Ingo Schulze

 3.4 Sterne bei 166 Bewertungen
Autor von Simple Storys, Adam und Evelyn und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Ingo Schulze

Nach seinem Abitur 1981 absolvierte Ingo Schulze 18 Monate lang Grundwehrdienst. Von 1983 bis 1988 studierte er Klassische Philologie (Altgriechisch, Latein) und Germanistik in Jena. Von 1988 bis Angang 1990 war er Schauspieldramaturg am Landestheater Altenburg und gründete dann das "Altenburger Wochenblatt", wo er auch arbeitete. 1993 verbrachte er ein halbes Jahr in St. Petersburg und gründete das erste kostenlose Anzeigenblatte “Priwet Peterburg". Heute lebt er in Berlin in zweiter Ehe mit der Literaturwissenschaftlerin Jutta Müller-Tamm und seinen zwei Töchtern. Ingo Schulze ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Seine Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Bereits 1995 erhielt er den Förderpreis des Alfred-Döblin-Preises und den Ernst-Willner-Preis. Es folgten zahlreiche weitere Preise und Ehrungen, unter anderem der Preis der Leipziger Buchmesse (2007), der Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg (2013) und der Rheingau-Literaturpreis (2017).

Alle Bücher von Ingo Schulze

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Simple Storys

Simple Storys

 (46)
Erschienen am 18.05.2009
Adam und Evelyn

Adam und Evelyn

 (35)
Erschienen am 01.05.2010
Handy

Handy

 (17)
Erschienen am 01.10.2009
33 Augenblicke des Glücks

33 Augenblicke des Glücks

 (20)
Erschienen am 01.03.2009
Peter Holtz

Peter Holtz

 (7)
Erschienen am 07.09.2017
Eine Nacht bei Boris

Eine Nacht bei Boris

 (5)
Erschienen am 19.03.2009
Unsere schönen neuen Kleider

Unsere schönen neuen Kleider

 (2)
Erschienen am 19.06.2015
Orangen und Engel

Orangen und Engel

 (1)
Erschienen am 01.05.2012

Neue Rezensionen zu Ingo Schulze

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Rezension zu "Peter Holtz" von Ingo Schulze

Ingo Schulze | PETER HOLTZ
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Der Weisenjunge Peter ist ein vorbildlicher DDR-Bürger. Seine politische Bildung ist umfassend, er scheut keine Diskussion für sein Ideal zu missionieren und er verabscheut Geld, privates Eigentum und überhaupt jedes Gebahren, das irgend nach Kapitalismus riecht. Bei seinen Mitmenschen gilt Peter mit seiner Linientreue als klug, aber naiv, und spätestens mit Eintritt in die Kirche – als christlich-kommunistischer Demokrat kämpft er nun für das Gute – ist ihm der Ruf als Sonderling sicher.

Durch eine Reihe von Umständen gelangt eine Handvoll Berliner Immobilien als Schenkung in seinen Besitz, die er pflegt und zur allgemeinen Nutzung anbietet. Es ist die Zeit der Wende, die Peter lang erwartet hat und auch politisch stark unterstützt – er ist sicher, dass sich mit dem Öffnen der Grenzen der real existierende Sozialismus endlich in den Kommunismus wandelt, den er sein Leben lang schon erwünscht und angestrebt hat – doch dann wird er von einem Auto überfahren.

Als er aus dem Koma erwacht, ist alles gelaufen: Der Mauerfall, die Währungsreform, die Wiedervereinigung fehlt noch, steht aber kurz bevor. Doch das Schlimmste: Seine Immobilien sind Millionen Wert – Peter gehört jetzt zur Upper Class, seinem erklärten Feindbild. Er versucht, das Geld in christlich-kommunistischer Nächstenliebe zu verjubeln, zu verschenken, an den Mann zu bringen, kann aber gegen die kapitalistische Welle, die die ehemalige DDR überschwemmt nichts ausrichten. Was er auch versucht, es wird immer mehr – Das Geld klebt ihm wie Scheiß am Schuh. Doch er beginnt den Kapitalismus zu beobachten, zu erforschen und findet einen Weg, sich mit Würde vom verhassten Geld zu trennen…

FORM: Ingo Schulze (*1962) hat für seine Geschichte über den klugen, aber furchtbar naiven Peter die Form des Schelmenromans gewählt, die er mustergültig bedient. Eines der Merkmale dieser Romangattung ist, dass die Hauptfigur – der Schelm – kaum eine Entwicklung durchlebt und quasi fertiggestrickt durch die Zeiten und Seiten wandelt. So auch unser Peter hier, der im ersten Kapitel als Zwölfjähriger schon so reif ist, wie als Mittdreißiger am Ende des Romans. Nur die Gesellschaft, das System um ihn herum, hat sich gewandelt, und während er früher als neunmalklug belächelt wurde, hält man ihn später fast für einen Irren.

