Ingrid Müller-Münch

 4 Sterne bei 12 Bewertungen

Lebenslauf

Ingrid Müller-Münch, Journalistin und Autorin. Sie war Korrespondentin der Nachrichtenagentur »Reuters« und der »Frankfurter Rundschau«, Redakteurin beim »Stern« und arbeitet heute hauptsächlich für den »Westdeutschen Rundfunk«. Sie lebt in Köln.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ingrid Müller-Münch

Cover des Buches Die geprügelte Generation (ISBN: 9783492302838)

Die geprügelte Generation

(10)
Erschienen am 17.09.2013
Cover des Buches Die Frauen von Majdanek (ISBN: 9783499149481)

Die Frauen von Majdanek

(1)
Erschienen am 01.03.1988

Neue Rezensionen zu Ingrid Müller-Münch

Sehr ergreifendes Schicksal

Mein Fazit: 

Zitat von Günter Wallraff: "Diese Täterinnen - Biografie sollte gerade jetzt auch Pflichtlektüre in den Schulen werden und zugleich uns allen Mahnung für die Zukunft." 


Viele Menschen sagen, es ist genug über den Krieg geschrieben worden. Viele meinen: es kann nicht genug Aufklärung geben und für die nachfolgenden Generationen als Mahnung, dass so etwas nie wieder passiert ! Ich lese sehr viel Literatur über den Zweiten Weltkrieg und finde, da fast alle Zeitzeugen mittlerweile verstorben sind und so lange es Kriege gibt, sollte man diesen Menschen eine Stimme geben. Damit ihr Opfer nicht umsonst gewesen ist.


 "Die Täterinnen von Majdanek - Aufseherinnen vor Gericht "ist ein Epos, das wach rüttelt und mit dem Klischee aufhört, dass es nur männliche" Bestien" im Krieg gab, in der SS, in Konzentrationslagern, in Führungspositionen.... Wir erinnern uns an Ilse Koch, die Ehefrau des Lagerkommandanten des KZ Buchenwald, Karl Otto Koch. In der Nachkriegszeit wurde sie als „Hexe von Buchenwald“ international bekannt, da sie im KZ brutal Häftlinge folterte....


In diesem Buch lernen wir viele andere Frauen kennen, die genauso Häftlinge zur Selektion ausmusterten, sie brutal schlugen ... wie Hildegard Lächert zum Beispiel, genannt die blutige Brygida. Sie schlug auf Häftlinge mit einer Peitsche ein, bis ein blutiger Klumpen übrig blieb, Kinder mit einem Kochlöffel auf den Kopf schlug, bis sie bluteten … unvorstellbare Grausamkeiten, wofür sie und andere Aufseherinnen sich nach dem Krieg vor Gericht verantworten mussten. Wenige Aufseherinnen, die Menschen noch mit etwas Herz behandelten, die noch etwas Menschlichkeit zeigten, obwohl sie sich den Idealen des Nationalsozialismus verschrieben haben … Die einzelnen Biografien sind sehr tragisch und man kann sich die Taten der Aufseherinnen kaum vorstellen. So brutal, so unmenschlich, voller Hass und Wut. 


Die Autorin beschreibt diese furchtbare Zeit mit einfachen Worten, die Geschehnisse sind sehr gefühlvoll formuliert, die Schicksale der geschundenen Frauen emotional sehr berührend. Ihr Schreibstil ist flüssig, modern gehalten, spannend geschrieben und sehr ans Herz gehend. Ein Buch, das man gelesen haben sollte.

Cover des Buches Die geprügelte Generation (ISBN: 9783608946802)
Sommerregens avatar

Rezension zu "Die geprügelte Generation" von Ingrid Müller-Münch

Sommerregen
Ein bemerkenswertes Buch, das ich absolut weiterempfehlen kann!

