Inger-Maria Mahlke

 3.5 Sterne bei 114 Bewertungen
Autorin von Archipel, Wie Ihr wollt und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Inger-Maria Mahlke

Gesellschaftskritik und Darstellungen der Femme Fatale: Inger-Maria Mahlke wurde 1977 in Hamburg geboren, wuchs aber in Lübeck auf. Nach ihrem Abitur studierte sie Rechtswissenschaften in Berlin und arbeitete am Lehrstuhl für Kriminologie. Ihr erster Roman wurde im Jahr 2010 unter dem Titel "Silberfischchen" beim Aufbau-Verlag veröffentlicht. Für dieses überaus erfolgreiche Debüt erhielt sie den Klaus-Michael-Kühne-Preis. 2009 war sie Preisträgerin des 17. Open Mike. 2014 wurde sie mit dem Karl-Arnold-Preis der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste ausgezeichnet. Ihr Roman "Wie ihr wollt" wurde im Jahre 2015 für die Longlist des deutschen Buchpreises nominiert. Mit "Archipel" schafft sie es 2018 sogar auf die Shortlist. Inger-Maria Mahlke lebt heute in Berlin.

Alle Bücher von Inger-Maria Mahlke

Cover des Buches Archipel (ISBN: 9783499291562)

Archipel

 (50)
Erschienen am 24.03.2020
Cover des Buches Wie Ihr wollt (ISBN: 9783833310775)

Wie Ihr wollt

 (38)
Erschienen am 02.11.2016
Cover des Buches Rechnung offen (ISBN: 9783827011305)

Rechnung offen

 (14)
Erschienen am 12.02.2013
Cover des Buches Silberfischchen (ISBN: 9783746635972)

Silberfischchen

 (11)
Erschienen am 09.11.2018
Cover des Buches Archipel (ISBN: 9783839817209)

Archipel

 (1)
Erschienen am 28.11.2018

Zur Fragerunde mit…

Inger-Maria Mahlke ist für ihre Arbeit als Schriftstellerin bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Die Rechtswissenschaftlerin veröffentlichte 2010 ihren Debütroman „Silberfischchen“. Mit ihrem Text „Wie ihr wollt“ war sie 2015 zum ersten Mal für den angesehenen Deutschen Buchpreis nominiert, der jährlich im Rahmen der Frankfurter Buchmesse vergeben wird. Mit ihrem Roman „Archipel“ ist sie im Jahr 2018 erneut unter den Nominierten, steht sogar in der engeren Auswahl der Shortlist, auf die es nur die besten sechs Bücher des Jahres schaffen. Im Rahmen unserer Fragerunde zur Shortlist des Deutschen Buchpreises 2018 stellte sich Inger-Maria Mahlke den Fragen ihrer Leserinnen und Leser. Ihre Antworten könnt ihr hier nachlesen.

Guten Tag, Frau Mahlke, zunächst möchte ich mich für Ihre Zeit bedanken, in der Sie uns hier Antwort stehen. Das ist großartig! Sie sind mit „Archipel“ nicht zum ersten Mal für einen Preis nominiert, Sie haben bereits Preise für andere Arbeiten erhalten und standen sogar schon einmal auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Dazu meinen Glückwunsch und ich drücke die Daumen für die diesjährige Verleihung. Mich würde sehr interessieren, wie Sie heute bei einem Blick zurück zu Ihrem Debüt „Silberfischchen“ stehen. Was verbinden Sie damit und wie stehen Sie heute dazu?

Ich kann mit „Silberfischchen“ immer noch gut leben. Oft entwickelt man ja Aversionen gegen die eigenen Anfänge, und ich würde heute vieles anders schreiben, aber ich stehe immer noch zu dem Text. Es war das, was damals möglich war. Ich hatte vorher noch nie einen Text geschrieben, der länger war als zehn Seiten. Als ich den Vertrag für „Silberfischchen“ unterschrieb, bestand der Text aus ca. 50 Seiten und ich hatte noch fünf Monate, um ihn fertig zu schreiben. Und dafür finde ich den Text immer noch in Ordnung. Und manchmal rede ich immer noch mit Hermann, der Hauptfigur…

Ich stelle es mir grundsätzlich schwer vor, ein Romanende zu finden; als Schriftsteller/in wirklich das Gefühl der Abgeschlossenheit zu empfinden. Geht es Ihnen beim Schreiben auch so, beziehungsweise hat das in „Archipel“ angewandte Prinzip der umgekehrten Kausalität dieses noch verstärkt? Theoretisch hätten Sie ja immer tiefer in die Vergangenheit der Familie eindringen können, so ist ein Stammbaum doch fast endlos.

