Inger-Maria Mahlke Rechnung offen

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Inhaltsangabe zu „Rechnung offen“ von Inger-Maria Mahlke

Berlin-Neukölln: Dass der kaufsüchtige Claas Jansen eine leerstehende Wohnung im eigenen Mietshaus beziehen muss, hat weit mehr Gründe als die Bankenkrise. Und nicht nur er sieht sein früheres Leben in einem rasanten Abwärtsstrudel verschwinden. Am Scheidepunkt zwischen Kiezwirklichkeit und hipper Großstadt geht es um nicht minder Existenzielles. Jeder hat hier eine Rechnung offen: die afrikanischen Dealer, die ihre Schlepperkosten abarbeiten, die alzheimerkranke Alte und der Hochstapler, die Kurzzeit-Domina, ihr achtjähriger Sohn und andere Gestalten - eine globalisierte Notgemeinschaft. Sensibel, radikal und mit ganz eigenem Ton entwirft Inger-Maria Mahlke weit mehr als ein diagnostisches Zeitbild - eine große Parabel über die Abgründe des Lebens am Rande unserer gentrifizierten Welt.

Dicht und packend erzählter Roman mit Episodenstruktur. Gegenwärtig und hochaktuell!

— FranzHelle
FranzHelle

und auf einmal wohnst du mittendrin, die Spannung steigt, die Sprache zieht dich in den Bann - magic- und: das beste Buchende seit langem!

— Buchstabenliebhaberin
Buchstabenliebhaberin

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    Rechnung offen
    Buchstabenliebhaberin

    Buchstabenliebhaberin

    Das Cover ist super gewählt: ein altes Klingelschild. Für ein leicht (?) marodes, altes Mietshaus in Berlin, Neukölln. Die Hausbewohner eine bunte Mischung, wie sie überall zu finden ist. Die ältere Dame, die ihr Leben scheinbar noch gut geregelt bekommt, die Alleinerziehende mit ihrem Sohn, die verwöhnte junge Tochter des Eigentümers (der kurz darauf auch einzieht, ein kaufsüchtiger Therapeut), eine Wohnung auf den Namen Schmidtke, die als Drogenumschlagplatz dient und der Besucher der älteren Dame: Enkel (?) Nicolai. Es ist eine leise Geschichte. Jeder hat eine Rechnung offen. Finanziell, zwischenmenschlich, mit sich, seiner Vergangenheit, seinem Gegenüber. Die Menschen in diesem Haus agieren ungeschickt, aber menschlich. Es sind keine Erfolgsgeschichten, meist geht es eher abwärts, als aufwärts. Ganz unaufdringlich baut sich Spannung auf, du bangst mit dem kleinen Jungen, der so brav und lieb ist, und dem das alles nichts hilft. Der Schwangeren, die so unangenehm klammert. Und du erfährst, dass der Hochstapler doch keiner ist, und bangst mit der alten Dame, die immer mehr in die Vergangenheit abtriftet. Die Hauptperson, der Hausbesitzer, hat die Fäden nicht in der Hand. Er spaziert auf Messers Schneide, unschlüssig. Unfähig. Schmiedet Pläne, leidet, macht und tut. Das Schicksal meint es nicht gut mit ihm, und er tut sein übriges. Aber welche Chancen hat er auch? Doch das Buch geht anders aus. Das Ende überrascht. Und begeistert -ein bisschen. Weil das Leben genau so ist. Es ist nicht Hollywood. Es ist Berlin Neukölln.

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  • Buchverlosung zu "Rechnung offen" von Inger-Maria Mahlke

    Rechnung offen
    Berlin_Verlag

    Berlin_Verlag

    Unser Buch der Woche

    »Ich denke permanent über meine Figuren nach.«

    Inger-Maria Mahlke spricht in diesem Video über ihren Roman RECHNUNG OFFEN: https://www.youtube.com/watch?v=wn_qsrxcphI

    Alle Kommentare zum Video – direkt auf YouTube mit eigenem Konto oder hier bei LovelyBooks – nehmen an der Verlosung teil.

