Inger-Maria Mahlke

 3,6 Sterne bei 217 Bewertungen
Autorin von Unsereins, Archipel und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Gesellschaftskritik und Darstellungen der Femme Fatale: Inger-Maria Mahlke wurde 1977 in Hamburg geboren, wuchs aber in Lübeck auf. Nach ihrem Abitur studierte sie Rechtswissenschaften in Berlin und arbeitete am Lehrstuhl für Kriminologie. Ihr erster Roman wurde im Jahr 2010 unter dem Titel "Silberfischchen" beim Aufbau-Verlag veröffentlicht. Für dieses überaus erfolgreiche Debüt erhielt sie den Klaus-Michael-Kühne-Preis. 2009 war sie Preisträgerin des 17. Open Mike. 2014 wurde sie mit dem Karl-Arnold-Preis der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste ausgezeichnet. Ihr Roman "Wie ihr wollt" wurde im Jahre 2015 für die Longlist des deutschen Buchpreises nominiert. Mit "Archipel" schafft sie es 2018 sogar auf die Shortlist. Inger-Maria Mahlke lebt heute in Berlin.

Alle Bücher von Inger-Maria Mahlke

Cover des Buches Unsereins (ISBN: 9783499003332)

Unsereins

(78)
Erschienen am 27.01.2026
Cover des Buches Archipel (ISBN: 9783499291562)

Archipel

(69)
Erschienen am 24.03.2020
Cover des Buches Wie Ihr wollt (ISBN: 9783833310775)

Wie Ihr wollt

(38)
Erschienen am 02.11.2016
Cover des Buches Rechnung offen (ISBN: 9783833309595)

Rechnung offen

(14)
Erschienen am 12.05.2014
Cover des Buches Silberfischchen (ISBN: 9783746635972)

Silberfischchen

(13)
Erschienen am 09.11.2018
Cover des Buches Marthe (ISBN: 9783498007140)

Marthe

(0)
Erscheint am 12.03.2027
Cover des Buches Unsereins (ISBN: B0CLRXNWTJ)

Unsereins

(4)
Erschienen am 27.11.2023
Cover des Buches Archipel (ISBN: 9783839817209)

Archipel

(1)
Erschienen am 28.11.2018

Zur Fragerunde mit…

Inger-Maria Mahlke ist für ihre Arbeit als Schriftstellerin bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Die Rechtswissenschaftlerin veröffentlichte 2010 ihren Debütroman „Silberfischchen“. Mit ihrem Text „Wie ihr wollt“ war sie 2015 zum ersten Mal für den angesehenen Deutschen Buchpreis nominiert, der jährlich im Rahmen der Frankfurter Buchmesse vergeben wird. Mit ihrem Roman „Archipel“ ist sie im Jahr 2018 erneut unter den Nominierten, steht sogar in der engeren Auswahl der Shortlist, auf die es nur die besten sechs Bücher des Jahres schaffen. Im Rahmen unserer Fragerunde zur Shortlist des Deutschen Buchpreises 2018 stellte sich Inger-Maria Mahlke den Fragen ihrer Leserinnen und Leser. Ihre Antworten könnt ihr hier nachlesen.

Guten Tag, Frau Mahlke, zunächst möchte ich mich für Ihre Zeit bedanken, in der Sie uns hier Antwort stehen. Das ist großartig! Sie sind mit „Archipel“ nicht zum ersten Mal für einen Preis nominiert, Sie haben bereits Preise für andere Arbeiten erhalten und standen sogar schon einmal auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Dazu meinen Glückwunsch und ich drücke die Daumen für die diesjährige Verleihung. Mich würde sehr interessieren, wie Sie heute bei einem Blick zurück zu Ihrem Debüt „Silberfischchen“ stehen. Was verbinden Sie damit und wie stehen Sie heute dazu?

