Inga Machel

 4 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf

Inga Machel, geboren 1986, lebt in Berlin. Sie studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim, war freiberuflich als Rundfunkautorin und Lektorin tätig und ist außerdem Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ihre Erzählung  Lieber A. wurde mit dem New German Fiction Prize ausgezeichnet und erschien bei Matthes & Seitz als E-Book sowie als Dear A. in der Übersetzung von Donal McLaughlin bei Readux Books. Auf Tegel Media veröffentlichte sie die Story Being with Paul. Ihr Debütroman Auf den Gleisen stand kurz nach Erscheinen im Februar 2024 bereits auf der SWR-Bestenliste und war für den Preis der Leipziger Buchmesse 2024 nominiert.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Inga Machel

Cover des Buches Auf den Gleisen (ISBN: 9783498003425)

Auf den Gleisen

(4)
Erschienen am 30.01.2024
Cover des Buches Harte Strandparty (ISBN: 9783498007720)

Harte Strandparty

(0)
Erscheint am 19.06.2026

Neue Rezensionen zu Inga Machel

Cover des Buches Auf den Gleisen (ISBN: 9783498003425)
Katrin_Bongards avatar

Rezension zu "Auf den Gleisen" von Inga Machel

Katrin_Bongard
Wenn es schmerzt ...

Literarisches Debüt

"Auf den Gleisen" von Inga Machel ist ein kurzes Buch, doch Sprache und Inhalt sind wie stark zusammengepresst. Auch belastend, denn beim Lesen verfolge ich einen Protagonisten, der  Trauer und Erinnerungen an den verstorbenen Vater nicht  verarbeitet hat, nicht verarbeiten kann. Okay, ein Freitod, was die Sache noch problematischer macht.

"Ein Sohn verliert seinen Vater, dann sich selbst - und findet beides wieder auf den Straßen Berlins. Radikal und voller Schönheit erzählt Inga Machel in ihrem ersten Roman vom tiefen Verlangen nach Nähe und Beziehung, vom Scheitern, von Schmerz, Wut und Trauer und von der Suche nach einem Weg ins Leben." (Quelle Rowohlt Verlag)

Es ist schon 10 Jahre her, dass Mario seinen Vater verloren hat, nun ist er Mitte Dreißig und immer noch nicht bereit, zu akzeptieren, was geschehen ist. Eine Kindheit der emotionalenVernachlässigung, mit Unsicherheit und Armut gelastet, hängt ihm nach. So sehr, dass er sich einen Stellvertreter für den Vater suchen muss.

Der heroinabhängig P. wird zu Obsession, wird beobachtet, gestalkt, verfolgt. Doch Mario hat eigene Probleme, den Alkohol, die Sucht. Wer das Buch liest, muss bereit sein, sich ausschließlich auf die dunklen Aspekte des Lebens, von Familie und Überleben einzustellen. Das ist manchmal hart, wenn die eigene Realität zwar anders ist, aber nicht unverschont von extremen Erfahrungen ist.  Dann kommt die Frage auf, für wen dieses Buch geschrieben wurde, wer hier aufgeweckt und retraumatisiert werden soll. Oder anders gesagt: Die Geschichte ganz von der Autorin abzutrennen und sie als Studie der Hoffnungslosigkeit oder des Absturzes aufzufassen, fällt mir schwer. Wer schreibt hat ein Anliegen, hat eine Leserschaft vor Augen, auch wenn niemand für jemand speziellen schreibt, dann doch zumindest im Angesicht einer Leserschaft und ich vermute in diesem Fall auch sehr stark einer Kritikerschaft.

Der Literaturbetrieb kann viel schlucken und als Literatur in den Schutzbereich stellen. Interessante Milieustudie, gelungenes Debüt - doch mir verlangt dieses Buch ein starkes Maß an Empathie für nicht nur ein, sondern im Grunde drei gescheiterte Leben ab. Es ist nicht so, dass ich die Augen vor dem Elend verschließen möchte, aber sagen wir so: Ich habe genug davon gesehen, um nicht bis ins dramatische Detail davon lesen zu müssen.

