Das letzte Jahr

von Ilse Tielsch 
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Das letzte Jahr
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Roman aus der Sichtweise eines kleines Mädchen. Sehr gelungener Erzählstil.

Kritisch (2):
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Thema mit viel Potenzial, die Umsetzung konnte mich nicht überzeugen.

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Inhaltsangabe zu "Das letzte Jahr"

1938: Die neunjährige Elfi Zimmermann erlebt das letzte Jahr vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs in einem südmährischen Städtchen. Zu Beginn des Jahres freut sie sich über ihr neues Fahrrad, im Herbst besetzen Hitlers Truppen die Sudetengebiete, und alles beginnt sich zu verändern. Elfi kann nicht verstehen, warum ihre jüdische Freundin, viele Nachbarn und immer mehr Geschäfte verschwinden und warum ihre Eltern nicht mit ihr sprechen, sondern nur miteinander flüstern.
Ilse Tielsch zeigt ein in dieser schwierigen Zeit in ihren Gedanken und Ängsten alleingelassenes Mädchen, das nicht akzeptieren will, dass sein unbeschwertes Leben nicht mehr möglich ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783903005891
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:152 Seiten
Verlag:Edition Atelier
Erscheinungsdatum:13.09.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Maximevms avatar
    Maximevmvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Roman aus der Sichtweise eines kleines Mädchen. Sehr gelungener Erzählstil.
    berührende Geschichte eines kleinen Mädchen in der Vorkriegszeit

    Inhalt:


    Die neunjährige Elfi lebt in einer kleinen Dorf in Mähren, wo Juden, Tschechen und auch Deutsche friedlich zusammen leben. Die kleine Elfi hat ein Fahrrad bekommen und liebt es von Dorf zu Dorf zu flitzen. Sie träumt von einem aufregenden Leben im Zirkus. Mit der Zeit nimmt Elfi immer mehr Veränderungen um sich war und weiß nicht genau, wo sie die zu ordnen soll. Plötzlich verschwindet auch ihre jüdische Freundin ohne ein Wort des Abschieds, Geschäfte schließen  und ihre Eltern erklären ihre nicht was los ist. 


    Meinung:


    Das Buch "Das letzte Jahr" hat mir an sich sehr gut gefallen, nur manchmal hätte ich mir etwas mehr Spannung erhofft.  Besonders der etwas andere Schreibstil hat mich begeistert. Es kommt nicht oft vor, dass so ein ernstes Thema aus der Sicht eines Kindes erzähl wird. Die Autorin hat die ganze Geschichte sehr berührend rüber gebracht. Wir können genau erfahren, wie das Kind die Umbruchsstimmung vor dem Krieg mitbekommt. Man kann sich sehr gut in die Geschichte hineinversetzen. 

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    JoBerlins avatar
    JoBerlinvor einem Jahr
    Und dann war alles vorbei

    Wir schreiben das Jahr 1938.

    Die neunjährige Elfi empfindet das Leben in ihrem südmährischen Dorf schon etwas langweilig, sie träumt vom Leben in der Stadt, Wien oder Brünn erscheinen aufregend-glitzernd, verwegen-mondän ---- großstädtisch eben. 

    Sie ahnt nicht, welche Gefahr schon bald der tschechisch-slowakischen Republik und ihrem Zuhause droht. Ihre Welt besteht zunächst noch aus dem friedlichen Nebeneinanderleben von Deutschen und Tschechen, von Juden und Christen. Doch es ist bereits klar --- ein gleichberechtigtes Miteinander gibt es auch in Elfis kindlicher Welt nicht. Die Dienstboten der Familie sind tschechisch, während sich Deutsche mehr in gehobenen Berufen, der Verwaltung der Güter und des Landes, finden. Man spürt bereits: Der Deutsche ist der „bessere“ Mensch.

    Ilse Tielsch lässt Elfi - teils in altersgemäß unbedarften Freundinnen-Ton, oft auch mit altklugen Anmerkungen - glaubhaft die Geschichte des letzten Friedensjahres erzählen, idyllisch-heimelig zunächst, doch mit jedem Kapitel wird die politische Lage, werden die Unstimmigkeiten zwischen Deutschen, Tschechen und Juden deutlicher.
    Dabei ist die Autorin sich der Schwierigkeit, den naiv-kindlichen Grundton über einen ganzen Roman durchzuhalten, durchaus bewusst. Doch es gelingt - ist es doch gerade die einfach bis lakonische Sprache, die berührt. Sie kennt sie gut, sie schreibt genau - denn Elfi ist ihr Alter Ego und es ist ihr eigenes lebens- und werkbestimmendes Thema: Der Untergang der südmährischen Heimat.