Ich kann mit „Silberfischchen“ immer noch gut leben. Oft entwickelt man ja Aversionen gegen die eigenen Anfänge, und ich würde heute vieles anders schreiben, aber ich stehe immer noch zu dem Text. Es war das, was damals möglich war. Ich hatte vorher noch nie einen Text geschrieben, der länger war als zehn Seiten. Als ich den Vertrag für „Silberfischchen“ unterschrieb, bestand der Text aus ca. 50 Seiten und ich hatte noch fünf Monate, um ihn fertig zu schreiben. Und dafür finde ich den Text immer noch in Ordnung. Und manchmal rede ich immer noch mit Hermann, der Hauptfigur…

Ich stelle es mir grundsätzlich schwer vor, ein Romanende zu finden; als Schriftsteller/in wirklich das Gefühl der Abgeschlossenheit zu empfinden. Geht es Ihnen beim Schreiben auch so, beziehungsweise hat das in „Archipel“ angewandte Prinzip der umgekehrten Kausalität dieses noch verstärkt? Theoretisch hätten Sie ja immer tiefer in die Vergangenheit der Familie eindringen können, so ist ein Stammbaum doch fast endlos.

Ich sage immer: Texte werden nie fertig, sie erstarren nur irgendwann… Damit möchte ich sagen: wenn mein damaliger Lektor mit nicht irgendwann meinen ersten Roman „Silberfischchen“ weggenommen hätte, ich würde immer noch daran schreiben… Zum Glück gibt es also Abgabefristen und Verträge, die eingehalten werden müssen, ich würde mich sonst heillos verzetteln…

Wie ist das zeitliche Verhältnis von Recherchearbeit und Schreibarbeit? Wie lange hat welcher Prozess für dieses Buch gedauert? Und sind Sie als Autorin dann völlig zufrieden mit dem Werk oder würden Sie heute etwas anders schreiben?

Vom zeitlichen Aufwand würde ich sagen 1/3 Recherche und 2/3 Schreibarbeit. Völlig zufrieden werde ich nie sein mit meinen Texten. Am Schlimmsten ist immer, wenn man das frischgedruckte Buch das erste Mal in den Händen hält, und aufschlägt, denn eines passiert immer: egal welche Seiten man dann vor sich hat, das erste, was man sieht, ist ein Fehler. Rechtschreibung oder inhaltlich, aber das erste ist immer ein Fehler.

Wie war es, als das Manuskript fertig war… die erste Reaktion?

Ich glaube, ich habe den Autor Hannes Köhler angerufen, der mich sehr unterstützt hat, während der letzten Monate Schreiben, und der hat sich einfach für mich gefreut, dass ich es endlich hinter mir hatte, die letzten Monate mit dem Text waren äußerst quälend.

Es soll ja bei Schriftstellern diese Angst vor dem ersten Satz geben. Wie finden Sie zu einem Romanthema und wie setzen Sie das Thema dann um? Beginnen Sie mit diesem berühmten ersten Satz und schreiben davon ausgehend weiter? Oder entstehen erst verschiedene Teile, die Sie dann zusammenfügen?

Ich schreibe nie chronologisch, ich habe oft schon früh einzelne Sätze im Kopf, und weite die dann aus zu kurzen Passagen, die später wie Puzzleteile funktionieren und immer wieder neu zusammengesetzt und passend geschrieben werden, bis ich mit dem Ergebnis leben kann.

Sie bewegen sich, rein zeitlich betrachtet, rückwärts in Ihrem Roman. Ist diese Richtung eher unbewusst aus den Ergebnissen Ihrer Recherchen entstanden oder haben Sie sich ganz bewusst dafür entschieden? Wie viel Mut hat es Sie gekostet, abweichend vom Mainstream in die Vergangenheit hinein zu schreiben? Schließlich sind Sie als Autorin letztlich darauf angewiesen, dass ihr Ansatz Akzeptanz bei der Leserschaft findet. Gab es vielleicht in diesem Zusammenhang Berater in Ihrem Umfeld, die Ihnen eher davon abgeraten haben? Und wie behält man in einem Beziehungsgeflecht, das sich über so einen langen Zeitraum erstreckt, den Überblick ohne ständig im bisher Geschriebenen nachzulesen? Und was steht für Sie persönlich im Vordergrund – die Geschichte Teneriffas oder die sich über Generationen hinweg weitervererbende soziale Ungerechtigkeit?

