Ingeborg Bachmann Kriegstagebuch

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Inhaltsangabe zu „Kriegstagebuch“ von Ingeborg Bachmann

Eine Achtzehnjährige jubelt in ihrem Tagebuch über den schönsten Sommer ihres Lebens. Es ist nicht irgendeine junge Frau und auch nicht irgendein Sommer. Ingeborg Bachmann hält ihr Erleben des Kriegsendes fest. Dabei ist nicht allein der ersehnte Frieden Grund für Ihre Euphorie, sondern auch die tiefe Verbindung mit dem britischen Besatzungssoldaten Jack Hamesh. Die Gespräche mit ihm, dem Juden, der 1938 als Kind aus Wien flüchten mußte und seine Eltern im Holocaust verlor, prägen sie tief. Er wird ihr, nachdem er in das damalige Palästina ausgewandert ist, in berührenden Briefen schildern, wie sie ihm den Glauben an die Menschen zurückgab. Ingeborg Bachmanns ergreifendem Kriegstagebuch sind in diesem Band die erhaltenen Briefe von Jack Hamesh an sie zur Seite gestellt. Zusammen bilden sie ein einzigartiges Dokument des Dialogs und der Zuneigung zwischen Kindern der Opfer und der Täter.

"Kriegstagebuch" ist ein irreführender Titel - "Notizen über 7 Seiten" wäre passender. Der Rest besteht aus Briefen eines Freundes.

— CorneliaTravnicek
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  • Rezension zu "Kriegstagebuch" von Ingeborg Bachmann

    Kriegstagebuch
    bogi

    bogi

    12. July 2011 um 00:40

    Es war wohl ein Fehler, dass ich mich vor der Lektüre des Buches zum einen nicht mit Ingeborg Bachmann näher beschäftigt habe und zum anderen gerade dieses Bändchen als erstes ausgewählt habe. Es besteht im Grunde aus drei Teilen. Zunächst werden eine Reihe Tagebucheinträge der Autorin vom Ende des 2. Weltkrieges präsentiert. Diese spiegeln ein Aufatmen der jungen Bachmann über das Ende des Krieges und der Naziherrschaft wieder, eine tiefe Erleichterung über die Rückkehr eines normalen Lebens. Danach sind etliche Briefe Ihres damaligen Liebhabers (eines Besatzungssoldaten) während dieser Zeit und nach dessen Auswanderung ins damalige Palästina abgedruckt. Abschliessend eine kommentierender Teil. Die Tagebucheinträge sind bewegend, haben mich (möglicherweise eben in Unkenntnis der Biographie von Frau Bachmann) aber nicht besonders berührt. Die Briefe des Soldaten zeugen von einer grossen Zuneigung, bringen jedoch auch nicht wirklich Aussergewöhnliches zutage (möglicherweise wäre es anders gewesen, wenn auch die jeweiligen Antwortbriefe der Bachmann erhalten gewesen wären). Der Kommentarteil erfüllt zwar seine Funktion (sogar besser als man dies in vielen Büchern gewohnt ist), packender macht es das Buch aber auch nicht. Es wird wohl längere Zeit dauern bis ich nochmal ein Versuch der Annäherung an Ingeborg Bachmann wage, ad acta werde ich sie aber derzeit noch nicht legen.

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  • Rezension zu "Kriegstagebuch" von Ingeborg Bachmann

