Inge Hirschmann

 4.1 Sterne bei 16 Bewertungen
Autorenbild von Inge Hirschmann (©Elisabeth Hirschmann)

Lebenslauf von Inge Hirschmann

Inge Hirschmann, Jahrgang 1962, war nach ihrem Pharmaziestudium fünfzehn Jahre als Apothekerin tätig. Die langen Notdienstnächte versüßte sie sich mit Schreiben. Seit dem Jahr 2000 arbeitet sie in der familieneigenen Papeterie mit und ist auch als Kunstmalerin und Grafikerin aktiv. Gerichtsmedizin und Giftwirkungen fesseln sie nach wie vor. Mit Mann und Tochter lebt sie im Rottaler Bäderdreieck.

Alle Bücher von Inge Hirschmann

Cover des Buches Bibergeil (ISBN: 9783740800109)

Bibergeil

 (16)
Erschienen am 24.11.2016
Cover des Buches Mausetot auf hoher See (ISBN: 9783982136806)

Mausetot auf hoher See

 (0)
Erschienen am 12.11.2019
Cover des Buches Wenn der Waschbär kommt (ISBN: 9783740804534)

Wenn der Waschbär kommt

 (0)
Erschienen am 15.11.2018

Neue Rezensionen zu Inge Hirschmann

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Rezension zu "Bibergeil" von Inge Hirschmann

sehr lesenswerter Bayern-Krimi
Vampir989vor 3 Jahren

Klapptext:
Biber sind im Markt Hallerbach an der bayerisch-tschechischen Grenze als neue Mitglieder der Dorfgemeinschaft nicht allzu beliebt. Als mitten auf der Burg der Nagetiere ein Toter gefunden wird, gerät nicht nur die Verbrecherwelt vor Ort in Bedrängnis, sondern auch Polizeikommissar Karl Holzinger: Es stellt sich heraus, dass dieser bizarre Mord gerade für ihn besonders existenzgefährdend ist.

Ich hatte große Erwartungen an diesen Krimi und ich muss sagen das ich nicht enttäuscht wurde.Der Schreibstil ist leicht und flüssig.Die Seiten flogen nur so dahin und ich wollte das Buch kaum noch aus den Händen legen.Die Autorin verführte mich in einen kleinen Ort in Bayern nahe der tschechischen Grenze.Die Protoganisten wurden sehr gut beschrieben und ich konnte Sie mir klar und deutlich vorstellen.Es gab viele unterschiedliche Charaktere die hervorragend ausgearbeitet wurden.Kommissar Holzinger fand ich sehr sympatisch und habe ihn gleich in mein Herz geschlossen.Aber auch die anderen Personen waren sehr interessant.Ich habe Kommissar Holzinger bei seinen Ermittlungen begleitet.Diese waren nicht gerade sehr einfach.Es gab oft unvorhersehbare Ereignisse und Wendungen.Viele Szenen wurden sehr detailliert dargestellt und so war ich teilweise direkt im Geschehen dabei.Ich habe mit gelitten,mit gefiebert und mit ermittelt.Das hat mir sehr gut gefallen.Auch versteht es die Autorin uns einige Informationen über den Biber und Bibergeil zu vermitteln.Dies ist ihr bestens gelungen.Geschickt baut sie auch einige andere Themen in die Geschichte mit ein.Dabei geht es um Naturschutz und Grenzkriminalität.Durch die sehr beeindruckende und faszinierende Erzählweise wurde ich förmlich in die Geschichte hinein gezogen.Viele Schauplätze wurden sehr bildhaft und ansprechend beschrieben .So hatte ich das Gefühl selbst an diesen Orten zu sein und alles mit zu erleben.Besonders schön fand ich das Inge Hirschmann auch etwas Humor zulässt.Bei einigen Situationen habe ich mich köstlich amüsiert.Gerade die Mischung aus Dramatik und Witz machten den Krimi für mich so lesenswert.Auch werden wir immer auf eine falsche Spur geführt was den Täter anbelangt.Uns so rätselt man als Leser selbst bis zum Schluss mit wer es denn nun sein könnte.Die Spannung steigt von Anfang bis zum Ende stetig an.Dadurch wird es nie langweilig.Das Cover finde ich sehr gut gewählt.Es passt genau zu dieser Geschichte und rundet das brilliante Werk ab.Ich hatte wunderschöne Lesestunden mit dieser Lektüre und kann dieses Buch nur jedem Krimiliebhaber empfehlen.