Ich wusste schon vorher, dass ich diesen Text rückwärts würde erzählen wollen, und nicht vorwärts. Reingeredet hat mir eigentlich niemand, im Gegenteil, ich hatte immer das Glück, Lektoren und Verlage zu habem, die mich mit meinen häufig etwas sperrigen Ideen unterstützt haben. Zum Überblick: Manchmal verliere ich den beim Arbeiten, schon weil ich ganze Textblöcke immer wild durch die Gegen kopiere. Die einzelnen Sätze kenne ich aber meist auswendig und navigiere meistens mit strg + f durch die Texte, (darum lasse ich auch manchmal Rechtschreibfehler stehen, wenn es kein ungewöhnlicheres Wort gibt in einem Absatz, nachdem man gut suchen kann.) Plotten, also mir Ablaufpläne oder Übersichten vorher zu überlegen oder aufzuzeichnen, mache ich nie. Die Geschichte Teneriffas kann ich nicht von der weitervererbten sozialen Ungerechtigkeit trennen, die ist ja Teil bzw. Ergebnis des historischen Prozesses.

Christoph Schröder von der Süddeutschen Zeitung ist nicht so ganz überzeugt von Ihrem Buch. Ist das egal nach der Shortlist-Platzvergabe oder ärgert es Sie? (Und noch eine Nebenfragen: Woher haben Sie den tollen grünen Mantel von Ihrem Autorenbild?)

Die Rezension von Herrn Schröder ist zwar sehr kritisch, aber respektvoll, und würdigt auch Aspekte, die der Rezensent als Stärke empfindet, mit der kann ich sehr gut leben. Rezensionen, auch Verrisse, finde ich eigentlich nur dann daneben, wenn sie persönlich werden, also über die Persönlichkeit des Autors spekulieren oder textexterne Punkte mitbesprechen. Das empfinde ich als unfair und übergriffig. Der Mantel ist von JCL es gab ihn auch noch in blau und schwarz ...

Wie umfangreich war die Recherchearbeit für dieses Werk? Waren Reisen in Ihre alte Heimat notwendig, um in Archive einzusehen?

Es waren jede Menge Recherchereisen notwendig, worüber ich aber überhaupt nicht traurig war. Zur Recherche gehörte auch, eine umfassende Sammlung alter Fotos von der Insel anzulegen. In den klassischen Archiven war ich nicht, ganz einfach weil auf Tenerife erst seit den 50er Jahren überhaupt archiviert wird und auch nicht in der Vollständigkeit, wie wir das aus Deutschland kennen.

Schon in „Wie ihr wollt“ haben Sie einen besonderen Stil kreiert, sodass sich der Roman wie ein historischer Bericht liest, gleichwohl eindringlich ist. Auch in „Archipel“ wählen Sie eine eher unbequeme Art des Schreibens, die wahrscheinlich nicht jedermanns Sache ist. Die rückwärtige Richtung erinnert an „Benjamin Button“. Was ist Ihre Inspiration gewesen?

Ganz klar die Insel selber, die schon so viele Inseln war. Ich mochte auch den Film „5x2“ von Ozon, der mit einer Ehescheidung beginnt und mit dem Kennenlernen des Paares endet. Und ich denke immer: lieber unbequem als langweilig.

