Ingo Schulze

 3.4 Sterne bei 187 Bewertungen
Autor von Simple Storys, Adam und Evelyn und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Ingo Schulze

Nach seinem Abitur 1981 absolvierte Ingo Schulze 18 Monate lang Grundwehrdienst. Von 1983 bis 1988 studierte er Klassische Philologie (Altgriechisch, Latein) und Germanistik in Jena. Von 1988 bis Angang 1990 war er Schauspieldramaturg am Landestheater Altenburg und gründete dann das "Altenburger Wochenblatt", wo er auch arbeitete. 1993 verbrachte er ein halbes Jahr in St. Petersburg und gründete das erste kostenlose Anzeigenblatte “Priwet Peterburg". Heute lebt er in Berlin in zweiter Ehe mit der Literaturwissenschaftlerin Jutta Müller-Tamm und seinen zwei Töchtern. Ingo Schulze ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Seine Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Bereits 1995 erhielt er den Förderpreis des Alfred-Döblin-Preises und den Ernst-Willner-Preis. Es folgten zahlreiche weitere Preise und Ehrungen, unter anderem der Preis der Leipziger Buchmesse (2007), der Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg (2013) und der Rheingau-Literaturpreis (2017).

Neue Bücher

Die rechtschaffenen Mörder

 (17)
Neu erschienen am 04.03.2020 als Hardcover bei S. FISCHER.

Die rechtschaffenen Mörder: Roman

Neu erschienen am 04.03.2020 als E-Book bei FISCHER E-Books.

Die rechtschaffenen Mörder

 (1)
Neu erschienen am 04.03.2020 als Hörbuch bei Argon.

Die rechtschaffenen Mörder

Neu erschienen am 04.03.2020 als Hörbuch bei Argon Verlag.

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Cover des Buches Simple Storys9783941711044

Simple Storys

 (47)
Erschienen am 18.05.2009
Cover des Buches Adam und Evelyn9783423138765

Adam und Evelyn

 (36)
Erschienen am 01.05.2010
Cover des Buches Die rechtschaffenen Mörder9783103900019

Die rechtschaffenen Mörder

 (17)
Erschienen am 04.03.2020
Cover des Buches Handy9783827070173

Handy

 (17)
Erschienen am 06.12.2010
Cover des Buches 33 Augenblicke des Glücks9783827072207

33 Augenblicke des Glücks

 (20)
Erschienen am 01.07.2010
Cover des Buches Peter Holtz9783596522965

Peter Holtz

 (8)
Erscheint am 28.10.2020
Cover des Buches Eine Nacht bei Boris9783423082228

Eine Nacht bei Boris

 (5)
Erschienen am 19.03.2009
Cover des Buches Unsere schönen neuen Kleider9783446250376

Unsere schönen neuen Kleider

 (2)
Erschienen am 19.06.2015

Neue Rezensionen zu Ingo Schulze

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Rezension zu "Die rechtschaffenen Mörder" von Ingo Schulze

Spiel mit dem Leser
Buecherschmausvor 20 Tagen

Es beginnt wie eine Novelle aus dem 19. Jahrhundert, ein wenig altmodisch, behäbig fast und märchenhaft. Doch damit narrt der Autor Ingo Schulze die Leser*innen seines neuen Romans „Die rechtschaffenen Mörder“ ganz gehörig.

„Im Dresdner Stadtteil Blasewitz lebte einst ein Antiquar, der wegen seiner Bücher, seiner Kenntnisse und seiner geringen Neigung, sich von den Erwartungen seiner Zeit beeindrucken zu lassen, einen unvergleichlichen Ruf genoss.“

Und schon versinkt man als Leser*in in der konventionell-kunstvoll erzählten Geschichte. Das gut-bildungsbürgerliche Dresden des Stadtteils Blasewitz ist der Handlungsort. Zum ebenso gediegenen Loschwitz auf der anderen Flussseite führt die „Blaues Wunder“ genannte Elbbrücke, von der Anhöhe grüßt der Weiße Hirsch mit seinen aus Uwe Tellkamps Roman bekannten Villen. Hier in Blasewitz eröffnet der etwas verschrobene Norbert Paulini 1977 sein Antiquariat.

