Bei Horst von Haartoll ist der Name Programm. Der selbsternannte Privatdetektiv investiert täglich beträchtliche Zeit in seine Frisur, während es ihm bei seinen Ermittlungen deutlich an Scharfsinn mangelt. Als Hündchen Otto verschwindet, stürzt er sich dennoch beherzt in seinen ersten Fall. Zum Glück begegnet ihm mit Detleva bald eine wesentlich cleverere Assistentin.
Ingo C. Schoenleber entwickelt daraus einen temporeichen Kinderkrimi, dessen besonderer Reiz in seinem Sprachwitz liegt. Horst fährt auf seiner „Haarley“ durch die Stadt, durchkämmt eine Wiese so gründlich, dass sie anschließend besser frisiert aussieht, und setzt einen Föhn zur Verbrecherjagd ein. Die Haar-Wortspiele werden konsequent bis ins Detail ausgereizt und funktionieren auf mehreren Ebenen. Kinder können sich an der absurden Handlung erfreuen, während Erwachsene zahlreiche sprachliche Mehrdeutigkeiten entdecken. Damit eignet sich das Buch nicht nur zum selbstständigen Lesen, sondern ausgesprochen gut zum gemeinsamen Vorlesen.
Auch die Gestaltung unterstützt den Lesestart. Kurze Kapitel und überschaubare Textmengen werden auf jeder Seite von farbigen Illustrationen begleitet. Diese spiegeln den Text nicht nur, sondern erweitern ihn teilweise. Dialoge erscheinen zudem in Sprechblasen, die für das Verständnis der Handlung mitgelesen werden müssen. So entsteht ein abwechslungsreiches Zusammenspiel unterschiedlicher Textelemente, das gerade wenig routinierten oder unmotivierten Lesenden entgegenkommen kann.
Aus pädagogischer Perspektive lässt sich der Sprachwitz allerdings ambivalent betrachten. Gerade in einer Reihe zum Lesenlernen sind kreative orthografische Veränderungen zugunsten eines Wortspiels nicht unproblematisch. Was sprachwissenschaftlich großen Spaß bereitet, kann beim Erwerb korrekter Schreibweisen irritieren.
Auch der Humor bietet Anlass zur Reflexion. Pointen über Horsts begrenzten Verstand sind komisch, bewegen sich jedoch stellenweise nahe an der Verspottung seiner intellektuellen Fähigkeiten. Gleichzeitig ist es ausgerechnet die kluge Detleva, die Horsts Ermittlungen entscheidend voranbringt, während der eitle männliche Detektiv nach außen als zentrale Heldenfigur bestehen bleibt. Das funktioniert als humoristische Figurenkonstellation, lässt sich jedoch mit Blick auf die darin transportierten Geschlechterrollen durchaus kritisch lesen.
Horst von Haartoll ist damit ein ausgesprochen unterhaltsamer, visuell abwechslungsreicher und sprachspielerischer Kinderkrimi. Als Vorlesebuch funktioniert er für mich hervorragend. Beim Einsatz als Leselernbuch überwiegt für mich dagegen die Ambivalenz: Gerade der Sprachwitz, der das Buch so unterhaltsam macht, kollidiert stellenweise mit seinem Anspruch, Kinder beim Lesenlernen zu unterstützen.