Neue Rezensionen zu Inger-Maria Mahlke

Cover des Buches Unsereins (ISBN: 9783498001810)
L

Rezension zu "Unsereins" von Inger-Maria Mahlke

Lesen-Lesen
Gesellschaftsquerschnitt um 1900

Inger-Maria Mahlke erzählt die Geschichte der bürgerlichen Familie Lindhorst von 1890 bis 1906 und beschreibt die Lebensumstände und Wichtigkeit der sozialen Stellung in dieser Zeit. In vielen verschiedenen Erzählperspektiven kommen die Familienmitglieder, das Dienstmädchen Ida, der Ratsdiener Isenhagen und noch viele mehr zu Wort und beschreiben ihre Lebenssituation aus ihrer Sicht. Dabei kommt besonders den Frauen eine große Bedeutung zu, obwohl - oder gerade weil - sie um die Jahrhundertwende nicht viel zu sagen hatten. Die Mutter Maria Lindhorst würde man heute als manisch-depressiv bezeichnen, wozu sicher nicht zuletzt die 8 Kinder beigetragen haben, die ihren Körper und Geist belastet haben. Die zwei Töchter haben wenig Stellenwert, von ihnen wird vor allem erwartet, sich in ihre Rolle zu fügen. Eine völlig andere Schicht repräsentiert das Dienstmädchen Ida, ihre Beschreibungen des Alltags und der harten Arbeit im Haus Lindhorst zeigen das Leben aus der Sicht der Dienstbotin auf.
Doch auch die Männer hatten es nicht leicht: schon als Kinder lastete viel Druck auf ihnen, ihrer gesellschaftlichen Stellung gerecht zu werden. So habe ich zum Beispiel sehr mit dem Jungen Georg Presswitz gelitten, der von den Mitschülern malträtiert wird und sich aus dem Internat nach seiner Mutter sehnt.
Mit ihrem etwas altmodischen und bildreichem Schreibstil erinnert dieses Buch nicht nur inhaltlich etwas an Thomas Manns großes Familienepos Buddenbrooks. Anfangs braucht man etwas, um sich an die Sprache zu gewöhnen, bald jedoch hat man sich regelrecht hineingelesen in diese Geschichte. Dabei erleichtert das Personenregister zu Beginn es sehr, die vielen Charaktere auseinander zu halten, die dieses Buch zu einem Gesellschaftsquerschnitt um 1900 machen. Allerdings hätte ich mir über die knapp 500 Seiten einen roten Faden gewünscht, der die vielen handelnden Personen zu einem Plot vereint.
Ein zeithistorisches Lesevergnügen in einem ausdrucksstarken Schreibstil.

Cover des Buches Unsereins (ISBN: 9783498001810)
herrzetts avatar

Rezension zu "Unsereins" von Inger-Maria Mahlke

herrzett
Ein ganz besonderer, herzlicher und mitreißender Einblick - Lübeck im Jahre 1890

Häufig frage ich mich, wenn ich durch Lübecks Straßen, Gassen und Gänge laufe, was diese alten Häuser wohl für Geschichten zu erzählen hätten. Dieser Gegensatz von prunkvollen Fassaden an den Hauptstraßen und den sehr einfachen Hinterhäusern fasziniert mich schon lange und lässt mich spätestens seit Svealena Kutschkes Roman „Stadt aus Rauch“ nicht mehr los. Natürlich könnte ich an dieser Stelle auch Thomas Manns „Buddenbrooks“ erwähnen, doch dieses Buch reizte mich nie, generell habe ich für Geschichten von Adligen und bessergestellten Familien nicht so den Nerv, war es doch häufig nur Zufall in jene angesehene Familien hineingeboren zu sein und ihre Taten, die mehr auf sich, ihren Ruf und Ansehen bedacht waren… nun ja. Die wahren Überlebenskünstler sind dann doch die einfachen Leute, eben jene aus dem Hinterhaus oder die Bediensteten der anderen. Und so freute ich mich wirklich sehr auf Inger-Maria Mahlkes Roman „Unsereins“ der diese Menschen in den Fokus rückt, die alles am Laufen hielten… die einfacheren Menschen, die Köchinnen, Dienstmädchen und Lohndiener, die Bediensteten und Kaufläute.

„Unsereins“ ist dabei mehr so ein kaleidoskopartiger Roman, der nicht mal unbedingt so einen mitreißenden Plot hat, geschweige denn braucht. Das Herz sind diese unterschiedlichen Charaktere, die lose miteinander verknüpft sind. Familienmitglieder, Freunde, Bekanntschaften - diese liebevollen Figuren mit ihren Erlebnissen und Geschichten umringt von ihren Pflichten und Diensten. Mit jeder Seite kommt man ihnen näher, lernt sie lieben oder sie lernen es zu lieben, amüsiert sich über skurrile Situationen oder ist bewegt von der Armut und den Zuständen um 1890. Ich habe diesen Roman wahnsinnig geliebt, finde dieses Gegenstück zu den Buddenbrooks wirklich großartig und ja, ich wollte ehrlich gesagt gar nicht, dass dieses Buch jemals ein Ende findet. Ein große Empfehlung, für alle die historische, atmosphärische Romane lieben und mehr über das Damals und die nur selten erwähnten Lebensgeschichten und -realitäten lesen mag. Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung… denn, wie der letzte satz so schön heißt: „vielleicht ist dies nicht das Ende, sondern nur der Anfang.“