Der jenseits jeglichen Profitstrebens etablierte Hort von prächtigen Erstausgaben und seltenen Werken hochrangiger Dichter und Denker ist ein fast verwunschener Ort. Er befindet sich im oberen Stock der ehrwürdigen Villa Kate. Nur auf Klingeln erhält man Einlass in die Räumlichkeiten, die Norbert Paulini mit den Restbeständen des Antiquariats seiner früh verstorbenen Mutter, die der Vater nicht übers Herz gebracht hat zu veräußern, ausgestattet hat. Mit einem Fahrrad nebst Anhänger macht sich der rührige Buchliebhaber fortan auf Akquise. Ein Idyll, in das jeder bücherliebende Leser gerne eintaucht.

Immer mehr wird das „Antiquariat und Buchhandlung Dorothea Paulini, Inh. Norbert Paulini“ zum Treffpunkt von kritischen DDR-Bürgern und Dissidenten, da Paulini auch verbotene, zumindest schwer erhältliche Literatur anzubieten hat. Aus dieser Klientel entwickelt sich ein literarischer Salon, der sich jeden Samstag in den Räumen der Villa Kate trifft. Norbert Paulini wird zum hochgeschätzten Mittelpunkt des Zirkels, nennt sich gerne selbst „Prinz Vogelfrei“, nach einem Gedicht Friedrich Nietzsches, und ist eigentlich eher unpolitisch.

Es ist das gleiche ostdeutsche Bildungsbürgertum, das die Leser*innen schon bereits aus Uwe Tellkamps Dresden-Roman „Der Turm“ kennen, das sich hier bei Paulini versammelt. Einer davon ist der im ersten Teil des Buches noch sehr diskret auftauchende Ich-Erzähler. In zweiten Teil präsentiert er sich prominent als der Schriftsteller Schultze, der vermutlich den ersten, gerade gelesenen Teil über Norbert Paulini verfasst hat.

Das würde zumindest erklären, warum die zunächst voller Bewunderung und Wärme erzählte Geschichte zunehmend fahrig wird und auch der einst bewunderte Antiquar immer negativer rüberkommt.

Nach dem Zusammenbruch der DDR 1989 und der Wiedervereinigung verlieren nicht nur die Bücher generell, sondern vor allem antiquarische Bücher ihre Bedeutung und ihren Wert. Warum sollte man sich eine gebrauchte DDR-Ausgabe mit schlechtem Papier kaufen, wenn man in der West-Buchhandlung von einem Tag auf den anderen jeden gewünschten Titel bestellen kann. Generell sinken Bücher und Bildung, die im ehemaligen „Leseland DDR“ stets hochgehalten wurden, in der Nachwendezeit im Wert. Und mit ihnen Antiquar Norbert Paulini.

Mit seiner Buchhandlung lässt sich kein Geld mehr verdienen. Kurzfristig arbeitet er deshalb als Kassierer an einer Supermarktkasse. Später verschafft ihm eine Freundin einen Job als Nachtportier. Von seiner Frau, der Friseurin Viola, lässt er sich scheiden, nachdem bekannt wird, das diese Berichte für die Stasi verfasst hat. Im Gegensatz zu Norbert reüssiert sie mit ihrem Friseursalon. Norbert hingegen muss die Villa Kate verlassen und in die Sächsische Schweiz ausweichen, nachdem sich Alteigentümer aus dem Westen mit Wiedergutmachungsansprüchen gemeldet haben. Auch Sohn Julian macht Sorgen, er driftet politisch nach rechts ab. Den letzten Rest gibt ihm dann die Jahrhundertflut der Elbe im Jahr 2002, die große Teile seines Buchbestands vernichtet.

Ziemlich viel, was da auf den Romanhelden einprasselt. Alle diese Dinge sollen seinen Überdruss, seine Wut und die rechten Gedanken, ja vielleicht sogar die Motivation für rechte Gewalt, erklären, die ihm gegen Ende des ersten Teils zugeschrieben werden. Trotz allem kommen diese Ansichten recht unmotiviert und unvermittelt. Die Nähe zu Pegida wird für mich nicht überzeugend entwickelt.

