Ingeborg Gleichauf Poesie und Gewalt - Das Leben der Gudrun Ensslin

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Inhaltsangabe zu „Poesie und Gewalt - Das Leben der Gudrun Ensslin“ von Ingeborg Gleichauf

Gudrun Ensslin gehörte zur Führungsspitze der RAF und war zugleich weit mehr: eine literarisch hochgebildete Person. Umfassend beschreibt die Autorin Ensslins geistige wie politische Entwicklung und zeigt, wie aus dem intellektuellen Bürgertum des Nachkriegsdeutschlands gewaltbereite Radikalisierung möglich war. Im Mittelpunkt dieser Biographie steht eine extreme Person und ihr extremer Lebensweg. Ingeborg Gleichauf räumt mit den gängigen Klischees und Vorurteilen auf, die Gudrun Ensslin als Produkt eines provinziellen Pastorenhaushalts sehen. Sichtbar wird vielmehr eine vielseitig begabte Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Souverän schildert die Autorin die Zeitumstände, die die Entwicklung einer Gewaltbereitschaft begünstigt haben. Ensslins Lebensweg prägten nicht sie allein. Ihre intensive Schreibtätigkeit und die Literaturbegeisterung waren zentral für ihre Weltanschauung. Die Autorin zeichnet alle Lebensstationen nach und widmet sich ausführlich den bisher vernachlässigten Kindheits- und Jugendjahren Ensslins. Eindringlich schildert sie Ensslins Beziehungen. In einer besonderen Verbindung von Erzählung und Analyse gelingt es ihr, uns eine ebenso schwierige wie vielschichtige Person nahezubringen, die unsere Gesellschaft radikalverändern wollte.

Das Buch kann ein neues Verständnis dieses Phänomens eröffnen!

— Massimo_Ulivari
Massimo_Ulivari

Eine spannende wie interessante Studie zur Person Gudrun Ensslin, die gemäß dem Titel die beiden beherrschenden Themen ihrer Vita "Gewalt" u

— seschat
seschat

der erste teil ist sehr kesenswert,leider bleibt die Zeit ab 1968 sehr nebulös....

— Vielhaber_Juergen
Vielhaber_Juergen

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  • Origineller Ansatz, der ganz ohne Spekulationen auskommt

    Poesie und Gewalt - Das Leben der Gudrun Ensslin
    Gegen_den_Strom_lesen

    Gegen_den_Strom_lesen

    08. June 2017 um 09:12

    Die RAF-Mitbegründerin Gudrun Ensslin erhängte sich nach mehreren Hungerstreiks, im Oktober 1977 in ihrer Zelle in Stuttgart-Stammheim, mitten im finsteren "Deutschen Herbst". Doch wie konnte aus der geselligen, intelligenten und behüteten Gudrun, die in einer süddeutschen Pfarrersfamilie aufwuchs, eine "eiskalte" Terroristin werden? Wie konnte aus einer sprachmächtigen Germanistikstudentin, die das geschriebene Wort liebte, eine Parolen schmiedende Wortfechterin werden? Und warum wurde Ensslin in früheren Werken oft als die Person im Hintergrund behandelt, heißt es ja immer nur Baader-Meinhof-Komplex. Diesen Fragen versucht die Biographin so unvoreingenommen wie möglich auf den Grund zu gehen. Gleichauf beginnt dafür am Ursprung, erzählt und recherchiert die Kindheit und Jugendjahre Ensslins sehr ausführlich und betont immer wieder, dass keiner sicher sagen kann, wie es in Ensslins Innerem aussah, dass es sich um Spekulationen handle. Im Mittelpunkt der Biographie steht eine extreme Person und ihr extremer Lebensweg. Gleichauf räumt nebenher mit  gängigen Klischees und Vorurteilen auf, und verteilt deutliche Hiebe gegen die meist männlichen Autoren und Biographen zum Thema: hauptsächlich geht es gegen Stefan Aust (Der Baader-Meinhof-Komplex), Butz Peters (Tödlicher Irrtum), Gerd Koenen (Vesper, Ensslin, Baader) und Wolfgang Kraushaar (Die RAF und der linke Terrorismus). Besonders interessant empfand ich die neue Herangehensweise Gleichaufs, sie analysiert was Ensslin gelesen und was diese über die Literatur geschrieben hat. Ensslin setzte sich sehr intensiv mit der Lyrik von Jans Henny Jahn auseinander, was unter anderem als vollständige Ablösung von Religion und Moralkodex des elterlichen Pfarrhauses gewertet werden könnte. Das Buch ist anfangs sehr stark und wird gegen Ende leider schwächer. Dies mag daran liegen, dass es gegen Ende - die Zeit in Stammheim- weniger Zeugenberichte für die Auswertungen gab.