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Rezension zu "Bibergeil" von Inge Hirschmann

Bibergeil
abetterwayvor 3 Jahren

Inhalt:
"Biber sind im Markt Hallerbach an der bayerisch-tschechischen Grenze als neue Mitglieder der Dorfgemeinschaft nicht allzu beliebt. Als mitten auf der Burg der Nagetiere ein Toter gefunden wird, gerät nicht nur die Verbrecherwelt vor Ort in Bedrängnis, sondern auch Polizeikommissar Karl Holzinger: Es stellt sich heraus, dass dieser bizarre Mord gerade für ihn besonders existenzgefährdend ist."

Meinung:
Die Autorin hat eine tolle Schreibweise, eine leichte und flüssige mit einem gewissen Witz hinter der Erzählweise, welche man bei einem Krimi nicht so oft zu lesen bekommt.
Man lernt im Laufe der Geshcihte die Personen besser kennen, am Anfang weiß man nicht so recht wie man sie einschätzen soll, deswegen ist es meist schwierig zu folgen, aber mit dem Verlauf der Geschichte geht es immer besser.
Es macht Spaß das Buch zu lesen.

Fazit:
Gut gelungener Krimi mit viel Humor.

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Rezension zu "Bibergeil" von Inge Hirschmann

Rezension zu "Bibergeil" von Inge Hirschmann
dorlivor 3 Jahren

Es könnte recht beschaulich zugehen in dem kleinen Markt Hallerbach an der bayerisch-tschechischen Grenze, wenn nicht ein nagendes Problem das Idyll stören würde: Biber treiben am Hallerbach ihr Unwesen. Sie zerstören den Uferdeich und sind besonders den Landwirten ein Dorn im Auge.

Altbauer Firmian Koberer hat die Nase voll von den ständigen Diskussionen darüber, wie man die lästigen Biester vertreiben könnte – er schreitet zur Tat und sprengt den Biberdamm mit einem gewaltigen Knall in die Luft. Womit er nicht gerechnet hat: aus dem talwärts rauschenden Gestrüpp ragt eine menschliche Hand samt Armknochen! Der Altbauer wähnt sich als Mörder. Als dann kurze Zeit später auf der Biberburg ein Toter gefunden wird, gerät die Welt der Hallerbacher vollends ins Wanken und Kommissar Karl Holzinger hat plötzlich alle Hände voll zu tun - dabei hat er eigentlich genug eigene Probleme…

Inge Hirschmann versteht es mit ihrem lockeren und angenehm zu lesenden Schreibstil ausgezeichnet, den Leser in ihren Bann zu ziehen, trotz mehrerer Handlungsstränge und einer Vielzahl an Akteuren war ich schnell mittendrin im Geschehen. Die Geschichte wird spannend erzählt und lädt zum Mitgrübeln und Miträtseln über Täter, Hintergründe und Zusammenhänge ein.

Der Krimi kommt zwar nicht mit nervenaufreibender Höchstspannung daher, kann dafür aber umso mehr mit ganz viel Humor und einer großen Portion Lokalkolorit punkten. Die Eigenarten und Besonderheiten von Land und Leuten werden von der Autorin unterhaltsam beschrieben und nicht nur die Schwierigkeiten, die das Zusammenleben von Mensch und Biber mit sich bringt, kommt zur Sprache, auch andere Probleme der Region werden hervorgehoben - der Drogenhandel im grenznahen Gebiet zu Tschechien ist zum Beispiel genauso ein Thema, wie die dreisten Machenschaften von Autoschieberbanden.