Man könnte das direkt als Schwäche des Buches herausstreichen. Wäre da nicht die im zweiten Teil gewonnene Erkenntnis, dass Teil eins aus der Feder von Schriftsteller Schultze (nicht zu verwechseln mit Ingo Schulze) stammt.

Dieser hat ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu dem einst bewunderten und ihn fördernden Antiquar. Es geht da vor allem um eine Frau. Elisabeth, Lisa, Schultzes Geliebte, ist Norbert Paulini schon seit langem freundschaftlich sehr zugetan. Es offenbart sich, dass Schultze Eifersucht, Misstrauen, auch Rachegelüste treiben. Eine Tatsache, die die bisher gelesenen knapp 200 Seiten in einem etwas anderen Licht erscheinen lassen.

Überhaupt wurde in der Rezeption von „Die rechtschaffenen Mörder“ meiner Meinung nach zu viel Gewicht darauf gelegt, dass Ingo Schulze das Abgleiten ostdeutschen Bildungsbürgertums in rechtes Gedankengut thematisiere. Das trifft durchaus zu, macht aber nur einen sehr kleinen Teil des Buchs aus. Und wurde von mir eher als ein kleiner bissiger Kommentar auf die politischen Einschätzungen seines Kollegen Tellkamps gelesen.

Wie schreibt Ingo Schulze so schön: Es ist

„in unserer Welt schwer geworden, immer die Ursache für eine Wirkung zu finden.“

Schulze liefert bestimmt keine einfache Antworten à la „ die und die Rückschläge haben dazu geführt, dass Paulini auf politische Abwege geriet“. Oder: „Das Bildungsbürgertum war durch seinen zunehmenden Bedeutungsverlust anfällig für rechte Parolen.“

Man kann sich über solche Thesen Gedanken machen, aber spätestens mit dem Perspektivwechsel im zweiten Teil rückt etwas ganz anderes in den Fokus. Wer ist dieser Schultze? Ingo Schulze gibt ihm das eine oder andere autobiografische Detail mit, beispielsweise die Tätigkeit bei einer Altenburger Zeitung. Aber auch damit will er die Leser*in wahrscheinlich narren. Schultze schreibt hier eher eine Art Rechenschaftsbericht über sein Verhältnis zu Norbert Paulini und für die Erzählung, die er über ihn geschrieben hat. Es deutet sich bereits an, dass Norbert Paulini und Lisa eines nicht ganz geklärten, gemeinsamen Todes gestorben sind.

Und spätestens im dritten Teil, den die Lektorin Schultzes verfasst, wird klar, dass es Ingo Schulze mit „Die rechtschaffenen Mörder“ nicht in erster Linie um einen Roman über die Verfasstheit der ostdeutschen Bevölkerung oder rechtsextreme Strömungen geht. Der Autor greift ganz gehörig in die Metafiktions-Kiste. Verunsicherung, Zweifel streuen, Leseerwartungen durcheinanderwirbeln, das ist hier Programm. Uneindeutigkeit und Satire sind die Mittel. Das wird nicht jeder Leser/jede Leserin goutieren. Ich habe mich gut und auf literarisch hohem Niveau unterhalten gefühlt. Und gewarnt hat Ingo Schulze bereits mit seinem vorangestellten Motto:

„Wer kann denn das Ende eines Buches auch nur erahnen, wenn er darangeht?“

zitiert er Vilém Flusser aus dessen „Die Geschichte des Teufels“. Vilém Flusser war ein Medienphilosoph und Kommunikationswissenschaftler, dessen zentrales Thema der Untergang der Schriftkultur war. Auch hier höre ich Ingo Schulze leise kichern.

