Ingo Schulze Adam und Evelyn

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Inhaltsangabe zu „Adam und Evelyn“ von Ingo Schulze

»Eine paradiesische Parabel.« Paul Jandl in der ›NZZ‹Ingo Schulze erzählt vom Spätsommer 1989 – und entdeckt in der Wendezeit die menschliche Urgeschichte von Verbot und Verlockung, Liebe und Erkenntnis. Im Spiel mit dem biblischen Mythos von Adam und Eva gelingt ihm eine grandiose Tragikomödie.Die Frauen lieben Adam, weil er ihnen schöne Kleider schneidert. Und Adam liebt schöne Frauen. Abgesehen davon liebt er Evelyn. Die aber ertappt ihn eines heißen Augusttages 1989 in flagranti. Statt mit Adam fährt Evelyn gemeinsam mit einer Freundin und deren Westcousin an den Balaton. Und Adam fährt mit seinem alten Wartburg hinterher. Ungarn will die Grenze gen Westen öffnen. Plötzlich ist das Paradies zum Greifen nah – und alle müssen sich entscheiden.

Nachdenklich stimmende Literatur zwischen Mauerfall-Geschichte und privater Romanze.

— Louisdor
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  • Ingo Schulze | ADAM UND EVELYN

    Adam und Evelyn
    Bookster_HRO

    Bookster_HRO

    26. September 2017 um 15:45

    INHALT: Altenburg im Spätsommer 1989. Adam, Damenmaßschneider, Hobbyfotograf und Schwerenöter, wird von seiner Freundin Evelyn bei einem Seitensprung erwischt. Evelyn fährt daraufhin mit ihrer Freundin und deren Cousin nach Ungarn an den Balaton; ein Urlaub, den sie ursprünglich mit Adam geplant hatte. Adam reist den dreien kurzerhand hinterher und macht in der Tschechoslowakei Bekanntschaft mit Katja, die bei einem Fluchtversuch durch die Donau in den Goldenen Westen all ihre Papiere verloren hat. Er schleust sie illegal über die Grenze nach Ungarn und holt Evelyn und die anderen am Balaton wieder ein. Just zu dieser Zeit öffnet Ungarn die Grenze zu Österreich und alle nutzen die Gelegenheit, dem Ostblock zu entfliehen und ein neues Leben anzufangen, selbst Adam, der eigentlich gar nicht weg wollte… FORM: Der Text ist bis auf ein paar Ausnahmen sehr dialoglastig; ganze Seiten bestehen nur aus wörtlicher Rede und nur selten wird erwähnt, wer überhaupt gerade spricht. Wirklich narrativ erzählt wird nur das Nötigste, dies dann zwar sehr nüchtern, aber voller Metaphern. Die Kapitel sind mit fünf, sechs Seiten recht kurz, auffällig ist aber, dass wichtige Ereignisse zwischen den Kapiteln stattfinden (soll heißen: nicht erzählt werden) und man sie sich durch die folgenden Seiten zusammenreimen muss… FAZIT: …was den Lesespaß allerdings keineswegs trübt. Mir hat Schulzes Wenderoman (oder ist es ein Flüchtlingsroman?) sehr gut gefallen. Die Dialoge sind realitätsnah, die Figuren mit all ihren Schwächen und Sehnsüchten wunderbar gezeichnet. Die Nähe der Namen zur Bibelgeschichte um Adam und Eva kommt natürlich nicht von Ungefähr und gibt dem Ganzen eine tiefere Bedeutungsschicht, was den Roman zu etwas Besonderem macht. Rundum gelungen – fünf Sterne.

