläuferin. Erinnerungen einer Wehrmachtsangehörigen" von Ilse Schmidt

    Die Mitläuferin. Erinnerungen einer Wehrmachtsangehörigen

    Jens65

    31. July 2008 um 21:31

    Die Lebenserinnerungen von Ilse Schmidt sind ungewöhnlich in der Art, in der sie ihr Leben während des Zweiten Weltkrieges beschreibt. Es ist eines der wenigen Bücher, die einem ein sehr gutes und autentisches Gefühl für das Leben in Nazi-Deutschland und im Krieg geben. Die Schreibweise erinnert an eine mündliche Erzählung, mit Erinnerungen an Episoden und daran, wie man sich gefühlt und was man in diesem Moment gedacht hat. Ilse Schmidt versucht, uns zu erzählen, was sie erlebt und wie sie gefühlt hat - auch wenn sie sich und dem Leser eben eingestehen muß, daß sie anders hätte handeln müssen oder anders hätte denken sollen. In ihrer Erzählung kann man jedoch gut nachvollziehen, warum sie damals so und nicht anders handelte. Dies Buch hat mir in außergewöhnlicher Weise die Stimmung und das Leben im Dritten Reich und im Krieg nahe gebracht. Ich kann es ohne Einschränkungen empfehlen.

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