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  • Interessanter, gut recherchierter Ansatz, aber...

    Poesie und Gewalt - Das Leben der Gudrun Ensslin
    Devona

    Devona

    30. March 2017 um 18:36

    Ich möchte die Einschätzung des Buches durch Robert Braunmüller in der Abendzeitung München vom 18.01.2017, welche im Klappentext zu finden ist, in den Mittelpunkt meiner Besprechung stellen, denn er formuliert genau das, was mir beim Lesen von „Poesie und Gewalt: Das Leben der Gudrun Ensslin“ durch den Kopf ging: »“Poesie und Gewalt“ handelt von der Unmöglichkeit einer Biografie. Das ist ehrlicher als die dröhnende Selbstgewissheit, mit der andere Bücher vom Leben fremder Menschen fabulieren.« Das klingt ein wenig ernüchternd und das ist es vielleicht auch für Leser, die sich mit dem Thema RAF und Gudrun Ensslin schon eingehender befasst haben. Nichtsdestotrotz hat Ingeborg Gleichauf einen wirklich guten Job gemacht: ihr intensives, ehrliches Bemühen, hinter dem Mythos den Menschen  Gudrun Ensslin sichtbar zu machen, ist für den Leser bei jeder gelesenen Zeile erkennbar. Immer dann wenn der schmale Pfad der akribischen und wirklich ambitionierten Fakten-Recherche in die Allee der Spekulationen einzumünden droht, kann man als Leser die ungewollte Hilflosigkeit, aber auch die die konsequente Verweigerung der Autorin fast schon selber körperlich spüren. Sätze wie: Die Faktenlage bezüglich […] erweist sich als äußerst dürftig. Bis auf diese wenigen Details gibt es […] wenig Konkretes zu sagen. Mehr als fraglich ist natürlich […] […] können wir nicht wissen. Es scheint, als habe sie so etwas noch nie erlebt. ziehen sich zuhauf durch das ganze Buch (und ja: sie nerven auch manchmal). Die Ambivalenz der Persönlichkeit Gudrun Ensslins kann die Autorin durchaus gut beschreiben und anschaulich darstellen, allein Erklärungen kann auch dieses Buch zur „Sphinx der RAF“ nicht liefern. Wie aus dem fröhlichen Kind aus streng religiösem Elternhaus, einer hochintelligenten, literatur- und sprachbegeisterten, zielstrebigen Musterstudentin mit Stipendiat, einer intellektuellen jungen Frau mit bedauerlicherweise unglücklichem Händchen bei der Männerwahl eine außerhalb jeden geltenden Rechts stehende, radikale, terroristische Gewalttäterin werden konnte, ist rational auch durch dieses Buch nicht erklärbar. Somit erfährt der Leser an Fakten nicht mehr, als er durch andere Lektüre bereits wusste. Ingeborg Gleichauf liefert aber viele kleine, interessante Details, indem sie den Versuch wagt, sich Gudrun Ensslin über die Literatur, die diese las, anzunähern. Darauf liegt der eigentliche Fokus des Buches. Es ist ein guter und dezenter Versuch: aber eben auch nur ein Versuch und nicht mehr. Gudrun Ensslin scheint sich auch 40 Jahre nach ihrem Tod einer Analyse entziehen zu wollen. Das „WARUM?“ steht nach der Lektüre vielleicht sogar noch etwas größer im Raum, als vorher. Und vielleicht möchte ich dieses Buch gerade aus diesem Grund empfehlen. Unsere Gesellschaft ist derzeit gezwungen, ihre Einstellung zu Hass, Gewalt, Radikalisierung, Terror neu zu definieren. Dieses Buch hat mich dazu gebracht, mir auch in Bezug auf mich Fragen dazu zu stellen. Fazit: Gut gemachte, empfehlenswerte Biografie einer Ausnahme-Persönlichkeit, die keine neuen Fakten, aber einen anderen Blickwinkel anbietet. www.buchimpressionen.de

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  • Eine kulturpsychologische Erörterung.

