Peter Holtz

von Ingo Schulze 
4,4 Sterne bei7 Bewertungen
Peter Holtz
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Ein kluges, wichtiges Buch zwischen Witz und Verzweiflung. Kritikpunkt: es fiel zum Teil schwer, den Überblick über die Figuren zu behalten

L

Nettes Buch! 100 Seiten weniger hätten dem Buch aber gut getan und es wäre ein sehr gutes Buch geworden. Dennoch: lesenswert!

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Inhaltsangabe zu "Peter Holtz"

Vom Waisenkind zum Millionär - wie konnte das so schiefgehen?

Peter Holtz will das Glück für alle. Schon als Kind praktiziert er die Abschaffung des Geldes, erfindet den Punk aus dem Geist des Arbeiterliedes und bekehrt sich zum Christentum. Als CDU-Mitglied (Ost) kämpft er für eine christlich-kommunistische Demokratie. Doch er wundert sich: Der Lauf der Welt widerspricht aller Logik. Seine Selbstlosigkeit belohnt die Marktwirtschaft mit Reichtum. Hat er sich für das Falsche eingesetzt? Oder für das Richtige, aber auf dem falschen Weg? Und vor allem: Wie wird er das Geld mit Anstand wieder los? Peter Holtz nimmt die Verheißungen des Kapitalismus beim Wort.

Mit Witz und Poesie lässt Ingo Schulze eine Figur erstehen, wie es sie noch nicht gab, wie wir sie aber heute brauchen: in Zeiten, in denen die Welt sich auf den Kopf stellt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783103972047
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:576 Seiten
Verlag:S. FISCHER
Erscheinungsdatum:07.09.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 07.09.2017 bei Argon erschienen.

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    Bookster_HROvor 8 Monaten
    Ingo Schulze | PETER HOLTZ

    INHALT: Der Weisenjunge Peter ist ein vorbildlicher DDR-Bürger. Seine politische Bildung ist umfassend, er scheut keine Diskussion für sein Ideal zu missionieren und er verabscheut Geld, privates Eigentum und überhaupt jedes Gebahren, das irgend nach Kapitalismus riecht. Bei seinen Mitmenschen gilt Peter mit seiner Linientreue als klug, aber naiv, und spätestens mit Eintritt in die Kirche – als christlich-kommunistischer Demokrat kämpft er nun für das Gute – ist ihm der Ruf als Sonderling sicher.

    Durch eine Reihe von Umständen gelangt eine Handvoll Berliner Immobilien als Schenkung in seinen Besitz, die er pflegt und zur allgemeinen Nutzung anbietet. Es ist die Zeit der Wende, die Peter lang erwartet hat und auch politisch stark unterstützt – er ist sicher, dass sich mit dem Öffnen der Grenzen der real existierende Sozialismus endlich in den Kommunismus wandelt, den er sein Leben lang schon erwünscht und angestrebt hat – doch dann wird er von einem Auto überfahren.

    Als er aus dem Koma erwacht, ist alles gelaufen: Der Mauerfall, die Währungsreform, die Wiedervereinigung fehlt noch, steht aber kurz bevor. Doch das Schlimmste: Seine Immobilien sind Millionen Wert – Peter gehört jetzt zur Upper Class, seinem erklärten Feindbild. Er versucht, das Geld in christlich-kommunistischer Nächstenliebe zu verjubeln, zu verschenken, an den Mann zu bringen, kann aber gegen die kapitalistische Welle, die die ehemalige DDR überschwemmt nichts ausrichten. Was er auch versucht, es wird immer mehr – Das Geld klebt ihm wie Scheiß am Schuh. Doch er beginnt den Kapitalismus zu beobachten, zu erforschen und findet einen Weg, sich mit Würde vom verhassten Geld zu trennen…

    FORM: Ingo Schulze (*1962) hat für seine Geschichte über den klugen, aber furchtbar naiven Peter die Form des Schelmenromans gewählt, die er mustergültig bedient. Eines der Merkmale dieser Romangattung ist, dass die Hauptfigur – der Schelm – kaum eine Entwicklung durchlebt und quasi fertiggestrickt durch die Zeiten und Seiten wandelt. So auch unser Peter hier, der im ersten Kapitel als Zwölfjähriger schon so reif ist, wie als Mittdreißiger am Ende des Romans. Nur die Gesellschaft, das System um ihn herum, hat sich gewandelt, und während er früher als neunmalklug belächelt wurde, hält man ihn später fast für einen Irren.