Die Verwendung von Kochlöffel und Rohrstock zum Zweck der Züchtigung war in den 1950ern und 1960ern weit verbreitet. Beinahe jedes Kind der Nachkriegsgeneration wusste entweder aufgrund eigener Erfahrungen, oder weil es davon in seinem Umfeld etwas mitbekommen hatte, um diese furchtbaren Praktiken. Diese Art der Erziehung zog sich durch alle Schichten und auch wenn viele Kinder dieses Schicksal teilten, wurde es gemeinhin totgeschwiegen.
Erst mit der Publikmachung der Misshandlungen durch Geistliche oder an Privatschulen und in Heimen ist dieses Thema ins Auge der Öffentlichkeit gerückt. Doch noch immer ist es kaum begreifbar, weswegen Eltern ihren Kindern mit Teppichklopfer und Kochlöffel begegneten. Liegt der Grund in den im Krieg erlittenen Traumata der Eltern oder an einfacher Überforderung, fragt man sich. Auch weswegen niemand eingriff, wenn die Kinder wieder “gezähmt werden mussten” und ihre Schreie in der Nachbarschaft nicht zu überhören gewesen sein mussten, lässt sich nicht einfach beantworten.
Was wurde aus den geprügelten Kindern und wie denken sie über ihre Eltern und die von diesen praktizierte Schwarze Pädagogik? Und welchen geschichtlichen Verlauf nimmt die Erziehung; in wie weit prägten zum Beispiel Erziehungsratgeber oder die hochangesehenen Eigenschaften wie Ordnung und Fleiß aus NS-Zeiten? Aber auch die Frage, wie es heute mit der Misshandlung der Kinder aussieht, stellt sich, denn dieses Kapitel ist leider noch nicht gänzlich abgeschlossen..
Auf diese und viele weitere Fragen geht die Autorin Ingrid Müller-Münch in ihrem Buch “Die geprügelte Generation- Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen” ein. Zusammen mit anderen, die diese Erziehung erlitten haben, Traumatherapeuten, Psychologen, Bindungsforschern, Psychotherapeuten und Erziehungwissenschaftlern zeigt sie Antworten auf und zeichnet auf 284 Seiten ein unglaublich dichtes und berührendes Bild einer ganzen geprügelten Generation.

Jedes mal, wenn Interviewte über die erlittenen Strafen berichten und beschreiben, was sie dabei fühlten und versuchen eine Erklärung für das Verhalten ihrer Eltern zu finden, war das für mich schockierend. Mit welcher Selbstverständlichkeit diese doch eigentlich Liebe und Vertrauen schenken sollenden Menschen zur Züchtigung körperliche oder auch seelische Gewalt anwanden, ist haarsträubend.
Ich finde es bewundernswert, wie sachlich und fair die Autorin bei einer so aufwühlenden Thematik bleibt und wie es ihr gelingt, so viel Inhalt auf so wenig Seiten zu bringen, ohne dass das Buch erdrückend wirken würde. Auch sehr beeindruckend ist, dass das vermittelte Wissen durch so viele Statistiken, Gespräche mit Fachleuten, Bücher, Studien und so weiter untermauert wird. Die Autorin malt nicht nur schwarz, sondern gibt beiden Seiten eine Stimme, auch wenn sie selbstverständlich stets gegen die Misshandlung von Kindern ist.
Es werden die verschiedensten Seiten beleuchtet und sehr verständlich und nachvollziehbar ausgeführt. Ob die Spuren der Nazis und des Krieges oder der den Eltern zuspieldenen Justiz- ein facettenreiches und kompaktes Bild wird gezeichnet.
Ich konnte dieses Buch beim Lesen kaum aus der Hand legen, da es so spannend war- und wenn ich es doch tat, dann nur um Zeit zu haben, über das Gelesene nachzudenken und es zu verarbeiten. Aber auch nach dem Lesen beschäftigte mich das Buch noch lange- und das tut es noch immer- denn ich habe durch das Lesen dieses Buches sehr viel dazulernen und aufgezeigte Zusammenhänge verstehen können.

Ich kann wirklich jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen, da es sehr verständlich ausgesprochen viel Wissen vermittelt. Außerdem denke ich, dass sich mit der im Buch behandelten Thematik wirklich jeder auseinandersetzen sollte! Nicht nur selber Betroffene, sondern auch junge Menschen, um zu verstehen, was die älteren Generationen -Eltern und Großeltern- prägte und um zu verinnerlichen wie wichtig eine gewaltfreie und liebevolle Erziehung ist.

Ein sehr ergreifendes, schockierendes aber auch aufklärendes Buch, dessen Thematik mehr in der Öffentlichkeit behandelt werden sollte!

Es geht hier – klick  – zu der Website zum Buch, auf der es noch mehr zusätliche Informationen gibt.

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