    Poesie und Gewalt - Das Leben der Gudrun Ensslin
    Massimo_Ulivari

    Massimo_Ulivari

    27. March 2017 um 13:21

    Weder Spießer noch Militant: Zurück zum Bürger als dem psychischen Individuum Seitdem ich in Deutschland lebe (2001), habe ich aus historischem Interesse ab und zu etwas über den hiesigen linken Terrorismus gelesen, um seine kulturellen Züge, oder auch wie es erlebt wurde, zu verstehen. Wie es zu erwarten war, gab es auch hier strenge Gegensätze und einseitige Deutungen. Zwei extreme Beispiele scheinen mir von den Büchern Jillian Beckers Hitlers Kinder1 und Jutta Ditfuhrts Biographie Ulrike Meinhof2 bezeugt zu sein. Wenn es stimmt, dass das erste Buch immer noch die öffentliche Meinung prägt, muss man wirklich sagen, dass der Engländerin ein trister Primat zukommt. Obwohl ihr Ansatz zu diesem Thema Züge besitzt, eine Generationsfrage mit kulturellen und psychologischen Aspekten, die ich auch als maßgebend halte, muss man hoffen sagen, dass ihre Rekonstruktion zu selbstgefällig und ihre Erklärung des Phänomens „Terrorismus“ zu banal sind. Ihr Leitmotiv ist, dass unangepasste und an der Grenzen des Pathologischen lebende Individuen eines Tages, ohne jegliche soziale oder kulturelle Motivation, den an sich gerechten und demokratischen Institutionen Deutschlands den Krieg erklärt hätten, bloß weil sie mit sich selbst und mit ihren relativ wahnsinnigen Ambitionen nicht zu Recht kommen konnten. Becker versucht dazu, die 'bösen Meister', wie auch einige Theoretiker der linken Bewegung in Italien zu dieser Zeit genannt wurden, zu identifizieren (von Marcuse bis Hegel) und ihnen die kulturelle Verantwortung für die politische Gewalt zuzuschreiben; ein Bisschen wie unaufmerksame Eltern sich auf der Suche nach den bösen Freunden ihrer Kinder begeben, wenn die letzten etwas Dummes einrichten. Solche Deutungen können meiner Meinung nach immer noch Beifall finden und Identifikation in dem Leser schaffen, weil sie die Stimme und die Gefühle des Spießers und des Heuchlers darstellen und sie sogar mit einer kulturellen Patina ausschmücken. Denn der 'normale' Bürger, der mit den Forderungen seiner sozialen Anpassung meistens sehr zu schwitzen hat und gerne bereit ist, die Unangepasstheit an anderen zu erkennen und sie als Unterlegenen zu beschimpfen, kann damit sein Ressentiment ausleben und rechtfertigt fühlen und es zu kulturell tragender Strömung, zum Kampf gegen den Kommunismus und die Subversion, erhöhen. Früher war der Gehasste in Deutschland der Ausländer und Gastarbeiter, dann kam eben der linke Terrorist, heute hat man sogar das Glück, die beiden irgendwie plus den religiösen Feind im Muslim verkörpert zu finden... Der 'normale' Bürger, der sich sonst bloß um Familie und Arbeit kümmert, braucht damit seine Haltung gegenüber der Weltgeschichte kaum zu verändern, sofern sie in der Bild passt. Alle diesen grausamen Feinde können nur sein Selbstgefühl steigern. Der Beitrag Ditfurths über Meinhof geht in genau die entgegengesetzte Richtung, hat aber dieselbe Züge der Einseitigkeit und Parteilichkeit. Hier will man im Leser nicht Abstand und Verabscheuen, sondern völlige Teilnahme und Identifizierung. Über diese Ereignisse nach 30 Jahren zu schreiben, nach dem Ende des politischen linken Terrorismus in Europa und in der Welt, nach dem Ende des Sozialismus in Russland und dem Fall der Mauer, nach dem Verschwinden der Ideologie des Klassenkampfes, all das spielt keine Rolle für Ditfuhrt. Das Leben Meinhofs ist die Geschichte einer Heldin, die ihr Land schuldhaft nicht anerkannt hat. Meinhof war eine neue Rosa Luxemburg und die Biographie grenzt an Hagiographie. Die Identifikation der Autorin mit ihrem Subjekt ist vollkommen, von Kritik oder