Ich sage immer: Texte werden nie fertig, sie erstarren nur irgendwann… Damit möchte ich sagen: wenn mein damaliger Lektor mit nicht irgendwann meinen ersten Roman „Silberfischchen“ weggenommen hätte, ich würde immer noch daran schreiben… Zum Glück gibt es also Abgabefristen und Verträge, die eingehalten werden müssen, ich würde mich sonst heillos verzetteln…

Wie ist das zeitliche Verhältnis von Recherchearbeit und Schreibarbeit? Wie lange hat welcher Prozess für dieses Buch gedauert? Und sind Sie als Autorin dann völlig zufrieden mit dem Werk oder würden Sie heute etwas anders schreiben?

Vom zeitlichen Aufwand würde ich sagen 1/3 Recherche und 2/3 Schreibarbeit. Völlig zufrieden werde ich nie sein mit meinen Texten. Am Schlimmsten ist immer, wenn man das frischgedruckte Buch das erste Mal in den Händen hält, und aufschlägt, denn eines passiert immer: egal welche Seiten man dann vor sich hat, das erste, was man sieht, ist ein Fehler. Rechtschreibung oder inhaltlich, aber das erste ist immer ein Fehler.

Wie war es, als das Manuskript fertig war… die erste Reaktion?

Ich glaube, ich habe den Autor Hannes Köhler angerufen, der mich sehr unterstützt hat, während der letzten Monate Schreiben, und der hat sich einfach für mich gefreut, dass ich es endlich hinter mir hatte, die letzten Monate mit dem Text waren äußerst quälend.

Es soll ja bei Schriftstellern diese Angst vor dem ersten Satz geben. Wie finden Sie zu einem Romanthema und wie setzen Sie das Thema dann um? Beginnen Sie mit diesem berühmten ersten Satz und schreiben davon ausgehend weiter? Oder entstehen erst verschiedene Teile, die Sie dann zusammenfügen?

Ich schreibe nie chronologisch, ich habe oft schon früh einzelne Sätze im Kopf, und weite die dann aus zu kurzen Passagen, die später wie Puzzleteile funktionieren und immer wieder neu zusammengesetzt und passend geschrieben werden, bis ich mit dem Ergebnis leben kann.

Sie bewegen sich, rein zeitlich betrachtet, rückwärts in Ihrem Roman. Ist diese Richtung eher unbewusst aus den Ergebnissen Ihrer Recherchen entstanden oder haben Sie sich ganz bewusst dafür entschieden? Wie viel Mut hat es Sie gekostet, abweichend vom Mainstream in die Vergangenheit hinein zu schreiben? Schließlich sind Sie als Autorin letztlich darauf angewiesen, dass ihr Ansatz Akzeptanz bei der Leserschaft findet. Gab es vielleicht in diesem Zusammenhang Berater in Ihrem Umfeld, die Ihnen eher davon abgeraten haben? Und wie behält man in einem Beziehungsgeflecht, das sich über so einen langen Zeitraum erstreckt, den Überblick ohne ständig im bisher Geschriebenen nachzulesen? Und was steht für Sie persönlich im Vordergrund – die Geschichte Teneriffas oder die sich über Generationen hinweg weitervererbende soziale Ungerechtigkeit?

Ich wusste schon vorher, dass ich diesen Text rückwärts würde erzählen wollen, und nicht vorwärts. Reingeredet hat mir eigentlich niemand, im Gegenteil, ich hatte immer das Glück, Lektoren und Verlage zu habem, die mich mit meinen häufig etwas sperrigen Ideen unterstützt haben. Zum Überblick: Manchmal verliere ich den beim Arbeiten, schon weil ich ganze Textblöcke immer wild durch die Gegen kopiere. Die einzelnen Sätze kenne ich aber meist auswendig und navigiere meistens mit strg + f durch die Texte, (darum lasse ich auch manchmal Rechtschreibfehler stehen, wenn es kein ungewöhnlicheres Wort gibt in einem Absatz, nachdem man gut suchen kann.) Plotten, also mir Ablaufpläne oder Übersichten vorher zu überlegen oder aufzuzeichnen, mache ich nie. Die Geschichte Teneriffas kann ich nicht von der weitervererbten sozialen Ungerechtigkeit trennen, die ist ja Teil bzw. Ergebnis des historischen Prozesses.