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  • Gestrandete Menschen

    Rechnung offen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    18. March 2013 um 15:00

      Es ist schon ein merkwürdiges Sammelsurium an Menschen, die sich in der Gegenwart des pulsierenden und sich stark verändernden Berlins im Buch zusammenfinden. In Neukölln leben sie, Claas, Ebba, Theresa, Niklas, der kleine Lucas und seine „durch das Leben rudernde“ Mutter, Camille, die sich im Cafe als Küchenhilfe durchschlägt. Oder Hanne, die Männer auf die Knie bringt, den Hintern schön nach oben gereckt, alle verbunden auf die ein oder andere Weise durch ein Mietshaus, das Claas gehört.   Claas, den Theresa (die genug mit ihrer Mutter zu tun hat und lieber sich einem älteren Mann zuwendet als in Claas ein „Kind im Manne“ an ihrer Seite ertragen zu müssen) vor vollendete Tatsachen stellen wird und der bei Ebba, seiner Tochter, die seit Monaten noch nicht einmal es geschafft hat, ihre Umzugskisten auszupacken, um eine Luftmatratze nachfragt. Und selbst die wird er dort nicht finden und erhalten. Claas, der seiner Leidenschaft unselige und unnütze Dinge ständig zu erwerben (3-2-1 meins) kaum mehr nachgehen kann, weil sämtliche Konten und Kreditkarten bis ans Limit ausgereizt sind.   Und alle sind in irgendeiner Form mit allen verbunden und doch nicht verbunden, da jede der Figuren von Mahlke wie ein Monolith angelegt ist. Losgelöst lebt und schwebt jeder der Figuren in ihrer eigenen Welt und da, wo es zu Kontakten kommen könnte, wo Nikolai, der den „Enkel Trick“ perfektioniert umsetzt, sich Camille nähern möchte, an diesen Nahtstellen brechen die letzten Fassaden noch auf und die Unfähigkeit, miteinander in Kontakt zu kommen, die „Insel“ des eigenen, selbstzentrierten Lebens zu verlassen tritt klar und schmerzlich zu Tage. Ein Buch, das in treffender Form die „Trostlosigkeit des Seins“ schmerzlich greifbar in den Raum setzt.   Eine klare Richtung, Sinn und Ziel, einen erkennbaren Weg, den haben all diese Menschen im Buch nicht, nicht mehr.   Was es im Übrigen, trotz der hervorragenden und präzisen Sprache Mahlkes, schwer macht, den einzelnen Erzählfäden durchgehend konzentriert zu folgen. Namen schwirren durch die Seiten, Assoziationen taumeln ins Leben, Türen werden geöffnet oder eben mit angehaltenem Atem geschlossen gehalten. Einfache Kost ist es nicht, die Mahlke in ihrem neuen Roman über das Leben der „modernen Großstädter“ bietet. Und warum dann des Öfteren und gerne auch ausführlich menschliche Ausscheidungen aus allen Körperöffnungen akribisch geschildert werden müssen mitsamt der entsprechenden Gerüche, (die in der Fantasie des Lesers sehr lebendig wachgerufen werden), dass erschließt sich im Gesamten kaum. Hier scheinen andere Bücher, die sich ebenfalls intensiv mit „Gerüchen und Ausscheidungen“ beschäftigt haben, ein stückweit Pate gestanden zu haben.   So ergibt sich im Gesamten ein differenziertes Bild. Hervorragend getroffen ist die, innerlich wie äußerlich, wegdriftende Atmosphäre im Leben der Protagonisten, die Distanz des Lebens, die Mahlke mit ganz hervorragenden sprachlichen Mitteln messerscharf beschreibt. So manche Querverbindungen und näheren Schilderungen von Toilettengängen und dem „rückwärts von sich geben“ von Lebensmitteln demgegenüber wirkt wie aufgesetzt im Rahmen einer eher assoziativen Erzählweise, die es dem Leser nicht immer einfach macht, in der Handlung wirklich anzukommen.

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