Das Lesen und Mitermitteln hat Spaß gemacht - „Bibergeil“ ist ein humorvoller Krimi, in dem die eine oder andere Überraschung und vor allen Dingen ein nicht ganz alltäglicher Kommissar dafür sorgen, dass keine Langeweile aufkommt.

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Gespräche aus der Community

Neu
Cover des Buches Mausetot auf hoher SeeI

Die abenteuerliche Geschichte des schlitzohrigen Kommissars Karl Holzinger geht weiter! Unter falschem Namen als Sicherheitsmann auf einem Kreuzfahrtschiff untergetaucht, bekommt er es nicht nur mit einem Serienmörder, sondern auch noch mit Entführung zu tun. Eine atemlose Verbrecherjagd beginnt. Verlost werden 15 Taschenbücher.

Lieber Leser,

meine Geschichte führt uns zurück ins Jahr 2014, ins goldene Zeitalter der Kreuzfahrten. Aber wo endet das Urlaubsparadies, wo beginnt das Verbrechen? Und wie arbeitet die Security, wenn sie einen Serienkiller fangen soll - ohne Kriminaltechnik, Labor und Pathologie?


Leseprobe - Mausetot auf hoher See

Inge Hirschmann, geboren 1962, von Beruf Apothekerin, hat in vielen langen Notdienstnächten ohne Fernseher das Schreiben trainieren können. Seit 2000 arbeitet sie in der familieneigenen Papeterie und zusätzlich auch noch als Kunstmalerin. Sie lebt mit Mann und Tochter in Bad Griesbach, wo sie auch historische Altstadt-Führungen unternimmt.

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen, Schauplatz und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht gewollt und rein zufällig.

INGE HIRSCHMANN 

MAUSETOT AUF HOHER SEE 

Schiffskrimi 

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

 

Von Inge Hirschmann sind im EMONS-Verlag erschienen:

Bibergeil (ISBN 978-3-7408-0010-9)

Wenn der Waschbär kommt (ISBN 978-3-7408-0453-4)

©Karl Pritzl oHG, Bad Griesbach

Alle Rechte vorbehalten

 

Umschlagmotiv und Gestaltung: Inge Hirschmann

Satz, Druck und Bindung: Ortmaier Druck GmbH, Frontenhausen

Printed in Germany 2019

ISBN 978-3-9821368-0-6

Schiffskrimi

Originalausgabe 2019


Für meine treuen Leser, für alle, die an mich 

geglaubt haben - und für meinen neuen Mitbewohner, 

den Neid, der an meiner Seite noch etliche Jahre 

im Beruf ausharren muss, obwohl er stattdessen auch 

gerne einmal sechs Monate lang durch die weite Welt 

reisen würde. Nun ja, vielleicht nicht unbedingt 

auf diesem ganz speziellen Schiff...

  

Die Mitwirkenden

 

Passagiere:

Martynas Rhesa                   Einzelgänger aus Litauen

Albert Hurvinek                     Programmierer aus München

Melina Anders                       Biologin aus Genf

Bianca Anders                       ihre Tochter

die Bernkes                            älteres Ehepaar

die Kepplers                           Eheleute mit hinfälliger Verwandter 

Elfriede Oppermann             pensionierte Studienrätin

Albin                                        verschollener Wirtschaftsspion

Max Leitner                            pensionierter Kriminalkommissar

 

Sicherheitsdienst:

Edmund Sandtner                 Sicherheitschef

Adam Asbeck                         neuestes Mitglied mit fraglicher Vita

Jonas Hauser                         Computergenie              

Jochen Kornreder                  vormals Animateur

Alice LeBecq                           seine Freundin

Frank Marek

Josef Mühlbauer

Hilda Weber 

Wiebke Braun

und noch dreizehn Kollegen

 

Weitere Besatzungsmitglieder:

Rudolf Klopstock                      Kapitän

Ferdinand Moss                       Quartiermeister (Hoteldirektor)

Luis                                             Maître vom Steak-House

Jacques Bach                           oberster Küchenchef

Salvo                                           Barkeeper in der »Aurora-Bar«

Luc                                              sein Kollege in der »American Bar«

Dr. Mertens                                Schiffsarzt

Ellen Vermeer                            Krankenschwester

Wassili Kurow                           Mann fürs Grobe

 

 

Kapitel 1

Der Schiffsarzt hatte eine OP-Maske umgebunden. 

