Ina Raki

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Ina Raki

Lebenslauf von Ina Raki

Ina Raki (geb. in der DDR) lebt mit ihrer Familie in Bayern. Nach dem Studium folgten Ausflüge in verschiedene berufliche Bereiche. Seit 1994 arbeitet die Autorin auch als Lektorin und Texterin, seit einigen Jahren auch als Schreibberaterin. »In einem Land vor meiner Zeit« (2012) ist Ina Rakis erstes Buch, ein Roman für Jugendliche. Ihr zweites Buch "Wendepunkt" (2015) ist ein Interviewband, der der Frage nachgeht, wie wir gesellschaftlichen Wandel in Gang setzen können - und welche Ideen und Erfahrungen aus der Wendezeit wir dabei nutzen können.

Alle Bücher von Ina Raki

In einem Land vor meiner Zeit

In einem Land vor meiner Zeit

 (54)
Erschienen am 20.02.2012
Wendepunkt

Wendepunkt

 (1)
Erschienen am 08.05.2015

Neue Rezensionen zu Ina Raki

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Rezension zu "In einem Land vor meiner Zeit" von Ina Raki

Eine fesselnde Zeiteise, die ganz nebenbei eine Menge Alltagsgeschichte transportiert
Antekvor 4 Jahren

Alinas Mutter hat beim Ausmisten ihre alten Tagebücher gefunden. Am Vorabend ihres 14. Geburtstages geht Alina mit einem davon ins Bett und schläft schließlich beim Lesen ein. Als sie am nächsten Morgen erwacht und sich schon riesig auf ihre Geburtstagsparty freut, kommt jedoch der große Schock. Sie wacht um 6.10 Uhr vom Geschrei eines Mannes auf. Wo ist sie gelandet? Sie kennt das Zimmer nicht und beim Blick in den Spiegel fällt sie fast in Ohnmacht. Eine dünnstaksige Gestalt ohne jegliche Rundungen und einem Pagenkopf, die in einem Flanellschlafanzug steckt, blickt ihr entgegen. Eindeutig ihre Mutter als Teenager, sie muss in deren Leben vor geschätzt hunderttausend Jahren gelandet sein. Ein Blick auf den Kalender, der Montag, den 19. März 1984 anzeigt, bestätigt ihren Verdacht. Wie soll sie nur hier in dem Paralleluniversum bestehen?

Ich bin wirklich absolut begeistert von dieser Geschichte. Ich bin selbst in der BRD geboren und auch dort aufgewachsen. Beim Mauerfall war ich 12 Jahre alt und klar weiß ich über geschichtliche Eckdaten und auch über das politische System Bescheid, aber die Alltagsgeschichte hier so hautnah miterleben zu dürfen, war für mich eine ganz besondere Erfahrung. Es handelt sich hier auch nicht um ein Geschichtsbuch, wie man dies kennt. Hier erlebt man Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes. Wir sind geprägt vom technischen Fortschritt wie Internet oder Smartphone, aber auch von den Freiheiten, die uns unsere Demokratie bietet. Genau so jemand ist auch Alina. Da sie die Geschichte erzählt, kann man sich super in die Zeit hineindenken. Mir wäre es wohl ganz genauso wie ihr ergangen und das macht das Ganze so fesselnd.

Der Sprachstil von Ina Raki hat mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Erlebnisse, wenn Alina in den Spiegel schaut und sich damit tröstet, dass sie nur eine Rolle als Schauspielerin spielt, wenn sie Pickel in ihrem Gesicht entdeckt und dafür in Mamas Zimmer keine Schminke findet oder auch die Begeisterungsstürme, die die Mode von damals ausgelöst haben muss, werden wirklich witzig dargestellt. Na klar, welcher Teenager von heute träumt denn nicht von einem feschen Rock mit dem Charme eines alten Lappen und der passenden Plastikbluse dazu!