    Der Roman ist souverän geschrieben – besonders die Dialoge sind großartig; sie wirken echt und nicht so verkrampft, wie sonst oft –, wartet mit einer ganzen Reihe unvorhersehbaren Twists auf und besitzt ein fulminantes Ende. Aber das täuscht nicht über einige Schwächen hinweg. Zum einen die Klugscheißerei, die auf Dauer wirklich nervt, denn leider nutzen sich Peters humorlose Schlaumeierei und seine Naivität während der Lektüre schnell ab. Zum anderen bekommt die (Wende-)Politik zu viel Platz im Roman, was ich störend fand, weil es sich nicht um einen in erster Linie politischen Roman handelt. Die Themen liegen hier eher bei Wirtschaft und Gesellschaft, und auch wenn naturgemäß alles miteinander verbunden ist, hätte dem Roman ein bisschen weniger Politik gutgetan.

    FAZIT: Auch wenn ich ein großer Fan von Ingo Schulze bin – seine beiden Buchpreis-Kandidaten NEUE LEBEN und ADAM UND EVELYN haben mir ausgesprochen gut gefallen – konnte mich sein Peterchen nicht ganz überzeugen. Das Ende hat mich dann aber doch milde gestimmt, so dass ich guten Gewissens noch vier Sterne vergebe.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich auf Euren Besuch ***

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    michael_lehmann-papevor einem Jahr
    Eine deutsche Geschichte aus zwei Welten durch die Augen der Einfalt

    Eine deutsche Geschichte aus zwei Welten durch die Augen der Einfalt

    25 Jahre Alltagsleben in Deutschland. Bis 1989 in der „DDR“, von da an, wie alle, im neu vereinten Deutschland.

    „Waren Sie da?“
    „„Kann man so sagen“, sagt die Genossin, deren Stimme mir ins Ohr sticht. „Wir sind überall auf der Erde….Setz Dich“.

    Was natürlich ein typisches Selbstverständnis der „Genossen“ damals zum Ausdruck bringt, aber die Frage Peters nicht unbedingt beantwortet, was das konkret nachgefragte Kinderkonzert betrifft. Dafür aber müsste dieser Peter Holtz zu einem Denken auf mehreren Ebenen, zu Assoziationen, spitzzüngigen Formulierungen und überhaupt zu einem gewissen Überblick über Geschehnisse fähig sein. Was ins einem Fall in keinem Fall der Fall ist.

    Wie ein tumber Tor läuft er durchs Leben und durch die Zeit und fällt doch immer, selbst wenn Schulze seinen Protagonisten in bedenkliche Schräglagen bringt, fest auf die Füße.

    Und geht so Jahr um Jahr durch die Zeit, dass zu Hause, die nähere Umgebung, die Nachbarschaft. Immer kongenial von Schulze im sprachlichen Ausdruck begleitet und entfaltet, denn in diesem Roman ist nicht nur die Hauptperson einfach gestrickt, sondern dieser entsprechend die Sprache ebenso einfach gehalten, dem schlichten Gemüt entsprechend.

    „Komm, Sportsfreund, stell dich nicht dümmer an…..“. Da zeigt der leicht gereizte Ton „der anderen“ ein um das andere Mal, dass so was fast gar nicht möglich ist, diese Schlichtheit. Aber Peter stellt sich nicht „dumm“ an. In gewisser Weise ist er das. Mit einer gewissen Bauernschläue und einfach auch Glück versehen, was das Leben angeht.

    Dialoge in vielfacher Form geben dem Leser dabei immer mehr Einblick in den naiven Blick Peters, der immer und immer wieder ins humoristisch abgleitende Blüten treibt.