  »Ist das nicht ein bisschen übertrieben, Doc?«, fragte Adam Asbeck, der Mann vom Sicherheitsdienst, der die besorgten Blicke beunruhigter Passagiere in seinem Rücken brennen fühlte.

  »Nein«, erklärte Dr. Mertens bestimmt. Er hatte einen weichen, melodischen Akzent. Vielleicht ein Ungar, dachte Asbeck. Das Schiff war deutsch, die Crew international. »Man weiß nie, was einen erwartet, wenn einer stirbt. Die Passagiere an Bord sind Weltenbummler. Theoretisch wäre sogar ein Pestfall denkbar...«

  »Aber Doc, die Leute gucken schon so komisch!«

  »Ach kommen Sie, die paar Meter zwischen Aufzug und Kabine! Da trifft man höchstens drei Passagiere.«

  Asbeck zuckte die Schultern. Er hatte bisher neun gezählt. Heute Abend würde es ziemlich viel Gerede geben in den Speisesälen. 

  »Überhaupt«, fing der Bordarzt nach ein paar Schritten den langen, gut ausgeleuchteten Gang hinunter wieder an, »nach dem, was der Steward über das Aussehen der Leiche erzählt hat, könnte es sich durchaus um so etwas wie Ebola handeln. Ein hämolytisches Fieber, das zu Blutungen aus Mund und Nase geführt hat.«

  Adam Asbeck blieb abrupt stehen, knapp vor der Kabinentür, die der Steward wieder abgesperrt hatte. Zwei Dutzend Sicherheitsleute an Bord der »Magic Symphony« - und ausgerechnet ihn hatte es hiermit erwischen müssen!

  »Glauben Sie das wirklich, Doktor?«

  Der Arzt war auch stehen geblieben. Logisch eigentlich, denn wenn Asbeck ihm nicht mit dem Generalschlüssel aufsperrte, konnte er gar nicht hinein in die Kabine. »Haben Sie auf einmal doch Angst?«

  »Ich war ja schon drin«, bekannte Asbeck. »Der Steward hat als ersten mich geholt.«

  »Und haben Sie ihn berührt?«

  »Nur mit Handschuhen. Aber ich musste doch feststellen, ob ihm vielleicht noch zu helfen wäre.« Handschuhe gehörten zur Standardausrüstung eines jeden Sicherheitsmannes und übrigens auch aller Stewards an Bord. Schon allein deshalb, weil man gelegentlich Hilfestellung geben musste, wenn jemand seekrank über der Reling hing.

  »Na, dann machen Sie sich mal nicht zu viele Sorgen! Hier, ich hab einen zweiten Mundschutz mit. Und -?«

  »Was - und?« 

  »Was haben Sie festgestellt an dieser Leiche?«

  »Dass sie - er - schon länger tot ist, mindestens acht Stunden. Die Leichenstarre ist voll ausgeprägt, auch in den unteren Extremitäten. Und die Kinnlade ist noch nicht wieder beweglich.«

  »Donnerwetter, Sie scheinen sich ja auszukennen!«

  Uff, dachte der Sicherheitsmann, aufpassen! »Ich war früher mal beim Ordnungsamt, da kriegt man allerhand mit.«

  »Was - ein Beamter? Und das lassen Sie so einfach hinter sich?«

  »Ich hatte genug von dem Ganzen«, sagte Adam Asbeck brüsk. Eigentlich hieß er ja gar nicht so, sein richtiger Name war Karl Holzinger, und er war auch nicht aus Osnabrück gebürtig, wie es in seinem Ausweis stand, sondern aus dem Markt Hallerbach im Bayerischen Wald. Wenn man dringend falsche Papiere brauchte, musste man nehmen, was man kriegen konnte. »Wollte mal etwas anderes sehen als besoffene und zugekiffte Jugendliche in Stadtparks.«