Dann gab es für mich wirklich einen total interessanten Einblick in den Alltag. Schon der Stundenplan hält einige Überraschungen für Alina bereit. Die Einser ihrer Mama wird sie mit Sicherheit in Russisch samt der Kyrillischen Schrift nicht halten können, ganz abgesehen davon dass der Stundenplan von früh bis spät proppenvoll ist und man auch samstags antanzen muss. Chillen ist eindeutig kein anerkanntes Hobby und so ist man hier dauermüde, geht bei dem Programm gar nicht anders. Alina macht ihrer Erfahrungen mit Anstehen in Supermärkten, in denen es so gut wie nichts gibt, mit dem auf drei oder vier Stunden beschränkten Fernsehprogramm, auf das man genauso gut verzichten könnte, mit den kulinarischen Köstlichkeiten, bei denen sich ein Sabberproblem erledigt hat, mit Urlaub an der Ostsee und vielem mehr.

Aber auch um die Politik kommt sie nicht ganz herum, denn sie muss sehr schnell einsehen, dass man hier ganz vorsichtig sein muss, mit dem was man sagt und tut. Einmal etwas Falsches gesagt oder getan und man kann für immer einpacken. Was darf in einer Schulwandzeitung stehen, was geschieht mit Flugblattschreibern, wie bekommt man seinen Wunschberuf, geht das überhaupt, was geschah bei geheimen Treffen, musste man wirklich ständig Angst vor Spitzeln haben? Alles Fragen, die in Alinas Alltag im Paralleluniversum zur Sprache kommen.

Richtig toll fand ich auch die Entwicklung, die Alina im Laufe der Geschichte durchmacht. Die eigene Entscheidungsfreiheit mehr zu schätzen und vor allem auch die Erkenntnis wie wichtig Zivilcourage ist, sind nur zwei Beispiele dafür, was Alina und auch ich als Leser von ihrem Ausflug auf jeden Fall mitnehmen.

Ein tolles Jugendbuch, bei dem man als Leser einen Ausschnitt aus dem Teenieleben in der ehemaligen DDR miterleben kann. Der größtenteils humorvolle und spritzige Schreibstil nimmt einen richtig mit, lässt aber auch stets den Unterdrückungsaspekt einer Diktatur durchscheinen. Kein Geschichtsbuch, sondern ein toller Roman, der ganz nebenbei noch ganz viel Wissen transportiert.

Ich bin eigentlich kein Fan von Tagebuchform, aber hier ist dies wirklich sehr gelungen. Man kann die Geschichte wie einen üblichen Roman lesen. Die Form dient meiner Meinung nach mehr der einladenden Optik, was durch tolle Spielereinen mit dem Schriftbild noch positiv unterstützt wird.

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hasirasi2s avatar

Rezension zu "In einem Land vor meiner Zeit" von Ina Raki

Zeitreise - ein Date mit meiner Jugend
hasirasi2vor 4 Jahren

Erst noch einmal vielen Dank an Ina Raki, die das Buch geschrieben und verlost hat, sonst wäre dieses Kleinod an mir vorüber gegangen.

Aufmerksam geworden bin ich auf "In einem Land vor meiner Zeit" eigentlich nur wegen des Covers: ein altes Stern-Radio und eine Platte von Tamara Danz. Das alles habe ich selber noch live erlebt, denn ich wurde 1974 in der DDR geboren.

Alina geht 2011 am Vorabend ihres 14. Geburtstages in Bayern zu Bett und wacht 1984 im tiefsten Sachsen als ihre Mutter an deren 14. Geburtstag wieder auf. Der Schock sitzt tief, aber irgendwie muss es ja weiter gehen. Also lebt Alina das Leben ihrer Mutter, immer in der Hoffnung, dass sie bald in ihr eigenes Leben zurück kann, denn die Wende findet erst in 5,5 Jahre statt und frisch verliebt ist sie ja auch noch.
Zum Glück hat ihre Mutter Tagebuch geschrieben, eine große Schwester und eine beste Freundin, diese drei Dinge helfen Alina, die schlimmsten Klippen zu umschiffen.
Doch sie muss sich ganz schön umstellen. Die Schule beginnt schon um 6:30 Uhr früh und es gibt auch am Samstag Unterricht. Die Nachmittage sind größtenteils mit außerschulischen Pflichtveranstaltungen verplant. Fernsehen und Radio lohnt sich nicht. Telefone gibt es so gut wie gar nicht. Internet - was zum Geier ist Internet ;-)?! Das Essen ist grauenvoll und Süßigkeiten sind eine echte Ausnahme.
Während sie am Anfang nur versucht, sich irgendwie durchzumogeln und ein bisschen cooler als ihre Mutter rüberzukommen, wird sie immer tiefer in der Strudel zwischen "Wollen" und "Sollen", "Dürfen" und "lieber Lassen" hereingezogen. Denn man muss dauernd aufpassen, wann man zu wem was sagt und ob das evtl. falsch verstanden werden könnte und vor allem, welche schlimme Konsequenzen so etwas haben kann. Sie begreift recht schnell, wie frei sie heutzutage lebt und wie eingesperrt wir uns zum Teil früher gefühlt haben.