    Der gut zu lesende, berührende Roman wird von einem sehr schönen, behutsamen Nachwort des bekannten österreichischen Publizisten Adolf Opel begleitet. 

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    verruecktnachbuecherns avatar
    verruecktnachbuechernvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Thema mit viel Potenzial, die Umsetzung konnte mich nicht überzeugen.
    Konnte mich nicht überzeugen

    Elfi ist neun Jahre alt und lebt 1938 in einem Dorf, wo Deutsche, Tschechen und Juden sich freundlich begegnen. Ein Jahr vor dem zweiten Weltkrieg liebt sie in ihrer „perfekten“ Kinderwelt. Sie hat ein Fahrrad, welches ihr die Welt zu Füßen legt und Freunde. Elfi möchte später zum Zirkus.
    Doch die friedliche Stimmung in dem Dorf kippt, als das erste judenfeindliche Gedankengut Elfis heile Welt erreicht. Die jüdische Freundin verschwindet und Elfi versteht nicht, warum sie in einigen Laden nicht mehr einkaufen darf.

    Das Cover passt super zum Inhalt. Man sieht dieses altmodisch gekleidete Mädchen mit ihrem Fahrrad. Allerdings ist das Cover nicht sehr auffällig und ich weiß nicht, ob ich im Buchladen nicht dran vorbeilaufen würde.

    Der Autorin ist es gut gelungen die damalige Welt durch Kinderaugen zu betrachten und dieses Gefühl dem Leser auch zu vermitteln.
    Elfis Beschreibungen des langsam kriechenden Hasses wirkt sehr authentisch.

    Bis auf den schleichenden Judenhass passiert nicht wirklich viel in der Geschichte. Elfi fährt mit ihrem Rad oder schmiedet Zukunftspläne.
    Irgendwie fehlt in dem Roman eine richtige Handlung und so fand ich es teilweise sehr langweilig und langatmig.

    Die Geschichte von dem kleinen Mädchen, welches auf einmal mit Judenfeindlichkeit konfrontiert wird und die Welt nicht mehr versteht ist, hat so viel Potenzial. Leider konnte mich die Umsetzung nicht wirklich überzeugen.

    Das Buch kann ich deswegen nicht weiterempfehlen.

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    Aspasias avatar
    Aspasiavor einem Jahr
    Eine Kindheit in Mähren..

    Ich bin oft dort … im leeren Turnsaal zittert noch etwas / Mozart / auf verstimmtem Klavier gespielt / aber die Lieder sind verstummt / die Stimmen nicht mehr hörbar / vergebens lege ich mein Ohr / auf die Schwelle / fremd / gehe ich durch die Gassen / eingehüllt in Schatten und Schlaf / weiß: der Regen bleibt nicht aus / schreibe doch immer wieder / mit Kreide / an die Häuserwände / alle Antworten / die sie mir schuldig geblieben sind.

    Im Gegensatz zu dem Lyrischen-Ich im zitierten Gedicht „Circulus Brunnensis – vor einer alten Karte von Mähren“ von Ilse Tielsch aus dem Gedichtband „Zwischenbericht“, 1986 erzählt die junge, aufgeweckte zehnjährige Heldin in „Das letzte Jahr“ ganz unbefangen von ihren Beobachtungen und Gedanken über ihr Leben, bevor Österreich sich im März 1938 dem Deutschen Reich anschloss.

