Indra Sinha

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Autor von Menschentier, Das kleine Kamasutra und weiteren Büchern.

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Indra SinhaMenschentier
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Menschentier
Menschentier
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Erschienen am 01.10.2011
Indra SinhaDas kleine Kamasutra
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Das kleine Kamasutra
Indra SinhaDas kleine Kamasutra - Lederausgabe
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Das kleine Kamasutra - Lederausgabe
Indra SinhaDie Liebeslehren des Kama Sutra ( Kamasutra)
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Die Liebeslehren des Kama Sutra ( Kamasutra)
Indra SinhaAnimal's People
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Animal's People
Animal's People
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Erschienen am 28.03.2008
Indra SinhaThe Cybergypsies
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The Cybergypsies
The Cybergypsies
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Erschienen am 13.06.2008
Indra SinhaDas illustrierte Tantra
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Das illustrierte Tantra
Indra SinhaDie Liebeslehren des Kama Sutra
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Die Liebeslehren des Kama Sutra
Die Liebeslehren des Kama Sutra
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Erschienen am 01.10.1997

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Rezension zu "Menschentier" von Indra Sinha

Indra Sinha | MENSCHENTIER
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Am 3. Dezember 1984 öffneten sich in Khaufpur, einer Großstadt im Herzen Indiens, die Pforten der Hölle, als nach einem Betriebsunfall in einem Chemiewerk ein ätzendes Gemisch austrat und als riesige Giftgaswolke durch die Elendsviertel schlich. Tausende Menschen verloren in dieser Nacht unter schrecklichen Qualen ihr Leben, Hundertausende erlitten unheilbare Krankheiten oder körperliche Entstellungen für den Rest ihres Lebens.

Knapp zwanzig Jahre nach dem Unfall erzählt ein junger Mann einem Journalisten seine Geschichte. Animal, wie er von allen genannt wird, wurde in jener Todesnacht geboren, verlor dort seine ganze Familie und ist seit seinem sechsten Lebensjahr anatomisch völlig verdreht: Die Giftgaswolke ließ seine Wirbelsäule falsch wachsen, sodass er sich nur auf allen Vieren fortbewegen kann. Animal erzählt vom Leben im Armenviertel Chicken Claw, von Zafar, dem Heiligen der Armen, der nie aufgibt, gegen die Verantwortlichen der Katastrophe vorzugehen, denn bisher gab es keinerlei Entschädigung für die Opfer. Er berichtet auch von Elli Barber, einer Ärztin aus den Staaten, die in Khaufpur auf eigene Kosten ein Krankenhaus eröffnet. Doch die Einwohner sind skeptisch und wittern einen Trick des Chemiekonzerns.

Als sich die Chefetage der Fabrik wieder einmal um einen Gerichtstermin herumschummelt (Korruption steht in Khaufpur auf der Tagesordung), gehen Zafar und einige Aktivisten öffentlich in den Hungerstreik. Dieser Widerstand findet in der Bevölkerung großen Anklang und eine Demonstration entsteht, die die Regierung zum Handeln zwingt. Diese jedoch fährt schweres Geschütz auf, und als Zafar nicht mehr zu retten ist, kippt die Bewegung in kollektiven Zorn und die verlassene aber nie bereinigte Fabrik geht in Flammen auf…

FORM: Das fiktive Khaufpur hat ein reales Vorbild – Bhopal. Der Unfall im Chemiewerk von Bhopal ging als schlimmste Chemiekatastrophe in die Geschichte Indiens ein und ist Ausgangspunkt für Indra Sinhas bemerkenswerten Roman. Auch die Erzählform des Buches ist außergewöhnlich: Animal, der Ich-Erzähler, bespricht dreiundzwanzig Kassetten des Journalisten; wir Leser erhalten eine genaue Abschrift dieser Kassetten, ohne Korrektur, mit allen Fehlern und Ungenauigkeiten. Denn obwohl Animal wahrlich kein dummer Junge ist, hat er doch das Schandmaul seines Viertels geerbt und spricht so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Das ist zum Teil recht derb, überwiegend aber doch sympathisch. Er spricht frei von der Leber weg über alles und jeden, über die Armen und die Reichen, über die Mädchen und seine Libido, über Ängste, Wünsche, Religionen und legt dabei eine ganz ursprüngliche Aufrichtigkeit an den Tag.