Christoph Schröder von der Süddeutschen Zeitung ist nicht so ganz überzeugt von Ihrem Buch. Ist das egal nach der Shortlist-Platzvergabe oder ärgert es Sie? (Und noch eine Nebenfragen: Woher haben Sie den tollen grünen Mantel von Ihrem Autorenbild?)

Die Rezension von Herrn Schröder ist zwar sehr kritisch, aber respektvoll, und würdigt auch Aspekte, die der Rezensent als Stärke empfindet, mit der kann ich sehr gut leben. Rezensionen, auch Verrisse, finde ich eigentlich nur dann daneben, wenn sie persönlich werden, also über die Persönlichkeit des Autors spekulieren oder textexterne Punkte mitbesprechen. Das empfinde ich als unfair und übergriffig. Der Mantel ist von JCL es gab ihn auch noch in blau und schwarz ...

Wie umfangreich war die Recherchearbeit für dieses Werk? Waren Reisen in Ihre alte Heimat notwendig, um in Archive einzusehen?

Es waren jede Menge Recherchereisen notwendig, worüber ich aber überhaupt nicht traurig war. Zur Recherche gehörte auch, eine umfassende Sammlung alter Fotos von der Insel anzulegen. In den klassischen Archiven war ich nicht, ganz einfach weil auf Tenerife erst seit den 50er Jahren überhaupt archiviert wird und auch nicht in der Vollständigkeit, wie wir das aus Deutschland kennen.

Schon in „Wie ihr wollt“ haben Sie einen besonderen Stil kreiert, sodass sich der Roman wie ein historischer Bericht liest, gleichwohl eindringlich ist. Auch in „Archipel“ wählen Sie eine eher unbequeme Art des Schreibens, die wahrscheinlich nicht jedermanns Sache ist. Die rückwärtige Richtung erinnert an „Benjamin Button“. Was ist Ihre Inspiration gewesen?

Ganz klar die Insel selber, die schon so viele Inseln war. Ich mochte auch den Film „5x2“ von Ozon, der mit einer Ehescheidung beginnt und mit dem Kennenlernen des Paares endet. Und ich denke immer: lieber unbequem als langweilig.

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Inger-Maria Mahlke

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Rezension zu "Rechnung offen" von Inger-Maria Mahlke

Anspruchsvoller Gesellschaftsroman
ElbeundAlstervor 5 Monaten

INHALT

Die Handlung spielt in einem Mietshaus in Berlin-Neuköln mit einer bunten Mischung aus Hausbewohnern. Da gibt es die an Alzheimer erkrankte Rentnerin Elsa, die in ihren Erinnerungen der Nachkriegszeit lebt, Ebba, die Tochter des Hausbesitzers, die ihren Eltern einen nicht erreichten Abschluss vorgaukelt, die alleinerziehende Mutter Manuela mit ihrem Sohn Lucas, die ihr Geld als Domina verdient, Nicolai, der Enkel der alten Dame, der sie wahrscheinlich nur wegen der Geldscheine besucht, die sie im zusteckt und eine Gruppe von afrikanischen Drogendealern, die ohne Heizung leben. Und schließlich auch Claas, der Hausbesitzer selbst, der aufgrund seiner Kaufsucht einen Haufen Schulden angehäuft hat und deshalb von seiner Frau aus der Charlottenburger Nobelwohnung rausgeworfen wird. Eine offene Rechnung haben alle, finanziell, mit einer anderen Person, dem Leben oder sich selbst.