    Damit grenzte die Tschechoslowakei, seit dem 28.10.1918 ein freiheitlich-demokratischer und sozialer Rechtsstaat, zu dem auch Mähren und 3 Millionen deutsche Bewohner gehörten, nun fast auf ganzer Länge an das Deutsche Reich. Hitler machte die „Lösung“ der tschechoslowakischen Frage, die schwelenden Nationalitätskonflikte & Benachteiligung der sudetendeutschen Minderheit zur „Chefsache“, indem er die Sudetendeutsche Partei (SdP) dazu brachte unerfüllbare Autonomieforderungen zu stellen. Als die Krise sich innerhalb der Tschechoslowakei zuspitzte, forderte Hitler die Abtretung der Sudetendeutschen Gebiete ans Deutsche Reich. Am 20. Mai machte die Tschechoslowakei in Erwartung eines deutschen Angriffs mobil, was Hitler das entscheidende Argument brachte, die Wehrmacht in Bereitschaft zu setzen und gleichzeitig fleißig die Anti-Tscheslowakei-Propaganda zu befeuern, mit dem Hinweis auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Da allen voran wohl Großbritannien unter Chamberlain die Redewendung mit dem kleinen Finger und der ganzen Hand nicht kannte und meinte den Frieden in Europa bewahren zu können, indem man Hitler „dieses eine Mal“ in seinem Wunsch nach einer Neuordnung der osteuropäischen Grenzverläufe und des Anschlusses des Sudetenlandes ans Deutsche Reich im September 1938 auf der Godesberger Konferenz nachgab, wollte Hitler 6 Tage später am 28.9. in ein territorial nicht genau definiertes Gebiet einmarschieren. Um einen Krieg abzuwenden trafen sich GB, Italien, Frankreich unter Ausschluss der Tschechoslowakei oder seines Bündnispartners der Sowjetunion mit Hitler am 29.9. in München und beschlossen die Abtretung des Sudentengebietes ans Deutsche Reich, welches jenes vom 1.-10, Oktober besetzen sollte, dafür erkannten England und Frankreich den Bestand des Reststaates an. Die machtvolle „Heimholung“ der Sudeten und gleichzeitige Abwehr eines Krieges steigerte Hitlers Popularitätswerte in der deutschen Bevölkerung enorm.

    Wer um diesen politischen Hintergrund nichts weiß, der wird natürlich nicht bei der kindlichen Selbstvorstellung der neunjährigen Heldin gleich zu Beginn der, aus der Retroperspektive geschilderten, Geschichte diese leichte Gänsehaut, die das Wissen um das unabwendbare, drohende Unheil, spüren.

    Ich bin die Elfi Zimmermann. Ich bin ziemlich klein und mager und habe glatte braune Haare, die mir ins Gesicht hängen würden, wenn mir die Marschenka nicht jeden Morgen zwei feste Zöpfe flechten würde.“ (S. 5)

    Marschenka ist das, was man früher „das Mädchen nannte, und heute unter haushaltsnahe Dienstleistungen geführt wird, der deutschen Familie Zimmermann in einer typischen multikulturellen südmährischen Kleinstadt ungefähr ein Jahr, bevor Hitler . Für Elfi ist die 18 jährige Tschechin Marschenka aber vor allem Vertraute, Verbündete und oft Wegweiserin in der oft fremden Welt der Erwachsenen.

    Diese Welt erkundet Elfi seit neustem mit ihrem Fahrrad, mit dem sie zwischen einem vorrangig deutschen und einem vorrangig tschechisch bewohnten Dorf und ihrer von Tschechen, Slowaken, Ungarn und Deutschen, von Katholiken, Protestanten und Juden bewohnten Heimatstadt hin- und her fährt. Der Erzählort, ihre kleine idyllische Welt, als verkleinertes Abbild der Anordnung des Deutschen Reiches, des Sudentenlandes und der Rest-Tschecheslowakei zueinander, der ihr noch fernen großen Welt.

    Zum Personal des Romans gehören neben ihren besten Freundinnen Alenka, aus einer finanziell weniger gutgestellten Großfamilie, mit der sie zusammen in Amerika die Indianer retten will, die aber im Gegensatz zu Elfi, die noch auf die aus alten K. und K. Schule geht, leider die neu gebaute tschechische Schule besucht, und ihre jüdische Freundin Lili, aus einer konservativ, bildungsbürgerlichen Familie, die zwar in der Schule neben ihr sitzt, aber weder mit zum sommerlichen Schwimmen, noch zu kirchlichen Festumzügen darf. Dann sind da noch ganz wunderbar gezeichnete Nebenfiguren als Beispiele exzentrischer, gesellschaftlicher Strömungen wie der Oberlehrer Wessely, ein Gesundheitsfanatiker, der selbst im Winter ein Loch ins Eis hackt und baden geht, um der Gefahr einer Wintergrippe zu trotzen und Elfis Klavierlehrerin, die sich ihres Korsetts entledigt hat, und in ihren wallende Kleidern Dvořák spielt.