Sprache

Die Sprache ist reduziert, klar und im besten Sinne literarisch. Und manchmal hat mich genau das gestört, ein wenig zu viel Berechnung. Auslassungen sind Geschenke an die Leserin, die sich selbst denken kann, was passiert, aber manchmal eben auch Tricks, damit niemand den düsteren Schleier wegzieht und fragt: Wozu? Worum geht es hier? 

Manchmal haben mich sehr ausführliche Aufzählungen gestört, die mir wie stilistische Übungen vorkamen,

Fazit

Ein Lese-Muss für jeden, der sich in der literarischen Blase befindet, schon allein, da das Buch für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. Machels Themen sind wichtig im literarischen Kanon, sind zeitgemäß und aktuell. Ein Muss nicht unbedingt für die literarisch interessierte Leser:in, die mehr sucht als eine etwas zu berechnende Abhandlung über die Abgründe von Sucht, Armut und Depression, die sich überall und ständig und vermutlich direkt vor unseren Augen abspielt.

Denn - machen wir uns nichts vor - aufgeweckt muss niemand werden, Themen wie Mental Health, Familienarmut, Depression sind stark in der Wahrnehmung und mittlerweile besonders auf Social Media weit verbreitet.


Cover des Buches Auf den Gleisen (ISBN: 9783498003425)
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Rezension zu "Auf den Gleisen" von Inga Machel

S_Malt
VERSTÖREND GUT

Marios Vater hat sich vor einen ICE geworfen und ist damit aus dem Leben verschwunden.

Nun hat auch Mario sich verloren und irrt - zumeist schwer betrunken - durch die Straßen Berlins. Dann trifft er auf P. - einem heroinabhängigen Junkie, der sich von Schuß zu Schuß ebenfalls durch die Stadt bewegt. Mario erkennt in P. eine Parallele zu seinem Vater, zu dem Leben mit seinem Vater und zu sich selbst. Er folgt P. und wird Zeuge seiner täglichen, sehr schweren, Lebensumstände - und zwar wortwörtlich bis zum Ende.


Man kann eigentlich nicht viel mehr zu dem 160 Seiten langen Debüt der Autorin sagen - oder ich kann es nicht - denn es spricht in seiner Kraft für sich selbst.

Mich hat es zum Teil etwas verstörrt, jedoch auch gnadenlos gepackt; immer wieder habe ich mich an Salingers „Der Fänger im Roggen“ erinnert gefühlt. Ein junger Mann, der verloren durch die Stadt irrt, auf der Suche nach etwas, das er nicht greifen kann. Dazwischen immer wieder Rückblenden auf das Leben mit und um den Vater. Einem Mann, der selbst von der Liebe zum Leben erschlagen wurde; der plötzlich um das Leben weint, weil er sich in diesem nicht zurecht findet. Ein - meiner Meinung nach - manisch depressiver Mann, der sich verlassen fühlt, der verlassen ist, von Frau und Kindern. Eigentlich liebt er das Leben, kann es jedoch nicht greifen, so dass er es schließlich n ur noch verlassen will. Und nun ist es an Mario, das Leben seines Vaters, sein eigenes Leben und die Beziehung zu seinem Vater aufzuarbeiten.


Ein sprachgewaltiges Buch, welches man lesen sollte, wenn man Road-Bücher, Coming-of-Age-Bücher und Sozialdramen mag. Ich warne jedoch davor, dass es einen sehr tief berühren kann, wenn man ähnliche Erfahrungen im nahen Verwandtenkreis - schlimmstenfalls mit dem eigenen Vater gemacht hat.


Von mir 5/5 


„Ich war so stolz, sein Sohn zu sein, dass ich in ihn eintauchte wie in den acht mal vier Meter großen Swimmingpool in Nicos Garten, in dem ich sowas wie eine andere Welt fand. Eine, in die ich immer reinkonnte, selbst, wenn mein Vater mal nicht da war.“


„Dass er mich vielleicht gar nicht in seinem Leben wollte, jedenfalls nicht um jeden Preis.“


„In seinem Gesicht gab es gar keine Spuren mehr, nur den weit geöffneten Mund und ein paar dunkle Lücken, wo früher keine gewesen waren.“


„…bis auf das Trinken selbst und das Noch-mehr-Trinken, das aber zum Sterben leer war, so kam es mir in letzter Zeit immer häufiger vor, todesartig.“

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