Ingrid Müller-Münch

 4 Sterne bei 9 Bewertungen

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Die geprügelte Generation

Die geprügelte Generation

 (8)
Erschienen am 01.11.2012
Die Frauen von Majdanek

Die Frauen von Majdanek

 (1)
Erschienen am 01.03.1988

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Rezension zu "Die geprügelte Generation" von Ingrid Müller-Münch

Ein bemerkenswertes Buch, das ich absolut weiterempfehlen kann!
Sommerregenvor 3 Jahren

Die Verwendung von Kochlöffel und Rohrstock zum Zweck der Züchtigung war in den 1950ern und 1960ern weit verbreitet. Beinahe jedes Kind der Nachkriegsgeneration wusste entweder aufgrund eigener Erfahrungen, oder weil es davon in seinem Umfeld etwas mitbekommen hatte, um diese furchtbaren Praktiken. Diese Art der Erziehung zog sich durch alle Schichten und auch wenn viele Kinder dieses Schicksal teilten, wurde es gemeinhin totgeschwiegen.
Erst mit der Publikmachung der Misshandlungen durch Geistliche oder an Privatschulen und in Heimen ist dieses Thema ins Auge der Öffentlichkeit gerückt. Doch noch immer ist es kaum begreifbar, weswegen Eltern ihren Kindern mit Teppichklopfer und Kochlöffel begegneten. Liegt der Grund in den im Krieg erlittenen Traumata der Eltern oder an einfacher Überforderung, fragt man sich. Auch weswegen niemand eingriff, wenn die Kinder wieder “gezähmt werden mussten” und ihre Schreie in der Nachbarschaft nicht zu überhören gewesen sein mussten, lässt sich nicht einfach beantworten.
Was wurde aus den geprügelten Kindern und wie denken sie über ihre Eltern und die von diesen praktizierte Schwarze Pädagogik? Und welchen geschichtlichen Verlauf nimmt die Erziehung; in wie weit prägten zum Beispiel Erziehungsratgeber oder die hochangesehenen Eigenschaften wie Ordnung und Fleiß aus NS-Zeiten? Aber auch die Frage, wie es heute mit der Misshandlung der Kinder aussieht, stellt sich, denn dieses Kapitel ist leider noch nicht gänzlich abgeschlossen..
Auf diese und viele weitere Fragen geht die Autorin Ingrid Müller-Münch in ihrem Buch “Die geprügelte Generation- Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen” ein. Zusammen mit anderen, die diese Erziehung erlitten haben, Traumatherapeuten, Psychologen, Bindungsforschern, Psychotherapeuten und Erziehungwissenschaftlern zeigt sie Antworten auf und zeichnet auf 284 Seiten ein unglaublich dichtes und berührendes Bild einer ganzen geprügelten Generation.

Jedes mal, wenn Interviewte über die erlittenen Strafen berichten und beschreiben, was sie dabei fühlten und versuchen eine Erklärung für das Verhalten ihrer Eltern zu finden, war das für mich schockierend. Mit welcher Selbstverständlichkeit diese doch eigentlich Liebe und Vertrauen schenken sollenden Menschen zur Züchtigung körperliche oder auch seelische Gewalt anwanden, ist haarsträubend.
Ich finde es bewundernswert, wie sachlich und fair die Autorin bei einer so aufwühlenden Thematik bleibt und wie es ihr gelingt, so viel Inhalt auf so wenig Seiten zu bringen, ohne dass das Buch erdrückend wirken würde. Auch sehr beeindruckend ist, dass das vermittelte Wissen durch so viele Statistiken, Gespräche mit Fachleuten, Bücher, Studien und so weiter untermauert wird. Die Autorin malt nicht nur schwarz, sondern gibt beiden Seiten eine Stimme, auch wenn sie selbstverständlich stets gegen die Misshandlung von Kindern ist.
Es werden die verschiedensten Seiten beleuchtet und sehr verständlich und nachvollziehbar ausgeführt. Ob die Spuren der Nazis und des Krieges oder der den Eltern zuspieldenen Justiz- ein facettenreiches und kompaktes Bild wird gezeichnet.
Ich konnte dieses Buch beim Lesen kaum aus der Hand legen, da es so spannend war- und wenn ich es doch tat, dann nur um Zeit zu haben, über das Gelesene nachzudenken und es zu verarbeiten. Aber auch nach dem Lesen beschäftigte mich das Buch noch lange- und das tut es noch immer- denn ich habe durch das Lesen dieses Buches sehr viel dazulernen und aufgezeigte Zusammenhänge verstehen können.