 

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M

Rezension zu "Die rechtschaffenen Mörder" von Ingo Schulze

Die rechtschaffenen Mörder
Mira123vor 25 Tagen

An dieses Buch hatte ich hohe Erwartungen. Das Cover gefiel mir richtig gut und viele andere BloggerInnen haben das Buch sehr positiv bewertet. Auch den Klappentext fand ich spannend. Ein Bücherwurm und Antiquar, der zum fremdenfeindlichen Mörder wird, vielleicht sogar zum Nazi? Geht das? Vor allem: Geht das so, dass ich die Geschichte auch glaubwürdig finde? Für mich war klar, dass ich dieses Buch lesen muss. (So wie eigentlich jedes Buch, in dem es um Buchmenschen geht.)

Was mich an Paulini zu Beginn vor allem überraschte: Der ist ja total sympathisch! Also jetzt nicht so, dass ich ihm sofort um den Hals springen würde, aber zumindest so, dass ich wohl ziemlich bald ebenfalls regelmäßige Besucherin im Antiquariat werden würde. Doch das Antiquariat, damit beginnt das Buch nicht mal. Das Buch beginnt noch vor Paulinis Geburt, begleitet ihn durch seine gesamte Kindheit und Jugend, bei seinen ersten Schritten als Buchhändler, beim Aufbau des Antiquariats und so weiter, bis ins hohe Alter, wo dann die Geschichte plötzlich unterm Satz abbricht und andere Figuren weitererzählen. Zugegeben: Das hat mich ziemlich irritiert, dass das Kapitel mitten unter dem Satz endet. Das habe ich einfach nicht erwartet. Und wenn, dann wohl nur dann, wenn im nächsten Kapitel eine Erklärung geliefert wird. Aber das ist nicht passiert. Schlimmer: Da gab es dann plötzlich keine Kapitel mehr und Paulini war zwar immer noch präsent, aber jetzt erzählten andere.
[Spoilergefahr im nächsten Absatz!]
Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich von Paulini halten soll. Was ich glauben soll. Ja, im Laufe des Buchs verbittert er immer mehr und beginnt immer feindseliger gegenüber allem zu werden, das "von außen kommt", aber ob ich ihm einen Mord zutrauen würde? Nein, wohl eher nicht. Er scheint halt einfach ein verbitterter alter Mann zu sein, dem das Leben nicht immer leicht gemacht wurde. Nach dem Fall des eisernen Vorhangs hat er plötzlich massenhaft Kundschaft verloren, ging pleite, konnte sich irgendwie wieder aufraffen, dann kam auch schon das Internet und ihr wisst ja, wie es vielen kleinen Buchhandlungen mit dem Internet geht. Da kaufen Stammkunden dann plötzlich doch lieber bei Amazon und co.
[Spoilergefahr ist zu Ende!]
Uff, ich weiß echt nicht, was ich von Paulini halten soll. Ist er ein Nazi? Ein Mörder? Oder doch nur ein frustrierter alter Mann, der gedanklich irgendwo in der Vergangenheit stecken geblieben ist? Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Entwicklung von Paulini zum vielleicht Nazi und vielleicht Mörder nachvollziehbar finden soll. Ich weiß es einfach nicht. Aber vielleicht ist das ja auch der Sinn der Sache. Dass keine klare Antwort geliefert wird. Gibt es ja auch im echten Leben oft nicht.

Besonders gut an diesem Buch gefallen, hat mir der Schreibstil. Ich habe viele Formulierungen angestrichen, die mir gefallen haben, habe das "Notizbuch" meines Readers um mindestens zwanzig Seiten erweitert. Gerade zu Beginn gab es einfach total viele Stellen, die mich zum Lächeln gebracht haben oder die ich mir eingeprägt hab, damit ich ganz schnell den Computer anwerfen und diese Stelle in einen Buchzitate-Post einspeisen kann.

Weniger gefallen hat mir, dass eben plötzlich die Perspektive gewechselt wird. Das hat mich irritiert (was wahrscheinlich auch der Sinn der Sache war) und ich fand die anderen Figuren einfach nicht ganz so interessant wie Paulini. Klar, die Außenperspektive war wohl irgendwie notwendig. Aber diese Zäsur war dann doch eher...extrem!