    Oder wie wäre der Umgang mit einer Prosituierten sonst zu verstehen?

    „„Wenn du nicht aufstehst, knie ich mich auch hin“. Da Lilly nichts dergleichen tut, gehe ich auf die Knie“ „Sei nicht blöd“, sagt sie. „Was ist denn?“. „Wollen wir lieber aufstehen“?“, frage ich. „Musst du sagen, so einen Fall hatte ich noch nicht“.

    „„Na dann“, sage ich und rutsche auf den Knien noch ein Stück näher an Lilly heran.

    Einer, der zu DDR Zeiten ein 150 prozentiger war. Nicht aus Überzeugung, sondern weil er eben immer die Gegebenheiten nimmt, wie sie sind und nicht in Frage stellt. Was für den Leser einen nicht nur oft lustigen, sondern durchgehend auch interessanten Blick aus der „Toren-Perspektive“ auf all die Wichtigkeiten, Worthülsen, „großen“ Personen der Zeit, auf den Wandel und das staunende Ankommen „im neuen Deutschland“ immer wieder auf den Punkt bringt.

    Ob freischaffend als Sänger, ob „dann aber richtig im System als „IM“, ob als einfacher Handwerker, immer verbiegt Peter Holtz naiv, frei und alles wörtlich nehmend selbst die konspirativsten Pläne anderer.

    Eine hervorragende Überspitzung dessen, was ein System aus Menschen macht. Wie diese geformt und indoktriniert werden, auf verschiedene Weisen zwar, doch immer mit dem Ziel der „Gleichschaltung“. Gerade weil Peter Holtz in beiden Welten seinen unverdienten und zufälligen „Erfolg“ geradezu unwissend zelebriert, treffen so viele der klugen Beobachtungen Schulzes im Roman den Nerv der Zeit. Und wie sich dieser an solchen Personen fast mehr bricht, die alles befolgen, als an jenen, die bierernst sich mit aller Kraft dagegenstellen.

    Daher ist dieser weltfremde Tor in manchem näher an der eigentlichen Welt, als viele andere.

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    WinfriedStanzickvor einem Jahr
    Ein Schelmenroman



    Einen richtigen Schelmenroman hat Ingo Schulze da geschrieben, fast 600 spannende und absolut unterhaltsame Seiten lang über einen Menschen namens Peter Holtz, der, 1962 geboren, als Waisenkind in der DDR aufwächst und seine von ihm selbst erzählte Geschichte im Juli 1974 beginnen lässt, als er als Gast in einem Ausflugslokal in der Nähe seines Heimes bei Waldau eine Kellnerin und auch andere Gäste verblüfft, indem er sie um kostenloses Essen bittet. Seine Begründung ist so naiv wie verblüffend: im Sozialismus gehört doch allen alles und Geld sollte doch in der neuen Gesellschaftsordnung keine Rolle spielen.

    Auch im weiteren Verlauf seiner Geschichte bleibt Peter Holtz seinen Überzeugungen treu. Obwohl oder vielmehr gerade weil er einer christlichen Gemeinde beitritt und überzeugter Christ wird, will er ein richtiger Soldat werden und sein sozialistisches Land verteidigen. Auch seine Berufswahl, als er Maurer wird und alte Häuser zum Wohle der Gesellschaft saniert, ist an dieser Überzeugung orientiert.

    Als er dann nach der Wende im Westen eine erstaunliche Karriere macht, geraten ihm seine früheren Überzeugungen manchmal aus dem Blick. Er wird sehr reich, wird Unternehmer, kauft eine Kunstgalerie und sieht sich plötzlich auf der anderen Seite stehen. Seine Arbeiter kämpfen gegen ihn.

    In einzelnen kurzen Episoden erzählt, kommt der Roman sehr witzig daher, mit Dialogen, die manchmal zum Brüllen sind, doch immer sehr hintergründig , konfrontiert Ingo Schulze mit seinem Protagonisten den Leser immer wieder mit der Frage, was denn nun richtig oder falsch ist.