Selbstkritik findet man keine Spur, außer dem selbstverständlichen Abstand von den Taten und Begründungen der letzten Jahren: politische Gewalt ist gerechtfertigt, sie darf aber nur nicht zum „Selbstzweck“ (315) werden. Der Buchdeckel zeigt zwei schöne Bilder von Meinhof, als Mädels und junge Frau, und in den beiden hat sie ein entspanntes Gesicht mit einem fröhlichen Lächeln, sie stellt die Freude selbst am Leben dar. Das ist auch wie jeder linke Militant sich selbst und seine eigene Natur versteht, wäre nicht die Welt vom Kapitalismus und Unterdrückung geplagt. Der linke Militant ist in seinem Herz noch der gute Wilde von Rousseau, der der Zivilisation seine Verhärtung zur Last legt. Meinhof ist in ihrem ganzen Leben eine vollkommen gerechte und integre Frau ohne Schatten gewesen, als Militant ist sie eine Gefallene im fortdauernden und am Ende sicherlich siegenden Kampf für die Befreiung der Menschheit und gegen den Kapitalismus als Ursache der Ungerechtigkeit und der Unterdrückung. Am Ende des Buches könnte man wohl sagen: „Der Kampf geht weiter, Genossin Ulrike!“ Es scheint mir klar, dass die zwei dargestellten Einstellungen, die spießige und die militante, die Herstellung des verabscheuten Verbrechers und des heiligen Helden, obwohl sie miteinander inkompatibel sind, das ehrliche Verständnis und eine echte Teilnahme an der Geschichte weiter verhindern und hingegen endlos als echte Alternative erscheinen und schädliche Identifikationsprozesse stiften können. Wenn aber die beiden genannten Autorinnen dazu den illoyalen Versuch machen, ihre Interpretationsthese als bloße 'Fakten' darzustellen, versucht Caroline Emcke in einem offenen Nachdenken über die politische Gewalt jener Jahre völlig in ihrer Subjektivität aufzutreten. Ihr mutiges Buch, Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF3, ist ein entschlossener und gedanklicher Bruch mit den überlieferten Erzählungen des Verabscheuens sowie der Bewunderung, ist im allgemein ein Bruch mit dem Unsinn des ideologischen Krieges, der die Autorin auch persönlich sehr stark betroffen hat. Ihr gedankliches und lyrisches Wort legt von einer neuen und sicherlich schwer errungenen Einstellung Zeugnis ab, die mir nicht nur dem Terrorismus, sondern der Weltgeschichte gegenüber, solange sie auch und immer noch von Gewalt geprägt ist, von ausschlaggebender Bedeutung zu sein scheint. Das Individuum als Ganzes, mit seinen Gedanken, Gefühlen und Konflikten, was Emcker das „Ich sagen“ (136) nennt, tritt erneut als Kern derselben und seines Lebens hervor. Diese Einstellung zur Weltgeschichte, etwas, was im Allgemeinen der Spießer kaum kennt und von dem der Militant hingegen gedanklich fast besessen ist, möchte ich weiter vertiefen an Hand der Biographie Esslins, die seit Kurzem erschienen ist. Gleichaufs Arbeit scheint mir in gewisser Weise eine Fortsetzung dieser neuen Einstellung zu sein, so wie sie von Emcke verkörpert ist, und sie hat dazu den Vorteil, sich direkt mit dem persönlichen und geistigen Leben Esslins auseinanderzusetzen 1 Deutsche Übersetzung, Frankfurt am Main 1978. 2 Berlin 2009. 3 Frankfurt am Main 2009.   Inhaltsverzeichnis des ganzen Textes Über Poesie und Gewalt. Das leben der Gudrun Ensslin von Ingeborg Gleichauf. Eine kulturpsychologische Erörterung. 2 Vorwort 2 Weder Spießer noch Militant: Zurück zum Bürger als dem psychischen Individuum 3 Die Kruste des Gerede aufbrechen 5 Die Persönlichkeit Ensslins 7 In die Brüche gehen 9 Die Lage Deutschlands und Westeuropas in kulturpsychologischer Hinsicht 11 Die Generationssackgasse und die Konstellierung des Heldenarchetypus 13 Das Höhlengleichnis Platons als Urmythos des politischen Helden 15 Moderne Gestaltungen des Heldenarchetypus 16 Schlusswort 20