Mein Fazit? Mir hat dieses Buch wirklich gefallen. Es hat mich zum Nachdenken angeregt. Allerdings gibt es meiner Meinung nach immer noch Luft nach oben.

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Rezension zu "Die rechtschaffenen Mörder" von Ingo Schulze

Leider lässt der Autor zu viele Fragen offen
FreydisNeheleniaRainersdottirvor einem Monat

Als "Die rechtschaffenen Mörder" in der monatlichen Druckfrisch-Folge von Denis Scheck am 26.04. vorgestellt wurde, hatte es mein Interesse geweckt. Die Vorstellung, dass ein Antiquar, ein belesener und dementsprechend intellektueller Mann plötzlich anfängt Bücher zu verschmähen, nur noch Bücher von deutschen Autoren zu lesen, weil er den Übersetzungen aus anderen Sprachen misstraut und zum Schluss gar ein Nazi ist, diese Entwicklung, ja Spagat hat mich brennend interessiert. Mich interessieren Hintergründe, Beweggründe, das Warum. Ich finde mich nicht mit dem Gegebenen ab, mit dem "Das ist halt so", ich will wissen, wie es dazu kam, was einen Menschen zu seinen Handlungen antreibt. Leider hat mich Ingo Schulze mit seiner Geschichte aber genau dessen beraubt.


Die Geschichte ist in drei Abschnitte geteilt, wobei nur der erste Abschnitt und der Anfang des zweiten wirklich Sinn ergeben, dann wird die Story unzusammenhängend und verworren.

Da haben wir also einen Norbert Paulini, der, seit er das erste Buch seines Lebens las, Leser werden will. Zum Leidwesen aller Leser ist das aber kein Beruf, es sei denn, man ist ein Lektor. Aber auch zu diesem Berufsbild gehört ein wenig mehr, als das bloße Lesen, für das Paulini Leben will. Also wird er über einige Umwege Antiquar und verkauft seinen Kunden, wie er selbst sagt, nur Qualität. Zu DDR-Zeiten sammeln sich deshalb in seinem Antiquariat auch nur das "Who is who" Der Dresdener Intellektuellen und die, die es noch werden wollen. Mit der Politik will er nichts am Hut haben, seine Gattin (Paulini hat kein Glück mit seinen Damen) umso mehr. Dann kommt die Wende und wie bei so vielen ostdeutschen Existenzen, säuft Paulinis Unternehmen einfach ab. Die Intelligenzia bleibt plötzlich aus und lange Zeit versteht Paulinis nicht warum, bis ihm ein lang vermisster Kunde mit der Wahrheit konfrontiert. Ab da geht es mit Paulini bergab, er wird von diversen Schicksalsschlägen gebeutelt, aber das Schlüsselerlebnis, weshalb Paulini letzten Endes zum Ausländerfeind wird, das bleibt dem Leser verwehrt. Das ist dann auch der Grund, weshalb ich spätestens ab dem dritten Teil des Buches mit einem riesigen Fragezeichen über den Kopf da sitze und mich über die teilweise verstörenden Handlungssprünge wundere. Das lässt sich fast so lesen, als ob Paulini mit seinem Umzug ins Elbsteingebirge, nach "Dunkeldeutschland" quasi plötzlich ein Nazi wäre und dessen Sohn auch. Kein zufriedenstellender Plot aus meiner Sicht. 


Die Geschichte fing gut an und ließ ab der Mitte leider stark nach, eben weil Fragen offen bleiben, die nicht hätten offen bleiben sollen. Da stellt sich mir die Frage, was der Autor von mir als Leser möchte. Das fühlt sich bald so an, als ob mir jemand dumm tut und jegliche Kommunikation verweigert, weshalb ich dann nicht reflektieren kann, wo denn nun der Fehler lag, wie es zu diesem plötzlichen Bruch kam. Das ist überaus bedauerlich und ich mag es nicht leiden. Die Geschichte hatte Potential und ich mochte den schrulligen Antiquar Paulini, bis der Autor in unerklärliche Weise abdrehen ließ. 

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Ingo Schulze wurde am 15. Dezember 1962 in Dresden (Deutschland) geboren.

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