MEINE MEINUNG

Als ich den Roman in die Hand genommen habe, hatte ich hohe Erwartungen. „Ein diagnostisches Zeitbild – eine große Parabel über die Abgründe des Lebens am Rande unserer gentrifizierten Welt“ war eine Beschreibung, die mein Interesse geweckt hat. Die Sprache wurde von der Presse in den höchsten Tönen gelobt.
Hohe Erwartungen sind nie gut und tatsächlich habe ich nach den ersten Kapiteln überlegt, das Buch abzubrechen. Die Autorin beschreibt Parallelgeschichten, deren Zusammenhang zwar zum Teil erkennbar, die aber trotzdem nicht auf einen gemeinsamen Punkt hinzulaufen schienen. Ich konnte keine Verbindung zu den Figuren aufbauen und hatte Schwierigkeiten in den Sprachstil reinzufinden. Der Satzbau ist lang, manchmal ungewohnt und entspricht nicht dem Stil eines Standard-Romans. Auch die Erzählperspektive wechselt manchmal. Das verwirrte. Schließlich habe ich mich aber darauf eingelassen, mich konzentriert, aufmerksamer gelesen. Nicht mehr abends vor dem Einschlafen, sondern ganz bewusst und fokussiert. 

Und dann hat die Geschichte einen Sog entwickelt, hat mich der Schreibstil fasziniert. Es ist ein hohes literarisches Niveau und entspricht eben nicht dem klassischen Bestseller-Roman. Es war nicht mehr wichtig, ob ich eine Beziehung zu den Figuren aufbauen konnte, denn was diesen Roman ausmacht, ist die messerscharfe Beobachtung. Die Autorin konzentriert sich nicht auf das Gefühlsleben der Figuren, stattdessen agiert sie wie eine Zuschauerin, notiert Details, schafft eine dichte Atmosphäre. Es wird nie etwas erklärt und trotzdem kann man das Handeln, das Gefühlsleben der Figuren nachvollziehen. Nichts an diesem Buch ist klischeehaft (und das kann schnell passieren, wenn über die Gesellschaft und dann auch noch am Schauplatz Berlin geschrieben wird…).

„Sie hatte reglos gelegen, das Laken unter ihr nass, das andere, das als Bettdecke diente, zusammengeknüllt am Fußende. Sie hatte es von ihren Beinen geschüttelt, mit den Sohlen dort hinabgetreten. Hatte auf dem Rücken gelegen, nackt, kein Luftzug auf ihren Schenkeln, ihrem Bauch, ihren Brüsten. Hatte gefühlt, wie ihre Hände sich zusammenzogen, die Fingernägel Halbmonde in ihre Hand pressten, den Kopf von der Tür abgewandt. Hatte die Augen geschlossen, wenn es still war, die Nägel tiefer gegraben, wenn Lela wieder anfing. Hatte es mit dem Kopfkissen versucht, eine Gesichtshälfte in die Matratze gedrückt, auf der anderen das Kissen. Der Schweiß war über ihre Wangen gelaufen, zu den Nasenflügeln, sie hatte ihn mit dem Handgelenk abgewischt, hatte das Kopfkissen auf die Erde geworfen, war zu träge gewesen, es wieder aufzuheben.“ (Seite 98)

Gerade zu Beginn ist es nicht ganz einfach, der Geschichte zu folgen, denn die Erzählung springt zwischen den verschiedenen Figuren in diversen Situationen hin und her. Der Roman ist fordernd und sicher nicht für jeden etwas. Ich würde dafür keine uneingeschränkte Empfehlung abgeben. Man muss sich darauf einlassen können und wollen. Die Beobachtungen sind präzise genau, kalt, schonungslos und teilweise deprimierend. Trotzdem wurde ich nicht hoffnungslos zurückgelassen. Aber das macht wohl das menschliche Leben aus…

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Rezension zu "Archipel" von Inger-Maria Mahlke

Rückwärts erlesen
ulrikerabevor 6 Monaten

Julio Baute ist der Pförtner im Asilo, dem Altenheim von La Laguna auf Teneriffa. Wenn er nicht gerade die Übertragungen von Radrennen im Fernsehen sieht, hat er ein wachsames Auge auf die alten und dementen Bewohner der Einrichtung, bewahrt sie vor eigenmächtigen Ausflügen. Aber Julio bewahrt auch die Erinnerungen seines eigenen sehr langen Lebens. Denn Julio selbst ist schon 95 Jahre alt.


