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Caruschia

vor 11 Monaten

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Dieses Buch behandelt ein sehr aktuelles Thema... die Flüchtlingssituation - aber nicht komplett aus der Sicht eines Staates geschrieben, sondern aus der eines Betroffenen, bzw. einer betroffenen Familie. Guter Stoff für reichlich Gefühle, Emotionen, Schmerz und Drama. Das war zumindest mein Gedanke, bevor ich diesen Titel gelesen habe. 

Die Geschichte folgt einem Jungen namens Albin, dessen derzeitige Situation (also die Gegenwart) beschrieben wird. Zwischendurch wechselt aber die Perspektive und der Leser findet sich in der Vergangenheit wieder. Erfährt also alles über die Geschehnisse, die passierten, bevor die Handlung eingestiegen ist. Diese Abwechslung hat mir sehr gut gefallen - ich fand es fast spannender von den Geschehnissen früher zu erfahren als von den Dingen, die in der Gegenwart passiert sind. Denn dieser Handlungsstrang war wirklich... trocken.

Trocken deshalb, weil mir kein anderes Wort dafür einfällt. Langweilig wäre es gewesen, wenn das Buch mehr Seiten gehabt hätte. Doch durch die sehr komprimierte Handlung konnte man das alles einfach schnell hinter sich lassen. Mich hat die gegenwärtige Handlung nur unbeeindruckt zurückgelassen: "Hm okay... und das wars jetzt?" Keinerlei Spannung und die Idee war meiner Meinung nach auch nicht wirklich bombastisch. 

Doch man muss bei allem "Gemecker" auch beachten, dass dieses Buch besonders für Kinder geeignet ist (ich glaube ab ca. 10 Jahren), die wahrscheinlich mit der Flüchtlingssituation vertraut gemacht werden sollen. Und in dem Fall muss ich sagen, dass alles wirklich kindgerecht erzählt und beschrieben ist. Doch (leider) bin ich kein Kind mehr und sehe es daher aus einer anderen Perspektive.

Der Protagonist bleibt alles in allem ziemlich blass. Man erfährt nicht viel über seine Persönlichkeit außer Namen, Alter, Aussehen, Herkunft und dass er vom Krieg in Bosnien traumatisiert ist. Klasse wäre es gewesen, wenn die Autorin trotz der Kürze ihrer Geschichte aus Albin einen einzigartigen Charakter geformt hätte, der Wiedererkennungswert besitzen würde - doch leider blieb er in meinen Augen ziemlich "normal".

Was dieses Buch vielleicht noch lebendiger gemacht hätte, sind die Gefühle, die leider viel zu kurz gekommen sind. Richtig tief kann man nicht in das Innenleben der betroffenen Personen blicken und auch nach außen hin zeigen sie viel zu wenig Gefühle in Situationen, in denen ein normaler Mensch (z.B.) bestimmt vor Freude geweint hätte. Natürlich liegt es auch daran, dass der Protagonist erst 11 Jahre alt ist und sich alles größtenteils um ihn dreht, jedoch haben vor allem solche kleinen Kinder auch Gefühle und es wäre spannend gewesen zu lesen, wie diese Personengruppe mit solchen Situationen umgeht. 

Ganz an das Lesealter angepasst ist der Schreibstil von Ingeborg Kringeland Hald. Leicht, d.h. keine verschachtelten und schwierigen Sätze, keine wirklich ausschweifenden anschaulichen Beschreibungen, nüchterne, trockene Tatsachen, knappe Sätze. Mir persönlich gefällt dieser Schreibstil nicht, da durch so eine Schreibweise kein Ansatz entsteht, der Spannung erzeugen könnte. 

Da das Buch eher für Kinder ausgelegt ist, finde ich es nicht schlimm, dass nicht weitere Hintergründe zu dem Krieg in Bosnien und dem UN-Flüchtlingscamp geklärt wurden. Die Autorin konzentriert alle Aufmerksamkeit auf das Leben des Jungen und seine Erlebnisse, die ein Kind gut verstehen kann.

Fazit:
Eine sehr kurze Lektüre, von der ich nicht wirklich sagen kann, dass sie mich unterhalten hat. Wahrscheinlich werde ich die Handlung sowie die Figuren so schnell wieder vergessen, wie ich das Buch hinter mich gebracht habe. Für Kinder jedoch ist es eine Empfehlung wert. Mit einfachen Sätzen wird tiefer in die Situation eines Flüchtlingskindes geblickt, das wahrscheinlich noch das glücklichste Schicksal von allen hat. Von mir jedoch bekommt dieses Büchlein nur zwei Sterne.

Autor: Ingeborg Kringeland Hald
Buch: Vielleicht dürfen wir bleiben
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