Inès Bayard

 4 Sterne bei 74 Bewertungen
Autor*in von Scham, Steglitz und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Inès Bayard wurde 1992 in Toulouse geboren, sie lebt jetzt in Berlin. Ihr Debütroman Scham (2020) wurde in mehrere Sprachen übersetzt und mit dem Prix Fnac und dem Prix Goncourt des Lycéens ausgezeichnet. Zudem stand er auf der Longlist für den Prix Goncourt 2018.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Inès Bayard

Cover des Buches Scham (ISBN: 9783552059764)

Scham

(43)
Erschienen am 17.02.2020
Cover des Buches Steglitz (ISBN: 9783552073593)

Steglitz

(20)
Erschienen am 25.09.2023
Cover des Buches Scham (ISBN: 9783442771219)

Scham

(9)
Erschienen am 13.03.2024
Cover des Buches Scham: Roman (ISBN: B081JCXFWD)

Scham: Roman

(1)
Erschienen am 17.02.2020
Cover des Buches This Little Family (English Edition) (ISBN: B07T8CWFN7)

This Little Family (English Edition)

(1)
Erschienen am 28.04.2020

Neue Rezensionen zu Inès Bayard

Cover des Buches Scham (ISBN: 9783552059764)
DrunkenCherrys avatar

Rezension zu "Scham" von Inès Bayard

DrunkenCherry
Intensiv, aber mit Schwächen

Scham ist ein Buch, das zu keinem Zeitpunkt einen Lichtblick verzeichnet. Vom Prolog bis zur letzten Seite ist es ein einfaches Trauerspiel. Pure Verzweiflung, Hass, Grausamkeit. 

Damit ist es definitiv nicht ein Buch für jeden, sondern wirklich nur für diejenigen, die sich auf harte Kost einlassen können. 

Marie ist eine Protagonistin, die ich nicht immer nachvollziehen konnte – eigentlich konnte ich sie überhaupt nicht nachvollziehen. Oftmals wollte ich sie einfach schütteln und sie fragen, warum sie sich einfach NIEMANDEM anvertrauen kann. Diese Frau ist nicht allein, sie hat ein großes soziales Netz und trotzdem sagt sie niemandem, dass sie vergewaltigt wurde. 

Allerdings habe ich die anderen Figuren auch nicht verstanden. Vor allem die Reaktion von Maries Schwester, als sie von der Vergewaltigung erfuhr, ließ mich sprachlos zurück und ich kann und möchte eigentlich nicht glauben, dass gut sozialisierte Menschen so reagieren (allerdings sieht man spätestens seit dem Fall Pelicot in den Sozialen Medien, dass Menschen oftmals unfassbar dumme Gedankengänge zu haben scheinen, wenn es um Vergewaltigung geht).

Von daher möchte ich die Verhaltensweisen der Protagonistin gar nicht so sehr in meine Bewertung einfließen lassen. 

Aber dennoch habe ich ein bisschen was zu meckern. 

Zum einen fand ich den Schreibstil unglaublich flach. Es gibt kaum Beschreibungen, alles liest sich eher wie ein Manuskript für das unfertige Buch. Ich kann mir vorstellen, dass es gewollt ist, da man so die beschriebene Grausamkeit besser ertragen kann, ich mag diese Art Schreibstil aber einfach nicht. Zu nüchtern, zu neutral. 

Und ich fand auch die Schlüsselszene, die Vergewaltigung, ziemlich plump. Sie kam völlig aus dem Nichts heraus und wirkte nicht durchdacht. Hier hätte man mit einigen Seiten zusätzlich mehr herausholen können. Mehr Spannung, mehr Authentizität. Denn ich finde, dass der Chef viel zu wenig Druck ausgeübt hat, um Marie dazu zu bringen, zu schweigen. Und ich finde auch, wie das Ganze überhaupt zu Stande kam, war viel zu plötzlich und hat sich gar nicht angebahnt. Plötzlich hatte sie angst und dann ging es schon los, ohne, dass man wusste, woher es kam. 

Insgesamt erzählt das Buch eine durchaus wichtige Geschichte, die aber deutliche Schwächen hatte. So wurde hier auch am Ende des Buches enthüllt, ob der Sohn nun aus der Vergewaltigung stammte oder aus der Beziehung zum Ehemann – dabei war das, für das, was letzten Endes passiert ist, doch gar nicht ausschlaggebend. Die Frau ist an dieser Vergewaltigung zerbrochen und nicht ausschließlich an dem Kind. 

Ich muss auch sagen, dass ich mir gewünscht hätte, dass der Chef noch irgendwie zur Rechenschaft gezogen wird. Da auf dem Klappentext steht, dass Marie zur Täterin wird, hatte ich damit gerechnet. Aber das ist halt wieder ein Problem der Erwartungshaltung. 