  »Aber, guter Mann - Beamtenstatus - einfach sausen gelassen? Pensionsberechtigung und alle anderen Vorzüge des bemutterten Staatsdieners?«

  »Tja, wissen Sie, die Wirklichkeit schaut oft anders aus. Und dazu war da noch eine Frauengeschichte, ziemlich übel. Aber lassen Sie's gut sein, Doc, zuerst sollten wir uns doch besser um den da drinnen kümmern!« Das Lügen war ihm noch nie leicht gefallen.

  Der Gast der Luxuskabine war ein Mann in den Fünfzigern, leicht übergewichtig, aber auf die sportliche Art, also oben herum muskulös, nur statt des Waschbrettes ein halber Medizinball. War aber nun nicht mehr sein Problem, denn er lag tot in der Koje. Offenbar im Schlaf gestorben, seine Gesichtszüge wirkten friedlich. Getrocknete Blutspuren um Nase und Mund waren alles, was auf einen nicht natürlichen Tod hindeutete. 

  Adam erinnerte sich, den Mann hin und wieder unten im Casino gesehen zu haben. Und ja, auch im Steak-House. Das war keiner, der sich mit den gefräßigen Massen ums Buffett drängen mochte, nur weil es im Ticket inbegriffen war. Aber bei den horrenden Preisen, die die Reederei Joster & Colani für Kabinen mit großer Veranda verlangte, war das Edelrestaurant wahrscheinlich auch nicht mehr messbar ins Gewicht gefallen.

  Der Schiffsarzt machte sich an eine grobe Untersuchung. »Wollen Sie mitschreiben?«

  »Muss ich.« Adam zückte Notizblock und Kugelschreiber.  »Was meinen Sie, was mir der Chef erzählt, wenn ich das hier nicht ordnungsgemäß protokolliere?« Edmund Sandtner, seines Zeichens Leiter der Security. Eine wahrhaft Respekt gebietende Persönlichkeit! »Und die Hinterbliebenen müssen benachrichtigt werden. - Was passiert denn jetzt eigentlich mit ihm? Seebestattung?«

  »Ach was, wir frieren ihn ein, so wird das immer gemacht. Ist das etwa Ihr erster Toter auf See?«

  »Es ist ja auch meine erste Seefahrt.«

  »Na, dafür, mein Lieber, haben Sie aber einen guten Magen. Ich hab Sie gar nie unten in der Praxis gesehen, wo sich die Neuen immer reihenweise Scopolamin-Pflaster besorgen.«

  Hast du eine Ahnung, dachte Adam, wie oft ich ab Southampton gereihert habe. Dass es dagegen Pflaster gab, die in der Bordapotheke kein Vermögen kosteten und die man sich einfach hinters Ohr klebte, hatte er erst erfahren, als er schon seefest geworden war. Sein Aufbruch in dieses neue Leben war etwas plötzlich gekommen und hatte ihm nicht mehr Zeit für die Lektüre von Reiseführern gelassen. 

  Der Arzt beugte sich unterdessen über den toten Mann, schob unter einigen Mühen - wegen der Leichenstarre - das Schlafanzugoberteil hoch und die Hose hinunter, um den Rumpf nach Wunden abzusuchen, drehte ihn auf den Bauch und wieder zurück. »Keine sichtbaren Verletzungen. Bis auf das Nasenbluten natürlich. Leber leicht vergrößert, aber nicht im pathologischen Bereich. Hm, das könnte auch an dem hier liegen.« 

  Er hatte die oberste Nachttischschublade geöffnet, um sich ein Bild von den Medikamenten zu machen, die der Mann einnehmen musste. Was er in der Hand hielt, war ein Blister mit ziemlich kleinen Tabletten. Erfahrungsgemäß wusste Adam: Je kleiner, desto wirksamer und meistens giftiger.

