Imre Kertész

 4.2 Sterne bei 326 Bewertungen
Autor von Roman eines Schicksallosen, Liquidation und weiteren Büchern.
Autorenbild von Imre Kertész (© Csaba Segesvári)

Lebenslauf von Imre Kertész

Imre Kertész, am 9. November 1929 in Budapest geboren, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Nach Kriegsende arbeitete er zunächst als Journalist, seit 1953 dann als freier Schriftsteller und Übersetzer in Budapest. Mit seinem «Roman eines Schicksallosen», 1975 in Ungarn veröffentlicht, gelangte er nach der europäischen Wende zu weltweitem Ruhm. 2002 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Alle Bücher von Imre Kertész

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Buchformat:
Cover des Buches Roman eines Schicksallosen (ISBN: 9783499253690)

Roman eines Schicksallosen

 (221)
Erschienen am 02.11.2009
Cover des Buches Liquidation (ISBN: 9783499241567)

Liquidation

 (19)
Erschienen am 01.11.2005
Cover des Buches Roman eines Schicksallosen (ISBN: 9783942656351)

Roman eines Schicksallosen

 (9)
Erschienen am 01.10.2011
Cover des Buches Dossier K. (ISBN: 9783644013513)

Dossier K.

 (10)
Erschienen am 01.09.2011
Cover des Buches Detektivgeschichte (ISBN: 9783644013315)

Detektivgeschichte

 (11)
Erschienen am 01.09.2011
Cover des Buches Kaddisch für ein nicht geborenes Kind (ISBN: 9783644109711)

Kaddisch für ein nicht geborenes Kind

 (8)
Erschienen am 18.01.2013
Cover des Buches Fiasko (ISBN: 9783644109612)

Fiasko

 (6)
Erschienen am 01.09.2011

Neue Rezensionen zu Imre Kertész

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Rezension zu "Roman eines Schicksallosen" von Imre Kertész

‚[...] es gibt keine Absurdität, die man nicht ganz natürlich leben würde [...].'
sabatayn76vor einem Monat

‚[...] es gibt keine Absurdität, die man nicht ganz natürlich leben würde, und auf meinem Weg, das weiß ich schon jetzt, lauert wie eine unvermeidliche Falle das Glück auf mich. Denn sogar dort, bei den Schornsteinen, gab es in der Pause zwischen den Qualen etwas, das dem Glück ähnlich war. Alle fragen mich immer nur nach Übeln, den ‚Greueln‘: obgleich für mich vielleicht gerade diese Erfahrung die denkwürdigste ist. Ja, davon, vom Glück der Konzentrationslager, müßte ich ihnen erzählen, das nächste Mal, wenn sie mich fragen.

Wenn sie überhaupt fragen. Und wenn ich es nicht selbst vergesse.‘ (Seite 187)

Ich weiß noch genau, wann ich ‚Roman eines Schicksallosen‘ gekauft habe: Es war 1998 am Frankfurter Flughafen, kurz vor einem Flug nach Rom. Ich kannte den Autor Imre Kertész noch nicht, und er wurde in Deutschland auch erst vier Jahre später etwas berühmter, nachdem ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde. Ich habe das Buch einzig und allein wegen des Covers gekauft - der knappe Klappentext hatte kaum etwas vom Inhalt des Romans verraten, aber der auf einem Ei liegende Vogel hat mich sofort neugierig gemacht.

Schon nach der ersten Lektüre war ich restlos begeistert von Kertész und seinem Roman, und auch 22 Jahre später ist ‚Roman eines Schicksallosen‘ eines meiner Lieblingsbücher und meiner Meinung nach der beste Roman, der je über die Konzentrationslager geschrieben wurde.

Kertész erzählt (angelehnt an seine eigenen Erfahrungen) vom 15-jährigen György, der mit seiner Familie in Budapest lebt, eines Tages nach Auschwitz und später nach Buchenwald deportiert wird, der wie durch ein Wunder überlebt und der auf eine sehr untypische, naive, kindliche Weise von den Lagern erzählt.

Trotz des naiven Erzählstils, der sich im Laufe des Romans wandelt und am Ende philosophische Züge annimmt, ist der Roman authentisch und respektvoll, wird getragen von Kertész‘ eigenen Erlebnissen, seinen eigenen Beobachtungen, seinen eigenen Gefühlen.

Kertész gibt der Shoa durch die Naivität seines Helden ein besonderes Gesicht, verharmlost dadurch nichts, sondern macht das Grauen von Auschwitz und Buchenwald durch den kindlichen György noch grauenvoller. Er lässt den Leser/Hörer am Alltagsleben im Lager teilhaben und ermöglicht es, die Welt nicht nur in Schwarz und Weiß, sondern in Grautönen zu sehen. Vor allem die Passagen nach der Befreiung Buchenwalds empfinde ich als meisterhaft, diese sind auch nach x-maligem Lesen unglaublich berührend und sorgen bei mir seit 22 Jahren für hohe Emotionalität. Kertész setzt sich hier sehr differenziert mit Györgys bzw. seinen eigenen Erfahrungen auseinander, und obwohl sein gesamter Roman auf unkonventionelle Weise von der Shoa erzählt, wird hier eine Art Klimax erreicht.

Das gekürzte Hörbuch wird von Ulrich Matthes und von Imre Kertész selbst gelesen. Beide Sprecher sind grandios: Matthes liest mit kindlichem Erstaunen, oft mit einem Lachen in der Stimme und intoniert den Text auf perfekte Weise; Kertész‘ Interpretation seines eigenen Textes steht außer Frage, verursacht beim Hören Gänsehaut und ist ein echtes Zeitdokument.

