Inès Bayard

 4,4 Sterne bei 30 Bewertungen

Lebenslauf von Inès Bayard

 Inès Bayard, geboren 1992 in Toulouse, lebt derzeit in Berlin. Scham ist ihr erster Roman und stand auf der Longlist für den Prix Goncourt 2018.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Inès Bayard

Cover des Buches Scham (ISBN: 9783552059764)

Scham

 (29)
Erschienen am 17.02.2020
Cover des Buches This Little Family (English Edition) (ISBN: B07T8CWFN7)

This Little Family (English Edition)

 (1)
Erschienen am 28.04.2020

Neue Rezensionen zu Inès Bayard

Cover des Buches Scham (ISBN: 9783552059764)Peanut1984s avatar

Rezension zu "Scham" von Inès Bayard

schonungslos, ehrlich, verstörend (Rezension spoilerfrei)
Peanut1984vor 6 Monaten

Inès Bayard nimmt uns mit in das Innerste und Abgründigste einer Frau, die Schlimmes erlebt hat. Auf ihre ganz eigene Art und Weise versucht sie (oder auch nicht) mit dem Trauma umzugehen. Von der Welt alleine gelassen trifft die Protagonistin nicht nur für sich selbst folgenschwere Entscheidungen.

Auch wenn ich den Ausgang der Geschichte nicht teile und mittendrin die Protagonistin wechselweise gerne in den Arm genommen hätte oder sie gerne geschüttelt und angeschrien hätte "rede mit deinen Mitmenschen!", hat Inès Bayard es geschafft, mir die Gefühlswelt von Marie näher zu bringen, ohne dass ich sie verstehen muss. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht musste ich zu-lesen, wie es um Marie geschieht und auf was sie zuschlittert.

Sprachlich teils primitiv und roh teils einfühlsam und fast schon philosophisch lernt der Lesende Marie kennen.

Auf 222 Seiten komprimierte Gefühlswelt in der doch so viel passiert. Eine Geschichte, die nachhallt. Die betroffen macht. Und den Lesendenen einsam zurück lässt.


Achtung Triggerwarnung: Personen, die sexuelle Gewalt oder Gewald gegen Kinder erfahren haben oder sich unwohl fühlen, darüber zu lesen, sollten von diesem Buch Abstand nehmen.

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Cover des Buches Scham (ISBN: 9783552059764)E

Rezension zu "Scham" von Inès Bayard

schockierend, fesselnder Roman
Esther1987vor einem Jahr

Meine Meinung: 

Der Debütroman von Ines Bayard ist ein fesselnder, schockierender Roman der einen von der ersten Seite an packt und nicht mehr locker lässt. Gleich im ersten Kapitel wird das Ausmaß der Katastrophe deutlich und der Leser wird direkt mitten ins Geschehen "geworfen". Der Anfang des Romans ist zugleich das Ende bzw. der Ausgang des Romans, was aber der Spannung keinen Abbruch gibt. 

Es fällt einem schwer für diesen Roman die passenden Worte zu finden. 

Das Leben der Marie schien perfekt - Ehemann, Job, Freunde und Familie und dann der Kinderwunsch. Doch dieser Abend im Auto ihres Chefs verändert ihr ganzes Leben und man bekommt hautnah mit wie der Verfall von Marie von statten geht.... wie sie den Zeitpunkt verpasst und sich niemanden anvertraut. Sie hasst ihr Kind und dieser Hass wird so ungeschönt erzählt aber auch der Hass auf sich selbst , ihre Familie und ihren Ehemann.  

Der Schreibstil ist direkt, flüssig und ungeschönt. Es ist kein Wort zu viel, nicht ausgeschmückt, man erfährt ohne Umschweife den Akt der Vergewaltigung und den Verfall bzw. den Verlauf vom Opfer zur Täterin.

Fazit:

Ein Roman, wo man Schwierigkeiten findet, die passenden Worte zu finden und der einen die Abgründe der menschlichen Seele vor Augen führt. 4,5 Sterne für dieses Buch. 

