Ingeborg Gleichauf Jetzt nicht die Wut verlieren

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Inhaltsangabe zu „Jetzt nicht die Wut verlieren“ von Ingeborg Gleichauf

Ein Stück Literaturgeschichte: Am 15. Mai 2011 wird Max Frischs 100. Geburtstag gefeiert. Sein Werk hat an Aktualität und Wichtigkeit nichts verloren: Kaum ein Schriftsteller im 20. Jahrhundert hat die Lebensfragen, die sich jeder Mensch stellt, so verständlich und konkret in Geschichten gestaltet wie er. In ihrer Biographie rekonstruiert Ingeborg Gleichauf Frischs Stationen in Zürich, Rom und Berlin, seine Auseinandersetzung mit seinen Freunden und seinen Geliebten, mit der Schweiz und der Politik. Klug und anschaulich erzählt sie von dem Mensch und dem Schriftsteller Frisch und zeigt, wie sehr die Schlüsselfragen in Frischs Werk unser heutiges Leben betreffen.

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  • Rezension zu "Jetzt nicht die Wut verlieren" von Ingeborg Gleichauf

    Jetzt nicht die Wut verlieren

    HeikeG

    29. August 2010 um 13:03

    Vom schreibenden Architekten zum schriftstellerischen Wühltier . Peter Suhrkamp hatte von seiner ersten Begegnung mit Max Frisch im Jahr 1950 folgenden Eindruck: „unbedingt ein Dichter - was daraus werden mag, muss sich zeigen.“ Nicht nur einen Schriftsteller sah der deutsche Verleger in dem damals 39-jährigen Schweizer, sondern einen Dichter! Ingeborg Gleichauf, die u. a. bereits über Simone de Beauvoir und Hannah Ahrendt zwei wundervolle Biografien geschrieben hat, ergänzt: „der mit den Augen schreibt, dessen Beschreibungen so sinnlich sind, dass einem beim Lesen die Augen aufgehen, dass man das Gefühl bekommt, nicht selbst sehen zu müssen, um eine Vorstellung zu bekommen. Die Sprache macht sichtbar.“ Schreibt sie wirklich über Max Frisch? . Max Frisch, der Name begegnete einem bereits in der Schulzeit. Sein „Homo faber“ war vielerorts Pflichtlektüre, vielleicht auch seine Theaterstücke „Andorra“ oder „Biedermann und die Brandstifter“. Doch wie so oft galt es damals einen Text zu analysieren und auszuinterpretieren: Was wollte uns der Schriftsteller damit sagen? Welche versteckte Botschaft ruht in seinen Werken? Selbstständige Herangehensweisen und individuelles Lesen waren nicht gefragt. Max Frisch bekam den Nimbus des Uncoolen, des ungeliebten Schulbuchklassikers: „unbeweglich, verstanden, eingeordnet.“, schreibt Ingeborg Gleichauf. Doch in seinem Tagebuch bemerkte die Autorin auf einmal einen ganz anderen Frisch, einen blumigen, bilderreichen Autor, einen Poeten: „Drunten, hinter einem Gitter von Reben, glimmert der See. Die Sonne verrostet schon im Dunste des mittleren Nachmittags, und dann der Heimweg ohne Mantel, die Hände in den Hosentaschen, das feuchte Laub, das nicht mehr rascheln will, die Gehöfte mit einer Trotte, die tropfenden Fässer in der Dämmerung, die roten Laternen einer Schifflände im Nebel -.“ . Ingeborg Gleichauf entdeckte den Schweizer neu für sich. Sie schaut ins Innere der Person Max Frisch und kommt ihr damit sehr nahe. „Das ist wichtig!“, hört sie ihn immer wieder sagen. „Damit ja nicht vergessen wird, das aufzuschreiben, was wirklich wichtig ist.“ Die Annäherung an Frisch gestaltet sie sehr persönlich, der wissenschaftliche Anspruch steht nicht an erster Stelle. Gleichauf erzählt dem Leser die Lebensgeschichte des Schweizers chronologisch und beleuchtet erklärend. Schlaglichtartig treten einzelne Facetten seiner Persönlichkeit hervor: Seine Kindheit wird nur kurz angeschnitten. Er beginnt ein Gemanistikstudium, wechselt jedoch zur Architektur. „Ihn interessiert die Spannung zwischen dem eher Berechenbaren, der Arbeit am Reißbrett, und dem eher Unberechenbaren, der Arbeit am Roman.