    Bevor das Unheil Gestalt annimmt, erspürt das beobachtende Kind die Veränderungen im Kleinen. Diese zu Beginn noch undeutliche, aber alles vergiftende Wolke des Nationalismus, der die Gemeinschaft für immer spalten wird, bleibt dem kleinen Mädchen nicht verborgen und sie erzählt uns, dem Leser, unbedarft, ohne uns beeinflusse zu wollen, davon. Wie es der Autorin gelingt diesen Ton bis zum Ende zu halten, macht dieses Buch so berührend und lesenswert für mich.

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    kruemelhinos avatar
    kruemelhinovor einem Jahr
    Umbrüche aus Kindessicht

    1938 - Die neunjährige Elfie lebt mit ihren Eltern in Mähren. Sie liebt ihr Fahrrad, die Indianergeschichten um Winnetou und den Zirkus. Später möchte sie sogar zu den Indianern nach Amerika ziehen oder am Zirkus arbeiten. Ihre Kindheit erscheint zunächst idyllisch und unbeschwert. Bis Elfi immer mehr und mehr Veränderungen um sich erfahren muss, aus denen sie sich keinen Reim machen kann...

    'Das letzte Jahr' gibt die Umbruchsstimmung vor Beginn des Zweiten Weltkrieges aus Kindersicht wieder. Die beschriebenen Veränderungen spielen sich damit nur im direkten Umfeld von Elfi ab. Sie erzählt von Umständen, die sie tatsächlich beobachtet oder persönlich erzählt bekommt. Für einen politischen Überblick hat sie in dem Alter noch nicht den Weitblick. So geben ihr das plötzliche Verschwinden von Freunden natürlich Rätsel auf. Sie erkennt deutlich, dass etwas schief läuft, bekommt aber kaum Erklärungen, so dass sie Vieles mit sich selbst ausmachen muss und damit auch allein mit ihren Sorgen zurück bleibt.

    'Das letzte Jahr' wirkt in seinen Beschreibungen sehr realistisch. Die Erzählperspektive hat mir insgesamt sehr gut gefallen, auch wenn mir Elfi manchmal etwas zu reif für eine Neunjährige erscheint. So kann sie sich überdurchschnittlich gut ausdrücken. Auch sind Beschreibungen hier und da redundant, was bei Darstellungen aus Kindersicht allerdings durchaus realistisch wirkt.

    Insgesamt eine schöne Lektüre aus einer unsicheren Zeit. Einer Zeit voller Umbrüche und Ängsten.

    4,5/5 Punkte

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    CanYouSeeMes avatar
    CanYouSeeMevor einem Jahr
    Das letzte Jahr

    1938: Die neunjährige Elfi Zimmermann erlebt das letzte Jahr vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs in einem südmährischen Städtchen. Zu Beginn des Jahres freut sie sich über ihr neues Fahrrad, im Herbst besetzen Hitlers Truppen die Sudetengebiete, und alles beginnt sich zu verändern. Elfi kann nicht verstehen, warum ihre jüdische Freundin, viele Nachbarn und immer mehr Geschäfte verschwinden und warum ihre Eltern nicht mit ihr sprechen, sondern nur miteinander flüstern. 


    ‚Das letzte Jahr‘ von Ilse Tielsch ist aus der Perspektive der neunjährigen Elfi geschrieben und einhaltet somit eine eher kindliche Perspektive auf die Geschehnisse kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Der Autorin ist es überwiegen gelungen diese durchaus schwierige Perspektive authentisch wirken zu lassen. Die Sprache und Gedankengänge wirkten auf mich meist sehr realitätsgetreu, nur an einigen wenigen Stellen wirkte die junge Protagonistin auf mich ein wenig zu reif und reflektiert – aber das kann jeder Leser unterschiedlich interpretieren.Die Handlung an sich war für mein Empfinden eher zähflüssig, oft standen die gleichen Themen im Mittelpunkt oder Punkte wurde wiederholt. Meinen Geschmack hat es weniger getroffen – ich habe von Kapitel zu Kapitel gehofft, dass etwas ‚spannendes‘ passieren würde und wurde oft enttäuscht, der alltägliche Ablauf trottete mehr oder weniger stetig voran. Klar ist, dass Kinder, wie Elfi es ist, möglicherweise vergleichsweise wenig mitbekommen und die Erwachsenen wenig bis keine Zeit haben, ihnen die Geschehnisse zu erklären – so bleiben die Kinder verwundert und verwirrt. Dieser Fakt wurde für mich beim Lesen dieses Buches sehr deutlich, hat aber dazu beigetragen, dass mich die Handlung insgesamt nur wenig packen konnte.Insgesamt ist ‚Das letzte Jahr‘ ein durchaus interessantes und sehr authentisches Buch über die kindliche Perspektive zu Beginn des Krieges, für mich war es jedoch zu langatmig und ergebnislos.