Wenn Religionen wahr wären, würde es nicht so viele von ihnen geben, bloß eine für alle. Klar behauptet jeder, daß seine die einzige wahre ist, die Trottel merken nicht, daß das sogar noch unlogischer ist. Mal angenommen, die Leute würden so über Schönheit reden, wie dämlich würde sich das denn anhören? Mir tut in solchen Momenten Gott leid, der wie ein Stück Fleisch, um das sich Hunde zanken, in Stücke gerissen wird. Ich, ich, ich, darum geht’s doch bei Religion, wo ist da denn noch Platz für Gott? (Seite 289)

Indra Sinha stand 2007 mit MENSCHENTIER auf der Shortlist des Man-Booker-Preises, musste sich jedoch Anne Enright geschlagen geben. Die mir vorliegende Ausgabe erschien in der sehr empfehlenswerten Reihe WELTLESE der Büchergilde Gutenberg, für die Ilija Trojanow als Herausgeber die ehrenvolle Aufgabe hat, Romane aus literarisch eher unbekannten Ländern der deutschen Leserschaft verfügbar zu machen.

FAZIT: Ein wunderbares Buch, das trotz der unfassbaren Leiden der Opfer und der geschilderten Armut viel Humor und Hoffnung in sich trägt. Auch Begriffe wie Freundschaft, Liebe, Respekt und Vergebung werden zwischen den Zeilen immer wieder behandelt. Für mich ein ganz klarer 5-Sterne-Roman.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Menschentier" von Indra Sinha

Rezension zu "Menschentier" von Indra Sinha
sabatayn76vor 7 Jahren

'Wir sind das Volk der Apokalis.'

Hintergrund:
1984 ereignete sich im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh die 'Katastrophe von Bhopal', bei der in einem Werk des amerikanischen Chemiekonzerns Union Carbide Corporation mehrere Tonnen giftiger Stoffe freigesetzt wurden. Schätzungen der Opferzahlen reichen von 3800 bis 25000 Toten durch den unmittelbaren Kontakt mit der Gaswolke.

Inhalt:
In Indra Sinhas Roman werden die Ereignisse von Bhopal nach Khaufpur verlegt. Im Mittelpunkt des Romans steht Animal, ein 19-jähriger Junge, der durch den Chemieunfall seine Familie verloren hat, dessen Rücken sich im Alter von 6 Jahren völlig verdreht hat und der sich nur auf vier Gliedmaßen fortbewegen kann. Animal bespricht Kassetten eines Journalisten und erzählt seine Geschichte, berichtet von den Bewohnern von Khaufpur, vom Elend der Armen und von der Ignoranz des verantwortlichen US-Konzerns.

Mein Eindruck:
Die Idee mit den besprochenen Kassetten hat mir sehr gut gefallen und vermittelt ein authentisches Bild von Animals Leben und von den Folgen der Chemiekatastrophe. Dabei ist die Lektüre sowohl inhaltlich als auch formal nicht immer einfach, denn Sinha erzählt von unvorstellbarem Leid und lässt Animal in einem Kauderwelsch aus verschiedenen Sprachen, in Neologismen und in seiner ganz eigenen Weise sprechen (z.B. 'Apokalis' oder 'Schurnaliss'). So entstehen Wortneuschöpfungen wie 'jamesbondieren', 'gekebabt' oder 'gebiryanit' und Sätze wie 'Der Säugling häckset onausgesetzet'. Und so macht die Lektüre - trotz des oft unschönen und sehr berührenden Inhalts - viel Spaß, und sprachlich und stilistisch entdeckt man beim Lesen immer wieder Begriffe, die völlig grotesk und komisch sind, den Leser zum Lächeln bringen.

Mein Resümee:
Ein großartig übersetzter, sehr nachdenklich machender Roman, der dennoch humor- und hoffnungsvoll ist. Ich wünsche 'Menschentier' sehr viele Leser!

'Die sind reich, die haben alles. Warum gönnen sie uns nicht mal Gesundheit?'

'Die Hoffnung stirbt an Orten wie diesen, denn die Hoffnung lebt in der Zukunft, und hier gibt’s keine Zukunft, wie kann man denn an morgen denken, wenn man die gesamte Kraft benötigt, um das Heute durchzustehen?'

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Leserrezension_2009s avatar

Rezension zu "Animal's People" von Indra Sinha

Rezension zu "Animal's People" von Indra Sinha
Leserrezension_2009vor 9 Jahren

Eingereicht von Iris S.:
"I used to be human once. So I'm told. I don't remember it myself, but people who knew me when I was small say I walked on two feet just like a human being."