Cover des Buches Unsereins (ISBN: 9783498001810)
Sigismunds avatar

Rezension zu "Unsereins" von Inger-Maria Mahlke

Sigismund
Komplexes Gesellschaftsbild um 1900 in Hansestadt Lübeck

REZENSION
– Schon ihrem mit dem Deutschen Buchpreis 2018 ausgezeichneten Roman „Archipel“, der Geschichte mehrerer Familien über fünf Generationen hinweg auf Teneriffa, wurde damals eine Nähe zu Thomas Manns „Buddenbrooks“ nachgesagt. Einen direkten, diesmal von Inger-Maria Mahlke (46) sogar gewollten Bezug erkennt man nun in ihrem im November beim Rowohlt Verlag erschienenen Roman „Unsereins“. Darin beschreibt die in Lübeck aufgewachsene Schriftstellerin nicht nur das gesellschaftliche Leben des hanseatischen Großbürgertums sowie deren Hauspersonals, der Lohndiener und Handwerker in den Jahren zwischen 1890 und 1906 in Lübeck, dem „kleinsten Staat“ des deutschen Kaiserreichs. Ganz konkret erscheint in ihrem Roman sogar der junge Thomas Mann als Autor eines damals in der Lübecker Gesellschaft Aufsehen erregenden Familienromans. Dennoch sollte man „Unsereins“ völlig losgelöst und frei von dieser literarischen Bürde lesen – als eine Familiengeschichte, die mir in ihrem modernen Stil sowie in ihrer historischen Authenzität und Komplexität der Handlung ebenfalls preiswürdig erscheint.

Im Vordergrund dieses inhaltlich üppigen Gesellschaftsromans steht vor allem das Leben der kinderreichen Familie von Friedrich Lindhorst - „protestantisch, konservativ, kaisertreu“ - und dessen Ehefrau Marie, Tochter des „berühmtesten Dichters aller Zeiten“, deren jüngste Tochter Marthe als deren achtes Kind im Jahr 1890 im großen Patrizierhaus in der Königstraße geboren wird. Schon Friedrich Lindhorst ist als Rechtsanwalt in gewisser Weise ein Außenseiter seiner Kaufmannsfamilie, folgten doch seine Brüder, der Senator Achim und der Konsul Heinrich Lindhorst, noch der beruflichen Familientradition. Doch der gesellschaftliche Umbruch jener Zeit wird weitere Veränderungen bringen.

Der Patrizierfamilie gegenüber stellt Mahlke die Handwerker und Lohndiener wie Charlie Helms oder Ratsdiener Isenhagen und das Hauspersonal der Lindhorst-Familie, allen voran deren Dienstmädchen Ida. Wir begleiten Ida von ihrem Dienstbeginn im Hause Lindhorst, erleben mit ihr die schrittweisen Veränderungen jener Jahre, die auch an der Familie Lindhorst ihre deutlichen Spuren hinterlassen bis hin zum Tod des an Syphilis erkrankten Sohnes Cord und der manischen Depression seiner Mutter Marie. Es braucht Jahre bis sich Ida aus ihrem Dienstmädchen-Leben zu befreien versucht, heimlich Steno und Schreibmaschine lernt, um ein selbstbestimmtes Leben führen und als Büroschreibkraft arbeiten zu können. „Ich werde nicht in Diensten sterben“, hämmert sie immer wieder in Großbuchstaben als Mahnung an sich selbst in die Maschine.

Mahlke beschreibt in „Unsereins“ ein beeindruckend komplexes Gesellschaftsbild um die Wende ins 20. Jahrhundert, die auch vor der konservativen Hansestadt nicht Halt macht. Wir erfahren, wie festgefügte Rollen und damit verbundene konservative Erwartungen an Politik und gesellschaftlichen Stand aufbrechen und Hoffnungen auf Veränderung zu keimen beginnen.

Zwar zwingt die Vielzahl von Mahlkes Protagonisten anfangs mehrmals zum Zurückblättern auf die im Vorspann zum Glück eingefügte Liste handelnder Personen, zumal verschiedene Handlungsstränge sich erst später zum komplexen Gesellschaftsbild fügen, doch bald gewinnt man dann doch den Überblick, kann die Figuren jeweils zuordnen und vollends in die Geschichte und ihre Zeit eintauchen. Man lebt mit Mahlkes Figuren und bedauert schließlich das Ende der Geschichte, die sich auch gut verfilmen ließe. „Aber vielleicht ist dies nicht das Ende, sondern nur der Anfang“, lautet Mahlkes letzter Satz im Buch. Damit kann das weitere Leben ihrer Protagonisten gemeint sein. Der Satz kann aber auch Mahlkes doppeldeutiger Hinweis auf eine Fortsetzung ihres Romans „Unsereins“ sein. 