»Phenprocoumon - besser bekannt als Marcumar. Und das erklärt uns auch das Nasenbluten. Sie können Ihre Alpträume wieder einpacken, Asbeck: kein hämolytisches Fieber, stattdessen wahrscheinlich Überdosierung von Gerinnungshemmern. Er hätt besser ab und zu mal bei mir vorbeischauen und seinen Quick-Wert bestimmen lassen sollen!«

  Auch hier kannte sich der ehemalige Ordnungsamtler, der in Wahrheit ehemaliger Polizeioberkommissar war, aus. »Meine Oma hat auch Marcumar nehmen müssen, die ist alle zwei Wochen zum Doktor gegangen wegen des Quick-Wertes, ob die Blutgerinnung noch stimmt. Ist er tatsächlich nie bei Ihnen gewesen deswegen?«

  Der Arzt zuckte die Schultern. »Misstrauen gegenüber fremden Ärzten, sowas haben wir öfter. Kostet manchmal Menschenleben, aber ich kann´s nicht ändern.«

  »Ihr wievielter Toter ist das denn?«

  »Hab längst aufgehört zu zählen. Aber ich bin ja auch schon auf dem Kahn hier, seit er vom Stapel gelaufen ist.«

  Das war vor ungefähr fünf Jahren gewesen. Das Schiff war neu und vom Feinsten, zumindest auf den Passagierdecks. »Hätt ich nicht gedacht«, wunderte Adam sich, »dass auf Schiffen so viel gestorben wird. - Und wie geht´s jetzt weiter?«

  »Wir warten, bis die ganze Meute beim Futtern ist, dann bringen wir ihn hinunter auf Deck eins zum Leichenkühlraum. Und Sie machen sich besser schon mal Gedanken über ein paar salbungsvolle Worte für seine Lieben daheim, das bleibt nämlich garantiert an Ihnen hängen, weil der Kapitän sowas immer delegiert.«

  »Einen Moment, ich will mich noch ein wenig umschauen.«

  »Wozu das denn?« Auf einmal schien der Doktor es eilig zu haben. 

  »Wenn ich doch die Angehörigen benachrichtigen muss - da möcht ich wenigstens ansatzweise wissen, was mich erwartet. Zumindest die Muttersprache von dem armen Kerl da sollte ich noch rauskriegen.«

  Schulterzuckend ließ sich der Bordarzt zu Füßen des Toten auf die Koje fallen. Der Ebola-Verdacht war ja vom Tisch.

  Adam Asbeck schaute in ein paar Schränke und Schubladen und machte sich Notizen. Im Schreibtisch fand er den Reisepass des Verblichenen, der ihn - wie auch seine Bordkarte - als Martynas Rhesa aus Litauen kenntlich machte. »Ich nehme das hier in Verwahrung, Doktor. Vorschriftsgemäß.«

  »Tun Sie das«, erwiderte der Arzt gelassen, vielleicht gelangweilt.

  Ja, schon recht, dachte Adam, zeig du mir nur, dass ich hier das Greenhorn bin! 

  Aber besser ein Neuling im Sicherheitsdienst auf einem Kreuzfahrtschiff - als ein toter Polizist in Hallerbach. Dort, wo die Russenmafia ihm Blutrache geschworen hätte, wäre er nicht angeblich in der Donau ertrunken, nachdem er den Mann ans Messer geliefert hatte, den die Presse seither als den »Paten vom Bayerwald« titulierte. Karl Holzinger hatte seinen eigenen Selbstmord inszenieren müssen, um als Adam Asbeck noch einmal ganz von vorn anzufangen. Konnte es für ein solches Vorhaben einen passenderen Vornamen geben als eben - Adam? Und dieser Name war ihm tatsächlich zugeflogen wie eine Eingebung von ganz oben.

  Sobald sein Entschluss feststand, sich abzusetzen und damit sein Leben zu retten, hatte er im Internet gezielt nach Stellenangeboten bei Sicher-heitsdiensten gesucht, vorzugsweise ganz weit entfernt von seiner Heimat. Und war dabei ziemlich schnell auf die Möglichkeit Kreuzfahrtschiff gestoßen. Schiffe nämlich boten den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass sie praktisch zu allen Seiten hin feste und schwer überwindbare Grenzen ihr Eigen nannten und sich darüber hinaus nie sonderlich lange am selben Ort aufhielten. 

