Inês Pedrosa

 2,9 Sterne bei 9 Bewertungen

Alle Bücher von Inês Pedrosa

Cover des Buches In deinen Händen (ISBN: 9783442732203)

In deinen Händen

 (6)
Erschienen am 01.07.2004
Cover des Buches Du fehlst mir (ISBN: 9783630871592)

Du fehlst mir

 (3)
Erschienen am 03.03.2004

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Cover des Buches In deinen Händen (ISBN: 9783442732203)awogflis avatar

Rezension zu "In deinen Händen" von Inês Pedrosa

Mediokrer Generationenroman von dem nur die mittlere Geschichte gut ist
awogflivor einem Jahr

Puh für mich war dieses dreigeteilte Werk, das eine Generationengeschichte von der Großmutter über die Mutter bis zur Enkelin darstellt, ordentlich durchwachsen, eine Achterbahnfahrt, wobei die gähnenden Täler bei weitem überwiegten und ich auch von meinem persönlichen Standpunkt her anmerken möchte, dass die Großmutter Jenny und auch die Enkelin Natalia derart farblose, vergeistigte, permanent grübelnde und labernde Protagonistinnen sind, deren Leben einfach zu langweilig ist, als dass es in einem Roman festgehalten werden sollte. Lediglich die Tochter Camilla ist eine Figur, die endlich mal etwas tut, und lebt, das es Wert ist, in einem Buch mit Spannung verfolgt zu werden.

Das einzige, was an Großmutter Jennys Leben irgendwie beschreibenswert ist, ist die furchtbare Beziehung, die sie zu Beginn ihrer Adoleszenz als Alibifrau eines schwulen Paares eingeht, die sich sogar noch die Schlafzimmerakrobatik aus dem Nebenzimmer geben muss. Selbst als verheiratete Greisin noch immer undefloriert, leidet sie aber angeblich nicht unter der Situation. Ich glaube aber, sie zieht ihre Lust aus dem Schmerz und dem Leiden und der selbstgewählten lebenslangen Keuschheit. Abgesehen vom kuriosen Dreiecksverhältnis in ihrer Ehe und ihrer selbstgewähkten Keuschheit ist Jenny die typische reiche Tussi: finanziell recht gut ausgestattet und abgesichert und aus dieser Ausgangsposititon her einfach nutzlos, substanzlos ständig grübelnd, unfähig zu handeln und sterbenslangweilig. So, das war es nun tatsächlich bereits im ersten Absatz, was auf 135 Seiten ewig redundant und lähmend ausgewalzt wird, abgesehen natürlich vom Umstand, wie sie als Jungfrau zu ihrem Kind, einer angenommenen Adoptivtochter, gekommen ist.

Die tragische Geschichte von Jennys Tochter Camilla ist dagegen weitaus spannender. Das Gefängnis und die Folter durch einen Schulkameraden, der Unfalltod ihrer großen Liebe, der Krieg in Mocambique, den sie als Fotoreporterin miterlebt, das schwarze Kind, das sie von dort mitbringt, als sie sich ausgerechnet auch noch von einem Schwarzen schwängern lässt, die kommunistische Auflehnung gegen das Salazar Regime, der Verrat ihrer besten Freundin ...all das zeichnet sehr gut ein Schicksal einer Macherin in den Wirren ihrer Zeit.

Es ist aber nicht so, dass Camilla ausschließlich nur Taten vollbringt, mit ihrer Lebenserfahrung und ihrem revolutionären Geist reflektiert sie sehr klug, wie die kommunistischen Frauen mit den Lügen der Gleichberechtigung abgespeist werden. Denn wenn es um patriachalische und sexistische Muster geht, sollten sich die Frauen dann als Untermenschen doch den braven roten Kriegern unterordnen und ihnen zur Verfügung stehen, dagegen kämpft sie nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit Taten. Auch der Konflikt mit der neuen Generation von Frauen - respektive ihrer Tochter - die den Kampf ihrer Mütter um Gleichberechtigung einfach nicht zu schätzen wissen, weil sie die erstrittenen und erkämpften Freiräume der Teilhabe als selbstverständlich und von den Männern eh freiwillig eingeräumt sehen, wird hier grandios in den Plot eingewebt.

"Natalia meint schlicht und ergreifend, dass ich keinen Sinn für Humor habe: "Er war wahrscheinlich bei deinem Kampf um Emanzipation der Frau verboten. Ihr habt da schön was angerichtet, als ihr mit Kindern auf dem Schoß die BH's verbrannt habt. Ihr habt eine Jungfrau Maria geschaffen, die noch schulmäßiger war als die alte, der vor Männern grauste und deren Ernsthaftigkeit Tote zum Gähnen brachte. Ihr habt uns noch mehr Arbeit gemacht und habt unsere Beute verjagt" [...] Es tut mir weh, dass sie nicht einmal begreift, daß sie diesem "Extremismus schriller Frauen", wie sie es sagt, all die Rechte verdankt, die heutzutage so selbstverständlich erscheinen.[...] Eine Freundin von ihr hat vor ein paar Tagen gesagt: "Feministin sein hat eine historische Konnotation, die uninteressant ist, sogar ein wenig kontraproduktiv sein kann.""