Am 3. Dezember 1984 wurden in Bhopal aus einem Werk der Union Carbide rund 40 Tonnen Methylisocyanat freigesetzt. Eine Giftgaswolke trieb dicht über dem Boden durch ein angrenzendes Elendsviertel und verursachte bei den Bewohnern Haut- und Schleimhautverätzungen, Augenschädigungen und Lungenödeme. Bis heute hat sich die Zahl der Todesopfer auf 20.000 Personen summiert, rund 100.000 Menschen, die damals dem Gift ausgesetzt waren, leiden heute noch unter chronischen körperlichen und psychischen Krankheiten. Union Carbide zahlte in den folgenden Jahren insgesamt 690 Millionen Dollar an den indischen Staat, doch nur ein kleiner Teil des Geldes kam tatsächlich auch den Opfern zugute.

Für seinen Roman "Animal's People" hat der Autor Indra Sinha die Handlung von Bhopal in das fiktive Khaufpur verlegt. "That night", so bezeichnen die Einwohner Khaufpurs die Nacht des Unglücks, hat das Leben aller Khaufpuris verändert. Die von einer amerikanischen Firma (the Kampani) betriebene Chemiefabrik explodierte und setzte giftige Gase frei. Auch der inzwischen 20-jährige Animal ist eines der Opfer der Katastrophe. Seine Eltern starben, als Folge der Vergiftung krümmte sich seine Wirbelsäule, so dass er seit früher Kindheit auf allen Vieren laufen muss, und hin und wieder hört er Stimmen. Animal wohnt in den Slums von Khaufpur, seinen Lebensunterhalt kann er mit 10 cent pro Tag finanzieren und seine sehnlichsten Wünsche sind, wieder aufrecht zu gehen und mit einer Frau zu schlafen. Wobei er fest davon überzeugt ist, dass sich sein zweiter Wunsch nicht ohne seinen ersten erfüllen wird, und sein erster Wunsch erscheint ihm unerfüllbar. Längst hat er sich von der Idee verabschiedet, ein Mensch zu sein. Er sieht sich als Tier und zwar als einziges seiner Art. Eines Tages eröffnet die junge amerikanische Ärztin Elli Barber eine Klinik, in der sie alle Opfer der Katastrophe kostenlos behandeln möchte. Die Bewohner Khaufpurs sind misstrauisch. Direkt nach dem Unglück hatte sich die Kampani aus dem Staub gemacht, Schmerzensgelder wurden nie gezahlt, das Fabrikgelände wurde nie gesäubert, das Grundwasser wird weiterhin durch Chemikalien vergiftet. Die Khaufpuris vermuten, dass Elli falsche Gutachten für die Kampani schreiben soll, damit diese sich weiterhin aus der Affäre ziehen kann. Und auch ihren korrupten Politikern können sie nicht trauen.

Indra Sinha lässt Animal seine Geschichte so erzählen wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Der Leser, der von Animal mit direkt mit "Eyes" angesprochen wird, soll die Geschichte durch die Augen von Menschen wie Animal sehen und nicht durch die Brille eines Sensationsjournalisten, und das gelingt ihm sehr gut, finde ich. Animal ist ein zynischer Kämpfer, der selten mit seinem Schicksal hadert, nach seinen eigenen Regeln lebt, und aber doch mitfühlender ist, als er selbst zugeben würde. Obwohl der Hintergrund der Geschichte tragisch ist, enthält das Buch sehr viele humorvolle Stellen und gleitet niemals in Betroffenheitsliteratur hinab. Die Sprache ist nicht immer einfach, Animal widerlegt erfolgreich die "Subjekt - Prädikat -Objekt"-Regel. Amüsant sind auch die eigenen Wortschöpfungen, die Animal immer wieder einbaut, wie zum Beispiel jamisponding (jamesbonding = spionieren )

Ein Besuch der Homepage des, wie gesagt, fiktiven Khaufpurs lohnt sich. Dort kann man auch Interviews mit dem ebenfalls fiktiven Animal, der aber durchaus ein Eigenleben im Kopf des Autors entwickelt hat, nachlesen.

Animal's People war 2007 auf der Shortlist des MAN Bookerprize. Leider gibt es keine deutsche Übersetzung.

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