Der Roman ist souverän geschrieben – besonders die Dialoge sind großartig; sie wirken echt und nicht so verkrampft, wie sonst oft –, wartet mit einer ganzen Reihe unvorhersehbaren Twists auf und besitzt ein fulminantes Ende. Aber das täuscht nicht über einige Schwächen hinweg. Zum einen die Klugscheißerei, die auf Dauer wirklich nervt, denn leider nutzen sich Peters humorlose Schlaumeierei und seine Naivität während der Lektüre schnell ab. Zum anderen bekommt die (Wende-)Politik zu viel Platz im Roman, was ich störend fand, weil es sich nicht um einen in erster Linie politischen Roman handelt. Die Themen liegen hier eher bei Wirtschaft und Gesellschaft, und auch wenn naturgemäß alles miteinander verbunden ist, hätte dem Roman ein bisschen weniger Politik gutgetan.

FAZIT: Auch wenn ich ein großer Fan von Ingo Schulze bin – seine beiden Buchpreis-Kandidaten NEUE LEBEN und ADAM UND EVELYN haben mir ausgesprochen gut gefallen – konnte mich sein Peterchen nicht ganz überzeugen. Das Ende hat mich dann aber doch milde gestimmt, so dass ich guten Gewissens noch vier Sterne vergebe.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich auf Euren Besuch ***

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M

Rezension zu "Peter Holtz" von Ingo Schulze

Eine deutsche Geschichte aus zwei Welten durch die Augen der Einfalt
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Eine deutsche Geschichte aus zwei Welten durch die Augen der Einfalt

25 Jahre Alltagsleben in Deutschland. Bis 1989 in der „DDR“, von da an, wie alle, im neu vereinten Deutschland.

„Waren Sie da?“
„„Kann man so sagen“, sagt die Genossin, deren Stimme mir ins Ohr sticht. „Wir sind überall auf der Erde….Setz Dich“.

Was natürlich ein typisches Selbstverständnis der „Genossen“ damals zum Ausdruck bringt, aber die Frage Peters nicht unbedingt beantwortet, was das konkret nachgefragte Kinderkonzert betrifft. Dafür aber müsste dieser Peter Holtz zu einem Denken auf mehreren Ebenen, zu Assoziationen, spitzzüngigen Formulierungen und überhaupt zu einem gewissen Überblick über Geschehnisse fähig sein. Was ins einem Fall in keinem Fall der Fall ist.

Wie ein tumber Tor läuft er durchs Leben und durch die Zeit und fällt doch immer, selbst wenn Schulze seinen Protagonisten in bedenkliche Schräglagen bringt, fest auf die Füße.

Und geht so Jahr um Jahr durch die Zeit, dass zu Hause, die nähere Umgebung, die Nachbarschaft. Immer kongenial von Schulze im sprachlichen Ausdruck begleitet und entfaltet, denn in diesem Roman ist nicht nur die Hauptperson einfach gestrickt, sondern dieser entsprechend die Sprache ebenso einfach gehalten, dem schlichten Gemüt entsprechend.

„Komm, Sportsfreund, stell dich nicht dümmer an…..“. Da zeigt der leicht gereizte Ton „der anderen“ ein um das andere Mal, dass so was fast gar nicht möglich ist, diese Schlichtheit. Aber Peter stellt sich nicht „dumm“ an. In gewisser Weise ist er das. Mit einer gewissen Bauernschläue und einfach auch Glück versehen, was das Leben angeht.

Dialoge in vielfacher Form geben dem Leser dabei immer mehr Einblick in den naiven Blick Peters, der immer und immer wieder ins humoristisch abgleitende Blüten treibt.

Oder wie wäre der Umgang mit einer Prosituierten sonst zu verstehen?