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    tinstamps avatar
    tinstampvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Trotz des eher beklemmenden Themas schreibt die Autorin mit viel Humor und sehr identisch aus kindlicher Sichtweise.
    Die Vorboten des Krieges

    In diesem kleinen Büchlein mit 152 Seiten steckt sehr viel Inhalt. Man erlebt die Gedanken eines neunjährigen Mädchens, während sich die Welt im Umbruch befindet.

    1938: Für Elfi ist es ganz normal in ihrem kleinen Dorf in Mähren gemeinsam mit Tschechen, Juden und Deutschen aufzuwachsen. Vor nicht allzu langer Zeit gehörte Mähren noch zu Österreich. Jetzt ist in Wien Hitler einmarschiert und Österreich gehört zur Ostmark und ihr Dorf Tarowitz wurde böhmisch. Marschenka, das Dienstmädchen der Familie stammt aus dem Nachbardorf Klein Tarowitz (Tarowitschky), wo großteils nur Tschechen leben. In Groß Tarowitz leben wiederum mehr Deutsche. Für die Kinder der Region ist dies kein Problem und man verständigt sich auch ohne große Probleme. Auch ihre Eltern sind liberal eingestellt und vermitteln Elfi, dass es egal ist. welcher Herkunft man ist. So kauft auch die Mutter ihren Lieblingsschinken bei Frau Hirsch, einer Jüdin und das Brot bei der Bäckerei Plicha, die einen Deutschen gehört.

    Ilse Tielsch beschreibt in wunderbar authentischer Sprache aus der Ich-Perspektive über das Leben der neunjährigen Elfi. Dabei ist die Sprache angepasst, aber nicht zu kindlich. Man hat das Gefühl das Mädchen erzählt in einer Art Tagebuch von ihren Gedanken, Wünschen und Zielen. So sieht der Leser die Welt mit den Augen eines Kindes. Oft musste ich schmunzeln über ihren Ideenreichtum oder die Gedankengänge, die sie hat. Ich fühlte mich wieder als Kind und habe auch einige Parallelen aus meiner Kindheit zu der von Elfi entdecken können.
    Noch ist ihr Leben in Ordnung. Sie wächst behütet auf und hat keinerlei Vorurteile. Am liebsten fährt sie mit ihrem roten Fahrrad hügelauf- und abwärts und versucht sich an diversen Kunststücken. Elfi träumt vom Zirkus oder davon mit dem Schiff über den Ozean zu fahren und nach Amerika auszuwandern. Durch ihre Liebe zu Bücher und den Romanen von Karl May interessiert sie sich für das Leben der Indianer. Mit ihren Freundinnen Lilli, einer Jüdin und Alenka, einer Tschechin, erlebt sie noch einen unbeschwerten Sommer. Und doch gibt es bereits dunkle Wolken am Himmel. Lilli und ihre Familie sind eines Tages verschwunden. Auch die jüdischen Geschäfte sind plötzlich geschlossen. Deutsche und Tschechen kaufen nur mehr bei ihresgleichen ein. Die Eltern verhalten sich immer ängstlicher und seltsamer und ihre Mutter beachtet sie kaum mehr. Elfi ist verwirrt und fühlt sich einsam. Warum sind ihre Eltern nicht mehr fröhlich? Warum kommt Lilli nicht zurück? Es wird das letzte Jahr einer unbekümmerten Kindheit sein...

    Ilse Tielsch hat in diesem wunderbaren Roman einige Erlebnisse aus ihrer Kindheit verarbeitet und in einem bezaubernden Schreibstil, der einem direkt in die kindliche Seele blicken lässt, wiedergegeben. Trotz des eher beklemmenden Themas schreibt die Autorin mit viel Humor und sehr identisch aus kindlicher Sichtweise.

