Inge Deutschkron

 4.1 Sterne bei 26 Bewertungen
Autor von Ich trug den gelben Stern, Papa Weidt und weiteren Büchern.

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Ich trug den gelben Stern

Ich trug den gelben Stern

 (20)
Erschienen am 01.01.1992
Papa Weidt

Papa Weidt

 (2)
Erschienen am 01.08.2017
Blindenwerkstatt Otto Weidt

Blindenwerkstatt Otto Weidt

 (1)
Erschienen am 01.08.2008
Mein Leben nach dem Überleben

Mein Leben nach dem Überleben

 (1)
Erschienen am 01.11.2000
Überleben als Verpflichtung

Überleben als Verpflichtung

 (1)
Erschienen am 01.09.2010

Neue Rezensionen zu Inge Deutschkron

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Rezension zu "Überleben als Verpflichtung: Den Nazi-Mördern entkommen" von Inge Deutschkron

Rezension zu "Überleben als Verpflichtung: Den Nazi-Mördern entkommen" von Inge Deutschkron
Ritjavor 6 Jahren

Man muss gleich zu Beginn wissen, dass es sich hier nicht um einen klassischen Roman handelt, der das Leben von Inge Deutschkron erzählt, sondern um eine Textsammlung.

Die versprochene Quintessenz aus fünf Jahrzehnten Schaffenszeit ist leider, aus meiner Sicht, nicht so gut gelungen. Inhaltlich ist es interessant und bedrückend zu lesen, was passiert ist und warum. Auch die Beleuchtung des politischen Hintergrundes von Deutschland und Israel waren gut. Jedoch muss man ganz ehrlich sagen, haben sich viele Textpassagen wortwörtlich wiederholt. Ich fand es eher ungünstig den gleichen Text (manchmal nur ein paar Zeilen) mehrfach im Buch anzuwenden. Vielleicht hätte man andere Textpassagen nutzen sollen, damit die Leselust nicht gebremst wird. Auch wirkte es dadurch etwas unstrukturiert. Gerade war man noch bei den zwei deutschen Staaten und der politischen Vergangenheit der Politiker und im nächsten Abschnitt spricht sie von ihrer Gefahr und Verfolgung während der NS-Zeit. Man drehte sich phasenweise im Kreis. Für einen Leser ist dies irritierend und nicht immer nachzuvollziehen, warum sie die Geschichte an dieser Stelle noch einmal erzählt bzw. die andere an dieser Stelle abbricht.

Dennoch: Es ist wichtig, dass immer wieder erinnert wird, was geschehen ist und warum. Das die Grausamkeiten der NS-Zeit, die an den Juden und anderen Verfolgten begangen worden sind, nicht vergessen werden. Und das auch der jüngeren Generation immer wieder vor Augen gehalten wird, dass eine Demokratie nicht einfach so entsteht, sondern hart und mit vielen Opfern erkämpft werden musste und nun erhalten werden muss. Man spürt sehr häufig die Verbitterung und die Wut der Autorin, dass so mancher Verantwortliche nicht zur Rechenschaft gezogen worden ist, weil bestimmte deutsche Gesetze sie schützten. Doch wer schützte sie?

Insgesamt: Das Buch ist interessant und hat viele bedrückende Textpassagen, die aufwühlen und zum Nachdenken anregen. Jedoch der Aufbau des Buch hätte besser gelöst werden können. Leider geht dadurch die Wirkung des Gesagten etwas verloren.

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Rezension zu "Überleben als Verpflichtung" von Inge Deutschkron

Rezension zu "Überleben als Verpflichtung" von Inge Deutschkron
Neonsonnevor 6 Jahren

