Imre Kertész Der Betrachter

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Inhaltsangabe zu „Der Betrachter“ von Imre Kertész

Imre Kertész, der für seinen "Roman eines Schicksallosen" den Literaturnobelpreis erhielt, hat bis kurz vor seinem Tod im März 2016 an seinem letzten Buch gearbeitet, dem Schlussstein im autofiktionalen Universum dieses "Giganten der Literatur des 20. Jahrhunderts" (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Wohl bei keinem anderen Schriftsteller bilden Werk und Tagebuch ein so enges Geflecht wie bei Imre Kertész. Die von ihm veröffentlichten Extrakte aus seinen Diarien sind, im Wortsinn, existentielle Literatur. Den Anfang machte nach der Wende sein berühmtes "Galeerentagebuch", die erschütternde Dokumentation seiner 30-jährigen Isolation und geistigen Geheimexistenz im sozialistischen Ungarn zwischen 1961 und 1991. Unter dem Titel "Letzte Einkehr" folgten 2013 Aufzeichnungen aus dem Jahrzehnt 2001 bis 2009, in dem er sich von Ungarn abwandte und Berlin zu seiner Wahlheimat machte.

"Der Betrachter" mit Notaten aus den Jahren 1991 bis 2001 schließt nun die Lücke zwischen beiden Tagebüchern. Es sind die Jahre nach der europäischen Wende, Aufbruchsjahre, in denen Kertész eine späte, unverhoffte Anerkennung seines Schaffens erfährt, zunächst in Ungarn, vor allem jedoch in Deutschland, Westeuropa und schließlich, im Nobelpreis gipfelnd, weltweit. Zugleich sind es die Jahre, da er sich mit dem in Ungarn neu aufkeimenden Nationalismus und Antisemitismus konfrontiert sieht. Reflexionen über den Epochenwechsel, das Judentum, die „Fatalität Ungarn“ und die ihm mit wachsendem Ruhm zufallende, ungeliebte Rolle einer „öffentlichen Existenz“ durchziehen die Aufzeichnungen wie Motivstränge. Sehr berührende Passagen sind dem Abschied von der langjährigen Lebensgefährtin Albina gewidmet, die 1995 an Krebs starb.

Mit "Der Betrachter" rundet sich die Reihe von Kertész’ Tagebuchveröffentlichungen zu einer fünfzig Lebensjahre umspannenden Trilogie - einer monumentalen Entwicklungsgeschichte seines Denkens und Schreibens. "Seine Bücher wollen wir aufbewahren für alle Zeit. Sie sind, wie weniges, was nach 1945 geschrieben wurde, ein Vermächtnis des grauenvollen 20. Jahrhunderts. Und sie sollen uns mahnen, nicht zu vergessen, wozu der Mensch in seinen schlimmsten Momenten fähig ist." (Tilman Krause, Die Welt)

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