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  • Ein unglaublich interessanter und sehr arbeitsintensiver Ansatz sich Gudrun Ensslin zu nähern

    Poesie und Gewalt - Das Leben der Gudrun Ensslin
    JED

    JED

    20. March 2017 um 09:08

    Viel ist schon über die RAF geschrieben worden und ihre bekanntesten Köpfe Baader, Ensslin, Meinhoff. Viel darüber nachgedacht worden, wie Menschen sich derart radikalisieren können, dass sie ihr komplettes vorheriges Leben hinter sich lassen und jahrelang eine Spur von Gewalt und Tod durch Deutschland zogen.Dass ein Großteil des vermeintlichen Wissens der Biographen oft auf Hörensagen beruht, auf einer subjektiven Betrachtungsweise, die sich vor allem im Fall von Ensslin oft auf deren Herkunft aus einer "strengen Pastorenfamilie" beschränkte, dies weist die Ingeborg Gleichauf bereits eingangs in ihrem Buch überzeugend nach - und lehnt diesen Ansatz gleichzeitig ab.Egal ob in Buch oder Film - die RAF-Führungsriege wurde stets unter der Folie des jeweiligen Verfassers betrachtet, der selbst beeinflusst war von seiner eigenen Herkunft, seinem Geschlecht oder einfach seiner Fantasie. Die oft angewendet werden musste, da die Quellenlage vor allem bezüglich des Vorlebens der Terroristen oft dünn ist.Auch Gleichauf kann sich nur auf die vorhanden Quellen beschränken. Jedoch bezieht sie noch zusätzliche Dokumente mit ein, zu der auch die Literatur der Zeit gehört, die vor allem Ensslin in ihrem Studium definitiv gelesen hat.Gleichauf hat diese Literatur mit einer unglaublichen Akribie gelesen, ohne jedoch in eine einseitige Interpretation zu verfallen, sondern in "Poesie und Gewalt" verschiedene Deutungsmöglichkeiten aufgezeigt, die jedem Leser es überlassen, sich selbst ein vielschichtiges Bild von Gudrun Ensslin zu machen.Tatsächlich nähert sie sich der Figur Ensslin so auf sehr viel komplexerem Wege an. Schließlich handelte es sich hierbei um eine vor allem in der 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts literarisch interessierte und diese Leidenschaft auch im Studium und schließlich Dissertation verfolgende kluge Frau, deren Lebensweg an bestimmten Stellen durchaus eine andere Richtung hätte nehmen können.Gleichauf liest, was Ensslin gelesen hat. Befasst sich mit der Literatur der Zeit, mit der Literatur aus Ensslins Schulzeit, ihres Studiums, der gewählten Seminare.Dabei zitiert sie immer wieder für sie markante Stellen, wobei offen bleiben muss, ob auch Ensslin diese in gleicher Weise beeindruckt haben.Hier muss die Autorin aufpassen nicht die selben Fehler zu begehen wie die Biographen vor ihr. Nicht jeden prägt jedes Buch gleichermaßen, nicht jeder bleibt am gleichen Satz als "besonderem" hängen. Es wird deutlich, dass die schmale Quellenlage auch die Autorin gelegentlich dazu verführt, bestimmte Annahmen vorwegzunehmen.Dennoch hat man nie den Eindruck, dass ihr Deutungsmuster ein vorgefertigtes ist, vielmehr nimmt sie den Leser mit auf eine vielschichtige Reise durch all die Lebensstationen Ensslins von ihrer Geburt bis zu ihrem selbst gewählten Tod.Gerade zum Schluss hin wird es aber auch für die Autorin immer schwerer, die oft wirren Zeugnisse aus dem Gefängnis angemessen zu verstehen und in Beziehung zu der von ihr in den Mittelpunkt gestellten Figur zu setzen.Da, wo es von Ensslin keine Dokumente gibt, befragt sie Zeitzeugen oder historische Dokumente - aber stets unter dem Hinweis, dass dies nur unter der Folie der Subjektivität erfolgen kann. So zeigt sie auch immer wieder Widersprüche und Brüche auf, die jedem Menschen eigen sind.Ein Herangehensweise, die überzeugt und besticht. Denn das Leben ist nicht immer geradelinig. Menschen ändern sich, abhängig von Begegnungen, Geschehnissen und ihrer eigenen Denkweise.Fazit:Es ist es ein unglaublich interessanter und sehr arbeitsintensiver Ansatz, sich Gudrun Ensslin auf diese Weise zu nähern, zumal bis zum Schluss klar ist, dass auch dieses Buch keine objektiven Wahrheiten beinhalten kann.Dennoch hat er mir die Person Gudrun Ensslin noch einmal in ganz neuer Weise näher gebracht, die eben nicht nur "Gewalt", sondern auch "Poesie" verkörperte.

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  • Zeitgeschichte

    Poesie und Gewalt - Das Leben der Gudrun Ensslin
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    27. February 2017 um 12:45