„„Wenn du nicht aufstehst, knie ich mich auch hin“. Da Lilly nichts dergleichen tut, gehe ich auf die Knie“ „Sei nicht blöd“, sagt sie. „Was ist denn?“. „Wollen wir lieber aufstehen“?“, frage ich. „Musst du sagen, so einen Fall hatte ich noch nicht“.

„„Na dann“, sage ich und rutsche auf den Knien noch ein Stück näher an Lilly heran.

Einer, der zu DDR Zeiten ein 150 prozentiger war. Nicht aus Überzeugung, sondern weil er eben immer die Gegebenheiten nimmt, wie sie sind und nicht in Frage stellt. Was für den Leser einen nicht nur oft lustigen, sondern durchgehend auch interessanten Blick aus der „Toren-Perspektive“ auf all die Wichtigkeiten, Worthülsen, „großen“ Personen der Zeit, auf den Wandel und das staunende Ankommen „im neuen Deutschland“ immer wieder auf den Punkt bringt.

Ob freischaffend als Sänger, ob „dann aber richtig im System als „IM“, ob als einfacher Handwerker, immer verbiegt Peter Holtz naiv, frei und alles wörtlich nehmend selbst die konspirativsten Pläne anderer.

Eine hervorragende Überspitzung dessen, was ein System aus Menschen macht. Wie diese geformt und indoktriniert werden, auf verschiedene Weisen zwar, doch immer mit dem Ziel der „Gleichschaltung“. Gerade weil Peter Holtz in beiden Welten seinen unverdienten und zufälligen „Erfolg“ geradezu unwissend zelebriert, treffen so viele der klugen Beobachtungen Schulzes im Roman den Nerv der Zeit. Und wie sich dieser an solchen Personen fast mehr bricht, die alles befolgen, als an jenen, die bierernst sich mit aller Kraft dagegenstellen.

Daher ist dieser weltfremde Tor in manchem näher an der eigentlichen Welt, als viele andere.

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Rezension zu "Adam und Evelyn" von Ingo Schulze

Ingo Schulze | ADAM UND EVELYN
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Altenburg im Spätsommer 1989. Adam, Damenmaßschneider, Hobbyfotograf und Schwerenöter, wird von seiner Freundin Evelyn bei einem Seitensprung erwischt. Evelyn fährt daraufhin mit ihrer Freundin und deren Cousin nach Ungarn an den Balaton; ein Urlaub, den sie ursprünglich mit Adam geplant hatte. Adam reist den dreien kurzerhand hinterher und macht in der Tschechoslowakei Bekanntschaft mit Katja, die bei einem Fluchtversuch durch die Donau in den Goldenen Westen all ihre Papiere verloren hat. Er schleust sie illegal über die Grenze nach Ungarn und holt Evelyn und die anderen am Balaton wieder ein. Just zu dieser Zeit öffnet Ungarn die Grenze zu Österreich und alle nutzen die Gelegenheit, dem Ostblock zu entfliehen und ein neues Leben anzufangen, selbst Adam, der eigentlich gar nicht weg wollte…

FORM: Der Text ist bis auf ein paar Ausnahmen sehr dialoglastig; ganze Seiten bestehen nur aus wörtlicher Rede und nur selten wird erwähnt, wer überhaupt gerade spricht. Wirklich narrativ erzählt wird nur das Nötigste, dies dann zwar sehr nüchtern, aber voller Metaphern. Die Kapitel sind mit fünf, sechs Seiten recht kurz, auffällig ist aber, dass wichtige Ereignisse zwischen den Kapiteln stattfinden (soll heißen: nicht erzählt werden) und man sie sich durch die folgenden Seiten zusammenreimen muss…

FAZIT: …was den Lesespaß allerdings keineswegs trübt. Mir hat Schulzes Wenderoman (oder ist es ein Flüchtlingsroman?) sehr gut gefallen. Die Dialoge sind realitätsnah, die Figuren mit all ihren Schwächen und Sehnsüchten wunderbar gezeichnet. Die Nähe der Namen zur Bibelgeschichte um Adam und Eva kommt natürlich nicht von Ungefähr und gibt dem Ganzen eine tiefere Bedeutungsschicht, was den Roman zu etwas Besonderem macht. Rundum gelungen – fünf Sterne.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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Ingo Schulze wurde am 15. Dezember 1962 in Dresden (Deutschland) geboren.

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