  Immer wieder war da in schöner Regelmäßigkeit die »Magic Symphony« in den Jobbörsen aufgetaucht, ein Kreuzfahrtschiff mittlerer Größe, dessen Reederei Joster und Colani ständig knapp an Sicherheitsleuten zu sein schien. Die perfekte Fluchtburg für einen gescheiterten Polizeikommissar, der schnellstmöglich aus einem Pakt mit dem Teufel austreten wollte und musste. Das war im Herbst geschehen, und nun stand das neue Jahr 2014 vor der Tür. Hoffentlich ein besseres als das beinahe schon vergangene!

  Unbeirrt schaute er sich weiter in der Kabine um. Sie war geräumig, daher gab es viel zum Umschauen, doch seine Aufmerksamkeit war in jahr-zehntelanger Praxis geschult worden. Und es sind oft die kleinen Dinge, die auffallen. So entdeckte er das graue Knäuel fast unter der Gardinenkante vor der großen Fenstertür zum Balkon. Er bückte sich, um es aufzuheben, schrak aber jäh zurück.

  »Was ist denn? Haben Sie einen Geist gesehen?« Der Arzt wurde offen-kundig allmählich ungeduldig. 

  »Nein«, äußerte Adam mit hörbarem Abscheu in der Stimme. »Eine Maus. Eine tote Maus. Hätt nicht gedacht, dass es sowas auf einem so feinen Schiff überhaupt gibt!«

  »Oh, da sind Sie aber auf dem falschen Dampfer!« Der Doc lachte über sein eigenes Bonmot. Es klang ein wenig gekünstelt, als müsste er damit etwas überspielen. Vielleicht war die Hygiene an Bord ja seine Sache. »Was meinen Sie, wie´s auf Deck eins, bei uns unten eben, von diesen Biestern wimmelt? Überall, wo Lebensmittel sind, sind auch Mäuse und Ratten. Und die Lagerräume fangen gleich hinter dem Hospital an.«

  »Aber wie halten Sie sie aus dem OP fern?«

  »Gammastrahlen«, sagte der Doktor und strahlte selbst, wohl aus Stolz wegen seiner technischen Ausrüstung. »Dasselbe Vorgehen wie bei der Bestrahlung von Lebensmitteln, das erledigt selbst Bananenspinnen zuverlässig. Kobalt-sechzig. Bringt alles Lebendige auch im Operationssaal um, und die Strahlung verschwindet so schnell, wie sie gekommen ist.«

  Ist ja gruselig, dachte Adam, der mit Radioaktivität schon in seinem ersten Leben einmal zu tun gehabt hatte, schaudernd und spürte eine Gänsehaut an den Armen. Er versuchte, die tote Maus am Schwänzchen zu fassen zu kriegen, aber just in diesem Moment stupste eine kleine Welle das Riesenschiff seitlich an und ließ den Mäuseleichnam direkt in seine Hand gleiten. Seltsam fühlte sich der an, leicht und trocken  - als wäre das Tier aus Pappmaché. Mumifiziert auf jeden Fall, elendiglich verhungert wohl. Wie lange mochte diese Maus schon tot in der Luxuskabine gelegen haben, vielleicht ganz hinten unter dem Bett?

  Angeekelt und auf schwer deutbare Weise verstört, öffnete Adam Asbeck die Balkontür und verschaffte der Maus eine astreine Seebestattung.

  Menschentod und Mäusetod, sinnierte er.

188 BeiträgeVerlosung beendet
I
Letzter Beitrag von  IngeHirschmannvor 24 Minuten

Da freue ich mich und wünsche viel Spaß beim Lesen!