Archipel ist der 2018 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Roman der Schriftstellerin Inger-Maria Mahlke. Ein Archipel ist eine inselreiche Meereswelt, zu der nicht nur die Inseln sondern auch die Gewässer dazwischen zählen.


Angesiedelt ist dieser Roman auf Teneriffa, selbst eine Insel. Aber auch die Menschen in diesem Roman, von denen die Autorin erzählt sind kleine Inseln. Es sind dies die Mitglieder der gutbürgerliche Familie Baute, die Bernadottes, deren Ansehen und Reichtum über die Jahre in Verlust geriet und die Morales aus der Arbeiterschicht. Sie alle bilden soziale und politische Gegenpole über die Jahre der Geschichte immer wieder anziehen und abstoßen.


Dabei wendet Inger-Maria Mahlke, eine besondere Erzählweise an, die im Heute beginnt, bei dem alten Julio, bei seiner Tochter Ana, die als Politikerin in einen Korruptionsskandal verwickelt  und mit Felipe Bernadotte verheiratet ist. Felipe verbringt seine Tage dem Alkohol ergeben und den besseren Tagen nachweinend. Der Erzählstrang läuft sodann rückwärts von der Neuordnung nach dem Ende der Franco-Diktatur bis zu deren Beginn, über Krieg, Kampf gegen den Faschismus, den politischen Machtverschiebungen bis ins Jahr 1919, dem Jahr von Julios Geburt. Es ist keine leichte Erzählweise und es ist dies vermutlich die Erklärung für die literarische Relevanz des Buches.


Es erfordert hohe Konzentration beim Lesen den Familienmitgliedern und allen Verknüpfungen zu folgen und schmälert etwas das Lesevergnügen. Es nimmt mitunter die Spannung,  etwas zu lesen, von dem man den Ausgang letztlich schon kennt. Vor allem je weiter man in die Vergangenheit zurückkehrt umso weniger detailliert werden die Erinnerungsinseln. Aber je weiter man zurückliest, umso mehr Sinn ergeben auch die Geschehnisse in den Epochen zuvor.


Ich glaube aber,  es wäre ein sehr spannendes Experiment, den Roman noch einmal von hinten nach vorne zu lesen.

Kommentare: 5
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N

Rezension zu "Archipel" von Inger-Maria Mahlke

Ein Roman der immer weiter in die Vergangenheit vordringt
nonostarvor 7 Monaten

Inger-Maria Mahlke nimmt den Leser mit nach Teneriffa, wo wir den Lebensweg von drei sehr unterschiedlichen Familien begleiten. Die drei Familien könnten was ihren sozialen Stand angeht nicht getrennter sein: die reichen und geachteteten Bernadottes, die Bautes aus der Mittelschicht und schließlich die armen Morales Ruiz. Doch sie alle sind eng verknüpft mit der Geschichte Spaniens und der Insel selbst, was Mahlke in Form von Rückwärtserzäheln immer weiter aufdeckt.

Der Schreibstil ist wirklich toll. Allerdings packt Mahlke auch sehr viele Themen in ihr Buch und man muss oft sehr genau lesen um auch alle Zusammenhänge zu sehen und zu verstehen. Das fiel mir manchmal etwas schwer, da es durch die Art des Erzählens noch erschwert wie ich finde. Die Idee des Rückwärtserzählens hat mich zu Beginn fasziniert. Der Leser erfährt so nicht die Geschichte chronologisch, sondern er blättert durch ein Album von Geschichten immer weiter in die Vergangenheit. An sich eine gute Methode, die Fantasie des Lesers anzuregen und das Interesse zu wecken. IUn der Umsetzung hat das für mich jedoch leider nicht 100% funktioniert. Es wurden zu oft Dinge nicht fertig erzählt meiner Meinung nach. Immer wieder endet ein Kapitel und man würde gerne mehr über die Figuren und die Folgen der Handlung wissen, wird jedoch enttäuscht, da dies bei einem Schritt in die Vergangenheit nicht möglich ist. Dadurch blieben mir viele der Figuren seltsam fremd, ich konnte keine Beziehung zu ihnen aufbauen und frage mich am Ende, warum manche überhaupt in der Geschichte vorkamen.