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  • Rezension zu "Adam und Evelyn" von Ingo Schulze

    Adam und Evelyn
    GreenTea

    GreenTea

    10. February 2012 um 15:07

    Der Titel spielt mit dem alten Topos der Paradiesgeschichte. Die Vertreibung aus dem Paradies wird allerdings in die 80er Jahre verlegt, in die Zeit des Mauerfalls. In Adams und Evelyns Beziehung kriselt es. Daran, dass in der Beziehung nicht alles rund läuft, ist Adam nicht ganz unschuldig: Adam ist Schneider für Damenmode und hat Evelyn schon des öfteren mit seinen weiblichen Modellen betrogen ... Deshalb will Evelyn Abstand gewinnen und fährt mit ihrer Freundin Simone und Michael, einem Bekannten aus dem Westen, weg von Adam - an den Balaton. Auch, um irgendwie in den Westen fliehen und ihre Träume von einem Studium verwirklichen zu können. Auf dem Weg an den Balaton schleust Adam noch Katja, eine Anhalterin, über die Grenze. Als sich die Grenze überraschend öffnet, fahren alle gemeinsam in den Westen: Michael, Katja, Evelyn und Adam. Für Evelyn stellt der Westen das Paradies dar, sie blüht auf, weiß etwas mit ihrem Leben anzufangen, beginnt zu studieren und selbstständig zu werden. Adam jedoch kommt mit der neuen Freiheit nicht zurecht, seine Welt wird anders als Evelyn verkehrt und verschlechtert. Er bekommt keine Schneiderauftragsarbeiten mehr, denn westdeutsche Frauen kaufen lieber von der Stange. Er wird stiller, verschlossener und unzufriedener und stellt sein bisheriges Leben stark in Frage. Alles in allem eine durchaus lesenswerte Geschichte, v. a. für den Sommer sehr geeignet. Jedoch ist Schulzes Erzählweise an manchen Stellen etwas schwerfällig und langsam. Fazit: Im Leben und in der Liebe, für die Liebe muss man Opfer bringen, was in diesem Buch anhand von Adam treffend dargestellt wird!

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  • Rezension zu "Adam und Evelyn" von Ingo Schulze

    Adam und Evelyn
    Graf Zahl

    Graf Zahl

    19. September 2011 um 14:07

    DDR, Sommer 1989. Der Damenschneider Adam liebt seinen Beruf. Er liebt auch die Frauen, die manchmal erst durch seine Kleider richtig „schön“ werden. Als seine Freundin Evelyn ihn in flagranti mit einem seiner Modells erwischt, findet sie das natürlich nicht sehr erbaulich und tritt die geplante Reise an den Plattensee nicht mit Adam sondern mit ihrer Freundin Simone und deren West-Cousin Michael an. Adam reist ihnen hinterher, nimmt unterwegs noch die Anhalterin Katja, die er im Kofferraum über die tschechoslowakisch-ungarische Grenze schleust, auf. Evelyn fängt was mit Michael an, Adam nicht mit Katja. Später landet Evelyn wieder bei Adam und die beiden im Westen. Der Titel stellt natürlich schon den Bezug zur biblischen Geschichte von Adam und Eva her. Hier wir dort wird der Mann von der Frau dazu verleitet seinen angestammten Ort verlassen. Ich habe auch als lupenreiner Wessi einige Probleme damit die DDR hier als Paradies zu bezeichnen. Adam hat sich aber soweit es geht als vermeintlich apolitischer Mensch mit den Verhältnissen arrangiert. Es geht im gut. Ihm persönlich scheint es an nichts zu fehlen. Anders verhält es sich bei Evelyn. Sie hat keine Zugangsberechtigung zum erwünschten Studium, ihr Job als Kellnerin füllt sie nicht aus und dann geht ihr Freund auch noch fremd. Also ist es für sie eine logische Konsequenz, dass sie die sich eröffnende Chance nutzen will und über Ungarn fliehen will. Warum sie dann aber doch davor scheut, einen vollständigen Schlussstrich zu ziehen und nicht mit Michael zusammen diesen Schritt geht, erschließt sich mir leider nicht. Die beiden wichtigsten Nebenpersonen sind eben dieser Michael und Katja. Katja ist jemand, der in der DDR überhaupt nicht zurecht gekommen ist und sich für die Flucht sogar in Lebensgefahr begibt. Sie ist also ein Gegenentwurf zu Adam. Darum ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie diejenige ist, die, im Westen angekommen, sich dort am besten zurechtfindet. Michael hat sich in Evelyn verliebt, kann sie aber nicht verstehen. Er ist zu sehr von seiner und der westlichen Überlegenheit überzeugt, um Evelyns Zweifel überhaupt zu erkennen. Ingo Schulze erzählt den Roman weitestgehend chronologisch und hauptsächlich aus der Perspektive Adams. (Nicht falsch verstehen: Es gibt keinen Ich-Erzähler). Ungefähr nach der Hälfte des Romans gibt es auch einige Wechsel din er Perspektive. Auffallend ist auch, dass einige für dem Handlungsfortgang äußerst wichtige Ereignisse nicht direkt beschrieben werden, sondern als Rückblenden vor allem in Dialogen. Alles in allem ein ordentlicher Roman. Nicht zu trivial, aber auch kein ganz großer Wurf. Aber ich glaube, dass sollte dieses Buch auch gar nicht werden. Ich kann ihn auf jeden Fall empfehlen. (4/5)