Cover des Buches BibergeilI

Liebe LovelyBooks Community,

herzlich willkommen zu meiner allerallerersten Leserunde, für die mein Verlag EMONS großzügigerweise 15 Freiexemplare spendiert. Sie endet am 08. Oktober 2017. Der Versand an die Gewinner erfolgt durch den Verlag und kann bis zu 1 Woche dauern. Ich werde diese Leserunde begleiten, so gut ich kann - also schreibt mir bitte recht oft! Besonders interessieren mich Eure Lieblingsszenen und -dialoge.

Nein, "Bibergeil" ist nicht so schlüpfrig, wie das Wort vermuten lässt (unsere hiesige Realschule hat es als Schullektüre für die zehnten Klassen geordert und will es nächstes Jahr sogar den Neuntklässlern zumuten). In meinem humorvollen Krimi geht es tatsächlich um Biber und Naturschutz, zumindest vordergründig. Denn hinter den Kulissen einer nur scheinbar heilen Dorfwelt tobt das pralle Verbrechen.

Der - fiktive - bayerische Markt Hallerbach nämlich hat das Pech, allzu nahe an Tschechien zu liegen, wo sich nach dem Fall der Grenzkontrollen eine regelrechte Autobahn der Kriminalität etabliert hat. Drogen und Autoschiebereien  machen dem malerischen Ort und der lokalen Polizei zu schaffen. Mitten in diesem schwierigen Umfeld versucht der fesche, aber desillusionierte Polizeikommissar Karl Holzinger, sich zu behaupten - stets wacker und ungefragt unterstützt von seinem pensionierten Kriminaler-Onkel Max.

Als auch noch ein übereifriger Biber-Clan anfängt, Leichen aus der Uferböschung zu graben und zudem ein Biberbeauftragter mitten auf der Burg der Nager ermordet wird, gerät die Situation für Karl mehr und mehr außer Kontrolle. Denn er hat selbst ein fieses kleines Geheimnis, und daran ist nicht zuletzt die Liebe Schuld ...

Infos zur Autorin (aus dem Klappentext):

Inge Hirschmann, Jahrgang 1962, war nach ihrem Pharmaziestudium 15 Jahre als Apothekerin tätig. Die langen Notdienstnächte versüßte sie sich mit Schreiben. Seit dem Jahr 2000 arbeitet sie in der familieneigenen Papeterie mit und ist auch als Kunstmalerin und Grafikerin aktiv. Gerichtsmedizin und Giftwirkungen fesseln sie nach wie vor. Mit Mann und Tochter lebt sie im Rottaler Bäderdreieck.

Diese Leserunde richtet sich an alle Fans des humorvollen Krimis à la Agatha Christie, Männlein wie Weiblein gleichermaßen. Voraussetzung wäre, dass Ihr bereit seid, eine Rezension zu schreiben, vielleicht auch zusätzlich bei Amazon. Ein Neuling im Literaturbetrieb wie ich kann jede Hilfe gebrauchen.

Bewerbt Euch bitte unter der Leserunden-Rubrik "Ich möchte mitlesen" und verratet mir doch gerne, ob Ihr schon mal dem Bibergeil begegnet seid. Heutzutage trifft man das eher selten an - oder? Hier die beliebte Floskel: "Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker." Nun, den Arzt eher weniger, außer er ist ein wirklich älteres Semester. Apotheker sollten Bescheid wissen.

Leseproben findet Ihr zum Beispiel bei Google Books, bei Thalia und natürlich beim EMONS-Verlag.

Viel Spaß beim Lesen, ich freu mich auf Euch!

Besucht doch auch mal meine Homepage: www.hirschmann-krimi.de

286 BeiträgeVerlosung beendet
Letzter Beitrag von  dieschmittvor 3 Jahren
Das klingt spannend. Ich drücke die Daumen. LG Sandra

Zusätzliche Informationen

Inge Hirschmann wurde am 29. September 1962 in Vilshofen (Deutschland) geboren.

Community-Statistik

in 27 Bibliotheken

auf 5 Wunschzettel

von 2 Lesern gefolgt

Worüber schreibt Inge Hirschmann?

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