Der Aufbau des Buches kam mir vor, als hätte jemand eine Geschichte aufgeschrieben und sie dann in mehrere Teile geschnitten und diese in umgekehrter Reiehnfolge wieder zusammengesetzt. Das mag für viele funktionieren, für mich jedoch leider nicht. Es war kein schlechtes Buch und auch durchaus interessant zu lesen, aber überzeugen konnte es mich nicht. Bei dieser Art Geschichte hätte mir ein anderer Aufbau besser gefallen oder eine bessere Verknüpfung der einzelnen Abschnitte. Auch hätte es der Geschichte vielleicht gut getan, wenn man sich auf eine Richtung fokussiert hätte und nicht so viele Themen hinein gepackt hätte.

Am Ende gebe ich 3 Sterne, da ich es nicht bereue, Archipel gelesen zu haben, es mich aber auch nicht begeistern konnte.

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches ArchipelN

Wir lesen mit eigenem Exemplar. Jeder ist herzlich willkommen mitzulesen!

Die Leserunde startet am 1. März.

Die „literarische Runde 2020 - SuB-Aufbau mit Niveau“ liest zusammen „Archipel“.

Jeder ist herzlich willkommen mitzulesen!

Die Leserunde startet am 1. März.


Schaut gerne auch in der literarischen Runde vorbei, wir lesen öfters gemeinsam Bücher und man entdeckt immer wieder neue Buchtipps zu allerlei Romanen mit Anspruch.

173 Beiträge
N
Letzter Beitrag von  nonostarvor 7 Monaten

Ich folge auch noch. :)

Cover des Buches Archipel
Deutscher Buchpreis

Wir freuen uns sehr, den Deutschen Buchpreis 2018 bei LovelyBooks begleiten zu dürfen! Nachdem wir die Leseproben der zwanzig Longlist-Titel diskutiert haben, stellen wir euch nun die sechs Titel der Shortlist vor.

Heute habt ihr die Gelegenheit, Inger-Maria Mahlke Fragen zu stellen und mit etwas Glück eins von zwei Exemplaren von "Archipel" zu gewinnen!

Stellt eure Fragen an die Autorin heute am 20.09.2018 über den blauen "Jetzt bewerben"-Button und landet damit automatisch im Lostopf für unsere Verlosung.

Unter allen Usern, die an mindestens 3 Aktionen zu den Shortlist-Autoren teilnehmen, verlosen wir außerdem ein signiertes Exemplar des Deutschen Buchpreis-Gewinners!

Da die Autoren der Shortlist aus zeitlichen Gründen nicht alle Fragen beantworten können, werden wir Inger-Maria Mahlke ausgewählte Fragen zukommen lassen und ihre Antworten nachreichen.

Mehr zum Buch
Ein großer europäischer Familienroman von der Peripherie des Kontinents: der Insel des ewigen Frühlings, Teneriffa. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2018.
"Es ist der 9. Juli 2015, vierzehn Uhr und zwei, drei kleinliche Minuten. In La Laguna, der alten Hauptstadt des Archipels, beträgt die Lufttemperatur 29,1 Grad. Der Himmel ist klar, wolkenlos und so hellblau, dass er auch weiß sein könnte". Damit fängt es an. Und mit Rosa, die zurückkehrt auf die Insel und in das heruntergewirtschaftete Haus der vormals einflussreichen Bernadottes. Rosa sucht. Was, weiß sie nicht genau. Doch für eine Weile sieht es so aus, als könnte sie es im Asilo, dem Altenheim von La Laguna, finden. Ausgerechnet dort, wo Julio noch mit über neunzig Jahren den Posten des Pförtners innehat. Julio war Kurier im Bürgerkrieg, war Gefangener der Faschisten, er floh und kam wieder, und heute hütet er die letzte Lebenspforte der Alten von der Insel. Julio ist Rosas Großvater. Von der mütterlichen Seite. Einer, der Privilegien nur als die der anderen kennt.
Inger-Maria Mahlke ist in nur wenigen Jahren zu einer der renommiertesten deutschen Schriftstellerinnen avanciert und hat sich mit jedem ihrer Bücher thematisch und formal weiter vorgewagt. In "Archipel" führt sie rückwärts durch ein Jahrhundert voller Umbrüche und Verwerfungen, großer Erwartungen und kleiner Siege. Es ist Julios Jahrhundert, das der Bautes und Bernadottes, der Wieses, der Moores und González' – Familiennamen aus ganz Europa. Aber da sind auch die, die keine Namen haben: Die Frau etwa, die für alle nur 'die Katze' war: unverheiratete Mutter, Köchin, Tomatenpackerin - und irgendwann verschwunden. Denn manchmal bestimmen Willkür, Laune, Zufall oder schlicht: mitreißende Erzählkunst über das, was geht, und das, was kommt.