    Zeitgeschichte Angesichts der in der Gegenwart ungleich höheren „Gefahrenlage“ angesichts des globalen Terrorismus erscheint der „Bewaffnete Kampf“ der RAF Ende der 70er Jahre fast schon „sozialromantisch“, was ein gefährliches Denken wäre, denn was die fanatische Grundhaltung der RAF Terroristen anging und die Bereitschaft, in aller Härte zu töten, schenken sich die verschiedenen Bedrohungen nichts. Und Gudrun Ensslin war eine der führenden Köpfe der RAF und ebenso ist an ihrer Lebensgeschichte exemplarisch auch für die Gegenwart abzulesen, wie eine solche Entwicklung einer Abstammung aus gutbürgerlichem Haus mitten hinein führt in eine fanatisierte Haltung und schrankenlose Bereitschaft zur Gewalt. Auch wenn die dahinterstehende Ideologie eine andere gewesen sein mag, für die innere Entwicklung spielt letztlich nur eine Rolle, dass überhaupt eine „Ideologie“ vorhanden ist. Die Elemente einer solchen Gewaltideologie sind dann austauschbar. Denn, das arbeitet Gleichauf differenziert auf, es ging eben nicht nur um einen Andreas Baader als eine Art „Zuhälter“, dem dann auch Gudrun Ensslin verfallen ist. Gudrun Ensslin war nicht nur „Angepasste“ im Aufwachsen, ihre innere Entwicklung wäre zu kurz gegriffen beschrieben, sie in alten Schlagworten wie „Verführte“ oder „ganz und gar Unfreie“ allein zu kennzeichnen. Zwar mag an vielen der Schlagwortartigen Belichtungen der Person auch das ein oder andere Wahre mitschwingen, dennoch aber liegt in Gudrun Ensslin durchaus eine eigene, erkennbare Ausrichtung vor, die mitnichten nur als „Mitläuferin“ beschrieben werden kann. „Wem die Fragen nicht brennen, bei dem zünden auch die Antworten nicht“. und „Standpunkt ist für mich der Typ, der aufsteht“. Klare Worte Ensslins, die einerseits eine anfängliche Ohnmacht einer Welt, einem System gegenüber kennzeichnen, das in ihren Augen „am Menschen vorbei“ sich entfaltet hat und weiter entfaltet, und die andererseits aufzeigen, wo Ensslin die Überwindung zumindest ihrer persönlichen Ohnmacht bewusst erlebt hat. Im „Aufstehen“ und „Kämpfen“. Und so fächert Gleichauf dem Leser differenziert auf, dass es eben nicht die „Organisation RAF“ als erschöpfende Antwort gibt und gab, sondern es wichtig ist, sich den einzelnen Elementen dieser RAF zu nähern. „Wer war jeder und jede Einzelne“? Wer war Gudrun Ensslin? Das sind die Fragen, die helfen, nachzuvollziehen, welches Konglomerat an Elementen für die Persönlichkeit zumindest von Ensslin entscheidend waren, genau jenen Weg für sich zu wählen und zu gehen. Und genau da zeigt sich, dass Ensslin letztlich viel „mit der Lebenswirklichkeit der Menschen ihrer Zeit und mit uns Heutigen zu tun hat“. Denn Ensslins stellte Fragen, die auch heute noch sich aufdrängen. Richtete zunächst ihren Sinn auf die Fragen nach der Welt, in der man lebt und leben will und wie diese mit „den anderen“ verknüpft ist. Dass die Antwort eine destruktive war, das eine Schaukel der Gewalt in Gang gesetzt wurde, das ist nicht akzeptabel und führt zur Feststellung, dass immer noch gilt: Die Welt, die man sich erträumt, muss in den Mitteln, die man einsetzt, sich widerspiegeln. Was die Antwort der Gewalt angeht, da greifen im Übrigen so manche der alten Plattitüden und Bilder. Was aber den Weg in diese Gewalt angeht, da gälte es, heute wie damals, für diese grundlegenden Fragen zu brennen und sich nicht mit vorgefertigten Antworten zufrieden zu geben. Eine differenzierte Schilderung, in der Gleichauf es wagt, ihrem Objekt emotional nahe zu kommen und damit für den Leser die Beweggründe, die Irrtümer, aber auch die Wahrheiten hinter diesem Lebensweg für sich zu erschließen.

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  • Interessanter Versuch einer Persönlichkeitsstudie