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  • Rezension zu "Adam und Evelyn" von Ingo Schulze

    Adam und Evelyn
    ninchen1809

    ninchen1809

    30. December 2010 um 21:26

    Der Roman „Adam und Evelyn“ spielt im Sommer 1989. Adam ist Damenmaßschneider, er besitzt ein kleines Haus mit Garten und hat einen „Oldtimer“-Wartburg, Jahrgang 1961. Seine Freundin Evelyn ist Kellnerin, mit großem Wunsch Kunstgeschichte zu studieren. An einem Sommertag erwischt Evelyn Adam „in flagranti“ und flüchtet mit ihrer Freundin und deren West-Cousin an den Plattensee. Es ist jener heiße Sommer, wo große Teile der DDR nach Ungarn reisen, in der stillen Hoffnung, dass sich die Grenze öffnet Adam reist ihnen voller Schuldgefühle mit dem Wartburg hinterher. Die Ungarn öffnen die Grenzen. Es kommt der Tag der Entscheidung, Die genervte Evelyn will raus aus der DDR, will in den Westen, will leben, sich nicht weiter einschränken müssen. Adam, dem es eigentlich ganz gut geht mit seinem Schneiderberuf, seinem Haus, seinem Garten, den gefälligen Kundinnen, der möchte eigentlich in der DDR bleiben. Da greift Ingo Schulze in die Metapherkiste, eine Verknüpfung zwischen Mythos und Zeitgeschichte muss her, Eva vertreibt Adam aus dem Paradies. Evelyn geht in den Westen und Adam folgt ihr. Die Sprache strahlt eine Leichtigkeit aus im Gegensatz zum schweren Thema des Buches. Die Geschichte liest sich schnell und besteht hauptsächlich aus Dialogen. Die besonderen Probleme und Sehnsüchte, die mit dem Aufeinanderprallen der beiden Lebenswelten in Ost und West verbunden sind, kommen sehr gut zur Geltung und sind auch als Zeitgeschichte interessant zu lesen. Die Verknüpfung mit der Bibel durchzieht den gesamten Roman. Sehr interessant und zu empfehlen…

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  • Rezension zu "Adam und Evelyn" von Ingo Schulze

    Adam und Evelyn
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    27. August 2010 um 13:53

