Ingeborg Jacobs

 4.3 Sterne bei 28 Bewertungen
Autor von Wolfskind, Freiwild und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Ingeborg Jacobs

Wolfskind

Wolfskind

 (16)
Erschienen am 15.07.2011
Freiwild

Freiwild

 (10)
Erschienen am 09.09.2009
Stanislaw Petrow:

Stanislaw Petrow:

 (2)
Erschienen am 25.09.2015
De Sack in de Boom

De Sack in de Boom

 (0)
Erschienen am 01.08.2013

Neue Rezensionen zu Ingeborg Jacobs

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Jaris avatar

Rezension zu "Stanislaw Petrow:" von Ingeborg Jacobs

Ingeborg Jacobs - Stanislaw Petrow
Jarivor 10 Monaten

Bis mir dieses Buch in die Hände fiel, hatte ich noch nie zuvor von Stanislaw Petrow gehört. Das Buch machte mich neugierig auf diesen Menschen, dem wir angeblich verdanken, dass wir alle noch hier sind.

Ich hatte diesen Titel für diverse Challenges unter der Kategorie "Biographie" vorgesehen, denn das dachte ich eigentlich, sei es. Aber leider ist es das nicht. Die Titelgebung des Verlages ist hier ein wenig irreführend. Ingeborg Jacobs beschreibt die Geschehnisse vom 26. September 1983, wie es dazu kam und was danach geschah.

Petrow selber taucht im Buch anfangs auf, kurz in der Mitte und ein kleines bisschen noch am Schluss. Dafür treffen wir auf unterschiedliche andere Namen und Persönlichkeiten, die ebenfalls involviert waren oder ihren Teil zur Beendigung des Kalten Krieges beigetragen haben.

Leider springt Jacobs dabei immer wieder in der Zeit hin und her, was einen als Leser, der sich noch nicht so detailliert auskennt, ziemlich verwirren kann (vor allem in Kombination mit den verschiedenen oftmals fremd klingenden Namen). Mal befinden wir uns Anfang der 90er, dann springen wir wieder in die 80er, manchmal noch weiter zurück, dann geht es wieder nach 1989... Das kann funktionieren, doch dann sollte der Leser gut geführt werden. Was hier leider nicht geschieht.

Ansonsten lässt sich das Buch gut und flüssig lesen. Vor allem zeigt uns die Autorin auf, vor welcher Katastrophe uns Stanislaw Petrow bewahrt hat. Gelungen fand ich auch, dass eine Antwort darauf geliefert wird, was damals schief gegangen ist. Es war wirklich haarscharf - wäre jemand anderes als Petrow in dieser Nach im Dienst gewesen... wir wären wohl alle nicht hier.

Es ist schade, dass wir nicht mehr über diesen bescheidenen Mann erfahren. Wahrscheinlich ist es genau deshalb nicht möglich, ein Buch nur über ihn zu schreiben - er ist dafür zu genügsam. Ein Mann, der den Begriff "Held" weit von sich weist, und meint, er hätte nur seine Arbeit geleistet. Ich stimme dem Buch zu: dieser Held hätte den Friedensnobelpreis verdient!

Jacobs' Buch ist gerade in der aktuellen Phase, in der der Kalte Krieg erneut aufflammt, enorm wichtig. Zu Beginn des Buches fragt Jacobs: Wer rettet uns das nächste Mal? Und seit der Lektüre frage ich mich das selbst immer wieder. Vor allem, wenn Nordkorea und die USA mal wieder ihre Muskeln spielen lassen.

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Engelchen1975s avatar

Rezension zu "Freiwild" von Ingeborg Jacobs

Höchste Zeit darüber zu sprechen
Engelchen1975vor 2 Jahren

Erst der 2003 erschienene Bestseller 'Eine Frau in Berlin', der ergreifende Erlebnisbericht einer Berliner Journalistin aus dem Jahre 1945, brachte es an die Öffentlichkeit. Anlässlich der Verfilmung dieses Buches mit Nina Hoss in der Hauptrolle bereitet die TV-Journalistin Ingeborg Jacobs für das ZDF eine Dokumentation zum Thema vor. Das begleitende Buch stellt die Ergebnisse ihrer umfangreichen Recherchen vor. Es stützt sich maßgeblich auf die zahlreichen Interviews, die die Autorin mit betroffenen Frauen geführt hat und die sie mit Sensibilität und erzählerischer Kraft in das zeitgeschichtliche Umfeld einbettet. So entsteht erstmals ein Gesamtbild jenes schrecklichen Geschehens, das die Deutschen angesichts der Last ihrer Kriegsschuld tief verdrängt haben. Auch wir sollten immer wieder daran erinnern,  und dafür sorgen, dass es nicht vergessen wird und niemals wieder passiert.