Inge Deutschkron, ein Leben, ein Krieg!
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Das Buch beginnt mit einem kurzen Vorwort und leitet dann über in eine Kurzbiografie, in der Inge Deutschkron ihr Leben zügig schildert. Unter anderem erfährt man, dass Inge als fünfjährige mit ihren Eltern nach Berlin zog. Eine unbeschwerte Kindheit und eine glänzende Zukunft waren für sie bestimmt. Doch als das Nürnberger Rassegesetze 1935 in Kraft trat, wurden die Juden diskriminiert. 1938 wurde das erste staatliche Pogrom von den Nazis inszeniert. Am 1. September1939 bricht der zweite Weltkrieg aus. In diesem Jahr verlässt Inge's Vater Berlin. Ihre Mutter und sie selbst gelingt die Ausreise nicht. Im September 1941 wird der Judenstern Pflicht. Einen Monat später beginnen die Deportationen. 2 Jahre und 4 Monate verstecken sie sich vor den Nazis. Nach Kriegsende verspricht sie sich dem Journalismus, bereist die halbe Welt und arbeitet als Deutschland-Korrespondentin für die israelische Zeitung MAARIV. 1972 wandert sie nach Israel aus, die Zuflucht der Verfolgten..
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Immer wieder werden deutsche hilfsbereite Bürger erwähnt. Die waren rar in diesen Zeiten, vor allem gegenüber Juden. Doch eine kleine Minderheit, die wirklichen Helden dieses Krieges, brachten großen Mut auf und nahmen sich ihrer an. Jüdische Familien die es galt zu verstecken, über viele Monate hinweg. Und obwohl sie wussten, was das für sie bedeuten könnte, für den Fall einer Aufdeckung, riskierten sie ihr Leben um wenigstens einem kleinen Teil ihrer jüdischen Mitbürger eine Zukunft zu schenken. Da auch die Lebensmittelvorräte schrumpften und kaum noch etwas zu bekommen war, versorgten deutsche Familien selbstlos ihre untergetauchten Freunde. Das Wenige das sie hatten, teilten sie bedingungslos, auch wenn es bedeutete selbst zu hungern. Inge Deutschkrons Jugend war durch die Nazis geprägt. Es gab kaum Rückzugsmöglichkeiten. Ständig gab es neue Verbote. Kino, Theater, alle öffentlichen Vergnügungen waren Juden nicht gestattet.
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Dieses Buch erzählt uns, dass es in diesem Elend auch ein Fünkchen Hoffnung gab und dass die Menschlichkeit nicht ganz auf der Strecke geblieben ist. Doch nicht unsere Bundesrepublik dankte diesen Helden, sondern der Staat Israel. Denn auch nach dem Krieg gab es in Deutschlands Führung Menschen, die das Geschehene einfach runter spielten. Man solle die Vergangenheit ruhen lassen, so hieß es viele Male. In manchen Ministerien waren ehemalige NSDAP-Mitglieder vertreten. Hatte Deutschland denn nichts aus all dem gelernt? Dass Mittäter des dritten Reichs weiterhin in der Regierung tätig waren, stößt bei mir auf große Fassungslosigkeit. Der Holocaust wird nach dem Krieg entweder verharmlost, oder gar nicht erst erwähnt. Zitat aus der Regierungserklärung: Das deutsche Volk hat in seiner überwiegenden Mehrheit die an den Juden begangenen Verbrechen verabscheut und sich nicht an ihnen beteiligt!
Diese Behauptung empfinde ich als blanken Hohn und ich frage mich, woher die vielen Millionen getöteten Juden kommen? Waren die etwa eine Einbildung der ganzen Welt? Die Verbrechen der Nazis wurden auch Jahre später noch verharmlost. Ein Mörder ist nicht gleich ein Mörder, solang dieser der Politik zugewand war.
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Die Beziehung zwischen Isreal und Deutschland in den Jahren nach Kriegsende bis heute beschreibt Frau Deutschkron sehr ausführlich. Dies nimmt einen großen Platz in diesem Buch ein. Sogar für mich sind die wichtigen politischen Ereignisse sehr gut verständlich. Die Nazizeit, wenn auch schon 60 Jahre her, hat auch heute noch Wirkung. Vieles basiert auf dieser Zeit..
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Unter anderem wird auch die Atmosphäre im Gerichtssal während der Auschwitz-Prozesse in Frankfurt geschildert. 20 Angeklagte die sich für ihre Verbrechen zu verantworten hatten. Und doch wird versucht zu erklären, dass SS-Männer zu guten Taten im stande waren. Doch das macht aus Bestien noch lange keine Gutmenschen.
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Inge Deutschkron weiss wie man Gedanken in Worte umsetzt. Ihr journalistisches Können ist deutlich herauszulesen. Sie erzählt, wie sie das Erlebte verarbeitet und sich für Schulen engagiert, um Schülern späterer Generationen dabei behilflich zu sein, den Holocaust zu verstehen. Gelegentlich wiederholen sich ein paar Zeilen, da die Kapitel aus mehreren Büchern zusammengetragen wurden. Sie hat mich dank ihrer Zeilen vieles klarer sehen lassen. Wenn wir ehrlich zu uns sind, müssen wir uns eingestehen, dass sich im Grunde nicht viel geändert hat. Meine Sichtweise zu einigen Dingen musste ich überdenken und kann nun für bestimmte Sachen ein besseres Verständnis aufbringen.
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Lieblingsstelle:
Die Deutschen glauben indes heute, gute Demokraten geworden zu sein. Und doch scheint es so, dass man zwar die Regeln der Demokratie fein memoriert hat, sie treu befolgt, sie auch hier und da mit Leben erfüllt, dass sie dennoch leere Flosklen bleiben in Fällen, wo Menschlichkeit gefordert wird.

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