    Poesie und Gewalt - Das Leben der Gudrun Ensslin
    seschat

    seschat

    24. February 2017 um 16:25

    Gudrun Ensslin (1940-1977) gilt als Mitbegründerin der RAF in Deutschland. Über die RAF und vor allem über ihre prominenten Mitstreiter Andreas Baader und Ulrike Meinhof sind bereits unzählige Bücher, gar Filme erschienen und Urteile gefällt wurden. Doch wie sieht es mit der fleißigen Arbeiterin im Hintergrund, der einstigen Pfarrerstochter Gudrun Ensslin aus? War sie wirklich eine hysterische bis fanatische Terroristin ohne Gewissen? Die Autorin Ingeborg Gleichauf versucht mit ihrer engmaschigen Persönlichkeitsstudie wie Biografie, sich ein objektives Bild von Ensslin jenseits des vorgefertigten, subjektiven Meinungsmainstreams zu machen. Detailreich, unter Bezugnahme auf Originalbriefe und bereits erschienene Studien nähert sie sich der komplexen Persönlichkeit ihrer Hauptfigur. Überwiegt im ersten Lebensabschnitt mit Kindheit und Schule sowie Studium der Eindruck, dass Ensslin eine disziplinierte und hochintelligente Zeitgenossin gewesen ist, die sich immer ihre Meinung gebildet hat, so ist der zweite Lebensabschnitt geprägt vom Ausbrechen aus Konventionen und einer starken Politisierung. Kurzum, aus dem braven, klugen Mädchen ist eine eigensinnige bis kämpferische junge Frau geworden. Hieran hatte vor allem ihr zweiter Lebensgefährte Andreas Baader sowie die Ermordung Benno Ohnesorgs von 1967 einen großen Anteil. Infolge kappte Ensslin familiäre wie freundschaftliche Bindungen und verschrieb sich voll und ganz dem Kampf gegen die voranschreitende Konsumgesellschaft bzw. alte Nazieliten. Was sich dann ereignete, ist hinlänglich durch die Medien bekannt. Im sog. deutschen Herbst brannten Kaufhäuser, wurden Banken ausgeraubt uvm.  Das Spannende und Neue an Gleichaufs Darstellung ist die Zentrierung auf eine Randfigur des sog. deutschen Terrors.   Bei der Lektüre wird schnell klar, dass Ensslin vor allem eine intelligente Literatin gewesen ist, die stets narrativ dachte und lebte; was auch ihr Germanistik- und Anglistikstudium in Tübingen zeigt. Zudem machte ihr offener Charakter sie zu einem beliebten als auch manipulierbarem Menschen. Sie wollte raus aus der dörflichen schwäbischen Einöde und über philosophische wie literarische Denkmodelle diskutieren. Den hohen Stellenwert des geschriebenen Wortes in ihrem Leben unterstreicht die Autorin auf interessante Weise, indem sie häufig Zitate aus Werken einbaut, die Ensslin zu damaligen Zeit rezipiert hat. Somit ist dieses Sachbuch alles andere als leichte Kost, denn man muss sich in einige Sachverhalte erst hineinlesen, um deren Bedeutung für die Hauptfigur zu verstehen, wird aber danach mit reicher Erkenntnis gesegnet.  Neben diesem literarischen Schwerpunkt überzeugt Gleichauf mit ihrer Beschreibung der Person Ensslin, die keine angepasste Spießerfrau gewesen ist, sondern ihren Sohn Felix in Hochzeiten des RAF-Terrors an den Vater bzw. Verwandte weiterreichte. Denn ein normales Sozialleben kannte sie nicht bzw. war kompliziert, gerade mit einem Mann wie Andreas Baader, der noch verheiratet gewesen ist, als man zusammenzog, an ihrer Seite. Um die Nation wachzurütteln, hat sie alles hintangestellt.  Die Psyche von Ensslin 100%ig zu entschlüsseln, gelingt auch Gleichauf nicht und wird wohl auch keinen nach ihr gelingen, denn die Hauptzeugin - Ensslin selbst - ist längst tot. So bleiben alle Ausführungen zu ihrer Persönlichkeit ab einem bestimmten Punkt hypothetisch. Dennoch ist festzuhalten, dass sich die jugendliche Ensslin diametral von der erwachsenen Ensslin unterschied. Erst aufgeschlossen und wissbegierig und später verschlossen bis revolutionär. FAZIT Eine spannende wie interessante Studie zur Person Gudrun Ensslin, die gemäß dem Titel die beiden beherrschenden Themen ihrer Vita "Gewalt" und "Poesie" überzeugend in den Blick nimmt. Aber Fragen bleiben...

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  • Gudrun Ensslin

    Poesie und Gewalt - Das Leben der Gudrun Ensslin
    Vielhaber_Juergen

    Vielhaber_Juergen

    23. February 2017 um 15:05

    Zu Anfang des Jahres,in dem sich ihr Todestag zum 40:Mal jährt, legt Ingeborg Gleichauf die Biographie Ensslins vor. Vieles ist geschrieben worden über die Frau, in deren Namen die BRD der siebziger Jahre durch Mord und Anschläge erschüttert wurde. Gemessen an der Fülle des Materials,das über ihre Mitangeklagten Baader und Meinhof vorliegt,blieb sie jedoch eher im Hintergrund,mit Mythen überlagert. Gleichauf konzentriert sich auf Ensslin als intelligente,sensible,junge Frau,ihren Hunger nach Literatur,ihre Begabungen,ihre schwierige Beziehung zu Bernward Vesper. Zwar ist auch diese Zeit bereits von Koenen durchleuchtet, von Veiel filmisch aufbereitet. Aber waren dies die Ereignisse aus männlicher Sicht,zeigt Gleichauf sehr diskret und zurückhaltend die weibliche Seite. Sich auf die Lektüren Ensslins stützend, gibt Gleicauf dem Leser eine neuen Zugang zu Gudrun Ensslin. Aber so gut das auch gelingt,umso rätselhafter bleibt Ensslins Entwicklung nach 1967. Eine genauere Darstellung der Jahre im Untergrund und die fünf Jahre in Haft bleibt aus. Das ist sehr schade,insbesondere weil Gleichauf die männliche Geschichtsschreibung der RAF-Experten kritisiert. Leider stellt sie nichts dagegen.Absolut lesenswert aber vorallem durch die gelungee Darstellung der frühen 60er Jahre.