    Ingo Schulzes Wenderoman spielt im Sommer 1989 und handelt von ein paar DDR-Bürgern, darunter auch das Titelgebende Paar Adam und Evelyn. Doch deren Beziehung steckt in einer Krise, da der Schneider Adam seine Dienste an seinen Kundinnen etwas zu gern betreibt. Evelyn flieht deshalb aus der Behaglichkeit Richtung Balaton. Doch Ohne Evelyn fühlt sich Adam allein und verlassen, daher reist er Ihr reumütig nach. Bald darauf finden sich beide nach den Wirrungen der Wende in München wieder. Adam und Evelyn habe ich enttäuscht und mit einem hohlen Gefühl aus der Hand gelegt. Zwar wird an vielen Stellen auf die biblische Mythologie angespielt, wie zum Beispiel die Vertreibung aus dem Paradies, doch übertreibt es Schulz hiermit und raubt dem Werk den Atem. Auch die Dualität zwischen Ost und West, Beziehung und Freiheit, Behaglichkeit und Unbehagen, sind sehr spannend, doch da der Roman überwiegend aus Dialogen besteht und somit ziemlich verworren wirkt, verliert das Thema seine Authentizität.

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  • Rezension zu "Adam und Evelyn" von Ingo Schulze

    Adam und Evelyn
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. June 2010 um 19:18

    Adam ist Damenmaßschneider, um den sich die Frauen reißen. Er schneidert ihnen Kleiderträume auf den Laib, die es im Osten nicht im Laden zu kaufen gibt. Dafür lieben sie ihn. Und Adam liebt die Frauen. Er dokumentiert seine Kreationen im Bild und manchmal wird den Beteiligten dabei so "heiß", daß der Schneidermeister und die Kundin noch wo ganz anders landen. Dies ahnt Evelyn, Adams Freundin. Jedoch erst nachdem sie den Geliebten mit Lilli erwischt, zieht sie die Konsequenz und fährt mit ihrer Freundin Simone und deren West-Cousin an den Balaton. Und das nicht so ganz ohne Hintergedanken im Jahre 1989. Adam beschließt, ihr nachzufahren und die Geschichte entwickelt sich zu einem Roadmovie, daß in einer unbekannten Zukunft endet. Adam und Evelyn vertrieben ins vermeintliche "Paradies". Eine tolle Idee - vom Ansatz her, auch unterhaltsam geschrieben und dennoch bleibt man am Ende etwas ratlos zurück. Dieses Ende ist kein richtiges Ende und was mit einer guten Idee begann, endet eben ... flach. Auch musste ich mich in fast jedem neuen Kapitel (und die Kapitel sind nicht lang) erst einmal orientieren. Das Stilmittel der Lücke wird zu oft bedient, der Leser findet sich nur mühsam zurecht. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Was soll ich zwischen den Zeilen lesen? Das stört den Lesefluss und macht das Roadmovie nicht rasant, sondern holperig. Trotzdem habe ich das Buch schnell gelesen und wenn man lediglich eine nette Wendegeschichte mit einigen "So wars"-Aha-Momenten lesen will, ist man mit diesem Buch gut bedient.

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  • Rezension zu "Adam und Evelyn" von Ingo Schulze

    Adam und Evelyn
    sumsidie

    sumsidie

    04. December 2009 um 15:02

    In dieser Geschichte verbindet Schulze die Liebesgeschichte eines Paares mit dem Ende der DDR im Jahr 1989. Selten empfand ich ein Paar, deren Probleme und ihr Ankommen im "Westen" so realistisch.

  • Rezension zu "Adam und Evelyn" von Ingo Schulze

    Adam und Evelyn
    Gruenente

    Gruenente

    23. February 2009 um 14:27

    Adam liebt Evelyn. Evelyn liebt Adam bis Sie Zeuge von einem seiner vielen Seitensprünge wird. Adam ist ein genialer Damenschneider, der durch seine maßgeschneiderte Kleidung auf wunderbaren Photos auch aus grauen Mäusen wunrderschöne Frauen macht. Und am Schluss geht er mit Ihnen ins Bett. Adam und Evelyn leben in der DDR. das Buch spielt im Sommer 1989. Sie haben beide ein Visum für einen Urlaub in Ungarn. Evelyn fährt ohne Adam, aber mit Ihrer Freundin Mona und deren West-Cousin. Adam in seinem alten Wartburg mit der Schildkröte Elfi hinterher. Unterwegs gabelt er noch katja auf, die alles bei einem FLuchtversuch durch die Donau verloren hat. Rund um den Plattensee ist alles voll mit Ostdeutschen, die darauf warten, dass sich das Gerücht, die Grenzen würden geöffnet werden bewahrheitet. Das Buch ist wunderbar geschrieben. aber der Inhalt gibt mir nicht viel. Was will mir der Autor mit dem Ende der Geschichte sagen? Auch die Parallele zu Adam und Eva ist mir nicht ganz klar. Eindeutig ein Buch, das ich diskutieren müsste um richtig was davon zu haben.