“ Aber das Schreiben gewinnt letztendlich doch die Oberhand. Nach seinem Romanerfolg „Stiller“ wird es gelebte Berufung. . Gedanken in Worte zu fassen bedeutet für Max Frisch mit dem Seltsamen des Lebens umzugehen, „sich vor allem sprachlich damit auseinanderzusetzen.“ Auf „Seltsamkeiten“ wird er fortwährend treffen. Bedingt vielleicht ob seiner eigenen Zerrissenheit und Sehnsucht. Zeitlebens bleibt er ein Zweifelnder und Suchender: Vom ersten journalistischen Schreiben bis hin zur künstlerischen Unabhängigkeit, vom Ausbruch aus der bürgerlichen Kulisse seiner ersten Ehe, über die Beziehung mit Ingeborg Bachmann bis hin zu seiner zweiten Ehe mit Marianne Oellers, die auch nicht halten wird. Als ein ständiges Suchen nach sich selbst, ein Finden des eigenen Sprachrhythmus, könnte man seine Biografie bezeichnen. Auch seine vielen Reisen zeugen davon. „Nichts ist dem Menschen so fern wie das eigene Ich, er ist sich selbst das Fremde, und daher kommt er sich gerade dann näher, wenn er in einen großen Abstand zu sich tritt. Reisen in entfernte Gegenden können diesen Prozess begünstigen.“, schreibt die Biografin. Sein Blick für gesellschaftliche Veränderungen, für politische Ereignisse und Entwicklungen wird dabei immer wacher. . Max Frisch in eine Schublade zu stecken fällt schwer. Seine Arbeit hört nie auf, vielfältig zu sein, experimentell und nicht festgelegt auf ein Thema oder eine Gattung. Prosa, Theater, Film, Essay, Tagebuch... der Schweizer bewegt sich zeitlebens geradezu mäandrierend zwischen den Genres. Vor allem seine Bühnenfiguren üben eine besondere Faszination aus, weil sie in ihren Rollen nicht aufgehen und immer ein Rest, etwas Ausgespartes bleibt. Der Schweizer wehrt sich dagegen, festgenagelt zu werden, einen „Standbildcharakter“ zu bekommen. „Aber für Frisch gilt wie für jeden Autor, jede Autorin von Rang: Das Poetische entzieht sich, zeigt die Rückseite bekannter Bilder, verzerrt sie, gibt sie aus dem ihnen zugedachten Rahmen, durchkreuzt die Schrift, lässt Buchstaben verschwinden, setzt an ihre Stelle andere Buchstaben.“ Die letzten Worte am Sarg, gesprochen von Peter Bichsel, seinem langjährigen Freund, sprengen noch einmal den Rahmen, in dem Frisch bereits fest zu ruhen schien: „Wir wollen versuchen, es denen schwer zu machen, die dich als Klassiker ablegen möchten. Komm, bleib bei uns. - Wir werden dich lesen. Aber Max ist tot. Jetzt nur nicht die Wut verlieren.“ . Das Buch - ergänzt durch zahlreiche Fotos - liest sich leicht, fast wie ein Roman, und ist doch sehr detailgenau und differenziert. Es spricht daher ganz konkret auch jugendliche Leser an. Gewissermaßen erlebt man Frischs Leben - jede Reise, jede Beziehung, jede neue Erfahrung, jedes literarische Projekt - noch einmal mit seinen eigenen Augen. Es ist Ingeborg Gleichauf ohne waghalsige Spekulationen, aber durchaus mit kritischem Abstand, gelungen, Frischs einzelne Lebensabschnitte mit seinen jeweiligen Romanen, Theaterstücken oder Schriften zu verzahnen: eine durchgehend geschickte Verflechtung von Beschreibung und Analyse, ein authentisches Werk, das sich stellenweise wie eine Autobiografie liest. „Das ist wichtig!“, hört nun auch der Leser Max Frisch sagen. „Damit ja nicht vergessen wird, das aufzuschreiben, was wirklich wichtig ist.“

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