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  • Die RAF und ihr Ursprünge

    Poesie und Gewalt - Das Leben der Gudrun Ensslin
    Clari

    Clari

    12. January 2017 um 17:49

    Noch immer, auch nachdem so viele Jahre seit der RAF Zeit ( Rote Armee Fraktion) vergangen sind, steht man dem Phänomen der Verwandlung von Gudrun Ensslin in eine militante Radikale ratlos gegenüber.Es ist das Verdienst von Ingeborg Gleichauf, der Biographie von Gudrun Ensslin nochmals in allen Einzelheiten nachzugehen. Bekanntermaßen stammte Gudrun Ensslin aus einem kinderreichen Pastorenhaushalt. Sie wuchs behütet und wohl versorgt an verschiedenen Wohnorten im Schwäbischen heran. Begabt und aufgeweckt konnte sie nach dem Abitur ein Studium in Tübingen beginnen. Fest verwurzelt in der Literatur war sie eifrig und intensiv bestrebt, ein Stipendium als Studienstiftlerin des Deutschen Volkes zu bekommen. Es dauert einige Zeit, bis die Gutachter sich zu einer Zustimmung durchringen konnten. Dabei fiel sie als fröhliche, kluge, analytisch denkende und fleißige Studentin auf. Nicht nur die Literatur auch die Philosophie haben es ihr angetan.Aus der Bahn geworfen wurde sie eines Tages durch den Kontakt zu Berliner Studentenkreisen, die sich avantgardistische Gedanken über den Staat und seinen Zustand machten.Sie lernte Bernward Vesper kennen, mit dem sie eine erste Liebe verband.Vesper war eine in sich zerrissene Persönlichkeit, die mit der Nazivergangenheit des Vaters nicht zurechtkam. Gudrun hatte mit ihm bald einen Sohn. Als dann Andreas Baader ins Spiel kam, begab sich Gudrun ganz unter dessen Einfluss. Es wird berichtet, dass Baader eine faszinierende Persönlichkeit war, der Menschen in seinen Bann ziehen konnte. Er studierte nicht, machte sich aber schon früh in subversiver Manier zum Sprecher einer außerparlamentarischen Opposition. Nach dem unglücklichen und unschuldig zu Tode gekommenen Tod von Benno Ohnesorg im Zusammenhang mit Demonstrationen gegen den Shah von Persien 1967 begann eine Zeit steter Unruhe und revolutionärer Gedanken unter den Studenten, zu deren Sprechern Rudi Dutschke gehörte. Damals war die Opposition noch nicht gewalttätig sondern stark intellektuell gesteuert.Andreas Baader verführte Gudrun und zwei andere zum Kaufhausbrand in Frankfurt, weil die Revolution von unten die einzige Waffe gegen den nach seiner Meinung verrotteten Staat sei.Damit endete Gudrun Ensslins Leben als bürgerliche Zeitgenossin.Es ist müßig, hier nochmals alle Taten der bekannten Outlaws aufzuführen. Jeder weiß, wohin diese Zeit in den siebziger Jahren mit hinterhältigen Morden, Erpressungen und Zersetzungsversuchen gegenüber dem ungeliebten Staat führte.Wichtig alleine scheint mir, wie Ingeborg Gleichauf sowohl die politische Entwicklung jener Jahre als auch die Besonderheit der Begegnungen aufführt, die fast schicksalhaft Menschen zusammenführte, deren Lebenswege dann in den Untergang mündeten.Gudrun Ensslin, eine hoch begabte, intelligente, hübsche, empfindsame und nachdenkliche junge Frau aus gutem Elternhaus gerät wie durch einen Zufall in eine Falle des Abseits, in der sie jeden Halt und jede Vernunft ausschaltet. Ein Zurück gibt es nicht mehr, denn sie ist dem Gedankengut der Zersetzung und dem vermeintlich besseren Weg für ein demokratisches Deutschland verfallen. Handeln statt Denken wird zu ihrer Devise.Am Beispiel der Figur von Gudrun Ensslin kann man erfahren, wie unwahrscheinlich und wechselvoll Lebensschicksale verlaufen können. Die Entwicklung zu einer revolutionären Rebellin ist nur im Zusammenhang zu verstehen, den die Radikalisierung gewisser Studentenkreise mit sich brachte und der Begegnung mit dem anarchisch gesteuerten Andreas Baader. Ingeborg Gleichauf hat sich intensiv in das Leben von Gudrun Ensslin eingefühlt, Zeugnisse gesichtet und Zeugenaussagen herangezogen. Letztlich bleibt es rätselhaft, wie weit sich ein Mensch von seinen Wurzeln entfernen kann und alle guten Gaben in den Dienst einer Sache stellts, die über alle Beteiligten nur Unglück bringen konnte.Insgesamt ist das Buch eine lesenswerte Studie, die den Versuch macht, Motive und Handeln der betroffenen Personen verstehbar zu machen.

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