    Wenn man sich mit den ziemlich sonderbaren Ansichten von Peter Holtz über die unterschiedlichsten Dinge und Phänomen auseinandersetzt, fragt man sich immer wieder, ob vielleicht das, was für uns heute so absolut selbstverständlich ist, nicht auch oder vielleicht noch mehr hinterfragt werden muss.

    Es geht im Grunde in diesem Schelmenroman um die Grundlagen und Prinzipien einer möglichen gerechten Gesellschaft. Wie kann sie erreicht werden und: sind wir bereit dafür uns einzusetzen?

    Bei aller belletristischen Phantasie, der Ingo Schulze in seinem Roman freien Lauf lässt – sein Buch hat eine grundlegende sozialpolitische Botschaft.


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    buecher-beavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Der Erzähler beschreibt mithilfe der Hauptfigur auf eine so andere Art die deutsche Geschichte, dass es sehr amüsant und philosophisch ist.
    Die deutsch-deutsche Geschichte und der kleine Mann darin

    Peter Holtz ist ein besonderes Kind, als er im Alter von zehn Jahren auf der Suche nach Paul Löschau aus dem Kinderheim ausgebrochen ist und auf Hermann und Beate Grohmann trifft. Sie nehmen das Kind zu sich, und ihre etwas ältere Tochter Olga hat fortan einen Bruder, der dem DDR-Regime vollends ergeben ist und alle Zweifel und Kritik der Freunde am System ausdiskutiert.
    Durch Olga kommt er zur CDU, erlebt die Zeit vor und nach der Wende in Ostberlin und wird ungewollt zum Millionär und Kapitalisten, später sogar zum Künstler.

     Die Naivität und Treue von Peter ist unbeschreiblich und für seine Umwelt sonderbar. Solch eine Einfalt ist ihnen noch nie begegnet. Der Ich-Erzähler beschreibt mithilfe der Hauptfigur auf eine so andere Art die deutsche Geschichte von 1974 bis 1998, dass es sehr amüsant und philosophisch ist. Man freut sich mit Peter, wenn sich die teilweise sehr brenzligen Situationen für ihn immer zum Guten wenden. Auch, wenn er sich einen ganz anderen Ausgang der Situation erhofft hat.
    Es ist ein Buch zum Kichern und Kopfschütteln und man bleibt nach der Lektüre etwas entrückt und nachdenklich zurück.

    Am Hörbuch ist die Lesung des Autors höchstpersönlich besonders wertvoll, da die Aussprache und Betonung sehr stimmig und einfach klasse sind. 

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    Godelewavor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein kluges, wichtiges Buch zwischen Witz und Verzweiflung. Kritikpunkt: es fiel zum Teil schwer, den Überblick über die Figuren zu behalten
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    lectorvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Nettes Buch! 100 Seiten weniger hätten dem Buch aber gut getan und es wäre ein sehr gutes Buch geworden. Dennoch: lesenswert!
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    waschi1vor 2 Monaten

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    Pressestimmen

    bewundernswerte Leichtigkeit und Präzision bis zur letzten Seite […] große Kunst […]

    Simplicissimus des Ostens […] sehr unterhaltsam und zugleich sehr kunstbewusst

    Er ist so einfältig wie besonders. Ein kleiner Tugendbold mit großem Klassenbewusstsein. […] Das ostdeutsche Pendant zum US-amerikanischen Forest Gump: Peter Holtz.

    Schulze […] beweist mit diesem Buch wieder, dass er ein kunstvoller, gewitzter Erzähler ist […] ein furioses Schelmenstück für unsere Zeit.

    […] ein Simplicissimus Teutsch unserer Gegenwart. Ein lächerlich humanistischer Held, ein zutiefst humaner Roman.

    Ingo Schulze hat mal wieder ein großartiges Buch geschaffen.

    Der Autor Ingo Schulze […] hat einen Weg gefunden, nicht dokumentarisch die Zeitgeschichte aufzuarbeiten, sondern auf ungewohnte Weise neu auf sie zu blicken.

    Dieses Buch ist ein großer Spiegel. […] Schulze greift mit seinem neuen Buch tief in die literarische Schatzkiste der deutschen Literatur.

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