"Eine ganz gewöhnliche Ehe" ist Inge Merkels freie Nacherzählung der Ilias sicher nicht. Der Untertitel Odysseus und Penelope deuten aber klar darauf hin um wen es dabei geht. Die Geschichte beginnt mit der Werbung um Penelope und bereits hier wird klar, daß sich zwei Intellektuelle gefunden haben. Odysseus bringt seine Braut in seine Heimat Ithaka, wo ihr erste Sohn Telemachos geboren wird. Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, daß sich der edle Gatte bereits ein Jahr nach der Ehe zu seiner 20 jährigen Irrfahrt aufmacht. Da kommen auch die grausamen Geschichten dieses Krieges vor, vor allem aber die Sehnsüchte und Leiden der verlassen Gattin. So wartet sie weitere 10 Jahre auf die ungewisse Rückkehr ihres vielleicht schon toten Mannes. Ausführlich wird dann die Rückkehr behandelt, mit der Hinmetzelung der Freier und dem wieder Zueinanderfinden des Paares.
Hier spielt sich der wichtigste Teil des Buches ab. Es sind die klugen Gespräch der beiden, die von Beginn ihrer Beziehung eine so wichtige Rolle spielten. Da wird ausführlich über den Unterschied zwischen Neugierde und Wißbegierde diskutiert und es scheint wie selbstverständlich, wem welches Attribut zugeordnet wird. So erzählt Odysseus über seine Begegnungen mit anderen Religionen (Hinduismus und Judentum), die Wiedergeburt und den Monotheismus.
Es wird aber auch die Eifersucht angesprochen und die Frage der ehelichen Treue. Auch hier scheint es selbstverständlich, daß Penelope allen Versuchungen widerstanden hat und Odysseus keine "Grotte und Höhle" unerforscht ließ.
Kaum ist der Gute ein Jahr bei seiner Angetrauten, packt ihn wieder das Reisefieber. Diesmal kann ihn aber seine "Hexe" mit einem Trick davon abhalten.
Inge Merkel hat eine wunderbare Sprache und versteht es die Spannung der Geschichte aufrecht zu erhalten. Neben der Kenntnis der eigentlichen mythologischen Geschichte verlangt sie dem Leser auch ein wenig die Kenntnis des Wienerischen ab. Insgesamt aber ein zeitloses Werk, das man jedem empfehlen kann, der an einer moderneren Version der Ilias interessiert ist.
Inge Merkel
Alle Bücher von Inge Merkel
Das große Spektakel
Eine ganz gewöhnliche Ehe
Neue Rezensionen zu Inge Merkel
Als Auftragsarbeit für eine Stadt in Amerika soll der Wiener Geschichtsprofessor Singer eine Geschichte Europas verfassen. Als Wissenschaftler steht er dabei vor dem Problem, dass es der Wunsch der Auftraggeber ist, Amerika als schöne, reine, heile Welt erscheinen zu lassen und Europa als maroden, verkommenen Kontinent.
Von den wissenschaftlichen Texten Singers wenig begeistert kommt seinem Nachbarn die rettende Idee, neben den wissenschaftlichen Texten auch sog. "Windeier", erfundene Geschichten fiktiver Personen zu schreiben. Diese Idee kommt sehr gut an und von nun an schreiben und quälen sich beide durch die Geschichte Europas.
Nachdem das Buch bereits seit einigen Jahren in meinem Bücherregal stand hatte ich mich vor zwei Monaten endlich dazu entschlossen es auch einmal zu lesen.
Die Grundidee der Handlung fand ich zunächst nicht schlecht und sie entwickelt sich auf den ersten Seiten ganz interessant. Um so weiter ich jedoch las um so schleppender fand ich das ganze Buch. Die Idee einer Geschichte Europas aus einer anderen Perspektive halte ich nach wie vor für gut, aber die Umsetzung ist der Autorin leider ziemlich misslungen. Spätestens beim dritten "Windei" war ich genervt über die teilweise hahnebüchernen Phantastereien zur Geschichte.
Das Buch schleppte sich daher nur so dahin und die Handlung konnte in der Ausarbeitung wenig überzeugen. Verstärkt wurde dies noch durch den Schreibstil der Autorin und die durchgeführten Handlungssprünge.
Ich habe mich schon seit langer Zeit nicht mehr derart durch ein Buch gequält und beim Lesen zunehmende Unlust empfunden.
Das Buch muss ich daher als absoluten Flop bewerten und kann es nicht weiterempfehlen.
Gespräche aus der Community
Welche Genres erwarten dich?
Community-Statistik
10 Bibliotheken