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  • Rezension zu "Adam und Evelyn" von Ingo Schulze

    Adam und Evelyn
    HeikeG

    HeikeG

    12. August 2008 um 18:19

    "Auch Gott war Schneider!" oder Die drei großen F - Ferien, Freundin, Freiheit "Plötzlich waren sie da, die Frauen. Sie erschienen aus dem Nichts, angetan mit seinen Kleidern, Hosen, Röcken, Blusen und Mänteln. Manchmal war ihm, als träten sie aus dem Weiß hervor oder als wären sie einfach aufgetaucht, als hätten sie endlich die Oberfläche durchbrochen und sich gezeigt. (...) Erst war nichts und dann etwas, auf einmal war es da. Doch der Augenblick zwischen dem Nichts und dem Etwas ließ sich nicht fassen, ganz so, als gäbe es ihn nicht." Mit diesen Worten beginnt Ingo Schulzes neuer Roman "Adam und Evelyn". Diese wenigen Zeilen beinhalten bereits das ganze Universum der Erzählung. Knappe Sätze, nur angedeutete Szenen - dies ist das Markenzeichen des gebürtigen Dresdners. Schulzes Schreibstil besticht durch seine Bescheidenheit. Er plustert sich niemals auf, drängt sich nicht wortreich in den Vordergrund. Stilsicher verkürzt er und spart aus: eine "kunstvolle Kunstlosigkeit" stellte die TAZ treffend fest. So entsteht eine ungemein komprimierte Dichte, die trotzdem - oder gerade deshalb - von hoher Anschaulichkeit, Farbigkeit und Detailfreudigkeit geprägt ist. Seine Erzählungen zwingen den Leser an der Geschichte dranzubleiben. Man muss selbst ergänzen, was nicht weitschweifig ausformuliert wird. Es ist ein Stil, der nicht auffällt, aber deshalb gerade so gut ist. Doch zurück zum Beginn. In dieser ersten Szene schöpft ein junger Mann - irgendwo in der DDR-Provinz - seine selbst geschossenen Fotos aus dem Entwicklerbad (zu DDR-Zeiten eine nicht seltene Freizeitbeschäftigung) und bringt seine von ihm luxuriös gewandeten Frauen ans Licht. Lutz Frenzel - so sein richtiger Name - arbeitet als Hobby-Fotograf und Damenmaßschneider. "Und Gott der Herr machte Adam und seinem Weibe Röcke von Fellen und zog sie ihnen an.", zitiert er einmal im Verlauf der Handlung aus der Bibel (1. Mose 3, 1 - 19), was seine Freundin Evelyn spontan ausrufen lässt: "Auch Gott war Schneider!" Dass er seine Kundinnen - außer sie mit edlen Stoffen so gekonnt zu drapieren, dass das ein oder andere Fettpölsterchen perfekt kaschiert wird - von Zeit zu Zeit auch auf andere Art und Weise beglückt, wird ihm - von Evelyn in flagranti erwischt - zum Verhängnis. Die füllige Lilli ist hier das Corpus Delicti. "Du sollst abhauen", sagt Evelyn daraufhin impulsiv zu Adam. Erneut eine dieser Zweideutigkeiten in Schulzes Sätzen, obwohl es hier nicht politisch gemeint ist, sondern Evelyn nur ihre weibliche Verletzung herausschreit. Aber wir schreiben den 19. August 1989 - Zwischenzeit - das Ende der DDR naht, alles ist im Schwebezustand: ein "Augenblick zwischen dem Nichts und dem Etwas". Auf dem Grundstück der bundesdeutschen Botschaft in Budapest campieren hunderte von DDR-Bürgern und hoffen auf eine Ausreise in den Westen. Im September werden die ersten