    Kriegstagebuch
    Elim_Garak

    Elim_Garak

    02. February 2011 um 21:49

    Ein Buch mit irreführendem Titel, das nur für Bachmann-Fans und -Kenner geeignet ist. Das Büchlein hat nur 108 S. davon sind nur 68 S. Primärtext und der Rest ist Kommentar. Der Primärtext wiederum teilt sich in nur 17 S. Tagebucheinträge und der Rest sind Briefe von einem gewissen Jack Hamesh an Frau Bachmann. Und um diese Erbsenzählerei auf die Spitze zu treiben: nur acht Seiten des Tagebuchs sind während des Kriegs geschrieben worden. Das eigentliche Tagebuch liest sich ganz nett, aber nach spätestens einer Stunde ist man dann auch schon durch. Die Briefe dann sind relativ witzlos. Denn nur die Hälfte eines Briefwchsels ist eben per Definition schon fragmentarisch - im Anhang erfährt man, dass der Herausgeber versucht hat auch Bachmanns Briefe zu finden, allerdings ohne Erfolg. Außerdem beschränkt sich der Inhalt der Briefe weitgehend darauf, wie lieb der Jäcky [sic!] die Inge hat und wie sehr er sie vermisst. Es wurden sogar zwei einzeilige Telegramme abgedruckt. Lediglich der letzte Brief ist spannend, wenn Hamesh vom Leben in der noch jungen Republik Israel berichtet. Am Aufschlussreichsten schließlich ist der Kommentar. Der erläutert einem, was das alles eben sollte und wenn man sich wissenschaftlich mit Bachmann beschäftigt, kann man da sicher auch etwas Nutzen drauß ziehen. Aber ich als interessierter Laie kann nur das Fazit ziehen: dies Buch hält nicht, was der Titel verspricht und er wurde offensichtlich nur gewählt, um die abverkaufte Auflage ein wenig zu steigern. Da solche editorische Arbeit mühsam und zudem leider oft auch noch brotlos ist, sei es dem Herausgeber vergönnt.

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  • Rezension zu "Kriegstagebuch" von Ingeborg Bachmann

    Kriegstagebuch
    yoko

    yoko

    21. May 2010 um 22:10

    Die Vergangenheit hockt wie ein Schatten die ganze Zeit in der Brust. Tiefes Atmen fällt schwer, flaches um so leichter. Dennoch ganz frei wird es nie bei den Menschen sein, die der hässlichen Fratze des Krieges in die Augen geschaut haben. Wie schwer Vergangenes sein kann, weiß ich nun durch Jack Hamesch. Er hat mit seinen Briefen an Ingeborg Bachmann ein klares Bild gezeichnet: "Sie alle können nicht mehr froh werden, man versucht zu vergessen, vertieft sich ins Schweigen und vergräbt sich so umso mehr ins Vergangene unvergessliche." Die beiden lernen sich im Büro des Field Security Section kennen, als Ingeborg einen neuen Ausweis beantragen will. Dort fragt Jack, ob sie Mitglied im „Bund deutscher Mädel“ war. Er fragt sie gar nicht, sondern stellt es fest. Schlecht ist ihr dabei, keine Kraft hat sie und nickt nur stumm, obwohl es gar nicht stimmt. Einige Tage später treffen sich beide wieder und die Stimmung ist viel gelöster. Aus einem kurzen Gespräch entwickelt sich eine tiefe Beziehung. Als ich das Buch gelesen habe, war es grau vor den Fenstern und viel zu kalt für den Mai. Die Teetasse dampfte, versprach mir Halt. Hier und da ein Schluck an Zuversicht. In dieser schmalen Lektüre steckt so viel mehr drin als es zunächst den Anschein erweckt. Ich spreche von den Gedanken, Schilderungen und Gefühlen. Tatsächliche 108 Seiten, gefühlte 500 Seiten. Man lernt die junge, aufgeweckte Ingeborg kennen. Mutig sitzt das Mädchen während des Krieges im Garten und liest. Wenn schon sterben, dann draußen und nicht im muffigen Keller. Ebenso beeindruckend sind Jacks Briefe an seine Freundin, in denen er zunächst nur berichtet und ihr sagt, dass er sie vermisst. Der Ton ändert sich, als Jack seine Uniform als britischer Soldat abgibt und sich im damaligen Palästina einlebt. Stück für Stück öffnet er seine Tür. Wir schlüpfen hinein und lauschen: Er beschreibt seine Ängste, verarbeitet die Vergangenheit. Dabei sehnt er sich mit einem unstillbaren Lebensdurst nach so viel, dass man den Geschmack frischer Zitronenlimonade auf der Zunge schmeckt. Das ist die eine Seite. Die andere berührt. Sie treibt den letzten Rest Wärme aus dem Körper. Selbst die Teetasse kann nicht vorm inneren Zittern bewahren. Ich musste aufstehen, zum Himmel schauen und konnte erst danach wieder weiterlesen. Selten habe ich ein so bewegendes Zeitdokument gelesen. Es ist in einem grauen Buchschutzmschlag eingeschlagen. Grau wie dicke Wolken, die den blauen Himmel verstecken und uns die Sprache rauben. Manchmal kann man einfach nur schweigen. Wie bei diesem Buch.

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