Besonders toll fand ich die ganzen Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend, die Ina Raki wieder aufleben ließ. Ich habe meinem Mann einige Sachen vorgelesen und wir haben uns gemeinsam erinnert. Ich sage nur "Action", oder die selbstgenähten und gefärbten Klamotten, unsere Jugendsprache, die Schuldisko, Kasettenrecorder, nächtelanges Aufnehmen der Musik aus dem (West-)Radio, das eine Fahrt an die Ostsee 10 Stunden dauerte und und und ...

Ich empfehle dieses Buch ... allen ... uneingeschränkt allen.

Kommentare: 2
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Pharo72s avatar

Rezension zu "In einem Land vor meiner Zeit" von Ina Raki

Amüsante Zeitreise in eine Vergangenheit, die so schlecht gar nicht war
Pharo72vor 6 Jahren

Voller Vorfreude auf ihren unmittelbar bevorstehenden vierzehnten Geburtstag geht Alina ins Bett, um am nächsten Tag entsetzt in Sachsen im Jahr 1984, also in der tiefsten DDR, als jüngere Version ihrer eigenen Mutter aufzuwachen. Ein Ausweg ist so schnell nicht zu finden, also bleibt nur, sich mit den vorhandenen Gegebenheiten abzufinden und möglichst wenig aufzufallen. Was es alles zu vermissen gibt und wann man lieber den Mund halten sollte, erfährt Alina sehr schnell. Aber auch berührende und schöne Momente sind es, die ihr Leben für immer verändern werden.

Meine Meinung:

Ich glaube, durch eine Empfehlung bei Lovelybooks bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden, und da ich Zeitreise-Storys ohnehin sehr gern mag und hier auch noch meine unmittelbare Vergangenheit thematisiert wird, musste ich es einfach haben. Alina ist 14, als sie im Jahr 1984 im Körper ihrer Mutter aufwacht, ich war damals 12. Nah genug dran, um all die Erlebnisse, positiver wie negativer Art, sehr gut nachvollziehen zu können.

Es war tatsächlich auch so etwas wie eine persönliche Zeitreise, wie viel hat man inzwischen doch vergessen, verdrängt oder damals gar nicht als so extrem empfunden. Jetzt, mit einem ganz anderen Wissen und natürlich einer ganz anderen Freiheit im Rücken, lässt sich über viele Dinge schmunzeln. Doch auch die teilweise bedrohliche Atmosphäre, in der damals gelebt wurde, kommt sehr gut rüber.

Ich fand Alina von Anfang an sympathisch. Klar, dass sie erst mal völlig austickt. Der Gegensatz zur DDR 1984 und 2011 ist einfach zu krass. Ich würde schon die Krise kriegen, komplett auf Computer und Internet verzichten zu müssen. Unwillkürlich fragt man sich natürlich auch, zu welcher Kategorie man selbst gehört hat oder in Zukunft, ohne Wende, gehört hätte. Ganz ehrlich, den Mut aufzubegehren, hätte ich sicher nicht gehabt. Daher ist schon alles gut, wie es ist.

Besonders hervorzuheben bei diesem Buch ist die tolle Aufmachung. Da in Tagebuchform geschrieben, liest es sich weg wie nix. Sehr witzig auch der kleine Dolmetscher DDR-deutsch der 80er am Ende.