Gespräche aus der Community

Cover des Buches Archipel
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nonostar

Wir lesen mit eigenem Exemplar. Jeder ist herzlich willkommen mitzulesen!

Die Leserunde startet am 1. März.

173 Beiträge
Cover des Buches Archipel
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Ein LovelyBooks-Nutzer


Wir freuen uns sehr, den Deutschen Buchpreis 2018 bei LovelyBooks begleiten zu dürfen! Nachdem wir die Leseproben der zwanzig Longlist-Titel diskutiert haben, stellen wir euch nun die sechs Titel der Shortlist vor.

Heute habt ihr die Gelegenheit, Inger-Maria Mahlke Fragen zu stellen und mit etwas Glück eins von zwei Exemplaren von "Archipel" zu gewinnen!

Stellt eure Fragen an die Autorin heute am 20.09.2018 über den blauen "Jetzt bewerben"-Button und landet damit automatisch im Lostopf für unsere Verlosung.

Unter allen Usern, die an mindestens 3 Aktionen zu den Shortlist-Autoren teilnehmen, verlosen wir außerdem ein signiertes Exemplar des Deutschen Buchpreis-Gewinners!

Da die Autoren der Shortlist aus zeitlichen Gründen nicht alle Fragen beantworten können, werden wir Inger-Maria Mahlke ausgewählte Fragen zukommen lassen und ihre Antworten nachreichen.

Mehr zum Buch
Ein großer europäischer Familienroman von der Peripherie des Kontinents: der Insel des ewigen Frühlings, Teneriffa. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2018.
"Es ist der 9. Juli 2015, vierzehn Uhr und zwei, drei kleinliche Minuten. In La Laguna, der alten Hauptstadt des Archipels, beträgt die Lufttemperatur 29,1 Grad. Der Himmel ist klar, wolkenlos und so hellblau, dass er auch weiß sein könnte". Damit fängt es an. Und mit Rosa, die zurückkehrt auf die Insel und in das heruntergewirtschaftete Haus der vormals einflussreichen Bernadottes. Rosa sucht. Was, weiß sie nicht genau. Doch für eine Weile sieht es so aus, als könnte sie es im Asilo, dem Altenheim von La Laguna, finden. Ausgerechnet dort, wo Julio noch mit über neunzig Jahren den Posten des Pförtners innehat. Julio war Kurier im Bürgerkrieg, war Gefangener der Faschisten, er floh und kam wieder, und heute hütet er die letzte Lebenspforte der Alten von der Insel. Julio ist Rosas Großvater. Von der mütterlichen Seite. Einer, der Privilegien nur als die der anderen kennt.
Inger-Maria Mahlke ist in nur wenigen Jahren zu einer der renommiertesten deutschen Schriftstellerinnen avanciert und hat sich mit jedem ihrer Bücher thematisch und formal weiter vorgewagt. In "Archipel" führt sie rückwärts durch ein Jahrhundert voller Umbrüche und Verwerfungen, großer Erwartungen und kleiner Siege. Es ist Julios Jahrhundert, das der Bautes und Bernadottes, der Wieses, der Moores und González' – Familiennamen aus ganz Europa. Aber da sind auch die, die keine Namen haben: Die Frau etwa, die für alle nur 'die Katze' war: unverheiratete Mutter, Köchin, Tomatenpackerin - und irgendwann verschwunden. Denn manchmal bestimmen Willkür, Laune, Zufall oder schlicht: mitreißende Erzählkunst über das, was geht, und das, was kommt.


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52 BeiträgeVerlosung beendet
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  2. Einstieg ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts.
  3. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein.
  4. Es gelten nur Bücher (Achtung: keine Hörbücher, keine Bildergeschichten, keine Graphic Novels), die an diesem Beitrag angehängt sind!
Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Nimmst du die Herausforderung an?

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