    Fazit:
    Trotz der wenigen Seiten ein berührendes Buch mit viel Inhalt. Man erlebt die tiefbewegenden Gedanken eines Kindes, das den Umbruch der Gesellschaft bis zum Kriegsbeginn miterlebt. Durch den authentischen Schreibstil und einer kleinen Prise Humor wird das schwierige Thema aus kindlicher Sichtweise leichtfüßiger beschrieben.

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    Pusteblume85s avatar
    Pusteblume85vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Tief bewegende Geschichte eines kleinen Mädchens in einer ihr immer fremder werdenden Welt!
    Kriegszeiten aus Kinderaugen gesehen!

    Elfie Zimmermann ist neun Jahre alt und wächst behütet auf. Für sie ist die Welt in Ordnung! Sie freut sich über ihr Fahrrad. Für sie ist es das Größte, damit durch die Gegend zu fahren.  Ihr größter Traum ist es, einmal im Zirkus zu arbeiten.  Sie sieht die Welt noch mit kindlichen Augen. Bis sich alles verändert! Es ist 1938, durch den Krieg wird die Welt auf den Kopf gestellt. Plötzlich verschwinden einige Dorfbewohner und ihre Freundin Lily. Wo sind sie hingegangen? 


    Sehr niedlich erzählt Elfie Zimmermann von ihrer Welt, wie sie sie sieht. Es ist mal eine ganz andere Erzählart, die mich tief berührt hat. Dieses kleine Mädchen ist so tapfer und ein lieber Mensch. Mir war das Lesen eine Freude.



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    xuscha01s avatar
    xuscha01vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Berührend, einfühlsame Geschichte aus der Sicht einer Neunjährigen erzählt. Etwas andere, aber sehr gelungene Erzählweise!
    Berührend und fesselnd

    Elfi Zimmermann, ein neunjähriges Mädchen, lebt in Mähren in einem kleinen Dorf, das von Tschechen, Deutschen und jüdischen Einwohnern im Einklang bewohnt wird. Jeder kauft bei dem anderen ein, grüßt sich auf der Straße -  sowohl auf tschechisch, als auch auf deutsch - und die Kinder verbringen ihre Freizeit miteinander, egal ob sie zur tschechischen oder deutschen Schule gehen. Alles ist idyllisch.


    Elfi ist ein liebenswertes Mädchen, das sich über ihr neues Fahrrad freut und später entweder nach Amerika zu den Indianern auswandern will oder aber auch beim Zirkus auftreten möchte, wie ihre Tante. Sie könnte Kunststücke auf ihrem Fahrrad machen. Ihre Eltern haben ihr beigebracht, dass es keinen Unterschied macht, wer welche Nationalität hat, welche Sprache spricht oder welcher Religion angehört. Das sei nicht wichtig, solange man eine anständige Person ist. Dies alles ist so wunderbar beschrieben aus der Sicht von Elfi, die uns teilhaben lässt an ihren Gedanken, Erlebnissen, Gefühlen und Ängsten. 


    Doch nach und nach fallen ihr Veränderungen in ihrem kleinen Dorf und auch bei ihren Eltern auf. Ihre Freundin Lilli ist von einem auf den anderen Tag nicht mehr da und keiner will ihr erklären, wieso. Viele Geschäfte (mit jüdischen Inhabern) im Dorf sind plötzlich geschlossen. Die tschechischen Erwachsenen gehen nur noch bei den Tschechen einkaufen und die deutschen bei den Deutschen. Und dann darf sie auf einmal nicht mehr zu einem Turnfest gehen, wo doch ihre Freundinnen auch dort hingehen. Ihre Verwirrungen bekommt man hautnah mit, als eine Art Vertrauensperson. Man möchte ihr als Leser am liebsten alles erklären, sie trösten, in Schutz nehmen und für sie da sein in einer Zeit der Veränderung. 


    Anfangs musste ich erst reinfinden in das Buch. Denn der Schreibstil war etwas ungewöhnlich: Die Gedankensprünge, einfache Ausdrucksweise und ein Lesefluss, der immer mehr an Tempo gewann. Doch nach den ersten zwei Kapiteln war es ein leichtes zu folgen und ich wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. 