>> Zur Leseprobe

Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen 
54 BeiträgeVerlosung beendet
Letzter Beitrag von  dj79vor 2 Jahren
Jetzt im Winterurlaub habe ich Archipel mit der verdienten Aufmerksamkeit lesen können. Es war anspruchsvoll, unbequem und trotzdem lesenswert.

https://www.lovelybooks.de/autor/Inger--Maria-Mahlke-/Archipel-1553179640-w/rezension/1983152644/?showSocialSharingPopup=true

Gleichlautende Rezensionen habe ich bei Amazon, Lesejury, WasliestDu veröffentlicht, sowie bei Online-Buchhandlungen wie Weltbild und Bücher.de, wo sie auf Veröffentlichung warten. Nochmals vielen Dank für diesen aufschlussreichen Roman.
Cover des Buches Wie Ihr wollt
Liebe Leser,

Heute wollen wir euch für die Leserunde zu Inger-Maria Mahlkes neuem Roman WIE IHR WOLLT gewinnen. Wir verlosen 20 Freiexemplare.

Der Teufel trägt Krone

September 1571: Elisabeth I. herrscht in England, und Mary Grey ist wütend. Sie ist sechsundzwanzig, kleinwüchsig, hat einen Thronanspruch und keine Geduld mehr. Seit einigen Jahren steht sie unter Hausarrest, da sie ohne die Erlaubnis ihrer königlichen Cousine geheiratet hat. Ihr Ehemann stirbt und auch sonst sind sie alle tot: ihre Schwestern Jane und Katherine und ihre Eltern, einige von ihnen hingerichtet. Mary Grey will die Kontrolle über ihr Leben zurück, einen eigenen Haushalt und das Sorgerecht für ihre Stiefkinder. Doch nichts passiert, und anstatt das still hinzunehmen und sich anzupassen, begehrt sie auf gegen das System Königshof, seine Zufälligkeiten, seine Willkür und Unfreiheit, seine mühsamen Rituale und ökonomischen Zwänge. Sie beginnt, sich Notizen zu machen, die Vergangenheit aufzureihen, sie so zu erzählen, dass es recht ist. Nur um zu dem Schluss zu kommen, dass ihr und ihrer Familie Handeln ebenso amoralisch war, wie das aller anderen. Dass sie die Rituale mochte. Dass Gunst wie eine warme Perle ist, die im Magen aufbricht und in alle Glieder strömt. Und dann ist da auch noch Ellen ...


 »Lieber Leser, ich bin keine Historikerin und dies ist kein historischer Roman, sondern die literarische Aneignung eines historischen Stoffes.«
Inger-Maria Mahlke

Leseprobe und weitere Informationen

Ihr wollt dabei sein? Mit einer kurzen Einschätzung zur Lesprobe  kommt ihr in die engere Auswahl!

Und das beste zum Schluss: Inger-Maria Mahlke wird die Leserunde begleiten!

Wir freuen uns auf eure Bewerbungen,
Euer Berlin Verlag


287 BeiträgeVerlosung beendet
Letzter Beitrag von  LibriHollyvor 6 Jahren
Ein wundervolles Buch, das ich sehr gerne gelesen habe. Meine Rezension findet ihr hier: http://www.lovelybooks.de/autor/Inger--Maria-Mahlke-/Wie-Ihr-wollt-1126278794-w/rezension/1154415247/ Vielen Dank, dass ich hier dabei sein durfte. Mir wäre sonst wirklich ein wunderbares, sehr lehrreiches Lesevergnügen entgangen. Ich wünsche der Autorin und ihrem Buch für die Zukunft alles Liebe und Gute. "Wie Ihr wollt" ist für mich eindeutig preisverdächtig. ;-)

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