Montagsdemonstrationen in der Leipziger Nikolaikirche starten, die sich bald in viele Großstädte des Landes ausweiten werden. Doch noch sind Adam und Evelyn im "Osten", wo sie ein Häuschen mit Garage, nebst "Heinrich", dem alten Wartburg, Baujahr 1961, einen Garten und einen Keller mit eingewecktem Quittenkompott haben. Aber nun hängt der Haussegen wegen Adams "nebenberuflichen Aktivitäten" mehr als schief. Mit Freundin Mona und deren Westcousin Michael "flüchtet" Evelyn nach Ungarn. Dass sie zuvor ihren Job als Kellnerin gekündigt hat, macht Adam noch nicht unruhig, und dass sie ihre Ausweispapiere und Dokumente im Koffer hat, bemerkt er erst später. Adam fährt dem Dreiergespann nach, gabelt unterwegs noch Katja auf, die gerade einen misslungenen Fluchtversuch durch die Donau hinter sich und keinen Pass mehr hat. Adam schleust sie im Kofferraum über die slowakische Grenze und nimmt sie letztendlich nach Ungarn mit, an den Balaton, wo sich die Vier plus Einer entscheiden müssen, denn Ungarn hat Schlag Mitternacht vom 10. auf den 11. September 1989 seine Grenze nach Österreich geöffnet. Bleiben oder gehen, heißt jetzt die Frage... Der Roman lebt vor allem von seinen ausgedehnten, scharfsinnig-köstlichen Dialogen, die weit mehr als die Hälfte des Romans ausmachen. In ihnen weiß Schulze grandios die innere Zerrissenheit seiner Figuren, deren gegensätzliche Haltungen, Erfahrungen und Argumente, darzustellen. Dabei bleibt der Autor wohltuend im Hintergrund, hält sich mit Urteilen und Wertungen erfreulich zurück. Er lässt ursprünglich manifestierte Meinungen kippen, Hoffnungen in Enttäuschungen umschlagen und umgekehrt wiederum Enttäuschung in Hoffnung und trifft dabei den Ton der damaligen Zeit aufs Vortrefflichste. Dass er seine 55 einzelnen Kapitel nicht bis ins Letzte ausarbeitet, lässt viel Freiraum für eigene Interpretationen. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr einer zu schnellen und lockeren Lesenart - zu der die knappe Satzstruktur, der leichte und luftige Stil verleitet. Hier ist selbstauferlegte Dämpfung unbedingtes Muss. Ingo Schulze bedient sich in seinem Roman der biblischen Schöpfungsgeschichte und der Vertreibung aus dem Paradies, was schon der Titel erkennen lässt und spätestens nach dem Auftritt von Lilli - ein Anklang an Adams Lilith, den fraugewordenen Eros des schwarzen Mondes - klar ersichtlich ist. Auch eine böse Schlange darf gefunden werden. Letztendlich ist jedoch das Paradies gerade da nicht, wo man meint, dass es sein müsste. Fazit: Glaubhaft und beeindruckend verbindet Ingo Schulze eine Liebesgeschichte mit einem einschneidenden Moment deutscher Geschichte. Dabei variiert er virtuos mit den Motiven der Schöpfungsgeschichte und ganz speziell dem Mythos vom Sündenfall und verwandelt so - mit gewohnt leichter Hand, die dennoch Tiefe zeichnet - die Wirklichkeit in ein Kunstwerk. "Adam und Evelyn" ist ein politisches "Komödiendrama" mit poetischem Tiefgang, in einem "Augenblick zwischen dem Nichts und Etwas".

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