    Elfi ist eine fantastische Protagonistin. Mit ihrer kindlichen Art, wie sie die Dinge sieht und versteht, reißt sie den Leser mit in ihre Gedankenwelt und ihre Träume von einer Zukunft als Zirkusartistin oder in Amerika. Ihre Freude über ihr neues Fahrrad und somit her Mobilität lassen auch eigene Kindheitserinnerungen aufkommen. So wie zu Beginn des Buches Freude empfunden wird, überwiegt zum Ende hin Mitgefühl und Traurigkeit über ihre zerbrochene Welt und die Einsamkeit. 


    Es ist definitiv ein Buch, das man gelesen haben sollte, um daran erinnert zu werden, dass es nicht nur eine (erwachsene) Sichtweise der Dinge gibt und die Kinder manchmal viel mehr verstehen, als man ihnen zutraut.

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    Tulpe29s avatar
    Tulpe29vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein sehr lesenswertes, aufrüttelndes Buch über das Leben eines kleinen Mädchens in Mähren, kutz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges
    Elfis Welt zerbricht

    Dieses in einer zauberhaften Sprache und Erzählweise geschriebene Buch mag man nicht mehr aus der Hand legen. Es berichtet vom Beginn der NS-Herrschaft und  dem Leben in Mähren unmittelbar vor  Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.
    Das  kleine Mädchen Elfi muss schmerzhaft erfahren, wie ihre heile Welt und ihre behütete Kindheit langsam zerstört werden. Alles deutet darauf hin, dass bald nichts mehr so ein wird wie bis gerade eben noch. Das macht ihr Angst. Sie weiß nicht mehr, wo sie hingehört und was sie den Erwachsenen glauben soll.
    Es ist eine fesselnde, berührende und traurige Geschichte, die aber auch ihre Lichtblicke hat. Man fühlt sich beim Lesen immer an den braven Soldaten Schwejk erinnert, der durch seine Spitzbübigkeit und seinen nie versiegenden Humor in allen Lebenslagen noch halbwegs unbeschadet durchkommt.
    Das wünscht man auch Elfi und ihrer Familie.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    EditionAteliers avatar
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    1938: Die neunjährige Elfi Zimmermann erlebt das letzte Jahr vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs in einem südmährischen Städtchen. Zu Beginn des Jahres freut sie sich über ihr neues Fahrrad, im Herbst besetzen Hitlers Truppen die Sudetengebiete, und alles beginnt sich zu verändern. Elfi kann nicht verstehen, warum ihre jüdische Freundin, viele Nachbarn und immer mehr Geschäfte verschwinden und warum ihre Eltern nicht mit ihr sprechen, sondern nur miteinander flüstern.
    Ilse Tielsch zeigt ein in dieser schwierigen Zeit in ihren Gedanken und Ängsten alleingelassenes Mädchen, das nicht akzeptieren will, dass sein unbeschwertes Leben nicht mehr möglich ist.

    Zur Autorin:
    Ilse Tielsch wurde 1929 in Auspitz/Hustopece in Mähren geboren und lebt als Schriftstellerin in Wien. Studium der Zeitungswissenschaft und Germanistik, 1953 Promotion. Mitglied des Österreichischen P.E.N.-Clubs und des OeSV sowie Gründungsmitglied des Literaturkreises Podium. Veröffentlichung von Romanen und Gedichten, u.a. Die Ahnenpyramide und Heimatsuchen. Ihre Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Viele Preise und Auszeichnungen, u.a. Anton-Wildgans-Preis, Andreas-Gryphius-Preis und Südmährischer Kulturpreis. www.ilsetielsch.at

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    Pressestimmen

    »›Das letzte Jahr‹« ist der Versuch, das damalige Chaos in einem Kind einzufangen, das träumen wollte, Trapperin in Amerika zu werden, während Schulkolleginnen von einem Tag auf den anderen verschwanden. (Peter Pisa, Kurier)

    »Ilse Tielsch ist eine raffinierte Erzählerin.« (Evelyne Polt-Heinzl, Die Presse)

    »Die großen Fluchtbewegungen unserer Tage rücken die Aktualität des Werkes der österreichischen Schriftstellerin Ilse Tielsch wieder in den Fokus.« (Christa Nebenführ, Buchkultur)

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