Cover des Buches Scham (ISBN: 9783442771219)
jenvo82s avatar

Rezension zu "Scham" von Inès Bayard

jenvo82
Mit dem Abstand des Betrachters

Inhalt

Das Leben der 32 Jahre alten Marie bricht eines Tages abrupt und irreparabel auseinander – auf dem Nachhauseweg wird sie vom Direktor ihrer Bank in dessen Auto brutal vergewaltigt. Doch sie beschließt ihr Leben weiterzuleben, ohne Rachegelüste, ohne eine Anzeige, möglichst unscheinbar durch jeden weiteren Tag ihres Daseins. Weder ihr Mann, noch die Familie, noch Freunde werden eingeweiht. Die körperlichen Schmerzen vergehen, die seelischen Kratzer wachsen sich unterdessen zu schwerwiegenden, depressiven Gedankengängen aus. Als sie nach kurzer Zeit merkt, dass sie schwanger ist, bricht ihre Welt endgültig zusammen – das Kind des Vergewaltigers hasst sie schon lange vor dessen erstem Atemzug und sie muss nur noch entscheiden, welches Leben sie zuerst auslöschen soll: ihr eigenes, erbärmliches, beschmutztes Lügendasein oder das ihres ignorant-perfekten Mannes oder doch eher das des teuflischen Kindes …

Meinung

Von dieser Lektüre habe ich mir ergreifende, beängstigende Lesestunden erhofft und genau diese auch bekommen. Das Buch ist harter Tobak, stellenweise extrem vulgär, dann wieder erschreckend klar und messerscharf. Vor allem aber zeigt es einen authentischen, extremen Werteverfall und Realitätsbezug einer gepeinigten Seele. Von der geliebten, gutaussehenden jungen Frau, mit Träumen und Plänen, bleibt nur noch eine leere Hülle, reduziert auf die Abscheulichkeiten, die ihr angetan wurden. Der Lebenssinn ist ihr abhandengekommen, eine Zukunft ist nicht nur bitter, sondern schier unmöglich. Und über all dies breitet sie ganz bewusst den Mantel des Stillschweigens, hoffend und bangend gleichermaßen, das wenigstens einer ihrer nahen Angehörigen etwas merken würde. Doch ihre Stille wird missverstanden – keiner ahnt die wahren Gründe, jeder hat andere praktische Ratschläge parat und dort wo einst Liebe war, existiert nur noch Unverständnis gefolgt von abgrundtiefem Hass.

Fazit

Ich vergebe begeisterte 5 Lesesterne – ein echtes Highlight, trotz der Kürze des Buches und des gewählten Abstandes, den die französische Autorin mittels der dritten Person Singular kontinuierlich aufrechterhält. Selten habe ich beim Lesen so viele Gefühle durchlebt, ohne sie auch nur annähernd nachempfinden zu können. Es fiel mir zunächst sehr schwer, mich in die Gedanken der Gepeinigten hineinzuversetzen, denn fast all ihre bewussten Entscheidungen hätte ich wohl anders gefällt. Doch es geht hier nicht um Mitleid oder Identifikation, entworfen wird ein Drama, eine strudelnde Existenz, die jeden Moment auseinanderbrechen kann. Zumal das Ende der Story bereits ganz zu Beginn aufgezeigt wird – weder Ausgleich noch Hoffnung, sondern nur ein klaffendes Loch voller Schmerz. Die Lektüre rüttelt wach, sie appelliert, sie zerstört und bringt Gefühle an die Oberfläche, die gern verschwiegen werden. Sehr psychologisch, extrem faszinierend und beängstigend. Vor allem, weil der Wahrheitsgehalt all dessen nicht eine Minute angezweifelt wird. Solche Dramen wird es geben und vermutlich sind sie näher, als man denkt.

Cover des Buches Scham (ISBN: 9783552059764)
N

Rezension zu "Scham" von Inès Bayard

Naddie
Erschreckend und mitreißend

Achtung Triggerwarnung !!

Ganz ehrlich, ich wollte dieses Buch mehrere Male gegen die Wand schmeißen 🥺.

Ich bin immer noch sehr emotional aufgewühlt und dieses Buch wird mir auch noch Tage danach im Kopf rum spuken 🫣. 

Um was geht es eigentlich VERGEWALTIGUNG und DEMÜTIGUNG.

Es geht um Marie eine Frau die mitten im Leben steht, sie hat einen guten Job, einen Mann und das einzige was fehlt ist ein Kind.

Sie wird von ihrem Chef Vergewaltigt und ihr Leben ist eigentlich vorbei...... Marie ist schwanger und die eigentliche Tortour beginnt. Marie ist in diesem Buch nicht nur das Opfer, zudem auch eine Täterin.

Scham zeigt den Zerfall einer Frau, die sich in Selbstzweifel und Verachtung begibt, selbst dem Kind gegenüber kann sie keine Liebe zeigen, sondern nur Hass 🥺. Dieses Buch ist zutiefst verstörend und sehr emotional zugleich 😥. 

Es sind kurze Kapitel und der Schreibstil ist eigentlich perfekt auf diesen Titel, meiner Meinung nach abgestimmt, bedrückend und erniedrigend.

Ich finde dieses Buch hervorragend beschrieben, es gibt Eindrücke, wie Menschen denen so etwas schreckliches zustößt, mit dem Erlebten fertig werden können oder auch nicht 😢. 

Von mir eine absolute Leseempfehlung 

🌟🌟🌟🌟🌟. 

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