Ines Geipel Der Amok-Komplex

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Inhaltsangabe zu „Der Amok-Komplex“ von Ines Geipel

Junge Amokschützen lernen voneinander: Die »Schule des Tötens« erstreckt sich vom australischen Port Arthur bis zum norwegischen Utoya. Die drei deutschen Tatorte Erfurt, Emsdetten und Winnenden stellt Ines Geipel in den Kontext der weltweiten Geschichte des Amoklaufs und sie zeigt, wie diese neue Form der Gewalt aus der Mitte unserer befriedeten westlichen Gesellschaften herausbricht. Was treibt junge Amokläufer an? Warum sind Waffen noch immer so mühelos verfügbar? Wie schützt die Polizei, was klärt die Politik, wer ist für die Hinterbliebenen da? Unveröffentlichte Akten und Materialien, Gespräche mit Augenzeugen, Angehörigen und Experten geben tiefe Einblicke in den AmokKomplex.

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  • Rezension zu "Der Amok-Komplex" von Ines Geipel

    Der Amok-Komplex

    Gospelsinger

    15. April 2012 um 19:49

    Androhungen von Amokläufen an Schulen kommen immer häufiger vor, zum Glück handelt es sich meist um blinden Alarm. Aber es kann auch ganz anders kommen. Ines Geipel untersucht die Amokläufe in Erfurt, Emsdetten und Winnenden. Man merkt dem Schreibstil an, dass die Autorin Philosophin und Soziologin ist. Ich fand das zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, hatte mich aber bald daran gewöhnt. Das Erfurter Kapitel beginnt mit der Dokumentation des Polizeinotrufs. Daran wird sehr schön deutlich, wie hilflos die Polizei auf diese, für Deutschland damals völlig neue, Situation reagiert hat. Kompetenzgerangel, mangelnde Kommunikation und Fehleinschätzungen vor Ort führten dazu, dass die Rettungskräfte nicht in die Schule gelassen wurden, obwohl man wusste, dass sich dort noch Verletzte befanden. Auch der Frage nach einem zweiten Täter, den viele der Überlebenden gesehen und beschrieben haben, wurde nicht nachgegangen. Liegen die schludrigen Ermittlungen an den Thüringer Verstrickungen zwischen politischem Sumpf und der in Ostdeutschland besonders aktiven Mafia? Dem Bericht über den Amoklauf in Emsdetten ist das Tagebuch des Täters vorangestellt, in all seiner Wirrheit. Diesmal klappte wenigstens das Zusammenspiel zwischen Polizei und Rettungskräften besser. Das Kapitel über Winnenden, den schlimmsten deutschen Amoklauf, beginnt mit Auszügen aus der Vernehmung der Eltern. Es wird sehr deutlich, wie wenig sie vom Alltag ihres Sohnes mitbekommen haben, von seinem Innenleben. Nach dem Amoklauf von Winnenden wurden erstmals die Eltern zur Verantwortung gezogen; der Vater wurde wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er seine Waffen nicht sicher genug verwahrt hat. Nach Winnenden hat auch erstmals eine Vereinigung von Eltern massiven Druck aufgebaut, die Waffengesetze zu ändern. Ein in Deutschland sehr schwieriges Unterfangen, sind die Schützenvereine doch eine starke Kraft im Land. Entsprechend gering fiel die Verschärfung des Waffengesetzes aus. Den Tätern ist einiges gemeinsam, nicht nur, dass sie exzessiv Ego-Shooter- und Online-Games gespielt haben. Sie gehörten der Mittelschicht an und versagten in der Schule. Genau hier liegt meiner Meinung nach das Hauptproblem. In unserer Zeit steht die Mittelschicht vermehrt unter Druck, der soziale Abstieg ist eine ständige Bedrohung, die allzu schnell wahr werden kann. Dieser Druck wird auch auf die Kinder übertragen und summiert sich mit dem durch eine Vielzahl unsinniger Reformen enorm gestiegenen Stress in der Schule. Allzu schnell werden anstrengende Schüler abgeschoben, man ist froh, wenn man sie los ist und kümmert sich nicht mehr um ihren weiteren Werdegang. Weder die Schulen, noch die Lehrer, noch die Eltern haben ausreichende Ressourcen für schwierige Schüler, die allein gelassen werden und nach ihrem schulischen Scheitern keine Perspektiven mehr sehen. An Gymnasien gibt es nicht einmal Sozialpädagogen. Die Frage, woran es liegt, dass viele Kinder unter Druck stehen, aber nur wenige einen Amoklauf begehen, kann auch die Autorin nicht beantworten, das Buch ist eher eine Bestandsaufnahme. Aber wenigstens hätten die Erkenntnisse, die aus den geschilderten Fällen resultieren, zusammengefasst werden und in konkrete Forderungen einmünden können. Diese ergeben sich meiner Meinung nach ganz einfach aus diesem Buch: Wir brauchen schärfere Waffengesetze, die auch durchgesetzt werden. Wir brauchen gesellschaftliche Verhältnisse, die Familien den immensen Druck nehmen. Und vor allem: Wir brauchen endlich eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung der Schulen! Wenn Kinder und Bildung nicht endlich zur höchsten Priorität in unserem Staat werden, müssen wir weiterhin Angst haben, dass Amokläufe in Schulen passieren.

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