Ich kann wirklich jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen, da es sehr verständlich ausgesprochen viel Wissen vermittelt. Außerdem denke ich, dass sich mit der im Buch behandelten Thematik wirklich jeder auseinandersetzen sollte! Nicht nur selber Betroffene, sondern auch junge Menschen, um zu verstehen, was die älteren Generationen -Eltern und Großeltern- prägte und um zu verinnerlichen wie wichtig eine gewaltfreie und liebevolle Erziehung ist.

Ein sehr ergreifendes, schockierendes aber auch aufklärendes Buch, dessen Thematik mehr in der Öffentlichkeit behandelt werden sollte!

Es geht hier – klick  – zu der Website zum Buch, auf der es noch mehr zusätliche Informationen gibt.

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Rezension zu "Die geprügelte Generation" von Ingrid Müller-Münch

vielleicht hilfreich für Betroffene
Claddyvor 4 Jahren

Ingrid Müller-Münch erarbeitet auf Grund eigener Erfahrungen, Berichten Betroffener und Beispielen aus der Literatur das Thema der gewalttätigen Erziehung, insbesondere der Generation der Nachkriegskinder.
Darüber hinaus versucht sie, eventuelle psychische Spätfolgen zu erklären.
Das mag zunächst interessant klingen, doch schimmert zu viel Selbstmitleid und Vorwurf zwischen den Zeilen hervor. Und die Erkenntnis, dass Gewalt in der Erziehung der Entwicklung eines jungen Menschen mehr schadet als nutzt, ist weder spektakulär noch neu.
Weiterhin findet Erwähnung, dass  schon seit Jahrhunderten Prügelstrafen eingesetzt wurden, auch in heutiger Zeit noch vorkommen, und darüber hinaus seelische Verletzungen mindestens ebenso große Schäden verursachen können wie körperliche. Hier wird sichtbar, dass zumindest teilweise am Titel vorbei geschrieben wurde. 
Vielleicht wäre es ergiebiger gewesen, die soziologischen und psychologischen Thesen besser aufzubereiten und zum Vergleich andere, gewaltfreie Gesellschaftsformen hinzuzuziehen.
Für mich ist dies ein Buch, dessen Lektüre einen Sinn allenfalls für Leser macht, die bisher aus der ebenfalls beschriebenen Scham heraus nicht über ihre Leiden sprechen wollten und sich hier verstanden und bestärkt fühlen, denen nun vielleicht sogar ein Schritt zur heilenden Auseinandersetzung mit einer schmerzvollen Vergangenheit gelingt.

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Rezension zu "Die geprügelte Generation" von Ingrid Müller-Münch

Rezension zu "Die geprügelte Generation" von Ingrid Müller-Münch
Babschavor 6 Jahren

Kindheit in den 50er und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Eine Zeit, die vielen, die „dabei waren“, noch lebhaft, jedoch oftmals nicht in guter Erinnerung ist. Eine Zeit, in der Kinder absolut nichts zu melden hatten und der elterliche Wille alles war. In der traumatisierte Kriegsheimkehrer zuhause einfach weitermachten und ihren Nachwuchs, oftmals ohne jeden oder aus nichtigem Grund, mit Rohrstöcken, Teppichklopfern, Kleiderbügeln oder was sonst gerade greifbar war, schlugen und die Mütter entweder selbst mitmischten oder bestenfalls hilflos daneben standen. Wo auch Lehrer die grenzenlose Freiheit hatten, sich unwidersprochen an Schülern abzureagieren, sie zu schlagen und zu schikanieren. Eine Zeit, in der dies alles selbstverständlich war, eine vom Gesetzgeber und quer durch alle Gesellschaftsschichten völlig akzeptierte, wenn nicht befürwortete Norm. Eine überwiegend freudlose, düstere Zeit, deren am eigenen Leib erfahrene Auswüchse von den Betroffenen aus Scham zumeist tief in der Seele vergraben wurden, ungeachtet dessen aber immer präsent sind und oftmals massive, lebenslange Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung hatten.

Die Autorin hat viele unmittelbar Betroffene zu ihren eigenen Erfahrungen aus jener Zeit interviewt, lässt sie in ihrem sehr gut aufbereiteten und lesenswerten Buch stellvertretend für alle anderen zu Wort kommen und bettet deren Berichte ein in ihre eigenen Recherchen, in einen Streifzug durch eine Zeit, die man sich heute kaum noch vorstellen kann.

Ein aus meiner Sicht wichtiges Buch, das noch mal deutlich den Finger in oberflächlich verheilte Wunden legt und durchaus auch als Mahnung verstanden werden sollte.

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