Ich kann das Buch guten Gewissens allen empfehlen, die in etwa der gleichen Zeit in der DDR gelebt haben, einfach um die Erinnerung aufzufrischen und den Gegensatz zu heute zu erkennen. Ebenfalls interessant ist es jedoch bestimmt auch für Leser aus den alten Bundesländern. Vielleicht hilft es ja die eine oder andere Schranke, die immer noch in den Köpfen zu bestehen scheint, zu öffnen.

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Gespräche aus der Community

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Autoren schenken Lesefreude zum "Tag des Buches"
Gern verlose ich mein Jugendbuch "In einem Land vor meiner Zeit", das die Zeitreise eines Teenagers in die DDR der 1980er beschreibt. 

An der Verlosung nehmen alle teil, die sich hier oder per PN bei mir melden. Viel Glück :-)!

Liebe Grüße, Ina
Zur Buchverlosung
InaRakis avatar
Zum Tag des Buches verschenke ich gern Lesefreude – und dafür gleich noch drei Exemplare meines ganz, ganz neuen Buches "Wendepunkt" (es erscheint Ende April).

Bei der Verlosung sind alle dabei, die bis zum 03.05.2015 die folgende Frage beantworten:

Gälte es heute eine Revolution anzuzetteln
– wofür würdest du dich erheben?


Ich bin gespannt und freue mich sehr auf Eure Antworten. Viel Erfolg und liebe Grüße, Ina 


PS.: Mehr Info zum Buch findet Ihr zum Beispiel hier: https://www.buch7.de/store/product_details/1024495138
Zur Buchverlosung
InaRakis avatar

Was würdest du tun, wenn du in einem völlig anderen Leben aufwachst?

Genau das passiert Alina, der 14-jährigen Hauptperson in diesem Buch. Ihre Statusmeldung auf Facebook wäre "Ich bin im falschen Leben." Ja, wenn es hier nur Facebook gäbe... Denn statt Internet, Handy, IPod, Reise- und Gedankenfreiheit gibt’s hier Staatsbürgerkunde, Witze hinter vorgehaltener Hand, 80er-Jahre-Mode, Jugendweihe, Jägerschnitzel (vielversprechender Titel für eine panierte Wurstscheibe) und nur ab und an mal ein öffentliches Münztelefon. Begleite Alina auf ihrer Zeitreise hinein in die DDR der 80er Jahre.

Kurz noch ein paar Zeilen zum Inhalt:
Alina hat mit ihrer Mutter ein paar Tage lang in deren Jugendtagebüchern geschmökert … und schon passiert‘s: Am Morgen ihres 14. Geburtstages wacht Alina im falschen Leben auf – und zwar im Jahr 1984, mitten in Sachsen, als jugendliche Version ihrer eigenen Mutter. Zwischen kuriosen Momenten, beklemmenden Erlebnissen und witzigen Situationen versucht Alina einen Weg durch diese bizarre Welt zu finden – zurück in ihr eigenes Leben.

Hier geht es zur Leseprobe!

Das Buch ist gedacht als Lesestoff für alle, die sich für das Thema DDR interessieren, aber keine Lust auf nüchterne Geschichtsbücher haben. "In einem Land vor meiner Zeit" ist ein Jugendbuch, aber durchaus auch für Erwachsene amüsant zu lesen - egal, auf welcher Seite der früheren innerdeutschen Grenze sie aufgewachsen sind.

Wenn Ihr mehr über mein Buch oder mich erfahren möchtet, dann schaut gern mal auf der Website zum Buch oder auf meiner Homepage vorbei. Ich freue mich natürlich auch über "likes" auf meiner Facebook-Seite zum Buch :-).          

Die Leserunde zum Buch "In einem Land vor meiner Zeit" startet Ende Juni 2012. Der Aufbau-Verlag stellt 25 Freiexemplare zur Verfügung, die unter all denen verlost werden, die sich bis einschließlich 27. Juni bewerben. Selbstverständlich sind auch alle diejenigen ganz herzlich willkommen, die das Buch bereits besitzen und Lust haben, an der Leserunde teilzunehmen.

Ich freue mich und bin sehr gespannt auf die Leserunde mit Euch!
Zur Leserunde

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