Diese Auseinandersetzung der Probleme von mehreren Generationen Frauen fand ich grandios, zumal auch genau heutzutage wieder der Backslash stattfindet und Frauen, die auf ihre erkämpften Rechte um Teilhabe pochen, als humorlose Feministenschlampen beschimpft werden. (Ist mir übrigens auf Facebook auch erst vor 3 Wochen ansatzlos passiert, weil ich in einem Kommentar zu einem völlig unproblematischen also unfeministischen Thema ein bisschen kreativ gegendert habe und statt man - frau verwendet habe. Ein junger mir völlig unbekannter ahnungsloser Stenz erklärte mir darob, dass man und Mann nichts miteinander zu tun hätten und ich besser Rechtschreibung hätte lernen sollte. Als ich ihm sachlich erklärte, dass ich in Orthografie sogar recht gut bewandert bin, der Begriff man durchaus im Ursprung das generische Maskulinum für Mensch darstellt und ich nun also mal ganz kreativ das generische Femininum frau in meinem Kommentar eingeführt hätte, beschimpfte er mich ansatzlos als diese humorlose Feministenschlampe.)

Leider übernimmt dieses widerliche sexistische Narrativ der humorlosen Feministenschlampe, das man offensichtlich mittlerweile als Mann sogar auch weitaus gebildeteren sich in wesentlich höherer Stellung befindlichen älteren Frauen (z.B. als Student einer Professorin bzw. Lektorin), die sich einfach in einem Sachgebiet besser auskennen, seit ein paar Jahren ungestraft entgegenschleudern darf, soviel Raum, dass es mittlerweile auch die jüngere Generation der Frauen internalisiert hat und aus Angst, vor allem online als humorlos gebrandmarkt und öffentlich beschimpft zu werden, dieses übernommen und auf die älteren Frauen und Feministinnen übertragen hat. So gibt es seit ein paar Jahren diesen sich an die Männer anbiedernden angeblich so humorvollen witzigen Kuschelfeminismus, der eigentlich total antifeministisch daherkommt und nur auf Gefallen und Wohlwollen der Männer (wie oben so treffend beschrieben der Beute) zielt. Das hatten wir ja schon: Welcome Back to the 80's (wie sie im Buch beschrieben wurden) nicht nur in der Mode. Das Thema ist tatsächlich traurigerweise wieder topaktuell und das im Jahr 2020. Es ist so traurig.

Die bereits erwähnte Enkelin Natalia eifert hingegen wieder ihrer Großmutter nach und lebt auch fast überhaupt nicht. Sie verführt aus jugendlichem Trotz und Gemeinheit die neue Liebe ihrer Mutter Alvaro, denn sie meint, er wäre zu jung für Camilla. Diese nicht gerade feine Tat erweist sich aber als Bumerang, denn Natalia verliebt sich dann tatsächlich in ihn, kann ihn aber nie wirklich besitzen, denn sie passen erstens nicht zusammen und Alvaro nimmt die junge Frau zu wenig ernst. Im Folgenden trauert sie wie ihre Großmutter Jenny, sich das ganze Leben trotz einer Ehe mit einem anderen Mann nach der Liebe und Anerkennung von Alvaro verzehrend und lametierend, dieser vergeudeten Chance nach. Was für ein verschwendetes Leben, das diese Frau absolviert, obwohl sie alle Chancen hat. Erst als Natalia sich aufrafft und sich auf den Spuren ihres leiblichen Vaters nach Mocambique begibt, erlebt sie endlich einmal etwas Spannendes.

Die Kernidee, drei Generationen von Frauen, ihre Beziehungen, ihre Probleme miteinander und ihr Leben aufzuzeichnen, fand ich sehr gut. Durch die zwei vergeistigten Protagonoistinnen Jenny und Natalie gab es aber viel zu wenig Auseinandersetzung mit diesem Kernthema. Lediglich Camilla fungiert als aktive Klammer, die diese Generationen überhaupt zusammenhält.

Was mich sprachlich auch noch massiv gestört hat, war der Umstand, dass eine deutschsprachige Originalausgabe von 2002 bei Randomhouse, sich nicht an die neue, korrekte Rechtschreibung hält. Was hat denn da den Verlag gebissen, wenn sich nicht mal gedruckte Literatur in Büchern renommierter Verlage, ihre eigene korrekte Sprache verwendet. Vor allem bei den ss-ß Fehlern (denn die alte Rechtschreibung ist nun mal seit einiger Zeit der Übergangsphase tatsächlich ein Fehler bei Neuerscheinungen) reißt es mich in jedem 2. Satz. Ok ich bin diesbezüglich ein Monk!😂

Fazit: 2,5 Sterne diesmal aufgerundet auf 3 weil ich die Generationenidee vom Ansatz her innovativ fand. Abseits des Gesamtkonzepts fand ich eben nur die 70 Seiten in der Mitte des Buches wirklich interessant. Alles andere war a bissi langweilig und mühsam.

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Cover des Buches In deinen Händen (ISBN: 9783442732203)

Rezension zu "In deinen Händen" von Inês Pedrosa

Die Geschichte Protugal erzählt in 3 Generationen
Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren

Dieses Buch ist nicht leicht zu lesen, man vermag als aussenstehender nicht immer alle  Zusammenhänge zu begreifen und doch zieht einem das Buch in den Bann wenn man es lässt. ;)

Das Buch spielt in Portugal und spiegelt das Leben 3er Frauen in verschiedenen Epochen des Landes.
Es ist kein Geschichtsbuch, daher sollte man die Geschichte von Portugal kennen und kann so die Zusammenhänge verstehen.
Vielmehr beschäftgit sich das Buch mit den jeweiligen Frauen und was für Zwänge oder Sitten in der jeweiligen Zeit geherscht haben und was es aus den Frauen der selben Familie gemacht hat.

Für mich persönlich war das Buch eine Reise in meine Heimat, in der ich nicht grossgeworden bin, doch immer Geschichten gehört habe.



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