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Cover des Buches Scham (ISBN: 9783552059764)leseleas avatar

Rezension zu "Scham" von Inès Bayard

Der Anfang vom Ende
leseleavor einem Jahr

Es beginnt mit dem Ende. Ein Abend in einer Pariser Wohnung. Der Tisch ist gedeckt. Vater, Mutter, Kind sitzen zusammen, essen. Es ist ihr letztes Mahl. Denn Marie, die Mutter, hat Gift unter das Essen gemischt. Sie tut endlich das, was sie seit Thomas Geburt, nein schon vorher, tun wollte: Ihr Kind töten. Und da die Schlinge aus Lügen, Wut und Verzweiflung immer enger wird, beschließt sie, auch sich und ihren Mann vom Leid zu befreien. Wie konnte es zu dieser Tat kommen? Von den Gründen dieses erweiterten Suizid erzählt Inès Bayard in ihrem Roman Scham – beziehungsweise von dem Grund. Denn Marie kann den Zeitpunkt genau ausmachen, an dem ihr Leben seinen Halt und sie das Glück, das sie bis dahin gepachtet schien, verlor: Es war der Moment, in dem ihr Chef sie brutal in seinem Auto vergewaltigte.

Ein schwieriges und relevantes Thema macht sich Bayard in ihrem Erstlingswerk zu Eigen und konstruiert darum eine erschütternde und oftmals brutale Geschichte, die das Trauma einer Vergewaltigung in all seiner Schrecklichkeit offenbart. Dabei geht sie, durchaus sehr Französisch vor: Sie legt die Folgen der Vergewaltigung auf den Seziertisch, beschreibt Maries Verhalten Stunden danach, Tage danach, Monate danach. Sie zeigt auf, wie alle Entscheidungen und Gemütsregungen ihrer Protagonistin auf diesen einen Moment zurückgeführt können, wie er nicht nur ihr Leben, sondern auch sie selbst grundlegend verändert hat. Bayard hat dabei keine Angst vor klaren Worten und drastischen Szenen: In Scham schmerzt Maries Vagina, fühlt sie sich beim Sex mit dem Ehemann wie erneut vergewaltigt, ekelt sie sich vor dem Penis ihres Sohnes, in dem sie einen zukünftigen potentiellen Täter sieht.

Bayards Schilderungen sind eindringlich, durch die analytische Herangehensweise trotz aller Heftigkeit aber auch sehr distanziert, bisweilen sogar kühl. Scham ist für mich ein Buch, das trotz seiner explosiven Thematik, aufgrund der Schreibweise mehr den Kopf als den Bauch anspricht. Die Auseinandersetzung mit den Themen Vergewaltigung und sexuelle Gewalt findet primär auf einer intellektuellen Ebene statt – auch weil die Autorin den Roman im Laufe der knapp 220 Seiten auch um weitere feministische Debatten erweitert wie weibliche Sexualität und Mutterschaft. Überraschenderweise war mir Scham manchmal zu feministisch – und das, obwohl ich Bayards Überlegungen für treffend halte und es begrüße, ja sogar befürworte dass die oben genannten Themenkomplexe verstärkt literarisch bearbeitet werden.

Man muss sich auf Bayards Stil einlassen und dafür braucht es – obwohl das Buch so schmal ist – doch etwas Zeit. Die Protagonistin bleibt einem fremd und irgendwie unsympathisch (überhaupt mag man kaum eine Figur in diesem Buch), ihr Verhalten häufig unerklärlich, obwohl dieser Roman sich doch um Erklärung bemüht. Und doch, gerade auf diese Weise legt Bayard den Finger an eine schmerzende Wunde: Das Opfer muss einem nicht sympathisch sein, ihr Verhalten nicht rational! Unsere Aufgabe, die Aufgabe der Nicht-Vergewaltigten ist es zu unterstützen und die Tat restlos zu verteufeln! Gewalt ist Gewalt, Missbrauch ist Missbrauch, nichts kann einen Übergriff relativieren oder verständlich machen! Auch das Nicht-Sehen(-Wollen) von Maries Umfeld sollte uns eine Lehre sein: Blenden wir nicht alle die Möglichkeit aus, dass eine Vergewaltigung einem Familienmitglied oder einem guten Freund/einer guten Freundin passieren könnte? Passiert „so etwas“ nicht immer den anderen? Wir müssen als Gesellschaft insgesamt wachsamer sein, uns mehr um unsere Mitmenschen kümmern!

Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass Scham Hirn und Herz gleichermaßen erreicht, halte ich den Roman – trotz kleiner Schwächen – insgesamt für gelungen und lesenswert. Wir brauchen mehr Bücher wie dieses, das unverhüllt von der Brutalität und den Schmerzen einer Vergewaltigung erzählt und von den Narben, die sie zurücklässt. 4 Sterne und eine Leseempfehlung!

 

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