Ingar Solty

 4,7 Sterne bei 3 Bewertungen

Lebenslauf

Ingar Solty, Jahrgang 1979, ist Sozial- und Literaturwissenschaftler und arbeitet als Referent für Außen-, Friedens- und Sicherheitspolitik am Zentrum für Gesellschaftsanalyse und politische Bildung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher zu Fragen der politischen Ökonomie, der politischen Theorie und Ideengeschichte sowie der Literatur und Kultur, darunter „Die USA unter Obama“ (2013), „Richtige Literatur im Falschen“ (2016), „Literatur in der neuen Klassengesellschaft“ (2020), „Auf den Schultern von Karl Marx“ (2020) und „Der postliberale Kapitalismus“ (2025). Neben seiner Arbeit für Fachzeitschriften wie „Zeitschrift für Internationale Beziehungen“, „Monthly Review“ und „Socialist Register“ publiziert Solty breit in der Tagespresse, u.a. in „Der Freitag“, „Berliner Zeitung“, der „taz“ und „Jacobin“. Als Experte war er Sachverständiger im haushaltspolitischen und Auswärtigen Ausschuss im Deutschen Bundestag und tritt er regelmäßig in Hörfunk und Fernsehen auf, u.a. im Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, ARD, Phoenix, MDR, rbb, Deutsche Welle, Al Jazeera, Canadian Broadcasting Corporation usw.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Der postliberale Kapitalismus (ISBN: 9783894388331)

Der postliberale Kapitalismus

Erscheint am 01.01.2027 als Taschenbuch bei PapyRossa Verlag.

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Neue Rezensionen zu Ingar Solty

Mehr Platon als Watson

Okay, 30 Seiten? Klar, auch ein nicht-kapitalistischer Verlag muss in der Marktwirtschaft mitspielen, aber wüsste ich nicht, dass die folgenden Bände alle deutlich umfangreicher sind, hätte ich mehr Fragezeichen im Gesicht als das Buch auf seinen Seiten. 

Formalia beiseite, hier geht es um Friedrich Engels, einen der großen kommunistischen Vordenker. Aber war er das überhaupt - oder handelt es sich bei ihm bloß um einen Sekundanten, Saufkumpanen und Geldgeber, also eine geradezu vernachlässigbare Gestalt linker Frühgeschichte? Ein Dr. Watson für den großen Sherlock? Solty sagt: nein! Ohne Engels kein Marx. Und das eben nicht nur wegen seiner beratenden (und finanzierenden) Funktion, sondern auch, weil Engels Marx' Werk überhaupt erst in einer Art und Weise aufbereitet hat, die dessen Gedanken zur Bewegung machen konnte. Engels hat Marx überlebt, überarbeitet und ein Stück weit auch überdacht, bevor er seine unveröffentlichten Werke herausgegeben hat. (Und damit eher ein wenig der Rolle Platons für Sokrates vergleichbar.)

Solty arbeitet auch schön heraus, wie Marx und Engels sich in ihren Theorien gegenseitig beeinflusst haben. Umso unverständlicher, wieso die Reihe der Marxismen nicht mit einem Marx-Engels-Doppelband gestartet ist. Platz wäre, siehe oben, genug zwischen den "Buch"-"Deckeln" gewesen. Inhaltlich sind wir weiterhin auf Fünf-Sterne-Kurs - die Balance zwischen Verständlichkeit und Anspruch gelingt erneut. 

Kapitalismuskritik, zeitgemäß

Die Kritik am Kapitalismus steht beim zweiten Band der Marxismen (und dem ebenfalls zweiten Band zum Namenspatron) im Mittelpunkt des Textes. Allerdings beschränkt sich Solty nicht nur aufs Nacherzählen, sondern ordnet Marx' Gedanken in unsere Zeit ein. Das funktioniert gut, insbesondere bei dem Brückenschlag zur Psychologie. Die Ökonomie wiederum kommt etwas kurz in dem Bändchen, aber das wäre vermutlich ein vermessener Anspruch an eine Einführung. Dafür gelingt dem Autor der Spagat, einen anspruchsvollen Text zu schreiben, auf dessen nächste Lektüre zur Auffrischung man sich dennoch freut. Viel leserfreundlicher dürfte Marx kaum aufzubereiten sein.

Marx in der Ultrakurzfassung

Mit manchen Marx-Ausgaben kann man Pressspan-Regalbretter verbiegen. Die Marxismen scheinen das Holz schonen zu wollen - die ersten drei Ausgaben erscheinen im Essayformat. Schön aufgemacht, aber in einer Länge, die wirklich nicht mehr als eine Einführung bieten kann. Das macht Ingar Solty allerdings gut. Der erste Band enthält noch einiges an Vorgeplänkel (Lob von Dritten und eine Einführung in die Edition), dem eigentlichen Marx bleiben dann noch 25 Seiten (und natürlich ein zweiter Band). Auf denen lernen wir mit Dialektik und Materialismus allerdings zwei Schlüsselelemente der Theorie Marx' kennen - und das, im Rahmen des Möglichen, leicht verständlich. Hier passen Form und Inhalt zusammen und versprechen eine aufschlussreiche Reihe, die sich der Brumaire-Verlag da vorgenommen hat. Allerdings - für sich alleine steht das Büchlein angesichts des Preises auf schwachen Füßen.

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