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awogflis avatar

Rezension zu "Stanislaw Petrow:" von Ingeborg Jacobs

Atombombe, Nein Danke!
awogflivor 3 Jahren

In meiner Jugend in den 80er Jahren hatten alle, die ich kenne, das unheimliche Gefühl, dass die Welt jeden Tag in einem riesigen Atompilz untergehen könnte. Heute ist detailliert bewiesen, dass unsere Ängste damals völlig rational waren und die Welt am 23. September 1983 um Haaresbreite tatsächlich zerstört worden wäre.

Durch einen Computerfehler meldete das sowjetische Raketenabwehrsystem den Start einer amerikanischen Interkontinental-Atomrakete. Stanislaw Petrow, der diensthabende Offizier, rettete der gesamten Menschheit das Leben, indem er nicht bürokratisch nach den vorgeschriebenen Abläufen vorging, sondern einfach nachdachte und die Computermeldungen verifizieren wollte, bevor er das Drücken des sogenannten Roten Knopfes empfahl.

Das Sachbuch ist sehr gut aufgebaut, ausgehend von der Geschichte des  Oberstleutnant Petrow wird dem Leser gezeigt, wie die Stimmung in den 80er Jahren in Ost und West war und wie sich die Atompolitik- und Friedensbewegung seitdem bis heute entwickelt hat.

Zu Beginn vermittelt das Buch sehr viele Infos aus der Zeit vor der Beinahe-Katastrophe, z.B. die unsinnigen Schulungen der Zivilbevölkerungen (man erinnere sich an den Duck and Cover Song) und die völlig schwachsinnige Annahme bzw. Kommunikation der Militärs, man könne einen Atom-Erstschlag überleben. Auch die Rolle des Wissenschaftlers Andrej Sacharow beim Bau der Wasserstoffbombe und seine nachträgliche Läuterung zum verantwortungsvollen Friedens- und Abrüstungsaktivisten wird sehr spannend und genau erklärt, die russische Politik und die Beziehungen zu den USA im Kalten Krieg werden gut strukturiert und sehr pointiert dargestellt.

Die Autorin schildert den Tag X und seine Folgen genau, und auch alle Implikationen, die sich aus diesem Zwischenfall und der nachträglichen Glasnost-Politik bis zur heutigen Zeit ergeben. Dabei wird kein Blatt vor den Mund genommen, kurz & knackig werden alle Krisen und verpassten Chancen zur Abrüstung, aber auch alle wesentlichen Friedens- und Abrüstungsinitiativen dargelegt.

Gruselig war das Ende des Buches: Ingeborg Jacobs analysiert sehr kompetent, dass die gegenwärtige politische Eiszeit durch den aktuellen Ukrainekonflikt fast genauso prekär, wenn nicht gefährlicher als in den 80er Jahren ist, da durch die vielen verteilten brandgefährlichen Atomwaffenarsenale in unterschiedlichen Ländern die Möglichkeit und Gefahr, dass ein irrer Politiker bzw. Militärbeauftragter durchknallt, oder wahnsinnige Terroristen sich in Computersysteme hacken und auf den „Knopf“ drücken, weitaus realistischer ist.

Was mir gar nicht gefallen hat, ist diese effektheischende Grafik in einigen Kapiteln, wie viele Minuten vor zwölf es geschlagen hat. Die Situation ist und war schon beängstigend genug, da muss man nicht noch einen Countdown zum Weltuntergang als Zeichnung starten – das ist fast so wie diese Werbung der Sekten, die auch jeden Monat das Jüngste Gericht herbeipredigen wollen. Das grafische Stilmittel stört mich auch insofern, als dieses Abzählen der Minuten ja in der Realität nicht kontinuierlich funktioniert, sondern nach Entspannungspolitik oder Abrüstungsgesprächen wurde die Uhr wieder ein paar Minuten zurückgedreht. Derart eingesetzt finde ich die Grafik nicht zielführend, sehr unübersichtlich und etwas verwirrend, da man ja den Inhalt und den Grund für die Zeitsprünge der Uhr am Beginn des Abschnittes noch nicht kennt. Ansonsten hat mir das Buch ausgezeichnet gefallen.

Fazit: Ein wichtiges umfassendes, sehr gutes Werk zur vergangenen aber auch gegenwärtigen Atom- bzw. Abrüstungspolitik, das aber sehr realistisch gruselig gar nix für schwache Nerven ist und den Leser wahlweise zustimmend nickend, ängstlich, fatalistisch, geschockt, frustriert,…… zurücklässt.

In einem Atomkrieg gilt noch immer das historische Zitat von Nikita Chruschtschow “Die Überlebenden werden die Toten beneiden”, also liebe Politiker hört auf, mit dem Feuer zu spielen und von einem begrenzten Atomschlag daherzufaseln. Verschrottet alle Atomwaffenarsenale! SOFORT!!

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