Ich empfehle generell das Buch, da die Schilderungen hier ausführlicher sind, im Hörbuch einige wichtige Stellen fehlen und der Roman insgesamt sehr stark gekürzt wurde. Das Hörbuch lege ich jedoch allen ans Herz, die vorerst einen Einblick in den Roman erhalten möchten und/oder den Roman bereits kennen und erneut entdecken wollen, denn vor allem die Lesung von Kertész selbst ist einfach großartig.

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Rezension zu "Roman eines Schicksallosen" von Imre Kertész

Anstand, Phlegmone & 64921
ErleseneBuechervor 5 Jahren

Ein bewegendes Buch, welches mich zu Beginn ratlos machte. Ich fand den Einstieg sehr schwierig. Ich habe dann von einem Vergleich des Buches mit Kafkas “Der Prozess” gelesen und dachte, daran könnte es ja liegen. Kafka ist so gar nicht meins.

Es ist für mich anfangs zu nüchtern gewesen, aber wahrscheinlich kann man nur mit einem gewissen Abstand über diese Geschehnisse schreiben. Den mehrtägigen Eisenbahntransport nach Auschwitz ohne Essen, Trinken und Informationen wird schlicht als unangenehm bezeichnen. Das kann man nicht nachvollziehen bzw. nachempfinden, soll und kann man ja auch gar nicht und das gilt vielleicht als Schlussfolgerung für das gesamte Buch: Wer es nicht erlebt hat, kann es nicht verstehen.

Allerdings wurde mir auch bewusst, dass es auch auf die Lebenssituation ankommt, in der sich die Deportierten befanden: Der Protagonist war ein ungebundener Jugendlicher, der mit Arbeitskollegen unterwegs war und kaum familiäre Bindungen hatte. Das ist was anderes, als wenn man von einer Mutter mit Kindern o.ä. liest.

Besonders seltsam erschien mir sein anfängliches Bild von Anstand, so beschreibt der Protagonist, dass die Arbeitskollegen anständig waren, da sie nicht geflohen sind, sondern sich an die Regeln und Befehle gehalten haben… Lässt mich ratlos zurück.

Aber der Autor versucht Erklärungen zu finden bzw. die Zeit seiner Inhaftierung darzustellen. Er erzählt von Stufen, einzelnen Erfahrungen, die man durchläuft, und dass man von der Hölle der Konzentrationslager vielleicht im Ganzen sprechen kann, er es aber eben Schritt für Schritt erlebt hat und bei jedem Schritt ging es nur ums Überleben. Es gab für ihn auch eine Art Glücksgefühl im Lager, wenn er plötzlich eine bessere Behandlung als üblich erfahren hat. Ganz am Ende bleibt bei ihm sogar ein Stück weit Heimweg und er spricht vom Glück der Konzentrationslager.

Es ist eben ein ganz anderes Buch, als man denkt und kennt, am Anfang dachte ich, unerhört, aber dann kam auch Faszination. Er deutet wenig und belässt das Urteil dem Leser.

Man hat dort mit richtig hartem Tobak zu tun, wenn er von seinen Verletzungen und dem Aufenhalt im Lagerkrankenhaus berichtet (z.B. S. 202). Er war vorher ganz unten, gehörte zu den Muselmännern, wurde für tot gehalten und mit Leichen weggekarrt, aber dann kam noch einmal der Lebenswille.

Bewertung: 4,5 von 5 Punkten

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Rezension zu "Roman eines Schicksallosen" von Imre Kertész

Rezension zu Roman eines Schicksallosen
KruemelGizmovor 5 Jahren

Als 15-jähriger Junge wurde der Ungar Imre Kertész 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. 

In diesem Buch dient ihm Köves Györgi, ein 14-jähriger Junge als Erzähler und beschreibt in einer ungewohnten Art und Weise mit autobiographischen Zügen die Deportation nach Auschwitz und sein Leben in Leitz und Buchenwald. 

Und diese ungewohnte Art und Weise der Erzählung macht mir die Bewertung sehr schwer.
Der 14-jährige Köves blieb mir unbegreiflich, zu gleichgültig, zu gefühlsarm, zu naiv, einfach unglaubwürdig. Vor allem die Gefühlsarmut sorgte bei mir für eine große Distanz, die hier schon von Anfang an schon besteht, schon vor der Deportation und nicht erst durch die Erlebnisse in den Lagern ausgelöst. Nätütlich geht jeder mit Schrecken, Tod und Verzweiflung anders um, aber hier handelt es sich um einen 14-jährigen Jungen, den so gar nichts berührte, es war im einfach egal, und leider berührte mich daher die Geschichte auch nicht. 

Auch hatte ich Schwierigkeiten mit der Darstellung des Lagerlebens, den der Junge immer mit Vernunft und Logik begegnet und für richtig erachtet, ich konnte dies einfach nicht nachvollziehen.  

Der Schreibstil machte es mir auch nicht leichter eine Verbindung zum Hauptprotagonisten zu finden, da der Autor sich oft in sehr langen, verschachtelten Sätzen ergeht, deren Botschaft mir nicht immer sofort bei mir ankam. 

Ich scheine hier nicht ganz die Zielgruppe zu sein, mir ist dieses Buch einfach zu kalt und sachlich für eine Erzählung bzw. für eine Geschichte mit autobiographischen Zügen, die Schilderungen lösen bei mir häufig nur ein befremdliches Gefühl aus, vielleicht konnte der Autor aber auch mit diesem Trauma seines Lebens nicht anders umgehen als rs sachlich zu verpacken. 

Mein Fazit lautet daher:
Ein lesenswertes Buch für jeden Geschichtsinteressierten, es ist es wert das man sich eine eigene Meinung darüber bildet. 

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Zusätzliche Informationen

Imre Kertész wurde am 08. November 1929 in Budapest (Ungarn) geboren.

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